Crossing Europe 2020 findet online statt

April 17, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Ab dem 21. April werden zehn Festivalfilme gestreamt

Szabad egyetem / The free university. Bild: Fahej Productions

Alljährlich im April zeigt Crossing Europe einen repräsentativen Querschnitt des europäischen Films. Erstmals seit dessen Gründung 2004 musste nun auch das Linzer Filmfestival im Zuge der #Corona-Krise abgesagt werden. Filmfans müssen dennoch nicht darauf verzichten, denn Flimmit bietet ihnen unter dem Namen „Crossing Europe – EXTRACTS“ eine digitale Ersatzbühne.

Durch eine genreübergreifende Selektion werden bis 20. Mai zehn Filme präsentiert, die der Vielsprachigkeit und Diversität des Kontinents Europa Rechnung tragen sollen. Die spezielle Kollektion wird exklusiv von Festivalleiterin Christine Dollhofer kuratiert und kommentiert. Darunter finden sich Spielfilme, Dokumentarfilme, Publikumslieblinge und Arbeiten, die auf renommierten internationalen Festivals ihre Weltpremieren feierten und danach bei Crossing Europe erstmalig in Österreich zu sehen gewesen wären.

L’angle mort / Blind spot: Bild: The Party Film Sales

Parwareshgah / The orphanage. Bild: Virginie Surdej

Take me somewhere nice. Bild: Heretic Outreach

Zabuti / The forgotten: Bild: Wide

Die kuratierten Filme im Überblick:

La hija de un ladrón / A thief’s daughter, Spielfilm von Belén Funes . Ivana cea groaznica / Ivana the terrible, Spielfilm von Ivana Mladenović . Take me somewhere nice, Spielfilm von Ena Sendijarević . Zabuti / The forgotten, Spielfilm von Daria Onyshchenko . Otan o wagner sinantise tis ntomates / When tomatoes met Wagner, Dokumentarfilm von Marianna Economou . Rotjochies / Punks, Dokumentarfilm von Maasja Ooms . Parwareshgah / The orphanage, Spielfilm von Shahrbanoo Sadat . L’angle mort / Blind spot, Spielfilm von Patrick Mario Bernard und Pierre Trividic . Szabad egyetem / The free university, Dokumentarfilm von Jonathan Hunter und Lucie Janotová . The sound is innocent, Dokumentarfilm von Johana Ožvold.

www.crossingeurope.at            www.flimmit.com

17. 4. 2020

Crossing Europe: Filmfestival in Linz

April 11, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Von lieben Nachbarn, Rechten und linken AKW-Gegner

Das Wetter in geschlossenen Räumen. Bild: Crossing Europe

Maria Furtwängler als frustrierte Fundraiserin: „Das Wetter in geschlossenen Räumen“. Bild: Crossing Europe

Vielgestaltig wie der Filmkontinent Europa so präsentiert sich auch das diesjährige Programm von Crossing Europe, dem Filmfestival in Linz. Ab 20. April stehen dem Publikum 162 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme zur Auswahl, darunter etliche Uraufführungen und international ausgezeichnete Filme, die erstmals in Österreich präsentiert werden und, abgesehen von einer Handvoll Titel, trotz Festivalerfolgs keinen Platz im regulären Kinobetrieb finden werden. Die handverlesenen Produktionen klopfen sozusagen filmisch den Ist-Zustand Europas ab und verhandeln diesen auf unterschiedliche Weise.

