Medeas Töchter: #wirsindnichtstill

November 18, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Hörspiel über den 2000 Jahre alten Irrweg vom Matriarchat zum Patriachat

Medeas Töchter. Bild: © Rainer Berson

Solidarisch ist, wer zuhause bleibt. Kunst- und Kulturinstitutionen müssen schließen, sie sind Freizeitvergnügungen. Geschäfte sind geöffnet, um Kapitalflüsse nicht zu behindern. Aber Medeas Töchter können nicht zuhause am warmen Ofen sitzen und warten, bis der Spuk vorbei ist. Sei es, weil sie keinen warmen Ofen haben, sei es, weil sie die Herrschaftsverhältnisse nicht mehr ertragen.

Medeas Töchter trotzen also dem Lockdown und veröffentlichen ihr Projekt „Medeas Irrgarten“ heute um 20 Uhr als Hörspiel. Magdalena Chowaniec, Aslı Kışlal und Corinne Eckenstein laden das Publikum zu einem individuellen Spaziergang durch die Stadt ein, begleitet von den Stimmen der Töchter Medeas: Ruchi Bajaj, Vahidenur Caf, Shabnam Chamani, Tanja Josic, Jona Moro und Charlotte Zorell – junge Frauen, deren Sichtbarkeit und Einflussnahme auf die Gesellschaft aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder politischen Ansichten in den Hintergrund gedrängt werden.

Ihre Stimmen, Gesichter, Körper und Gedanken sollen im Verborgenen bleiben, während auf ihren Rücken Politik gemacht wird. Doch bereits im ersten Lockdown haben Medeas Töchter sich nicht der erzwungenen Untätigkeit unterworfen. Neben vielen anderen Projekten entstand „Medeas Irrgarten“, ein interaktives Hörspiel, ein hörbarer Irrweg – über Kopfhörer nachgeh- und mithörbar, ein Irrweg rund um die Welt von Frauen, Geschichten seit dem Ende des Matriarchats bis zum Lockdown 2020.

„Auch wenn wir die Türen zu den Theatern schließen müssen, Türen zu jenen Räumen, in denen ein Diskurs stattfinden kann und unterdrückte Stimmen hörbar werden, verstummen wir nicht!“, lautet der Kampfruf. „Heute, 20 Uhr, ,Medeas Irrgarten‘ auf: medeastoechter.at/audio. Kopfhörer rein, Internetempfang sicherstellen und losspazieren … Dann wird es nicht still.“

Eine Koproduktion von diverCITYLAB, dem Dschungel Wien und Magdalena Chowaniec.

Trailer und erster Track: medeastoechter.at/audio           medeastoechter.at

  1. 11. 2020

Corinne Eckenstein wird Leiterin des Dschungel Wien

September 21, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Folgt ab der Spielzeit 2016/2017 auf Stephan Rabl

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit der künftigen Leiterin des Dschungel Wien, Corinne Eckenstein Bild: Georg Oberweger / PID

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit der künftigen Leiterin des Dschungel Wien, Corinne Eckenstein. Bild: Georg Oberweger / PID

Der Dschungel Wien bekommt eine neue Leitung. Nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit unter der Direktion von Stephan Rabl entschloss sich der Theaterverein Wien als Eigentümer der „Dschungel Wien – Theaterhaus für junges Publikum GmbH“ im Einvernehmen mit dem Subventionsgeber dazu, die Position der künstlerischen Leitung des Kinder- und Jugendtheaterhauses im Wiener Museumsquartier neu zu besetzen. Ab der Spielzeit 2016/2017 wird die Regisseurin und international erfolgreiche Expertin für junges Theater Corinne Eckenstein das Haus leiten. Die Funktionsperiode für die neue Direktion beläuft sich auf vier Jahre und kann einmal verlängert werden. Mit Anna Badora am Volkstheater, Karin Bergmann am Burgtheater, Kira Kirsch am brut und nun Corinne Eckenstein ist damit bereits die vierte größere Wiener Bühne in weiblicher Hand.

