Wiener Festwochen: Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt

Mai 30, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Ecce homo in extremen Bildern

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Wie sie da als gutgelaunte Truppe auf die Bühne stürmen, weiß man schon, das nimmt kein schönes Ende. Sie stellen sich vor, ihre Wurzeln reichen von Bergkarabach bis Bagdad, oder ihre Familien sind einst aus Syrien nach Jugoslawien eingewandert. Tito war ja ein großer Freund Hafiz al-Assads. Sie sind europäische Muslime, dieser Kontinent ist ihr Kontinent, und wie sie gehört auch der Islam hierher.

Sie haben Oliver Frljić kennengelernt, bei H & M oder im Kaffeehaus, und nun werden sie im Schauspielhaus Wien erst geschlagen, dann erschossen oder auf IS-Art geköpft. „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ heißt diese Arbeit, die Frljić im Rahmen der Wiener Festwochen zur Uraufführung brachte und für die er erstmals die Schauspielensembles des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka, er ist Intendant des Hauses, und des Mladinsko Theaters im slowenischen Ljubljana zusammenführt.

Frljićs unbequeme und politisch provozierende Arbeiten werden immer wieder zensuriert, er selbst sogar mit dem Tode bedroht (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=19920). Auch „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ wird manchen ein Stein des Anstoßes sein, befasst sich der 1976 in Bosnien geborene und nach Kroatien geflüchtete Theatermacher doch darin einmal mehr mit dem „christlichen Abendland“ und seinem Umgang mit Muslimen, mit neu erstarkenden faschistischen Strömungen, aktuell mit den Flüchtlingen und den unheiligen Verquickungen von Politik und Wirtschaft. Wie er sich an Europas Geschichte abarbeitet, so wohl auch an seiner eigenen. Denn den Terror, den er aus vermeintlich entlegenen Ecken der Erde zeigt, verbindet er inhaltlich mit dem gegen bosnische Muslime in den Lagern Ex-Jugoslawiens. Und nichts, was Frljić mit theatralen Mitteln darstellen könnte, ist so schockierend wie die in Den Haag eingegangenen Berichte von kastrierten, geschändeten, bis zur Zeugungsunfähigkeit gefolterten Frauen und Männern.

Frljić hat ein Synonym für die Schieflage der Nationen erdacht. Er lässt Uroš Kaurin als dornengekrönten Christus von einem Erdölkanisterkreuz steigen und eine Muslima vergewaltigen. Die ganze Aufführung ist ein Ecce homo in extremen, suggestiven Bildern, siehe, der Mensch, in all seiner Erbarmungswürdigkeit und Brutalität. Gefangene in Guantanamo-Orange müssen ihren Wächtern etwas vorsteppen, an der mazedonischen Grenze spielen Flüchtlinge mit Piepsstimme Kasperletheater, ihre Finger formen ein Hakenkreuz. Eine Frau mit grünem Hidschāb zieht sich einen rotweißroten Wimpel aus der Vagina, er wird den Umstehenden zum Heil-Symbol. Ein erotisches Ballett beginnt, nackte, mit arabischer Schrift bemalte Körper, als beschriebe dieser bitterzarte Moment den Anfang allen Lebens, doch schon startet eine ohrenbetäubende Party und Luftballons im Schwarze-Banner-Design fliegen ins Publikum. „Wenn Sie jetzt eine Frage haben?“, fordert Jerko Marčić auf, aber der gesittete Zuschauer hält natürlich im Theater den Mund, so wie er’s gelernt hat – und hat sich damit schon ins Unrecht gesetzt. Man solle hier nicht Balkan-Wundertiere bestaunen, sondern lieber Leben retten, heißt es. Und die Assoziationskette reißt nicht ab.

