Salzburger Festspiele: YDP I • Hinkemann 2014

August 14, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Böse fährt mit uns Karussell

Gang zum Schützengraben

Durch Granattrichter,
Schmutzige Pfützen,
Stapfen sie.
Über Soldaten,
Frierend im Erdloch,
Stolpern sie.
 
Ratten huschen pfeifend übern Weg,
Sturmregen klopft mit Totenfingern
An faulenden Türen.
Leuchtraketen
Pestlaternen…
 
Zum Graben zum Graben.

Ernst Toller (1915)

Christian Ehrich (Budenbesitzer), Katharina Schmidt (Grete Hinkemann), Daniel Christensen (Paul Großhahn), Jonas Anders (Hinkemann) Bild: © Sebastian Hoppe

Christian Ehrich (Budenbesitzer), Katharina Schmidt (Grete Hinkemann), Daniel Christensen (Paul Großhahn), Jonas Anders (Hinkemann)
Bild: © Sebastian Hoppe

Es ist eine große Freude, dass sich der junge serbischstämmige Regisseur und bekennende Gavrilo-Princip-Fan Miloš Lolić für das letzte Young Directors Project (Sponsor Montblanc zieht sich zurück) der Salzburger Festspiele Ernst Tollers zu Unrecht vergessenes Drama „Hinkemann“ ausgesucht hat. 1921/22 entstand diese Tragödie. In Festungshaft. Toller entging nur knapp einem Todesurteil wegen seiner führenden Rolle in der Münchner Räterepublik. Bevor die Nazis die Macht übernahmen, emigrierte er in die USA und nahm sich dort 1939 das Leben.

„Hinkemann“, einst kriegswilliger Frontkämpfer aus großbürgerlich-jüdischer Familie, kommt nicht nur als geschlagener Krieger mit  sprechendem Namen aus dem Abschlachten zurück. Ihn hat es körperlich – und damit seelisch – schlimmer getroffen. Der Mann ist „kein Mann mehr“, ihm wurden die Genitalien weggeschossen. Überlebt  hat er, doch Toller macht kenntlich, warum dieses Leben kein Leben mehr sein kann. Nur auf dem Rummelplatz findet der Kriegsgeschädigte noch Arbeit: als „Homunkulus, der stärkste Mann der Welt“, der Ratten und Mäusen auf offener Bühne die Kehle durchbeißt – wie es die deutsche Kriegsmacht ihren Feinden geschworen hatte. Und das Karussell dreht und dreht sich, das Böse fährt darin im Kreis, Hinkemann hängt sich zum Schluss daran auf; wie der emigrierte Autor im Mayflower Hotel am Central Park in New York.

Welch ein starkes Stück! Toller, ganz Kind des Expressionismus, wütet wortgewaltig durch die Szenerie. Er zeigt wie die „Masse Mensch“ zu „Maschinenstürmern“ wird. Dass „Nie wieder Friede“ herrschen werde, hört man in jeder Zeile. Hinkemann, gezeichnet als Borcherts Beckmann-Vorfahr, dieser bereits eine Ahnung von Danny aus Simon Stephens „Motortown“ …  Lolić lässt Tollers heiligen Furor weniger spielen als unterspielen. Mit Augenmaß und feinem Pinsel, wie ein Archäologe, trägt er die Erdkruste ab, unter der die Toten und Untoten auf Wiederauferstehung harren. Die Schicht an Scham, Schmach, Verrat, Verzweiflung, die eine ganze Generation unter sich begraben hat, muss erst abgetragen werden, bevor darunter die grell geschminkten Fratzen der Zukunft zum Vorschein kommen. Weil: Alle die da sozialistisch, trotzkistisch, anarchistisch in der Kneipe diskutieren, können Hinkemann nicht helfen (sie sind bereits  Nichts Ahnende Zyklon b Initalisierte) – vor einem fehlenden Penis versagen die Parteibücher.

