Landestheater NÖ online: Am Königsweg

November 21, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Wahrheit ist ein schlechter Witz

Elfriede Jelinek allein unter Habjans Grusel-Muppets: Manuela Linshalm, Bettina Kerl, Tilman Rose, Hanna Binder und Sabrina Ceesay. Bild: © Alexi Pelekanos

Zum Wiedersehen und Neuentdecken bietet das Landestheater Niederösterreich bis inklusive Sonntagabend Nikolaus Habjans – von der New York Times zu den fünf besten deutschsprachigen gezählte – Inszenierung von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ als Stream an. Der Blick ins Oval Office der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin, geschrieben kurz nach der Vereidigung von Donald Trump, ist dieser Tage durchaus wieder ein aktueller.

Sträubt sich der Realitätsverweigerer doch den Präsidentensessel zu räumen und setzt selbst als Lame-Duck-Amtsinhaber, statt Platz für Joe Biden zu machen, noch allerlei fragwürdige Aktionen. Was „Am Königsweg“ online selbst für solche, die’s live schon gesehen haben, besonders macht, ist das Naheverhältnis, das man zu Habjans Puppen herzustellen vermag. Man ist sozusagen mitten drin in der Muppet Show, deren Erscheinen die einleitende Regieanweisung der Autorin und ihr Text damit wie für Habjan gemacht ist. Der Regisseur, der die öffentlichkeitsverabscheuende Schriftstellerin bereits andernorts via Puppe performte und sich mit ihr bis zu dem Punkt bekannt machen konnte, dass sie die Aufführung nun virtuell eröffnet.

„Von wem will ich da überhaupt sprechen?“, fragt sie eingangs vom Band, und auf der Bühne ergänzt ihr Puppenkörper im Kimono, wie das Vorbild gealtert und mit rot gefärbtem Haar: „Darüber muss ich mich mit mir verständigen.“ Die Antwort lautet: Von Donald Trump natürlich, doch vor allem auch von Elfriede Jelinek. Selten war eine ihrer Hervorbringungen so selbstreflektiv, so selbstironisch, so sehr sich selbst bespiegelnd. Sie tue, was sie stets tue, „ich verstecke mich hinter meiner Weltanschauung“, sagt die Puppe, aber nein, diesmal tritt die Jelinek vor den roten Samtvorhang.

Als Seherin, der alsbald chirurgenfachkundig mit dem Skalpell die Glitzeraugen aus dem Kopf operiert werden, dient als Mythenreferenz, zur Mythosdekonstruktion doch der des König Ödipus, für den namentlich nie genannten King Donald, für das Kind Donald – ein hässlich-güldenes, gefräßiges, Rabäh-Aufmerksamkeit!-kreischendes Baby, dem die 70.000-Dollar-Frisur als Toupet auf die Glatze gesetzt wird. Wie konnte die Welt angesichts der Trump-Präsidentschaft und – nicht ausschließlich – seines Rechtspopulismus derart mit Blindheit geschlagen sein, ist die Frage, die Jelinek umtreibt. Während sie sarkastischen Schabernack mit ihrem fortschreitenden Alter, dem Ablaufdatum ihrer Sexualität, einmal mehr mit dem Nicht-Verhältnis zur Mutter und ihrer Ohnmacht als „Sprüchesängerin“ treibt.

Tilman „Trump“ Rose. Bild: © Alexi Pelekanos

Linshalm, Bettina Kerl und Miss Piggy. Bild: © Alexi Pelekanos

Trumps Traum: Ensemble. Bild: © Alexi Pelekanos

Linshalm mit Waldorf und Statler. Bild: © Alexi Pelekanos

„Sprücheklopferin!“, korrigieren quiekend die Muppets, mittels derer Habjan die Polit-Groteske zum Grand Guignol überdreht, zum anarchischen Kasperltheater mit ausreichend Prügelslapstick wie beim berühmten Krokodil-Showdown. Mit Habjan-Intima Manuela Linshalm und deren Jelinek-Puppe stehen die Ensemblemitglieder Hanna Binder, Tim Breyvogel, Bettina Kerl und Tilman Rose vor der rotierenden Oval-Office-Kulisse von Jakob Brossmann. Mal sind sie Puppenspieler, mal ein Ku-Klux-Klan-Chor, deren Faschisten-Veteran David Duke in Zeitungskolumnen begeistert Trumps „nationalistische Ansichten“ lobt, Gewalt-Prediger des Gott-Königs, seine Wort-im-Mund-Verdreher bis aus harten Fakten alternative werden – der Abend ist voll von Anspielungen.

