Das Burgtheater streamt live: Michael Maertens in „Die Maschine in mir (Version 1.0)“

Dezember 10, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Produktion von Dead Centre zu Silvester im Kasino

Bild: © Marcella Ruiz Cruz

„Für Weihnachten haben wir speziell für Familien ein Geschenk: Wir zeigen für alle ab sechs Jahren online auf unserer Website vom 24. Dezember, 14 Uhr, bis 27. Dezember, 14 Uhr, kostenlos eine Aufzeichnung unseres aktuellen Familienstücks ,Des Kaisers neue Kleider‘ nach Hans Christian Andersen“, bringt Martin Kušej eine frohe Botschaft aus dem Burgtheater, und weiter: „Die #Corona-bedingte Verschiebung der Inszenierung

,Tristesses‘ ermöglicht die kurzfristige Umsetzung eines neuen digitalen Projekts. Das Regieduo Dead Centre erarbeitet mit Michael Maertens die Inszenierung ,Die Maschine in mir‘, ein Projekt, das den Theaterraum mit dem digitalen Raum verschränken wird. Es freut mich wahnsinnig, dass Ben Kidd und Bush Moukarzel dafür nach Wien gekommen sind und wir nach ihrer ,Traumdeutung‘ und vor ihrem Wittgenstein-Abend nun damit ein drittes Projekt gemeinsam realisieren können.“

Bild: © Marcella Ruiz Cruz

Bild: © Marcella Ruiz Cruz

Bild: © Marcella Ruiz Cruz

Die Maschine in mir (Version 1.0)

Mit „Die Traumdeutung von Sigmund Freud“ durchbrach das irisch-britische Regieduo Dead Centre lustvoll die Trennung zwischen Spiel auf der Akademietheater-Bühne und Realität im Zuschauerraum, indem der Traum einer Wiener Zuschauerin zum Inhalt eines ganzen Theaterstücks wurde. Die jüngste Kreation von Dead Centre hat am 31. Dezember Premiere und geht noch einen Schritt weiter. Der Monolog mit Michael Maertens ist eine Erkundung des Transhumanismus – eine Forschung, die die Grenzen des menschlichen Körpers zu überwinden sucht. Das Theaterstück basiert auf der preisgekrönten Reportage „Unsterblich sein“ des irischen Journalisten Mark O’Connell, der einen aufrüttelnden Bericht über die Sehnsucht des Menschen nach ewigem Leben vorlegt.

Er schlägt den Bogen vom Gilgamesch-Epos bis an die Orte unserer Gegenwart, an denen die Utopie der Unsterblichkeit bereits physische Realität ist, Menschen zu Cyborgs werden und Köpfe in der Wüste Arizonas darauf warten, zum Leben erweckt zu werden. Michael Maertens überwindet die Grenzen zwischen seinem Körper und denen des Publikums in dieser Silvesterpremiere ebenfalls mit technischer Hilfe: Das Publikum sitzt via iPads live auf der Zuschauertribüne des Kasinos und kann seine Drinks von zu Hause aus schon während der Vorstellung genießen. Unser Leben als Maschine? Prosit!

Dead Centre. Bild: Lukas Beck

Premiere am 31. Dezember, 18 Uhr im Kasino, Übertragung via Live-Stream. Karten sind erhältlich ab 16. Dezember, 10 Uhr, online unter www.burgtheater.at Die Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten einen Link per E-Mail mit ihrer Buchungsbestätigung. Der Buchungs- vorgang wird abgeschlossen, indem man auf den Link klickt und ein Video seines Gesichts aufnimmt. Dieses Video wird in der Vorstellung verwendet. Die Aufnahme ist sehr einfach und dauert etwa 30 Sekunden – benötigt werden lediglich ein Computer oder ein Telefon mit einer Kamera. Am Tag der Aufführung erhalten die Zuschauerinnen und Zuschauer einen weiteren Link, über den sie sich die Vorstellung ansehen können. Vorstellungen bis 16. Jänner.

www.burgtheater.at

10. 12. 2020

ARTE: Lucarne Spätvorstellung / Online-Kinofestival

Dezember 4, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Punks, blinde Passagierinnen und ein Broken Land