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Nicht nur die Leute im Saal, auch Alvis Hermanis kriegt sein Fett weg. Wegen seines Ausspruchs zur deutschen Flüchtlingspolitik. „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ ist eine Auftragsarbeit des HAU, des Berliner Theaters „Hebbel am Ufer“. Und Frljić, ja, er provoziert, wie jeder gute Revolutionär vertritt er laut und aufsässig seine Positionen, aber wann wurde ein leiser Mahner je gehört? Er zeigt bis zur Peinlichkeit plakatives Frontaltheater, führt Huntingtons Clash of Civilizations vor, dass es nur so klescht. Im heftig kritisierten Buch heißt es: „Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion, sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals.“ Frljić würde diesen Satz mutmaßlich unterschreiben, ein mutmaßlich gesteuerter Zwischenrufer im Schauspielhaus schreit: „Das wird hier alles einseitig dargestellt!“

Im Gespräch mit mottingers-meinung.at sagt Frljić: “ Wir sollten nicht vergessen, dass der Westen den radikalen Islam geschaffen hat (www.mottingers-meinung.at/?p=19920).“ Und, dass er keinen Wert auf ein Theater legt, das den Konsens sucht. In Leuchtlettern steht an der Bühnenrückwand: Die gegen den Faschismus sind, ohne gegen den Kapitalismus zu sein, wollen ihren Teil vom Kalb, ohne es zu schlachten.

Die Folie, auf die Frljić seinen Text projiziert, ist Peter Weiss‘ epochaler Roman-Essay „Die Ästhetik des Widerstands“. Tausend Seiten über die Möglichkeiten des antifaschistischen Widerstands aus der Sicht der Kunst, von Weiss selbst in die Nähe der Dante’schen Höllenkreise der Divina Commedia gerückt, von ersten Rezensenten in Unverständnis und einer verallgemeinernden Ablehnung alles „Roten“ angefeindet. Frljić lässt auf dem Höhepunkt seiner Hadeswanderung Matej Recer seinem Schauspielkollegen Blaž Šef Gewalt antun. Mit zwangseingeflößtem Schnaps und einem Schweinskopf, den er dem Muslim über das Gesicht stülpt. Auch das keine Erfindung, sondern lediglich eine Ausformulierung: Amnesty International und Human Rights Watch berichten immer wieder von Misshandlungen in Flüchtlingslagern. Wer hier leben will, muss auch so leben wie hier!
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Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Frljić hätte seine Arbeit auch „Unsere Werte und eure Werte“ nennen können, oder besser „Unser Land und unsere Regeln“. Sie ist jedenfalls eine unverzichtbare Analyse der Seinszustände dieser Welt, sie ist ein politisches Pamphlet gegen den demokratisch legitimierten Rechtsschwenk Europas, ein wilder Aufschrei gegen systemische Gewalt – und eine Schweigeminute. Für die Opfer in Paris und Brüssel, in Marea und Azaz.

160.000 Menschen laufen dort gerade um ihr Leben, nur damit an Europas Grenzen das Kasperletheater wieder beginnen kann. Wie zur Versöhnung folgt am Ende eine christlich-islamische Pietà. Aber auch ein Bibelwort. „Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein“, zitiert Dragica Potočnjak, dann lacht sie. Zynisch.

Video: www.youtube.com/watch?v=54cE_2PT37E

www.festwochen.at

Mehr Rezensionen von den Wiener Festwochen:

Три сестры / Drei Schwestern: www.mottingers-meinung.at/?p=20364

Идеальный муж / Ein idealer Gatte: www.mottingers-meinung.at/?p=20289

Dugne / Nachtasyl: www.mottingers-meinung.at/?p=20221

Der Auftrag: www.mottingers-meinung.at/?p=20189

Látszatélet / Scheinleben: www.mottingers-meinung.at/?p=20141

Città del Vaticano: www.mottingers-meinung.at/?p=20120

Die Passagierin: www.mottingers-meinung.at/?p=20085

Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen: www.mottingers-meinung.at/?p=19870

Wien, 30. 5. 2016

Remember – der neue Film von Atom Egoyan

Mai 9, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Christopher Plummer brilliert als dementer Nazijäger

Christopher Plummer: Ein alter, angeschlagener Wolf ist auf der Jagd. Bild: ©Tiberius Film

Christopher Plummer: Ein alter, angeschlagener Wolf ist auf der Jagd. Bild: © Tiberius Film

Nun hat es der kanadisch-armenische Regisseur Atom Egoyan also wieder geschafft zu polarisieren. Die Übersee-Rezensionen zu seinem neuen Film „Remember“, der am 13. Mai in den heimischen Kinos anläuft, fahren Achterbahn, die Urteile liegen zwischen „Darf er das?“ und „Muss das sein?“ und die Antwort lautet in beiden Fällen: Ja.

