Leopold Museum: Emil Pirchan. Visuelle Revolution

Dezember 6, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin dem Theater verfallen mit Pinsel und Feder“

Emil Pirchan in seinem Münchner Atelier, um 1912. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Das Leopold Museum zeigt ab 8. Dezember mit der Ausstellung „Emil Pirchan. Visuelle Revolution“ die erste umfassende Retrospektive zum Werk des Künstlers in Österreich. Mehr als 200 Objekte geben Einblick in das Schaffen Pirchans, der als Gebrauchsgrafiker ebenso reüssierte wie als Pionier des expressionistischen Bühnenbildes. Zudem betätigte er sich als Designer, Architekt, Autor, Buchillustrator und Hochschullehrer. Seinen Einfallsreichtum konnte der

vielseitige Gestalter an den Wirkungsorten München, Berlin, Prag und Wien entfalten. Pirchan ist weitgehend unbekannt, doch in seiner Kreativität und Vielseitigkeit ist er mit den bekanntesten Vertretern der Wiener Moderne wie „Tausendkünstler“ Koloman Moser, Josef Hoffmann – Pirchans Cousin zweiten Grades –, Otto Prutscher oder Dagobert Peche vergleichbar. Erst vor wenigen Jahren sichtete Beat Steffan, der Enkel des Künstlers, jene im Besitz der Familie verbliebenen Kisten auf dem Dachboden des Elternhauses, die die reiche Hinterlassenschaft Pirchans enthielten. Die Wiederentdeckung dieses Schatzes führte zur Aufarbeitung des Nachlasses.

Dem aus Brünn stammenden Emil Pirchan wurde die Kunst gleichsam in die Wiege gelegt. Sein Vater Emil Pirchan der Ältere, letzter Schüler des historistischen Malers Carl Rahl, war in der Hauptstadt Mährens ein gefragter Porträtist des Adels und des Großbürgertums. Nach seinem Architekturstudium bei Otto Wagner in Wien und einem kurzen Intermezzo in seiner Heimatstadt zog Emil Pirchan 1908 nach München, wo er ein „Atelier für Graphik, Bühnenkunst, Hausbau, Raumkunst und Kunstgewerbe“ eröffnete.

Emil Pirchan: Plakat, 1915. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Emil Pirchan: Gustav Klimt – Ein Künstler aus Wien, Wien – Leipzig 1942. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Emil Pirchan: Plakat, 1913. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Seine Architekturentwürfe waren auf der Höhe der Zeit, doch sie blieben bis auf jene für das 1912 fertiggestellte Haus seines Kollegen Viktor Oppenheimer unausgeführt. Dass der Erfolg im Metier Architektur ausblieb, beeinträchtigte den Schaffensdrang Pirchans keineswegs, konnte sich der flexible Tausendsassa doch bald als Gebrauchsgrafiker etablieren. Nichtsdestotrotz entstanden auch in der Zwischenkriegszeit architektonische Projekte – etwa um 1925 für zwei „Solomite Häuser“ – benannt nach Platten aus gepresstem Stroh, einem damals neuen Baustoff – oder um 1930 für ein maschinell wirkendes Theatergebäude für Südamerika, das in seiner Gestaltung an die futuristischen Filmkulissen aus dem Stummfilm „Metropolis“ von Fritz Lang erinnert.

Im Sinne des Wiener Jugendstils vertrat Emil Pirchan eine gesamtkünstlerische Auffassung von Architektur. Dies bedeutete, dass er sich über die baulichen Angelegenheiten hinaus für sämtliche Details der Innenausstattung zuständig fühlte. Als Designer widmete er sich dem Gesamteindruck ebenso wie dem kleinsten Detail. Seine Entwürfe für Schmuck, Spielzeug, Stoffe, Vasen, bis hin zu Blumenbehältern, Notenpulten, einem Aquarium für Mondfische“ oder einem „Hut-Spiegel-Ständer“ zeugen von unbändigem Einfallsreichtum und einer eigenen Formensprache. Helle Möbel vor buntem Hintergrund, vom Kinderzimmer bis zur Diele, teils mit folkloristischen Elementen versehen, sorgen für Klarheit und Abwechslung gleichermaßen.

