Wien Museum und Wienbibliothek: Im Schatten von Bambi. Felix Salten entdeckt die Wiener Moderne

Oktober 11, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Fanfotos mit Marlene Dietrich und Buster Keaton

Werbeplakat für den Film Bambi, 1951. © Wienbibliothek im Rathaus

Anlässlich seines 75. Todestages erhellt ab 15. Oktober die Ausstellung „Im Schatten von Bambi. Felix Salten entdeckt die Wiener Moderne“ in der Wienbibliothek im Rathaus und im Wien Museum die vielen Facetten Felix Saltens. Sie präsentiert ihn als einflussreichen Journalisten, mächtigen Kulturkritiker, experimentierfreudigen Theatergründer und bedeutenden Protagonisten des kulturellen Lebens der Wiener Moderne.

Korrespondenzen mit Zeitgenossen zeigen ihn als Mitstreiter des literarischen Netzwerks „Jung Wien“ um Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler. Mit Tierbüchern wie „Bambi“ feierte er internationale Erfolge als Bestsellerautor. Als Chronist seiner Zeit dokumentierte Salten das tägliche Geschehen in Taschenkalendern. So sind die Einträge vor seiner Flucht in die Schweiz 1938/39 ein maßgeblicher Beitrag für die Kulturgeschichte der Stadt.

Zentrale Grundlage der Ausstellung ist Felix Saltens Nachlass, der 2015 und 2018 von der Wienbibliothek im Rathaus erworben wurde.

Dieser eröffnet mit zahlreichen Fotos, Lebensdokumenten, dem Manuskriptarchiv und besonders der Briefsammlung mit etwa 700 Korrespondenzpartnern, unter ihnen Karl Kraus, Heinrich und Thomas Mann, Berta Zuckerkandl und Stefan Zweig, einen Blick auf Leben und Wirken des Tausendsassas. Hinzu kommt die Nachlassbibliothek mit mehr als 2.300 Büchern, die unikale Arbeits- und Handexemplare, zahlreiche Widmungen und eine Belegsammlung seiner Werke enthält.

Im deutschsprachigen Raum erlangte Felix Salten zuerst als Journalist bei der Wiener Allgemeinen Zeitung und der Wiener Tageszeitung Die Zeit eine große Leserschaft und schillernden Ruhm. Die Auflagenzahlen ebenso emporschnellen ließ auch seine Berichterstattung für die Berliner Morgenpost über das Erdbeben von San Francisco 1906 – ein frühes Dokument von Fake News, da Salten über das Ausmaß der Katastrophe nur mutmaßen konnte. Über den Journalisten Salten kursieren zahlreiche Klischees, vor allem eilt ihm der Ruf des Skandal- und Klatschreporters voraus, weil er auf der Suche nach einer guten Story in der Tat bereit war, auch den Boulevard zu bedienen, für eine Schlagzeile immer ans Limit zu gehen und bisweilen auch darüber hinaus.

Wie viele intellektuelle Zeitgenossen war Felix Salten anfangs ein Trommler für den Ersten Weltkrieg: „Es muss sein!“, rief er den Lesern der Neuen Freien Presse am 29. Juli 1914 zu. Saltens Essay war der einzige journalistische Beitrag, der dem kaiserlichen Kriegsmanifest „An meine Völker!“ beigestellt werden durfte, das auf allen Titelseiten der Hauptstadtblätter an diesem Tag veröffentlicht wurde. Die Eindrücke von Verletzten, Toten und des Leides der Zivilbevölkerung ließen Salten gegen Ende des Weltkrieges umdenken. Auch er fühlt sich ab 1917 der ideenpolitischen Wende verpflichtet und spricht vom „Verständigungsfrieden“, der einen Frieden mit Kompromissen möglich machen soll. Dies spiegeln auch Saltens zahlreiche pazifistische Zeitungsartikel wieder. Die Ausstellung illustriert dieses komplexe Thema etwa mit Saltens Feuilletons oder Veranstaltungsplakaten zugunsten der Kriegswohlfahrt.