Das Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses (Koproduktion) spielt brav. Jonas Anders als Hinkemann sucht in der Unterhose Gott Priapos, dem er als einer phallischen Statue höhnisch opfert; Katharina Schmidt trägt als Ehefrau Grete mit Gretefrisur das ganze Drama am Kopf: gebunden, aber sich auflösend. Sie wird sich Paul (Daniel Christensen hätte hormongesteuerter sein können) als Hinkemann-Ersatz in die Arme und dann aus dem Fenster werfen. Christian Ehrich als im Kasernenton herumkommandierender Budenbesitzer ist ein echter Schinder. Man glaubt ihm, dass er sich den Menschenschindern bald anschließen wird. Alles in allem liefert Lolić eine dem YDP würdige Arbeit ab. Mal sehen, wie’s im Herbst in Düsseldorf läuft.

Wien, 2. 8. 2014

www.salzburgerfestspiele.at

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Salzburger Festspiele: „Romeo und Julia“

August 22, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der YDP-Gewinner ist Mokhallad Rasem

YDP III • Romeo und Julia: Gilda De Bal, Eleanor Campell, José Paulo dos Santos, Vic De Wachter, Mona Staut Bild:© Wolfgang Kirchner

YDP III • Romeo und Julia: Gilda De Bal, Eleanor Campell, José Paulo dos Santos, Vic De Wachter, Mona Staut
Bild:© Wolfgang Kirchner

Bereits zum zwölften Mal fand dieses Jahr im Rahmen der Salzburger Festspiele 2013 das MONTBLANC & SALZBURG FESTIVAL YOUNG DIRECTORS PROJECT statt. Sven-Eric Bechtolf, Leiter des Schauspiels, hatte für den diesjährigen Wettbewerb vier junge RegisseurInnen aus Großbritannien, Deutschland, Irak und Tschechien gewählt. Die Jury bestehend aus Dr. Helga Rabl-Stadler (Präsidentin der Salzburger Festspiele), Thaddaeus Ropac (Galerie Ropac), Brigitte Hobmeier (Schauspielerin), Ulrich Khuon (Intendant) und Michael Köhlmeier (Autor) vergab den MONTBLANC YOUNG DIRECTORS AWARD 2013 für die beste Regieleistung an Mokhallad Rasem.

Der irakische Regisseur erhielt die Auszeichnung für seine Interpretation von Romeo und Julia nach Shakespeare mit Schauspielern und Tänzern des Toneelhuis Antwerpen, der ein zerbombtes Autowrack als Ausgangspunkt für eine theatralische Meditation über die Liebe und ihre Gefährdung durch die Welt und die Liebenden selbst dient. Drei Generationen von Darstellern verbinden darin Schauspiel, Tanz und Dichtung zu einer assoziativreichen Inszenierung. Die Jurybegründung, verfasst von Michael Köhlmeier: “ Dass Liebe und Hass in einer Beziehung nicht nur nebeneinander existieren, sondern mitunter in einer einzigen Regung, einem Blick, einem Wort gleichzeitig wirksam sein können, ja dass sie einander brauchen, dass die stärksten aller Gefühle aufeinander angewiesen sind, wenn zwei Menschen gegen eine Welt des Schreckens bestehen wollen – an diese Einsicht führt uns der irakisch-belgische Regisseur Mokhallad Rasem heran. Er nennt sein Stück Romeo und Julia. Nicht dass wir den Titel auf Anhieb verstanden hätten – aber nicht alles „auf Anhieb“ stellt zufrieden. Das Stück erzählt, wovor sich Shakespeare gedrückt hat. Das hat, finden wir, Ambition! Manchmal lesen wir ein Buch oder hören ein Musikstück und betrachten ein Gemälde oder sehen uns ein Theaterstück an, und plötzlich fühlen wir den Blick des Autors, des Komponisten, des Malers, des Regisseurs auf uns gerichtet – ich korrigiere mich: auf mich gerichtet. Nicht auf den neben mir. Auf mich. Das sind magische Augenblicke. So etwas vermag nur Kunst. Hinterher sagen wir: Das Werk hat uns „berührt“. Wir sind verlegen und verwenden diese Floskel, um den Schmerz zu verharmlosen, der uns angetan wurde.In dem Stück, das die Jury ausgewählt hat, gab es solche Momente. Es tut uns weh, plötzlich zu erkennen, dass wir ausgerechnet den Menschen am meisten lieben, den wir am meisten hassen. Wir wollen weinen und wollen uns freuen. Und sind – berührt.“

Der MONTBLANC YOUNG DIRECTORS AWARD ist mit einem Preisgeld in Höhe von € 10.000,- sowie dem exklusiv für diesen Anlass entworfenen Montblanc Mozart Pen dotiert.