Zu sehen sind unter anderem neue Arbeiten von in Linz nicht ganz unbekannten Namen wie Isabelle Stever, die mit ihrem beim Züricher Filmfestival uraufgeführten Spielfilm „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ das Wirken der Hilfs- und Non-Profit-Organisationen an Kriegsschauplätzen in den Mittelpunkt stellt, mit einer famos aufspielenden Maria Furtwängler als desillusionierte UNHCR-Fundraiserin. Ein weiterer Fixstarter aus Deutschland ist Jan Krüger mit der Weltpremiere seines aktuellen Films, der Dreiecksgeschichte „Die Geschwister“. Lionel Baier aus der Schweiz ist mit dem mit Carmen Maura starbesetzten preisgekrönten Spielfilm „La Vanité“ das Kunststück einer Tragikomödie über das Thema Sterbehilfe und -begleitung geglückt. Ben Hopkins hat dieses Jahr gleich zwei Filme im Gepäck. In „Welcome to Karastan“  schickt er einen oscargekrönten Regisseur in der Schaffenskrise zu einem Filmfestival in eine fiktive Kaukasusrepublik.
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Betörend schöne Bilder schuf Eva Neymann in ihrem aktuellen Werk „Pesn Pesney.“Als Schauplatz für eine unglückliche Liebe zwischen Nachbarskindern dient ein jüdisches Schtetl in der Ukraine zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch im letzten Film des 2015 verstorbenen polnischen Regisseurs Marcin Wrona, „Demon“, spielt jüdische Tradition eine Rolle – ein Dibbuk, ein Totengeist nach jüdischem Volksglauben, taucht als ungebetener Gast bei einer Hochzeitsgesellschaft auf. Dystopie als künstlerischer Gegenentwurf beziehungsweise Antwort auf die derzeitige Verfasstheit einer verunsicherten Gesellschaft – in den sieben Episoden von „Pod Elektricheskimi Oblakami“  verdichtet Alexey German Jr. auf surreale Weise den Seelenzustand seines Landes. Auch Lucile Hadžihalilović entführt in ihrer aktuellen Arbeit „Evolution“ das Publikum in eine andere, zeitenthobene Dimension, nämlich in eine mysteriöse, nur von Frauen und Buben bevölkerte Inselkolonie.
Krigen. Bild: Crossing Europe

Oscar-Kandidat aus Dänemark: „Krigen“ erzählt vom Afghanistan-Einsatz europäischer Truppen. Bild: Crossing Europe

Es finden sich noch zwei weitere „exzentrische“ Produktionen im Line-Up, die zudem beide mit einem prominenten Cast aufwarten: Es mag absurd klingen, aber Theaterstar Rufus Norris ist es mit „London Road“ tatsächlich gelungen, einen auf wahren Begebenheiten beruhenden Kriminalfall rund um den sogenannten Ipswich-Strangler mit Olivia Colman und Tom Hardy erfolgreich als Filmmusical zu realisieren.

Als unbequemes Porträt kreist „The Childhood of a Leader“ um das potentielle Heranwachsen eines faschistoiden Führers im 20. Jahrhundert – Regisseur Brady Corbet hat für sein mehrfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt unter anderem Bérénice Bejo und Robert Pattinson verpflichtet. Spannend auch „Krigen“, der Oscar-Kandidat aus Dänemark, in dem die militärische Beteiligung europäischer Truppen in Afghanistan kritisch hinterfragt wird. „Tempête“ führt hinaus aufs Meer in die Welt der Hochseefischerei, wo Dom arbeitet. Als seine Tochter im Teenageralter schwanger wird, stehen schwerwiegende Entscheidungen an – ein mitreißendes authentisches Reenactment für das der Fischer Dominique Leborne in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet wurde.

Cambridge. Bild: Crossing Europe

In der bulgarischen Kleinstadt „Cambridge“ hoffen Roma-Kinder auf eine bessere Zukunft. Bild: Crossing Europe

Dokumentarfilme beleuchten europäische Arbeitswelten und -realitäten in Zeiten von Globalisierung und Wirtschaftskrisen, sie werfen einen Blick auf die Zukunftsperspektiven junger Menschen in Europa. Einer der Filme ist „Drifter“, hier setzt der 18-jährige Ricsi alles daran seinen Traum Rallye-Fahrer zu werden zu verwirklichen und dafür lässt er auch die Mechanikerausbildung sausen.