Als Gast ist Sabrina Ceesay dabei, als Afroeuropäerin eine Verwandte jener Menschen, von denen Trump behauptet, mehr für sie getan zu haben, als jeder Präsident seit Lincoln. Großartig, wie sie sich als Putzfrau durchs Weiße Haus staubsaugt, und große Kunst wie die sechs perfekt aufeinander eingespielten Darsteller nicht nur die Puppen führen, sondern gleichzeitig im Jelinekischen Satzstrom über deren stromschnelle Formulierungen turnen, eine Textfläche, die Habjan in mundgerechte Sprachparzellen geteilt hat.

Auftritt eine scheußlich geblendet Miss Piggy, die irgendwie die First Lady zu sein scheint, ein grottiger, Applaus-Applaus-Applaus wachelnder Kermit, die untoten Waldorf und Statler, die nicht auf dem Balkon, sondern aus der Versenkung erscheinen, der weise Knabe Beaker, der hier viel mehr zu sagen hat, als nur Mimimi, der langnasige Gonzo, ein Körpermerkmal, das Miss Piggy zum Beischlaf nutzt, die grässlichen Muppet-Fratzen und selbstverständlich das Trump-Baby. Und nicht nur Manuela Linshalm beweist sich als vieltönendes Stimmwunder, sondern auch Tim Breyvogel im raukehligen Gonzo-O-Ton.

Gonzo offeriert den drei Elfrieden-Erinnyen den Eris-Apfel: Bettina Kerl, Sabrina Ceesay, Manuela Linshalm und Tim Breyvogel. Bild: © Alexi Pelekanos

Wie Tilman Rose, der sich mit der Trump-Puppe als 1A-Idiom-Imitator und psychologischer Puppenbeteuer fürs misogyne, xenophobe Große-Klapp(e)maul zeigt. „Ich werde höchstens eine Anmerkung im Buch der Geschichte sein, aber eine fettgedruckte“, witzelt die Jelinek-Puppe über ihn, und ja, die Wahrheit ist ein Witz, zeithistorisch betrachtet ein schlechter, aber gespielt ein ausgesprochen guter. Hinsichtlich hintergründigen Humors am schönsten eine gespenstische Szene:

Popanz‘ Trumps Traum, ein Nachtflug über ein gespaltenes Land, in dessen Mitte-Nichts die Lager rechts und links hineinzufallen fürchten. Und war die Jelinek anfangs schon bei KKK, so ist sie nun längst bei Kapital, Krise, Klassenunterschieden, einer kulturellen Ordnung, die auch in der hiesigen Budgetdebatte hochgehalten wurde, na danke dafür. „Schwer seufzend hebt das Land die Hand, es meldet sich freiwillig.“ Als Opfer, laut Jelinek und nachzulesen beim Kulturanthropologen René Girard dieser Kult die einzige Möglichkeit für primitive Gesellschaften ihrer Gewaltbereitschaft Herr zu werden.

Die Darsteller klamauken und kalauern sich durch den Abend, als ob es kein Morgen gäbe. Bis Sophokles‘ NéoTeiresia sich figürlich verdreifacht, Sabrina Ceesay und Bettina Kerl verantworten nun neben Linshalm ebenfalls höchst entsprechende, jüngere Jelinek-Versionen. Drei Göttinnen wollen sie sein, doch wenn, dann die Elfrieden-Erinnyen, personifizierte Patriarchats-Gewissensbisse und feministische Verteidigerinnen weiblicher Prinzipien, die der toxischen Männlichkeit den Königsweg abschneiden. Aufs Sofa hingegossen ermahnen sie die Sterblichen schicksalhaft, „es soll ja keiner auftrennen, was ich an Worten aneinandergefügt habe“, und klar, dass sie den von Gonzo gereichten Eris-Apfel mit einer Empfehlung, wohin zu stecken, zurückweisen.

„Am Königsweg“ ist wie ein Nachtalb der Autorin. Oder ein kommentierter Schreib-Prozess, den das Über-Ich dem Überdrüber-Ego macht. Wieder keine Action, wieder nur Gerede, schilt sie sich. Stimmt nicht, Habjan hat mit überbordendem Ideenreichtum eine Tour de Farce illustriert, inspiriert von den vielen Wortspielereien und um Schauwerte nicht verlegen. Und er lässt das von ihm choreografierte Ensemble glänzen, als Puppen- wie als Schauspieler. Sagt die Jelinek-Puppen-Trias: „Mein Wort ist verrückt geworden. Wahrscheinlich, weil es glaubte, mich verloren zu haben. Aber ich verliere keine Worte.“ Beschließt die Satire das Original von oben: „Bitte seien Sie mir nicht böse und hören Sie lieber nicht auf mich.“

www.landestheater.net           Stream: www.landestheater.net/de/news-bild/online-stream-am-koenigsweg           Trailer: www.youtube.com/watch?v=ABlgR2IGlyg&t=42s           Nikolaus Habjan im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=8Uqk6XvouVE           Proben: www.youtube.com/watch?v=Rb_6j3UzqMs&t=14s

Buchtipp: Howard Jacobsons „Pussy“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28269

