Werk X-Petersplatz: Lies mein Herz

Februar 8, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Von der verzweifelten Liebe zweier Lyriker

Eine Pierrette als Souffleuse: Soffi Schweighofer, Régis Mainka und Claudia Marold. Bild: © Apollonia Theresa Bitzan

Atemloser haben wohl kaum je zwei Lyriker um Worte gerungen, und das nicht etwa, weil’s ihre Dichtkunst betraf, sondern weil sie Liebende waren. Vor ziemlich genau zehn Jahren erschien bei Suhrkamp der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, das Private berührend, das Politische bedeutend, eine hochliterarische Reise durch Gefühle und Gedanken, ein zu Papier gebrachter Kampf um Zuneigung, Zuwendung, auch Zugeständnisse – „Herzzeit“.

Shirina Granmayeh und Matti Melchinger von Junges Theater Wien haben nun im Werk X-Petersplatz ihre Bühnenfassung dieser Texte zur Uraufführung gebracht. „Lies mein Herz“ heißt der Abend, der so entstanden ist, und durch den eine Pierrette, verkörpert von Soffi Schweighofer, zwei Paare führt.

Claudia Marold, Veronika Petrovic, Régis Mainka und Johannes Sautner sind die Ingeborgs und Pauls, eine Ménage à Quatre, die sich in den intellektuellen Infight begibt. Wer mit wem wird im Laufe der Aufführung wechseln, man wird sich begegnen und sich spiegeln und im Zitate-Reigen zum Zerrbild des anderen werden. Man wird einander mit Kreide Grenzen ziehen.

Und apropos, Kreide: An die Wände ist damit Davidstern und Herz gezeichnet, und ist ein Satz der „Todesfuge“ geschrieben. Sie wird Leitmotiv bleiben, ihr „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Und so treffen einander die 21-jährige Studentin und der um sechs Jahre ältere Poet an einem Maitag 1948 in Wien, ein schicksalhaftes Zusammenkommen, lang anhaltendes Drama einer Amour Fou, die beider Existenz empfindlich mitentscheiden wird. Wie schnell einer des anderen Prüfstein wird, wie eine unbedachte oder aber sehr durchdachte Bemerkung des einen dem anderen das Sprechen vereist, führen Marold, Petrovic, Mainka und Sautner auf bemerkenswerte Weise vor – das Kärntner Nazi-Kind und der durch den Krieg staatenlos gewordene Jude, dessen Eltern im KZ ermordet wurden und der selber ein Zwangsarbeiterlager nur mit knapper Not überlebte.

„One Of Us Is Crying“: Johannes Sautner als Gitarrero und Soffi Schweighofer. Bild: © Apollonia Theresa Bitzan

Eine Opernparodie entgleist mit Hitlergruß: Johannes Sautner und Régis Mainka. Bild: © Apollonia Theresa Bitzan

Bald wird er, dieser lebenslang Überlebensschuldige, ihr, der hier noch Lebenshungrigen, mit dem Satz seines „älteren Dunkels“ den ersten Pfeil in die Seele schießen. Wird einen nach-Auschwitz’schen Abgrund aufreißen, den Schweighofers Pierrette als Erzählerin und Souffleuse zwar zu überbrücken sucht, aber ach … Régis Mainka und Johannes Sautner, einander äußerlich ähnlich gemacht, gestalten Paul als einen, der mit Vehemenz, auch Wut, auftritt. Geraten ihre Celans aneinander, kann auch schon einmal gerauft und einander geohrfeigt werden.

Oder man liegt sich sozusagen selbst im Arm, im Versuch, die Depression hinwegzutrösten. Vor allem Mainka macht aus der Figur einen selbstgefällig Verzweifelten, ganz Dichter und Denker und Nägelbeißer, und wie Mainka ihn eines seiner Werke mit ausladender Geste vortragen lässt, da muss der Schauspieler mit dem lachenden Publikum schmunzeln. Überhaupt gelingt es Shirina Granmayeh und Matti Melchinger ihre Inszenierung, den Briefe-Pathos, der naturgemäß mehr vom Ausdruck als von der Aktion bestimmt ist, durch einige so skurrile wie surreale Einschübe zu konterkarieren.

