TAG: Johanna. Eine Passion

November 9, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Heldin, Heilige, Hirnverbrannte, für manche sogar Hure …

Verkauft für ein Butterbrot, wird Johanna der Prozess gemacht: Raphael Nicholas, Lisa Schrammel und Jens Claßen. Bild: ©Georg Mayer

Friedrich Schiller kommt vielleicht auch vor. „Der die Verwirrung sandte, wird sie lösen! /Nur wenn sie reif ist, fällt des Schicksals Frucht!“, ist das nicht vom alten Fritz? Es ist nicht so leicht, aus Christian Himmelbauers Textcollage die eine oder andere Stimme herauszuhören. Was auch nie im Sinne des Erfinders war.

Der Autor, Regisseur und Leib-und-Seele-Dramaturg Himmelbauer legt am TAG mit „Johanna. Eine Passion“ so ziemlich jede Interpretation der Jungfrau von Orléans vor, der er irgend habhaft werden konnte. Jeanne d’Arc, das Bauernmädchen aus Domrémy, das in den Hundertjährigen Krieg aufbrach, um für den Dauphin die Briten und Burgunder zu besiegen und ihn als Karl VII. krönen zu lassen, ist Heldin, Heilige, Hirnverbrannte, für manche sogar Hure. Geschickt montiert Himmelbauer medizinische, psychoanalytische, religiöse und schriftstellerische Spekulationen zu einem tatsächlich als solches funktionierenden, wenn auch ein wenig aseptischen Stück.

Er greift zurück auf „Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431“, einem Hörspiel von Anna Seghers aus dem Jahr 1937. Und natürlich Voltaire. Dessen erotisch-spöttische Persiflage in 16 Gesängen „La Pucelle d`Orléans“ wird von den Darstellern genussvoll vorgetragen. Ein nicht Lächerlich-, aber Lachen machen über den Mythos. Wie Jens Claßen, Raphael Nicholas und Georg Schubert da als sexbesessener Kronprinz, Flagellanten, gestrenge Richter und Nicholas gar als luziferischer Mönch über die Bühne hopsen, das ist ein mitunter recht zotiges Kasperletheater. Übersprungshandlungen, mag man vermuten, männlich motivierte, wenn die Herren der Schöpfung das ewig Weibliche nicht zu fassen kriegen. Was jenseits ihres Wissenshorizontes liegt, was weder erfass- noch erfahrbar ist, muss klein, kleiner gemacht, vernichtet werden.

Voltaire, ein Engel und der Dauphin: Jens Claßen, Raphael Nicholas und Georg Schubert. Bild: ©Georg Mayer

Der Brief an die Engländer: Echt oder gefälscht? Georg Schubert, Raphael Nicholas und Jens Claßen. Bild: ©Georg Mayer

Im Gegensatz dazu steht sie da wie ein Steinmarterl, aufrecht, klar und kühn, trotz aller Fesseln stark und standhaft, Lisa Schrammel als das Symbol gewordene Menschenkind. Ihre Johanna spricht in dieser Produktion ausschließlich mit den historisch überlieferten Originalaussagen, die sie in ihrem Prozess von sich gegeben hat. Am Ende war trotzdem der Scheiterhaufen. Aber es erstaunt zu hören, wie klug sich diese einfache Frau gegenüber 60 Inquisitoren, Juristen, Theologen, Scholastikern, detailversessenen Haarspaltern verteidigte.

Auf die Fangfrage „Johanna, seid Ihr gewiss, im Stande der Gnade zu sein?“ antwortete sie „Wenn ich es nicht bin, möge mich Gott dahin bringen, wenn ich es bin, möge mich Gott darin erhalten!“ Jede andere Antwort wäre ihr als ketzerische Anmaßung ausgelegt worden. Schrammel, sehr vehement in ihrem Spiel, ist mit derlei Sätzen, Johannas heute so zu nennender emanzipatorischer Rede, so gar nicht eingeschüchtert oder einzuschüchtern, Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung. Die Himmelbauer in einen steril-weißen Gerichtssaal mit immer näher rückenden Pulten verlegt hat.

Dahinter eine Vidiwall für Großaufnahmen; jene Männer, die ihr den Tod bringen werden, sind auch die Einflüsterer, Johannas „Stimmen“. In diesem Setting ist, was er erzählt, die Schilderung eines weiblichen Kampfes, des weiblichen Aufbegehrens gegen das vorherrschende Dikat. Denn was der Löwenherzin vorgeworfen wird, dockt in seiner Totalheit an die verquere Jetztzeit an: 1. Die Kleidung. 2. Das Handeln. 3. Der Sieg. ER kann nicht gewollt haben, dass das Weib sich wie ein Mann gebärdet, und weiß sie denn nicht, dass sie diesem damit die Männlichkeit raubt, mit ihrer Vermischung der Geschlechter?