„Ich möchte das Theaterhaus für junges Publikum noch stärker zu einem Ort machen, wo Kunst nicht nur konsumiert, sondern selbst kreiert wird“, freut sich Corinne Eckenstein auf ihre zukünftige Aufgabe. „Denn Partizipation schafft Identifikation. Das Theater wird so zum Lebensraum, wo sich Kinder und Jugendliche aktiv einbringen und mitgestalten.“ Der Kern des Spielplans soll weiterhin durch die freie Szene bestritten werden. Gleichzeitig setzt Eckenstein verstärkt auf Eigenproduktionen aus gemischten Ensembles mit Kindern, Jugendlichen und Profis. „Der Dschungel soll sich als authentische und mutige Plattform für die Sichtweisen, Blickwinkel, Lebensrealitäten und Interessen der Kinder und Jugendlichen unserer Zeit präsentieren und als ihr Sprachrohr fungieren“, beschreibt Eckenstein ihr Konzept. Darüber hinaus will die künftige Dschungel-Leiterin noch stärker in die Bezirke gehen und dort mit Jugendeinrichtungen sogenannte „Zukunftslabore“ ins Leben rufen, wo sich junge Heranwachsende künstlerisch betätigen können. Die internationale Kooperation „2Platform shift +“ – bestehend aus 11 Partnern aus 9 Ländern – wird sich den Auswirkungen des digitalen Zeitalters auf die Arbeit des Theaters für und mit Jugendlichen widmen. Außerdem strebt Eckenstein einen verstärkten Austausch mit osteuropäischen Künstlern und Theatern an.

Zur Person: Die in Basel geborene Regisseurin und Mitbegründerin von TheaterFoxfire absolvierte ihre Ausbildung als Schauspielerin und Tänzerin in New York und San Francisco. Ihre Theaterlaufbahn begann sie am jungen theater basel, wohin sie später als Regisseurin zurückkehrte. Seit 1990 lebt Eckenstein in Wien, wo sie unter anderem mit Meret Barz, Milli Bitterli, Eva Brenner, den Wiener Festwochen, ImpulsTanz, dem Theater der Jugend und natürlich dem Dschungel Wien arbeitete. Daneben ist sie kontinuierlich auch international tätig, unter anderem in Zürich, Basel, Hannover und Berlin. 1995 begründete sie gemeinsam mit Lilly Axster die Wiener Kinder- und Jugendtheatergruppe TheaterFoxfire, deren Produktionen in den vergangenen Jahren große Erfolge bei Publikum und Presse verzeichneten.

www.dschungelwien.at

Wien, 21. 9. 2016

Der Dschungel Wien setzt sich für Menschenrechte ein

September 2, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ab sofort gibt es sogar Theater für Babys ab 6 Monaten

Die Legende von Schillers Räubern Bild: © Ani Antonova

Die Legende von Schillers Räubern
Bild: © Ani Antonova

Heute Vormittag präsentierte Direktor Stephan Rabl gemeinsam mit seinem Team das Programm für die Saison 2015/16 im Dschungel Wien. Als Thema im Mittelpunkt stehen noch deutlicher als bisher die Menschenrechte. „Das Recht auf Kunst ist ein Kinderrecht und in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Diesem Grundsatz wollen wir für die ganze Stadt Wien und ihren Kindern und Jugendlichen gerecht werden“, so Rabl, der damit auch den Standort des Hauses auf dem Platz der Menschenrechte rund um das Marcus-Omofuma-Denkmal betonte. „Es geht darum, den Kindern die Welt nicht vorzuenthalten, sondern ihren Blick zu schärfen und ihnen Lösungswege für ihre Fragen anzubieten. Ihre Ängste ernst zu nehmen und die Möglichkeiten des Lebens zu zeigen. Ihre Individualität zu unterstützen, aber nicht Egoismus zu säen. Theater kann eine Möglichkeit bieten, um dies zu erfahren.“

Eng zusammenarbeiten will man deshalb mit Shams Asadi, der bei der Programmpräsentation anwesenden neuen Menschenrechtsbeauftragten der Stadt Wien.  Warum? „Kinder sind besonders von Menschenrechtsverletzungen betroffen. Deshalb befasst sich Wien bei der Umsetzung der Deklaration zur Menschenrechtsstadt derzeit vor allem mit Kinderrechten. Ihre Einhaltung ist ein Barometer für die Gesellschaft“, erklärt Asadi. „Gerade in diesem Zusammenhang ermöglicht der Dschungel Wien als Drehscheibe und als Ort für Dialoge einen Zugang zu Kunst und Kultur für junges Publikum“. Mit dem aktuellen Programm werden aktuelle Themen wie Migration und Rassismus aufgegriffen. Durch Stücke wie „schwarzweißlila“ über das elfjährige Mädchen Lila mit einer weißen Mutter und einem afrikanischen Vater, den sie nicht kennt, für Kinder ab zehn Jahren. Oder „La Linea – der Traum vom besseren Leben“ über Geschwister, die von Mexiko in die USA wollen, für Jugendliche ab 13 Jahren.