Ein Jahr lang beobachtete „Staatsdiener“ die Ausbildung von angehenden Polizisten in Sachsen-Anhalt und folgt ihnen bei den ersten realen Einsätzen, die es ins sich haben. „Cambridge“ führt in eine bulgarische Kleinstadt, wo  Roma-Kinder davon träumen, mit einer ordentlichen Ausbildung die immer noch vorherrschenden Vorurteile hinter sich zu lassen. Anders die Jugendlichen in „Après l’hiver“, denen es schwer fällt sich schon mit 16 für einen Beruf zu entscheiden. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung ist groß und positive Zukunftsperspektiven sind rar. Der polnische Kurzfilm „Ślimaki„porträtiert zwei ehrgeizige Jungunternehmer, die mit ihrer Schneckenzucht reich zu werden versuchen.

Vier ausgewählte Arbeiten bieten Einblick in unterschiedlichste europäische Kleinkommunen. Mika Taanila, der nicht nur als Regisseur von klassischen Dokumentarfilmen bekannt ist, sondern auch aus dem Avantgarde- und Visual Arts-Bereich, und Jussi Eerola verfolgen in ihrer dokumentarischen Langzeitstudie „Atomin Paluu“ das Leben einer finnischen Dorfgemeinde, die mit dem stetig wachsenden Bau des ersten Atomkraftwerks im westlichen Europa seit Tschernobyl konfrontiert ist. Der Dokumentarfilm „The Érpatak Model“ des israelisch-niederländischen Filmemachers Benny Brunner führt in ein Dorf im äußersten Nordosten Ungarns, dessen Bürgermeister sich als bekennender Rechtsextremist ein bedenkliches Regelwerk zur Disziplinierung der Gemeinschaft zurechtgelegt hat. Ein bayrisches Dorfleben zeichnet die deutsche Regisseurin Bettina Büttner in ihrem Dokumentarfilm „Die fremde Frau – Winterreise nach Flossenbürg“ nach, während ein ausschließlich von Asylwerbern bewohntes Hochhaus am Rande einer italienischen Kleinstadt den Schauplatz des experimentellen Spielfilms „Homeward Bound – Sulla Strada di Casa“ darstellt, der bei Crossing Europe seine Weltpremiere hat.

Mallory. Bild: Crossing Europe

„Mallory“ geht ihren Weg von der Drogensucht in ein normales Leben. Bild: Crossing Europe

Das Tribute 2016 ist der renommierten, mehrfach ausgezeichneten und ungemein produktiven tschechischen Dokumentarfilmregisseurin Helena Třeštíková gewidmet, deren Langzeitbeobachtungen von Lebensgeschichten und -schicksalen stark der Tradition des Cinéma vérité verpflichtet sind. Zwei ihrer aktuellen Filme haben in Linz Österreichpremiere.

Für „Mallory“ begleitete Třeštíková mehr als zehn Jahre die titelgebende Protagonistin und ihren harten Kampf für ein menschenwürdiges Dasein. Allen Widrigkeiten zum Trotz schafft sie es, Drogensucht, Obdachlosigkeit und zahlreiche Schikanen der Bürokratie zu überwinden und letztendlich als Sozialarbeiterin Fuß zu fassen. Außerdem ist die Langfassung eines Interviews mit der tschechischen Schauspielerin und Joseph-Goebbels-Geliebten Lída Baarová zu sehen. Darüber läuft ab 15. April auch ein Spielfilm in den heimischen Kinos, mit Karl Markovics in der Rolle des Reichspropagandaministers (Interview zu „Die Geliebte des Teufels“: www.mottingers-meinung.at/?p=18551).

www.crossingeurope.at

Wien, 11. 4. 2016

Szene Salzburg: Performing New Europe

Januar 14, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei Tipps für Tanzbegeisterte

Ingri Fiksdal Band Bild: © Anders Lindén

Ingri Fiksdal: Band
Bild: © Anders Lindén

Bereits zum dritten Mal lädt die Szene Salzburg zum internationalen Festival Performing New Europe, Pneu, nach Salzburg. Von 20. bis 23. Jänner sind neun Produktionen von Künstlern aus Kroatien, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Polen, Finnland, Belgien, Spanien und Norwegen zu sehen. Die eingeladenen Stücke, überwiegend zum ersten Mal in Österreich, zeigen die thematische und ästhetische Vielfalt von zeitgenössischem Tanz und Performance.