Ein Waterbording-Exorzismus bricht „der Heiligen Mutter ihr Kindchen“: Jens Claßen, Georg Schubert, Lisa Schrammel und Raphael Nicholas. Bild: ©Georg Mayer

Geil umkreisen die drei ihr Opfer. Deklinieren Diagnosen durch. Gehirnabszess, Pseudohermaphroditismus, paranoide Schizophrenie, symbolischer Exhibitionismus. Und Himmelbauer mischt noch mehr „Fakten“ in seine Fiktion. Johannes Brief an die Engländer wurde gefälscht. Sie ist in Wahrheit der uneheliche Sohn einer Pariser Adeligen. Auf dem Scheiterhaufen wurde eine andere verbrannt. Sie/er selbst heiratete eine(n) Grafen/Gräfin und zog sich vom Militärdienst zurück …

So prasselt’s über einen herein, und es ist schade, dass ein Text, der freilich keine Antworten geben kann und will, auch keine Fragen stellt und sich nicht kanalisiert. Ein anderer Autor, TAG-Chef Gernot Plass, philosophiert auf dem Programmzettel über die Blackbox Jeanne d’Arc und darüber, „was Frauen und Mädchen in dieser Welt von Männern angetan wird, wurde, und weiterhin angetan werden wird“, „ein monströser Berg von Herrschaft, Gewalt, Ausbeutung und Nötigung“. – „Johanna. Eine Passion“ als erster dramatisierter Beitrag zu #MeToo. Siehe, wie sich nichts geändert hat. Alles ist mehr oder minder more of the same.

Als Claßen, Nicholas und Schubert mit einer Art Waterbording-Exorzismus beginnen, knickt die Jungfrau ein. „Der Heiligen Mutter ihr Kindchen“ überlässt sich dem männlichen Urteil. Schlüpft in Minirock und High Heels, eine Gewandung, die sie 80 Minuten zuvor für sich noch abgelehnt hatte. Ein plakatives Schlussbild. Rauch steigt auf, doch nicht auf der Bühne, sondern im Raum auf der Vidiwall, wo die Männer mittlerweile mit Bier ausgestattet dem Feuerspektakel beiwohnen wollten.

Trailer: vimeo.com/241286356

dastag.at

  1. 11. 2017

 

Erwin Steinhauer & Fritz Schindlecker: Fröhliche Weihnachterl. Eine schöne Bescherung

November 8, 2017 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine fein-gfeanzte Vorbereitung aufs Fest der Feste

Will man Anfang November schon etwas von Weihnachten sehen, hören, lesen? Wenn es von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker ist: Ja! Die beiden kabarettaffinen Autoren haben ihre Satirefeder zugespitzt, um ein hinreißend zartbitter-süßsaures Büchlein über das Fest der Feste zu verfassen – „Fröhliche Weihnachterl. Eine schöne Bescherung“, von ihnen selbst gleich als Geschenktipp angepriesen.

Der Grund für das Verfassen dieses Werks ist ein rein humanitärer, nein, nicht Charity am Punsch- und Glühweinstand, vielmehr eine andere Art von Wohltätigkeit, nämlich sensiblen Seelen die Zeit der Erwartung angstfrei zu verkürzen. All jene, die also bedrohlich funkelnde Kometengeschwader in Vorgärten ebenso fürchten wie Rudel eigenwillig beleuchteter Rehe, finden im vorliegenden Kompendium ein probates Mittel gegen die Weihnachtsdepression, ein Buch nicht nur voll unbeschwerter Heiterkeit, sondern eines, das höchst wissenschaftlich auch weltbewegenden Fragen nachgeht wie:

Ist das Christkind ein Mäderl oder ein Buberl? Oder „Väterchen Frost“ eine Erfindung der Bolschewiki? Sind Perchtenläufer Satanisten? Und was essen Vorarlberger und Veganer am Heiligen Abend? – „Statt Beef tartare krieg ich Falafel?/Sag, hast du einen an der Waffel?“

Man merkt bereits an dieser Beschreibung, der Steinhauer-Schindlecker’sche Adventkalender besteht aus kurzen, einfühlsamen Geschichten, langen, gefühlvollen Gedichten und einem Dramolett über die Herbergssuche. Viel wurde landauf, landab recherchiert, und dann in Wir-Form wiedergegeben. Die Lyrik befasst sich mit „Süßen Genüssen“ – „Wenn Cholesterin im Blut erstarkt,/freut kichernd sich der Herzinfarkt./Willst von der Welt du dich befreien,/iss weiter Weihnachtsbäckereien“ – oder dem hochtechnisierten Geschenkewahn – „Amazon weiß, wo wir wohnen!/Sie schicken uns drei Lieferdrohnen./Die werfen jetzt gleich, weil ich Geld hab,/alles ab, was ich bestellt hab.“

