aktionstheater ensemble: Swing. Dance To The Right

Januar 12, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Am Beispiel der Pinguine

„Die sind ja so was von brutal, die Pinguine“: Susanne Brandt und das aktionstheater ensemble. Bild: Gerhard Breitwieser

Es war ja so angekündigt, im Falle eines Rechtsrucks in Österreich etwas Unterhaltsames zu machen. Nun trat das aktionstheater ensemble im Werk X zusammen, um mit seiner jüngsten Produktion „Swing. Dance To The Right“ dieses Versprechen wahr zu machen. Natürlich nicht ohne vorherige geheime Wahl, ein Nachfragen im verehrten Publikum, ob dieses eh „Ein bisschen was Freches“ und „Nichts Kompliziertes“ wünsche. Klar, dass zur Abstimmung nur die erste Reihe gebeten war.

Das aktionstheater ensemble spiegelt von jeher die Gesellschaft. Und so wurden auch nur die Vornesitzer später mit Punschkrapferl verwöhnt. Die Österreich-Synonym-Süßspeise: außen zuckerlrosa, innen braun und mit ganz viel Inländerrum … Martin Gruber und sein Ensemble sind also angetreten, um – Zitat –„jene Stimmungen einzufangen, welche der beängstigende österreichische ,Tanz nach rechts‘ in der Gesellschaft und im Einzelnen evoziert: Narzissmus, Machismo, Frauenfeindlichkeit, Empathielosigkeit“. Sie tun dies in einem infernalischen Mix aus Sprache, Musik und Tanz. Und am Beispiel der Pinguine.

Im Gleichschritt tanzt! Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Martin Hemmer, Isabella Jescke und Nicolaas van Diepen. Bild: Stefan Hauer

Die nämlich sind so brutal, wie’s der Mensch nur sein kann. Gleichsam gleichgeschaltet in ihrem Sich-um-die-Gruppe-Drehen. Ein trauriges „Plitsch, Platsch, Pinguin“-Lied macht leitmotivisch klar, wie’s dem ergeht, der sich absondert: Erfrieren oder – naja, nebbich, Süd- oder Nordpol – Eisbär. Susanne Brandt weiß derlei zu berichten, und auch vom neuen BH vom neuen Freud, der ihr aber offenbar ein blaues Auge eintrug. Nicolaas van Diepen macht derweil den Vortänzer.

Immer schön die Mitte behalten. Das ist ganz wichtig für die kollektive Stimmung. Schließlich geht’s um die Bewegung. Dass er anschließend mit einer imaginären Pumpgun die Genussregion Österreich zerschießt, ist nur ein weiterer Loop auf dieser Hochschaubahn der Entsolidarisierung. Die sich hier spöttisch auf  Irrationalität reimt. Martin Gruber ironisiert das einheimische Spießerleben mit Kirscheneinkochen und Kindermachen bis zum Anschlag. Da kann’s Isabella Jeschke passieren, dass sie nach einem „total faschistischen“ Dirndlkirtag die verletzte Seele in einem Nazi entdeckt, während rund um den „halbdeutschen“ Martin Hemmer der Streit entbrennt, ob man hierzulande Sahne statt Schlagobers – beides natürlich gedacht für die Punschkrapferl – sagen dürfe. Kein Wunder, dass der arme Mann den ganzen Abend über so verschreckt dreinschaut.

Mit einer imaginären Pumpgun wird die Genussregion Österreich genüsslich zerschossen: Nicolaas van Diepen. Bild: Stefan Hauer

„Afghanen, Syrer, Tschuschen, lecker, lecker, lecker …“, singt die Brandt, während Michaela Bilgeri versucht den alten Cinesenwitz vom „Lang Fing Fang“ zu erzählen. Ach, es geht doch nichts über sprachspielerischen Chauvinismus. Und überhaupt die Chinesen mit ihrem Organhandel und dem nachgebauten Hallstatt! Das übrigens irgendwie mit dem blauen Auge zu tun haben dürfte. Andreas Dauböck intoniert den Chinesen-Kontrabass-Song.

