Tel Aviv on Fire

Juli 21, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Groteske Komödie über den Nahostkonflikt

Die Stars der Fernsehsoap „Tel Aviv on Fire“: Tala in ihrer Rolle als palästinensische Spionin Manal (Lubna Azabal) und Yehuda als israelischer General Edelman (Yousef „Joe“ Sweid). Bild: © Samsa Film, TS Productions, Lama Films, Artemis Productions

Die Kinokomödie dieses Sommers kommt nicht aus Frankreich, sondern vom palästinensischen Regisseur Sameh Zoabi. Mit der Groteske „Tel Aviv on Fire“, zu sehen ab 19. Juli, ist dem Filmemacher und seinem Co-Drehbuchautor Dan Kleinman das Husarenstück gelungen, liebenswerten Humor über einen brisanten zeitpolitischen Hintergrund zu legen, arbeiten die beiden doch den Nahostkonflikt als Soap Opera auf. „Tel Aviv on Fire“ nämlich ist eine höchst erfolgreiche TV-Serie, die im Sechstagekrieg 1967 angesiedelt ist.

Die allabendlich über die Bildschirme flimmert, und Israelis wie Palästinenser vor die Fernsehapparate lockt. Inhalt der schnulzigen Sendung: Die palästinensische Spionin Manal macht sich getarnt als Restaurantbetreiberin Rachel an Israels mächtigsten General, Yehuda Edelman, heran, um diesem im Liebestaumel die Kriegspläne zu entlocken, die sie ihrem wahren Geliebten Marwan aushändigen soll.

Was folgt ist Fernsehserie-im-Film. Schon in der ersten Szene sieht man also die großartige Lubna Azabal, die den Leinwandstar Tala spielt, und wie Tala ihrerseits Manal/Rachel spielt. Piekfein durchgestylt umgarnt sie den Militär Yehuda aka Schauspielkollegen Yehuda aka dessen Darsteller Yousef „Joe“ Sweid, das Ganze in goldenes Licht getaucht, Kitsch as Kitsch can, mit schmachtendem Mund und eiskalten Augen, während er sich lässig eine Zigarette anzündet, als liefe „Casablanca“ auf Schmalspur. Klar, dass die Absurdität der Handlung von der Absurdität des israelisch-palästinensischen Alltags eingeholt wird.

Denn neu am Set ist der schlaksige Tagedieb Salam, Kais Nashif, der für diese Rolle in Venedig als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, dem sein Onkel und „Tel Aviv on Fire“-Produzent einen Assistentenjob beschafft hat. Gedreht wird in Ramallah, und da die Akteure in der Realität wie in der Filmfiktion Israelis wie Palästinenser sind, ergo nicht alle des Hebräischen mächtig, soll Salam bei der Aussprache helfen. Was bald dazu führt, dass er sich in die Dialoge einmischt, etwa, weil er „bombig“ als Kompliment für eine Frau im Westjordanland für unpassend befindet, worauf ihm die kapriziöse Diva Tala bestätigt, dass sie ihre Sätze tatsächlich nicht spüre – und Salam zum Drehbuchautor avanciert.

Assi (Yaniv Biton) lässt sich von Salam mit seiner Leibspeise, bestem, original-arabischem Humus versorgen … Bild: © Samsa Film, TS Productions, Lama Films, Artemis Productions

… bevor der Grenzkommandant das Script des Drehbuchautors auf den Kopf stellt: Salam (Kais Nashif) und Assi (Yaniv Biton). Bild: © Samsa Film, TS Productions, Lama Films, Artemis Productions

Allein, der frisch Beförderte wohnt in Jerusalem, heißt: er muss auf dem Weg zum Drehort und retour zwei Mal durch den Checkpoint von Captain Assi Tzur, der ihn an der Grenzkontrolle prompt aufgreift, den Text für die nächste Folge findet – und die Chance wittert, bei der Lieblingsserie seiner Frau, die ausgerechnet von Marwan als gutaussehend und romantisch schwärmt, mitzumischen. Für Salam wird die für seine Freilassung getroffene Abmachung Segen und Fluch gleichermaßen, entpuppt sich Assi, den Yaniv Biton mit herrlicher Komödiantik ausstattet, doch nicht nur als das wahre Schreibtalent.