Mit bemerkenswerter Flexibilität passte Emil Pirchan Materialien und dekorative Elemente der jeweiligen Aufgabe an. Schranktypen oder Tische kamen in  verschiedenen Umgebungen zum Einsatz, fallweise mit unterschiedlicher Oberflächenbehandlung, die dadurch den Charakter des jeweiligen Ambientes mitbestimmte. Ebenso wie architektonische Projekte wurden Pirchans Arbeiten zur Gestaltung der privaten Wohn- und Arbeitsbereiche in Fachzeitschriften publiziert, so etwa im jährlich in London erscheinenden Magazin The Studio, wo in der Ausgabe von 1908 unter Hervorhebung seines „feurigen jugendlichen Enthusiasmus“ Möbelstücke präsentiert wurden.

Diele nach einem Entwurf von Emil Pirchan, 1907. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Hans Robertson: Bühnenbildfoto aus dem Ballett „Die Planeten“. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien

Ausstellungsansicht: Emil Pirchen. Visuelle Revolution. Leopold Museum, Wien. Bild: Lisa Rastl

Emil Pirchan: Entwurf zu einem Theater für Südamerika. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Bereits 1912 experimentierte Emil Pirchan mit geschnittenem Buntpapier und erreichte mit seinen auf das Wesentliche reduzierten Collagen einen hohen Grad an Abstraktion. Die von ihm gestalteten Plakate für Veranstaltungen, Unternehmen, Fremdenverkehr bestechen durch ihre Klarheit. Sowohl in den Vorentwürfen als auch in Ausführung zählen Pirchans grafische Lösungen zu den innovativsten jener Zeit. Allein bis 1918 entstanden in seinem Münchner Atelier an die 50 Plakate und 1500 Blätter mit unterschiedlichen Entwürfen, für Buchillustrationen, Einladungskarten, Exlibris, Malbücher oder Werbeprospekte. Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, ein leidenschaftlicher Sammler der Plakatkunst, zählte Emil Pirchan zu denjenigen, die der Reklame im deutschsprachigen Raum ein „einmaliges Gesicht“ verliehen hätten.

„Ich bin dem Theater verfallen mit Pinsel und Feder, mit Herz, Hirn und Hand“, schrieb Pirchan in einer biografischen Notiz, um sich sogleich als „Organist an der aufrauschenden Orgel der Bühnenfarben, des Bühnenlichtes, des Raumgestaltens“ und „innig beflissener Diener am Gesamtkunstwerk des Theaters“ zu bezeichnen. Der Künstler, der bereits nach dem Abschluss seines Architekturstudiums die Ambition zeigte, auch als Bühnengestalter zu arbeiten, veranstaltete 1912 in der Modernen Galerie Thannhauser in München eine eigene Personale, die gänzlich dem Thema Bühnenbild gewidmet war.

Es sollten jedoch einige Jahre vergehen, bis sein Potenzial erkannt wurde und ihm die Leitung der Bereiche Bühnenbild und Verwaltung des Kostümwesens am Bayerischen Staatstheater überantwortet wurde. 1919 berief ihn der bedeutende Regisseur und Theaterintendant Leopold Jessner,  ein Gegenspieler von Max Reinhardt, an das Staatliche Schauspielhaus in Berlin. Mit dem Stück „Aus dem Leben der Insekten“ von Josef und Karel Čapek versuchte sich Emil Pirchan 1923 erstmals auch als Regisseur. Von Anfang an galt dabei Pirchans großes Interesse dem Tanz, insbesondere den Bewegungsabläufen.

Emil Pirchan mit Masken im Berliner Atelier, 1923. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Auch als Kostüm- und Maskenbildner betätigte er sich; zur Maximierung der Wirkung überließ er nichts dem Zufall und setzte in den Bereichen Beleuchtungstechnik und Bühnenbildprojektion neue Maßstäbe. Die von Emil Pirchan angestrebte klare Strukturierung des Bühnenraumes sowie eindringliche Farbwirkungen wurzelten zweifelsohne in seiner Arbeit als Gebrauchsgrafiker. „Bloß Wesentliches, Verallgemeinertes. Alles Illustrierende, Ablenkende fortgelassen. Nur Konzentration!“ so sein Credo. In den 1930er-Jahren ließen knappe finanzielle Mittel keine weiteren gestalterischen Höhenflüge zu.