Eine deutsche Jugend. © ARTE

Der ARTE-Sendeplatz „Lucarne – Die Spätvorstellung“ bietet montags gegen Mitternacht Filme „outside the box“: Originelle, oft widerspenstige Werke, die neue Wege gehen; ausgefallene, kreative Dokumentarfilme mit ganz eigenen filmischen Handschriften. Alle denkbaren, dokumentarischen Ausdrucksformen sind hier erlaubt, auch experimentelle

oder fiktionalisierte Umsetzungen. Die „Lucarne“ ist einer der letzten Orte großer künstlerischer Freiheit. Ab dem 7. Dezember präsentiert ARTE nun drei lange Nächte mit einer besonderen Auswahl an Filmen zur Thematik „No Limits“, im Sinne von „No rules“, oder wie man seine eigenen Regeln aufstellt. Wenn die Gesellschaft zu viele Zwänge auferlegt, brechen Individuen aus. In ihren Träumen und Vorstellungen, in regelbrechenden Aktionen, bis hin zum Widerstand.

Drei Erstausstrahlungen sind die Highlights dieser Nächte: In „Headshot – Russisch Roulette“ am 7. Dezember von Lola Quivoron und Antonia Buresi befreit sich eine desillusionierte Jugend von ihrem Frust durch improvisiertes Theater und Tanz. Die schwererziehbaren „Punks“, 14. Dezember; Regie: Maasja Ooms, sind noch einmal dem Gefängnis entkommen, und in einer speziellen Wohngruppe versucht man sie auf den richtigen Weg zu bringen. Die drei jungen Frauen aus „This Train I Ride“, 21. Dezember, von Arno Bitschy reisen als blinde Passagierinnen durch die USA. Sechs Lucarne-Klassiker, darunter „Eine deutsche Jugend“ von Jean-Gabriel Périot und „Der Kapitalismus des Traums“ von Sophie Bruneau, beide am 15. Dezember, sind ebenfalls Teil des Programms.

This Train I Ride. © ARTE

Headshot – Russisch Roulette. © ARTE

Tipp 1: Mauern gegen Migration: Dieses Konzept findet nicht nur in Europa Anwendung, sondern auch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Mitten durch die karge Wüste führt der Grenzzaun, der die beiden Staaten trennt. Hier lebt eine kleine US-Community im Schatten des Zauns, der den sogenannten illegalen Einwanderern den Zutritt zu ihrem Land verwehren soll. „Broken Land“ von Stéphanie Barbey und  Luc Peter ist eine Doku über Paranoia, Angst und Eingesperrtsein. Als visuelle und politische Metapher zeigt er, wie sich Migration auf die Entwicklung der Demokratien der westlichen Welt auswirkt. Zu sehen am 8. Dezember.

Tipp 2: Der Dschungel von Calais – die provisorische Zeltstadt in der Nähe dieser französischen Stadt ist der Drehort der beiden Filmemacher Nicolas Klotz und Elisabeth Perceval. Ihr Film „Wohin, Flüchtling?“ zeigt die Räumung des Flüchtlingslagers an der französisch-englischen Grenze und erzählt insbesondere die Lebensgeschichten und Leidenswege der jungen Bewohner des Dschungels. Ohne jeglichen Kommentar dokumentieren die Aufnahmen das notdürftige Dasein der Geflüchteten auf der ehemaligen Mülldeponie nahe Calais zwischen Ärmelkanal, Autobahn und menschenleeren Stränden. Zu sehen am 22. Dezember.

Alle Filme stehen nach der TV-Ausstrahlung mindestens sechs Monate in der ARTE Mediathek zur Verfügung. Eine Reihe weiterer Filme sind darüber hinaus exklusiv online abrufbar. Mehr unter: arte.tv/lucarne.

Wohin, Flüchtling? © ARTE

Broken Land. © ARTE

ARTEKino Festival online

Bereit zum Streamen ist das europäisches Online-Filmfestival: artekinofestival.com. In seiner fünften Ausgabe präsentiert das „ARTEKino Festival“ erneut eine Auswahl von zehn europäischen Filmen junger Regisseurinnen und Regisseuren, die in zehn Sprachen in 45 europäischen Ländern kostenfrei online abgerufen werden können. Die Langfilme erzählen von zehn Ländern, zehn Kulturen in  zehn Sprachen und sind Ausdruck der Vielfalt eines vereinten und gleichzeitig facettenreichen Europas. Fiktionale und auch dokumentarische Filme von mehrheitlich Regisseurinnen, stehen für den Dialog und die Begegnung und den grenzüberschreitenden Perspektivwechsel.