Sondern kann kraft seines Berufs auch für mehr Echtheit im Tränendrücker sorgen – was die Zuschauerzahlen noch mehr in die Höhe schnellen lässt. Doch Assi ist ein Mann mit einer Mission, und die lautet, die fade Figur des Yehuda sympathisch und sexy zu machen, schon um Assis Frau eins auszuwischen. So liefert der Kommandeur Salam zwar bei jedem Zusammentreffen neuen Stoff für dessen Straßenfeger, aber auch Stoff für Diskussion, funktioniert Assi doch das zugegeben ziemlich antizionistische Drehbuch in pro-israelische Propaganda um.

Wenn Salam Marwan einen Freiheitskämpfer nennt, während Assi ihn Terroristen schimpft, wenn Onkel Bassam bemängelt, seine Serie ähnle immer mehr dem Osloer Friedensabkommen und Salam über sein der Ersten Intifada geschuldetes Hummus-Trauma erzählt, wenn Leibesvisitationen in Lokalen an der Tagesordnung sind und Panzerkolonnen zu Kulissen werden, wenn Yehuda-Darsteller Yehuda gegen seine Rolle revoltiert, weil er, der sieben Jahre in einem israelischen Gefängnis saß, die Figur plötzlich viel zu nett findet, wenn Assi Salam schließlich den Pass wegnimmt, um seinen Willen durchzusetzen, und man diesen als nunmehr quasi Geisel entlang der Westbank-Mauer irren sieht …, dann wird die Daily Soap im Film zu einem Stellvertreterkonflikt, in dem jeder der Beteiligten das Schicksal Palästinas bestimmen will.

Daraus entwickeln Zoabi und Kleinman ein irrwitziges Spiel rund um ihr ungleiches Zweiergespann. Es gelingt ihnen, die Unwägbarkeiten, das Risiko und den Unsicherheitsfaktor des israelisch-palästinensischen Zusammenlebens anzudeuten, auch ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und daher Fatalismus spürbar zu machen, ohne das Mitmenschliche aus dem Auge zu lassen. Nicht umsonst erhielt „Tel Aviv on Fire“ den INTERFILM-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs. Das Schöne nämlich ist, dass den Fans der Serie politische Script-Strategien völlig egal sind. Während die Männer am Staffelfinale tüfteln, einer Hochzeitsszene mit Bombe im Brautstrauß, Motto: „In unserer Welt gibt es kein ,Romeo und Julia‘“, wollen die Frauen Lovestory mit Happy End. „Nicht alles ist Politik, mein Lieber. Hier geht es um Romantik“, bescheidet ihm Assi Ehefrau am Ende. Weshalb er sich mit Salam einen salomonischen, man könnte auch sagen suleimanischen Schluss einfallen lässt …

„Tel Aviv on Fire“ ist außer einer anarchisch-utopischen Komödie auch eine hintersinnige Parabel auf die Frage, wie man der Ausweglosigkeit von großer Geschichte durch Versöhnung im Kleinen begegnen kann. Die leise Sehnsucht nach einer normaleren Welt teilen sich alle Charaktere, selbst Assi, der zugibt, nicht gern am Checkpoint stationiert zu sein. Die Soap geht derweil in die zweite Staffel. Bleiben Sie dran!

Video:

 

www.mfa-film.de/kino/id/tel-aviv-on-fire

  1. 7. 2019

Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand

November 22, 2018 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie „Humbug!“ zum Weltbestseller wurde

Christopher Plummer als Scrooge, dahinter Dan Stevens als Charles Dickens. Bild: © Bah Humbug Films Inc & Parallel Films (TMWIC) Ltd 2017

Adaptionen gibt es unzählige, selbst die Muppets, Micky Maus und Bill Murray kamen daran nicht vorbei, eine Folge „Doctor Who“ befasst sich damit, auch eine von „Blackadder“, sogar Onkel Dagobert heißt im englischen Original Scrooge McDuck. „A Christmas Carol“ nicht zu kennen, ist so unmöglich wie „Stille Nacht“ nicht zu können. Wie die Feiertagsgeschichte entstand, erzählt ab Freitag im Kino „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“.

Basierend auf dem Buch von Les Standiford ist Regisseur Bharat Nalluri ein hinreißender, auf very britische Weise verschroben schrulliger Film gelungen, opulente, starbesetzte Bilder von einer pittoresken Schmuddeligkeit – wobei Nalluri trotz schwelgerischer Optik nie auf die Dickens’sche Sozialkritik vergisst. Was der Autor in „Oliver Twist“ oder „David Copperfield“ festhielt, die Armut der Arbeiterklasse, das Ausbeuten von Kindern als billige Arbeitskräfte, rührt aus der eigenen Vergangenheit, erfährt man, ein Kindheitstrauma, dem der Film ebenso viel Raum widmet, wie der Geburt des Literatur-Klassikers. Und so wird man, während Dickens im Winter 1843 von Flops, auf welche beinah die Pleite folgte, aus der Kurve getragen wird, und in den sechs Wochen bis zum Christfest einen Erfolg nicht nur schreiben, sondern, weil die renommierten Häuser alle abwinken, auch selbst verlegen und ergo neue Kredite aufnehmen muss, immer wieder in jene Fabrikshalle zurückgeworfen, in der der elfjährige Charles seinen Lebensunterhalt verdienen musste.

