Albertina: Stadt-Land. Von Albrecht Dürer bis Paul Klee

März 2, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Spaziergang durch 500 Jahre Landschaftsbild

August Macke: Frau mit Krug unter Bäumen, 1912. Albertina, Wien. Sammlung Forberg

Mit der Ausstellung „Stadt-Land. Von Albrecht Dürer bis Paul Klee“ lädt die Albertina ab 5. März zu einem Spaziergang durch Landschaftsbilder aus fünf Jahrhunderten. Von den Anfängen des autonomen Landschaftsbildes und seiner Bahnbrecher, allen voran Albrecht Dürer, spannt sich der Bogen über Bruegel, Rembrandt und das holländische Goldene Zeitalter, von Stadtpanoramen der Renaissance zu nahsichtigen Veduten, von utopischen Entwürfen arkadischer Landschaften bis zum

illusionslosen, realistischen Naturbild im Zeitalter der Industrialisierung, von den Bildern der Erhabenheit und des Sublimen bei Caspar David Friedrich über die Schreckensvisionen und Dystopien bei Alfred Kubin bis zu den Kinderträumen verspielter Natur bei Paul Klee. Schlüsselwerke der romantischen Landschaft und österreichische Aquarellkunst des 19. Jahrhunderts wie Jakob und Rudolf von Alts Wien-Ansichten runden die Ausstellung ab.

Alfred Kubin: Schlachthausruine, 1900. Albertina, Wien

Egon Schiele: Alte Häuser in Krumau, 1914. Albertina, Wien

Emil Nolde: Die Wintersonne, 1908. Albertina, Wien

Rembrandt Harmensz. van Rijn: Die ehemalige Kupfermühle auf der Weesperzijde, späte 1640er-Jahre. Albertina, Wien

Der Großteil der gezeigten Werke wurde vom Sammlungsgründer der Albertina, Herzog Albert von Sachsen-Teschen erworben, der sich insbesondere für bildhaft ausgeführte, großformatige Landschaftszeichnungen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts interessierte: Landschaften von Adrian Zingg und dessen Schülern sammelte er sowohl ihrer künstlerischen Qualität wegen als auch in Erinnerung an seine alte Heimat Sachsen. Vor allem in seinen letzten Lebensjahren konzentrierte sich Herzog Albert auf den Erwerb von Landschaften, von denen nun eine hochkarätige Auswahl präsentiert wird.

www.albertina.at

2. 3. 2021

Die Albertina öffnet am 27. Mai ihre beiden Häuser, das Kunsthistorische Museum startet zu Pfingsten

April 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

The Beginning reloaded & Pay As You Wish

Christian Ludwig Attersee: Torte mit Speisekugeln und Speiseblau, 1967. Albertina, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Bildrecht, Wien, 2020

Endlich ist es so weit! Die Albertina öffnet am 27. Mai nicht nur ihr Stammhaus am Albertinaplatz, sondern auch die Albertina Modern im Künstlerhaus. Die Ausstellung zum dortigen Opening „The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980“ bietet mit 400 Kunstwerken erstmals einen Überblick über die Kunst Österreichs in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien kennzeichnenden gesellschafts- kritischen Realismus. Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie.

Die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt. Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über ReimoWukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des Austro-Faschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

VALIE EXPORT: Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020

Alfred Hrdlicka: Hommage à Sonny Liston, 1965. Wien Museum © A. Hrdlicka-Archiv

Maria Lassnig: Woman Power, 1979. Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit „The Eighties“ dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=38755

Da es außerdem gelungen ist, von allen Leihgebern die Zustimmung zu einer Verlängerung der im März bereits nach zwei Wochen geschlossenen Ausstellungen im Stammhaus zu erhalten, kann die Albertina im Sommer die Retrospektive über den wichtigsten Maler und Zeichner des deutschen Realismus, „Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!“, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37602, ebenso zeigen wie die Geschichte der frühen Radierung von Dürer bis Bruegel, mehr über die Schau: www.mottingers-meinung.at/?p=37976.

Während der Schließung wurden auch die Schausammlungen der klassischen Moderne neu aufgestellt, in denen nun die Sammlung Batliner einen Dialog mit erstmals gezeigten Hauptwerken von Kandinsky bis Picasso aus der Schweizer Sammlung Othmar Huber eingeht. Die Schausammlung an Kunst der Gegenwart wurde um wichtige Gemälde amerikanischer Kunst erweitert.

Wilhelm Leibl: Die Dorfpolitiker, 1877. KM Winterthur, Stiftung O. Reinhart © SIK-ISEA, Zürich, Lutz Hartmann

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Kunsthistorisches Museum: Museum für alle – Pay As You Wish

Das Kunsthistorische Museum startet Ende Mai zu Pfingsten. Museen müssen offen sein – wann immer es geht. Wir freuen uns sehr, dass wir aufgrund der ermutigenden Covid-19-Prognose und den positiven Signalen aus der Politik bereits zu Pfingsten Ende Mai wieder öffnen können. Als besondere Willkommens-Geste begrüßen wir unsere Gäste im Juni mit der Aktion „pay as you wish“: Damit kann jeder und jede die Höhe des Eintrittspreises selbst bestimmen“, so Generaldirektorin Sabine Haag in einer Aussendung.