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

Hochpolitisch geht es um „Stille Nacht“ vs „White Christmas“, Weihnachtsmann vs Christkind, und die Zeit des Fastens (hierzu Rezeptvorschläge der langjährigen Wirtschafterin des Schottenstifts zu Wien mit Echter Schildkrötensuppe, Krebsen in Wein gekocht oder Faschiertem Hecht) vs der folgenden Völlerei. Es geht um Bräuche, die es gottlob nicht mehr gibt, wie das Sauschädelstehlen, und andere vergessene Adventsrituale. So etwa das „Paradeisl“, ein Aggregat aus Äpfeln, Nüssen und Trockenfrüchten samt Kerzen, das als Vorläufer des Adventkranzes betrachtet werden darf. Von dem man wiederum erfährt, dass er erst in der Dollfuß-Zeit nach Österreich importiert wurde.

Ja, investigativ wie sie sind, schrecken Steinhauer und Schindlecker – ersterer ja „Single Bells“ und „O Palmenbaum“ geschult – auch vor tiefsten Erschütterungen des Katholischen nicht zurück: Der Adventkranz also eine Erfindung der Preußen, erst hierzulande mit den adventsliturgischen Kerzenfarben drei Mal violett und ein Mal rosa ausgestattet. Eine Wahl, die heute nur noch eingefleischte Austrianer bevorzugen …

Köstlich komisch ist die Geschichte „Ein Weihnachtsgeschenk für Alice“, in der ein Bobo-Vater vom Verkäufer in den Kauf eines Kriegsspielzeugs gequatscht wird, weil man gendergemäß-korrekt Mädchen heute keine Puppenküche mehr schenken kann. Wirklich böse ist „Wie das Adventsingen den alten Nazi katholisch gemacht hat“. Nach seinem Vortrag von „Es zittern die morschen Knochen“ herrscht helle Aufregung in der Dorfgemeinschaft: „Stell dir vor, den hätt‘ einer gehört – mit diesem NAZI-Lied! Einer von den amerikanischen Besatzungssoldaten, von diesen jüdischen Negerbuam! Hätt’s doch gleich wieder g’heißen: Sind lauter Nazis …“ Die beiden ehemaligen Ministranten schenken ordentlich ein und der Welt dabei nichts – und apropos: Trump bekommt von seiner Melania zu X-Mas endlich einen Benimmlehrer.

Bild: pixabay.com

Bild: pixabay.com

Bei so viel Unverfrorenheit zur kalten Jahreszeit wundert es nicht, dass es bereits – statt eines Nachwortes – erste Leserreaktionen gibt: „Ihr überwutzelten Ex-68er-Schwammerl“ (von zwei Parkplatzsuchern aus Wien-Neubau), „ihr vaterlandslosen Sachertortenfresser“ (von Petra Frauki, AfD-Wählerin) und eine Klagsandrohung vom Dachverband österreichischer Punschhüttenaufsteller-Verbände.

„Fröhliche Weihnachterl. Eine schöne Bescherung“ ist ein Must have unter dem Christbaum oder besser schon auf dem Nikoloteller. Gfeanzter kann man sich auf die Hohe Zeit nicht vorbereiten. Und dabei lernen: Wir müssen feste feiern, bis wir fallen. Das Motto dabei, auf gut altösterreichisch: „Gebt’s doch bitte endlich alle einen Frieden!“ Eine Lieblingsgeschichte hat die Verfasserin dieser Zeilen auch: „Willibald, der verhinderte Weihnachtskarpfen“, der aus seinem armseligen Teich auf die Festtagstafel gelangen will, aber ob Kindertränen wieder, so glaubt man, wohlbehalten im heimatlichen Nass landet. So eine Story gab’s in der eigenen Familie auch. Samt Urgroßmutter und deren Schlägel. Unser Lebendfang hieß, in der Badewanne schwimmend, bald Archibald – und gegessen hat ihn am Ende nur die Ur-Oma …

Über die Autoren:
Erwin Steinhauer, geboren 1951 in Wien, gehört zu den populärsten österreichischen Schauspielern und Kabarettisten. Zahlreiche Soloprogramme als Kabarettist, Film- und Fernsehproduktionen und verschiedene Serien („Der Sonne entgegen“, „Der Salzbaron“, die Trilogie „Brüder“ und „Single Bells“). Zu seinen bekanntesten Rollen zählt die Darstellung des Landgendarmen „Polt“ nach den Romanen von Alfred Komarek. Fritz Schindlecker, geboren 1953 in Tulln/Niederösterreich, arbeitet als freier Kabarettautor, Dramatiker und Drehbuchautor. Seit 1983 Sketches, Songs, Szenen und Mikrodramen für Lukas Resetarits, Erwin Steinhauer, Dolores Schmidinger, Kurt Weinzierl und anderen. 2016 erschien das gemeinsame Buch „Wir sind SUPER!“