www.salzburgerfestspiele.at

www.montblanc.com

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-die-entfuhrung-aus-dem-serail/

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www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-2013/ :Domplatz: Die Sommerresidenz der Familie Hörbiger

www.mottingers-meinung.at/die-neue-buhlschaft/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-die-jungfrau-von-orleans/

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Salzburg, 22. 8. 2013

Salzburger Festspiele: Young Directors Projekt

Juli 1, 2013 in Bühne

Montblanc stiftet dieses Jahr den Mozart Pen

 Bild: Montblanc Mozart Pen

Bild: Montblanc Mozart Pen

Seit dem Jahr 2002 bereichert das YDP – das Young Directors Project – das Programm der Salzburger Festspiele. Unterstützt von Montblanc International ist dieser erfolgreicheWettbewerb, der jährlich vier junge Regisseure/Innen und ihre Ensemble präsentiert, zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Sommerfestspiele geworden. Montblanc unterstützt und ermöglicht mit seinem Sponsoring die Produktion neuer Inszenierungenund die Einladungen bestehender Arbeiten nach Salzburg. Zusätzlich stiftet Montblanc den Preis für die beste Regiearbeit in der Höhe von Euro 10.000,– – eine Summe, die den jungen Künstlerndie erfolgreiche Fortsetzung ihrer Arbeit erleichtert. Als Symbol der ideellen Auszeichnung erhältder Gewinner des YDP noch dazu den eigens und exklusiv für dieses Projekt von Montblanc entworfenen Mozart Pen; er soll über den Tag hinaus die Gewinner begleiten und sie später glückhaft. Außerdem hilft Montblanc, über das festgeschriebene Sponsoring hinaus, spontan bei zum Beispiel bei der Realisierung der vier internationalen Produktionen. Sven-Eric Bechtolf, Leiter des Schauspiels der Salzburger Festspiele, hat 2013 eine Regisseurin. Wie schon letztes Jahr wird auch 2013 das Magazin „Close Up“, die Programmzeitschrift des YDP, auf vielfältige Weise die jungen KünstlerInnen und ihre Inszenierungen vorstellen. Bechtolf: „Die Salzburger Festspiele sind ein traditionsreiches Festival, dafür mussten und müssen sie sich immer neu der Gegenwart verpflichten. Mit dem YDP wollen wir auch einen Blick in die Zukunft des Theaters ermöglichen. Unser Dank geht an Montblanc, einem Partner, der uns in diesem Vorhaben zum 12. Mal engagiert, verlässlich und großzügig begleitet. Suzanne Andrade aus England, Bastian Kraft aus Deutschland, Mokhallad Rasem aus demIrak (bzw. aus Belgien) und Jan Mikulášek aus Tschechien sind die diesjährigen Teilnehmer desWettbewerbs.“

Die Jury des Young Directors Projects
Die prominente und fachkundige Jury besteht dieses Jahr wieder aus Dr. Helga Rabl-Stadler(Präsidentin der Salzburger Festspiele) und Thaddaeus Ropac (Galerie Ropac), die das Projekt seit Beginn begleiten. 2013 erstmalig dabei: die Schauspielerin und diesjährige „Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier, der Autor Michael Köhlmeier sowie Intendant Ulrich Khuon (Deutsches Theater Berlin).

DIE PRODUKTIONEN
YOUNG DIRECTORS PROJECT I
1927 – Suzanne Andrade – Großbritannien
THE ANIMALS AND CHILDREN TOOK TO THE STREETS
Gastspiel, koproduziert von BAC London, Malthouse TheatreMelbourne & The Showroom (University of Chichester)
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Regie und Stücktext: Suzanne Andrade
Premiere: 30. Juli 2013, 20.00 Uhr
Aufführungsort: republic

