Das MAK öffnet am 1. Juni: Show Off und Otto Prutscher

April 29, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Neu kommt die Pop-Up-Schau „Creative Climate Care“

Andreas Kronthaler for Viv. Westwood, Advertising Campaign, FW 18/19. © Juergen Teller

Das MAK nimmt den Museumsbetrieb mit 1. Juni wieder auf. Am Pfingstmontag werden sämtliche aktuellen Sonderausstellungen, allen voran die Großausstellungen „Show Off. Austrian Fashion Design“ und „Bugholz, Vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign“, wieder geöffnet. Am 16. Juni folgt die neue Ausstellung „Raimund Abraham. Angles and Angels. Zeichnungen Modelle Prototypen“. Außerdem wird das gesamte MAK Design Lab

inklusive des Projekts „Helmut Lang Archiv: Eine Intervention von Helmut Lang“ wieder zugänglich sein. Ebenfalls Mitte Juni startet ein Zyklus von Pop-up-Ausstellungen zum Thema „Creative Climate Care“. Die Schau „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ muss aufgrund verlorener Produktionszeiten ins nächste Jahr, 21. April bis 3. Oktober 2021, verschoben werden.

Mit dem neuen Zyklus „Creative Climate Care“ will das MAK mit Blick auf die vielen Dimensionen der Krise ein besonderes Signal setzen: In Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien entwickeln junge Kreative Pop-up-Ausstellungen zum Thema Klimawandel und Klimaschutz. Im MAK Forum stellen sie ab 16. Juni die Frage: Was können wir aus der Corona-Krise für die Zukunft lernen? und laden die Besucherinnen und Besucher ein, mit ihren Ideen zu dieser stetig wachsenden Ausstellung beizutragen.

Show Off. Austrian Fashion Design: Mode von Gernreich bis Kronthaler und Kutoglu

Ab 1. Juni wird das MAK wieder zur Bühne für die herausragendsten zeitgenössischen Modepositionen designed/ made in Austria. Als erste umfassende Großausstellung ihrer Art lädt „Show Off. Austrian Fashion Design“ auf multiplen Ebenen zur Auseinandersetzung mit österreichischer Mode im internationalen Kontext. Gast-Kuratorin Ulrike Tschabitzer-Handler inszeniert gemeinsam mit Gast-Co-Kurator Andreas Bergbaur und Brigitte Winkler als wissenschaftlicher Beraterin eine außergewöhnliche Fashion-Zeitreise in spektakulärem Setting:

Raumgreifende Installationen von Architekt Gregor Eichinger bilden den Rahmen für einen Parcours durch die österreichische Modeavantgarde von den 1980er-Jahren bis heute. Herzstück der Schau ist eine überdimensionale, sechseinhalb Meter hohe, leichte und offen strukturierte Skulptur im zentralen Raum der MAK-Ausstellungshalle. Begehbar auf mehreren Ebenen, erlaubt sie eine unmittelbare Begegnung mit etwa 250 Modeobjekten: Bekleidung, Schuhe, Taschen sowie Schmuck-Accessoires von etwa 60 Designerinnen und Designern. Die transparente Architektur lässt 360°-Einblicke auf die Exponate zu.

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, 2019. Makeup Enzio Costa. Model Sieme, Visagemodelszürich. © Laura Knipsael

Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, Advertising Campaign, FW 17/18. © Juergen Teller

Gewagte Kettenkreation: AND_I, Triangle dress, RAW SS 20, 2019. © Felix Vratny

Revolutionäre Entwürfe von zwei der prägendsten Modeikonen bilden das Entrée zu diesem Zentrum der Ausstellung: Rudi Gernreich, Amerikaner österreichischer Herkunft, dessen Entwürfe aus Los Angeles Ende der 1970er-Jahre den weltweiten Zugang zur Mode revolutionierten, und Helmut Lang, in New York lebender Mode-Star und Künstler mit österreichischen Wurzeln, stehen als Vorbilder für das Potenzial der heimischen Modeszene.

