toxic dreams im Theatermuseum: After the End and Before the Beginning

Februar 12, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Video-Installation mit Hamlet, Winnie und Woyzeck

Praktiziert den alten philosophischen Gedanken: Ich spreche, also bin ich: Stephanie Cummings als Winnie aus „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett. Bild: © Timotheus Tomicek

Wer fragt sich nicht manchmal nach dem Ende eines Films, eines Theaterstücks oder eines Buches wie die Geschichte eigentlich weitergeht, wie die darin Handelnden weiterleben? Oder wie es ihnen vor deren Anfang erging? Die Videoinstallation „After the End and Before the Beginning“ der Gruppe toxic dreams erzählt nun im Theatermuseum und in neun Kurzfilmen mögliche Vorgeschichten oder Fortschreibungen von ikonenhaften Charakteren aus klassischen Theaterstücken.

Unter den handelnden Personen befinden sich William Shakespeares Hamlet und Lady Macbeth, Friedrich Dürrenmatts Claire Zachanassian aus „Der Besuch der alten Dame“, oder Olga aus Anton Tschechows „Drei Schwestern“. Sie alle steigen in einen Wagen und während der Fahrt durch die Stadt ergeben sich Gespräche mit dem Chauffeur. Auf diese Weise erfahren die Besucherinnen und Besucher mehr darüber, wie sich das Leben der Figuren vor oder nach ihren Auftritten im Originalstück zugetragen haben könnte.

Hamlet, ein Experimentalfilmer, ist auf dem Weg zum Begräbnis seines Vaters und monologisiert über Filme, Schauspieler und die ultimative Story. Nora, die einst ohne Verbindungen zur Vergangenheit oder Perspektive einer Zukunft ihre Familie verlassen hat, ist mittlerweile aufstrebende Politikerin und bereitet im Taxi ihre Rede vor, in der sie ihre Wählerschaft über ihre Trennung von Mann und Kindern informieren will. Woyzeck kommt von der Beerdigung Maries und sucht aufgeregt ein Restaurant, um seinen Hunger zu stillen. Lady Macbeth ist Chefin eines Verbrechersyndikats, hat eben wieder jemanden um die Ecke gebracht und gibt dem Fahrer eine Einführung in die Kunst des Mordens. Nach einer weiteren lausigen Verabredung ist Blanche DuBois verzweifelt und möchte nur ziellos durch die Stadt kurven.

Markus Zettl als Hamlet von William Shakespeare. Bild: © Timotheus Tomicek

Nina Fog als Shakespeares Lady Macbeth. Bild: © Timotheus Tomicek

Susanne Gschwendtner als Eliza Doolittle. Bild: © Timotheus Tomicek

Ein Billigflugangebot ermöglichte Olga endlich den langersehnten Wochenendtrip in die Stadt ihrer Träume, Moskau, von dem sie nun zurückkehrt. Die Linguistikexpertin Eliza Doolittle, mittlerweile zur weiblichen Version ihres Erziehers Higgins verkommen, einsam, versnobt und überheblich, lässt sich zu einem Vortrag zum Thema Sprachanwendung chauffieren. Winnie, steckt irgendwo zwischen dem Davor und dem Danach, genießt ihre wöchentliche Rundfahrt durch die Natur und praktiziert den alten philosophischen Gedanken: Ich spreche, also bin ich. Claire Zachanassian, die reiche, angesehene alte Dame, fährt mit dem Leichnam ihres Liebhabers nach Capri zurück, um in der Internetshow „Celebrities Talk in a Family Car“ teilzunehmen.

Die Multi-Screen-Videoinstallation ist über mehrere Ausstellungsräume des Palais Lobkowitz verteilt. Die Besucherinnen und Besucher entscheiden selbst, welchem Charakter und welcher Geschichte sie folgen möchten. Jede Film-Station hat ein von alten Lichtspieltheatern inspiriertes Präsentationsdesign, das einen atmosphärischen Kontext zum Raum und den Werken des Theatermuseums und der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste herstellt.

