Queerfilmfestival/Slash. Festival des fantastischen Films

August 28, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER-MEHMOOD

Männer, Musical und unheimliche Mütter

Rex Gildo – Der letzte Tanz. Plakat: © missingFILMs Verleih

Vom 8. bis 14. September findet mittlerweile zum dritten Mal das Queerfilmfestival im Votiv Kino und Kino de France statt. In Kooperation mit der Buchhandlung Löwenherz und der Edition Salzgeber werden wieder die besten queeren Filme des Jahres gezeigt. Zur Eröffnung des Festivals hat „Peter von Kant“ von François Ozon, der Eröffnungsfilm der Berlinale 2022, seine Österreich-Premiere. Das ist aber nicht das einzige Festival-Highlight:

Mit dabei ist auch „Rex Gildo – Der letzte Tanz“, der erstmalig in einem österreichischen Kino zu sehen sein wird (Filmstart: 29. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=O0KVsyZC-6Y ), außerdem zahlreiche internationale Produktionen wie der israelische „Der Schwimmer“, zu sehen am 10. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=8u7bLo2IPQI, oder der finnische „Girls Girls Girls“ am 12. 9.

Einen Blick in die queere Filmgeschichte wird mit Ozons Klassiker „Tropfen auf heiße Steine“ geworfen, zu sehen am 9. 9. auf 35mm, und mit Fred Halsteds „L.A. Plays Itself“ aus dem Jahr 1972, zu sehen am 10.9.

Mit Spannung erwartet werden darf auch „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“, ein Film von Mohammad Shawky Hassan: Auf Basis seines eigenen Liebestagesbuchs erschafft Hassan eine metareflexive queere Variante von „Tausendundeine Nacht“: Ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt. Sein Film, betitelt nach Shakespeares 18. Sonett, entwirft nicht weniger als einen überzeitlichen Safe Space, in dem persönliche und kollektive Erinnerungen mit unseren gegenwärtigen Hoffnungen und Träumen zusammenklingen. Trailer: www.youtube.com/watch?v=DsmveLmRq4E

Der Schwimmer. Bild: © Ingenue Productions

L.A. Plays Itself – The Fred Halsted Coll. Bild: © Eight of Clubs

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen? Bild: © Tarea Fina

The Schoolmaster Games. Bild: © Northern Fable

Auch zahlreiche Gäste haben sich angekündigt, darunter die Regisseurin Eva Beling („Vorurteil und Stolz“ 8. 9.), Regisseurin Ylva Forner („The Schoolmaster Games“ 9. 9., Trailer: www.youtube.com/watch?v=ioqU06V1jF4), Regisseur Adam Kalderon („Der Schwimmer“ 10. 9.) und Schauspieler Kilian Albrecht („Rex Gildo“13. 9.). Das ganze Programm des Queerfestivals hier: QFF-Programm

.

Slash – Festival des fantastischen Films

Das Slash findet 2022 von 22. September bis 2. Oktober statt. Eröffnen wird das Slash heuer Andrew Semans‘ „Resurrection“, ein dunkler Psychothriller, in dem eine junge, erfolgreiche Frau, gespielt von Rebecca Hall, vom Schrecken der Vergangenheit eingeholt wird. Die Eröffnungsnacht wird wie immer im Gartenbaukino und natürlich begleitet von Live-DJ-Musik und viel guter Laune stattfinden.

Von Sundance nach Cannes bringt das Publikum Ruben Östlunds „Triangle Of Sadness“, der bereits zweite Palme d’Or-Gewinnerfilm des schwedischen Regisseurs: Darin bringt ein Schiffsunglück etablierte Hierarchien gehörig ins Wanken. Ebenfalls in Cannes – in der Kategorie Un Certain Regard – gezeigt wurde die norwegisch-schwedische Produktion „Sick Of Myself“ von Kristoffer Borgli, in der der Narzissmus zweier Freunde ein zutiefst verstörendes Level erreicht.

Wie jedes Jahr wird auch heimischen Genrefilmen eine Bühne geboten: In Paul Ertls „Der Riss“ mit Berta Kammer, Philipp Hochmair, Markus Schleinzer und Eva Maria Marold nimmt das Unheimliche Einzug ins traute Eigenheim: Frau Pospisil lebt allein in einer Wiener Altbauwohnung. Die zunehmende Vergesslichkeit der älteren Dame nimmt ihr Sohn zum Anlass, ihr den Umzug in ein Pflegeheim nahezulegen. Doch dann tut sich plötzlich ein Riss in einer Wand ihrer Wohnung auf, durch den etwas in Frau Pospisils Welt dringt, das ihr Leben für immer verändern wird. Paul Ertls hocheffizienter und bildschöner Film ist eine psychologisch unterfütterte Gruselminiatur in Mittellänge, die sich in eine so lässige wie originelle wie sanft verstörende Utopie wandelt und letztlich auch wuchtiges Plädoyer für die Autonomie älterer Menschen ist.