Gruppenfoto mit Marlene Dietrich (mit Felix Salten, Mitte), USA, 1930. © Wienbibliothek im Rathaus

Gruppenfoto mit Buster Keaton (11.v.l.); Felix Salten (13.v.l.), USA, 1930. © Wienbibliothek im Rathaus

Felix Saltens Presseausweis für das Jahr 1933. © Wienbibliothek im Rathaus

Felix Salten mit Max Reinhardt bei den Proben zu „Faust“ bei den Salzburger Festspielen, 1933. © Wienbibliothek im Rathaus

Im Dezember 1922 erschien der Roman „Bambi“, mit dem Felix Salten seinen Ruhm als Meister der Tiererzählung begründete. Zuerst als unverkäuflicher Flop im Ullstein Verlag erschienen, wurde die Neuauflage im jungen Wiener Zsolnay Verlag 1926 zum Bestseller im deutschsprachigen Raum und Salten, der bis dahin sein Einkommen vornehmlich als Journalist erzielte, konnte von den literarischen Einnahmen leben. Dokumentiert ist dieser Erfolg auch in der Nachlassbibliothek, die an die 100 verschiedene Ausgaben und Übersetzungen von „Bambi“ enthält.

Vor allem die amerikanische Ausgabe von 1928 und eine US-Buchclub-Ausgabe im selben Jahr mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren machten Salten auch international zur Berühmtheit. Belegt ist dies mit einer Reihe von Fotos, die 1930 im Rahmen einer journalistischen Reise durch die USA entstanden: Prominente wie Buster Keaton, Marlene Dietrich oder Henry Ford wollten stets direkt neben dem Bestsellerautor von „Bambi“ stehen. 1942 schließlich kam Disneys „Bambi“ als dessen erster abendfüllender Trickfilm in die Kinos.

Abseits von „Bambi“ ist Felix Salten heute vor allem als vermeintlicher Autor des skandalträchtigen Romans „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt“  aus dem Jahr 1906 bekannt – auch wenn dieser sich nie zur Autorenschaft bekannte und im ganzen Nachlass kein Hinweis darauf zu finden ist. Ein Fund im Nachlass ist aber jedenfalls Felix Salten zuzuschreiben: In einem dicken Konvolut ungeordneter Manuskriptblätter und Fragmente befanden sich verstreut acht handschriftliche Seiten, die sich zu einer vollständigen, bisher unbekannten pornographischen Novelle zusammenfügen ließen. Darin erzählt eine junge Prostituierte namens Albertine von ihrer sexuellen Initiation und Befreiung, die sie letztlich ins Bordell führte. Schauplatz ist neben anderen deutschen Städten besonders das Berlin der Roaring Twenties.

Das für Saltens Arbeitsweise typische, schwierig zu entziffernde Bleistiftmanuskript dürfte um 1930 entstanden sein. Saltens „Albertine“ entpuppt sich darin als seltsam ambivalenter Text, der zwar die Selbstermächtigung einer jungen Frau schildert und trotzdem als männliche Wunschphantasie erkennbar ist, wie sie für das Bürgertum des 19. Jahrhunderts typisch ist. Felix Saltens vielfältige Interessen spiegeln sich in seinen Texten zu Theater, Kino und Literatur wider und machen ihn zum wichtigen Auskunftsgeber über das kulturelle Leben Wiens. Bereits früh begeisterte sich Salten für das Medium Film und veröffentliche in den 1920er Jahren regelmäßig Filmbesprechungen. Aus seinem Verständnis für das Kino und dessen kultureller Bedeutung in der Moderne sowie seiner grundlegenden Beschäftigung mit dem Medium Film und dessen dramaturgischem Potential entstanden seit 1913 außerdem Drehbücher.

Felix Salten auf Sommerfrische am Attersee, um 1930 © Wienbibliothek

Brief des 9-jährigen Paul Salten an seinen Vater, 1912. © Wienbibliothek

Felix Salten mit Arthur Schnitzler, um 1910. © Wienbibliothek im Rathaus

Er führte zumindest einmal selbst Regie, lieferte Ideen und literarische Vorlagen, darunter für die – nicht erhaltene – Verfilmung von Saltens Erzählung „Olga Frohgemuth“  von 1922, in der die Konfrontation zweier sozialer Milieus im Zentrum steht. Gezeigt werden auch Saltens vielfältige Beziehungen zum Theater: als Autor, Kritiker und Theatergründer wie als Bezugsperson für Schauspieler und Theaterleute wie etwa Max Reinhardt.