Wichtig sei jetzt, so Haag weiter, Planungssicherheit darüber zu erlangen, wie der Museumsbesuch vonstatten gehen darf, wieviel Platz jeder braucht, um sich nicht anstecken zu können, wie viele Menschen in einem Saal sein dürfen. Die finanzielle Seite zeigt sich gleichermaßen unsicher. Die Einnahmen des bisher wirtschaftlich erfolgreichen Museumsverbands sind von einem Tag auf den anderen auf null gefallen. Fixkosten wie Miete, Instandhaltung, Restaurierung, Bewahrung und Wartungskosten laufen freilich unverändert weiter. Nun hofft man auf eine verbindliche Zusage der dringend benötigten finanzielle Absicherungen seitens der Politik.

Wenn sich alle Ungewissheiten aus der Welt schaffen ließen und die Öffnung auch aus wirtschaftlicher Sicht verantwortungsvoll vorgenommen werden kann, wäre das für Sabine Haag ein großer Lichtblick, denn: „Wir vermissen den Museumsbetrieb und unsere Gäste sehr.“

www.albertina.at           www.khm.at

23. 4. 2020

Albertina: Die frühe Radierung. Von Dürer bis Bruegel

Februar 8, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mithilfe von Waffenätzern entstanden erste Meisterwerke

Daniel Hopfer: Tod und Teufel überraschen zwei Frauen, 1500–1510. The Metropolitan Museum of Art, New York

Ab 12. Februar zeigt die Albertina die Ausstellung „Die frühe Radierung. Von Dürer bis Bruegel“. Die Frühzeit der Druckgrafik ist von mehreren bedeutenden Erfindungen geprägt, sodass bis um 1500 bereits eine Vielzahl an technischen Verfahren entwickelt war. Das Aufkommen der Radierung im späten 15. Jahrhundert und ihre schnelle Verbreitung im frühen 16. Jahrhundertstellen einen der wichtigsten Wendepunkte dar. Die Grundlagen der Technik entwickelten sich in den

Werkstätten von Waffenätzern, bis in den 1490er-Jahren der deutsche Druckgrafiker Daniel Hopfer damit begann, von geätzten, also „radierten“ Metallplatten auch Abzüge auf Papier herzustellen. Dabei ließ sich das Radieren so einfach bewerkstelligen, dass es Künstlern aus verschiedensten Sparten die Anfertigung eigener Drucke ermöglichte. Unter den Pionieren des Mediums waren einige der größten Künstler der Renaissance wie Albrecht Dürer, Parmigianino und Pieter Bruegel der Ältere.

Parmigianino: Die Grablegung Christi, ca. 1524–1525. Albertina, Wien

Albrecht Altdorfer: Die kleine Fichte, ca. 1517–1520. Albertina, Wien

Juste de Juste: Menschenpyramide, 1540–1550. Albertina, Wien

Die Ausstellung in der Albertina, entstanden in Kooperation mit dem Metropolitan Museum New York, widmet sich den ersten 70 Jahren der Radierung: von ihren Anfängen in der Dürerzeit bis in die Epoche Bruegels, als viele berühmte und weniger bekannte Künstler in Deutschland, Flandern, Italien und Frankreich in dieser Technik arbeiteten. Zu sehen sind etwa 125 Radierungen sind neben Zeichnungen, Druckplatten und illustrierten Büchern.

www.albertina.at

8. 2. 2020

Albertina: Albrecht Dürer

September 14, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Spektakuläre Schau übers Renaissance-Genie

Albrecht Dürer: Feldhase, 1502. © Albertina, Wien

Seit Jahrzehnten war das Werk Albrecht Dürers nicht in dieser Fülle zu erleben: Die Albertina ist Heimat zahlreicher weltweit bekannter Ikonen der Zeichnung, darunter der „Feldhase“, die „Betenden Hände“ und das „Große Rasenstück“.

Eine um wertvolle internationale Leihgaben ergänzte Ausstellung präsentiert ab 20. September mit mehr als 200 Exponaten Dürers zeichnerische, druckgrafische und malerische Werke.

Mit mehr als 100 Zeichnungen, einem Dutzend Gemälde, persönlichen Aufzeichnungen und anderen seltenen Dokumenten wird das Werk des Renaissance-Genies umfassender gezeigt als jemals zuvor.

Mit nahezu 140 Arbeiten besitzt die Albertina den weltweit bedeutendsten Bestand an Zeichnungen Albrecht Dürers. Die Sammlungsgeschichte seines Œuvres in der Albertina ist von besonderer Bedeutung: Seine Provenienz lässt sich lückenlos bis ins Jahr 1528 zurückverfolgen, und bildet damit ein seit fast 500 Jahren geschlossen erhaltenes Konvolut aus Dürers Werkstatt. Die Sammlung bietet daher wie keine andere den idealen Ausgangspunkt, um sich auch seiner persönlichen, vom Gedankengut des frühen Humanismus geprägten Kunstauffassung zu nähern.

