Josef Hader in „Arthur & Claire“

Februar 13, 2018 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Einfach Sterben ist wie ein Sechser im Lotto

Josef Hader und Hannah Hoekstra. Bild: © Tivoli Film – Wolfgang Amslgruber

Mann mit Angst vor dem Sterben trifft Frau, die sich das Leben nehmen will. Das ist kurzgefasst die Grundkonstellation des Films „Arthur & Claire“, der am Freitag in die österreichischen Kinos kommt. Besagten Mann spielt Josef Hader, der gemeinsam mit Regisseur Miguel Alexandre auch das Drehbuch (nach dem Bühnenstück von Stefan Vögel) – und sich somit eine weitere maßgeschneiderte Rolle auf den Leib schrieb.

„Arthur & Claire“ ist eine leise, anrührende Tragikomödie, weniger skurril, als man Hader schon gesehen hat, aber zynisch genug und ziemlich poetisch. Mit ihm brilliert Hannah Hoekstra; die niederländische Schauspielerin war Berlinale-Shootingstar 2017. Arthur nun hat sich nach Amsterdam aufgemacht, um dort den ärztlich-kontrollierten Freitod zu begehen. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt und will in einer Klinik vor Ort seinem Leben ein Ende setzen.

Das will auch Claire aus Gründen, die sich im Laufe des Films als nicht so unwesentlich entschlüsseln werden. Sie hat im Hotel das Nebenzimmer gebucht, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht, die Medikamente bereit. Arthur kommt, um zu schimpfen und wird retten. Was folgt, ist ein Zug durch die Nacht mit der unkontrollierten Selbstmordkandidatin mit Coffeeshop-Erfahrung, Danceclub, Kondomladen und Rikschafahrt. Am Ende landen die beiden in einer abgefuckten Bar mit Piano und Highland Whiskey.

Zum Ende sagt Arthur: „Sterben ist das Letzte, was man machen kann im Leben. Das will ich gut machen.“ Es sind derlei Sätze, die dem Film die spezielle Hader-Note geben: „Wenn jemand sagt, ich kann mich entspannen, verkrampfe ich mich sofort.“ – „Ist es typisch österreichisch, dass man jammert, bevor überhaupt etwas Schlimmes passiert ist?“ Und der schönste, angesichts des Angebots „natürlicher“ Drogen in der Einrauchermetropole: „Wenn dich ein Baum erschlägt, ist es auch rein pflanzlich.“

Vom Coffeeshop geht’s … Bild: © Tivoli Film – Wolfgang Amslgruber

… auf den Dancefloor. Bild: © Tivoli Film – Wolfgang Amslgruber

Als Arthur ist Josef Hader einmal mehr in Hochform. Lakonisch und mit schwarzem Humor spielt er einen am Leben Gescheiterten (etwa in der Beziehung zu seinem Sohn, da gibt es ein Nicht-Telefonat zum Abschied, das einem vor Traurigkeit den Atem nimmt), der sich abgebrüht und zynisch gibt, um seine Einsamkeit und Verletzlichkeit zu überspielen. Mit geröteten Augen und traurig-faltigem Blick schleicht er durch die Szenerie, als ob’s für ihn, nein, weil es für ihn kein Morgen mehr gibt.

Hannah Hoekstra gibt eine impulsive, lebenssprühende Claire, die gelernt hat, Trauer und Selbstanklage tief in ihrem Inneren zu vergraben. Der Film lässt sich Zeit, zu erzählen, was passiert ist, dass die beiden so weit gekommen sind. Und so wie die Charaktere sich Schicht für Schicht vom komödiantischen Überzug befreien und sich immer tiefer in die Seelen blicken lassen, so machen es Miguel Alexandre und Kamerafrau Katharina Diessner auch mit Amsterdam.

Mehr und mehr wird der touristische, der „romantische“ Altstadtaspekt dekonstruiert, bis man schließlich im schmucklosen, „industriellen“ Neubaugebiet samt Busbahnhof landet. „Arthur & Claire“ ist ein gelungenes Kammerspiel mit exzellenten Darstellern. Und, wenn man will, mit einer unaufdringlich vorgebrachten Botschaft: Einfach zu sterben, ist wie ein Sechser im Lotto. Deshalb sollte man vorher das Leben bis zur Neige auskosten.

www.arthur-und-claire.de/

  1. 2. 2018