Nonna Mia! – Liebe ohne Abzüge

Juli 31, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Oma in der Tiefkühltruhe

Landet bald bei den Tortelloni in der Tiefkühltruhe: Sixties-Bond-Girl Barbara Bouchet füllt die Rolle der Nonna Birgit mit – naja – Leben. Bild: Polyfilm Verleih

Italienisches Temperament, spritzige Dialoge und ein sympathisches Schauspielerpaar, bei dem die Chemie augenscheinlich stimmt, das sind die Zutaten, die die Komödie „Nonna Mia! – Liebe ohne Abzüge“ der Regisseure Giancarlo Fontana und Guiseppe Stasi zum Gourmetstück der diesjährigen Sommerkinokost machen. Ab Freitag läuft der ungewöhnliche Mix aus Romantic Comedy, „eiskaltem“ Slapstick und Kritik am korrupten staatlichen System – immerhin erlangten Fontana und Stasi mit einem

satirischen Youtube-Video über Silvio Berlusconi erste Bekanntheit – auch über die heimischen Leinwände. In den ersten drei Szenen werden die Protagonisten in einem Tempo präsentiert, dass einem die Luft wegbleibt. Erst die Kamerafahrt durch die Tiefkühltruhe, bei der’s von unten nach oben durch Omas Gefrierbrandberge geht, das kennt man so auch von der eigenen Großmutter, während diese unverdrossen die nächsten Beutel hausgemachter Tortelloni aufs Frostkristallszenario häuft. Dann die späteren Liebesleute, der diensteifrige Finanzpolizist Simone und die hoch verschuldete Kunstrestauratorin Claudia, er verkleidet als Pfarrer und wie er kurz vor knapp aus der Soutane springt, um die Vermählung einer Greisin mit einem Ganoven zwecks Vermögenstransfers zu verhindern, sie im Museum, mit Spraydose vor einem Caravaggio-Gemälde, dessen Zerstörung sie androht.

Claudia und ihre Mitarbeiterinnen müssen sich Großmutters Rente sichern: Marina Rocco, Miriam Leone und Lucia Ocone. Bild: Polyfilm Verleih

Der strenge Finanzpolizist Simone hat mehr als genug Arbeit für sein Team: Fabio De Luigi mit Francesco Di Leva, Carlo Luca De Ruggieri und Susy Laude. Bild: Polyfilm Verleih

Das Museum nämlich schuldet Claudia nicht weniger als 160.000 Euro, die Gehälter ihrer Mitarbeiterinnen Rossana und Margie kann sie nur dank der Rente ihrer Nonna Birgit bezahlen – und als sich die mit dem Pathos einer Heiligen zum Sterben hinlegt und tatsächlich in eine bessere Welt wechselt, fassen die drei den Entschluss, die Großmutter zwischen die Tiefkühlware zu betten, auf dass der monatliche Pensionsscheck die Pleite weiterhin abwende. „Metti la nonna in freezer“ lautet auch frech der Originaltitel des Klamauks, in dem in weiterer Folge nicht nur Simone, seine Jagd auf einen steuerhinterziehenden Mafiosi, sein trotteliger Konkurrent und Generalssöhnchen Rambaudo, sondern auch ein alter Verehrer der Nonna für Chaos sorgen.

Nun ist der filmische Versuch, eine Leiche einerseits zu verstecken, sie andererseits aber aus Notwendigkeiten ab und an lebendig erscheinen zu lassen, nicht neu. Im Gegensatz zum Brachialhumor in beispielsweise Ted Kotcheffs „Immer Ärger mit Bernie“ halten Fontana und Stasi ihren Einfrier-Auftau-Spaß aber in der Waage zwischen makaber-frostig und herzerwärmend. Dazu kommt die Spielfreude, mit der Miriam Leone und Fabio De Luigi an ihre Rollen der Claudia und des Simone herangehen. Kennenlernen sich die beiden bei einer von Simones „Aktionen“. Gerade als der Museumsbeamte Claudia ein unsauberes Angebot wegen der ausstehenden Zahlungen macht, enttarnt sich Simone als Ritter in der Rüstung – und nimmt den bestechlichen Staatsdiener fest. In Simones Kopf läuft das gute alte „Tu“ von Umberto Tozzi. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Wo die Liebe hinfällt, nehmen die Verdächtigungen zu: Fabio De Luigi und Miriam Leone. Bild: Polyfilm Verleih

Nun sind, was für Claudia Lucia Ocones „Rossana“ und Marina Roccos „Margie“ ist, für Simone seine Untergebenen, und die wollen ihren in Liebesdingen zu Katastrophen und Fettnäpfchen neigenden Chef unbedingt verkuppeln. Nicht zuletzt aus Eigennutz, um dem Workaholic endlich wieder einmal ein arbeitsfreies Wochenende abzutrotzen. Francesco Di Leva, Susy Laude und Carlo Luca De Ruggieri sind großartig als Kupplertrio, nur begehen sie, unwissentlich der Wahrheit auf der Spur, den Fehler über die Rente der Nonna und, warum diese wohl Claudias Firma über Wasser hält, zu sprechen.