Zu sehen sind: „Cat In The Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich; „Full Contact“ von David Verbeek Kroatien, Niederlande; „Ivana The Terrible“ von Ivana Mladenovic Serbien, Rumänien, „Lessons Of Love“ von Chiara Campara, Italien; „Love Me Tender“ von Klaudia Reynicke, Schweiz, „Motherland“ von Tomas Vengris Litauen, Lettland, Deutschland, Griechenland; „Negative Numbers“ von Uta Beria Georgien, Frankreich, Italien; „Sébastien Tellier: Many Lifes“ von François Valenza,Frankreich, „Son Of Sofia“ von Elina Psykou Griechenland, Frankreich, Bulgarien und „Zentralflughafen THF“ von Karim Aïnouz Deutschland, Frankreich, Brasilien.

arte.tv/lucarne           artekinofestival.com

4. 12. 2020

Die Angewandte online: Der Angriff auf die Gegenwart

November 25, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Videoclips als virtueller Rundgang durch die Ausstellung

Kathrin Plavčak: Wenn das Pferd tot ist, steig ab. © Markus Gradwohl, VG Bild-Kunst

Wegen der aktuellen #Corona-Regelungen für Ausstellungen konnte die Schau „Der Angriff auf die Gegenwart – Aussichten im Postwachstum“ der Universität für angewandte Kunst Wien im Rahmen der Vienna Art Week nicht wie geplant eröffnen. Wann die Ausstellung physisch zu erkunden sein wird, kann nicht ernsthaft prognostiziert werden. Deshalb bietet Anna Vasof nun durch Videos Einblicke in die Schau in der Universitätsgalerie. Die Künstlerin und Lehrende an der

Angewandten führt filmisch von Position zu Position. Die Videoclips lassen die Betrachterinnen und Betrachter selbst entscheiden, wie lange sie die virtuelle Führung begleiten oder sich bei Einzelpositionen wiederholt vertiefen wollen. Hier geht es zur YouTube-Playlist  auf dem Angewandte-YouTube-Kanal, die laufend aktualisiert wird. Die immer neu entfachte Lust auf nie zufriedenstellenden Konsum, der nach wie vor routinierte Zugriff auf längst begrenzte Ressourcen in einem nahezu selbstverständlichen Ausverkauf, ungeschützte Arbeit ohne Aussicht auf Sicherheit und Entwicklung, ein aus der Zeit gefallener Automobilismus, gesellschaftlicher Zusammenhalt, der an den Exponentialkurven einer Pandemie bemessen wird, die Suspension von Öffentlichkeit …

Die Liste wäre weiter fortzusetzen, um doch nur Fragmente einer Realität festzuhalten, die nicht inne hält und dabei nie über das Jetzt und den immer entscheidenden Moment hinauskommt. Die vorstellbaren Zukunftsbilder einer solchen Gegenwart scheinen nur mehr denkbar als brutale, als unerträgliche Dystopien, ökologische Katastrophe, Klimakollaps, Massensterben, oder als gleichermaßen verheißungsvolle wie unerreichbare Utopien, wie einer fairen und gerechten Gesellschaft für 10 Milliarden Erdenbürgerinnen und -bürgern 2050, der eine dekarbonisierte, nachhaltige Wirtschaft im Einklang mit der Natur dient.

Give us, Dear. © Böhler & Orendt und Museum Schloss Moyland, 2013

I Want To Hear About Your Problems. © Krištof Kintera

Diatmomeen Bacillariophyta, 2019. © Markus Jeschaunig

Die Bedingungen, unter denen diese Ausstellung zustande kommt, ergeben sich nicht zuletzt aus einem globalen Notstand. Diese Ausstellung befragt daher Künstlerinnen und Künstler nach ihren Bildern einer Gegenwart, die von Endzeitvorstellungen und Krisen geprägt ist und doch zugleich nach Konzeptionen und nach Kraft sucht. Es braucht widerständige Erfassungen einer Gegenwart wie Aussichten auf eine Zukunft, um Spielräume zu erkämpfen. Je eindringlicher die Bestandsaufnahmen desto schärfer lassen sich auch die Anliegen formulieren und übertragen und zugleich die Erkenntnis festhalten, dass solche Ziele die vieler sind. In diesem Sinn ist Kunst immer politisch zu verstehen.