Der Tanz wird immer mehr zu einem „Rechts um!“-Kommando, die Tänzer loten im Gleichschritt das ganze Spektrum des Grotesken aus. Das bunte Treiben konterkariert Bella Angoras schwarzweißes Schattenspielvideo. Kommandogeber van Diepen erklärt statt eines festen Standpunktes den aktuellen Schwingpunkt: Den Schwung der vorigen Bewegung für die nächste Bewegung verwenden, und so tun, als ob es eine neue Bewegung wäre, obwohl es noch die alte ist. So geht’s zu, wenn man die erste Reihe gewähren lässt, während sich die übrigen ins „Rien ne va plus“-Bewusstsein zurücklehnen. „Swing. Dance To The Right“ ist die durchchoreografierte Analyse dieses entsetzlichen Ist-Zustandes, chaotisch, poetisch, komisch – und unerbittlich. Pinguin, merke dir: Wer aus dem Takt fällt, den holt die soziale Kälte. Und einer wird des anderen Fressfeind.

www.aktionstheater.at

  1. 1. 2018

Festspielhaus St. Pölten – Yang Liping Contemporary Dance: Under Siege

November 14, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Rausch der Bilder

König Xiang Yu und seine Konkubine Yu Ji: He Shang und Hu Shenyuan. Bild: Li Yi Jian

Es war Premiere im deutschsprachigen Raum: „Under Siege“, eine spektakuläre Performance aus Tanz und Martial Arts, ein Mix aus chinesischer Tradition und zeitgenössischen Ausdrucksmittel wurde am 12. November im Festspielhaus St. Pölten gezeigt. Chinas Star-Choreografin Yang Liping präsentierte mit den für seine Ausstattung von „Tiger and Dragons“ Oscar-prämierten Visual Director Tim Yip eine atemberaubende Performance in bildgewaltigen Bühnenwelten. Die am Ende mit Standing Ovations bejubelt wurde.

Die Geschichte hinter „Under Siege“ ist die Auseinandersetzung von König Xiang Yu und dem jungen Krieger Liu Bang, der Krieg der Qin- gegen die spätere Han-Dynastie, der sich rund um 206 bis 202 vor Christus zutrug. Wer jemals „Lebwohl meine Konkubine“ sah, weiß worum sich’s handelt: die Schlacht von Gaixia, den Freitod einer Frau, eines Herrschers, das Heraufdämmern eines neuen Geschlechts. Wesentlichen Anteil an dieser Spannung hat zweifellos die ans Akrobatische reichende, dramaturgisch ausgeklügelte Choreografie mit den effektvollen Kampfszenen, die an Kung Fu erinnern, aber ebenso die in farbige Opulenz getauchte Ausstattung.

On i soit … aber man kann angesichts 400 ausverkauften Vorstellungen in der Volksrepublik China nicht umhin zu bemerken, dass Madame Yang den Verlierer der großen Schlacht viel sympathischer als den Gewinner gestaltet. Chinas erste Tänzer stehen in St. Pölten auf der Bühne. Unter einem kalt-klirrenden Himmel aus Metallscheren lässt Pina-Bausch-Schüleri Yang ihre Protagonisten auftreten. Als da sind Guo Yi als Erzähler Xiao He oder He Shenyuan als liebliche Konkubine Yu Li.

Liu Bang und sein als böser Einflüsterer sein General Han Xin: Gong Zhonghui und Gao Chen. Bild: Ding Yi Jie

Das Schlachtfeld: Ein Blutbad aus roten Hühnerfedern. Bild: Ding Yi Jie

Liu Bang krönt sich zum Kaiser: Gong Zhonghui. Bild: Ding Yi Jie

Wie in der traditionellen Pekingoper üblich, verkörpert er als Mann eine Frauenfigut. Traditionell sind auch die Live-Musik von Du Yichen an Pipa und Gu Zheng und Feng Xiaofan, der zusätzlich das Zhongruan spielt, und die Papierschnitkunst von Wang Yan, mit der gleichsam die Überschriften über die Kapitel gestaltet werden. He Shang ist als Xiang Yu ein von seinen Feinden umringter kraftvoller Tänzer. Gong Zhonghui ein listiger, spöttischer Charakter.