Mit dem Resultat, dass sich die alarmierte Claudia in so waghalsigen wie abstrusen Täuschungs- und Verstellungsmanövern verstrickt, Irrungen und Wirrungen, durch die Simone stolpern muss, hält sie ihn doch für abgefeimter als er ist, wenn er in seiner Tollpatschigkeit eher bedrohlich als charmant klingt … Die wunderbare Barbara Bouchet füllt die Figur der Nonna Birgit, na, nicht direkt mit Leben, aber es ist großartig, was das Sixities-Bond-Girl aus dieser stummen Rolle herausholt.

Egal, ob Simone ihr in einer rührenden Sequenz sein Herz ausschüttet, sie sich auf einer rasanten Rollstuhlfahrt wiederfindet, oder auch nur leise vor sich hin tröpfelt: Die Bouchet beherrscht das Geschehen. Zum Ende gibt’s noch zwei, drei Kniffs, und dann kommt es doch unerwartet, wie der Film angesichts der Allgegenwart von Korruption, Betrug und Misswirtschaft die Frage aufwirft, wie viel Korrektheit man sich als Staatsbürger eines zutiefst unkorrekten Staats eigentlich leisten kann. Das gibt dem komödiantischen Treiben eine gewisse Tiefe – in erster Linie aber ist „Nonna Mia! – Liebe ohne Abzüge“ ein Wohlfühlfilm zum Einkuscheln und Lachen.

Video:

 

www.filmhaus.at/film/nonna-mia

  1. 7. 2019

Stars von Michael Schade bis Klaus Maria Brandauer

März 23, 2013 in Klassik

Das Wiener OsterKlang-Festival in der Karwoche

Das siebzehnte OsterKlang-Festival spannt in der Zeit von 23. bis 31. März  seinen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe bis hin zu Werken von Georg Friedrich Händel, Benjamin Britten, György Kurtág, Max Bruch und der einzigartigen Oper von Ludwig van Beethoven: Fidelio. Den szenischen Kern des Festivalprogramms bilden die zwei Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten in der Kammeroper und L. v. Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien. Die Spielorte während der Osterwoche sind das Theater an der Wien, die Kammeroper, die Minoritenkirche, die Hofburgkapelle und der Musikverein. Neben den renommierten SängerInnen wie u. a. Michael Schade, Juliane Banse und Lawrence Zazzo wird sich das Junge Ensemble des Theater an der Wien im Rahmen des Eröffnungskonzertes in der Hofburgkapelle vorstellen. Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Fabio Luisi, Paul Goodwin und Martin Haselböck sowie der Concentus Musicus Wien, die Wiener Symphoniker, das kammerorchesterbasel, die Wiener Akademie und das Ensemble Prisma Wien präsentieren ein auserlesenes Konzert-und Opernprogramm. Klaus Maria Brandauer liest am Karfreitag Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, musikalisch umrahmt von Franz Bartolomey. Im Fokus der ausgewählten Werke des Festivals stehen die Sehnsucht nach Freiheit, Fragen über Glaube und Hoffnung, Tod und Verlust, als auch die Zuversicht auf Erlösung.

Osterklang 2013/Fidelio Michael Schade, Juliane Banse Bild: Herwig Brammer

Osterklang 2013/Fidelio
Michael Schade, Juliane Banse
Bild: Herwig Brammer

Das Programm:

Eröffnet wird der 17. OsterKlang am Palmsamstag, den 23. März  mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Erwin Ortner wird das Wiener Osterfestival erstmals in der Hofburgkapelle eröffnet. Als Solisten sind sechs junge SängerInnen aus dem Jungen Ensemble des Theater an der Wien (JET) zu erleben. Es
musiziert das Ensemble Prisma Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Die Urfassung von Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio wurde 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt. Unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt gelang nun die Fassung aus 1814 zur Aufführung an der Wien. Die Premiere dieser Neuproduktion in einer Inszenierung von Herbert Föttinger, der sich erstmals einer Opernregie widmet, war bereits am 17. März. Die Vorstellungen am 24., 26. und 28. März finden im Rahmen des OsterKlang-Programms statt. Als Leonore gibt Juliane Banse ihr Rollendebüt, Florestan wird von Michael Schade gegeben – Martin Gantner ist als Don Pizarro, Lars Woldt als Rocco und Anna Prohaska als Marzelline zu erleben. Es spielt der Concentus Musicus Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Georg Friedrich Händels Serenata in drei Teilen Acis and Galatea wird am 25. März unter der musikalischen Leitung von Paul Goodwin zur konzertanten Aufführung im Theater an der Wien gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen der Seenymphe Galatea und dem Schäfer Akis entstammt der griechischen Mythologie und Händels Acis-Stoff basiert ebenfalls darauf. Bei diesem selten gespielten Werk handelt es sich um eine pasticcio-artige Mischform in englischer und italienischer Sprache, die Händel selbst als Serenata bezeichnet hat. Das kammerorchesterbasel begleitet die Solisten Carolyn Sampson, Nuria Rial, Lawrence Zazzo, Hilary Summers und Andrew Foster-Williams.

Am 25., 27. und 29. März stehen die zwei einaktigen Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten auf dem Programm des Festivals. Beide Kirchenparabeln thematisieren den Verlust, den Menschen erleiden und die Gnade, die darüber hinweghelfen kann. Diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien wird musikalisch
von Walter Kobéra geleitet, für die Inszenierung zeichnet Carlos Wagner verantwortlich. Aufführungsort ist die Kammeroper am Fleischmarkt, die seit September 2012 vom Theater an der Wien bespielt wird. Solisten sind u. a. Peter Edelmann, Gernot Heinrich, Sebastian Huppmann und Alexander Kaimbacher. Es musiziert das amadeus ensemble-wien und singt der Wiener Kammerchor.

Martin Haselböck und seine Wiener Akademie sind ein wichtiger Bestandteil des OsterKlang-Festivals. Dieses Jahr sind der Dirigent und sein renommiertes Orchester am 27. März mit der Aufführung des Oratoriums Solomon von Georg Friedrich Händel im Theater an der Wien vertreten. Das dreiaktige Werk verbindet keine durchgehende Handlung, vielmehr zeigt jeder Akt ein anderes facettenreiches Bild des Königs Solomon. Als Solomon ist Franco Fagioli und als seine Gemahlin Kirsten Blaise zu hören. Die Königin von Saba wird von Bernarda Bobro gegeben und James Oxley ist der Priester Zadok. Es singt der Chorus sine nomine.

Am Karfreitag, den 29. März, steht mit dem Titel „Ich möchte Glauben lernen“ ein sehr außergewöhnlicher Abend in der Minoritenkirche auf dem Festivalprogramm. Klaus Maria Brandauer liest Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die während seiner Haft entstanden sind. Bonhoeffers leidenschaftlicher
Protest gegen die Nationalsozialisten, seine aktive Rolle im Widerstand gegen Hitler, seine Texte und sein Märtyrertod finden weit über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung. Musikalisch umrahmt wird dieser Abend mit Werken von Johann Sebastian Bach, György Kurtág und Max Bruch für Violoncello-Solo, interpretiert von Franz Bartolomey.

In der Minoritenkirche wird am Karsamstag, den 30. März, eine rekonstruierte Fassung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach zu hören sein. Die jüngste „Bachsche“ Passionsvertonung nach dem Evangelium des Markus ist wenig im Konzertleben präsent. Da lediglich der Text dieser Passion überliefert ist und die Musik als verschollen gilt, muss
jedes Ensemble auf eine bestehende Rekonstruktion zurückgreifen, oder wie in dieser OsterKlang-Aufführung eine „Neufassung“ erarbeiten. Die Gesamtleitung dieses Projekts, insbesondere hinsichtlich der Rekonstruktion, liegt in den Händen von Rudolf Leopold. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Platzgummer musiziert das Ensemble Il
Concerto Viennese und das Ensemble Vokal Origen. Als Evangelist ist Daniel Johannsen und als Jesus Matthias Helm zu hören.

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Fabio Luisi präsentieren die Wiener Symphoniker am Ostersonntag traditionellerweise ihren Frühling in Wien und schließen mit diesem Konzert das Festival OsterKlang Wien. Im Musikverein erwartet das Publikum ein stimmungsvolles Potpourri aus Werken der „Großen Drei“ der italienischen Oper: Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gioachino Rossini, ergänzt mit der Symphonischen Dichtung Feste Romane von Ottorino Respighi.

www.theater-wien.at

www.osterklang.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 3. 2013