Essl Museum: Das große Finale

Juni 13, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Open Days bei freiem Eintritt

Alex Katz: Agnes and Karlheinz Essl, 2010. © Bildrecht Wien, 2016, Bild: Mischa Nawrata, Wien

Alex Katz: Agnes and Karlheinz Essl, 2010. © Bildrecht Wien, 2016, Bild: Mischa Nawrata, Wien

Von 24. bis 30. Juni verabschiedet sich das Essl Museum bei seinen Besuchern mit den Open Days. Im Rahmen eines großen Finales gibt es noch einmal viele Kunstvermittlungsangebote, Konzerte und Lesungen bei freiem Eintritt.

An allen Finaltagen werden, neben Bücherflohmarkt, offenem Atelier und Tombola, Führungen durch die aktuellen Ausstellungen „Rendezvous“ um 11 Uhr (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=17589), „eSeL: Die Sammlung eSeL“  um 13 Uhr (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=19508) und „Body & Soul“ um 15 Uhr (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=18457) geboten. Am 24. Juni gibt es mit dem Final Director’s Cut die letzte Museumsführung mit Karlheinz Essl durch sein Haus (Anmeldung erforderlich: anmeldung@essl.museum). Am 26. Juni folgen sowohl Sternstunden aus dem Literatur-Programm des Essl Museums mit Ernesto Susana, Josef Kleindienst, Alexander Urosevic,Magda Woitzuck, Jürgen Bauer, Gabriele Kögl, Stephan Eibel Erzberg und Gabriele Petricek als auch ein musikalischer Kehraus mit den Voces Spontane. Nicht versäumen sollte man am 30. Juni die Abschlussperformance aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Otto Muehl, Fotograf: Ludwig Hoffenreich, Wehrertüchtigung, 40. Aktion, 1966. © BILDRECHT Wien, 2016, Bild: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien

Otto Muehl, Fotograf: Ludwig Hoffenreich, Wehrertüchtigung, 40. Aktion, 1966. © Bildrecht Wien, 2016, Bild: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien

Christian Eisenberger im Atelier (27.3.2015). Bild: © eSeL.at - Lorenz Seidler

Christian Eisenberger im Atelier (27.3.2015). Bild: © eSeL.at – Lorenz Seidler

 

 

 

 

 

 

 

 

mottingers-meinung.at dankt dem Essl Museum für die vielen sehenswerten Ausstellungen und für sein Engagement für die zeitgenössische, nicht nur österreichische Kunst. Unvergessen bleiben wird vor allem dieser eine Moment mit Karlheinz Essl anlässlich der „Adolf Frohner“-Schau 2014, als man einander tatsächlich zufällig beim Betrachten der Bilder traf und spontan zu einem Rundgang mit sehr persönlichen Gesprächen über „den Adi“ eingeladen wurde. Dieser Einblick und Weitblick einer Sammlerpersönlichkeit wird uns fehlen.

www.essl.museum

Wien, 13. 6. 2016

Essl Museum: Die Sammlung eSeL

Mai 2, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die letzte Ausstellung vor der Schließung

Bettina Rheims @Essl Museum, 2015. Bild: © eSeL.at - Lorenz Seidler

Bettina Rheims @Essl Museum, 2015. Bild: © eSeL.at – Lorenz Seidler

Barbis Ruder. In: Performance H13 Preisverleihung an Dolce & Afghaner, 9. 9. 2011, Kunstraum Niederoesterreich. Bild: © eSeL.at - Lorenz Seidler

Barbis Ruder. In: Performance H13 Preisverleihung an Dolce & Afghaner, 9. 9. 2011, Kunstraum Niederoesterreich. Bild: © eSeL.at – Lorenz Seidler

Pipilotti Rist @Kunsthalle Krems, 2015. Bild: © eSeL.at - Lorenz Seidler

Pipilotti Rist @Kunsthalle Krems, 2015. Bild: © eSeL.at – Lorenz Seidler

Bevor das Essl Museum mit 1. Juli nach fast 17 Jahren den Ausstellungsbetrieb schließt (mehr dazu: www.mottingers-meinung.at/?p=18580), gibt es eine letzte große Schau: Ab 4. Mai präsentiert das Haus die interaktive Ausstellung „Die Sammlung eSeL“. In einer großen, mehrere Räume umfassenden collagehaften Arbeit inszeniert der Wiener Kunstnetzwerker, Wissensproduzent, Kurator und Künstler Lorenz Seidler alias eSeL darin das Kunstgeschehen der vergangenen 17 Jahre.