Mit sieben Premieren im September startet der Dschungel Wien in die Saison 2015/16. Von und mit Ensemblemitglied Mira Tscherne eröffnet „Höflich wie ein Löwe“ (ab 5 /10. Sep.) die neue Spielzeit. In einem Schauspiel mit Musik werden Themen wie Mut, Höflichkeit und das „Anderssein“ humorvoll behandelt. Dem Witz und der Poesie der Straße verschreibt sich nur einen Tag später das Clowntheater „Totò macht Mittagspause“ (ab 6 / 11. Sep.). Michael Moritz inszeniert ein artistisches, akrobatisches und clowneskes Spiel, in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Der noch warmen Jahreszeit entsprechend kommt es an diesem Tag mit „Das Postgirl“ (ab 4 / 12. Sep.) mit Figurentheaterspielerin Myriam Rossbach zur dritten Uraufführung in drei Tagen. Gespielt wird unter freiem Himmel mit dem Dschungel-Fahrrad im MQ-Fürstenhof. Das zum Postfahrrad umgebaute Vehikel birgt dabei so einige Überraschungen. In der darauffolgenden Woche kehrt Breakdance, in der von Ákos Hargitay choreografierten Produktion „Break.out“ (ab 13 / 16. Sep.), an seinen Ursprungsort zurück – auf die Straße. Open air vor dem Theaterhaus treffen ein Hip-Hop-Girl, ein zeitgenössischer Tänzer und ein Choreograf aufeinander, um eine „Show“ aus dem Nichts aufzustellen. Mit dem Schauspielsolo „Titus“ (ab 12 / 23. Sep.) begeht Sven Kaschte sein Debüt als Ensemblemitglied. Der bereits als Klassiker des Jugendtheaters verstandene Monolog eines Jugendlichen von Autor Jan Sobrie wird von Hausregisseurin Julia Burger inszeniert. „Ein Orkan rast durch meinen Schädel“ – unverkitscht, klischeefrei und sensibel zeichnet das Stück Gedankengänge, Nöte und Ängste eines Jungen in der Pubertät nach. Teil einer Abenteuernacht mit Abendessen und Übernachtung im Theater ist am 3. Oktober „Die Legende von Schillers Räubern“ (ab 11).

Mit einer „Babyschiene“ für Babys ab 6 Monaten geht der Dschungel Wien ab Herbst neue Wege. Mit Schauspiel, Tanz, Musik und Objekttheater begeben sich bereits die Allerkleinsten auf eine spannende theatrale Entdeckungsreise. Stephan Rabl selbst zeichnet für Idee und Konzept verantwortlich.

www.dschungelwien.at

Wien, 2. 9. 2015

Dschungel Wien: Tanzwochen

Februar 18, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Zwanzig Tanz(theater)-Produktionen von Februar bis Mai

War Game  Bild: © Vanessa Achilles-Broutin

War Game
Bild: © Vanessa Achilles-Broutin

Mit nicht weniger als 20 Tanz- und Tanztheaterproduktionen wird Dschungel Wien abermals zu Wiens Zentrum zeitgenössischen Tanzes für junges Publikum! In den Tanzwochen von Februar bis Mai steht einem tanzbegeisterten jungen Publikum von 1,5 bis 22 Jahren ein umfassendes Programm zur Auswahl. Von Performance und Tanz bzw. Tanztheater mit Livemusik bis hin zu urban-zeitgenössischen Choreografien à la Silke Grabinger – getanzt wird für jeden Geschmack!

Mit der Uraufführung der Dschungel Wien Eigenproduktion „Push it: Liegestütz und Wonderbra“ (14+) starten am Donnerstag, 19. Februar die Tanzwochen im Dschungel Wien. Für Choreografie und Regie zeichnet die preisgekrönte Breakdancerin und Cirque du Soleil Lufakrobatin Silke Grabinger verantwortlich. Mit zeitgenössischen und urbanen Tanzelementen wird die Balance zwischen Sicherheit und Risiko, positiven und negativen Konsequenzen in einer Welt des mentalen Kapitalismus ausgelotet. „Push it“ ist, nach „Antifragil“, Grabingers bereits zweite Tanzproduktion im Dschungel Wien.

Finale Phase des „Boys“ Projekts: UA des dritten Teils „Boys Awakening“ (13+)

Nach den großen Erfolgen von Corinne Eckensteins Tanztheaterproduktionen „Boys don’t cry“ (13+ / zu sehen im März) und „The Boys are Back in Town“ (13+ / zu sehen im April), ist „Boys Awakening“ (13+) die bereits dritte Koproduktion des TheaterFoxfire und Dschungel Wien zum Thema „Mannwerden“. Ab Mittwoch, 18. Februar 19:30 tanzen sich dieselben acht jungen Darsteller zum Thema „männliche jugendliche Sexualität“ – alias Pubertät – die eigenen Erinnerungen vom Leib. Für Jugendliche ab 13 Jahren nimmt das 80-minütige Tanztheater mit Livemusik Motive von Franz Wedekinds Frühlings Erwachen auf.