Egoyan erzählt einmal mehr vom Genozid, diesmal von der Shoa, aber „Remember“ ist kein Holocaustfilm im herkömmlichen Sinne, er ist wie ein Agententhriller, in dem angegraute, angeschlagene, angezählte Wölfe sich ein letztes Mal gegen den Feind aufbäumen. Der Held, von den Umständen verwirrt, muss sein Leid immer wieder von Neuem erfahren, humpelt von Falle zu Falle und wird am Ende mit einer Wahrheit konfrontiert, die schrecklicher ist als der Kopf es sich vorstellen konnte. Egoyans Arbeit ist wie gewohnt ein Puzzle, ein Vexierspiel, die Erzählung verschachtelt und konstruiert, wie immer geht es um Identität und Verlust oder Verleugnung derselben, und mag man dem Erstlingsdrehbuch von Benjamin August auch vorwerfen, dass vieles schnell durchschaubar ist, so entschädigt doch der spionage-genrige Showdown am Schluss.

Überragend und über jeden Zweifel erhaben ist die schauspielerische Leistung von Protagonist Christopher Plummer, dem die illustre Kollegenriege Martin Landau, Bruno Ganz und Jürgen Prochnow zur Seite steht. Ihn, Plummer, hat Egoyan inszeniert, ihm gehört die ganze Aufmerksamkeit, die Kamera von Paul Sarossy umkreist ihn unablässig, verweilt auf diesem zerfurchten Gesicht und fängt dort jede Emotion auf. Die instabile Kamera steht dabei nicht nur für den emotionalen, sondern auch für den körperlichen Zustand, den Zerfall der Hauptfigur. Ein passendes Bild für das Grauen in dieser Geschichte.

Denn Zev Guttman, Plummers Figur, ist dement, er lebt im Altersheim, seine Frau ist vor zwei Wochen verstorben und noch immer ruft er jeden Morgen nach ihr. Er hat einen Freund, Max Zucker, gespielt von Martin Landau, und der nun eine Mission für ihn: Töte den Mann, der in Auschwitz unsere Familien getötet hat. „Remember“, das ist hier ein Aufruf, ein „Erinnere dich!“, denn der ehemalige Mitarbeiter des Simon-Wiesenthal-Centers sitzt im Rollstuhl und braucht Zevs gesunde Beine, um seine Lebensaufgabe zu erfüllen. Max will nicht Recht, sondern schlicht Rache. Doch die Sache hat einen Haken. Der KZ-Aufseher Otto Wallisch ist unter dem von einem seiner Opfer angenommenen Namen Rudy Kurlander untergetaucht – und von denen hat Max vier gefunden. So beginnt für Zev eine Reise, die ihn von Cleveland bis Kanada führt. Auf der Suche nach dem richtigen, nach dem zu richtenden Schuldigen.

Egoyan erzählt das ohne die oft üblichen Rückblenden. Die Todesmaschinerie des Dritten Reichs bleibt subtile Andeutung, etwa in Zevs Angst vor scharfen Hunden oder seinem Aufhorchen beim Wort „Flüchtling“. Dass er in der Badewanne Richtung Duschkopf sinniert, hätt’s da gar nicht gebraucht, denn es versteht sich auch so, wie Egoyan die Brücke ins Heute schlägt, wenn er ein Amerika zeigt, in dem Alltagsfaschisten und Antisemiten fröhliche Urständ‘ feiern. Sehr schön eine Szene, in der Zev, ein ganz offensichtlich wirrer Greis, ohne Widerrede eine Waffe kaufen kann. Er hat einen Führerschein, nach mehr wird nicht gefragt, obwohl klar ist, dass dieser Mann längst nicht mehr Autofahren kann, für das Betätigen des Abzugs wird’s schon noch reichen. Max hat Zev einen Brief mitgegeben, in dem er die Anweisungen täglich mehrmals aufs Neue liest, weil ja schon wieder vergessen, und damit er nicht vergißt, den Brief zu lesen, hat er sich die Erinnerung daran als Notiz aufs Handgelenk geschrieben. Eine bittere Ironie, dass ein Mann, der sich kaum die Gegenwart merken kann, eine 70 Jahre zurückliegende Vergangenheit rekonstruieren soll. Martin Landau ist ganz großartig als stoisches Mastermind, der die Dinge aus der Ferne dirigiert.