Alice Marie Wolfszahns „Mater Superior“ mit Isabella Händler, Inge Maux, Jochen Nickel und Tim Werths beleuchtet in schaurigen Bildern die Nähe von Faschismus und Esoterik. 1975: Sigrun tritt in der Villa Rosenkreuz, einem ausladenden Anwesen, ihre Stelle als Betreuerin der exzentrischen Baroness Heidenreich an. Während die junge Frau dort auf Spuren ihrer Herkunft stößt, ist die kinderlose Adelige auf der Suche nach einer Nachfahrin bereit, dafür bis zum Äußersten zu gehen. Regisseurin Wolfszahn gelingt mit ihrem ersten Spielfilm eine in der Gothic-Tradition verwurzelte Schauerminiatur: Schwebeteilchen der Vergangenheit gleiten durchs museale Gemäuer, in dem sich Faschismus und Esoterik verzahnen, auf dass die unheiligsten Gespenster angerufen werden können. Slash übernimmt die Weltpremieren der beiden österreichischen Produktionen.

Der Riss. Bild: © Paul Ertl

Mater Superior. Bild: © 2022 Crocodilopolis. All rights reserved.

Pussycake. Bild: © Donaufilm

Saloum. Bild: © Lacmé Studios/Rumble Fish Productions

In einem Sonderscreening werden die ersten beiden Episoden der neuen Staffel von Lars von Triers Kult-Krankenhausserie „The Kingdom Exodus“ aus den Neunzigern gezeigt. Ein Wiedersehen mit Stig Helmer, Frau Drusse und Co gibt es zwar nicht, der Fluch, der auf der Kopenhagener Klinik lastet, sorgt aber einmal mehr für mächtig bizarre Szenen.

Neben den vielen prestigeträchtigen Festivalhits dürfen natürlich auch einige wildere Beiträge im Programm nicht fehlen: Der belgische Regisseur Karim Ouelhaj lässt in seiner kontroversen Blutorgie „Megalomaniac“ ein besonders brutales Geschwisterpaar sein Unwesen treiben. In „Deadstream“ schicken die beiden Regisseure Vanessa Winter und Joseph Winter ihren Protagonisten, gespielt von Joseph Winter selbst, auf eine ungustiöse Haunted-House-Tour. Und im argentinischen Splatterfest „Pussycake“ muss sich eine Girl-Rockband gegen Gift spuckende Zombies verteidigen. Kurzerhand greifen die Mädchen zu allem, was sich als Waffe eignen könnte und nehmen den Kampf auf … Trailer: www.youtube.com/watch?v=LNu_YO_tHa0

www.mottingers-meinung.at – Filmtipp:

„Saloum“ ist ein Krimi-Horror-Fantasy-Southern von Jean Luc Herbulot aus dem Senegal und der Demokratischen Republik Kongo. Teilweise wird Wolof gesprochen. Inhalt: Während sich im Jahr 2003 vor ihren Augen in Guinea-Bissau ein Staatsstreich ereignet, wollen Chaka, Rafa und Minuit, ein Trio, das als Banguis Hyänen bekannt ist, den Drogenboss Felix ausfindig machen. Als bei der Flucht ihr mit einer Menge Gold beladenes Flugzeug eine Kugel abbekommt und der Treibstofftank ausläuft, müssen sie am Sine-Saloum-Delta notlanden. Ein „freundlicher“ Mann namens Omar bietet ihnen in seinem Ferienrefugium Zuflucht …

„Saloum“ mixt Italo-Western und Full-Tilt-Monsterfilm zu einer spannenden, eindeutig afrikanischen Geschichte. Es gibt im afrikanischen Kino nicht viel Vergleichbares. Am beeindruckendsten ist Herbulots Fähigkeit, die Geschichte stetig voranzutreiben, während er den Ton vom Action-Thriller zum stimmungsvollen Krimi über gruseligen Folk-Horror und wieder zurück wechselt. Hauptdarsteller Yann Gael strotzt in der Rolle des Anführers Chaka nur so vor Charisma und Pathos; die Chemie mit seinen Partnern Rafa und Minuit lässt eine Fortsetzung wünschen. Originell und bloody cool! Trailer: www.youtube.com/watch?v=JmnrrPqsOgw

www.votivkino.at/festival/queerfilmfestival          slashfilmfestival.com

  1. 8. 2022

Wienbibliothek im Rathaus: Die Hochzeit von Auschwitz

Juni 28, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Nachlass des Widerstandskämpfers Rudolf Friemel