  1. 11. 2020

Der Rabenhof auf fm4 – Lesemarathon: Albert Camus‘ „Die Pest“ ab Karfreitag als Videostream

April 7, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

120 Stimmen in zehn Stunden

Bild: pixabay.com

„Ein monumentales Projekt in Tagen des Ausnahme- zustands“ plant der Rabenhof am Karfreitag ab 12 Uhr
auf fm4.orf.at: „Die Pest“ des französischen Nobelpreis- trägers Albert Camus als Videostream, als Marathonlesung von 120 Stimmen in zehn Stunden. Nach einer Idee von Claus Philipp und Thomas Gratzer sind unter anderem zu sehen und zu hören:

Elfriede Jelinek, Martin Kušej, Birgit Minichmayr, Michael Maertens, Klaus Maria Brandauer, Andrea Breth, Karl Markovics, Michael Heltau, Branko Samarowski, Peter Simonischek, Erwin Steinhauer, Josef Hader, Cornelius Obonya, Wolfgang Ambros, EsRAP, Martin Grubinger, Heinz Fischer, Christoph Schönborn, Herbert Föttinger, Dirk Stermann und Christoph Grissemann, Daniel Kehlmann, Michael Köhlmeier, Stefanie Sargnagel, David Schalko, Clemens J. Setz, Ruth Beckermann, Arik Brauer, Ruth Brauer-Kvam, Adele Neuhauser, Robert Palfrader, Willi Resetarits, Sophie Rois, Manuel Rubey, Robert Stachel und Peter Hörmannseder, Werner Gruber, Gerhard Haderer, Christoph Krutzler, Paulus Manker, Ernst Molden, Katharina Strasser, Ursula Strauss, Oliver Welter und Armin Wolf. „Die Pest“-Marathonlesung wird einen Monat lang abrufbar sein.

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

1947 verfasst, schildert Camus den Verlauf der Pest in der algerischen Küstenstadt Oran aus Sicht seines Protagonisten Dr. Bernard Rieux, der sich jedoch erst am Ende des Romans als „Verfasser der Chronik“ zu erkennen gibt. Die Geschichte beginnt im Jahre „194…“. Einige tote Ratten und ein paar harmlose Fälle einer unbekannten Krankheit sind die Anfänge einer schrecklichen Epidemie, die die Stadt in den Ausnahmezustand bringt, die Bewohner von der Außenwelt abschottet und unter ihnen mehrere tausend Todesopfer fordert. Die Pest bedroht das Menschssein der Bevölkerung und wird so zum gemeinsamen Gegner. Jeder nimmt den schier ausweglosen Kampf gegen den Schwarzen Tod auf seine Weise in Angriff.

Rieux ringt als Arzt gleich einem Sisyphos mit der Krankheit und gerät darüber in Disput mit Pater Paneloux, der die Pest als Strafe Gottes deutet. Camus entwickelt dies alles als politische Allegorie, als existenzialistische Parabel. Er seziert hellsichtig das menschliche Handeln im Angesicht der Katastrophe und zeichnet dabei ein erstaunlich vergleichbares Bild der derzeitigen, einer „neuen Normalität“. Das Absurde bleibt dabei sein steter Begleiter. Unschuldige Kinder sterben genauso wie Menschen, die es „verdient hätten“, obwohl sich insgesamt das Prinzip erkennen lässt, dass die Pest bevorzugt solche ohne Solidarität tötet …

Nikolaus Habjan mit Berti Blockwardt. Bild: Screenshot/w24-Rabenhof Theater/Abgesagt?-Angesagt!

Auf www.w24.at zeigt das Rabenhof-TV-Studio unter dem Titel „Abgesagt? Angesagt!“ und moderiert von Manuel Rubey eine Auswahl aktuell gecancelter Produktionen – als Appetizer auf die Acts, sobald Performer und Publikum wieder live zusammen- kommen können. Die jüngste Folge mit unter anderem Nikolaus Habjans „Berti Blockwardt“, Marius Zernatto als „#Werther“ (mehr zu diesem großartigen Goethe-Konzept: www.mottingers-meinung.at/?p=24657), Poetry-Slammerin Yasmo und – abgesagt bei der Biennale, angesagt in Erdberg – Doris Uhlich mit dem „Pudertanz“: www.w24.at/Sendungen-A-Z/Abgesagt-Angesagt/Alle-Folgen?video=17879

www.rabenhoftheater.com           fm4.orf.at           www.w24.at

7. 4. 2020

Volx/Margareten: Urfaust / FaustIn and out

Februar 29, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Gretchen im Faust’schen Kellerverlies

Kein Eisen ist zu heiß, Gretchens Gegenwehr wird kurzerhand glattgebügelt: Sebastian Pass, Steffi Krautz und Nadine Quittner. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Habe nun, ach! Es oft genug gehört, gesagt, gelesen, doch Günter Franzmeier tut’s noch und noch. Der brüchige Balkon mimt die Studierstube, hier sitzt der Schauspieler erster Wahl und rezitiert, repetiert den Welttheatermonolog, synkopiert, verjandlt, verbalsert seinen Faust, je neue Betonung eine neue Bedeutung, alldieweil unter ihm im Zimmer-Küche-Kabinett-Keller die Wiederholung zum Mundhygiene-Ritual wird. Putzen, spucken, der Notdurftkübel, das mit dem Aufbegehren übt sich erst.