Dafür greift er auf seine künstlerischen Fotoarbeiten, Videos und sein umfassendes Archiv zurück. Unter aktiver Einbindung des Publikums  – vor Ort und via Internet – werden nicht nur der Wandel von kulturellen Rahmen- und Produktionsbedingungen im Wiener Kunstfeld fokussiert, sondern auch neue Herausforderungen und zukünftigen Potentiale zeitgenössischer Kunst thematisiert.

Seit mehr als 15 Jahren kommuniziert und kommentiert eSeL über seine Online-Kanäle und anhand von Ausstellungsprojekten das Wiener Kunstgeschehen. Dabei entstand eine Sammlung, die sowohl aus den fotografischen Arbeiten des Künstlers besteht, die das Kunstgeschehen mit Hingabe und Humor akribisch beobachten, als auch aus Videos und Projekten, die Aspekte im Kunstbetrieb thematisieren. Außerdem hat eSeL ein aus allen Nähten platzendes Archiv an Drucksorten, Flyer, Einladungen und Pressemappen, aller Ausstellungshäuser seit Beginn der 2000er-Jahre angelegt. All das wird nun im Essl Museum zu sehen sein.

Durch die Beteiligung von und Gespräche mit Besuchern sollen neue Aspekte der Schau erarbeitet werden, die eSeL in die wachsende Ausstellung einarbeiten wird. Unter dem Hashtag #SammlungEsel auf Facebook, Twitter und Instagram können Interessierte vor Ort oder via Internet ihre persönlichen Kunstbeobachtungen einbringen und werden eingeladen darüber nachzudenken, welche Veränderungen sie in der Kunst in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten bemerkt haben und diese auch zu kommentieren.

Diese Texte sowie eingesandte Fotos oder andere online wie vor Ort eingebrachte Materialien werden laufend in die Ausstellung integriert und dienen als Basis für neue Schwerpunktsetzungen und fotografische Kommentare des Künstlers.

Zum Künstler:

Lorenz Seidler alias eSeL lebt und arbeitet als „ästhetische Lebensform“ in Wien und im Internet. Er wurde 1974 geboren und studierte Kunstgeschichte und Philosophie. Seit 2011 betreibt er die eSeL Rezeption im Museumsquartier Wien, seit 1999 betreibt er den eSeL Mehl Newsletter und die Website www.esel.at.

www.essl.museum

Wie, 2. 5. 2016

Das Essl Museum schließt den Ausstellungsbetrieb

April 5, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Karlheinz Essl: „Finanzierung ist nicht mehr möglich“

Essl Museum. Bild: © Stefan Oláh

Essl Museum. Bild: © Stefan Oláh

Mit 1. Juli schließt das Essl Museum nach fast 17 Jahren den Ausstellungsbetrieb. Bis zu diesem Zeitpunkt finden alle geplanten Veranstaltungen und Ausstellungen noch statt. Zum Schluss wird es ein großes Finale mit Open Days, Konzerten, Lesungen und umfangreichen Kunstvermittlungsangeboten geben.

