Orpheum Wien – Thomas Stipsits: Stinatzer Delikatessen. Quasi ein Best Of

Februar 14, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Und immer noch kein Freibad

Bild: pertramer.at

Es gibt also immer noch kein Freibad in Stinatz, auf diesen Umstand zwingt es den dortigen Tourismusbeauftragten bei seinem Premierenauftritt im Orpheum Wien hinzuweisen. Man weiß schließlich Freunde und Gönner anwesend, und vielleicht ja … Geber? Ach ja, der Mann heißt Thomas Stipsits und ist hauptberuflich Kabarettist und Schauspieler, in erster Linie aber auch ein seiner Marktgemeinde Verbundener.

Als solcher hat er nun eine südburgenländische Perlenreihe geknüpft. „Stinatzer Delikatessen – Quasi ein Best Of“ heißt sie, und präsentiert sozusagen Pikantes aus bisherigen Programmen, gewürzt mit Ausblicken auf das kommende neue. Über einheimische Eigenheiten erzählt der Stipsits ja besonders gern, und auch diesmal malt er wieder ein lebhaftes Bild vom Leben zwischen Thujen, Jägerzaun und Waschbetonplatten. Man erfährt, wie Online-Banking bei der Stinatzer Raika funktioniert, Wissenwertes über den Kampf der Showgiganten ORF vs katholische Kirche, und viel übers kroatische Erbe.

An den schönsten Stellen packt Stipsits über die eigene Familie aus, Papa, Oma und die im Publikum sitzende Gattin, die ihm beim Schlussapplaus ganz schön Kontra gibt. Hier wird sich nicht geschont, hier wird Spaß gemacht, dass es eine Freude ist. Doch die Zeichen der Zeit sind auch an ihm nicht ohne Weiteres vorübergegangen, und so flicht Stipsits ein paar aktuell ernst gemeinte Einsprengsel in seinen launigen Text. Über Flüchtlingssketche bei Faschingssitzungen, die Kurz-Führung der Balkanroute und die Retro-Regierung insgesamt. Freilich darf auch der allseits bekannte Jörg-Haider-Herzensfreund nicht fehlen.

Stipsits turnt durch Dialekte, er sprintet durch Sprachfehler und Verständigungsprobleme. Ein gutes Dutzend seiner Figuren hat er diesmal mit dabei, und so gibt es ein Wiedersehen/Wiederhören mit Unteroffizier Steinschleifer und dem Ex-Lehrer, weil Krautkenner Feichtinger Joe, mit Tiroler Schützen und griechischen Wirten. Als besonderes Schmankerl serviert Stipsits einen nagelneuen steirischen Sirtaki. Dies in atemberaubenden Tempo. Und ohne sich, wie eigentlich angekündigt, zu verhaspeln.

Überhaupt greift Stipsits wieder gern und viel zur Gitarre, bringt ein Achtzigerjahre-Medley von „Flinserl im Ohr“/„Felicita“ – bis „Rauchverbot“/“In The Army Now“, singt für seinen Sohn Kinderlieder à la Grönemeyer oder Rolling Stones, und – dies schon die Zugabe – intoniert Nachweihnachtliches im Stil von Wanda oder Bilderbuch. Stipsits zeigt sich einmal mehr als Entertainer, der im Wortsinn alle Stückln spielt. In diesem Sinne: Selten so gelacht.

www.stipsits.com

  1. 2. 2018