Großflächige Prints von 34 Modefotografinnen und -fotografen lenken flankierend dazu den Blick auf die visuelle Ausdruckskultur von Mode. Viele der vertretenen Lichtbildner, darunter Elfie Semotan, Andreas H. Bitesnich, Jakob Lena Knebl, Lukas Gansterer oder Erwin Wurm, arbeiten im internationalen Kontext und haben dazu beigetragen, österreichisches Modedesign international zu verankern. Teilnehmende Designerinnen, Designer und Labels sind unter anderem Andreas Kronthaler, Atil Kutoglu, Lena Hoschek, Michel Mayer, Petar Petrov, Demian, Ludwig Reiter, Macchu Picchu, Marina Hoermanseder, Maximilian Rittler, Peter Pilotto, Thomas Kirchgrabner, Ute Ploier und Wendy&Jim … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=37994

Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne: Das Œuvre des Dianabad-Designers

Otto Prutscher: Interieur des Café Ronacher, Schottenring, Wien I., Wien, 1913. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher in einem Sessel von Josef Zotti, 1913. Bild: Karl Ehn. © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher: Detail des Warmwasserbeckenraums im Dianabad, Wien, 1913/14. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Siebzig Jahre nach seinem Tod und zwanzig Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Wien beleuchtet das MAK das Werk von Otto Prutscher neu. Die Ausstellung „Ootto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“ verdeutlicht ab 1. Juni erneut die mannigfachen Rollen, die Prutscher als Architekt und Designer, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen – von der Secession bis zur Wiener Werkstätte und dem Werkbund – für die Entwicklung der Wiener Moderne spielte. Ausgewählte Beispiele aus seinem komplexen Œuvre dokumentieren seine jahrzehntelange einflussreiche Rolle als Entwerfer und Berater für die bedeutendsten Kunstgewerbefirmen seiner Zeit.

Trotz seiner Schaffenskraft und Vielseitigkeit wurde das Werk des großen Kunstgewerblers und Architekten bis dato nicht entsprechend gewürdigt. Prutschers Vermächtnis umfasst unter anderem mehr als 50 Bauwerke, Villen, Wohnhäuser, Portale, etwa 50 Ausstellungen, die er künstlerisch und organisatorisch gestaltete oder mitgestaltete, circa 170 Einrichtungen, mehr als 300 Entwürfe von Einrichtungen sowie mehr als 200 Einzelmöbel und Garnituren. Eine großzügige Schenkung von 139 Entwürfen, Objekten in Silber, Glas und Keramik sowie Möbeln durch die Sammlerin Hermi Schedlmayer nimmt das MAK zum Anlass für diese Personale … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36287

MAK: „Sitzen 69“ Revisited: Tischlersessel vs. Designklassiker

Josef Frank: Armlehnsessel, Wien, 1933. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Wolfgang J. Haipl: Sessel, Wien, 1963. Bild: © MAK/Georg Mayer

Franz Schuster: Armlehnsessel, Nr. 1652, Wien, 1952. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Bunte, poppige Möbel und Design-Ikonen wie den Panton Chair von Werner Panton oder den Fauteuil Galaxy von Walter Pichler stellt das MAK ebenfalls wieder ab 1. Juni in der Ausstellung „Sitzen 69“ Revisited traditionellen hochwertigen „Tischlersesseln“ gegenüber. 1969 präsentierte das Österreichische Museum für angewandte Kunst in der Möbelausstellung „Sitzen 69“ gediegene „Tischlersessel“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich. Sitzgelegenheiten, die heute für die Epoche charakteristisch sind, fehlten damals allerdings.