Ein schmutzstarrendes, rattenbefallenes Loch ist das, in dem Buben mit rußverschmierten Gesichtern Etiketten auf Glasflaschen kleben, hustend, hinter ihnen der riesige Kessel, in dem die Schuhpolitur brodelt, die Warren’s Blacking Warehouse herstellt. Sechs Tage die Woche, zwölf Stunden am Tag schuftete das Kind Dickens hier, während Vater und Mutter in Schuldhaft saßen, und diese Schmach und Scham und der Schmerz darüber, von den Eltern so fahrlässig verlassen worden zu sein, wird den Schriftsteller ein Leben lang begleiten. Kaum jemandem hat er sich über diese Erfahrungen anvertraut, und so verwebt der Film das Gespenst der Vergangenheit, dem Dickens Herr zu werden versucht, mit den Geistern, die er ruft, damit sie sein neues Buch bevölkern.

Pittoreskes London. Bild: © Bah Humbug Films Inc & Parallel Films (TMWIC) Ltd 2017

Der Schreibprozess wird zur Seelenreinigung. Dies alles serviert Nalluri nicht auf dem Silbertablett, sondern entdeckt er dem Zuschauer erst nach und nach. Das macht „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ über die Buchstory hinaus zum spannenden Psychogramm des Schreibstars. Dass die Übung gelingt, ist in hohem Maße dem als „Downton Abbey“/„Matthew Crawley“ bekannten Dan Stevens zu danken.

Er macht aus dem 31-jährigen Dickens einen kauzigen Unruhegeist, der mal vor Zorn, mal vor Enthusiasmus mit wehenden Rockschößen durchs viktorianische London wirbelt, um sein Projekt voranzutreiben. Wenn die Kamera auf Stevens‘ Gesicht zoomt, die Augen darin mitunter von durchaus berechtigtem Wahnsinn umflort, ist alles abzulesen, was diesen Mann an- und umtreibt: Die Aufwendungen für sein Dandy-Dasein, das Haus zwecks Renovierung eine kostspielige Baustelle, bei der Frau das fünfte von zehn Kindern unterwegs – und ante portas der nach wie vor verschwenderische Vater samt Mutter, um beim Sohn einmal mehr zu schmarotzen.

Diesen John Dickens spielt der grandiose Jonathan Pryce changierend zwischen der Grandezza eines Lebemanns und eines vom Leben gebeutelten, ewigen Verlierers. Wie ihm für seine Enkelkinder – selbstverständlich auf Charles‘ Kosten – nichts zu teuer ist, wie er für sie spontan Märchen erfindet und erzählt, da erkennt man den Ursprung von Charles‘ Genie, dann wieder ertappt ihn dieser im Mistkübel nach seinen weggeworfenen Entwürfen stöbern – ein Autograph des berühmten Autors brächte John eine Menge Geld ein.

Der zweite (Vater-)Charakter, mit der sich Dickens herumschlagen muss, ist natürlich Ebenezer Scrooge, eine Rolle, die für Christopher Plummer, der mit Süffisanz und Sarkasmus brilliert, erschaffen worden zu sein scheint. Wie Nalluri Leben und Werk verknüpft, so fällt auch für Dickens die Fiktion in den Alltag ein, seine Figuren findet er in seinem Umfeld, seinen Rechtsanwalt und einen Kellner mischt er zu Marleys Geist, und Tiny Tim, dessen Vorbild Dickens‘ gehbehinderter Neffe ist, darf nur überleben, weil das irische Kindermädchen Tara für ein Happy End plädiert. So entdeckt er schließlich seinen Scrooge bei einem nächtlichen Friedhofsspaziergang, wo dieser alles, was mit Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu tun hat, mit dem Wort „Humbug!“ abtut. Das ist für Dickens zu schön, um daran vorbei zu gehen.