Als Chronist seiner Zeit dokumentierte Salten das tägliche Geschehen in Taschenkalendern – so sind die Einträge vor seiner Flucht in die Schweiz zum Jahr 1938/39 ein maßgeblicher Beitrag für das kulturelle Gedächtnis der Stadt. Aus Angst vor der Gestapo hat Salten noch im Frühjahr 1938 viele Briefe, Schriftstücke und Manuskripte verbrannt, geblieben sind etwa 7.000 Korrespondenzstücke von 700 Schreibern, die im Nachlass enthalten sind. Unter den mehr als 2.300 Bänden seiner Bibliothek befinden sich unikale Arbeits- und Handexemplare, Belegsammlungen etwa seiner Tierbücher „Bambi“, „Florian“ und „Perri“ sowie 202 Widmungsexemplare – darunter Gedichtbände von Rainer Maria Rilke, die Erstausgabe von Franz Werfels „Verdi“-Roman oder eine Ausgabe von Gustav Mahlers Briefen, die die Herausgeberin Alma Maria Mahler dem Widmungsempfänger zu Weihnachten 1924 schenkte. Vor seiner Flucht dürfte die Bibliothek aber sehr viel mehr dedizierte Bände enthalten haben.

Saltens Flucht 1939 wurde von prominenten Zeitgenossen unterstützt: Gerüchte wie dieses, dass er im Konzentrationslager wäre, rief Künstler wie Erika und Thomas Mann auf den Plan. Sie setzten sich für eine finanzielle Unterstützung ein, damit Salten mit seiner Frau in die Schweiz einreisen durfte, wo seine Tochter bereits als Schweizer Staatsbürgerin lebte. Als Journalist hatte Salten in der Schweiz Berufsverbot, doch er konnte weiter belletristisch arbeiten. Dennoch waren seine letzten Lebensjahre von finanziellen Schwierigkeiten geprägt, vor allem weil er auf internationale Buchtantiemen nach dem Kriegseintritt der USA keinen Zugriff mehr hatte. Felix Salten starb am 8. Oktober 1945 in Zürich, wo er auch beigesetzt wurde.

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11. 10. 2020

Wien Museum: Österreichische Riviera

November 13, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Wien entdeckt das Meer