Hochzeitsfoto Margarita Ferrer Rey und Rudolf Friemel, 18. März 1944 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Obwohl der Wiener Rudolf Friemel (1907–1944) zu den österreichischen Auschwitz-Häftlingen zählte und seine Biografie ein wichtiges Zeugnis des politischen Engagements gegen den Faschismus ist, war seine Geschichte lange nur wenigen bekannt. Erst 2002 wurde seiner Person durch Erich Hackls Buch „Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit“ eine größere öffentliche Wahrnehmung zuteil. Vor Kurzem wurde der Nachlass Friemels an die Wienbibliothek im Rathaus übergeben.

Eine Ausstellung erinnert nun ab 1. Juli mit den wichtigsten Briefen, Fotografien und Lebensdokumenten an den kommunistischen Widerstandskämpfer.

Im Zuge der Neugestaltung der österreichischen Ausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau stieß das Ausstellungsteam über die Vermittlung Erich Hackls auf Rudolf Friemels in Frankreich lebenden Enkel Rodolphe Friemel, der den Nachlass seines Großvaters verwahrte. Er überantwortete ihn der Wienbibliothek im Rathaus, die nun in einer von Albert Lichtblau, Hannes Sulzenbacher und Barbara Staudinger kuratierten Ausstellung die wichtigsten Briefe, Fotografien, Zeitungsartikel, Kassiber und Lebensdokumente zeigt. In der Broschüre zur Ausstellung zieht Hackl, der für sein Buch zehn Jahre mit der Lebensgeschichte Rudolf Friemels befasst war, Bilanz: „,Die Hochzeit von Auschwitz‘ hat mich in meiner Auffassung bestärkt, dass die größte, jedenfalls nachprüfbare Wirkung von Literatur (einer auf Fakten gestützten, also politisch eingreifenden) auf diejenigen abzielt, von denen sie handelt.“

Antifaschistischer Widerstand in Österreich und Spanien

Friemel wurde 1926 Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei sowie des Republikanischen Schutzbunds. Wegen seiner Teilnahme an den Kämpfen gegen das austrofaschistische Regime wurde er Ende 1934 verhaftet. Nach der Inhaftierung trat er 1936 der in Österreich verbotenen Kommunistischen Partei bei und nahm als Brigadist 1937 am Spanischen Bürgerkrieg teil. In dieser Zeit verliebte er sich in Margarita Ferrer Rey († 1987). Friemel war damals noch mit einer Wienerin verheiratet und hatte einen Sohn, Norbert. In Spanien ließ er sich mit Margarita Ferrer Rey kirchlich trauen.

Nach der Niederlage des antifaschistischen Kampfes in Spanien flohen Friemel und Ferrer Rey 1939 aus Spanien nach Frankreich, wo Friemel interniert wurde. Er leistete als Bergarbeiter Arbeitsdienst in einer Mine in Carmaux. 1941 wurde ihr gemeinsamer Sohn Edouard geboren. Auf Empfehlung der Kommunistischen Partei an ihre Mitglieder stellte Friemel im Sommer 1941 einen Antrag zur Rückstellung ins „Deutsche Reich“. Dies stellte sich als schwerer Fehler heraus, da die französischen Behörden bereits an der Grenze Rudolf Friemel, Margarita Ferrer Rey und Edouard der Gestapo übergaben. Friemel wurde in Wien erkennungsdienstlich erfasst und im Jänner 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz überstellt. Margarita und ihr Sohn wurden in ein Heim für ledige Mütter nach Kirchheim unter Teck verbracht.