Ueberreuter Sachbuch, Erwin Steinhauer & Fritz Schindlecker: „Fröhliche Weihnachterl. Eine schöne Bescherung“, Kurzgeschichten und Gedichte, 176 Seiten

www.ueberreuter-sachbuch.at

www.erwinsteinhauer.at

  1. 11. 2017

 

Wien Museum: Ganz Wien. Eine Pop-Tour

September 12, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Kostbarkeiten aus 70 Jahren Musikgeschichte

Wolfgang Ambros: Es lebe der Zentralfriedhof, LP, 1975. Bild: Coverfoto Wolfgang Sos

Wien als Musikstadt: Dieses überstrapazierte Label speist sich zumeist aus den unterschiedlichen Spielarten der klassischen Musik, von der Wiener Schule Haydns, Mozarts und Beethovens über Schubert und Strauß bis hin zur Zwölftonmusik. Das diesbezügliche Terrain inklusive einer spezifischen „Wiener“ Ästhetik ist wissenschaftlich gründlich aufbereitet.

Anders verhält es sich mit der popkulturellen Musik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zwar gelten Namen wie Georg Danzer, Falco oder neuerdings Wanda über die Grenzen Österreichs hinaus als ebenso singuläre wie prototypische Musikbotschafter Wiens.

Doch eine systematische Erfassung und Beschreibung des Phänomens gibt es erst in Ansätzen. Die Ausstellung des Wien Museums „Ganz Wien. Eine Pop-Tour“ unternimmt ab 14. September den nächsten Schritt und erzählt eine Geschichte Wiens anhand von elf popkulturellen Brennpunkten seit den 1950er-Jahren: vom Strohkoffer, in dem unter anderem die Wiener Gruppe auftrat, über das skandalumwitterte Voom Voom der 60er-Jahre, den Folkclub Atlantis der 70er-Jahre und die 80er-Kultdisco U4 bis hin zu jüngeren Szenetreffs wie Flex oder rhiz.

Eine „Pop-Tour“ durch Wien ist gerade jetzt besonders aktuell: International erfolgreiche Acts wie Bilderbuch haben bei Falco und der Wiener Gruppe gelernt, Sänger wie Der Nino aus Wien oder Voodoo Jürgens führen auf ihre Weise eine spezifische Wiener Tradition, die einst von H.C. Artmann begründet und dann von Wolfgang Ambros aufgegriffen wurde, fort. Von den Verbindungen Gustavs zum Protest-Kollektiv Schmetterlinge ganz zu schweigen.

Georg Danzer übergibt Frau Josefine Hawelka die Single Jö schau, 1975. Bild: Wolfgang Sos

Falco, 1985. Bild: Didi Sattmann

Die Ausstellung „Ganz Wien“ zeigt Kostbarkeiten und unbekanntes Material aus zahlreichen, vornehmlich privaten Sammlungen und Archiven: Videos, Konzertfotos, Plattencover, Flyer und Plakate, Bühnenoutfits, Musikinstrumente und Kurioses. Insgesamt sind mehr als 300 Objekte zu sehen.

Dazu kommen über 40 Stationen mit Soundbeispielen aus fast 70 Jahren Popgeschichte, von Wolfgang Ambros, Die Bambis, Bilderbuch, Blümchen Blau, Chuzpe, Al Cook, Georg Danzer, Drahdiwaberl, Falco, Gustav, Hallucination Company, André Heller, Kruder & Dorfmeister, Hansi Lang, Marianne Mendt, Minisex, Der Nino aus Wien, Novak’s Kapelle, Pulsinger & Tunakan, Schmetterlinge, Schönheitsfehler, Soap & Skin, The Dead Nittels, The Vienna Beatles, Tom Pettings Herzattacken und Wanda.

Außerdem ist in der Ausstellung eine Auswahl aus dem „Lexikon der österreichischen Popmusik“ von Ö1 zu hören. Dabei handelt es sich um eine Radiokollegreihe, die Leben und Werk einzelner Musikerinnen, Musiker und Bands dokumentiert und ihre Bedeutung für die österreichische Musiklandscha ft sowie ihre Rolle bei der Entstehung gegenkultureller Milieus reflektiert oe1.orf.at/lexikonderpopmusik.