Video-Animation kulminieren in einem ungewöhnlichen, überbordenden Theaterereignis, das die Atmosphäre des Kabaretts mit der des Live-Kinos in sich vereint. Unterschiedliche theatralische Elemente, Genres und historische Perioden werden übereinanderprojiziert und ergeben ein kunst volles Mosaik. Ungeachtet ihres liebenswürdigen, sepiagetönten Retro-Charmes und der visuellen Verweise auf den russischen Konstruktivismus, liegt der Produktion eine klar umrissene zeitgenössische Haltung zugrunde. Im Jahre 1927 begeisterte der Film The Jazz Singer die Welt mit den ersten „sprechenden“ Bildern. Das Ensemble 1927 versucht Ähnliches mit seiner eigenen Version von sprechenden Bildern fürSuzanne Andrades Talent für die szenische Darstellung von Lyrik in Kombination mit Paul Barritts The Animals and Children Took to the Streets spielt in Bayou, einem Armeleuteviertel, wo sich„jeder Morgen so anfühlt, als erwachte man in einem fremden Alptraum“. An diesem Ort haben die Tiere bessere Tischmanieren als so mancher menschliche Einwohner. Agnes Eaves, eine Frau aus dem Mittelstand, versucht, die ortsansässigen Kinder mit Hilfe der alles heilenden Kraft der Kunst zu retten. Ein Volksaufstand formiert sich und zunächst sieht es so aus, als wäre alles ein einziger großer Spaß – aber man wird den Verdacht nicht los, dass die Geschichte womöglich schlechtausgehen wird.

YOUNG DIRECTORS PROJECT II
Bastian Kraft – Deutschland
JEDERMANN
Nach Hugo von Hofmannsthal, Neuinszenierung. Koproduktion mit dem Thalia Theater Hamburg. Mit englischen Übertiteln.
Premiere: 6. August 2013, 20.00 Uhr
Aufführungsort: ARGEkultur

Wenn ich jetzt, in diesem Augenblick, die Bilanz meines Lebens ziehen müsste – wie fiele sie aus? Wenn ich heute sterben würde, was bliebe unterm Strich übrig? Da wir den Tod weitgehend ausunserem Alltag verdrängt haben, stellt sich die Frage nur selten. Doch sie trifft den wunden Punkt unseres Daseins in Reichtum und grenzenloser Freiheit: Es fehlt das Bezugssystem, wonach wir unser Leben ausrichten sollen. Denn wer kann mir sagen, wofür es sich letztendlich zu leben lohnt? Für Geld und Beruf? Für Familie, Freunde, Liebe? Für das Glück im Hier und Jetzt?  Der Jedermann als literarisches Mysterienspiel antwortet mit christlicher Überzeugung: Es sind unsere Werke, die am Ende zählen. Doch welche Gültigkeit hat diese Antwort für den, der vom Glauben abgefallen ist? Heute erkennen wir Gott und Teufel klarer denn je als Theaterfiguren, dievom Mensch erfunden wurden, um sich selbst eine sinnstiftende Geschichte zu erzählen. Dass
jedoch der Tod mehr ist als eine Theaterfigur, daran kommt auch der weltlichste Zweifler nichtvorbei. Wie also füllen wir die Lücke, die das Wegbrechen der Religion in unserem Leben hinterlassen  hat? Dass der Kapitalismus ein unbefriedigender Ersatz sei, wird bereits von Hofmannsthal deutlich. Es bleibt Jedermann (und jeder Frau) heute nichts anderes übrig, als die Antwort in sich selbst zu suchen. Unsere Skepsis gegenüber allen von außen vorgegebenen Heilslehren führt zum kaum erfüllbaren Anspruch an das Selbst, aus sich heraus, ohne fremde Hilfe, den richtigen Weg zu finden. Und so ist der moderne Mensch auf die eigene Person zurückgeworfen: Er muss das Göttliche, wenn er es sucht, in sich suchen, und alle Figuren seines persönlichenMysterienspiels aus sich selbst erwachsen lassen. Ausgerüstet mit Hofmannsthals Text und weltlichem Theaterzauber tritt der Schauspieler Philipp Hochmair für diese Solo-Version des Jedermann in einen vielstimmigen Dialog mit sich selbst.

