Heidi Horten eröffnet in Wien ein Museum

Juli 6, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Agnes Husslein-Arco wird als Direktorin genannt

Ausstellungsansicht WOW! The Heidi Horten Collection, © Leopold Museum, Bild: Lisa Rastl

Wie der ORF berichtet, plant Kunstmäzenin Heidi Goëss-Horten in der Wiener Innenstadt ein Museum für ihre Sammlung einzurichten. Als Standort wird das von der Milliardärin erworbene Stöcklgebäude im Hanuschhof neben Staatsoper und Albertina angegeben, wo auf zwei Etagen und im Innenhof, also etwa 2.000 m², Highlights der Heidi Horten Collection gezeigt werden sollen. 2022 soll eröffnet werden, Agnes Husslein-Archo wird als Direktorin genannt.

Husslein-Arco ist bereits als Beraterin der Kunstsammlerin tätig und kuratierte die Ausstellung „Wow! The Heidi Horten Collection“ im Leopold Museum, die im vergangenen Jahr erstmals Einblicke in die hochkarätige Sammlung gab, und mit 360.000 Besuchern für einen Museumsrekord sorgte. Die Präsentation im Leopold Museum, 170 Exponate von 75 Künstlerinnen und Künstlern, folgte dem lang gehegten Wunsch der passionierten Sammlerin Horten, die Highlights der seit den 1990er-Jahren sorgfältig zusammengetragenen Meisterwerke von Künstlern wie Gustav Klimt, Emil Nolde, Andy Warhol oder Damien Hirst einem Publikum zugänglich zu machen.

Die Ausstellung fokussierte auf die Sammlungstätigkeit von Heidi Goëss-Horten. Leben und Wirken von Helmut Horten wurden von Historikern wissenschaftlich aufgearbeitet. Bereits in den 1970er-Jahren begann Heidi Horten gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Horten, Kunst zu sammeln. Die beiden interessierten sich damals vor allem für Werke des deutschen Expressionismus. Nach dem Tod Hortens 1987 beschloss sie, ihre eigene Sammlung mit neuen Schwerpunkten aufzubauen. Ohne sich vorherrschenden Trends auf dem Kunstmarkt zu unterwerfen, konzentrierte sich die Sammlerin auf Werke der internationalen Moderne, des Neoexpressionismus und der amerikanischen Pop-Art und schuf so eine in ihrer Qualität und Dichte einzigartige Kollektion.

Ernst Ludwig Kirchner: Rote Akte, 1912. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection

Francis Bacon: Study for Portrait of Henrietta Moraes. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection © Bildrecht, Wien, 2018

Die Heidi Horten Collection umfasst heute mehrere Hundert Gemälde, Grafiken und Skulpturen. Als Schwerpunkte sind neben dem deutschen Expressionismus mit Meisterwerken von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Emil Nolde und Max Pechstein auch die abstrakten Positionen von Cy Twombly, Mark Rothko oder Ernst Wilhelm Nay sowie die amerikanische Pop-Art mit Vertretern wie Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat oder Roy Lichtenstein zu nennen. Daneben betonen bedeutende Werkblöcke von Marc Chagall, Georg Baselitz, Francis Bacon, Fernand Léger, Gerhard Richter, Yves Klein, Lucio Fontana oder Damien Hirst die internationale Ausrichtung.

hortencollection.com           wien.orf.at/stories/3003298

6. 7. 2019

MAK: Chinese Whispers

Januar 29, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ost interpretiert West

Ai Weiwei: Descending Light with A Missing Circle, 2017. © Ai Weiwei, Bild: Bruno Bühlmann, Foto Jung, Sursee/Schweiz

Ein umfassendes Bild chinesischer Gegenwartskunst präsentiert ab 30. Jänner die MAK-Ausstellung „Chinese Whispers. Neue Kunst aus der Sigg Collection“. Der Sammler Uli Sigg verfolgt seit Ende der 1970er-Jahre die Entwicklung zeitgenössischer Kunst in China und begann Mitte der 1990er-Jahre die weltweit repräsentativste Sammlung chinesischer Kunst aufzubauen. Die  Schau zeigt Arbeiten von international renommierten Künstlerinnen und Künstlern.