Grado-Aufenthalt einer Familie, 1912 Fotopostkarte Sammlung Peter König, Wien

Grado-Aufenthalt einer Familie, 1912
Fotopostkarte
Sammlung Peter König, Wien

Ab 14. November ist im Wien Museum die Ausstellung „Österreichische Riviera. Wien entdeckt das Meer“  zu sehen. Bereits in den vergangenen Jahren widmete sich das Wien Museum auch „Wiener“ Orten, die außerhalb des Stadtgebietes liegen: Der Neusiedlersee als das „Meer der Wiener“ war ebenso Thema einer Ausstellung wie das einst mondäne Strombad Kritzendorf. Nun geht die Reise weiter – via Südbahn an die Adria, wo im 19. Jahrhundert die „Österreichische Riviera“ touristisch „kolonisiert wurde. Sie erlebte ihre erste Blütezeit zwischen 1890 und 1914, also gerade einmal ein knappes Vierteljahrhundert lang. Zu ihren Zentren zählten Orte wie Abbazia, Triest und Grado, aber auch südliche Küstenstädte wie Split und Dubrovnik. Den unterschiedlichen Destinationen entsprachen auch verschiedene Konzepte von Tourismus: Während am Anfang ausschließlich Kuraufenthalte standen, entwickelte sich in der Folge familientauglicher Massenbetrieb oder Entdeckertourismus. Der Ausstellungparcours folgt dem Prinzip einer Rundreise, wobei jeweils dann bestimmte Regionen in den Blickpunkt rücken, wenn sie in der Entwicklung des Adriatourismus eine wichtige Rolle einnehmen. Gezeigt werden etwa 450 Objekte, darunter unveröffentlichte Fotografien aus Istrien und Dalmatien zur Jahrhundertwende, bisher nicht gezeigte Objekte aus den Sammlungen des Wien Museums, Einrichtungsgegenstände aus Hotels, zeitgenössische Fremdenverkehrswerbung sowie Kunstwerke, u. a. von Egon Schiele, Rudolf von Alt oder Albin Egger-Lienz. Zahlreiche Museen ausder Region (Triest, Rijeka, Split, Opatija, etc.) stellen Leihgaben zur Verfügung. So sehr historische Postkarten der „k. k. Riviera“ heute nostalgische Assoziationen hervorrufen, so ernst waren einst die Hintergründe für das Entstehen touristischer Infrastruktur: Denn die ersten Besucheraus Österreich waren kranke oder geschwächte Menschen, die sich von der Meeresluft und dem Salzwasser Heilung und Stärkung erwarteten. Neben den wenigen Reichen, die sich einen Kuraufenthalt leisten konnten, waren es vor allem tuberkulöse Kleinkinder, die bereits seit den 1870er Jahren an die Küste geschickt wurden (die Hospize waren meist abgeschottet vom Umfeld). Rund um die Kranken als primäres Zielpublikum entstand eine umfassende medizinische Infrastruktur, auch die Bezeichnung „Riviera“ dürfte im Zusammenhang mit dem Gesundheitstourismus entstanden sein: Metereologische Messungen hatten gezeigt, dass das Klima jenem der berühmten französischen Riviera ähnlich ist. Zu den geografischen Gemeinsamkeiten zählen eine felsige Küste und klimaregulierende Wälder, immergrüne Strauchvegetation und exotische Pflanzen wie Eukalyptus oder Mimosen.