YOUNG DIRECTORS PROJECT III
Mokhallad Rasem – Irak
ROMEO UND JULIA
William Shakespeare und andere Gastspiel des Toneelhuis Antwerpen. In niederländischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere: 11. August 2013, 20.00 Uhr
Aufführungsort: republic

Mokhallad Rasem stammt aus dem Irak; sein Theater zeichnet sich durch einen ausgesprochenkörperbetonten und visuellen Stil aus. Seine Stücke sind oft in mehreren Sprachen geschriebenund wir – leben. 1982 in Bagdad geboren, arbeitete erzunächst als Regisseur am irakischen Nationaltheater, bevor er sich 2006 in Antwerpen niederließ. Für die erste Produktion, die er in seiner neuen Heimat herausbrachte, engagierte er Schauspieler, die er zufällig auf der Straße traf – die einzigen Mitarbeiter, die er finden konnte. Infolge des großen  Erfolges von Produktionen wie Monde.com und Iraqi Ghosts wurde ihm eine feste Position alsRegisseur am renommierten Theater der Stadt, dem Toneelhuis, angeboten – einem Haus, an demauch international erfolgreiche Künstler wie Guy Cassiers und Sidi Larbi Cherkaoui tätig sind. Romeo und Julia ist seine Debüt-Produktion mit dem Ensemble des Toneelhuis; mit von der Partie
sind namhafte belgische Schauspieler wie Gilda De Bal und Vic De Wachter sowie Tänzer vonP.A.R.T.S. – Performing Arts Research and Training Studios, gegründet von Rosas und De Munt/La Monnaie in Brüssel. Sie zeigt Liebespaare aus drei unterschiedlichen Generationen und wird Liebesgedichte aus der europäischen wie der arabischen Tradition mit einbeziehen. Auf die Frage, was ihn an Romeo und Julia speziell interessiert, antwortet Mokhallad Rasem: „Jede Kultur ist ein Spiegelbild seiner Welt, jedes Zeitalter hat seine Romeo-und-Julia-Geschichte. Es gibt überall Parallelen. Für mich ist das Thema deshalb von besonderem Interesse, weil es so universell ist. Jede Kultur hat ihre eigenen Unterdrückungsmechanismen in Bezug auf die Liebe.“

YOUNG DIRECTORS PROJECT IV
Jan Mikulášek – Tschechien
DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE
Hommage à Buñuel et Carrière
Gastspiel des Národní Divadlo Brno und des Divadlo Reduta. In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Premiere: 19. August 2013,20.00 Uhr
ARGEkultur

Der diskrete Charme der Bourgeoisie, Luis Buñuels mit einem Oscar ausgezeichneter Film ausden Siebzigerjahren (des vorigen Jahrhunderts) bildet den Ausgangspunkt für diese satirische Gesellschaftskomödie, die soziale Umgangsformen und zeitgenössische Sitten und Gebräuche. Eine Gruppe betuchter Individuen trifft sich, um gemeinsam ein luxuriöses Mahl einzunehmen – ein Vorhaben, das von einer Serie von banalen bis hin zu bizarren Vorfällen wiederholt durchkreuzt wird. Regisseur Jan Mikulášek, der Anleihen sowohl beim Slapstick als auch beim Surrealismus nimmt, versammelt hier eine Reihe erstaunlicher Szenen der Begierde wie der Verzweiflung, die sich durch kraftvolle Bilder sowie durch kompromissloses Ensemblespiel auszeichnen. Jan Mikulášek entstammt einer Theaterfamilie aus Zlín; er studierte an der Janácek-Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Brünn und übernahm bereits knapp zwanzigjährig die künstlerische Verantwortung für sein erstes Ensemble. In den letzten Jahren hat er zahlreiche erfolgreiche  Produktionen an den Theatern von Ostrau und Prag herausgebracht. Heimat jedoch ist das Reduta Theater in Brünn, wo er mit seinen langjährigen Mitarbeitern, dem Bühnenbildner Marek Cpin und der Dramaturgin Dora Viceníková tätig ist. Gemeinsam haben sie eine Reihe von Ensemblearbeiten geschaffen, die – unter Einbeziehung einer beeindruckendenBandbreite von sowohl fiktionalen als auch Sachtexten – die Erfahrung radikaler Veränderung inder tschechischen Gesellschaft der letzten Dekaden untersucht.