Hochzeit und Hinrichtung in Auschwitz

Im KZ Auschwitz-Stammlager arbeitete Rudolf Friemel als sogenannter „Funktionshäftling“, als Mechaniker in der Fahrbereitschaft der SS. Als politischer Häftling war es ihm erlaubt, regelmäßig – zensurierte – Briefe nach Hause zu schicken, die ein Teil der Ausstellung sind. Friemel schloss sich der österreichischen Widerstandsgruppe an, die eine wichtige Rolle in der international zusammengesetzten „Kampfgruppe Auschwitz“ einnahm, und der auch andere Österreicher wie Heinrich Dürmayer, Alfred Klahr, Hermann Langbein, Ludwig Soswinski, Ernst Burger und Ludwig „Vickerl“ Vesely angehörten. Wegen seiner französischen Sprachkenntnisse war Friemel wichtig für die Kontakte zur französischen Widerstandsgruppe. Friemels erste Ehe wurde 1941 rechtskräftig geschieden.

Glückwunschbillett von Mithäftlingen, 18. März 1944 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Glückwunschbillett von Mithäftlingen, 18. März 1944 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Glückwunschbillett von Mithäftlingen, 18. März 1944 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Bereits kurz nach seiner Inhaftierung verfolgte er den Plan, seine Ehe mit Margarita Ferrer Rey legalisieren zu lassen, um ihr und seinem Sohn einen rechtmäßigen Aufenthalt im „Deutschen Reich“ zu verschaffen. Seine Bemühungen hatten Erfolg: Aus nicht nachvollziehbaren Gründen durften Friemel und Ferrer Rey am 18. März 1944 im sonst ausschließlich für das Ausstellen von Totenscheinen zuständigen Standesamt des KZ Auschwitz-Birkenau heiraten. Es war die einzige im KZ Auschwitz geschlossene Ehe, einem Ort, an dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden.

Neben der Braut und dem gemeinsamen Sohn Edouard durften auch der Vater und der Bruder des Bräutigams zur Zeremonie nach Auschwitz kommen. Für die Hochzeit durfte sich Rudolf Friemel die Haare wachsen lassen und Zivilkleidung tragen. Davon zeugen die Hochzeitsfotos, die der Lagerfotograf Wilhelm Brasse anfertigte und die ebenso in der Ausstellung zu sehen sind wie Glückwunschbilletts und ein Hochzeitsgedicht von Mitgefangenen. Für die Hochzeitsnacht wurde dem Brautpaar ein Zimmer im ersten Stock des Blocks 24a, dem Lagerbordell, zur Verfügung gestellt.

Im Oktober 1944, wenige Monate vor der Befreiung von Auschwitz half Friemel bei den Vorbereitungen für einen vom Lagerwiderstand organisierten Fluchtversuch einiger Häftlinge. Der Fluchtversuch scheiterte und Friemel wurden wegen „Fluchtbegünstigung“ gemeinsam mit den österreichischen Widerstandskämpfern Ernst Burger und Ludwig Vesely sowie den polnischen Widerstandskämpfern Piotr Piąty und Bernard Świerczyna am 30. Dezember 1944, nur knapp ein Monat vor der Befreiung, in Anwesenheit der zu diesem Zeitpunkt noch

verbliebenen Häftlinge gehängt. Im Gegensatz zu den anderen Delinquenten, die Häftlingskleidung trugen, schritt Friemel in seinem mit Rosen bestickten Hochzeitshemd zum Galgen. Mithäftlinge erinnerten sich später an unterschiedliche Parolen, die die Verurteilten unmittelbar vor der Hinrichtung gerufen haben. In einem Interview mit Franz Danimann, der wegen seiner kommunistischen Widerstandstätigkeit von 1942 bis zur Befreiung im Stammlager inhaftiert war, heißt es: „Und noch unter dem Galgen haben sie ihre gefesselten Hände gehoben. Ernst Burger: ‚Es lebe ein freies Österreich!‘ Rudi Friemel: ‚Nieder mit der braunen Mordpest!‘ Und Vickerl Vesely: ‚Heute wir, morgen ihr!‘ Und die Polen in ihrer Sprache: ‚Niech żyje wolność, niech żyje Polska.‘ Es lebe die Freiheit, es lebe Polen!“

Telegramm des Standesamts Auschwitz, 6. März 1944 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Brief von Rudolf Friemel an Margarita Ferrer Rey, 17. Oktober 1943 © Wienbibliothek im Rathaus, Nachlass Rudolf Friemel

Ein Abschiedsgedicht von Rudolf Friemel an seinen Sohn Edouard ist in einer Abschrift von Margarita Ferrer Rey erhalten. In diesem appelliert er an den Sohn: „Folge dem Weg / deines Vaters / Mit jeder Faser deines Willens. / Fest und kompromisslos. / Kämpfe, wie dein Vater gekämpft hat. / Für unsere Idee / und den Fortschritt der Menschheit. / Dieser Weg ist hart: / Aber das Ziel lohnt den Einsatz / Des Menschen, der du sein musst.“ (Übersetzung aus dem Spanischen von Schriftsteller Erich Hackl)