Und so reist Zev „ferngesteuert“ von Kurlander zu Kurlander. Findet in Bruno Ganz einen niemals aus der Verblendung erwachten Ewiggestrigen, ein kurzer Auftritt nur des Iffland-Ring-Trägers, aber natürlich so markant, wie man es von diesem Ausnahmeschauspieler gewohnt ist, in Dean Norris einen Neonazi, eine gefährliche, gescheiterte Existenz, die die SS-Devotionaliensammlung des verstorbenen Vaters wie einen Schatz hütet, und in Jürgen Prochnow den gutsituierten Verdränger, einen Täter, der sein selbst zusammengezimmertes Opferschicksal mittlerweile fast schon glaubt. Prochnow glänzt in dieser Rolle als gutmütiger Großvater hinter dessen altersmilder Fassade die Vergangenheit wie ein Raubtier lauert. Und während sein Sohn Charles ihn fieberhaft sucht, findet Zev heraus, wer in Wahrheit Otto Wallisch ist …

Martin Landau (re.) als Mastermind Max leitet die Operation Kurlander. Bild: ©Tiberius Film

Martin Landau (re.) als Mastermind Max Zucker leitet die Operation vom Rollstuhl aus. Bild: ©Tiberius Film

Nur ein Durchschnittsnazi: Bruno Ganz (li.) als Rudy Kurlander # 1 ist nicht der Gesuchte. Bild: ©Tiberius Film

Nur ein Durchschnittsnazi: Bruno Ganz (li.) als Rudy Kurlander # 1 ist nicht der Gesuchte. Bild: © Tiberius Film

Der nette Opi von nebenan: Jürgen Prochnow (li.) als Kurlander # 4. Bild: ©Tiberius Film

Der nette, gefährliche Opi von nebenan: Jürgen Prochnow (li.) als Kurlander # 4. Bild: © Tiberius Film

Er habe „Chris in seiner unglaublichen Vitalität ein wenig einschränken müssen“, erzählt Egoyan über die Dreharbeiten. Und tatsächlich spielt Plummer sehr reduziert, sehr zurückhaltend, spielt die ganze Mühsamkeit des Altwerdens mit ermüdend langsamem Schlurfgang und ratlos hängendem Blick, und dann plötzlich ein Aufblitzen, der Wolf ist noch da und er wird zuschlagen. Plummer gelingt eine beeindruckende Gratwanderung zwischen Sein und Nichtmehrsein, er schafft es, mit seiner Charakterdarstellung einen Film zu verorten, der mitunter mittelschwer an der Skizzenhaftigkeit des Plots krankt. Sein Agieren zeigt Zevs stilles Aufbegehren gegen das eigene und das gesellschaftliche Verstummen, eine Aufforderung, die letzten Zeitzeugen zu hören, jetzt dringender denn je.

Zevs Weg führt von Pflegeheim zu Geriatrie zu Hospiz, und es mag auch die ständige Anwesenheit dieser ans immanente Ende gemahnenden Unorte gewesen sein, die manchen Filmkritiker verunsichert hat. Doch Zevs ungesunde Albtraumfahrt in die Vergangenheit verweist auf ein Erbe, das immer noch weitergegeben wird. Die Untoten leben, wenn Dean Norris‘ Figur „etwas Aufregendes“ aus einem KZ hören will, wenn ihm der Ekel ins Gesicht geschrieben steht, weil er erkennt, dass er einen Juden, einen Andersgläubigen! bewirtet hat. Und Zev fällt wieder in diesen neuen, alten Strudel von Wahnsinn und Gewalt.

„Remember“ ist ein beklemmender Film darüber, wie Geschichte immer wieder von vorne beginnen muss. Man mag ihn für ein wenig bemüht halten, doch die Postings dazu, die ihren Hass über Menschen anderer Hautfarbe, Religion, sexueller Identität – es wird auch ein homosexuelles Opfer des Naziterrors gezeigt – auskotzen, beweisen, dass Egoyan mit seinem düsteren Roadmovie einen Nerv getroffen hat. Neben dem fulminanten Cast macht auch das die (Facebook-Zitat:) „Scheiße, die niemand mehr sehen kann“ auf alle Fälle sehenswert!