MONTBLANC
Der für dieses Jahr entworfene Siegerpen ist Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet.  Kostbar sind allein schon die Materialien: massives 750er Weißgold, komplettiert mit roten Lackintarsien in historischem Muster auf der Kappe und schwarzem Lack auf dem Behälter.
Strahlend dazu die beiden Kappenringe mit feinen Perlenschnüren und 60 funkelnden Diamantensowie der Montblanc-Stern auf dem abgeflachten Kappenkopf aus schimmerndem Perlmutt. Die platinierte 18-Kt.-Goldfeder ziert in feiner Gravur das Porträt des großen Komponisten. Montblanc präsentiert  die „W. A. Mozart Limited Edition 250“ zusammen mit einer bibliophilen Kostbarkeit aus dem Bärenreiter Verlag in Kassel: ein Faksimile seiner 1788 verfassten „Jupiter-Symphonie“, gebunden in feinstes Leder mit Golddruck.
www.salzburgerfestspiele.at

www.montblanc.com

Von Michaela Mottinger

Wien, 1. 7. 2013

Festspielsommer in Salzburg

Februar 8, 2013 in Bühne

Hamlet mit Puppen, Masken und Gesang: „Hamlet Cantabile“ beim Young Directors Project.
21.07.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/4

Junges Theater von Südafrika bis Südkorea

Im Rahmen des Young Directors Project zeigen in diesem Jahr fünf junge Regisseure bei den Salzburg Festspielen ihr Können.

Jährlich zwei Stücke zu produzieren und zwei bestehende Inszenierungen einzuladen, das war der Plan von Sven-Eric Bechtolf zum Young Directors Project. Doch der neue Schauspielchef der Festspiele konnte der Kreativkraft seiner Schützlinge nicht widerstehen und lud heuer fünf Produktionen zur internationalen Leistungsschau junger Regisseure – eine davon allerdings außer Konkurrenz, weil der Teilnehmer die vorgeschriebene Altersgrenze knapp überschreitet. Bereits zum elften Mal sponsert Montblanc den Wettbewerb mit einem Preisgeld in der Höhe von 10.000 Euro und einem für das Projekt entworfenen Füller – 2012 ist „Macbeth“ das Thema – im Wert von 15.000 Euro.

Produktionen

„Trapped“ von Princess Zinzi Mhlongo aus Südafrika hat am 31. Juli im republic Premiere. Die 28-jährige Theatermacherin lässt zehn Figuren über Unfreiheiten, die durch Ideologien und Eitelkeiten entstehen, und ihren Wunsch nach Freiheit philosophieren.

„Jakob Michael Reinhold Lenz“ von der Lienzerin Cornelia Rainer wird am 10. August im republic uraufgeführt. Die ehemalige Regieassistentin von Andrea Breth, die mit Bechtolf seinen großartigen „Richard II.“-Monolog erarbeitete, nähert sich Leben, Werk und Sterben des Sturm-und-Drang-Dichters. Ihn spielt Burgschauspieler Markus Meyer. Das Auftragswerk, stelle, so Bechtolf, eine „Querverbindung zum Opernprogramm her“: Lenz schrieb das Libretto für Zimmermanns „Die Soldaten“, das in einer Neuinszenierung von Alvis Hermanis – dem YDP-Gewinner 2003 – in der Felsenreitschule gezeigt wird.

„Éternelle Idole“ und „This Is How You Will Dis­appear“ der Französin Gisèle Vienne werden ab 18. August gezeigt. Teil eins, in der Eisarena Volksgarten, beschreibt das Los einer Eiskunstläuferin. „Es war gar nicht so einfach, die Red-Bull-Mannschaft für unsere Proben vom Eis zu kriegen“, scherzt Bechtolf dazu. Teil zwei, im republic, beschreibt er als Naturbeschwörung – „mit lebender weißer Eule!“

Außer Konkurrenz

„Hamlet Cantabile“ des südkoreanischen Regisseurs Bae Yo-Sup läuft außer Konkurrenz, ab 27. August im republic. Ein Hamlet-Exorzismus mit Puppen, Masken, Musik und Gesang, der den Satz „Der Rest ist Schweigen“ konfuzianistisch interpretiert.

In der Jury des Young Directors Project sitzen dieses Jahr neu Schauspieler August Diehl, der als Andrea Breths „Prinz Friedrich von Homburg“ im Landestheater auftritt, und Dramatiker Händl Klaus, der sein Stück „Meine Bienen. Eine Schneise“ in Salzburg zur Uraufführung bringt – und als Festspielschreiber fungiert.

Neu zum YDP gibt es auch das Magazin „Close Up“ (um 12 Euro im Handel) mit Beiträgen von Otto Schenk bis Matthias Hartmann, Nicholas Ofczarek über Alfred Dorfer bis hin zu Salzburgs berühmtem Fiaker, Herrn Siegfried.