Weltweit erfolgreich: Dschungel Wien Produktionen für 2+

Ein weltweit seines-Gleichen-suchendes Theaterangebot für Kinder ab 2 Jahren findet man im Dschungel Wien. Die Eigenproduktion „Spiegelspiele“ (2+) – Regie Stephan Rabl – ist nicht nur in Wien ein Hit. Weltweit wird die Produktion für Gastspiele angefragt. Der nächste Streich für Kinder ab 2 Jahren folgt auch schon umgehend! In Stephan Rabls „Wolkenträume“ (2+) – Uraufführung am Donnerstag, 02. April – jagt die Dschungel Wien Tänzerin Maartje Pasman Träumen, versteckt in Wolken hinterher.

Kooperation mit der Konservatorium Wien Privatuniversität

Am Freitag, 27. März kommen drei Produktionen der Konservatorium Wien Privatuniversität im Dschungel Wien zur Premiere. Im Rahmen des Tanzschwerpunktes stellt sich „War Game“ (14+) die Frage nach persönlichen Sichtweisen auf das weltweite Kriegsgeschehen. Was hat der Krieg woanders mit mir zu tun? Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Nikolaus Selimov ertanzen sich TänzerInnen ihre eigene Zugangsweise zur Thematik.

 www.dschungelwien.at

Wien, 18. 2. 2015

Internationaler Holocaust-Gedenktag

Januar 14, 2015 in Ausstellung, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Veranstaltungen im Jüdischen Museum

und im Dschungel Wien

Lithografie: Leo Haas

Lithografie: Leo Haas

Eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2005 erklärte  den 27. Jänner offiziell zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Das Jüdische Museum Wien lädt um 17 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung in die Dorotheergasse 11. Das Museum ist auch ein Erinnerungsort, der mit seinen Sammlungen und durch einzelne Objekte auf den Holocaust verweist. Gemeinsam wird eine Gedenkminute abgehalten und danach ausgewählte Objekte und deren Geschichte vorgestellt. Freier Eintritt für die Führung um 17 Uhr!

Die tragisch-berührende Überlebensgeschichte des jüdischen Mädchens Malka Mai – die Dramatisierung Mirjam Presslers gleichnamigen Romans unter der Regie von Nika Sommeregger; eine Produktion des teater ISKRA – hat um 19 Uhr als österreichische Erstaufführung im Dschungel Wien Premiere.

Ein Mädchen überlebt allein den Holocaust, nach einer wahren Geschichte: Malka ist sieben Jahre alt. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Minna und ihrer Mutter, einer Ärztin, lebt sie in einem polnischen Dorf. Ihre Mutter ist sich ziemlich sicher, dass ihnen nichts Böses geschehen wird, denn Ärzte werden immer gebraucht, denkt sie. Auch Nazis benötigen medizinische Hilfe. Doch es ist 1943 und Hanna Mai irrt folgenschwer. Sie wird von „der Aktion“ der Deutschen überrascht, flieht überstürzt mit ihren Töchtern in die Berge. Zu Fuß wollen sie nach Ungarn. Auf der Flucht aber erkrankt Malka. Ihre Mutter beschließt, Malka bei Schleppern zu lassen, die sie nachbringen sollten und geht mit Minna nach Ungarn. Die Schlepper setzen Malka auf der Straße aus und so macht sie sich alleine und völlig auf sich gestellt, auf den Weg. Sie versucht, so gut es geht, den Wahnsinn zu überleben. Schläft in Kohlekellern, auf Dachböden, ernährt sich von Abfällen, wird aufgegriffen, wieder frei gelassen, versteckt sich im Wald, wird Zeugin von Erschießungen und erkrankt erneut. Diesmal an Typhus. Überlebt auch den. Sie überlebt den Holocaust. Als sich ihre Mutter schließlich aufmacht, Malka in Polen zu suchen, ist Malka innerlich längst keine „Malka“, keine „Kleine“ mehr und nur entfernt erinnert sie sich an eine Frau Doktor, die einmal ihre Mutter war.

Ein Theaterstück über eine, unsere Geschichte. Empfohlen ab 12 Jahren.

www.jmw.at

www.dschungelwien.at

Wien, 14. 1. 2015