Während seiner Tätigkeit am Deutschen Theater in Prag war der Bühnenbildner auf die Wiederverwendung von bereits bestehenden Teilen des Dekors angewiesen. Bis auf einige wenige Ausnahmen arbeitete er zunehmend eklektisch und ohne Scheu vor historisierenden Elementen. Dieser Trend setzte sich auch nach dem Umzug nach Wien im Jahr 1936 fort, wohin Emil Pirchan als außerordentlicher Professor für die neugeschaffene Meisterschule für Bühnenbildkunst und Festgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste berufen wurde.

Dass all diese Arbeit in die Zeit des Nationalsozialismus fiel, wirft freilich auch die Frage nach der politischen Haltung des Künstlers auf, zu der es keine eindeutigen Belege gibt. Zeitzeugen behaupten, er wäre „apolitisch“ gewesen. Jedenfalls war er kein Parteimitglied, passte sich aber dem Regime an und konnte so seine Tätigkeit fortsetzen. Die Weitergabe von Wissen war Pirchan ein großes Anliegen; vor seinem Umzug nach Wien hatte er bereits an den Akademien von Berlin und Prag sowie am Mozarteum und an der österreichischen Dependance der Theatre School of New York in Salzburg unterrichtet.

Ergänzend zu seinen Tätigkeiten als Gebrauchsgrafiker und Theaterkünstler schrieb Emil Pirchan mehrere Standardwerke im Bereich Theaterkunde sowie in der bildenden Kunst. Dazu zählten Künstlermonografien, etwa über Hans Makart und Gustav Klimt; darüber hinaus verfasste er Romane wie „Der zeugende Tod“, der 1920 nach einem Drehbuch Pirchans verfilmt wurde, mit der berühmten Schauspielerin Tilla Durieux in einer der Hauptrollen.

www.leopoldmuseum.org

6. 12. 2020

Belvedere: Emil-Nolde-Ausstellung

Oktober 25, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

In Glut und Farbe

Emil Nolde: Josef erzählt seine Träume, 1910 Öl auf Leinwand Bild: © Belvedere, Wien

Emil Nolde: Josef erzählt seine Träume, 1910
Öl auf Leinwand
Bild: © Belvedere, Wien

Ab 25. Oktober zeigt das Belvedere eine umfassende Emil-Nolde-Schau.
„Deshalb gern mied ich alles Sinnen vorher, eine vage Vorstellung nur in Glut und Farbe  mir genügte […]“, schrieb Emil Nolde 1936 über seine instinktive Arbeitsweise und den ungehemmten Umgang mit Farben, der seine Werke auszeichnet. Mit Emil Nolde – In Glut und Farbe widmet das Belvedere in Kooperation mit der Stiftung Seebüll Ada und  Emil Nolde dem herausragenden Einzelgänger des deutschen Expressionismus eine  Ausstellung, die einen lebhaften Eindruck seiner Farbexplosionen vermittelt. Die Schau zeigt Werke aus all seinen Schaffensphasen, von frühen, vom Impressionismus geprägten Gartenbildern über biblische und Legendenbilder oder strahlende, in der Südsee gemalte Pastelle bis hin zu den während des Malverbots entstandenen Ungemalten Bildern. Ergänzt wird die Ausstellung durch Druckgraphiken des Künstlers und ausgewählte Arbeiten österreichischer Maler wie Oskar Kokoschka, Werner Berg oder Max Weiler, die
durch Nolde inspiriert wurden.

Emil Nolde fand erst relativ spät und weitgehend eigenständig zur Kunst und zu seiner individuellen Ausdrucksweise. 1867 als Emil Hansen im Dorf Nolde bei Tondern im deutsch-dänischen Grenzgebiet geboren, verbrachte er seine Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof. Nach einer Ausbildung zum Holzbildhauer in Flensburg und darauf folgenden Wanderjahren als Möbeltischler war er als Fachlehrer für gewerbliches Zeichnen am St. Galler Industrie- und Gewerbemuseum tätig. Der Verkaufserfolg einer Postkartenserie, in der er Bergen
menschliche Züge verlieh, ermöglichte ihm 1897, seine Lehrstelle aufzugeben und sich ganz der Malerei zu widmen. 1898 begann er in München bei Friedrich Fehr zu studieren, wechselte aber bald zu Adolf Hölzel und den Malern der Dachauer Schule. Dort erlernte er die Analyse der Kompositionen großer Meister und die Reduktion der Werke auf ihre wesentlichen Elemente, was zu einer Verdichtung auf wenige große Flächen führte. Nach Noldes kunsthandwerklichen Anfängen führte ihn die Auseinandersetzung mit Meistern wie Leibl, Marées, Böcklin und der Besuch der Hölzel-Schule zunächst zu einer stimmungsvollen, dunkeltonigen Gestaltungsweise. Einige Monate in Paris und an der Académie Julian im Jahr 1900 brachten ihn mit jenem strahlenden Kolorit des französischen Impressionismus in
Kontakt, das eine radikale Aufhellung seiner Palette mit sich brachte – seine Bilder wurden strahlender, frischer und bunter. Währenddessen strebten die Maler der Brücke – ausgehend von Munch und bestärkt von den zeitgleichen französischen Fauves –
eine ähnliche Enthemmung der Farbe und Spontaneität des Pinselstrichs an. Auf seine 20-monatige Zugehörigkeit zur Künstlergruppe folgte Noldes Beitritt zur Berliner Secession. Später zählte er zu jenen Künstlern, die sich von dieser abspalteten und 1910 die Neue Secession gründeten.