Eine Orange, eine Puppe, ein Raumspray, eine Perücke, ein Spielzeugauto, ein Wecker, mehrere Luftballons, ein Paar Gummihandschuhe und zahlreiche andere Gegenstände spielen etwa in „Untamed Thingliness“ die Hauptrollen. Den thematischen Ausgangspunkt nimmt das Kurzstück bei Nada Gambiers Neugierde, wie Objekte, Sprache und physische Handlungen miteinander interagieren. In einer abwechslungs- und temporeichen Anordnung arrangieren die drei Protagonisten unablässig die vorhandenen Gegenstände und stellen diese dadurch in immer neue sprachliche und inhaltliche Kontexte. Die Performance hinterfragt die Bedeutung von Objekten, wandelt diese um, und verwirrt und verstärkt sie gleichzeitig. (21. und 22.1., 21:30 Uhr, Kavernen 1595, Doppelvorstellung mit einem Konzert von Maria Jerez)

In „Band“ erschafft Ingri Fiksdal mit einfachen choreographischen Mitteln einzigartige Sound- und Bilderwelten. Sie untersucht die Erfahrungen eines psychedelischen Konzertes, nur ohne Musiker, ohne Instrumente und ohne hörbare Musik. „Band“ kann als Variation von John Cages 4‘33“ gesehen werden, bei dem die Geräuschkulisse des Publikums ebenfalls sehr präsent ist. Was als Meditation beginnt, nimmt hypnotisch-rauschhafte Züge an und endet für das Publikum mit etwas Glück in einem Trancezustand. (22. 1., 18 Uhr und 23. 1., 21.30 Uhr, Kavernen 1595)
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Wie geht Schuhplatteln auf Italienisch und als zeitgenössischer Tanz? Alessandro Sciarroni, Grenzgänger der italienischen Kunstszene, packt diesen weltberühmten bayrisch-österreichischen Volkstanz bei seinen archaischen Wiederholungsmustern und rhythmischen Strukturen: eindrucksvoll, intelligent und mit offenem Ende. Gemeinsam mit fünf Tänzern macht er sich den traditionellen Tanz zu eigen und vermisst dessen scheinbare Einfachheit neu, ohne je in eine Persiflage zu rutschen. „Folk-s“ geht der Idee von Folklore und der Entwicklung ihrer Tradition nach wobei das Festhalten an einer bestimmten künstlerischen Sprache hier einem mutigen Sprung über die Spartengrenzen weicht. (23. 1., 20 Uhr, republic)
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Wien, 14. 1. 2016

Theater Nestroyhof Hamakom: Goodbye Europe II

Januar 14, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Statt der Mauer nun ein Graben

Bild: Francisco Falcão

Bild: Francisco Falcão

Für die laufende Saison hat das Theater Nestroyhof Hamakom einen neuen Kooperationspartner gewonnen: die für ihre Stücke mit Bezug zur aktuellen politischen Situation bekannte Gruppe artfusion. „Unter Tage. Goodbye Europe II“ (Regie: Bärbel Strehlau) ist die erste Produktion, die aus dieser Zusammenarbeit hervorgeht;  am 16. Jänner ist Premiere. 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs scheint immer noch ein tiefer Graben quer durch Europa zu verlaufen. Das Stück „Unter Tage“ sucht in dieser offen gebliebenen Wunde nach verschwundenen Utopien. Ausgehend von 1989 wird die verschüttet gebliebene Vergangenheit Europas zutage gefördert.  Gleichzeitig beleuchtet Strehlau die aktuellen Geschehnisse Europas und seiner Außenpolitik. Die Vorführungen gehen nahtlos in Publikumsdiskussionen mit prominenten AutorInnen, JournalistInnen und PolitikerInnen (Klaus Werner-Lobo, Susanne Scholl, John Megill, Barbara Tóth, Robert Misik, Herbert Lackner, André Kühnlenz, Fabian Eder und anderen) über. Und auch eine  Heiner-Müller-Puppe ist mit dabei.