Trailer: www.youtube.com/watch?v=vFxXCoprNqc , Trailer in Deutsch: www.youtube.com/watch?v=6HXTIvSxvX4

www.rememberthemovie.com

Wien, 9. 5. 2016

Die Kinohighlights im Herbst

August 6, 2015 in Film, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das flimmernde Dutzend

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson Bild: The Weinstein Company

The hateful Eight: Kurt Russell und Samuel L. Jackson
Bild: The Weinstein Company

Alles wird leinwand: Neben dem neuen James-Bond-Abenteuer „Spectre“ und „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ gibt es im Kinoherbst allerlei Sehenswertes. mottingers-meinung.at freut sich auf folgende zwölf Filme:

September

Black Mass

Endlich einmal ohne Dreadlocks! Johnny Depp besinnt sich auf seine Kernkompetenz, nämlich Schauspieler statt Berufspirat zu sein, und gibt in Halbglatze den skrupellosen US-Verbrecher Joseph „Whitey“ Bulger, der seine lange Karriere auch dem Umstand zu verdanken hatte, dass er dem FBI als Informant im Kampf gegen die Mafia – die in seinem Territorium wilderte – diente. Verspricht ein spannender Mix aus Gangsterfilm und Biopic zu werden. An Depps Seite agieren unter anderem Benedict Cumberbatch und Kevin Bacon. Regie: Scott Cooper. Die Bostoner Unterweltlegende Bulger diente übrigens schon als Vorbild für Jack Nicholsons Figur Frank Costello in „Departed – Unter Feinden“.

www.blackmassthemovie.com

Oktober

Macbeth

Justin Kurzels Adaption von Shakespeares schottischem Stück ging beim diesjährigen Rennen um die Goldene Palme in Cannes zwar leer aus, das bildgewaltige Epos scheint aber allemal sehenswert zu sein. Michael Fassbender, derzeit im Western „Slow West“ in den heimischen Kinos zu sehen, und Marion Cotillard geben Macbeth und seine Lady. Laut Trailer sehr duster und sehr schön vom Wahnsinn umzingelt.

www.macbeth-movie.com

Hotel Transsilvanien 2

Teil eins des Animationsspaßes füllte 2012 weltweit die Kinokassen mit knapp 360 Millionen Dollar. Nun kommt die Fortsetzung der Gruselkomödie: Hotelbesitzer und Oberblutsauger Dracula hat, da sein Schwiegersohn ja einer ist, sein Haus nun auch für Sterbliche geöffnet. Sorgen macht ihm allerdings sein Enkel Dennis, der die Vampirsache nicht so recht ernst nimmt. Dracs Freunde Werwolf, Mumie und Frankensteins Monster sollen dem Nachtschattensprößling auf den Spitzzahn fühlen. Sicher wieder ein Riesenspaß.

www.hoteltmovie.com

Life

Anton Corbjins Biopic über James Dean lief schon bei der Berlinale. Dort war die Handlung manchen zu blutleer, allgemein gelobt wurden aber die schönen Bilder. Teenieschwarm Robert Pattinson schlüpft in die Rolle von Magnum-Fotograf Dennis Stock, der für das Life-Magazine Film-Enfant-terrible James Dean (Dane DeHaan, Variety nannte sein Spiel „magnetisch“) ablichten soll. Der Auftrag führt die beiden Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, quer durch die USA. Das Leben des mit seinen 26 Jahren schon ziemlich biederen Familienvaters Stock wird von der Kinoikone kräftig zentrifugiert – bis aus Staunen Freundschaft entsteht. True Story! Mal schauen.

lifethefilm.com

The Walk

1974 balancierte der französische Hochseilartist Philippe Petit in schwindelnder Höhe zwischen den New Yorker Twin Towers. Robert Zemeckis (Drehbericht samt Aufnahmen des und Interview mit dem echten Philippe Petit: www.mottingers-meinung.at/?p=10367) machte aus dessen Buch „To Reach The Clouds“ einen hoffentlich spannenden Film. Joseph Gordon-Levitt spielt den Wolkenkraxler.