Im Nachlass findet sich eine Abschrift von Rudolf Friemels letztem Brief, der abrupt endet: „Ich habe meine Aufgabe vollständig beendet, ich sterbe standhaft für meine heilige Sache. Die wird siegen, weil sie die Idee der Menschheit ist und deren Fortschritt. Nur ist es schwer sehen schon die Menschheit gerettet von Leiden so nah und doch nicht können uns erreichen und teilnehmen an den Neuaufbau der Welt und gemeinsam mit Euch genießen das Ergebnis vieler Menschenopfer.“

Zu sehen bis 30. September. Montag bis Freitag, 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Sommerschließzeiten: Vom 1. bis 19. August ist die Ausstellung nach Voranmeldung zu besichtigen. Führungstermine zur Ausstellung hier.

www.wienbibliothek.at

28. 6. 2022

TheaterArche: Des Knaben Wunderhorn

Juni 17, 2022 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Gustav Mahlers Kunstlieder erstmals in Szene gesetzt

Michael C. Havlicek als „Ein Mann“ aka Gustav Mahler und TheaterArche-Intendantin Manami Okazaki als „Eine Frau in seinem Traum“. Bild: © Jakub Kavin Theaterarche

In der TheaterArche erleben Gustav Mahlers Kunstlieder „Des Knaben Wunderhorn“ erstmals ihre szenische Aufführung. Die Uraufführung der Sammlung als Musiktheater findet vorerst am Samstag, 18. Juni um 19.30 Uhr, gefolgt von einer Vorstellung am Sonntag, 19. Juni um 16, Uhr statt.

„Des Knaben Wunderhorn“ ist die Geschichte eines unruhigen Mannes, eines Zeitgenossen, der durch die Auseinandersetzung mit

Mahlers Musik unterschiedliche Menschen kennenlernt und tiefe Einsichten über das Leben gewinnt. Die japanische Regisseurin Miharu Sato stellt sich der Herausforderung, weltweit zum ersten Mal Mahlers Werk zu inszenieren. Ihr Anliegen ist kein Geringeres, als den Geist der Wunderhorn-Lieder durch den Prozess der Transformation in ein Musikdrama neu zu beleben, etwas, das Mahler als 20-Jähriger ausprobiert und als Opernskizze hinterlassen hat: ein Musikstück im Märchenstil zu rekonstruieren. 

Miharu Sato ist spezialisiert auf derlei Arbeiten. Sie forschte über des Opernreformers Wirken als Direktor im Haus am Ring und schrieb ihre Dissertation über „Die Ära Gustav Mahler an der Wiener Staatsoper“. So entsteht ein neues, interkulturelles und interdisziplinäres Musiktheater, inspiriert vom Werk des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Seine Kurzgeschichte „Tony Takitani“  beschreibt die Einsamkeit und Liebe eines Mannes. Bariton Michael C. Havlicek singt und spielt den einsamen Mann, während die Frau, die er als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erträumt, von Koloratursopranistin Manami Okazaki verkörpert wird.

„,Des Knaben Wunderhorn‘ ist unser Versuch, Wien und Japan mit Mahlers Liedern zu verbinden. Das Stück wird auch in Japan in einer Deutsch/Japanischen Textfassung gespielt werden“, sagt TheaterArche-Intendantin Manami Okazaki, die gemeinsam mit Miharu Sato für die Produktion dieser Kooperation verantwortlich ist, und erklärt weiter: „Wir freuen uns zudem sehr, dass nun auch die Wiener Staatsoper in der kommenden Saison einen Mahler-Schwerpunkt setzt. Eine weitläufige Beschäftigung mit dem Werk Mahlers aus diversen Perspektiven – von der Hochkultur bis zur freien Szene – wird dem Wiener Publikum somit ermöglicht.“

Die Produktion ist durch Crowdfunding finanziert: wemakeit.com/projects/des-knaben-wunderhorn. Für Unterstützende gibt es beispielsweise Gesangsunterricht bei Michael C. Havlicek, Akkordeonunterricht bei Piotr Motyka www.youtube.com/watch?v=5SqHI69CsuA, Schauspielunterricht bei TheaterArche-Intendant Javub Kavin, Regisseur und Prüfer bei der paritätischen Kommission für Schauspiel, oder ein Hauskonzert mit Manami Okazaki und Michael C. Havlicek mit Pianist und Dirigent Hibiki Kojima am E-Klavier (so kein eigenes vorhanden ist.) Mehr: www.youtube.com/watch?v=-GC69Eb24pQ