Im Volx/Margareten hat Bérénice Hebenstreit Elfriede Jelineks Daunenkissenschlacht gegen Marmorkopf-Goethe inszeniert, „Urfaust / FaustIn and out“, jenen theatralen Kulminationspunkt, an dem die Autorin Margaretes „Ich schreye laut, laut dass alles erwacht“ mit Fritzl-Tochter Elisabeths Satz „Ich habe in all den Jahren oftmals geschrien, aber es hat mich niemand gehört“ kollidieren lässt – und Hebenstreit samt Dramaturg Michael Isenberg haben die Texte derart genialisch verschränkt, dass man verteufelt gut achtgeben muss, wo Geheimrat aufhört und Literaturnobelpreisträgerin anfängt. Sie haben den „Olympier“ nicht etwa über-, sondern die Jelinek fortgeschrieben, nahtlos greift da eins ins andere, bis Doktor Chauvi in der Selbstdekonstruktion angelangt ist.

Nahtlos, das gilt auch für das großartige Raumkonzept von Ivan Bazak, die diversen Lichtstimmungen von Markus Hirscher, die Musik von Kerosin95 aka Kathrin Kolleritsch mit Oliver Cortez. Zu Franzmeier gesellen sich die Unter-der-Erdgeister mit den speziellsten Stimmen des Hauses, Steffi Krautz als GeistIn, Sebastian Pass als Zweiter Geist und Nadine Quittner, deren FaustIn sich zur Gretchen-Figur redupliert. Im Sinne des jeli-neckischen „Ich renne mit der Schaufel und dem Besen hinter ihm her und beseitige den Menschenmüll, den der Klassiker hinterlassen hat“, sind die Eingekerkerten am Großreinemachen, Parkett wischen, Wände wienern, man beachte den Doppelsinn des Wortes „aufräumen“, bügeln. Kein Eisen ist zu heiß, als dass nicht Gretchens Gegenwehr damit zu plätten wäre, die Kellerkinder in Fausts Verlies sind einander Verbündete wie Feinde.

Herr Faust lässt seine Socken sortieren: Pass, Krautz und Quittner. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Das Feigenblatt der Versuchung: Quittner, Pass und Krautz. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Sie ist gerichtet. Ist gerettet. Oder doch gerichtet: Steffi Krautz. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Postfeministisches Kaffeekränzchen: Quittner, Krautz und Pass. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Bis Heinrich-mir-graut-vor-dirs Schwadronade endlich die Widerspruchs-Geister weckt. Haben die drei in ihren blassrosa Puffärmelblusen eben noch mit zusammengekniffenem, damit schärferem Auge schwarze Herrensocken verpaart, Krautz sie vorne auf die Wäscheleine geklammert, während Pass hinter ihr die Kluppen abgeklipst und die Socken ihrem Absturz anheimgestellt hat, heißt: apropos Heim, auch ein Haushalt ist ein Loch, eines ohne Boden, besinnen sie sich nun scheint’s auf ihre stets verneinende Charakterbeschaffenheit.

Der Herr oben ist grad beim Pudel, da pinkeln ihn die unten schon postfeministisch an, pardon, aber die Haxn-Heb‘-Metapher ist von der Jelinek höchstselbst, die Störfaktoten nun beim Kaffeetrinken, Steffi Krautz von geradezu mephistophelischer Süffisanz, Sebastian Pass eine Puck’sche Spukgestalt, das Metawesen mit Migräne und der seinen gefährlichen Spaß treibende Narr – sehr durchdacht ist das alles, sehr klug, wie Hebenstreit den Kanon zwar bedient, aber nie ohne den Hinweis, dass die großen Fragen, die der „Faust“ debattiert, aus Sicht der physisch wie psychisch weggesperrten Frau irrelevant sind. Seine Welt gibt’s für sie nicht. Zutritt verboten.

Ohne den abgenudelten #toxischeMännlichkeit zu bemühen, führt die Regisseurin den 2012er-Text über die Distanz der damaligen Tagesaktualität ins Grundsätzliche männerbestimmter Machtverhältnisse und das fremd- bestimmte In-der-Versenkung-Verschwinden der Frau. Nachdem Quittners Schilderung von Szenen aus dem Fritzl-Keller einem den Magen umgedreht hatten, folgt ihr (auch persönlich empfundener) Protest, wieso allein Margarete zur Büßerin auserkoren ist, folgt die lapidare Feststellung: „Warum all die Mädels in den Kellern? Sie könnten ja in einem Turm gehalten werden. – Aber einen Turm hat nicht jeder.“ Das ist Jelinek pur. Die Tragifarce, die mit ihrer Satire den Dichterfürsten vom Sockel, vom Parnassos in die Alltagsbanalität des Bösen holt.