Besonders gefällt die Szene „Die Geduld des jungen Han Xin“, denn die Figur des Taktikers und General wurde auf zwei Tänzer aufgeteilt, Xiao Fuchun und Gao Chen, die beiden Gesichter, die dunkle und die helle Seite, des Charakters zeigen. Das atemberaubend schöne Gesamtkunstwerk endet mit Tod im roten Hühnerfedernmeer. Laut Madame Yang sind die in China Symbol für Tod und Neuanfang.

Die mit ihren 59 Jahren immer noch mädchenhaft wirkende Yang Liping war selbst bei der Aufführung zugegen und erläuterte im Einführungsgespräch ihre Intentionen. „Ich wünsche mir, dass die Botschaft von der Grausamkeit des Krieges und von der Sinnlosigkeit der Machtkämpfe zwischen Individuen, denen Tausende zum Opfer fallen, das Publikum erreicht“, so die Choreografin.

Der Krieg endet mit dem Sieg der Han-Streitkräfte und Liu Bang ruft sich selbst Kaiser aus. Die Han-Dynastie war eine der größten Regentschaften der chinesischen Geschichte, doch auch sie ist gefallen …

www.festspielhaus.at

  1. 11. 2017

Festspielhaus St. Pölten: Under Siege

November 6, 2017 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Gastspiel von Yang Liping Contemporary Dance

Under Siege: Yang Liping Contemporary Dance. Bild: Ding Yi Jie

Am 12. November ist im Festspielhaus St. Pölten ein einzigartiger Mix aus Tanz und Martial Arts zu sehen: Yang Liping Contemporary Dance gastiert mit „Under Siege“. Und spätestens wenn Tausende Federn durch die Luft schweben und den Raum in ein tiefes Blutmeer verwandeln, machen Tod und Brutalität einer schier unerträglichen Anmut Platz, die diesem Meisterwerk der chinesischen Choreografin Yang Liping auf unterschiedlichen Ebenen innewohnt.

Sie selbst begeisterte 1986 mit ihrem überwältigenden „Pfauentanz“ aus „Spirit of the Peacock“ ein weltweites Publikum und zählt heute zu den bekanntesten Tänzerinnen Chinas. Für „Under Siege“/„Im Belagerungszustand“ hat sich Yang Liping nun tief in die chinesische Geschichte vorgewagt und eine der wichtigsten Schlachten Chinas ausgewählt: die Schlacht von Gaixia, die 202 vor Christus den Aufstieg der Han-Dynastie besiegelte.

Under Siege: Yang Liping Contemporary Dance. Bild: Li Yi Jian

Under Siege: Yang Liping Contemporary Dance. Bild: Li Yi Jian

Eingebettet in die Erzählung „Farewell My Concubine“ ging dieser Kampf zwischen Xiang Yu und seinem Gegner Liu Bang in die Literatur-, Film-, Opern- und Musikgeschichte ein. Yang Liping bringt die Geschehnisse nun mit zeitgenössischen Tänzerinnen und Tänzern, Kung-Fu- und Tai-Chi-Kämpfern sowie Live-Musikern auf die Bühne.

Damit, dass sie die Rolle der Suizid begehenden Konkubine Yuji einem Tänzer und keiner Tänzerin zuschreibt, möchte sie zeigen, dass jeder Mensch gegensätzliche Charaktere in sich vereint. Alle diese Charaktere überzeugen in einer groß angelegten Inszenierung nicht zuletzt auch aufgrund der Kostüme und des Bühnenbilds.

2001 mit dem Oscar für die „Beste Ausstattung“ im Martial-Arts-Film „Tiger and Dragon“ ausgezeichnet, beschwört Tim Yip magische Szenerien herauf und kreiert Bilder von halluzinatorischer Schönheit, die unvergessen bleiben werden.

www.festspielhaus.at

6. 11. 2017

Ein ganzes halbes Jahr

Juni 20, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Schluchzschmonzette kippt in Sterbehilfedebatte

Bild: Warner Bros.