Inhalt: 7. Oktober 1989. Palast der Republik. Erich Honecker, Wächter des Systems, feiert noch immer eisern den 40. Jahrestag der DDR. Der Saal ist leer. Stimmung will sich nicht so recht einstellen. Währenddessen warten im unterirdischen Bahnhof drei Verlorene auf längst schon abgefahrene Züge. Dort stoßen sie auf ihre eigene verschüttet gebliebene Vergangenheit. An diesem Ort, wo Schreddermaschinen unaufhörlich die Spuren europäischer Geschichte vertilgen, treffen sie alle aufeinander: Der Braunkohle‐Bergmann Adolf Hennecke, „Aktivist der ersten Stunde“, bohrt in der Wunde. Die Loreley in ihrem deutschen Hochmut verschluckt sich. Ein Soldat übergibt sich im Schnellfeuer. Der enthauptete Thomas More diskutiert mit Heiner Müller in der Tiefe des europäischen Grabens.

Eine groteske Feierrunde führt Tote und Lebende an einen Tisch. Bringt Licht ins Vergessen. Deckt auf, was vergraben liegt. Schicht um Schicht wird die unverarbeitete Vergangenheit zu Tage gefördert, um in Zukunft an eine Veränderbarkeit der Welt glauben zu können. „Unter Tage“ ist Teil eines theatralen Tryptichons, das den Diskurs zur europäischen Krise anhand historischer Ereignisse des 20. Jahrhunderts weiterführt.

www.artfusion.at

www.hamakom.at

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=cIO-Uhp-aLQ&feature=em-upload_owner 

Wien, 14. 1. 2015

Crossing Europe Filmfestival 2014

April 22, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Valeria Bruni Tedeschi bis Kurt Palm

Long Distance Bild: Lastor Media/Crossing Europe

Long Distance
Bild: Lastor Media/Crossing Europe

Das Crossing Europe Filmfestival Linz eröffnet am 25. April im Ursulinensaal im OÖ Kulturquartier und in den angestammten Festivalkinos Moviemento und City-Kino mit gleich vier hochkarätigen Österreichpremieren und zwei Weltpremieren: mit dem visuell atemberaubenden, düsteren SciFi-Realfilm Under The Skin von Jonathan Glazer (in der Hauptrolle Scarlett Johansson), der charmanten Tragikomödie Un Château En Italie / Ein Schloss in Italien der Regisseurin/Schauspielerin Valeria Bruni Tedeschi, dem aufwühlenden Dokumentarfilm L’Escale / Stop-Over des iranischstämmigen Schweizer Regisseurs Kaveh Bakhtiari sowie mit zwei Weltpremieren aus der Local Artists-Sektion – mit dem Dokumentarfilm überdas in China nachgebaute Hallstatt, Double Happiness, der zweifachen Local Artist Award-Preisträgerin Ella Raidel und Dieter Strauchs Texta In & Out, ein Filmporträt der legendären Linzer Hip Hop-Formation Texta. Opener der Nachtsicht Schiene ist die spanische Horrorkomödie Las Brujas De/ Witching And Bitching vom mehrfachen Goya-Preisträger Álex de la Iglesia. Musikalischer Höhepunkt des Abends und gleichzeitig Start des Musik-Schwerpunkts Focus On: Music bei Crossing Europe 2014 ist die Live-Performance von Tirzah & Micachu bei der Nightline – Mica Levi, eine Hälfte des Duos, zeichnet zudem verantwortlich für die ungemein atmosphärische Filmmusik des Eröffnungsfilms Under The Skin.