„Die Familie Essl hat den Bau des Essl Museums und alle laufenden Kosten für Betrieb und Ausstellungen 17 Jahre lang aus eigenen Mitteln finanziert. Dies ist nun leider nicht mehr möglich“, erklärt Karlheinz Essl. „Zum weiteren Betrieb des Essl Museums wären zusätzliche Finanzierungsquellen oder Unterstützung von Seiten der öffentlichen Hand notwendig gewesen. Das Land Niederösterreich hatte sich bereit erklärt, einen wesentlichen Beitrag zu leisten, wenn der Bund Mittel im selben Ausmaß zur Verfügung gestellt hätte. Leider hat es von Seiten des Bundes keine positive Zusage gegeben. Es tut mir sehr leid, aber diese Situation zwingt uns nun, den Ausstellungsbetrieb zu schließen.“
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Die Sammlung Essl bleibt von der Schließung des Ausstellungsbetriebes unberührt. Das Essl Museum wird weiterhin als Depot für die Sammlung genützt. Die Sammlung wird wie bisher betreut. Archiv, Restaurierung und Technik bleiben erhalten. Der internationale Leihverkehr bleibt aufrecht. Zur Geschichte des Essl Museums wird in den kommenden Wochen eine Publikation erscheinen. „Den vielen Besuchern, Künstlern und Mitarbeitern, die dieses Museum viele Jahre lang zu einem offenen, spannenden und schönen Ort der Kunst und des Dialogs gemacht haben, möchte ich von ganzem Herzen danken“, so Essl.
Bettina Rheims @Essl Museum, 2015 Bild: © eSeL.at - Lorenz Seidler

Bettina Rheims @Essl Museum, 2015. Bild: © eSeL.at – Lorenz Seidler

Bis zum 30. Juni werden die Ausstellungen „Rendezvous“ und „Body & Soul“ mit wichtigen Werken aus der Sammlung Essl zu sehen sein. Am 4. Mai eröffnet die letzte Ausstellung im Essl Museum, die ebenfalls bis 30. Juni läuft. Diese „Sammlung eSeL“ ist ein Projekt des Wiener Kunstnetz-werkers,Wissensproduzenten und Künstlers Lorenz Seidler alias eSeL und zeigt eine mehrere Räume übergreifende Collage, in der das heimische Kunstgeschehen der vergangenen 15 Jahre thematisiert.

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Wien, 5. 4. 2016

Essl Museum: Body & Soul

März 31, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Der Körper zwischen Eros und Thanatos

Adolf Frohner: Figur am Bein aufgehängt, 1972, © Sammlung Essl. Bild: Mischa Nawrata, Wien

Adolf Frohner: Figur am Bein aufgehängt, 1972, © Sammlung Essl.
Bild: Mischa Nawrata, Wien

Ab 6. April zeigt das Essl Museum die Schau „Body & Soul“, eine Ausstellung über die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Körper, Körperlichkeit, dem Verhältnis von Körper und Seele und Fragen nach Identität. Dieser Komplex ist in der Sammlung Essl sehr umfangreich vertreten, einerseits mit Werken des Wiener Aktionismus und andererseits mit Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler.

Die dichte, umfangreiche Präsentation regt zur Hinterfragung von vorhandenen und neu erstarkten Tabus an. Zeitlich spannt die Ausstellung einen Bogen von den frühen 1950er-Jahren bis zu ganz aktuellen Positionen. Zu sehen sind etwa 100 Arbeiten unter anderem von Georg Baselitz, Adolf Frohner, Elke Krystufek, Maria Lassnig, Otto Muehl, Hermann Nitsch und VALIE EXPORT.

Die westliche Gesellschaft hat ihr Verhältnis zu Körper und Geist im 20. Jahrhundert grundlegend revolutioniert, neu definiert aber auch problematisiert. Diese Entwicklungen haben sich naturgemäß auch in der Kunst widergespiegelt, insbesondere in der Zeit nach 1945. Auf scheinheilige Sexualmoral und Verdrängungsmentalität im Nachkriegsösterreich trafen subkulturelle Avantgarden mit deutlich widerständigem Impetus.

Der Wiener Aktionismus beispielsweise zählt mittlerweile zu einer der bedeutendsten Leistungen österreichischer Kunst. Gut aufgearbeitet und musealisiert ist er heute ein Beispiel für einen künstlerischen Ansatz, der als klare Absage an die Regeln der bürgerlichen (Nachkriegs-)Gesellschaft gedacht war und nun von einer bildungsbürgerlichen Allgemeinheit als Kulturgut vereinnahmt scheint. Doch die mehr als ein halbes Jahrhundert alten Aktionsfotos von Mühl, Schwarzkogler oder Nitsch irritieren und verunsichern immer noch. Sie bilden, dicht gehängt in der Rotunde, das künstlerische Rückgrat und auch das räumliche Zentrum der Ausstellung.