„Um 1911 bzw. 1912 fand Nolde zu seinem persönlichen Stil. Vom farbenprächtigen Impressionismus seiner Gartenbilder um 1907 über die 1910 entstandenen religiösen Bilder, die eine neue Strahlkraft der mit strähnigen Pinselzügen aufgetragenen Farben aufwiesen, gelangte er zu einer Malweise, die leuchtende, volltönende Farbflächen betonte und Details unterschlug. Die Themenvielfalt seines unverwechselbaren Werks reicht von grotesken Phantasiewesen, ekstatischen Tänzerinnen und Situationen des Berliner Nachtlebens über Bibelszenen und christliche Legenden bis hin zur Landschaft seiner Heimat Nordschleswig und zu Meeresstimmungen der Ost- und Nordsee“, erklärt Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere. Noldes Naturverbundenheit und die ständige Suche nach dem Ursprünglichen führten ihn auf weite Reisen, sogar nach Neuguinea, wo er auf Inspiration abseits der westlichen Zivilisation hoffte. „Die Bildfläche war das eigentliche Austragungsfeld seiner Auseinandersetzung mit Natur und Leben, auf dem sich das Drama der Farben untereinander abspielte. Mit Fortschreiten seines Werks sollte Nolde immer stärker auf diese eigene, den Farben innewohnende Kraft hören und aus ihr heraus seine Bilder entwickeln. Der Künstler schuf seine Gemälde vor allem aus seiner eigenen Vorstellungskraft und Empfindung heraus. Oftmals war er dabei selbst ganz erstaunt über die Ergebnisse und bezeichnete die schönsten seiner Werke daher als Selbstüberraschungen“, erläutert Stephan Koja, Kurator der Ausstellung.

Noldes unmittelbarer Zugang zur Malerei und sein einzigartiger Umgang mit Farben fanden einen Höhepunkt in seinem immensen Alterswerk der Ungemalten Bilder, die trotz des Malverbots, das am 23. August 1941 über ihn verhängt wurde, im Geheimen entstanden. Aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen, wurde ihm jede berufliche Betätigung auf den Gebieten der bildenden Künste untersagt. Dies bedeutete einen großen Schock für den Maler, hatte er doch wie viele andere Künstler anfänglich die Machtergreifung der Nationalsozialisten begrüßt und gehofft, das nationalsozialistische Regime könnte Deutschland nach dem Trauma des Ersten Weltkriegs und des Friedensvertrags von Versailles wieder Orientierung und Selbstvertrauen verleihen. Sein Interesse für den nordischen Naturmystizismus brachte ihn dabei gefährlich nahe an die rassisch beeinflusste nordische Mythenwelt des Nationalsozialismus; dessen Intoleranzen bis hin zum Völkermord sah er allerdings wohl nicht voraus. Aufgrund seiner ausgeprägten Verwurzelung in Nordfriesland war eine Emigration, wie sie ihm von Freunden nahegelegt wurde, für Nolde undenkbar. Um sich nicht durch den Geruch der Ölfarbe zu verraten, schuf der Künstler in den vier Jahren des Malverbots hauptsächlich kleine Aquarelle – Ungemalte Bilder, da sie eigentlich nicht entstehen durften und auch nicht in jener Form verwirklicht werden konnten, in der Nolde sie erschaffen wollte:  als großformatige Ölgemälde. So entstanden zwischen 1938 und 1945 über 1300 kleinformatige Aquarelle und Gouachen mit frei erfundenen, meist phantastischen Darstellungen in seinem Atelier in Seebüll, von denen knapp 50 Blätter im Unteren Belvedere präsentiert werden. Dabei ließ Nolde aus zufälligen Farbklecksen Gesichter, Figuren, aber auch phantastische Mischwesen zwischen Mensch und Tier entstehen. Ebenso malte Nolde Landschaften aus seinem Gedächtnis, unter ihnen blutrot gefärbte Meere oder in Lapislazuli getauchte Felsküsten.