Faust verschlägt’s vom erhabenen Studierrang in die Tiefen einer TV-Talkshow: Günter Franzmeier mit den jelinekischen Kartonköpfen. Bild: © Christine Miess / Volkstheater

Hebenstreits Ideenreichtum unterstützt die absurde Groteske, siehe Socken, siehe Bügeln, beides wie ein Ballett choreografiert, die Darsteller virtuos beim Sprühnebeln mit dem Spritzerl. Quittner muss den Strom für den Stecker selber produzieren, die Energieversorgung aus dem Oberschenkel funktioniert zwar trotz Elektroschlägen ganz gut, dann hält sie den Stecker ans Herz – und fällt vom Hocker. Welch ein Bild! „Wir sind in bester Form, wenn auch in weiblicher!“, sagt Krautz‘ GeistIn.

Und hat damit einmal mehr die Lacher auf ihrer Seite. Und wieder Zeitenverschiebung, Quittner-Margarete-Elisabeth, die um ihr totes Kindchen trauert, Krautz und Pass, die aufsässigen GeistInnen, die den heiligen O-Ton wie eine Liturgie leiern, Faust, der zornige Zitatenschleuderer, der sich zu guter Letzt gottvaterisch unters Volk mischt. Aber, ach! Der Abstieg ist kein Osterspaziergang, statt in Gretchens Kammer verrennt sich Faust in eine TV-Talkshow, rund um ihn nur Kartonköpfe, die mit ihren Strichcodes irgendwie Elfriede Jelinek ähneln, und seinen Fall öffentlich verhandeln. So kehrt sich das Ist-Gerettet ins Ist-Gerichtet zurück, die Medien sorgen schon dafür, dass das Opfer Mitschuld trägt, und die Online-Foren für passenden Hass und Verachtung.

„Ich habe versucht zu schreien. Aber es kam kein Laut heraus. Meine Stimmbänder haben einfach nicht mitgemacht“, schrieb Natascha Kampusch in ihr Buch. Steffi Krautz spinnt ein Bluthalstuch, aber Nadine Quittner leiht der gehenkten Margarete ihre Stimme. In einem kraftvollen Musikfinale erteilt die FaustIn dem „lieben Menschheitsdrama“ eine Abfuhr, sie rappt sich in Rage, hiphopt sich heraus aus dem engen Rahmen der „immer gleichen Bilder“ von Weiblichkeit. Mit diesem Höhepunkt entlässt einen der fulminante Abend in die Nacht. Ein Beweis für die Spielerstärke des Volkstheater, ein Plädoyer für den Erhalt der Spielstätte im Fünften.

www.volkstheater.at

  1. 2. 2020

Kosmos Theater: Das Werk

Januar 9, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Ziehen in den Schneidezähnen der Wahrnehmung

Keine Panik vor der Titanic: Veronika Glatzner, Alice Peterhans, Wojo van Brower und Tamara Semzov als Persiflage eines literarischen Quartetts. Bild: Bettina Frenzel

Als Hintergrundgeräusch endlosschleift Freddy Quinn „Ich mach mir Sorgen / Sorgen um dich / Denk auch an morgen / denk auch an mich“ – der Vierzeiler über den Jungen, der bald wiederkommen möge, von Regisseurin Claudia Bossard allerdings auf ihre Zweifel an der Seligen-Insel Österreich umgemünzt. Kaum ein Monat, bevor am Akademietheater aktuell Politbalearisches von der Literaturnobelpreisträgerin uraufgeführt wird, hatte gestern im Kosmos Theater Elfriede Jelineks „Das Werk“ Premiere.

Dessen Thema: Kaprun2, heißt, dass die Autorin den Gletscherbahnbrand am Kitzsteinhorn im Jahr 2000 mit dem zeithistorischen Bau des Tauernkraftwerks verquickt, 155 Tote hie, in etwa ebenso viele da, Schifahrer und NS-Zwangsarbeiter und kein Schuldiggesprochener nirgendwo, stattdessen die Schaffung eines Mythos vom Unterwerfen der Natur durch Menschenhand als „eine patriotische Leistung des gesamten Bundesvolkes“ (© Karl Renner, Bundespräsident 1949).