Zum 50-Jahr-Jubiläum dieser Ausstellung greift das MAK das Thema nochmal auf und vergleicht die aus Holz und in Handarbeit von Tischlern gefertigten Sessel mit verspielten und verrückten Möbelobjekten, die zum Inbegriff der alternativen und utopischen Wohnkonzepte der 1960er-Jahre wurden. Mit etwa 45 Objekten bietet die Schau in der MAK-Schausammlung Historismus Jugendstil einen Einblick in die zeitgenössische Konsumgüterproduktion der 1960er-Jahre … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36028

mak.at

29. 4. 2020

Kunsthaus Wien: Climate Changes Everything 2

Februar 8, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Kunst im Zeichen der Klimakatastrophe

goods in process 1, 2014 Bild: © Stefanie von Schroeter

goods in process 1, 2014
Bild: © Stefanie von Schroeter

Ab 11. Februar zeigt das Kunsthaus Wien in der Garage die Ausstellung „Climate Changes Everything 2“. Die Schau folgt einer ersten Präsentation im Sommer des Vorjahrs, in der die Folgen des Klimawandels kritisch unter die Lupe genommen wurde. Gastkurator Raimar Stange wählte Werke acht internationaler Künstlerinnen und Künstler, die nach einem alternativen Umgang mit Natur und Umwelt fragen und die rücksichtslose Ausbeutung „natürlicher“ Ressourcen ihrer Kritik aussetzen.

Peter Friedl etwa zeigt in seiner Computeranimation „Home Tree Home“ Handlungsanweisungen, wie ein Baumhaus gebaut werden kann, ohne dass der Baum dabei verletzt wird. Baumhäuser stehen für einen romantischen Rückzug in die Natur, allerdings bedeutet ihre Errichtung oft Gefahr für den Baum. Im Stil sozialkritischer Kohlezeichnungen geht Friedl der Frage nach, ob eine Verletzung des Baumes wirklich nötig ist. Er schlägt Alternative Halterungen vor, die gewissermaßen Haltung beweisen. Antje Majewski und Pawel Freisler stellen den Apfel ins Zentrum ihrer künstlerischen Reflexion, etwa in ihrer gemeinsamen Ausstellung „Der Apfel. Eine Einführung (immer und immer und immer wieder)“ im Museum Abteiberg Mönchengladbach 2015. Eine gemeinsam mit verschiedenen städtischen Gruppen organisierte Pflanzaktion im öffentlichen Raum verlagerte das künstlerische Geschehen gezielt raus aus dem hehren White Cube. In „Climate changes everything 2“ sind eine filmische Dokumentation dieser Aktion und zwei aus der Ausstellung hervorgegangene Editionen zu sehen.

Christine Würmells Installation „was bleibt und wächst“, die speziell für diese Ausstellung konzipiert wurde, behandelt die Rolle der Kunst selbst im Kontext der Klimakatastrophe. Der Energieverbrauch, der während der Ausstellungsdauer im Ausstellungsraum anfällt, wird gemessen und dabei der Anteil an Biostrom festgestellt. Immer, wenn dieser Anteil eine Quantität erreicht, die von einer Grünpflanze gebunden werden kann, wird eine solche Pflanze in der Ausstellung platziert. Oliver Ressler thematisiert in seinem Film „Leave in the ground“ die globalen Folgen der Klimakatastrophe und ruft zum Kampf gegen diese Entwicklung auf. Ausgangspunkt ist die anvisierte Ölförderung im Meer rund um die norwegische Inselgruppe der Lofoten. Es handelt sich hier um eines der weltweit größten Lebensareale von Fischen und Meerestieren. Die Konsequenzen der beabsichtigten Tiefseebohrungen und der Ölförderung auf diese Populationen sind unabsehbar. In der Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass ihr Überleben hochgradig gefährdet ist – politischer Aktivismus, aber auch künstlerischer Artivismus sind hier dringend gefragt.

Der Beitrag von Stefanie von Schroeter schließlich ist das Foto „goods in process 1“. Es zeigt vier Hocker aus Kunststoff, die ineinander gestapelt brennend im Schnee stehen. Das so poetische wie widerspruchsvolle Bild eröffnet einen Denkraum, der von „Kunst als Ware“ über „Zivilisationsmüll“ bis hin zu „zerstörerische Hitze im Winter“ reicht. Denn der Dezember 2015 war mit deutlichem Abstand der weltweit wärmste Dezember seit dem Messungsbeginn 1880 …

www.kunsthauswien.com

Wien, 8. 2. 2016