Charles Dickens (Dan Stevens in der Mitte) wird von seinen Figuren verfolgt. Bild: © Bah Humbug Films Inc & Parallel Films (TMWIC) Ltd 2017

Mit den Figuren kommt zum Aberwitz auch ein gewisser Gruselfaktor ins Spiel. Wunderbar, wie sie es sich im Arbeits-, manchmal sogar im Schlafzimmer bequem machen, zu Geschäftsessen und anderen Gelegenheit mitgehen, immer um Dickens herum sind, und vor allem Mitspracherecht über ihre Gestaltung einfordern. Geizhals und Fiesling Scrooge findet sich als zu einseitig dargestellt, „Meine Figur hat keine Gelegenheit, ihre Seite zu erklären“, beschwert er sich.

Bis Dickens sich endlich mit einem irritierten „Ich bin hier der Autor!“ die Autorität über sein Schaffen zurückerobert. In einer Schlüsselszene erscheint, nebelumwabert und von Blitzen begleitet, Marleys Geist nicht um Scrooge, sondern dessen Schöpfer seine Ketten aufzuzeigen. Und so muss Charles Dickens den Scrooge in sich erkennen und sich um nichts weniger läutern als sein Antiheld … „Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand“ ist von einer Warmherzigkeit, die selbst den größten Weihnachtsmuffel in X-Mas-Laune versetzen muss. Ein Film, so herbsüß wie Lebkuchen, so süffig wie der dazu gehörende Punsch, so dass einem jetzt schon die Christbaumsterne in den Augen glänzen.

www.bleeckerstreetmedia.com/themanwhoinventedchristmas

  1. 11. 2018

Museum der Moderne Salzburg: Proudly Presenting

April 28, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die Sammlung Generali Foundation

auf dem Mönchsberg

Bruno Gironcoli: Große Säule mit eingesetzten Augenprothesen, 1968  Ausstellungsansicht Proudly Presenting: Sammlung Generali Foundation, 2014, Skulptur  Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg  Bild: © Museum der Moderne Salzburg, Rainer Iglar

Bruno Gironcoli: Große Säule mit eingesetzten Augenprothesen, 1968
Ausstellungsansicht Proudly Presenting: Sammlung Generali Foundation, 2014, Skulptur
Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg
Bild: © Museum der Moderne Salzburg, Rainer Iglar

Mit der Ausstellung Proudly Presenting: Sammlung Generali Foundation wird erstmals eine Auswahl aus der international renommierten Sammlung an ihrem neuen Standort, dem Museum der Moderne Salzburg, präsentiert. Die Generali Foundation hat ihre international viel beachtete Sammlung Anfang des Jahres dem Museum der Moderne Salzburg im Rahmen einer umfassenden Partnerschaft als Dauerleihgabe anvertraut. In dieser ersten Schau zur Vorstellung einer Auswahl aus der Kollektion, die insgesamt etwa 2.100 Werke von 200 Künstlerinnen und Künstlern umfasst, wird Einblick in einige der Charakteristika der bekannten Sammlung gegeben. Präsentiert werden 133 Arbeiten von 25 Künstlerinnen und Künstlern in unterschiedlichen Medien, die von Skulptur und Installation über Film, Fotografie und Video bis zu Zeichnung reichen. Die Sammlung Generali Foundation enthält herausragende Werke von den 1960erJahren bis in die Gegenwart. „Von international bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern wurden bereits relativ früh größere Werkgruppen gesammelt“, erläutert Sabine Breitwieser, Direktorin am Museum der Moderne Salzburg. „Anlässlich dieser ersten Präsentation in Salzburg werden zentrale Werke gezeigt, unter anderem von Künstlern, die in den letzten Jahren leider verstorben sind – Bruno Gironcoli, Walter Pichler, Allan Sekula und Franz West. Mit ihnen bestand – wie mit vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern, die in dieser Ausstellung zum Teil erstmalig in Salzburg vorgestellt werden – ein besonderes Naheverhältnis.“

Eine erste thematische Werkgruppe in der Ausstellung umfasst emblematische Objekte, in denen Kunst, Design und Architektur in Form von utopischen Ideen miteinander verschmelzen. Die phallischen Skulpturen von Bruno Gironcoli, die Glaspavillons von Dan Graham, das Mobile Büro (1969) von Hans Hollein, die Interventionen von Gordon Matta-Clark in aufgelassenen Gebäuden oder der TV-Helm (1967) von Walter Pichler sind inzwischen Ikonen dieser Thematik. Die hohen Erwartungshaltungen an neue Technologien und Medien, die wir seit den 1960erJahren erleben, mündeten auch in zahlreichen Arbeiten, in denen deren Auswirkungen auf den Menschen erforscht werden. Die feministisch-aktionistischen Werke von VALIE EXPORT, insbesondere ihr TAPP-und TASTKINO (1968), oder Harun Farockis Videoinstallationen beziehen dazu Position in Form von profunden Werkgruppen, aus denen in dieser Ausstellung nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt werden kann. Eine mittlere und jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern bezieht sich in ihren Arbeiten wiederum aus einer aktuellen Perspektive auf die ehemaligen Utopien, darunter Dorit Margreiter, Marjetica Potrc, Florian Pumhösl, Mathias Poledna und Heimo Zobernig.