Es spielen: Stephanie Cumming die Winnie aus „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett, Nina Fog die Lady Macbeth, Susanne Gschwendtner die Eliza Doolittle aus „Pygmalion“ von George Berhard Shaw, Isabella Händler die Blanche DuBois aus „Endstation Sehnsucht“  von Tennessee Williams, Anna Mendelssohn Ibsens Nora,  Jutta Schwarz die Claire Zachanassian, Anat Stainberg Tschechows Olga aus den „Drei Schwestern“, Florian Tröbinger Büchners Woyzeck und Markus Zett den Hamlet. Text, Regie und Chauffeur: Yosi Wanunu. In englischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

www.toxicdreams.at           www.theatermuseum.at

12. 2. 2021

Tanzquartier Wien: Frühjahrsprogramm 2014

Januar 29, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Starke Frauen dominieren das Parkett

Eugénie Rebetez: Encore Bild: © Augustin Rebetez

Eugénie Rebetez: Encore
Bild: © Augustin Rebetez

Robyn Orlin, Stephanie Cumming, Eugénie Rebetez, Claudia Bosse: Sie alle sind der Einladung des Tanzquartier gefolgt und zeigen im ersten Quartal 2014 in Wien ihr Können. Dazu kommt ein ganz besonderer Gast: Superstar William Forsythe bringt sein neues Tanzstück zur Aufführung. Das Programm im Detail:

Den Januar im Tanzquartier Wien schließt die südafrikanische Choreografin Robyn Orlin, die für ihre politischen und drastischen Arbeiten bekannt ist, mit dem Abend  In a world full of butterflies, it takes balls to be a caterpillar … some thoughts on falling (31.1.+1.2.) ab. Das Publikum erwartet zwei Soli (von Elisabeth B. Tambwe und Eric Languet), die sich mit der Macht von Bildern und den Grenzen des Darstellbaren beschäftigt. In I Dance, Therefore I Talk verhandelt die wunderbare Performerin Stephanie Cumming Fragen der Beziehung von Tanz und Gesellschaft in einer losen Abfolge von  Szenen bzw. Gesprächen. Der Regisseur Yosi Wanunu / Toxic Dreams  verzichtet dabei weitgehend auf den beliebten Sport des Theoriewerfens, wenngleich dieser mitverhandelt wird. Ein humorvoller, leichtfüßiger Tanz der Worte und des Körpers (7.+8.2.). Nach dieser Uraufführung bietet das Tanzquartier Wien bis Ende Februar zwei Gastspiele internationaler Kompanien, gefördert von modul-dance: A Gesture That Is Nothing But A Threat von Sofia Dias & Vitor Roriz  (14.+15.2.) und Cold Blood von Julia Cima (21.+22.2.).

Auch im März und April geht der bewährte Mix aus internationalen Gastspielen und Uraufführungen lokaler KünstlerInnen weiter. Den März eröffnet Thomas Jelinek mit einem performativen Diskurs-Labor (1.3.), Eugénie Rebetez zeigt Encore (7.+8.3.), danach „de-illusionieren“ Dominik Grünbühel & Luke Baio ihr Publikum in der Halle G (14.+15.3.) und der „Schauspielrenegat“ Laurent Chétouane zeigt seine aktuelle Arbeit 15 Variationen über das Offene (21.+22.3.). Der Zeitraum von 26. bis 29. März ist für eine neue Ausgabe unserer Programmverdichtung Scores reserviert. Der April startet mit einem Highlight der besonderen Art: wieder einmal konnte der Weltklasse-Choreograf William Forsythe  für ein Gastspiel im Tanzquartier Wien gewonnen werden (4.+5.4. / TQW / Halle E). In dem Stück Yes We Can’t setzen sich die Tänzer und Tänzerinnen in gewohnt präziser und virtuoser Art und Weise mit der Möglichkeit des Scheiterns auseinander, frei nach Becketts „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern“. Danach gibt es mit Claudia Bosse / theatercombinat (10.-13.4.)  und The Loose Collective (23.,25.+.26.4.) noch spannende Uraufführungen lokaler KünstlerInnen.

www.tqw.at

Wien, 29. 1. 2014

Der Mai im Festspielhaus St. Pölten

Mai 3, 2013 in Tipps

Alles bewegt sich!