Bild: © Jakub Kavin TheaterArche

Bild: © Jakub Kavin TheaterArche

Eszter Hollósi als „Eine Ärztin“. Bild: © Jakub Kavin TheaterArche

Des Knaben Wunderhorn: Leading Team und Cast

Inszenierung & Konzept: Miharu Sato. Musikalische Leitung & Arrangement: Hibiki Kojima. Dramaturgie: Hazuki Kosaka. Bühne und Kostüm: Theresa Gregor. Ein Man: Michael C.Havlicek. Eine Frau in seinem Traum: Manami Okazaki. Eine Ärztin: Eszter Hollósi. Der Kuckuck: Monika Konvicka. Die Nachtigall: Elise Busoni. Knabe: Theo Koszednar. Tochter der Ärztin: Paula Hofer. Kinderchor: Lola Koszender, Amelie Okazaki, Katharina Thurner. Orchester: Dirigent & Klavier: Hibiki Kojima. Klarinette: Josef Lamell. Akkordeon: Piotr Motyka. Violine: Gregor Fussenegger. Schlagzeug: Linus Rastegar.

www.theaterarche.at           www.manami-okazaki.com          www.michael-c-havlicek-bariton.com

17. 6. 2022

Belvedere – Joseph Rebell: Im Licht des Südens

Juni 14, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Franz‘ I. Museumsdirektor brachte Italien mit nach Wien

Joseph Rebell, Italienische Volksszene, 1820-24. Bild: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum

Im Unteren Belvedere ist ab 15. Juni die Ausstellung „Joseph Rebell: Im Licht des Südens“ zu sehen. Rebell brachte die Sonne Italiens auf die Leinwand: Der 1787 in Wien geborene Landschaftsmaler verbrachte viele Jahre in Mailand, Rom und vor allem am Golf von Neapel. Bekannt wurde er nicht nur als einflussreicher Künstler und Impulsgeber, sondern auch als zukunftsweisender Museumsdirektor – er begann mit der Umgestaltung des

Belvedere in ein modernes Museum. Mit dieser ersten Einzelausstellung schließt das Belvedere eine Forschungslücke zu Joseph Rebell und widmet sich zugleich seiner eigenen Geschichte als Institution. „Joseph Rebell war in mehrfacher Hinsicht ein Vorreiter: Nicht nur seine Malerei beeindruckt bis heute, er entwarf auch seine Karriere auf dem Kunstmarkt so, wie sie unser Bild vom unabhängigen Künstlerdasein bis heute prägt. Als Direktor verwandelte er das ehemalige Sommerschloss Belvedere in ein fortschrittliches Museum. Der Blick auf Rebell ist ein Blick auf unsere eigene Institutionsgeschichte, aber auch auf einen der einflussreichsten Künstler seiner Zeit“, erklärt Generaldirektorin Stella Rollig im Gespräch.

Joseph Rebell lernte an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Laurenz Janscha und nahm Privat- unterricht bei Landschaftsmaler Michael Wutky. 1810 verließ er Wien, um zwei Jahre in Mailand zu verbringen. Von dort bereiste er Oberitalien, das er in zahlreichen Aquarellen der Gegend um Comer See, Lago di Lugano und Lago Maggiore festhielt. Nach einem Aufenthalt in Rom ließ er sich 1813 in Neapel nieder und erlangte mit seinen Ansichten vom Golf von Neapel, von Ischia, Capri, Amalfi und Sorrent internationale Berühmtheit.

Rebells Bilder erzählen von Sonnenuntergängen, von Schiffbrüchen oder Seestürmen und immer wieder vom Vesuv. Neben pittoresken Motiven widmete er sich aber auch versteckten Winkeln an der Küste von Neapel und malte Menschen bei der Arbeit im Hafen. Bis heute fasziniert an seinem Werk der neuartige Umgang mit Licht: Rebells Bilder gleichen einem Blick aus dem Fenster. Mit bislang in der Malerei ungekannter Intensität erfasste er den klaren Himmel und die Wärme der Sonne. Dieses Talent machte ihn bald zu einem bedeutenden Vorbild, das über die Jahre hinweg Landschaftsmalerinnen und -maler wie etwa jene der Scuola di Posillipo prägte. Damit zog er eine viele Kaufinteressierte aus ganz Europa an.

