Elfie Semotan im Kunst Haus Wien. Ab 13. März

Dezember 28, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Haltung und Pose: Eine Werkschau zum 80. Geburtstag

Inspiriert von einem Kollegen: Vivien Solari („Life moves fast“ inspired by Jeff Wall), New York, 1999. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Anlässlich ihres 80. Geburtstags würdigt das Kunst Haus Wien die große österreichische Fotografin Elfie Semotan in seiner Eröffnungsausstellung 2021 mit einer umfangreichen Werkschau. Präsentiert wird das vielschichtige und umfangreiche Schaffen der Kamerakünstlerin – von ihren weltberühmten Modeaufnahmen für Helmut Lang, Liska oder Zalando über Werbe-Auftragsarbeiten für Palmers und Römerquelle bis hin zu ihren faszinierenden Aufnahmen von Ateliers, ihren berührenden Landschaftsaufnahmen und Stillleben und ihren bekannten

Künstler- und Künstlerinnenporträts. Von Persönlichkeiten wie William Dafoe oder Missy Elliott und Models wie Naomi Campell, Claudia Schiffer oder Cordula Reyer – die Schau „Haltung und Pose“ zeigt ab 13. März mehr als 160 Arbeiten. „Über diese große Museumsausstellung freue ich mich sehr und bin auch stolz, da das Kunst Haus Wien jener Ort in Wien ist, der sich kontinuierlich mit künstlerischer Fotografie auseinandersetzt“, sagt Elfie Semotan und erklärt: „Die Ausstellung-Komposition wird extravagant, meine Arbeit wird nicht chronologisch, sondern aus einem neuen intuitiven und innovativen Blickwinkel präsentiert.“

Über die Künstlerin:
Die 1941 in Wels geborene Elfie Semotan besucht in Wien die Modeschule und geht im Anschluss, im Alter von 20 Jahren, nach Paris, wo sie für einige Jahre als Mannequin arbeitet und Einblick in die Welt der Mode und der Fotografie erhält. In Paris lernt Semotan auch Sarah Moon kennen, die später neben Elfie Semotan, Corinne Day und Ellen von Unwerth zu den wenigen sehr erfolgreichen Modefotografinnen in dieser männerdominierten Branche gehören wird.

Von Moon inspiriert, lernt Semotan von ihrem damaligen Partner, dem kanadischen Fotografen und Filmemacher John Cook, schließlich selbst den Umgang mit der Kamera wie auch die Arbeit in der Dunkelkammer und entwickelt ihr außergewöhnliches Gespür für Licht. Cooks ans Filmische angelehnte und in Geschichten gedachte fotografische Herangehensweise sollte Semotans Art zu fotografieren beeinflussen. Prägend wirkt sich auch ihre eigene Erfahrung als Fotomodell aus.

Gerhard Freidl, Wien, 2009. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Self-portrait, New York, 2000. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

o.T. (Inspiriert von Roy Lichtenstein), New York, 2002. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

In der Zusammenarbeit mit professionellen Models, aber auch bei ihren Porträtaufnahmen setzt Semotan fortan auf eine angenehme Atmosphäre und eine offene Kommunikation. Durch ihre lockere, aber respektvolle Art holt sie ihre Modelle aus der Defensive. „Ich weiß, wie alleine gelassen man sich fühlt, wenn einem der Fotograf nicht sagt, wohin die Reise gehen soll. Man muss den Menschen vor der Kamera von seinen Ängsten und Eitelkeiten ablenken, denn sonst verkrampft er und versucht, möglichst schön und souverän auszusehen, und das verhindert, dass gute Bilder entstehen“, reflektiert die Künstlerin ihre Art, Menschen zu fotografieren.

Nach einigen Jahren in Paris, vielen Reisen in die Modemetropolen London, New York und Mailand und ersten Aufträgen als Fotografin kehrt Semotan nach Wien zurück. Dort reüssiert sie in den 1980er-Jahren als Mode- und Werbefotografin, bis sie in den 1990er-Jahren durch ihre Arbeit mit Helmut Lang, für den sie exklusiv die Modekampagnen fotografiert, schließlich weltbekannt wird. Es sind ihre Fotografien, die das kühle und intellektuelle Image der minimalistischen Mode des Stardesigners transportieren. Nun entstehen Modestrecken für weitere große Labels und ihre bekannten Porträtaufnahmen wichtiger Persönlichkeiten.