So größenwahnsinnig der Kahlschlag, so gewaltig die Tragödie, auf die nun im Kosmos Theater – 20 Jahre nach der von ihrem wirtschaftlichen Kontext hurtig entkernten und medial noch fixer mit jenem Schicksalsbegriff ausgestatteten „Kaprun-Katastrophe“ – Rückschau gehalten wird. „Das Werk“ dabei eine Collage aus Zitaten und Zeitungsartikeln, Fachkommentaren und Fakten, eine Textmauer über die Staumauer, ein monomaner Monolog, den fünf Spieler parieren, pointieren, rhythmisieren, zerlegen und chorisch aufladen müssen. Und zu dem Jelinek regie-anweist: „Wie Sie das machen, ist mir inzwischen bekanntlich sowas von egal.“

Zusammengefasst, Veronika Glatzner, Alice Peterhans, Tamara Semzov, Lukas David Schmidt und Wojo van Brouwer machen’s virtuos. Claudia Bossard, die zuletzt am Haus mit ihrer Inszenierung der „Sprengkörperballade“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=32624) überzeugte, schöpft aus den Jelinek’schen Satzkaskaden die Hybris als ihr zentrales Sujet, und dies mit einem Biss und einem Witz, dass es eine Freude ist. Bossard lässt ihr Ensemble nämlich nicht „Das …“, sondern Jelineks Werk verhandeln, in Form einer blasiert aufgeblähten Literaturkritikerrunde, jede Ähnlichkeit mit derlei real existierenden Fernsehformaten wohl alles andere als rein zufällig, die bei einem skurrilen Symposium im Über-Jelinek-Reden schwelgt.

Wojo van Brouwer, Alice Peterhans und Veronika Glatzner. Bild: Bettina Frenzel

Lukas David Schmidt. Bild: Bettina Frenzel

Veronika Glatzner, Alice Peterhans und Tamara Semzov. Bild: Bettina Frenzel

Die Mythos-Mäklerin wird derart selbst zu einem solchen, das Werk im doppelten Wortsinn zerkaut, verdaut, defäktiert, interpretiert wird, bis der Arzt kommt, denn eine Autorin, die ihre Gedanken nicht deklariert, muss sich mit dem Deuteln der anderen, oder wie’s hier gesagt wird: dem rezensentischen Dekonstruieren, abfinden. Prachtvoll ist diese Farce über blaugedroschene Werkforscherfragen, köstlich, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler Binnen-I-ronisch formulieren, beim Rezitieren pathetisch paraphrasieren, über die Übersetzung von Accident – Zufall/Unfall? – philosophieren. Zwischen den Zuschreibungen „Seismografin“ oder „Columba des Zeitgeists“ wird selbstverständlich der Selbstdarstellung gefrönt. Jeder der Diskutanten hatte schon seinen Jelinek-Moment, aus weiter Ferne und in der Furcht, die öffentlichkeitsscheue Schriftstellerin nur ja nicht zu stören, beim Zeitunglesen im Railjet oder beim Shoppen in der Münchner Maximilianstraße.

„Wie billig“, bemerkt dann einer übers teure Pflaster. „Es weiß doch wirklich jeder, dass Frau Jelinek dort eine Wohnung hat.“ Alice Peterhans zetert, sie empfinde Jelinek eigentlich als Lesetortur, als schmerzhaftes „Bohren in den Schneidezähnen meiner Wahrnehmung“. Gemeinsam mit Veronika Glatzner, Wojo van Brouwer und Tamara Semzov wirft sie sich gehörig in Pose, alle vier als literarisches Quartett wahrhaft und in allen Nuancen akademischer Eitelkeit höchst amüsant. Von Elisabeth Weiß mit Club-2-Garderobe und Goiserern ausgestattet, wird über ein Österreich, das als Idee besser denn als Ausführung ist, kluggescheißert, soll Turnschuh-telefonisch eine Musikgruppe namens „Die Ur-Krainer“ um ein Jelinek-Statement gebeten werden.

Und mittendrin Lukas David Schmidt als Getränkekellner, der offenbar als einziger „Das Werk“, dies Denk-mal! der Wissenschaftsjargon-Jongleure, auswendig hersagen kann. Videokünstlerin Annalena Fröhlich macht die Sprachbilder visuell greifbar. Mit einem metaphorisch zu erklimmenden Worteisgebirge, ein garstig-karstiges Konterkarieren der Tourismushochburg Alpenland, an dem vorbei Fröhlich ab und an Monty-Phyton-like einen Riesenluxusliner schickt – der aber ohne Panik vor der Titanic elegant entlang der Spieler gleitet, zu einem – ebenfalls von Fröhlich – Soundtrack von Schlager bis Katastrophenfilm.

Illustre Runde rauchender Literaturkritiker: Lukas David Schmidt, Veronika Glatzner, Alice Peterhans, Wojo van Brouwer und Tamara Semzov. Bild: Bettina Frenzel

Nach knapp der Hälfte ist der Abend jelinekisch vom Feinsten. Längst hat man’s aufgegeben sinnerfassend zuzuhören, und beobachtet lieber, wie die, die’s beruflich können müssen, mit dem Abend umgehen. Nach Jelinek-Perücken und -Puppen hat Bossard nun mit deren Werk Betrachter die humoreske Metaschraube noch stärker angezogen. „Warum, Martin Heidegger, warum so schwierig?“, darf einer der Protagonisten den Insidergag jammern.