J. Rebell, Küste von Capri bei Sonnenuntergang, 1817. © Bayer. Staatsgemäldesammlungen München – Sammlung Schack

J. Rebell, Ansicht der Stadt Vietri mit Blick auf den Meerbusen von Salerno, 1819. Bild: Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Joseph Rebell, Der Hafen Granatello bei Portici mit dem Vesuv im Hintergrund, 1819. Bild: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Joseph Rebell, Vesuvausbruch bei Nacht mit Blick auf die Scuola di Virgilio, 1822. © Belvedere, Wien, Bild: Johannes Stoll

„Es ist faszinierend, wie Rebell den Zugang zu den großen Persönlichkeiten seiner Zeit fand. In Mailand arbeitete er für Eugène de Beauharnais, den damaligen Vizekönig von Italien. In Neapel malte er für Königin Caroline Murat und war bei Hof ein gern gesehener Gast. In Rom, wo er ab 1817 lebte, genoss er bei den Reisenden aus vielen Nationen hohes Ansehen, was ihm Aufträge für zahlreiche Gemälde einbrachte“, so Kuratorin Sabine Grabner.

In dieser ersten Einzelausstellung zu Leben und Wirken von Joseph Rebell widmet sich das Belvedere vor allem den Ansichten Süditaliens, beleuchtet aber auch frühe Zeichnungen – etwa von oberitalienischen Seen – und die großformatigen arkadischen Landschaften der künstlerischen Anfänge. In Etappen wird Rebells Weg nachgezeichnet, vom Aufbruch nach Italien über die Erfolge in Neapel bis zu seiner Zeit am Belvedere, als er neben seiner Tätigkeit als Galeriedirektor auch weiterhin malte. In jener letzten Phase entstand etwa die Bildserie für Kaiser Franz I., die sich bis heute in den Schlössern Persenbeug und Artstetten befindet und in der Ausstellung gezeigt wird.

J. Rebell, Meeressturm beim Arco di Miseno bei Miliscola mit Blick gegen Nisida, 1819. Bild: Johannes Stoll/Belvedere, Wien

Joseph Rebell, Seesturm am Fuße des Kapuzinerklosters bei Amalfi, 1813. © Museo dell´Ottocento. Fondazione Di Persio-Pallotta, Pescara

Joseph Rebell als Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie im Belvedere

Schließlich wurde der österreichische Kaiser Franz I. auf Joseph Rebell aufmerksam. Er besuchte den Künstler in seinem Atelier in Rom und beauftragte ihn mit vier großformatigen Ansichten der Gegend um Neapel – sie befinden sich bis heute im Belvedere. Nach 14 Jahren in Italien kehrte ebell nach Wien zurück: Franz I. übertrug ihm im Jahr 1824 die Leitung der kaiserlichen Gemäldegalerie im Oberen Belvedere. In der kurzen Zeit bis zu seinem frühen Tod im Dezember 1828 ließ der neue Direktor das repräsentative Sommerschloss zu einem modernen Museum umbauen.

Rebell sorgte dafür, dass die klimatischen Bedingungen im Gebäudeinneren verbessert wurden. Dazu ließ er die Außenfassade baulich abdichten und eine Warmluftheizung einleiten. Die Ausstellungsräume wurden farblich gestaltet, die Bilderrahmen mit Namen und Lebensdaten der Künstlerinnen und Künstler versehen, die Gemälde nach und nach unter Mitarbeit von akademischen Malerinnen und Malern restauriert. Auch in der Kunstsammlung hinterließ Rebell seine Spuren: Unter anderem geht die Gründung der „Modernen Schule“ auf ihn zurück – einer Abteilung, die sich dem Ankauf und der Präsentation von zeitgenössischer Kunst widmete.

An der Landschaftsmalereischule der kaiserlichen Akademie, die er neben seiner Tätigkeit als Direktor der Gemäldegalerie leitete, propagierte er das Arbeiten vor der Natur. Auf dieser Basis und angeregt durch Rebells Bilder des Südens studierte die nächste Generation von Kunstschaffenden die Veränderlichkeit der Landschaft unter dem Einfluss des Sonnenlichts. Damit trug Rebell viel zur Qualität österreichischer Landschaftsmalerei der 1830er-Jahre bei.

www.belvedere.at

14. 6. 2022

Kunst Haus Wien: Teach Nature

Juni 13, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zur Eröffnung gibt’s ein Sommerfest in der Grätzloase

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Das Kunst Haus Wien zeigt ab 15. Juni die Ausstellung „Teach Nature“. Für die Gruppenausstellung setzen sich Studierende der Akademie der bildenden Künste mit der Bedeutung von Natur für die Kunstproduktion auseinander. Inspiriert wurden ihre Arbeiten durch Besuche österreichischer Nationalsparks und Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Parkbetreuerinnen und Parkbetreuern.