Nehmen Sie hoch das Bein, treten Sie ein!: ein Ausstellungsrundgang

Den Beginn macht ein kleiner Raum mit angeschlossener Galerie in der Kärntner Straße Nr. 10, den der Art Club Wien 1951 eröffnete: der Strohkoffer. Das 48m² große Kellerlokal war an den Wänden mit Schilfrohr verkleidet (eine Idee des Architekten Oswald Haerdtl), was den Bildhauer Fritz Wotruba zur Namensgebung inspirierte. Nicht nur Vertreter der Bildenden Künste trafen sich dort, auch Literaten und Musiker schätzen die dichte, kreative Atmosphäre. Es gab Lesungen, Performances und Konzerte. Die Wiener Gruppe, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Friedrich Gulda sowie die Jazzer Uzzi Förster, Hans Salomon und Joe Zawinul zählten zum Stammpublikum, Helmut Qualtinger fand hier Inspiration für seine Sketches und Figuren. Ab und zu schaute auch internationale Kunstprominenz vorbei, so etwa Jean Cocteau. Die dominante Musik war der Jazz, der im Wien der Nachkriegszeit von vielen noch immer als subversive „Negermusik“ und Propagandamusik der Amerikaner angesehen wurde. Der Strohkoffer war zwar nur ein temporäres Refugium bis 1953, doch seine künstlerischen Impulse wirkten fort und beeinflussten auch die Jüngeren.
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Gustav, 2008. Bild: Thomas Degen

Bilderbuch, 2017: Maurice Ernst, Michael Krammer, Peter Horazdovsky und Philipp Scheibl. Bild: Heribert Corn

Nach allgemeiner Anschauung sicher nicht in Ordnung waren die wirklich alternativen Brutstätten der Popmusik in Wien. Neben dem San Remo in der Neubaugasse, das später als Camera Club in die Undergroundgeschichte der Stadt einging (hier tratder geniale Karl Ratzer mit seiner Band Slaves auf), war dies vor allem das legendäre Voom Voom in der Laudongasse. DJ-Kanzel, Stroboskop, Discokugel und eine untadelige Musikanlage machten das Lokal zum Hot Spot für eine „bunte Mischung, die von Künstlern, Musikern, Studenten und informierten Working-Class-Typen reichte“, so Edek Bartz, der zu den Mitbegründern zählte und dort als DJ die heißesten Tracks aus den USA unters Volk brachte. Gespielt wurden die Stones, Frank Zappa, James Brown oder Jimi Hendrix. „In der Wüste der Ignoranz und des Unwissens entstand so eine Oase der Coolness“, so Bartz. Die fortschrittlichste Pop-Formation Wiens dieser Zeitwar zweifellos Novak’s Kapelle, deren Auftritte eher provokanten Performances denn herkömmlichen Konzerten glichen.

Mit Pionierarbeit und musikalischer Horizonterweiterung aufs Engste verbunden war auch das Funkhaus in der Argentinierstraße. Vor der Gründung von Ö3 im Jahr 1967 hatte es zwar immerhin die Sendung „Gut aufgelegt“ von Evamaria Kaiser gegeben, die als Promotorin junger Talente Beachtliches leistete. Doch erst die Gründung eines eigenen Jugendsenders sorgte für eine musikalische Durchlüftung in großem Stil. Dabei ging es nicht nur darum, die neueste internationale psychedelische Rockmusik zu vermitteln. Der ORF mutierte selbst zum Förderer, Initiator und Produzenten heimischer Pop-Acts. Marianne Mendts Hit „A Glock ́n, die 24 Stunden läut ́“ wurde von der späteren ORF-Big-Band aufgenommen; Radioredakteur Alfred Treiber regte die Worried Men Skiffle Group zum Vertonen von Texten des Dichters Konrad Bayer an, woraus der erste große Dialekthit „Glaubst i bin bled“ resultierte; in der Jugendsendung Musicbox lief die Gründungshymne des Austropop, „Da Hofa“ von Wolfgang Ambros, im Dauerloop. Der Pioniergeist dieser Jahre, der mit Namen wie Ernst Grissemann, André Heller und Wolfgang Kos verbunden ist, kehrte in den 90er-
Jahren neuerlich zurück, als sich die Musicbox mit dem damaligen Redakteur Werner Geier zum Hip-Hop-Reservat wandelte und schließlich der Sender FM4 gegründet wurde.
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Chuzpe: Love will tear us apart, Single, 1980. Bild: Privatsammlung Walter Gröbchen

Hansi Lang, Keine Angst, LP, 1982. Bild: Privatsammlung Walter Gröbchen

Im Folkclub Atlantis, der mehrmals seinen Ort wechseln musste, spielte Wolfgang Ambros erstmals seinen „Hofa“, und auch der „Watzmann“ feierte hier Premiere. Mit dem Song „Jonny reitet wieder“ wurden die Schmetterlinge zur wichtigsten politischen Band der Wiener Szene. Nicht weniger politisch, aber mit ganz anderen Methoden agierten die Hallucination Company mit Hansi Lang und dem jungen Falco sowie die Schockrocker Drahdiwaberl. Beide brachten in den späten 70er-Jahren das Hernalser Vergnügungszentrum mit theatralischen Freakshows zum Beben. Der Ort war geschichtsträchtig: 1868 unter dem Namen Etablissement Klein als Volkssängerbühne gegründet, übernahm der Jazzmusiker Hans Neroth 1959 die Location und funktionierte sie zur breitenwirksamen Entertainment-Bühne um. Man kam, um Heinz Conrads, Cissy Kraner oder Fritz Muliar zu sehen. Ab 1966 wurde eine neue Ära eingeläutet. Jeden Samstag Abend hieß es „sweet sweet sweet“, jeden Sonntag und Feiertag „beat beat beat“. 1000 Besucher pro Abend waren keine Seltenheit. Ende der 70er-Jahre wurde das Etablissement geschlossen, dann renoviert und von Kulturveranstalter Alf Krauliz unter dem Namen Metropol zur Kleinkunstbühne umgewandelt.