Elke Krystufek: Imaginary, 2001, © Sammlung Essl. Bild: Mischa Nawrata, Wien

Elke Krystufek: Imaginary, 2001, © Sammlung Essl. Bild: Mischa Nawrata, Wien

Besonders Künstlerinnen haben sich seit den 1960er-Jahren mit dem eigenen Körper kritisch auseinandergesetzt, verkrustete gesellschaftliche Normen aufgedeckt und die Rollenbilder der Geschlechter thematisiert, analysiert oder auch aufgehoben. VALIE EXPORT thematisiert in vielen ihrer Arbeiten aus dieser Zeit, wie etwa mit ihrer „Expanded Cinema-Aktion Tapp und Tastkino“, oder der Fotoarbeit „Genitalpanik“,  die Rolle der Frau als Objekt und deren Verfügbarkeit.

Dreißig Jahre später, aber lange vor der freiwilligen Selbstaufhebung von Privatsphäre und Scham in den sozialen Medien kreiert Elke Krystufek eine Kunstfigur, die exhibitionistisch ihren Körper und ihre Sexualität zur Schau stellt und damit die Grenze von Öffentlichkeit und Privatheit aufhebt. Zwei Positionen, die zeigen, wie konzise Künstler gesellschaftlich relevante Themen bearbeiten, bevor sie noch öffentlich und medial diskutiert werden.

Der eigene Körper kann aber auch als Ausdrucksfläche seelischer Zustände und Empfindungen fungieren, wie bei Maria Lassnigs „body awarenes paintings“. Oft spürt Lassnig einer inneren Befindlichkeit nach und verleiht ihr auf der Leinwand Farbe und Form. In Anlehnung an ihre frühere Science-Fiction-Werkreihe saugen zum Beispiel im Bild „Ideenfischer“ aus dem Jahr 2001 zwei technoide Wesen die Ideen aus dem Leib der Künstlerin, die wehrlos am Boden liegt. Franz Ringel quält und zerkratzt seine umrissbetonten Figuren mit spitzen Gegenständen. In seltsame Nabelschnüre verwickelt, bewohnen sie uterusartige Raumhöhlen. Der gepeinigte Leib als Ausdruck der gequälten Seele ist ein starkes, immer wieder auftauchendes Thema der Kunst nach 1945.

Der weiblichen wie auch der männlichen Identität und Selbstbestimmung sind eigene Räume in der Ausstellung gewidmet. Eine besonders wichtige Arbeit in diesem Zusammenhang, so Ausstellungskurator Andreas Hoffer, ist „das Video von Peter Land, in dem der nackte Künstler zu einer Discomusik tanzt, da es in seiner Einfachheit und Natürlichkeit eine seltene, weil unverkrampfte und leichte Seite der Zurschaustellung des eigenen Körpers zeigt“. Die junge ungarische Künstlerin Patricia Jagicza hat mit ihrer Malerei „Estrella“ von 2010 die Genderdebatte ebenso wie das Schlüpfen in andere Identitäten thematisiert. Das Werk wurde 2013 in der Ausstellung „Like it!“ von den Facebookfreunden des Essl Museums am meisten geliked.

Daniel Lezama: Boceto de Juan Diego, 2005, © Sammlung Essl. Bild: Galerie Pablo Goebel Fine Arts, Mexico City

Daniel Lezama: Boceto de Juan Diego, 2005, © Sammlung Essl.
Bild: Galerie Pablo Goebel Fine Arts, Mexico City

Und auch der Schönheit wird nachgeforscht: Marc Quinns Skulptur „Alison Lapper“ thematisiert sie abseits gesellschaftlicher Normierung. Im Stil einer idealisierten klassischen Skulptur in weißem Marmor zeigt Quinn die Künstlerin Alison Lapper, die mit verstümmelten Gliedmaßen geboren wurde. Schönheit in ganz anderem Sinn findet man in der Malerei von Martin Schnur, bei der die Zurschaustellung des Körpers Anlass für malerische Raffinesse ist.