Es erklingt Jerry Lewis‘ „The Typewriter“, wenn die genialischen Autoren auf imaginäre Tasten hämmern, oder Abbas „One Of Us Is Crying“ wird zum Musikcontest, die Herren an Schlagzeug und Gitarre, die Damen bemüht, in der ersten Reihe zu tanzen. Johannes Sautner mutiert zur Operndiva, der mitten in der Arie ein Hitlerbärtchen wächst, derweil ihr der rechte Arm zum entsprechenden Gruß auskommt. Soffi Schweighofer singt sehr ergreifend „Send In The Clowns“ und Sautner am Schluss „Heite Drah I Mi Ham“ von Wolfgang Ambros. Da ist Celan 1970 schon in die Seine gegangen.

In vielerlei Variationen spielen Granmayeh und Melchinger mit dem Motiv Opfersohn und Tätertochter. Das Fiasko mit der Gruppe 47 kommt vor, die von Celan als antisemitisch empfundene Rezension des Gedichtbandes „Sprachgitter“ durch Günter Blöcker, die alte Ängste aufreißt. Celans Ehefrau Gisèle und Bachmanns neuer Partner Max Frisch kommen zu Wort. Und mitten in der Wüste ihrer tief verstörten, tief verstörenden Worte, deren immer wiederkehrende „Schwere“ und „Schweigen“ und „Schuld“ sind, mitten im Stammeln und Selbstzerfleischen der beiden sonst so Sprachgewaltigen, ist es schön, dass auch Themen wie ein brennen gelassenes Bügeleisen oder der Kauf einer Stehlampe eine Rolle spielen.

Johannes Sautner, Claudia Marold, Veronika Petrovic und Régis Mainka. Bild: © Apollonia Theresa Bitzan

Auf neuerlichen Liebessturm folgen neuerlich Kränkungen, folgt Celans „Notschrei“, folgt eine Bachmann am Ende ihrer Kräfte. Es ist erstaunlich oder auch eine Angelegenheit der persönlichen Interpretation, aus dieser Korrespondenz herauszulesen, dass Ingeborg Bachmann, diese Ikone feministischen Schreibens, Celan gegenüber stets die Gebende, die Beschwichtigende, die Psychotherapeutin gewesen zu sein scheint. Claudia Marold und Veronika Petrovic spielen das jedenfalls so, und das mit großer und sehenswerter Überzeugungskraft.

 

werk-x.at          www.facebook.com/jungestheaterwien

  1. 2. 2019

Volkstheater: Biedermann und die Brandstifter

Februar 2, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wissen, woher der Wind weht

Jovial statt brutal beim Hausfriedensbruch: Thomas Frank, Günter Franzmeier und Gábor Biedermann. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Interpretiert worden ist schon auf Teufel komm raus, aufgrund der Entstehungszeit des Textes als Warnung vor dem Kommunismus, wegen des hintersinnigen Nachspiels in der Hölle als Parabel auf den Nationalsozialismus. Der Autor selbst bezeichnet die Pyromanen seines „Lehrstücks ohne Lehre“ schlicht als Dämonen, geboren aus der diffusen Furcht eines wohlhabenden Haarwasser- fabrikanten, der sein Hab und Gut mit Unehrlichkeit und im Wortsinn einem Über-Leichen-Gehen schützt.

„Viel sieht, wo nichts ist, der Ängstliche“, schreibt Max Frisch. Der ungarische Regisseur Viktor Bodó, immer gut für fantastisch absurde Projekte, hat jetzt am Volkstheater Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ inszeniert, und hat sich punkto Uneindeutigkeit der Deutung am ehesten der des Schweizer Schöpfers angeschlossen. Das ist auch die gangbarste, da allüberall eine Gutbürgerlichkeit den – politischen – Extremismus in ihrer Mitte willkommen heißt, um gefühlt Schlimmeres, sprich: Flüchtlingsströme, arbeitsscheue Spätaufsteher, ausländische Sozialschmarotzer, mittels dessen Radikalität zu bekämpfen. Der Rechtsstaat wird zum Rechts-Staat, das wird im Fidesz-Land ja längst durchexerziert, und was die hiesige Innenpolitik betrifft, lässt sich die Stelle „… die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit, komischerweise, die glaubt niemand“ zitieren.