Darunter Ai Weiwei, Cao Fei, Feng Mengbo, He Xiangyu, Liu Ding oder Song Dong. Als Wirtschaftsjournalist, Unternehmer und Schweizer Botschafter in China, Nordkorea und der Mongolei hatte Sigg die Möglichkeit, hinter die Kulissen der enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu blicken, die – wie Chinas Vision einer Neuen Seidenstraße zeigt – der Tradition und der Zukunft verschrieben sind. Sigg förderte auch zahlreiche Karrieren wie jene von Ai Weiwei. „Chinese Whispers“  konzentriert sich auf Objekte der Privatsammlung. Mit Techniken wie Kalligrafie, Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation und Video eröffnen die gezeigten Arbeiten ein breites Spektrum von traditionell analog bis zu digital produzierten Werken.

Die chinesische Gegenwartskunst ist ein Phänomen ohne Parallele. Auch nach der Kulturrevolution bleiben die Einflüsse des Sozialistischen Realismus und die Einschränkungen durch die Zensur spürbar. Dennoch erlebte zeitgenössische Kunst in China nach der zunehmenden politischen Öffnung in den 1980er-Jahren eine einschneidende Richtungsänderung. In kürzester Zeit griff eine neue Generation chinesischer Künstler moderne Strömungen des Westens auf. Die Inhalte lesen sich oft als Reaktion auf die politische und gesellschaftliche Situation der Zeit. Wang Xingwei etwa wählt im Gemälde „My Beautiful Life“eine Bildkomposition, die auf Edvard Munchs ikonengleiches Bild „Der Schrei“ verweist. Der Einsamkeit des Malers in Munchs Selbstbildnis stellt Wang Xingwei ein kontemplatives Porträt eines Paares auf einer Brücke gegenüber, dessen Blicke in einer Landschaft verebben, die durch Versatzstücke des modernen Konsums und des Fortschritts kontrastiert ist.

Wang Xingwei: My Beautiful Life, 1993–1995. Courtesy Sigg Collection. Bild:  © Wang Xingwei

He Xiangyu: The Death of Marat, 2011. Courtesy Sigg Collection. © He Xiangyu, Bild: Yangwei Photo Studio

Ai Weiwei untersucht die Grenze zwischen bildender Kunst und Design im Spiegel der Geschichte, wie in der eigens von der Sigg Collection beauftragten Installation „Descending Light with A Missing Circle“. Ein auf den Boden gestürzter monumentaler Luster aus roten Kristallperlen verweist auf den Verfall der modernen Gesellschaft. Die Farbe Rot, die in China traditionell das Glück in seinen spannungsreichen Facetten symbolisierte, wurde im 20. Jahrhundert durch die Ideologie des Kommunismus zur Farbe der Revolution, des Fortschritts und der politischen Macht.

Als ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit dem Kulturtransfer zwischen Ost und West ist in der Ausstellung das Werk „The Death of Marat“ des Künstlers He Xiangyu zu sehen. Die Arbeit zeigt eine Szene mit Ai Weiwei und bezieht sich auf das gleichnamige Gemälde von Jacques-Louis David, eine Ikone der Französischen Revolution. Die Idee dazu entwickelte Xiangyu, als Ai Weiwei in China im Gefängnis war und gleichzeitig ein Staatsbesuch des damaligen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Deutschland stattfand. In der MAK-Ausstellung treten die Arbeiten der Sigg Collection in Dialog mit historischen Objekten aus China aus der MAK-Sammlung Asien.

Seit seiner Gründung mehr als 150 Jahren setzt das MAK einen musealen Schwerpunkt auf asiatisches Kunstgewerbe aus China, Japan und Korea. Bereits um 1900 konnte das Museum die Höhepunkte asiatischer Kulturen dokumentieren, ein Großteil des Sammlungsbestands des unter wirtschaftspolitischen Vorzeichen gegründeten Handelsmuseums kam 1907 an das heutige MAK. Die mehr als 25.000 Objekte umfassende Sammlung zählt zu den bedeutendsten in Europa und schafft somit eine besondere Plattform für die Präsentation der Sigg Collection.

www.mak.at

29. 1. 2019

Leopold Museum: WOW! The Heidi Horten Collection

Februar 9, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Vom deutschen Expressionismus bis zur US-Pop-Art

Marc Chagall, Les Amoureux, 1916 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection © Bildrecht, Wien, 2017

Mit der Ausstellung „WOW! The Heidi Horten Collection“ wird ab 16. Februar eine der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen erstmals öffentlich gezeigt. Die Präsentation im Leopold Museum folgt dem lang gehegten Wunsch der Sammlerin, die seit den 1990er-Jahren sorgfältig zusammengetragenen Meisterwerke von Gustav Klimt über Andy Warhol bis Damien Hirst einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So zeigt die Ausstellung mehr als 150 Werke aus 100 Jahren Kunstgeschichte und bietet zugleich einen individuellen Blick auf das Spektrum an Kunst, das Heidi Goëss-Horten unter einem Dach vereinen konnte.