Der verwilderte, verbitterte Will (Sam Claflin) bringt die gutherzige Lou (Emilia Clarke) aus dem Pflegekonzept. Bild: Warner Bros.

Dass bei einer Pressevorführung diskretes Schnief und Schneuz zu hören ist, kommt ja sonst eher selten bis gar nicht vor. Roman- und Drehbuchautorin Jojo Moyes und ihre Regisseurin Thea Sharrock haben’s mit der Verfilmung des Bestsellers „Ein ganzes halbes Jahr“, in Englisch wesentlich sinnstiftender: „Me Before You“, aber geschafft, die anwesenden Filmjournalisten bei der Tränendrüse zu packen.

In mehrere Millionen verkaufter Buchexemplare sind schon Ströme von Augenwasser vergossen worden, nun kann es ab 24. Juni vor den heimischen Kinoleinwänden so weiter gehen. Moyes und Sharrock lassen keinen Kitsch und kein Klischee, außer das der plötzlichen Wunderheilung, aus, um ihre Story zu erzählen. Das muss man aushalten wollen. Und doch unterscheidet sich „Ein ganzes halbes Jahr“ vom urtypischen Sommerromanzenfilm. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Emilia Clarke, bekannt als GoT-Drachenmutter Daenerys Targaryen, das Projekt mit ihrer Performance adelt.

Als durch ihren Hang zu kunterbunten Strümpfen schon in der ersten Szene als verrücktes Huhn ausgewiesene „Lou“ kommt sie auf den Landsitz der Familie Traynor. Die spleenige Kleinstädterin soll zur Betreuerin des Sohns des Hauses werden. Will, gespielt von Sam Claflin, ist nach einem Motorradunfall an den Rollstuhl gefesselt; zwar hat er jeden Lebenswillen verloren, aber immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass die Gelähmten der Kinowelt auf respekteinflössenden, historischen Anwesen sitzen und Geld für diverse Behindertenausbauten keine Rolle spielt. Bis hin zum Privatjet für einen Karibikausflug ist alles möglich, so weit so realitätsfern, will Lou der ehemaligen Sportskanone Will doch zeigen, dass seine Zeit der Abenteuer keineswegs vorbei sein muss. Doch gerade als sie per Kuss besiegeln, es als ziemlich beste Liebende versuchen zu wollen, entdeckt die Pflegerin, dass ihr Schützling längst einen Vertrag mit einem Schweizer Sterbehilfeinstitut und ergo mit seiner Zukunft abgeschlossen hat. Und die Schluchzschmonzette kippt in eine höchst aktuelle Debatte über das Recht des Menschen über sein Sein oder Nichtsein selbst zu bestimmen.

Das ist starker Tobak, von dem man sich länger als nur eine Schrecksekunde erholen muss. Vor allem, da nun auch das große Leid der Eltern angesichts der Entscheidung ihres Sohnes ausgestellt wird, die immerhin aber der Vater bereit ist zu akzeptieren. Er versteht, dass jeder Betroffene für sich allein entscheiden muss, ob und bis wann ein Leben es wert ist gelebt zu werden. Die religiös erzogene Lou tut sich da nicht so leicht, sie wird am Ende natürlich das Richtige tun …

Bild: Warner Bros.

Abendessen in Lous Familie: mit Matthew Lewis (li.) und Brendan Coyle (M.). Bild: Warner Bros.

Bild: Warner Bros.

Charles Dance und Janet McTeer spielen Wills Eltern. Bild: Warner Bros.