Programmhighlights aus verschiedenen Sektionen sind unter anderem China Reverse (AT 2014; R: Judith Benedikt), Global Shopping Village (AT, HR 2014; R: Ulli Gladik), Private Revolutions (AT 2014; R: Alexandra Schneider), 100% Dakar – More Than Art (AT 2014; R: Sandra Krampelhuber) und als Abschlussfilm des Festivals Kafka, Kiffer und Chaoten (AT 2014; R: Kurt Palm). An sechs Festivaltagen präsentiert Festivalleiterin Christine Dollhofer von 25. bis 30. April insgesamt 184 handverlesene europäische Spiel-, Dokumentar-, und Kurzfilme aus 37 Ländern – großteils als Österreichpremieren oder Weltpremieren. Das diesjährige Festivalprogramm versammelt die filmischen Hightlights der vergangenen Festivalsaison, die Mehrzahl der Filme in den Programmsektionen Wettbewerb Europäisches Kino, European Panorama Fiction & Documentary und dem Tribute feierten ihre Uraufführungen auf den großen Festivals in Cannes, Locarno, Venedig San Sebastían oder Berlin, viele davon wurden bereits mit Preisen ausgezeichnet. Etwa Arbeitswelten (in Kooperation mit AK OÖ/Kultur). Zum elften Mal beleuchtet diese Sektion europäische Arbeitswelten und -realitäten in Zeiten von Globalisierung und Wirtschaftskrisen. Gewohnt kritisch und aktuell fiel die Filmauswahl aus, Kuratorin Lina Dinkla (Dok Leipzig) entschied sich für fünf Dokumentarfilme – darunter vier lange und eine kurze Arbeit – aus dem Spannungsfeld Migration und Arbeit. Ein brisantes Thema, das populistisch ge- und missbraucht wird, Inhalt unzähliger Parlamentsdebatten ist und viele Menschen dazu zwingt, die eigene Heimat zu verlassen in der Hoffnung an einem neuen Ort Geld zu verdienen.

Schon zum fünften Mal präsentiert die von Lotte Schreiber kuratierte Programmschiene „Architektur und Gesellschaft“, die heuer, unter dem Titel Shaping The World Raumproduktion im Spiegel der Gesellschaft, vier bemerkenswerte Dokumentarfilme und einen Kurzfilm versammelt. Diese Arbeiten thematisieren die unterschiedliche Ansätze gegenwärtiger Raumproduktion und werfen dabei einen fokussierten Blick auf aktuelle Planungsstrategien und –visionen. In der Kategorie Local Artists sind 68 ausgewählte Film- und Videoproduktionen (darunter zahlreiche Uraufführungen) aus Oberösterreich zu sehen. 16 Musikvideos aus Oberösterreich laufen im Bewerb um die beiden begehrten Festivalpreise Creative Region Music Video Award. Fünf Local Artists-Langfilme haben ihre Weltpremiere im Rahmen von Crossing Europe.

Der Abschlussfilm Kafka, Kiffer und ist der neueste Coup des oberösterreichischen „Universalkünstlers“ Kurt Palm. Das kaleidoskopbunte Roadmovie entstand nach Motiven der Erzählung „Franz Kafka verfilmt seinen Landarzt“ des deutschen Autors und Satirikers Eckhard Henscheid. Fünf völlig unterschiedliche Studenten teilen sich die Liebe zu Gras und Alkohol, eine reichlich versiffte Wohnung und die Verehrung für Franz Kafka, was zum einem absurden Filmprojekt auf Sizilien führt. Gastauftritte von Margarethe Tiesel, Franz Schuh, Karl Ferdinand Kratzl, Hermes Phettberg und vielen mehr sowie Musiknummern von bis Chrono Popp bis Texta „adeln“ diese schräge Komödie. Die Weltpremiere findet am 30. April statt.

www.crossingEurope.at

Wien, 22. 4. 2014