Im U4, 1980er-Jahre. Bild: Privatsammlung Conny De Beauclair

Mit Sicherheit der bis heute bekannteste und in punkto Undergroundkultur prägendste Ort Wiens ist das U4, das 1980 von Ossi Schellmann eröffnet wurde und der neuen Punk- und New Wave-Szene alle Freiheiten ließ. Falco war hier bekanntlich Stammgast, Blümchen Blau, Tom Pettings Herzattacken, Hansi Lang, Drahdiwaberl – sie alle gehörten zum Inventar.

Geadelt wurde das U4 auch durch internationale Stars wie Einstürzende Neubauten, Sonic Youth, später Nirvana. Sogar die Soul- und Jazzsängerin Sade und Pop-Superstar Prince traten hier auf. Wer zur Szene gehören wollte, musste dabei sein (und an Türsteher Conny de Beauclair vorbei). Der Flamingo-Club am Montag, Crossover-Veranstaltungen mit Kunst und Mode, die legendären U4-Feste: All das machte das U4 bis in die 90er-Jahre hinein zum „einzigen Nachtclub Österreichs mit internationaler Bedeutung“, so Ossi Schellmann.

Nach Ausflügen ins Flex und ins rhiz endet die Tour schließlich auf dem Karlsplatz. Seit 2010 feiert sich hier die heimische Musikszene mit dem jährlichen Popfest, dessen Idee sich aus einem Begleitprogramm zur Fußballeuropameisterschaft 2008 entwickelt hatte. Jährlich wechselnde Kuratoren sorgen dafür, dass die unterschiedlichsten Klangentwürfe und Musikrichtungen hier ihren Auftritt haben. „Was mir an den Musikerinnen und Musikern der Generation Popfest von Anfang an auffiel, war, wie wenig sie an spezifische Subkulturen gebunden waren“, so Robert Rotifer, einer der entscheidenden Impulsgeber. „Und wie bereit, miteinander in wechselnden Zusammenarbeiten Musik der unterschiedlichsten Stile zu produzieren.“

www.wienmuseum.at

12. 9. 2017

Lisa Eckhart: Metrische Taktlosigkeiten

Mai 27, 2017 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine schweinsfreche Sauklaue

Der vordergründigste Grund – und dieser ist tatsächlich tiefgründig, Lisa Eckhart zu mögen ist, dass sie eine extrem attraktive junge Frau ist. Eine, die sich stylt und die Haare schön hat und die Lippen rot und das Outfit immer vom Feinsten. Weil, Frauen generell, und sich aufmotzende Frauen noch mehr, haben in dieser mannsdominierten Welt nicht geistreich zu sein, und schon gar nichts zwischen satirisch bis sarkastisch. Das Kabarett noch dazu ist ein Machobauchladen, bis auf wenige Widerständlerinnen, eine Art sich klug die intellektuellen Fussel aus dem Nabel kletzelnder King Kong: Blonde Frau, schweig, du Opfer!

Und dann kommt das Mädchen Lisa, die wohl mehr als zufällig nach ihrem Simpson-Pendant heißt, und sagt: Fuck you! Wobei der dazu gekrümmte Mittelfinger kein Penisersatz, sondern ein Zeichen für die Überwindung der weiblichen Scham ist. Die Geste wurde derart bereits 1905 von Friedrich Salomon Krauss gedeutet. Wurscht. Lisa Eckhart also, Österreichischer-Kabarettpreis-Preisträgerin, hat ihre Dichtungen zwischen zwei Buchdeckeln verstaut: „Metrische Taktlosigkeiten. Eine Einführung ins politische Korrektum“. Und siehe, das schweinsfreche Schandmaul hat auch eine Sauklaue!

