Stand Up Fluc

Oktober 13, 2014 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Wiens Stand Up Comedy Club mit Hosea Ratschiller

14777860542_382afa35e7_bIm Szenelokal „Fluc“ steigen ab 20. Oktober  regelmäßige Abende mit humoristischen Kurzauftritten. Im Abstand von zwei Wochen treten je 4 – 6 Acts auf. Die Bandbreite wird von Stars der Szene bis zu völligen Newcomern reichen. Von Radio FM4 wird der Open Mike Slot „Kaltes Wasser“ präsentiert, der Gelegenheit geben soll, sich erstmals auf einer Bühne auszuprobieren. Für die künstlerische Linie sorgt Andreas Fuderer, Leiter des Traditionstheaters „Kabarett Niedermair“ und Mit-Betreiber des Wiener „Stadtsaal“.

Durch die Abende führt Hosea Ratschiller, musikalisch begleitet von DJ Al Bird Sputnik (Schnitzelbeat).

Der Ort

Mit einem programmatischen Mix aus intelligenter Popmusik, alternativen Literaturveranstaltungen und diskursiver Kunst hat sich das „Fluc“ als Hotspot der Wiener Subkultur etabliert. Durch seine freigestellte Lage unmittelbar vor dem Riesenrad, bildet es eine kulturelle Landmark der Bundeshauptstadt. Für Österreichs Kabarettszene ist der Sidestep ins „Fluc“ eine hochspannende Frischzellenkur.

 Der Moderator

Hosea Ratschiller, geb. 1981 in Klagenfurt, ist als Komiker für Radio („FM4 Ombudsmann“, „Ö1 Welt Ahoi!“, „BR Radiospitzen“ u.v.m.) und Fernsehen („BÖsterreich“, „Sendung ohne Namen“, „Dorfers Donnerstalk“ u.a.) tätig, schreibt Bücher (zuletzt: „Österreicher erklären die Welt“) und ist als Solokabarettist im deutschsprachigen Raum unterwegs. 2012 wurde er mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

Das Line Up

20.10.: mit Christoph & Lollo, Klaus Eckel, Marcel Mohab, Paul Pizzera, Clemens Maria Schreiner,…
3.11.: mit Flüsterzweieck, Gunkl, Günther Lainer, Andreas Rebers, Berni Wagner,…
17.11.: mit BlöZinger, Josef Hader, Nadja Maleh, Stipsits & Rubey, Christoph Straka,…
1.12.: mit Bernhuber & Sarsam, Stefan Haider, Pepi Hopf, Thomas Maurer, Mike Supancic,…

www.fluc.at

www.niedermair.at

Wien, 13. 10. 2014

Dallas Buyers Club

Februar 6, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie schön wäre es, wenn dieser Film nicht wichtig wäre

Jared Leto, Matthew McConaughey Bild: Ascot Elite

Jared Leto, Matthew McConaughey
Bild: Ascot Elite

Da müssen Sie durch, das müssen Sie hier noch einmal lesen: Dass Matthew McConaughey für seine Rolle 25 Kilo, Jared Leto 15 abgenommen hat. Dass nach dem Golden Globe nun auch der Oscar winkt. Die roten Teppiche rotieren, die TV-Kameras kollabieren. „Dallas Buyers Club“ ist die Filmsensation der Saison. Wie schön wäre es, wenn dieser Film nicht wichtig wäre. Aber er ist es in Zeiten steigender HIV-Infizierungen. Sein Bemühen um Aufklärung ist denn auch das edelste Motiv, dass man dem kanadischen Regisseur Jean-Marc Vallée nachsagen kann. Mehr als zwanzig Jahre nach „Philadelphia“ berichtet Hollywood wieder über das wichtige Thema AIDS. Ein Verdienst von Drehbuchautor Craig Borten, der zwei Jahrzehnte um die Umsetzung des Projekts gerungen hat. „Dallas Buyers Club“ erzählt eine true story, die von Ron Woodroof nämlich, den Borton 1992 knapp vor dessen Tod getroffen und drei Tage lang interviewt hat.

Der Texaner, Elektriker und Rodeoreiter, Prolo und Macho, Frauenflachleger, erhielt Mitte der 80er-Jahre die tödliche Diagnose. Weil sich ein echter Homophober aber nicht damit abfinden kann, an der „Schwulenseuche“ zu krepieren, machte er sich auf die Suche nach alternativen Heilmitteln und fand eines in Mexiko. Das er in den USA, weil nicht zugelassen, nicht verkaufen durfte. Also gründete er einen Klub, dessen Mitglieder das Medikament nach Einzahlung eines Mitgliedsbeitrags beziehen konnten. Dies ist der spannendste Aspekt des Films: Wie einer eine Gesetzeslücke ausnützte, der Verhinderungstaktik der US-Zulassungsbehörde die Stirn bot und etlichen Mitleidenden zu einer Lebensverlängerung verhalf. In kurzen Aufblitzern zeigt Vallée auch die Gleichgültigkeit der Pharmaindustrie, die Angst der Ärzte gegenüber den Patienten. Hier hat „Dallas Buyers Club“ seine stärksten Momente.

Ansonsten wird kaum ein Klischee ausgelassen. Von Anfang an ist klar, dass man über den unsympathisch-cholerischen Ron noch Tränen vergießen wird, dass da einer vom Zero zum Hero aufsteigt, dass seine Zweckbekanntschaft Rayon genau die mit dem Herzen ist, die Menschen, die Anderssein als Krankheit betrachten, zum Umdenken veranlasst. An Überraschungen gibt es wenig, ist das Ende der Geschichte ja bekannt. Vallée wusste an welches Publikum er sich richtet und hat die Dinge entsprechend hergerichtet. Dass das Ganze keine politisch korrekte Oscar-Schielerei ist, sondern mit trotziger Rotzigkeit daher kommt, ist das Verdienst von McConaughey. Der ehemalige sexiest man alive, berühmt für Surfer-Fotos, abonniert auf romantische Komödien, zeigte schon als böser Börsenmakler in Martin Scorseses „Wolf of Wall Street“ was Sache ist. Nun ist der 44-Jährige auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Mit einer Tour-de-Force-Performance macht er den Überlebenskampf seines Aids-Aktivisten beinah greifbar. Er ist bis zuletzt ein Rebell gegen Krankheit und Sterben. Ebenso gelungen ist die Leistung von Jared Leto. Der Frontmann von Thirty Seconds to Mars spielt den Transsexuellen Rayon mit atemberaubend morbiden Charisma. Eine fragile Figur ohne Dragqueen-Feder im Arsch. Dass mit dieser darstellerischen Authentizität so manche inhaltliche Echtheitsklippe umschifft wird, muss einem egal sein. Das ist Hollywood. Und das ist ein sehenswerter Film.

www.dallasbuyersclub.de

www.focusfeatures.com/dallas_buyers_club

Trailer: www.youtube.com/watch?v=cC6mv0KhOBY

Wien, 6. 2. 2014