Nun wäre Bodó nicht, wer er ist, könnte er nicht Aussage in Unterhaltung packen. Das Volkstheater hat sich die jüngste Arbeit seines Stars was kosten lassen, seit Wochen schon wirbt das Haus mit über ganz Wien verteilten brandheißen Kunstwerken, bei der gestrigen Premiere feierte die Pyrotechnik auf dem Balkon ihr Fest. Bodó selbst spielt mit Suspense-Musik, mit sportlichen Einlagen samt Cheerleading, Sprüchen aus dem Kinoklassiker „Casablanca“, spielt mit Slapstick, einem Würfelzuckerorgasmus und spielt Schattenspiele. Er spickt das Stück mit surrealen Albtraumsequenzen und skurrilem Humor. Bedeutungsvoll spooky ist auch ein Wind, der immer wieder Türen aufdrückt, und man weiß, woher der gerade weht. Gelte es die Stimmung der so entstanden Horrorgroteske zu beschreiben, wäre wohl Buñuels Bourgeoisie das beste Beispiel. Die Bühne von Juli Balázs atmet gediegenes Spießertum, die Kostüme von Fruzsina Nagy kontrastieren Frack wie vorgesehen mit Proll-Buxe – Thomas Frank hat’s wieder einmal nicht aus der Jogginghose geschafft.

Biedermann kann den Brandstiftern keinen Korb geben: Thomas Frank und Günter Franzmeier. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Gewaltexplosion von Null auf 100: Gábor Biedermann, Thomas Frank und Jan Thümer. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Frank gibt den ersten auftretenden Brandstifter, den Ringer Sepp Schmitz, schon von der Statur her höchst passend, mehr jovial als brutal. Er drängt den Biedermann weniger durch Dreistigkeit, sondern übers Einschmeicheln in die Defensive, während er de facto Hausfriedensbruch begeht. Günter Franzmeier gestaltet Gottlieb Biedermann gewohnt großartig, er zeigt seine Figur als scheinheiligen Schöntuer, dessen Feigheit und Zurechtbiegen wie Ableugnen von Tatsachen die brenzlige Situation erst möglich machen.

Hat er erst einen Mitarbeiter durch einen unbedachten Ausspruch in den Selbstmord getrieben, will er nun „kein Unmensch“ sein, weshalb er eine Macht in sein Haus lässt, der er nicht mehr Herr wird. Wie sich Franzmeiers Biedermann selber den Zuständen ausliefert, sich mit den gefährlichen Schurken arrangiert, wie letztlich seine Wahl die neuen Verhältnisse schafft, ist sehenswert. Ebenso wie Steffi Krautz. Als Biedermanns Frau Babette ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs, präsentiert sie eine neue Facette ihres schauspielerischen Könnens, wenn sie sich mit verkniffenem Mund, kleinlaut, eingeschüchtert in ihr Schicksal fügt.

Krautz gelingt derart wunderbare Komödiantik, etwa wie sie mit Dienstmädchen Anna, Evi Kehrstephan changierend zwischen Servilität und Aufbegehren, über die Haussprechanlage non-kommuniziert. Gábor Biedermann und Jan Thümer spielen den von Null auf 100 explosionsbereiten Eisenring und den besonnenen Dr. phil., womit das Brandstifter-Trio komplett wäre, der Manipulator, der Provokateur und der Ideologe, der sich vom Komplizen „Weltverbesserer“ schimpfen lassen muss und dessen Distanzierungsansprache am Ende im Feueralarm untergeht. Stark auch die Szene, in der die lästig trauernde Witwe des in den Suizid gegangenen Angestellten, Claudia Sabitzer, deren Rolle als Frau Knechtling aufgewertet wurde, in einem erschreckenden Gewaltausbruch des kriminellen Dreiergespanns zum Schweigen gebracht wird. Da blickt das Gastgeberpaar reglos ins Publikum. Damit will man nichts zu tun haben. Aber kein Finger wird gerührt, um es zu verhindern.