Die allegorischen Malereien des mexikanischen Künstlers Daniel Lezama mit ihrer für uns befremdlichen Symbolik und Bildsprache, zeigen wie sehr sich die Auffassung von Schönheit, der der Maler huldigt, aus dem kulturgeschichtlichen Hintergrund ergibt. Auch der Endlichkeit allen Seins widmet die Schau ein Kapitel. In der Fotoserie „Gilles and Gotcho“ von Nan Goldin, begleitet die Künstlerin die Aidserkrankung von Gilles bis zu seinem Ende, sie dokumentiert bewegend die Liebe und Freundschaft zweier Männer bis zum Tod.

www.essl.museum

Wien, 31. 3. 2016

Essl Museum: Rendezvouz. Meisterwerke der Sammlung

Februar 15, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Agnes met Karlheinz, now Maria meets Arnulf

Alex Katz: Agnes and Karlheinz Essl, 2010. © BILDRECHT Wien, 2016 Bild: Mischa Nawrata, Wien

Alex Katz: Agnes and Karlheinz Essl, 2010. © BILDRECHT Wien, 2016
Bild: Mischa Nawrata, Wien

Meisterwerke aus der Sammlung Essl werden ab 19. Februar in der Ausstellung „Rendezvous“ präsentiert. Im Rahmen der Schau geben sich zentrale Werke und künstlerische Positionen ein Stelldichein, Max Weiler etwa mit Cecily Brown, Martha Jungwirth mit Asger Jorn oder Kurt Kocherscheidt mit Antoni Tàpies.

Ein Rendezvous mit Folgen markiert den Beginn der Sammlung Essl und ist auch der Ausgangspunkt für die Ausstellung. Agnes und Karlheinz Essl treffen einander 1959 in New York zum ersten Mal und werden ein Liebespaar. In den folgenden Monaten tauchen sie in der pulsierenden Welthauptstadt der Kunst in die Galerien- und Museenszene ein und entdecken dabei ihre Liebe zur Kunst, die bald zu einer lebenslangen Leidenschaft wird. Zurück in Österreich beginnen sie, eine Sammlung aufzubauen, die heute zu den wichtigsten in ganz Europa zählt und als einzige dieser Art das österreichische Kunstgeschehen seit 1945 in einem internationalen Kontext abbildet. Im Jahr 2012 porträtiert der weltbekannte New Yorker Künstler Alex Katz das Sammlerpaar.

Anfang der 1950er-Jahre gingen zwei der bedeutendsten österreichischen Künstler, Maria Lassnig und Arnulf Rainer, als Paar nach Paris. In dieser von den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und den kunstfeindlichen europäischen Diktaturen geprägten Zeit befasste man sich in der europäischen Kunstmetropole mit fernöstlichen Philosophien. Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche waren große Themen, die auch die beiden jungen Künstler beeinflussten. Besonders in den Zentralisationen von Arnulf Rainer aus dieser Zeit sind diese Reflexionen spürbar. Ein Star in Paris war Georges Mathieu. Auch er war von der asiatischen Kalligraphie in ihrer eleganten Konzentration beeinflusst. Mathieu malte theatralisch vor Publikum, in Theatern oder in der freien Natur. Als er 1959 im Wiener Theater am Fleischmarkt eine seiner kalligraphisch orientierten Linienkompositionen vor versammelten Zuschauern malte, inspirierte er mit dieser Vorführung des künstlerischen Aktes die Wiener Aktionisten. Mathieu trifft in der Ausstellung auf Hans Hartung, einen Deutschen in Paris, dessen von chinesischer Tuschmalerei inspirierte Werke ebenso dem Informel zugerechnet werden. Dazu gesellen sich noch die poetisch malerischen Reduktionen von Hans Bischoffshausen.