„Ein ganzes halbes Jahr“ besticht überwiegend durch die beiden sympathischen Hauptdarsteller. Emilia Clarke ist rührend als junge Frau, die in ihrem Plan nicht einmal noch halbwegs angekommen ist, und trotzdem nun einen anderen davon überzeugen will, seinen eigenen zu entwickeln. Wie es in ihrem Sonnenscheinchen-Gesicht arbeitet, als sich der Prinz als Frosch erweist, wie sie seine Beleidigungen und Demütigungen schluckt und mit Galgenhumor weglächelt, aber schließlich mit einem Machtwort die Notbremse zieht, bevor sie auch noch depressiv wird, das ist einfach entzückend. Denn Sam Claflin gibt als Will zunächst den Zyniker, unrasiert und unfrisiert, bis der verbitterte, verächtliche Blick des Ex-Bankers auf die Landpomeranze zusehends weicher und seine Haltung weltversöhnlicher wird. Sharrock arbeitet mit langen, ruhigen Einstellungen und mit beinah permanenten Nahaufnahmen der Gesichter ihrer beiden Protagonisten. Und Claflin erbringt eine nicht weniger große Leistung als Clarke, wenn der die wahren Gefühle seiner Figur jenseits der galligen Dialoge ausschließlich durch seine Mimik transportiert.

Bild: Warner Bros.

Auf der Hochzeit von Wills Ex-Freundin scheint das Glück ganz nah. Bild: Warner Bros.

Schönste Szene im Film: Lou begleitet Will zur Hochzeit seiner Ex-Freundin, der, mit der er bis zu seinem Unfall zusammen war. Die beiden tanzen, sie auf seinem Schoß, er im Rollstuhl, sie schmusen und albern herum und amüsieren sich und so selbstverständlich würde man Zwischenmenschlichkeit tatsächlich haben wollen.

Freilich macht der Upper-Class-Spross das Arbeitermädchen nach einem Besuch bei deren harter, aber herzlicher Familie zu seiner My fair Lady. Mit einem Ausblick darauf schließt der Film. In dem auch eine ganze Reihe ausgezeichneter Nebendarsteller glänzen. Janet McTeer und Charles Dance sind als Wills Eltern zu sehen, „Downton Abbey“-Star Brendan Coyle als Lous Vater. Matthew Lewis, der tollpatschige und schließlich heldenhafte Neville Longbottom aus den „Harry Potter“-Filmen, bleibt als Lous Verlobter diesem Rollenbild treu. Und die wunderbare Joanna Lumley hat einen wundersamen Gastauftritt als Mutter der Braut.

Ob der Film, der im Original in seinem Very-British-Sein, von Lous Scots-Slang bis zur Stiff Upper Lip der Traynors, stimmig ist, in der synchronisierten Fassung noch ebenso sehenswert ist, gilt es auszutesten. So wie er ist nämlich entwickelt sich „Ein ganzes halbes Jahr“ von der üblichen Gegensätze-ziehen-sich-an-Story doch noch zum ans Herz gehenden Drama über ein die Meinung nicht zuletzt auch in Österreich spaltendes Thema.

mebeforeyoumovie.com

Wien, 20. 6. 2016

ImPulsTanz: Erste Programmhighlights

März 23, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Anmeldung zu den Ausbildungsprojekten ab sofort

Sankai Juku: Meguri – Teeming Sea, Tranquil Land Bild: © Sankai Juku

Sankai Juku: Meguri – Teeming Sea, Tranquil Land
Bild: © Sankai Juku

Ab 14. Juli präsentiert das ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival wieder große internationale Produktionen. Viel Prominenz, aber auch Neues und Unerprobtes sorgen im Performanceprogramm und in den mehr als 200 Workshops und Research Projekten dafür, dass der zeitgenössische Tanz auf und hinter den Bühnen die ganze Stadt bewegt.

Unter den ersten Highlights findet sich Anne Teresa De Keersmaeker und ihre Compagnie Rosas mit zwei Stücken. Die flämische Tanzkoryphäe und langjährige Wegbegleiterin des Festivals steht in ihrer jüngsten Produktion „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ gemeinsam mit Rosas-Tänzer Michaël Pomero und der Flötistin Chryssi Dimitriou selbst auf der Bühne. In ihrem Trio „Verklärte Nacht“ brilliert indes die Ausnahmetänzerin und beliebte ImPulsTanz-Workshop-Dozentin Samantha Van Wissen zu Arnold Schönbergs Musik, dirigiert von Pierre Boulez, und Richard Dehmels Gedicht.