Die künstlerischen Arbeiten formulieren Aussichten eine empathischen Zukunft angesichts einer Welt, in der es dringlicher denn je andere Zugänge braucht, um nötige Expertise und zugängliches Allgemeinwissen, reale Zwänge und visionäre Freiheiten, verantwortungsvolles Engagement und verstörende Angstbilder zu einer kraftvollen Vielfalt zusammenzubringen: „Die Avantgarde ergibt sich nicht“, hatte der Künstler und kritische Denker Asger Jorn 1962 klargemacht. Diesem kämpferischen Anspruch möchte sich die Ausstellung stellen, geht es doch wesentlich darum, nicht auf Zukunft zu verzichten.

Give us, Dear. © Böhler & Orendt und Museum Schloss Moyland, 2013

Mit Arbeiten von Allora & Calzadilla, Böhler & Orendt, Sophie Bösker, Nikolaus Gansterer, Oto Hudec, Markus Jeschaunig, Maria Kanzler, Krištof Kintera, Justin Lieberman, Christian Kosmas Mayer, Nicole Six und Paul Petritsch, Katrin Plavčak, Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Michael Strasser, Herwig Turk uns Anna Vasof.

Zu den Videoclips: shorturl.at/jpzQW           www.dieangewandte.at           www.youtube.com/user/DieAngewandteWien

25. 11. 2020

Buch- und Hörbuch – Michael Mittermeier: Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken

November 22, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Tausche Witze gegen Antikörper

„Once Upon A Time In Corona. Ich sitze im Zug nach Leipzig und schaue aus dem Fenster. Am Tisch gegenüber sitzt ein Mann mit Maske, der seit zehn Minuten telefoniert. Business-Kaspar mit Schalldämpfer. Endlich hört er auf. Stille. Er verzieht sein Gesicht, holt Luft – Mnhm! -, es sieht aus, als müsste er gleich niesen. Sein Kopf bebt, der ganze Oberkörper, plötzlich reißt er sich die Maske vom Gesicht – Hatschi! Aus den Nasenflügeln pfeift noch ein leises ,Aerosole Mio‘, ich schaue ihn sehr ernst an, und er sagt nur: ,Wenn ich die Maske nicht abgenommen hätte, dann wär‘ jetzt alles da drin.‘ Äh? Ja, das ist der Clou dabei. Er zuckt nur mit den Schultern: ,Ich glaube, ich hatte es schon.‘“

Obwohl die ab 26. November in Österreich geplante Auftrittsserie seiner Programme „#13“ und „Zwischenwelten“ #Covid19-bedingt abgesagt werden musste, brauchen die Fans auf ihren Michl nicht zu verzichten, hat Michael Mittermeier doch dieser Tage seine jüngste Satire „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“ sowohl als Buch wie auch als Hörbuch veröffentlicht. Zweiteres ein spezielles Gustostückerl, da von ihm selbst gelesen. Der Stadionrocker unter den Kabarettisten ist kein Typ fürs Stillsitzen, nach 34 Jahren als Stand-up-Comedian – unmöglich.

Und so ist er nach Lockdown eins in Autokinos aufgetreten, heißt: ist dort vor Spiellust in Improvisationen explodiert. Er hätte einfach darüber „gelabert, was war“, sagt er im Interview, und das schließlich zwischen zwei Buchdeckel beziehungsweise auf CD gepresst: „Es geht also um mein Leben während dieser ganzen Lockdown-Ausgangsbeschränkungs-Pandemiezeit, was ist alles passiert, welche Gedanken hatte man, was hat man im Fernsehen geschaut. Ich konzentriere mich aber auf die lustigen, schrägen Seiten. Tausche Witze gegen Antikörper!“ Auftrittsverbot? Ein Albtraum für Komiker – die Pointen müssen raus! Und so führt Michael Mittermeier das Publikum mit Schlagfertigkeit und der ihm eigenen Unverfrorenheit durch den seltsamen neuen Alltag.

Er erzählt wahre und saulustige Geschichten aus den Zeiten der familiären Corona-Dreisamkeit: Vom Homeschooling-Alarm und warum seine vorpubertierende Tochter nicht mehr will, dass er bei den Mathehausaufgaben hilft, vom Sparkassenbesuch mit Maske und weshalb es kein gutes Zeichen ist, wenn der Postbote nicht mehr klingelt. Mittermeier macht sich lustig über die „Corona-Macarena“, den Ellbogengruß, den er nur aus Filmen mit Bruce Willis kennt, und der dort „zur abrupten Beendigung eines Gesprächs dient, inklusive Auswechslung der oberen Zahnreihe“. Stets, kritisiert er, haben wir uns über die Ellbogengesellschaft mokiert – und jetzt stellen wir sie pantomimisch dar?