Emil Nolde – In Glut und Farbe zeigt zentrale Werke aus der reichen Sammlung der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, der Hamburger Kunsthalle sowie weiteren Museen und Privatsammlungen. Unter den Arbeiten befinden sich Landschaften, Meere, Bildnisse, Berliner Szenen, religiöse Bilder und Phantasien sowie hochkarätige Folgen von Aquarellen und fast 50 Blätter der Ungemalten Bilder. Gleichzeitig beleuchtet die Ausstellung durch ausgewählte Werke österreichischer Maler wie Werner Berg, Herbert Boeckl, Oskar Kokoschka oder
Max Weiler, wie diese auf Noldes Farbexplosionen reagierten und aus seiner Kunst Anregungen für das eigene Werk bezogen. Damit veranschaulicht die Ausstellung auch den intensiven künstlerischen Austausch im Europa des 20. Jahrhunderts.

www.belvedere.at

Wien, 24. 10. 2013

Dauerleihgaben der Sammlung Thyssen-Bornemisza an das Belvedere

April 15, 2013 in Ausstellung

Bedeutende Meisterwerke der Moderne ergänzen

die Sammlung der Österreichischen Galerie

Ich kaufe Gemälde aus Liebe und Leidenschaft, Interesse und Begeisterung.
Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002)

Alexej von Jawlensky, Kind mit Puppe, 1910, Öl auf Holz, 61 × 50,5 cm, Dauerleihgabe im Belvedere © Thyssen-Bornemisza Collections, © VBK, Wien, 2013

Alexej von Jawlensky, Kind mit Puppe, 1910, Öl auf Holz, 61 × 50,5 cm, Dauerleihgabe im Belvedere
© Thyssen-Bornemisza Collections, © VBK, Wien, 2013

Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Alexej von Jawlensky oder František Kupka: Insgesamt sind es 15 Werke aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza, zwölf Ölgemälde und drei Arbeiten auf Papier, darunter Hauptwerke des deutschen und des französischen Expressionismus sowie des italienischen und des russischen Konstruktivismus, die ab dem Frühjahr 2013 als Dauerleihgaben im Oberen Belvedere präsentiert werden. „Diese Sammlung  ist eine der gewichtigsten in Europa, und es ist eine ganz besondere Freude, dass Ausgewähltes von allerhöchster Qualität nun die Bilder des Belvedere ergänzt. Diese herausragenden Einzelstücke ermöglichen den Vergleich der eigenen Bestände österreichischer Kunst mit dem deutschen Expressionismus und zeigen so wichtige Aspekte der heimischen Identität auf“, zeigte sich Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere, bei der Vorstellung ihrer neuen Schützlinge erfreut über die neueste Ergänzung ihres Hauses.

Im Jahre 1947 erbte Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza von seinem Vater den wichtigsten Teil einer ausschließlich aus Werken alter Meister bestehenden Kunstsammlung. Baron Hans Heinrich setzte diese Tradition zunächst fort und erwarb erst zu Beginn der 1960er-Jahre sein erstes modernes Werk, das Aquarell Junges Paar von Emil Nolde. Im Laufe der folgenden vier Jahrzehnte trug er eine der bedeutendsten Privatsammlungen der klassischen Moderne zusammen, deren größter Teil seit 1992 im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid dauerhaft präsentiert wird. Aus der verbleibenden Kunstsammlung kann dank des Engagements seiner Tochter, Francesca Habsburg, eine Auswahl von Werken der internationalen klassischen Moderne nun im Belvedere gezeigt werden. „Das Aufregendste für mich an der Kunst ist das Entdecken und die Herausforderung, vor die man gestellt wird. Auch wenn meine Leidenschaft vorwiegend der zeitgenössischen Kunst gilt, habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu den Werken aus der Sammlung meines Vaters, dessen Leidenschaft für die Kunst mich geprägt hat. Heute hier im Belvedere zu stehen und ausgewählte Arbeiten als Ergänzung in der Sammlung zu sehen ist natürlich ein besonderer Moment für mich“, meint Francesca Habsburg.