Und plötzlich wird man’s gewahr, das Ziehen in den Zähnen, die gnadenlose Grausamkeit der Gleichnisse, der Spaß hat mit dem Heimatbegriff-Usurpator die Kurve zum Schrecklichen gekratzt. Zitat Jelinek: „Der faschistische Philosoph Heidegger [hat] sozusagen das Eigene gegen das Fremde abgrenzen und bewahren wollen. […] Heidegger ist der, der davon spricht, dass diese Heimat denen gehört, die sie besitzen …“ Das Panorama wird brüchig, im Hintergrund stürzen Schlote in sich zusammen, im Monströsen entpuppt sich die Poesie und umgekehrt. Publikum und Bühnenpersonal sind da bereits vom Sog der Sprache verschluckt worden. „Das Werk“ im Kosmos – der mit Bravour geführte Beweis, wie groß eine Produktion im kleinen Rahmen sein kann!

kosmostheater.at           www.elfriedejelinek.com

  1. 1. 2020

Theater in der Josefstadt: Einen Jux will er sich machen

Oktober 11, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Johannes Krisch kann herrlich süßholzheucheln

Der Lehrbub steht dem Kommis in nichts nach: Die Josefstadt-Debütanten Johannes Krisch und Julian Valerio Rehrl als Weinberl und Christopherl. Bild: Rita Newman

Das Ereignis der gestrigen Nestroy-Possen-Premiere „Einen Jux will er sich machen“ am Theater in der Josefstadt sind tatsächlich deren drei. Selbstredend das Hausdebüt von Johannes Krisch. Der nach dreißig Jahren Mitgliedschaft am Burgtheater aufgrund von „Altlasten“ und im Sinne der „Selbstachtung“, wie Krisch das Thema im Bühne-Interview kurz abfertigte, nicht länger auf dessen Ensembleliste steht. Und hierauf von Herbert Föttinger herzlichst bewillkommnet wurde.

Und nun an seine erste Rolle im achten Hieb, den Handlungsdiener Weinberl, mit einem verschmitztem Charme und derart viel Wiener Schmäh herangeht, mit einem vor Spielfreude hell brennenden Herzen, dass es die des Publikums im Handumdrehen entflammt. Der Charakterschauspieler ist ein Glück, das man hoffentlich verstehen wird, festzuhalten, nicht nur Vollblutkomödiant, sondern auch einer von der immer seltener werdenden Sorte der Volksschauspieler – wobei diesbezüglich en tout Vienne um die Josefstadt am wenigsten zu fürchten ist. Wie Krisch seinen Midlife-„Greißler“ zum „verfluchten Kerl“ avanciert, wie er dessen verrückte Sehnsucht nach einmal Exzess im Leben anlegt, wie dieser Weinberl bei den folgenden Verstrickungen in Sachen Hochstapelei zur Hochform aufläuft, der eben noch beflissene Kommis, der jetzt prahlt und in seiner Not, entlarvt zu werden, profimäßig improvisiert, wie er vor den Damen süßholzheuchelt, das ist große Kunst.

Um nichts weniger erfreulich, die anderen zwei Neuzugänge: Robert Joseph Bartl, Krimifans bekannt als München-„Tatort“-Gerichtsmediziner Dr. Mathias Steinbrecher, der als Gewürzkrämer Zangler sein ganzes Gewicht in die Figur legt, und als – dieweil ihn sein Hausstaat ohnedies nicht ernst nimmt – strenger Herr mit batzweichem Kern den Zuschauern einen Riesenspaß macht. Ebenso wie Julian Valerio Rehrl, nagelneu aus der Schauspielschule Ernst Busch, der als Lehrling Christopherl zwischen spitzbübisch und panisch schwankt, ersteres in Anwesenheit der Mesdames, zweiteres, wenn er angesichts der Ausweglosigkeit von Situationen am liebsten „o‘fohrn“ möchte.

Mit Rehrl hat Föttinger ein junges Talent entdeckt, das sich mit Verve in seine Aufgaben wirft, seien’s die von der Regie vorgesehenen grobmotorischen Slapstick-Momente, seien’s die choreografisch fein getänzelten Szenen mit Johannes Krisch. An dessen Seite Rehrl grandios besteht, die beiden per ihrer punkgestreiften Hosen als bühnenverwandte Seelen ausgewiesen, und als solche fürs Uptempo der Aufführung zuständig. Diese hat Stephan Müller zu verantworten, der Schweizer Theatermacher, den Krisch noch von seinen „Nothing Special“-Gigs im Burgtheater-Kasino kennt, und der mit dieser Arbeit seinen ersten Nestroy inszeniert.