Der Kranz für Knechtlings Begräbnis wird an die Biedermanns geliefert: Steffi Krautz. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Die mahnenden „Wehe! Wehe!“-Rufe kommen von Stefan Suske und Nils Hohenhövel als von Frisch ähnlich dem der antiken Tragödie angedachten Chor – aus Feuerwehrmännern. Deren schlussendlich sinnlose Wachsamkeit während der Zurüstungen zum Flächenbrand, vom Abladen der Benzinfässer übers Abmessen der Zündschnur bis zum willigen Aushändigen des Streichholzes, lässt die Ahnung keimen, bei welcher Phase man sich gesellschaftspolitisch gerade befindet. Im Begriff „Biedermann“ steckt auch ein Anbiedern, und derart befeuert zündeln die Brandstifter gern.

www.volkstheater.at

  1. 2. 2019

Kosmos Theater: Jetzt müssen wir auf morgen warten

Januar 30, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Sch(m)erzhaft satirische Selbstbetrachtungen

Claudia Kottal, Constanze Passin und Anna Kramer. Bild: Bettina Frenzel

Die akustisch besten Jahre? Das sind nämlich jene, von denen man ständig gesagt bekommt, man befände sich in ihnen, obwohl man sich gar nicht danach fühlt. Diese Feststellung ist nur eine der unzähligen treffenden aus Amina Gusners Text „Jetzt müssen wir auf morgen warten“, der gestern im Kosmos Theater Wien uraufgeführt wurde, in Koproduktion mit dem von Claudia Kottal und Anna Kramer ins Leben gerufenen Kulturverein XYZ.

Der die Autorin nicht nur mit diesem Recherchestück beauftragte, sondern Gusner auch die Regie übertrug. Entstanden ist so ein Abend der sch(m)erzhaft satirischen Selbstbetrachtungen. Für den das in Klammern gefasste M bedeutet, dass hier zwar viel Vergnügtheit verbreitet wird, ist doch, wenn Schadenfreude einen selbst betrifft, das Lachen stets am schönsten, die Sätze aber genau aus diesem Grund auch tief ins Fleisch schneiden. Weil man etliches des Gesagten wie aus dem eigenen Leben gegriffen empfindet und daher als traurig, aber wahr bezeugen kann.

Claudia Kottal, ab Freitag auch in der Kinokomödie „Love Machine“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=31598) zu sehen, Anna Kramer und Constanze Passin zeigen drei Schwestern, ob wirklich oder im Geiste ist schwer auszumachen, wird doch immer wieder von Scheidungstrauma, daraus entstandenem Mutterkomplex und einem nun zu versorgenden, weil alleinstehenden Vater gesprochen, im Ringen um ihre Existenzberechtigung und in der Erwartung, dass die kleinen Glücksversprechungen zum Dasein endlich eingelöst werden. Die Moral von der Geschichte lässt sich leicht vorwegnehmen und lautet, das Leben fängt erst an, wenn man anfängt zu leben.

Claudia Kottal. Bild: Bettina Frenzel

Constanze Passin. Bild: Bettina Frenzel

Doch bis diese Erkenntnis keimt, spielen die Schauspielerinnen, live unterstützt von Singer-Songwriterin Clara Luzia, ein schwarzhumoriges Spiel mit Klischees und stereotypen Rollenbildern, allesamt landläufig bekannte Schablonen, in die Frauen gedrängt werden – oder in die sie sich ganz von allein zwängen. Und so werden zwischen hingehauchten Luftküsschen und sekkanter Launenhaftigkeit Themen wie Dauerdiät, Hyaluron-Spritzen und Kaufrausch abgehandelt, ist einem das Erscheinungsbild doch eigentlich nie gut genug, – und natürlich der K(r)ampf unter den Geschlechtern.

Dieser für Frauen als ewiges Wechselbad zwischen Selbstzweifel, Selbstaufgabe und Selbstachtung dargestellt. Eine Tatsache, die die Geschiedene, die Beziehungsgeschädigte und die Langzeitehefrau vom Lebensziel „einen Mann kriegen“ übers Warten auf den einen Ring und der Angst „übrigzublieben“ bis zur gesellschaftlichen Wertigkeit und dem schwindenden Selbstwertgefühl bei Kinderlosigkeit abhandeln. Kommunikationsprobleme werden mit Rücksicht auf das Geschlecht, das beim Angenörgeltwerden in sich zusammen schrumpft, und mittels Hätscheln von dessen Selbstbewusstsein gelöst, wobei’s kein Ding sein darf, selber den Orgasmus vorzutäuschen.