Siebzehn bitterböse Bühnentexte, in denen sie die Lebensrealität genussvoll zwischen den Fingern zerbröselt, und fünf pointierte Stellungnahmen zur Zeit hat sie zu einem Ganzen zusammengestellt, gemeine Reime, von genial bis trivial. Eckhart fleddert die illustren Leichen der Literatur und erschafft aus deren einzelnen Teilen entzückend pathetische Balladen-Bastarde. Beispiel I:

Es ist ein ganz normaler Tag, und mir wie immer schrecklich fad, ich lieg nur reglos und sinniere, esse Kuchen, masturbiere … Ich gönn mir kleinen Kelch Absinth, obgleich der Morgen erst beginnt, doch fremd ist mir jed Anstandsmauer, für einen Alkoholiker ist jede Stunde Happy Hour. Ich fühl mich schick wie Oscar Wilde, und, am Toilettenrand verkeilt, frag ich mich, ob auch dieser sich damals so schick erbrach wie ich …

Es gibt Neudichtungen von „Faust“ bis zur Bundeshymne, Politisches über die FPÖ (Faux-pas-Österreich) und andere Parteiwiedergänger, der Weihnachtsmann wird zum Kinderschänder, und der Osterhase verpaart sich mit der Osterhenne – dies das grauslichste Gedicht von allen. Erstaunlich überhaupt ist, wie intensiv sich Eckhart mit der Religion beschäftigt, am heftigsten im kannibalistischen Poem „Der letzte Abendgemahl“, wo man doch dachte, nur die bayerischen Kabarettisten müssten sich herkunftsbedingt nonstop am Brachial-Barock-Katholischen abarbeiten. Beispiel II:

Gott … wurde sich des Ausmaßes seiner Machteinbuße erst vor einigen Jahren bewusst und verteilte daraufhin in Panik erstmals Feedback-Bögen an die Menschheit. „Bewerten Sie die derzeitige Schöpfung mit Prädikaten wie 1. Hosanna, Juchhe! 2. Leiwand. 3. Befriedigend. 4. War schon mal besser. 5. Bitte, Gott, lass mich sterben!“ Es wurde allerdings strenggenommen kein internationales Ergebnis erzielt, da nicht alle Antworten ordnungsgemäß ausgewertet werden konnten. Die dritte Welt hat die Fragebögen gegessen, Österreich nicht anständig zugeklebt und Israel und Palästina haben das Papier lieber zerrissen, zu kleinen Bällchen gerollt und sich damit gegenseitig bespuckt. Dennoch trat ein eindeutiges Stimmungsbild zutage. Unter dem Punkt Verbesserungsvorschläge schrieb fast ein jeder der Befragten: „Lass es gut sein, Gott.“ Und Gott sah, dass es gut war und trat von seinem Amt zurück.

Sozusagen als Bonustrack im Buch gibt es ein Interview, das Michael Niavarani mit Eckhart führt, ihn hier den „Entdecker des Talents“ zu nennen, wäre siehe oben uähh!, aber die beiden haben einander was zu sagen. Sei’s über die political correctness als Einbahnstraße, den (Irr)sinn des Genderns oder den Willen des Kabarettisten zur Macht. Wem Schopenhauer zu optimistisch, Nietzsche zu wehleidig und Kafka zu fröhlich ist, der könnte an diesem Werk genesen.

Niavarani: Hast du jemals daran gezweifelt, ob du Künstlerin bist, oder nicht?

Eckhart: Also, ich war immer überzeugt davon, dass ich ein Publikum verdiene.

Lisa Eckhart hat nicht nur ein Schandmaul, sondern auch eine Schweinsklaue. Bild: Moritz Schell

Über die Autorin:
Lisa Eckhart, geboren 1992 in Leoben in der Steiermark, ist Poetry-Slammerin und Kabarettistin. Sie wuchs bei ihren Großeltern auf, studierte später in Wien und Paris, lebte in London und Berlin. Die erste Masterarbeit zum Thema Weiblichkeit und Nationalsozialismus ausgehend von Joseph Goebbels Tagebüchern wurde verworfen, ihre zweite Masterarbeit – schließlich ein „Sehr gut“ – befasst sich mit der Figur des Teufels in der deutschsprachigen Literatur. Nach dem Studium absolvierte Eckhart mehr als zwanzig erfolglose Vorsprechen an Schauspielschulen und entdeckte schließlich den Poetry Slam für sich, weil dort „angeblich selbst der untalentierteste Auswurf eine Bühne findet“ (O-Ton Eckhart). 2015 gab sie mit „Als ob Sie etwas Besseres zu tun hätten“ ihr Kabarett-Solodebüt, für das sie mit dem Förderpreis des Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde. Eckhart ist immer wieder Teil des Rateteams in der ORF-Show „Was gibt es Neues?“

 

Verlag Schultz & Schirm, Lisa Eckhart: „Metrische Taktlosigkeiten. Eine Einführung ins politische Korrektum“, Bühnendichtung, 144 Seiten.

www.lisaeckhart.com

www.schultzundschirm.com

Wien, 27. 5. 2017

Volx/Margareten: Keine Angst. Eine Heimgartenrevue

Mai 1, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Schrebergarten als Sehnsuchtsort der Seele

Die Kleingartenanlage erprobt sich in „Solidarität“: Julian Loidl. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Nach Graz war nun endlich auch in Wien die jüngste Produktion des Theaters im Bahnhof zu sehen: „Keine Angst. Eine Heimgartenrevue“, die von Regisseur Ed. Hauswirth auf bewährte Weise mit seinem Ensemble und auf Grundlage zahlreicher Interviews entstandene Aufführung – und sie war, wie man’s vom TiB kennt und liebt, irrsinnig klug und mit viel Musik.