Elfie Semotans fotografischer Ansatz ist von Beginn an, mehr als nur schöne Kleider und Produkte abzubilden. Sie inszeniert und konstruiert innerhalb des Bildformats Geschichten. Auf dem Produkt, um das es geht, liegt – siehe ihre Arbeiten für Römerquelle – dabei oft nicht das Hauptaugenmerk. Anfang der 2000er-Jahre treibt Semotan diese Inszenierung in einer später legendären Modestrecke auf die Spitze: Die Models sind nur noch auf TV-Bildschirmen zu sehen, die einen Teil des fotografierten Interieurs bilden. Semotan wird zur Meisterin im Verknüpfen von Kreativität und Kommerzialität.

Kunst als Inspirationsquelle: o.T. (Floor Dance), New York, 1998. Courtesy Studio Semotan. © Elfie Semotan

Die Kunst und die Kunstgeschichte dienen ihr vielfach als Inspirationsquelle. Ihre Nähe zur bildenden Kunst wurde auch durch ihre Ehen mit den Künstlern Kurt Kocherscheidt und Martin Kippenberger verstärkt. Semotan nutzt ihr umfassendes Kunstverständnis und geht sehr frei und kreativ an ihre Aufträge heran. Künstlerische Aneignungen, Adaptionen und Hommagen an Kunstwerke, Künstlerinnen und Künstler finden sich in etlichen ihrer Serien, etwa „Inspired by Lucian Freud“ aus dem Jahr 1997, „Präraffaeliten“ von 2005 und in Arbeiten, die auf ikonische Bilder von so berühmten Fotografinnen und Fotografen wie John Coplans, Diane Arbus, Irving Penn oder Robert Frank Bezug nehmen.

www.kunsthauswien.com           semotan.com

Programmvorschau 2021: www.youtube.com/watch?v=yBktIA0jRhk           Trailer: www.youtube.com/watch?v=61JQ8RlJHYM           www.youtube.com/watch?v=DpViSCkAvRw

28. 12. 2020

Sommerausstellungen in die Kunsthalle Krems

Juli 3, 2013 in Ausstellung

Von Kiki Kogelnik bis Elfie Semotan

Kiki Kogelnik, Heart, ca. 1966  Bild: © Kiki Kogelnik Foundation, Wien/New York, 2013

Kiki Kogelnik, Heart, ca. 1966
Bild: © Kiki Kogelnik Foundation, Wien/New York, 2013

KIKI KOGELNIK. RETROSPEKTIVE

14/07 – 06/10/2013, Kunsthalle Krems

Kiki Kogelnik (1935–1997) zählt zu den international bedeutendsten Positionen der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Ihr facettenreiches Schaffen brachte ein Kaleidoskop von Bildwelten hervor, das die Retrospektive der Künstlerin in der Kunsthalle Krems eindrucksvoll vor Augen führt. Das Spektrum der präsentierten Arbeiten reicht von wenig bekannten grafischen Arbeiten, abstrakt-informellen Kompositionen und von der Pop-Art beeinflussten Malereien über skulpturale „Hangings“ aus Vinyl bis hin zu den Werkgruppen der 1980er- und 1990er-Jahre, die sich durch zunehmende körperliche Fragmentierung und Abstrahierung auszeichnen.

ELFIE SEMOTAN

14/07 – 06/10/2013, Kunsthalle Krems

Die Kunsthalle Krems würdigt die bedeutende österreichische Fotografin Elfie Semotan (* 1941) mit einer umfassenden Personale. Über 160 präsentierte Werke aus rund 30 Serien bieten den bisher repräsentativsten Einblick in ihr künstlerisches Œuvre, das Landschafts-, Mode- und Aktfotografien, ebenso wie Porträts, Stillleben und konzeptuelle Arbeiten umfasst. Gemeinsam ist allen Arbeiten, dass sie den auf die Individualität der Motive gerichteten Blick der Fotografin offenbaren und über das durchdachte Spiel mit Licht, Schärfegraden und originellen Perspektiven essenzielle Stimmungen sowie die Authentizität der dargestellten Personen einfangen.

OLIVIA MIHALTIANU. WINYAN KIPANPI WIN | THE WOMAN WHO WAS WAITED FOR
14/07 – 29/09/2013 in der Factory der Kunsthalle Krems
Das Werk der rumänischen Künstlerin Olivia Mihaltianu (* 1981), die bei der diesjährigen Biennale von Venedig vertreten ist, besticht durch seinen profunden Humor und die detaillierte Analyse von Charakterzügen und Eigenheiten der Menschen in ihrer Umgebung sowie der medialen und sozialpolitischen Lebensrealität in ihrer Heimatstadt Bukarest. Olivia Mihaltianu erarbeitete die Ausstellung im Rahmen eines AIR–ARTIST IN RESIDENCE Programms in Krems.

www.kunsthalle.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 3. 7. 2013