thewalkmovie.tumblr.com

November

Spectre

Wie’s im Geheimagentenbusiness nun mal so ist, ist das Meiste streng geheim. Da kann man trotzig ein Schnütchen ziehen wie Daniel Craig, hilft alles nix. Aber egal. Ist ja nicht anzunehmen, dass das jüngste James-Bond-Abenteuer „Spectre“ in den bewährten Händen von Regisseur Sam Mendes, der auch schon für „Skyfall“ verantwortlich zeichnete, nicht wieder zum Riesenspektakel wird. Handlung: Eine mysteriöse Botschaft aus Bonds Vergangenheit bringt den Superspion auf die Spur einer sinistren Organisation. Während M – Ralph Fiennes folgte bekanntlich auf Judy Dench – gegen Politkräfte kämpfen muss, die dem Secret Service ans Leder wollen, enthüllt die Doppelnull die Machenschaften von „Spectre“. Monica Bellucci fungiert als „Bond-Girl“, Ben Whishaw wieder als Q, Christoph Waltz gibt den Bösewicht mit dem österreichischen Namen Oberhauser. Ob der Blofeld ist oder nicht, sagt uns erst .. Auch darüber, wer den Bond-Song singt, brodelt derzeit noch die Gerüchteküche.

www.007.com/spectre

The hateful Eight

Pflichtprogramm! Quentin Tarantino zum zweiten Mal auf der Fährte der beiden Sergios. Mit „The hateful Eight“ schuf er wohl wieder eine astreine Hommage an den Italowestern, diesmal im Schnee wie weiland Corbuccis Meisterwerk „Leichen plastern seinen Weg (Il grande silenzio)“. Wie Klaus Kinski ist auch Kurt Russell als Kopfgeldjäger mit Postkutsche und Verbrecherin (Jennifer Jason Leigh) unterwegs, allerdings will er die Holde nicht à la Vorbild im Schnee tieffrieren, sondern sie – um eben dies zu verhindern – in einer Stagecoachstation zwischenparken. Dort gibt sich bereits allerlei lichtscheues Gesindel ein Stelldichein: Man hat noch eine Bürgerkriegsrechnung miteinander offen. Mit Samuel L. Jackson, Tim Roth, Channing Tatum und dem großartigen Bruce Dern als abgehalftertem General. Ennio Morricone macht die Musik.

thehatefuleight.com

Irrational Man

Woody Allen kann auch mit beinah 80 nicht aus seiner Haut, muss er auch nicht, er hat ja Erfolg damit. „Irrational Man“ heißt sein jüngster Alter-Ego-Film, Joaquin Phoenix darf diesmal den Stadtneurotiker spielen, allerdings in einem beschaulich-ländlichen College, wo er als Philosophieprofessor am Sinn-des-Lebens-Bezweifeln und Zwischen-zwei-Frauen-Stehen laboriert. Und deshalb (?) an Erektionsstörungen. Die angeblich schwarzhumorige Komödie, die sich zum Krimi entwickelt, soll bissfester sein als ihr Vorjahrsvorgänger „Magic in the Moonlight“.  UK- und US-Kritiken waren nicht durchwegs freundlich, also selber ein Urteil bilden.

www.sonyclassics.com/irrationalman

The Martian

Ridley Scotts Ankündigung den faden „Prometheus“ mit einem Sequel zu adeln, darf zwar als gefährliche Drohung verstanden werden, trotzdem ist Science Fiction vom „Alien“-Altmeister ein Cineastenmuss. Des Sirs jüngste Mission führt zum Mars, er hat Andy Weirs Weltraumroman „The Martian“ für die Leinwand gebannt. Der Marsianer ist kein grünes oder andersfarbiges Männchen, sondern der von Matt Damon gespielte NASA-Astronaut Mark Watney, der von seinen Kollegen irrtümlich auf dem roten Planeten vergessen wird. Ohne Möglichkeit zur Kommunikation und mit beschädigter Ausrüstung beginnt für den Botaniker auf dem unwirtlichen fremden Himmelskörper der Überlebenskampf. Mit Jessica Chastain, Jeff Daniels und Sean Bean, der hier nach „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ den Film mutmaßlich überstehen wird. Wir freuen uns auf erwartungsgemäß tolle Bilder und eine klaustrophobische Stimmung.