Im Verbund mit einer Medienkritik sind in der Sammlung zahlreiche Werke vertreten, in denen Fotografie gewissermaßen gegen den Strich gebürstet wird, wie in Sanja Ivekovic’ Fotocollagen, in Martha Roslers Foto-Text-Installation über die New Yorker Bowery oder in Allan Sekulas filmischen Fotoarbeiten. „Institution für Institutionskritik“ wurde die Generali Foundation vor vielen Jahren in einer  Schlagzeile genannt. Tatsächlich sind in der Sammlung viele Künstlerinnen und Künstler vertreten, die eine Untersuchung der Bedingungen von Kunst sowie die Frage, was wir von Kunst eigentlich wollen, zum Inhalt ihrer Arbeit gemacht haben. Hans Haacke hat dies in seinem Kondensationswürfel (1965) als einer Art von kinetischer Besucherstatistik früh verdeutlicht. Adrian Piper wiederum verhandelt in ihrer Arbeit Hegemonien und Stereotypen in der Kunst, und Andrea Fraser klärt uns in „Museumsführungen“ in lustvoller Weise über das wirkliche Leben in einem Museum auf.

Mit dieser Ausstellung setzt das Museum der Moderne Salzburg den Prätext zu einer neuen rotierenden Schausammlung, in der künftig Werke der Sammlung Generali Foundation in Dialog mit den anderen umfangreichen Beständen des Museums treten – von denhauseigenen Werken über die Fotosammlung des Bundes und die Sammlung FOTOGRAFIS der Bank Austria Unicredit bis zur Sammlung MAP. In der Ausstellung vertreten sind Werke von VALIE EXPORT, VALIE EXPORT/Peter Weibel, Harun Farocki, Andrea Fraser, Bruno Gironcoli, Dan Graham, Hans Haacke, Hans Hollein, Sanja Ivekovic, Richard Kriesche, Dorit Margreiter/Mathias Poledna/Heimo Zobernig, Gordon Matta-Clark, Gustav Metzger, Walter Pichler, Adrian Piper, Marjetica Potrc, Florian Pumhösl, Martha Rosler, Allan Sekula, Goran Trbuljak, William Wegman, Peter Weibel, Franz West und Heimo Zobernig.

www.museumdermoderne.at

Wien, 28. 4. 2014

The Timekeepers

März 25, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Dan Clancys KZ-Drama in österreichischer Erstaufführung

Eric Lomas, James Sbano Bild: Hannah Neuhuber

Eric Lomas, James Sbano
Bild: Hannah Neuhuber

Ein jüdischer Häftling hat die Aufgabe im KZ Sachsenhausen Uhren zu reparieren. Als ihm ein homosexueller Mithäftling als Assistent zugeteilt wird, entwickelt sich eine angespannte Situation. Die beiden Gefangenen Benjamin (einst der beste Uhrmacher Berlins) und Hans (ein redseliger Homosexueller) scheinen am Beginn wenig gemeinsam zu haben. Im Laufe des Geschehens überwinden die beiden Häftlinge ihre Vorurteile aber durch ihre Liebe zur Oper und aus der anfänglichen gegenseitigen Abhängigkeit entwickeln sich Verständnis, Vertrauen und schließlich Freundschaft …

Das Stück wurde im Zuge des Open Minds Projekts 2013 der Open House Theatre Company vom Publikum ausgewählt. Premiere: 25. März im KIP – Theater im Cafè Prückel. In englischer Sprache.

In der Hauptrolle ist Broadway Star James Sbano (Nr. 1793) zu erleben, der seine Laufbahn in der Uraufführung von „Jesus Christ Superstar“ am Broadway begann und unter anderem auch schon in Wien als Chagal in der Welt-Uraufführung von Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ zu sehen war. Mit ihm spielen Eric Lomas (als Nr. 9355) und Alan Burgon (Capo). Regie & Bühne: Robert G. Neumayr.

www.openhousetheatre.at

www.kip.co.at

Wien, 25. 3. 2014