Der deutsche Expressionismus sowie die amerikanische Pop-Art bilden dabei die größten Werkgruppen. Mit Exponaten von MarcChagall, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Gustav Klimt, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Joan Miró, Edvard Munch, Pablo Picasso, Egon Schiele, Francis Bacon, Georg Baselitz, Jean-Michel Basquiat, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Lucian Freud, Damien Hirst, Alex Katz, Yves Klein, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Mark Rothko, Andy Warhol und andere mehr.

Die Schau zu Beginn des Jahres 2018 sieht Direktor Wipplinger als die Fortsetzung eines Epochen überschreitenden Weges in der Programmierung. „Nicht nur, dass es uns durch die Initiative von Agnes Husslein-Arco gelungen ist, die erstmalige Präsentation einer der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen in unserem Haus zeigen zu können, ergeben sich in dieser Schau auch schöne Querblicke zur Sammlung von Rudolf Leopold.“ Agnes Husslein-Arco erwähnt, dass es der Sammlerin besonders wichtig ist, Kinder und Jugendliche an die Kunst heranzuführen, und sie sponsert deswegen großzügig das Kunstvermittlungsprogramm wie den freien Eintritt jeden Donnerstagabend von 18 bis 21 Uhr.

Francis Bacon, Study for Portrait of Henrietta Moraes, 1964 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection The Estate of Francis Bacon, All rights reserved © Bildrecht, Wien, 2017

Aandy Warhol, Four-Foot Flowers, 1964 © Courtesy Heidi Horten Collection. Bild: Courtesy Heidi Horten Collection The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Bildrecht, 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.leopoldmuseum.org

9. 2. 2018

Leopold Museum: Flüchtige Schönheit

November 9, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Raucherzeichnungen sind das Gesündeste an Zigaretten

Ludwig Heinrich Jungnickel, Ziegenbock als Raucher Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 1953

Ludwig Heinrich Jungnickel, Ziegenbock als Raucher
Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 1953

1928 schrieb die österreichische Tabakregie Werbegeschichte, ­indem sie renommierte Künstler einlud, bei der Neugestaltung ihrer Packungen mitzuwirken. Die Liste der Teilnehmer liest sich wie ein Who is Who der damaligen Kunstszene. Mitglieder von Secession oder Hagenbund, wie Josef ­Dobrowsky, Anton Faistauer, Oskar Laske, Carry Hauser, Franz von Zülow, ­Ludwig Heinrich Jungnickl, Albert Paris Güthersloh, Alfred Gerstenbrand, lieferten ebenso Entwürfe, wie Künstler der Wiener Werkstätte und des Werkbundes. ­Darunter Gabi Lagus Möschl, Mathilde Flögl, Maria Strauss-Likarz, und ­Oswald Haerdtl.

Ihre Arbeiten zeigt das Leopold Museum nun ab 19. November unter dem Titel „Kunst und Design der 1920er Jahre aus der JTI Collection Vienna“. Die JTI Collection Vienna der JTI Austria GmbH (vormals Austria Tabak) geht bis auf die Wiener Weltausstellung 1873 zurück und umfasst rund 10.000 tabakhistorische Objekte und Bilder. Sie ist damit eine der umfangreichsten ihrer Art in Europa.

Nicht nur das Design der Packungen, sondern auch neue Marken sollten eine Öffnung zur Moderne signalisieren. Die Sorten Jam, sowie eine nach einer zeitgenössischen Jazzoper von Ernst Krenek benannte Marke zeugen von der Amerikabegeisterung der Zeit. Mit der Asta wurde erstmals eine spezielle Zigarette mit rotem Seidenmundstück für die mondäne Frau lanciert. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbes zur Ästhetisierung eines Alltagsproduktes spiegeln nicht nur den herrschenden Zeitgeist wider. Sie treten darüber hinaus in einen spannungsreichen Dialog mit der Kunst der Zwischenkriegszeit aus der Sammlung des Leopold Museums.

www.leopoldmuseum.org

Wien, 10. 11. 2015