Marie und ihr Herzensmann August Sonders auf der Flucht: Anna Laimanee und Tobias Reinthaller. Bild: Rita Newman

Das is klassisch! Martin Zauner als Melchior mit Josefstadt-Neuzugang Robert Joseph Bartl als Zangler. Bild: Rita Newman

Für den er gewissermaßen eine kokette Künstlichkeit zur Methode erhebt. Müllers Zugang zum „Jux“ heißt schräg, skurril, schrullig. Was bedeutet, dass er mit dem so leicht ins Lächerliche zu ziehenden Soziotop des städtischen Bürgertums weit mehr anfangen kann, denn mit Nestroys Gesellschaftskritik – die er umschifft, als hätte der „Jux“ in den Charakteren Weinberl und Christopherl kein „Zu ebener Erde“. Nur einmal darf der Kommis über die „Kapitalisierung des Verstandes“ sinnieren, und zweifellos ist die tumultöse Handlung perfekt getimt, werden die Pointen so treffsicher ge-, wie Müller auf punktgenaue Sprache setzt, aber der gfeanzte Subtext, der fiese Sarkasmus, mit dem der Volkstheaterdichter die nicht nur früheren Verhältnisse beschreibt, fehlen.

Müllers Synonym für Posse ist Schwank, nicht Farce, und auch die neuen Coupletstrophen von Autor Thomas Arzt sind ziemlich handzahm, höflicher gesagt: übersubtil, es geht um die Eh-schon-wissen-Themen von Klimakrise über #MeToo bis zum von Krisch im Wortsinn frisch aus dem Hut gezauberten Politstatement „Die rechte Hand in die Höh‘ – das is ganz a blöde Idee.“ Die Musiker, die Krisch begleiten, sind Matthias Jakisic mit der E-Geige und Thomas Hojsa mit dem Akkordeon, deren Interpretation von Alt-Wiener Melodien Protagonist wie Publikum von den diesjährigen Festspielen Gutenstein kennen, wo Krisch in Felix Mitterers „Brüderlein fein“ den Nestroy-Konkurrenten Ferdinand Raimund verkörperte (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34049).

Alles trifft sich im Haus des Fräulein von Blumenblatt: Elfriede Schüsseleder (M.) mit Martina Stilp als Madame Knorr, Robert Joseph Bartl, Paul Matić als Wächter, Anna Laimanee und Alexandra Krismer als Frau von Fischer. Bild: Rita Newman

Für Müllers 130-minütiges kunterbuntes Treiben haben Sophie Lux und Birgit Hutter ein entsprechendes Bühnenbild und Kostüme entworfen, von der in sich geschlossenen Bretter-vorm-Kopf-Welt des Zangler’schen G‘wölbs bis zur grünabgesteppten Gummizelle, die die Wohnung des Fräulein von Blumenblatt markiert. Den Modesalon der Madame Knorr säumen orange-güldene Wolkenstores, in selbem Material und Farben glänzt die Toilette der Couturière und ihrer Busenfreundin Frau von Fischer.

Optische Gustostücke, und wie die gesamte Garderobe von gigantischen Zylindern bis zu Zanglers zu engem Schützenrock grotesk überzeichnete Biedermeierzitate, die mittels Zugband bis zum Juhu gerafft werden können. Was Martina Stilp und Alexandra Krismer, beide festgelegt auf den Typ flatterhafte Funsn, genüsslich wieder und wieder zur Schau stellen. Martin Zauner amüsiert als Hausknecht Melchior unfehlbar „klassisch“ mit seinen Kabinettstückchen, ein wichtigtuerischer Kommentator des Geschehens, der, wo noch keine Verwirrung herrscht, garantiert für diese sorgt. Anna Laimanee und Tobias Reinthaller wissen als Liebespaar Zangler-Mündel Marie und August Sonders, wie man, was sich nicht schickt, auf gewiefte Weise trotzdem durchführen kann.

Von den etlichen, die in mehreren Rollen zu sehen sind, passt Elfriede Schüsseleder als überspannt, überkandideltes Fräulein von Blumenblatt wohl am besten ins Müller’sche Konzept. Für ihre ins Absurde gesteigerte Gestaltung dieser – wie die Knorr gleich ihren Wänden gekleideten – Kunstfigur, davor gibt Schüsseleder Zanglers hantige Wirtschafterin Frau Gertrud, gab’s den gebührenden Applaus, wie Cast und Crew überhaupt mit viel Jubel bedankt wurden. Nach dieser Begeisterung beim Premierenabend scheint’s, als hätte die Josefstadt mit dem „Jux“ einen weiteren Publikumshit zu verbuchen.

Video: www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=ZqYGG-Z2558           www.josefstadt.org

  1. 10. 2019