Ebenso aus Flandern kündigen sich die Needcompany und Choreograf Wim Vandekeybus und seine Compagnie Ultima Vez an. Die bereits 1999 bei ImPulsTanz aufgeführte Performance „In Spite of Wishing and Wanting“, zu der Talking Heads Gründer David Byrne den Sound kreierte, kehrt nach über 15 Jahren mit neuem Cast nach Wien zurück. Mit im Gepäck: Vandekeybus’ jüngster Bühnenerfolg „Speak low if you speak love …“ Acht grandiose Tänzer, die begleitet werden von Mauro Pawlowskis Band und der südafrikanischen Interpretin Tutuo Puoane, rasen auf tänzerisch höchstem Niveau durch einen der Liebe gewidmeten Abend. Parallel dazu zeigt Allroundkünstler Vandekeybus seinen Spielfilm „Galloping Mind“ im Metro Kinokulturhaus.

Zu den weiteren Stars zählen die franko-kanadische Choreografin Marie Chouinard, die anlässlich des 500. Todestages von Hieronymus Bosch ihre neue Compagniearbeit „Hieronymus Bosch: The Garden of Earthly Delights“ zur Aufführung bringt. Der Flamenco-Star Israel Galván zeigt „Fla.Co.Men“ und Butoh-Koryphäe Ushio Amagatsu aus Japan gastiert mit seiner berühmten Compagnie Sankai Juku.

Tanz und Performance treffen bei ImPulsTanz auch dieses Jahr auf bildende Kunst. Das Festival setzt seinen Weg der Zusammenarbeit mit bedeutenden österreichischen Museen fort und bringt überdies mit Tino Sehgal einen der bedeutendsten Vertreter an der Schnittstelle beider Genres an den Start. Der deutsch-britische Künstler präsentiert ein speziell für ImPulsTanz 2016 konzipiertes Projekt, „Encounters—under—Construction“, das sich weltweit erstmalig in Wien erprobt. Im Fokus einer fünfwöchigen Reihe stehen höchst unterschiedliche Austauschformate, die es Künstlern aus Tanz, Performance und bildender Kunst ermöglichen, relevante gesellschaftliche und künstlerische Fragen unserer Zeit zu reflektieren: unter anderem mit Jérôme Bel, Boris Charmatz, Maria Hassabi, Philippe Parreno, Rachel Rose und Meg Stuart.

Workshops und Ausbildungsprojekte

Neben dem Performanceprogramm lädt das Festival sein Publikum selbst zum Tanz und zelebriert von früh bis spät zeitgenössische Lebenskultur: ob bei Live-Konzerten und DJ-Nights in der ImPulsTanz festival lounge im Burgtheater Vestibül oder bei einem der mehr als 200 Workshops in den Studios im Wiener Arsenal, wo 150 Dozenten und Choreografen aus der ganzen Welt ihr Wissen mit Anfängern und Profis teilen. Dazu gibt es die beliebten Ausbildungsprojekte. Diese Jahr bieten Alito Alessi, Gründer und Direktor von DanceAbility, im Rahmen des Festivals einen einmonatigen Lehrgang zum DanceAbility Trainer an, keine Vorkenntnisse erforderlich! Ismael Ivos höchst erfolgreiches Ausbildungsprogramm „Biblioteca do Corpo“ geht in seine vierte Runde und das neu ausgerichtete Trainingsprogramm „Atlas – Creating Dance Trails“ bietet jungen Tanzschaffenden Studioräumlichkeiten für Researcharbeiten und zur Stückentwicklung, parallel dazu individuelle Trainingsprogramme, den Besuch internationaler Produktionen und den Austausch mit Künstlern aus 100 Ländern. Die Anmeldung zu den Ausbildungsprojekten ab sofort online möglich.

www.impulstanz.com

Wien, 23. 3. 2016