Unter den Dauerleihgaben befinden sich Werke des französischen Fauvismus, beispielsweise von Maurice de Vlaminck, des Dresdner und des Münchner Expressionismus mit Vertretern wie Alexej von Jawlensky und August Macke, oder Einzelpositionen wie jene von František Kupka. Vertreten sind einflussreiche Größen der deutschen, französischen, russischen und italienischen Avantgarde, ihre Werke machen Zusammenhänge zwischen der Wiener Formkunst, dem Wiener Kinetismus, dem russischen Konstruktivismus sowie dem Rayonismus ästhetisch erfahrbar. „Besonders ans Herz gewachsen ist mir eine weitere der Belvedere-Leihgaben, Noldes Blumengarten. Mein Vater fühlte sich zu diesem Gemälde immer sehr hingezogen und nahm es sogar mit, als er nach Madrid zog, wo es immer bei uns zuhause hing“, so Francesca Habsburg. „Ich fühle mich diesen Bildern sehr verbunden, und es ist mir eine Ehre, dass sie über den Zeitraum mehrerer Jahre in der Sammlung der Moderne des Belvedere integriert sein werden. Denn mein Vater hat mich etwas sehr Wichtiges gelehrt: Kunstwerke werden nicht zum ausschließlichen Privatvergnügen eines Einzelnen geschaffen, sondern um sie mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen.“

www.belvedere.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 12. 4. 2013

Von William Turner bis zum Fantasyfilm

März 21, 2013 in Ausstellung

 Das Leopold Museum ist schwer bewölkt

Ab 22. 3. zeigt das Leopold Museum die Ausstellung „Wolken. Bilder zwischen Himmel und Erde“: Ausgewählte Meisterwerke von unterschiedlichen Künstlern, die, vom frühen 19. Jahrhundert bis heute, Wolkenbilder in den Mittelpunkt Ihres Interesses rückten. In zwölf Kapiteln beleuchtet die Schau die unterschiedlichen Darstellungsweisen von Wolken während der vergangenen zwei Jahrhunderte. Die Palette der Themen reicht  von der „Erfindung der Wolken“ über den Himmel der Impressionisten und der Wolke als Ornament bis zur Klangwolke. Für das 20. und 21. Jahrhundert stehen besonders die Kapitel „Metamorphose“, Industriewolke und die „Schönheit des Unheimlichen“, etwa in den oft merkwürdig ansprechenden Fotografien von Atompilzen oder Naturkatastrophen.

Leopold Museum

RENÉ MAGRITTE
(1898-1967)
Sommer, 1931
Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm
Geschenk von Max Janlet, Musée d‘Ixelles, Brussels © VBK, Vienna 2012

Zu sehen sind unter anderem Werke von Caspar David Friedrich, John Constable, William Turner, Claude Monet, Alfred Sisley, Paul Cézanne, Ferdinand Hodler, Gustav Klimt, Egon Schiele, Emil Nolde, Heinrich Kühn, René Magritte, Alfred Stieglitz, Edward Steichen, Gerhard Richter, James Rosenquist, Anselm Kiefer und Olafur Eliasson. Wolken von diesen Künstlern sind von hohem ästhetischen Reiz. Sie mutieren zu poetischen Metaphern oder zu Zeichenvon Gefahr – sie übermitteln Botschaften. Sind Naturidyll, „Abendrot“, regendurchzogener Himmel oder abgasverseuchte Luft.

Naturalisten, Impressionisten, Expressionisten, Realisten … sie alle interpretierten die Himmelsgebilde auf ihre Weise. Surrealist René Magritte liebte wiederum das Spiel der Überraschung und Verfremdung und zeigte dies besonders häufig an Hand von Wolkenmotiven. Auch in der Fotografie bildeten Wolkendarstellungen eine große künstlerische wie technische Herausforderung, wie die suggestiven Lichtbilder des französischen Fotografen Gustave Le Gray zeigen. Und schließlich spielen Wolken auch im Film eine wichtige Rolle. Regisseure und Kameraleute liebten seit jeher den Effekt von Wolken, die den Protagonisten die Sicht rauben und Unbehagen verursachen.Passagen vom frühen Stummfilm bis zu Fantasyfilmen belegen das.

www.leopoldmuseum.org

Von Rudolf Mottinger

Wien, 21. 3. 2013