Ausgangspunkt der Beschäftigung der Studierenden war die sogenannte „Rote Liste“, also die stetig steigende Anzahl der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Österreichs. Simone Bader, Mona Hahn, Roland Kollnitz, Nora Schultz und Heimo Zobernig standen den Studierenden  als Lehrende der Fachbereiche Bildhauerei | Raumstrategien, Bildhauerei und Installation, sowie Kunst im öffentlichen Raum begleitend zur Seite. In regelmäßigen Treffen wurden die Zusammenhänge der in und mit der Natur gesammelten Eindrücke und deren Bedeutung für die Kunstproduktion diskutiert und Bezüge zur künstlerischen Arbeitsmethodik hergestellt.

Die künstlerischen Ergebnisse sind Interventionen im Innen- und Außenbereich der Garage des Kunst Haus Wien sowie im Café: Skulpturen, Malerei, Drucke, Videos und Performances. Zu den Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland zählen Vik Bayer, Anna Bochkova, Karolin Brägger, PYO E, Bianca Phos, Emma Hummerhielm Carlén, Kristina Cyan, Nana Dahlin, Freja Gøtke, Yoko Gwen Halbwidl,  Jusun Lee, raúl i. lima und Bob Schatzi Hausmann.

Zu sehen bis 2. Oktober.

Sommerfest im Kunst Haus Wien

© Akademie der bildenden Künste Wien © Bob Schatzi Hausmann

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Zur Eröffnung der Ausstellung „Teach Nature“ und der neu installierten grünen Grätzloase lädt das Kunst Haus Wien zum Sommerfest am Dienstag, 14. Juni ab 18 Uhr. An diesem Abend ist auch die Fotografie- ausstellung „Wenn der Wind weht“ bei freiem Eintritt zu besichtigen. Es gibt es sommerliche Cocktails, Grillköstlichkeiten und Eis sowie feine Beats von den DJs Juliana Lindenhofer und Gerald Moser im begrünten Innenhof und der Grätzloase des Kunst Haus Wien.

Programm:

18 Uhr: Eröffnung Ausstellung „Teach Nature“
18.45 Uhr: “This basic nature” von Florian Hofer
17.30 – 20 Uhr: DJ Gerald Moser
20 Uhr: Performance/Konzert von Nana Dahlin
20.30 – 22 Uhr: „Du musst nicht alles wissen / Says the ruling class“ DJ- Set von Juliana Lindenhofer
18 -21 Uhr Ausstellung „Wenn der Wind weht“

Food & Drinks:

Lammwürste vom Grill mit Wiederkehr Brot von Ströck
Sommerliche Cocktails von der Eden Bar
Eis von Ramelle in der Grätzloase *

* Das begrünte Parklet des Kunst Haus Wien wurde von Designer Robert Rüf gestaltet und besteht aus massiver Lärche und Seekiefer-Sperrholz. Für die Bepflanzung wurde der Fokus auf essbare, Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen gelegt. So findet sich in der Grätzloase zum Beispiel Lavendel, Salbei, Griechischer Bergtee, Minze, Petersilie und Gewürztagetes.

Der Eintritt zum Sommerfest ist frei!
Um Anmeldung wird gebeten: HIER ANMELDEN

Welttag des Windes: 1+1 gratis ins Museum

Kunst Haus Wien. Bild: © Rudolf Strobl

Zum Welttag des Windes am 15. Juni, 10 bis 18 Uhr, erhalten Besucherinnen und Besucher zu jedem Vollpreisticket ein weiteres Ticket gratis dazu. Im Kontext der Klimakrise spielen sowohl Luftverschmutzung und Stürme als auch die Windkraft als erneuerbare Energiequelle eine wesentliche Rolle. Ursprünglich als Aktionstag der Windenergie ausgerichtet, dient er nun zur Bewusstseinsbildung zu alternativer Energieformen, Ökologie und Umweltschutz. Um 17 Uhr startet eine Führung durch die Fotoausstellung Wenn der Wind weht. Die Teilnahme ist ebenfalls gratis.

www.kunsthauswien.com

13. 6. 2022