Der katalanische Künstler Antoni Tàpies trifft auf Kurt Kocherscheidt, Hermann Nitsch und Eduardo Chillida. In diesen Begegnungen spürt man die Affinität der vier ansonsten recht unterschiedlichen Künstler zum Archaischen, zur Einfachheit, zum Ursprünglichen und Existenziellen. Kocherscheidt ging als junger Künstler ohne Geld nach Südamerika, war fasziniert von den Formen der Natur, deren unheimliche Kraft er malerisch transformierte. Hermann Nitsch arbeitet seit den frühen 1960er-Jahren an seinem Orgien Mysterien Theater, einem hedonistischen, alle Sinne ansprechenden transzendentalen Existenztheater, in dem die Malerei und deren Artefakte eine starke Rolle spielen. Tàpies verwendet einfache Naturmaterialen wie Sand, Gips und Ton, die auch die reduzierte erdige Farbigkeit seiner Bilder und Objekte bestimmen. Das Kreuz als archaisches Symbol für das Menschsein und für eine Bestimmung des eigenen Standpunktes im Universum, abseits der Christlichen Konnotation, taucht in vielen seiner Arbeiten auf.

Max Weiler hat mit Per Kirkeby wenig zu tun, so scheint es auf den ersten Blick, und ebenso wenig mit der Malerei der New Yorker Künstlerin Cecily Brown. Aber den tiefreligiösen Maler Weiler aus Österreich und den ausgebildeten Geologen Kirkeby aus Dänemark verbindet die Gewissheit, dass es nicht reicht, die Natur in ihrer sichtbaren Oberfläche nach- oder abzubilden, um dem Geheimnis der Schöpfung und der Malerei nahezukommen. Weiler transformiert die Naturbeobachtung in den schöpferischen Malprozess, er lässt das Bild wachsen, aus Gesehenem, Gespürtem, dem Zufall heraus formiert sich die Malerei. Kirkebys Ausgangspunkte für seine Kompositionen sind Schichtungen und grafische Strukturen, die aber immer an Natur denken lassen. Die jüngere Cecily Brown ist eher durch den malerischen Prozess der Transformation des Gesehenen mit Max Weiler verbunden – ein Rendezvous, bei dem der Ausgang noch ganz offen scheint.

Als Karlheinz und Agnes Essl Ende der 1990er Jahre begannen, international zu sammeln, knüpften sie bei der COBRA-Gruppe an, weil sie wussten, dass diese auf einige ihrer Sammlungskünstler großen Einfluss ausgeübt hatte. Die COBRA-Künstler waren kurz nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges in den westeuropäischen Städten Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam angetreten, um einen künstlerischen Neuanfang zu suchen, sie sahen ihn in allen Entäußerungen nichtgelernter Kunst, wie bei den unbefangenen Bildern von Kindern. So impulsiv, intensiv und unverstellt wollte man an den Malakt gehen. So schnell diese Gruppe sich auch wieder auflöste, ihren Künstlern blieb diese Klassifizierung ein Leben lang. Auch einer Künstlergruppe in Wien erging es am Ende der 1960er-Jahre ähnlich. Auch sie hatten sich nur für die Ausstellung Wirklichkeiten in der Secession formiert, die Bezeichnung blieb für immer. Künstlerisch wurde etwa Franz Ringel von der COBRA-Gruppe beeinflusst, andere Affinitäten tauchen in der Schau in den Begegnungen von Asger Jorn, Karel Appel, Antonio Saura und Martha Jungwirth auf. Die Malerei ist furios, emotional, gestisch und spontan, der malerische Akt ist im Werk immer spürbar, sehbar, erlebbar, ein Fest der malerischen Intensität.

Wechselnde Rendezvous mit ungewissem Ausgang bilden den Abschluss der Präsentation. Dazu werden mehrmals im Laufe der Ausstellung Freunde der Sammlung Essl eingeladen, zwei Werke im Depot auszusuchen und diese in einem Ausstellungsraum aufeinandertreffen zu lassen.

www.essl.museum

Wien, 15. 2. 2016