Die Krise stellt ebendiese vor neue Fragen – und Mittermeier beantwortet sie mit Maske, aber ohne Blatt vorm Mund: Ist es für Prominente vorteilhaft, mit Maske einkaufen zu gehen? Soll man kurz nach Mittag schon den Feierabend-Wein trinken? Es geht um Gangster-Virologen und Superhelden – „Wo sind die eigentlich, ha? Die haben uns alle am Arsch g’lassen!“, und um Michls hypochondrische Anwandlungen nach einem Südtiroler Schiurlaub – in den „Gondeln des Todes, in denen der Aerosol-Sepp alle angegriffen hat“, danach das „greislige“ Stäbchen in der Nase und die Erkenntnis: „Vielleicht hätt‘ ich doch mehr koksen sollen, dann würde ich jetzt nix spüren.“ Dabei ist die Ansteckungsgefahr bei nichts so hoch wie beim Lachen.

„Ohne Corona-Humor, ohne von Draußen-Draufschauen und Spaß-Machen über den ganzen Scheiß geht man drauf“, sagt Mittermeier, nennt als seine Lieblingsmenschen die singenden Italiener auf ihren Balkonen, und zitiert Werner Finck: Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust am Leben. „Leute zum Lachen zu bringen, ist nach Corona-Regeln mein triftiger Grund, das Haus zu verlassen“, erklärt er. Mit Buch und Hörbuch kann man nun getrost daheim bleiben. Denn beide liefern genügend humoristische Antikörper, um sogar noch den nächsten Lockdown locker zu überstehen.

Bild: © Olaf Heine

Über den Autor: Geboren 1966, hat mit seinen Soloprogrammen „Zapped“, „Back to Life“, „Paranoid“, „Safari“, „Achtung, Baby!“, „Blackout“, „Wild“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17273) und „Lucky Punch“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28588) Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz begeistert. Seit vielen Jahren spielt er seine englischsprachigen Programme erfolgreich in Großbritannien, Südafrika, Kanada, Russland, den USA und vielen anderen Ländern. Für seine Arbeit wurde er mit unzähligen Preisen ausgezeichnet – sechs Mal erhielt er allein den Deutschen Comedypreis. Sein Buch „Achtung, Baby!“ stand monatelang auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, Michael Mittermeier: „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“, Satireband, 128 Seiten. www.kiwi-verlag.de

Argon Hörbuch Verlag, Michael Mittermeier: „Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken“, Autorenlesung, MP3-CD, 163 Minuten. www.argon-verlag.de

www.mittermeier.de           Interview: https://www.youtube.com/watch?v=BbE3cKnvOqU          Autorenlesung: https://www.youtube.com/watch?v=LyAJbPmFhus

Neue Live-Termine: agentur.hoanzl.at/veranstaltungen/michael-mittermeier/michael-mittermeier

  1. 11. 2020

Albertina digital: Live-Führung durch die Ausstellung „My Generation. Die Sammlung Jablonka“

November 21, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Frankenstein aus Stofftieren und ein Buddha-Pissoir

Eric Fischl: The Krefeld Project: The Bedroom. Scene 1, 2002. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Eric Fischl / Bildrecht, Wien, 2020

Ab heute und vorerst bis 6. September lädt die Albertina an den Wochenenden zur einstündigen, interaktiven Live-Führung durch die Ausstellung „My Generation. Die Sammlung Jablonka“. Die Teilnahme via Zoom ist gratis, eine Anmeldung unter www.albertina.at/besuch/programm/online-fuehrungen erforderlich. Die Albertina-Kunstvermittler präsentieren die Highlights dieser Schau, erläutern Hintergründe und antworten auf die Fragen des Publikums. Der Zoom-Link wird nach erfolgreicher Anmeldung per Mail zugeschickt.

Individuell entdecken lässt sich die Ausstellung auf zwei Ebenen beim Virtuellen Rundgang über die Website. Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung.

Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, etwa 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben. Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können.

Andreas Slominski: Ohne Titel (Fahrrad). Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Andreas Slominski

Sherrie Levine: Fountain (Buddha), 1996. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Sherrie Levine

Mike Kelley: Frankenstein, 1989, Detail. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Mike Kelley / Bildrecht, Wien, 2020

Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch „Buddha“ genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer „Fontaine“/Pissoir ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke … weiterlesen auf www.mottingers-meinung.at/?p=41671

www.albertina.at

21. 11. 2020