www.foxmovies.com/movies/the-martian

Steve Jobs

Gerade erst hat die Oper von Santa Fe für 2017 die Premiere von „The (R)evolution of Steve Jobs“ aus der Feder von Komponist Mason Bates angekündigt, da kommt auch schon der nächste Film über das Apple-Genie ins Kino. Dem kann man nur mehr Glück wünschen als Ashton Kutchers abgestürztem „jOBS“. Garanten für ein vielschichtiges Werk über einen faszinierenden Zeitgenossen wären Autor Aaron Sorkin, Regisseur Danny Boyle und Hauptdarsteller Michael Fassbender jedenfalls. Dem gewieften Charakterdarsteller, dem keiner so schnell einen Apple für ein Ei vormacht (Tschuldigung, konnte nicht widerstehen 😉 ), sollte es doch möglich sein, Jobs überbordenden Geist, sein gefürchtetes Temperament, seine Kompromisslosigkeit und seinen Alleinherrscheranspruch in eine Figur zu gießen.

www.stevejobsthefilm.com

Dezember

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens

Hurra, Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill sind wieder da! Nach den unsäglichen Episoden I bis III geht’s nun mit Han, Leia und Luke hoffentlich in bewährter Manier flottilotti weiter. Über die Handlung des ersten Teils der dritten Trilogie ist nicht viel bekannt: Wiewohl der Todesstern hin ist, lebt das Imperium als „The First Order“ weiter. Prinzessin Leia schickt Piloten auf Erkundungsflüge, ein geheimnisvolles Lichtschwert soll der Schlüssel zu einem Grab der bösen Sith sein, weshalb Rebellenheld Han Solo sich der Sache annimmt. Der braucht die Hilfe von Jedi Luke Skywalker. Doch sein alter Freund und Schwager ist im Exil … Mit J. J. Abrams als Regisseur dürfen die Erwartungen ruhig hoch liegen. Harrison Ford hat nach Beinbruch am Set zwischenzeitlich bewiesen, dass er alles überleben kann, auch selbstfabrizierte Flugzeugabstürze. Carrie Fischer möge in ihrer berüchtigt grummeligen Leiar, äh Leier, für feministischen Touch sorgen. Das „Oh, Anakin!“-Gesäusel ihrer unemanipierten Mutter Padmé Amidala war ja nicht zum Aushalten. In diesem Sinne: Möge die Macht mit uns sein!

www.starwars.com/the-force-awakens

Bridge of Spies

In the shadow of war, one man showed the world what we stand for. So der erste Satz, mit dem sich der Film vorstellt. Und, ehrlich, wer möchte bei so viel US-Propaganda nicht sofort ins Kino laufen? Da ist bitte nur einem PR-Menschen der Schreiberling durchgegangen? Steven Spielberg und Tom Hanks stehen eigentlich für mehr Qualität. Und auch ihr deutschsprachiger Mitstreiter Sebastian Koch. Inhalt des Zeitgeschichtethrillers: Im Kalten Krieg wird ein amerikanisches Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Anwalt Hanks soll mit den Russen in Verhandlungen treten, um den Piloten vorm Arbeitslager zu retten. Ein Austausch auf der Glienicker Brücke in Berlin wird vorbereitet …

bridgeofspies.com

Wien, 6. 8. 2015

Rohnefeld und Steppan: „Mr. & Mrs. Swing“

August 14, 2013 in Tipps

Von „Mack The Knife“ bis „Candy Man“

Bild: © A. C. Schiffleitner

Bild: © A. C. Schiffleitner

Am 19. August 2013 (19.30 Uhr) haben Claudia Rohnefeld und Andreas Steppan mit ihrem Konzertprogramm mit Big Band „Mr. & Mrs. Swing“ Premiere in der Tschauner Bühne.

Gemeinsam führen sie durch einen Big Band Abend und präsentieren dem Publikum Claudia Rohnefeld und Andreas Steppan  Songs von Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr.Berühmte Tanzeinlagen, swingende Dialoge und mitreißende Musiknummern u.a. mit den Songs „Bad Leroy Brown“, „For Once In My Life“, „Candy Man“, „Mack The Knife“ und natürlich „New York, New York“. Dass „Selfman“ Steppan – mittlerweile honoriger Indendant der „Mödlinger Komödienspiele“ – das kann, stellte er schon früh unter Beweis: In der ORF-Talenteshow „Die große Chance“ hatte er seinen ersten Auftritt mit einer Parodie auf Sammy Davis jr.
Von Michaela Mottinger
Wien, 14. 8. 2013