Einmal mehr hat Hauswirth der österreichischen Seele bis auf den Grund geblickt, ihre Schrebergartenmentalität offengelegt, ihre Kleingärtnergeistigkeit enttarnt – und das sogar charmant und liebenswert. Juliette Eröd, Monika Klengel, Lorenz Kabas und Julian Loidl skizzieren starke Figuren mit einer großen Portion Menschlichkeit, die den folgenden heftigen Ausbrüchen den Stachel nimmt. Denn die vier kämpfen  für die gerechte Sache:

Der Obmann des Vereins „Solidarität“, Überbleibselname einer vergangenen Zeit, in der sich die Sozialdemokratie um ihre Wählerschichten noch was schiss, und seine drei Mitstreiter protestieren gegen die geplante Nord-Ost Spange, die direttissima durch die Anlage führen soll. Ein Schelm, wer dabei an Lobautunneldiskussionen und die seit mehr als 40 Jahren überfällige Nordostumfahrung von Wien-Transdanubien denkt.

Jedenfalls, die Gartenkolonisten werben mit Viergesang und anderen künstlerischen Darbietungen um Unterstützer und deren Unterschriften. Mit heiligem Ernst ziehen die Gartenfreunde los und intonieren: „Wir sind Kleingärtner, und wir singen um unser Leben.“ Doch das Pathos, der heilige Schein wird bald gebrochen, wenn es heißt: „Was der Obmann sagt, wird gemacht“ – die streng hierarchische, mittelschwer faschistoide Anordnung derlei Gartenparadiese ist jedermann bekannt, der schon einmal aus einem dieser grünen Idylle flüchtete. Die eigene Familie hatte eins in Süßenbrunn, da hieß es Augen geradeaus und alle Gartenzäune grün gestrichen, wenn der Vorstand es so will …

Monika Klengel. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Juliette Eröd. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Grenzen überhaupt sind bei Hauswirth ein Thema. Aus einer Gemeinschaft von Gartlern ist nämlich längst eine Ansiedlung von Einbunkerern geworden. Sträucher fürchtet man als potenzielle Verstecke für Einbrecher, Alarmanlagen sind installiert, Überwachungskameras halten auf den Wegen Ausschau nach den hier Fremden. Die Schrebergärten mit immer höher werdenden Zäunen sind in all ihren Facetten ein Spiegelbild österreichischer Befindlichkeit. Feindbilder sind die Straßenplaner, aber auch die grüne Bezirksvorsteherin, und letztlich schrecken die Schrebergärtner vor der persönlichen Diffamierung eines befreundeten SP-Politikers (großartig Thomas Frank, dessen geheime Absprachen mit der grünen Wiener Vizebürgermeisterin  – Birgit Stöger – in Videozuspielungen enttarnt werden) nicht zurück, um ihrem Ziel näher zu kommen.

Die bitterböse Revue – mit Liedern von Brahms bis Sting und Hansi Lang – entgleist zusehends. Zwischen Bäumen und Blumen blitzen die Abgründe dieser vermeintlich heilen Welt auf, und schließlich kommt der schwerste Schlag auch noch aus den eigenen Reihen. Dies alles, diese Groteske über Grundstücksgrenzen, eine wunderbare Metapher auf Zaunkönige und andere Vernunftsabriegler. Einen diesbezüglichen Monolog auf Trump und Co. hätt’s gar nicht geraucht, man versteht auch so.

Der Bau der Nord-Ost Spange muss verhindert werden: Lorenz Kabas. Bild: © www.lupispum.com / Volkstheater

Dazu hat Hauswirth noch ein Ärgernis in seinen Abend eingebaut: Seit einem Vierteljahrhundert, sagt er mittels entsprechender TV-Ausschnitte, stellt Elizabeth T. Spiras Dokumentation „Das kleine Glück im Schrebergarten“ eben jenes kollektiv in ein unvorteilhaftes, versoffenes, sich rechts anbiederndes Eck. Andere mögen ja vielleicht so sein, räumt das Ensemble ein, aber – eh klar – man selbst nicht!

Wer Hauswirth-Produktionen kennt, weiß nun, dass seine Figuren deshalb erst recht blauäugig sein müssen. Die Vereinswimpel hoch, die Thujenreihen sind geschlossen, mit festem Schritt und Tritt. Doch auch mit libidinöser Inbrunst die Wangen an ihre grünen Freunde schmiegend. Die österreichische Lösung eben …

www.volkstheater.at

Wien, 1. 5. 2017