Mit „österreichische Riviera“ wurde zunächst nur der Küstenabschnitt bei Abbazia/Opatija beworben, touristische Protagonisten wie das Schifffahrtsunternehmen Österreichischer Lloyd erweiterten den Begriff aus Marketinggründen. Um 1900 pries man damit bei der Weltausstellung in Paris bereits die gesamte Küste bis ins südliche Dubrovnik (Ragusa), die 1904 erstmals erscheinende „Österreichische
Riviera-Zeitung“ zählte auch die flachen Sandstrände im nördlichen Grado dazu. Die touristische Erschließung konzentrierte sich auf die Küstenorte, während das Hinterland ausschließlich Versorgerfunktion hatte. Österreichische Investoren brachten die Architekten der Hotels ebenso mit wie die Zahlkellner, auf den Speisekarten fanden sich österreichische Spezialitäten, die Kurkapellen spielten Walzermusik. „Kurkommissionen“ oder Verschönerungsvereine, die aus den Tourismuseinnahmen finanziert wurden, übernahmen oft Aufgaben, die üblicherweise von den Gemeinden bestritten wurden (Straßenreinigung, öffentliche Beleuchtung etc.), und sorgten so für die
relative Autonomie der Tourismuszentren. Abbazia ist ein Paradebeispiel für die gezielte touristische Erschließung von Wien aus. 1889 vom Kaiser zum ersten heilklimatischen Kurort an der k. & k. Küste erhoben, profitierte es – wie viele Orte in der Region – vom Bau der Südbahnstrecke nach Rijeka, die nahe Abbazia vorbeiführte. Wie schon am Semmering spielte die Südbahngesellschaft unter ihrem Direktor Friedrich Julius Schüler durch Investitionen im Ort eine wesentliche Rolle. Das noble Seebad mit seinen historistischen Hotels, den Promenaden und Parks lockte Mitglieder der Kaiserfamilie, Adelige aus ganz Europa und das Großbürgertum an. Daneben gab es auch unscheinbare kleinere Ortschaften, in denen einfache Pensionen mit hochtrabenden Namen um Gäste zu werben begannen. Es folgte eine weitere Ausdifferenzierung des touristischen Angebots: Während etwa Abbazia für seine Winter-Kuraufenthalte bekannt war, entwickelte sich Grado mit den flachen Sandstränden zum Familien-Badeort für den Sommer. Eine Sonderrolle kam der kleinen, einst wegen der Malaria „unbewohnbaren“ Insel Brioni zu. Sie wurde vom Industriellen Paul Kupelwieser erworben und zur Ferienkolonie für gehobenes Publikum ausgebaut, mit Hotels, submariner Wasserleitung, exotischen Pflanzen und Tieren (u. a. Affen, Antilopen und Flamingos) sowie einem reichen Freizeit– und Sportangebot (Tennis, Segeln etc.).
Je weiter man entlang der Küste in den Süden man kam, desto geringer wurden die österreichischen Einflüsse (abgesehen von den großen Städten wie Split/Spalato oder Dubrovnik/Ragusa). Damit änderte sich auch die Blickrichtung der Gäste. Man war auf Entdeckungen aus, suchte in Dalmatien nach antiken Sehenswürdigkeiten und byzantinischen Einflüssen, erfreute sich an der ungebändigten Natur und am „Exotischen“. Ein Reiseführer pries die „eigenartige Bevölkerung, in deren Adern griechisches, römisches, slawisches und osmanisches Blut fließt und die darum zu den interessantesten Völkern des Erdballs zählt“. Der akribischen Erforschung des Gebietes durch Ethnografen, Kunsthistoriker und Archäologen folgten interessierte Laien, allerdings kam es auch zu Irritationen. Beschwerden über das ungewohnte Essen, unkomfortable Quartiere oder die angeblich feindselige Bevölkerung standen auf der Tagesordnung. „Auf die Dauer hier zu bleiben, möchte keinem Menschen von all den Liebhabern dieses Landes einfallen, außer er wird gezwungen“, notierte Katharina von Bukowska von Stolzenburg, die Gattin eines Geologen, in ihr Tagebuch. Auch die zunehmenden politischen Spannungen konnten nicht ausgeblendet werden, so wurden Bürgermeister Karl Lueger und seine Delegation 1909 in Spalato/Split von Demonstranten ausgepfiffen, wofür der dortige Bürgermeister entschuldigend „auswärtige, fremde Elemente“ verantwortlich machte. „Das Verhältnis der Großstädter zur Küste und ihren Städten blieb insgesamt fragil, distanziert und widersprüchlich. Interessanterweise entwickelten sich die Beziehungen dort am
dauerhaftesten, wo sie am flüchtigsten und oberflächlichsten blieben – im Tourismus“, so Nadia Rapp-Wimberger und Christian Rapp, die die Ausstellung im Wien Museum kuratieren.
Bevor die Ära der „Österreichischen Riviera“ mit dem Ersten Weltkrieg zu Ende ging, manifestierte sie sich noch in der großangelegten Adria-Ausstellung, die 1913 im Wiener Prater stattfand. In dem Themenpark war ein 40 Meter hoher Campanile ebenso nachgebaut wie die engen Gassen von Abbazia, ein künstlicher See sorgte für Meeresflair und in einem nachgebauten Riesendampfer konnte man speisen wie im Urlaub. Mehr als zwei Millionen Besucherinnen und Besucher kamen. Das Megaprojekt bildet das bemerkenswerte Schlusskapitel der äußerst facettenreichen Beziehung Wiens zum Süden und schließt den Ausstellungsrundgang ab. „In jüngster Zeit nahmen Spurensuche und neu tradiertes Wissen, aber auch die kulturgeschichtliche Erforschung der Region merkbar zu – in Österreich ebenso wie in Kroatien. Unsere Ausstellung steht also auf einer breiten und aktuelle Forschungsbasis“, so Direktor Wolfgang Kos. Dementsprechend breitgefächert seien die Fragestellung in Ausstellung und Katalog (Czernin Verlag). „Die Bedeutung der militär-politischen Aneignung und verkehrstechnischen Erschließung der oberen Adria wird ebenso thematisiert wie die entscheidende Rolle der Medizin bei der Propagierung von Kurorten wie Abbazia, die ästhetischen Blickverschiebungen ebenso wie die von Wien ausgegangene ethnografische Erkundung einer der ärmsten Regionen der Habsburger-Monarchie.“

Wien, 13. 11. 2013