Bild: Ros Kavanagh

Bild: Ros Kavanagh

Im Mai  kommt Bewegung ins Festspielhaus – alles dreht sich um das Thema Tanz. Am 4. Mai präsentiert Michael Clark die Österreich-Premiere seiner Produktion „come, been and gone“, in der Moderner Tanz, Ballett und Rockmusik aufeinandertreffen. Am 11. Mai findet das große Tanz- und Musikprojekt „alles bewegt“ in der gleichnamigen Bühnenshow seinen Höhepunkt und Abschluss und am 16. Mai steht die Uraufführung von „Österreich tanzt Baby!“ auf dem Programm. Vier österreichische ChoreografInnen treffen hierbei auf die Musiker der Band Tanz Baby!.

Michael Clark: come, been and gone, Österreich-Premiere, Sa 04. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
Am 04. Mai kommt der britische Choreograf Michael Clark mit seinem Stück „come, been and gone“ ins Festspielhaus: revolutionärer zeitgenössischer Tanz, bei dem die Welten des klassischen Balletts, des Modern Dance sowie explosive Rock-Musik aufeinandertreffen. Michael Clark spielt mit der klassischen Form, die er ebenso zelebriert wie dekonstruiert. Gewagte Kostüme, radikale Stilbrüche und Überzeichnungen, Einfallsreichtum und ein großes Gefühl für Bilder machen seine Abende einzigartig. Zudem ist „come, been and gone“ auch eine Hommage an Rockmusiker wie Bruce Gilbert, Iggy Pop und vor allem David Bowie, dessen Song „Heroes“ den Kern des Abends bildet.

alles bewegt, Uraufführung, Sa 11. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
In der Bühnen-Show „alles bewegt“ findet das gleichnamige große Tanz- und Musikprojekt seinen Höhepunkt und Abschluss, auf den 140 NiederösterreicherInnen zwischen 8 und 80 Jahren ein Jahr lang hingearbeitet haben. Für viele von ihnen war es die erste praktische Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Tanz. Das kreative Team vereint KünstlerInnen wie Doris Uhlich, Maurizio Grandinetti, Murat Coskun oder Josette Baïz, die im Festspielhaus zu den fixen Größen der vergangenen Jahre zählen. Die künstlerische Gesamtleitung obliegt Jane Hackett von Sadler’s Wells London und Joachim Schloemer, dem Künstlerischen Leiter des Festspielhaus St. Pölten.

Österreich tanzt Baby!, Uraufführung, Do 16. und Fr 17. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
Das Festival Österreich TANZT erhält zum Abschluss der Ära Joachim Schloemer noch einmal ein völlig neues Format! Schloemer legt diesmal selbst als Kurator Hand an das Festival und lässt vier österreichische ChoreografInnen mit der Live-Band Tanz Baby! aufeinandertreffen. Tanz Baby! ist bekannt für ihre einzigartige Mischung aus altem Schlager und Neuer Deutscher Welle. Basierend auf ihren Songs, die die Zuhörer auf eine Achterbahnfahrt der großen Gefühle mitnehmen, entstehen vier eigenständige Mikrochoreografien, die von Stephanie Cumming, Ákos Hargitay, Radek Hewelt und Helene Weinzierl extra für diesen Anlass kreiert werden. Auf der Bühne mischen außerdem die Festspielhaus-Crew und die St. Pöltner Football-Mannschaft General Invaders mit.

www.festspielhaus.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 3. 5. 2013