Albrecht Dürer: „Mein Agnes“ (Agnes Dürer), 1494. © Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Selbstbildnis als Akt, um 1499. Bild: Weimar, Klassik Stiftung © Klassik Stiftung Weimar

Für die Jahrhundertausstellung konnte die Albertina bedeutende internationale Leihgaben gewinnen: „Die Anbetung der Könige“ aus den Uffizien, das erschütternde und schonungslose Selbstbildnis des nackten Albrecht Dürer aus Weimar, „Die Marter der Zehntausend“ aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, „Jesus unter den Schriftgelehrten“ aus dem Museum Thyssen-Bornemisza und aus dem benachbarten Prado Dürers wohl schönstes Männerporträt. Sein malerisches Spätwerk der letzten niederländischen Reise, den „Heiligen Hieronymus“, präsentiert die Albertina mit allen dazugehörigen Studien.

Albrecht Dürer: Bildnis eines 93-jährigen Mannes, 1521. © Albertina, Wien

Albrecht Dürer: Betende Hände, 1508. © Albertina, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Dürer-Spezialist und Kurator der Ausstellung, Christof Metzger, hat in den vergangenen Jahren den Bestand der Albertina, dem weltweit bedeutendsten an Dürer-Zeichnungen und -Aquarellen, einer Neubewertung unterzogen. Am überraschendsten sind seine Überlegungen zu den großen Naturstudien der ersten Jahre des 16. Jahrhunderts – der „Feldhase“ oder das „Große Rasenstück“ – und zu den Hell-Dunkel-Studien auf farbigen Papieren, wie etwa die berühmten „Betenden Hände“, die allesamt an die Grenze des mit Feder und Pinsel Machbaren führen. Sie sind Demonstrationsstücke, die jedem Besucher in Dürers Atelier die vollendeten zeichnerischen und malerischen Fähigkeiten des Meisters unter Beweis stellten. Nicht Vor-Studien sind sie, sondern autonome Bilder, Virtuosenstücke, die das stupende Können des Meisters und die geistige Tiefe seiner Naturauffassung demonstrieren.

www.albertina.at

14. 9. 2019

KHM: Edmund de Waal trifft Albrecht Dürer

Oktober 11, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Ausstellung mit dem anderen Hasen

Hase mit den Bernsteinaugen, Netsuke. Bild: © Michael Harvey

Hase mit den Bernsteinaugen, Netsuke. Bild: © Michael Harvey

2012 begann das Kunsthistorische Museum eine neue Ausstellungsreihe, zu der international renommierte Künstler eingeladen werden, um ihre jeweilige persönliche Auswahl von Objekten aus den Sammlungen des Hauses zu präsentieren. Die erste Schau, „The Ancients Stole All Our Great Ideas“, wurde im selben Jahr vom amerikanischen Künstler Ed Ruscha konzipiert. Für die zweite Ausgabe konnte der englische Künstler und Autor Edmund de Waal als Kurator gewonnen werden.

Im Laufe der vergangenen drei Jahre hielt sich de Waal wiederholt in Wien auf, um eine Vielzahl an Objekten sowohl in den Ausstellungsräumen als auch in den Depots des Kunsthistorischen Museums persönlich in Augenschein zu nehmen.

Die von ihm getroffene Auswahl, die er, zu sehen ab 11. Oktober, unter dem Titel „During the Night“ zusammengestellt hat, beginnt mit der 1525 entstandenen bildlichen Wiedergabe eines Albtraums von Albrecht Dürer, die in einem zur Sammlung der Kunstkammer gehörenden Buch aufbewahrt wird. Weitere Darstellungen von Traum, Angst, Disharmonie, Unruhe und dem Augenblick zwischen Schlafen und Wachen hat de Waal den Beständen der Gemäldegalerie, der Kunstkammer, der Antikensammlung, der Bibliothek, der Sammlung alter Musikinstrumente, der Kaiserlichen Schatzkammer und der Kunstkammer von Schloss Ambras in Innsbruck entnommen.

Vanitas-Köpfe /Memento Mori: Deutsch, 1. Hälfte 17. Jahrhundert. Bild: © KHM-Museumsverband

Vanitas-Köpfe / Memento Mori. Bild: © KHM-Museumsverband

Ausstellungsansicht. Bild: © KHM-Museumsverband

Ausstellungsansicht. Bild: © KHM-Museumsverband

Manches davon wird den Besuchern vertraut sein, anderes weniger. Darüber hinaus sind in der Schau vier Objekte aus dem Naturhistorischen Museum Wien zu sehen sowie ein von de Waal eigens für die Ausstellung in Wien neu geschaffenes Werk. Das Netsuke „Hase mit den Bernsteinaugen“, berühmt geworden durch seinen gleichnamigen Bestseller, wird ebenfalls ausgestellt sein und ist so erstmals seit 1945 wieder in Wien.

www.khm.at

Wien, 11. 10. 2016