Kottal, Kramer und Passin agieren mit vollem Einsatz, erschaffen spielerisch Übergänge von der Persiflage zu bitterer Ernsthaftigkeit und wechseln gekonnt die Tempi vom Stakkato-Sprechen zur raumgreifenden Stille. Sie tanzen, singen (unter anderem „Ich find‘ dich scheiße“ von Tic Tac Toe), wüten und schluchzen über Trennungsgespräche und Familienkonflikte und, ja, die mangelnde Frauensolidarität ist echt zum Schmunzeln, wenn der einen vorgeworfen wird, sie solle ihrem Partner gegenüber endlich „niedlich und anhimmelnd sein, statt ständig kritisierend“. Oder wenn, apropos Partner-in, darüber diskutiert wird, man müsse eine neue für den Vater finden, damit man selber nicht mehr für ihn waschen, kochen und putzen müsse.

Anna Kramer, Constanze Passin und Claudia Kottal. Bild: Bettina Frenzel

Amina Gusner hat – im Bühnenbild und mit den Kostümen ihrer Schwester Inken Gusner – keine Facette von Frau-Sein ausgelassen, ihre Figuren wollen weiblicher, am weiblichsten werden, und wenn zu deren selbstauferlegter Aufgabe, mitgegebene Muster ungefragt zu übernehmen, Sätze wie der von der Verantwortung fallen, die ungleich schwieriger sei, wenn man versuche man selber zu sein, und nicht das, was die anderen wollen, dann tut das schon weh.

Derart ist „Jetzt müssen wir auf morgen warten“, von Gusner auf der Grundlage von Gesprächen mit verschiedensten Frauen entwickelt, in Wortsinn aus dem Alltag gegriffen. Situationen zum Lachen, zum Weinen, zum Ärgern folgen Schlag auf Schlag, ein Puzzle an Begegnungen, die am Ende ein Ganzes ergeben, und immer geht es um ein persönliches Sich-Behaupten, ein Brücken bauen und Grenzen einreißen. Dies ja gleichsam das Vereinsmotto von XYZ: die Vielfalt von Lebensformen jenseits von Chromosomen-Normen sichtbar und spürbar zu machen. So sagen Claudia Kottal und Anna Kramer: „Empathie ist in diesen Zeiten ein vom Aussterben bedrohtes Gut und Theater einer der wenigen Orte, wo man sie nähren kann.“

Trailer: www.youtube.com/watch?v=_0mfElTOYtk

kosmostheater.at

  1. 1. 2019

Love Machine

Januar 29, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Womanizer mit Waschbärbauch

Georgy Hillmaier wird vom ambitionslosen Musiker zum erfolgreichen Callboy: Thomas Stipsits. Bild: © Allegro Film/Philipp Brozsek

„Sensibel, bissi Macho, lustig, aber ned bled“, solcherart charakterisiert Georgy Hillmaier das mängelfrei funktionierende Mannsbild, hat er doch selber mit dieser Grundausstattung den größten Erfolg. Wobei, apropos Grundausstattung, die wahrscheinlich längste Praline der Welt hat mit seinem guten Gedeihen im sogenannten ältesten Gewerbe schon auch etwas zu tun: Georgy Hillmaier bietet nämlich seit einiger Zeit als Callboy seine Liebesdienste an.

„Love Machine“ heißt folgerichtig die freche Filmkomödie von Andreas Schmied, die am Freitag in den Kinos anläuft, und in der Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits den Georgy spielt. Der, ambitionsloses Mitglied einer Zwei-Mann-Combo für Geburtstage und andere Feiern, wird zunächst einmal vom Leben aus der Kurve getragen. Sein Musikerkollege stirbt mitten in einem Auftritt den plötzlichen Herztod, und weil Schulden da sind, verliert Georgy mit einem Schlag nicht nur den Job, sondern auch Auto und Wohnung. Eine Idee für eine neue Einnahmequelle muss also her, und eine solche hat Georgy mit dem Geistesblitz, er könnte doch professioneller Frauenverwöhner werden. Schwester Gitti unterstützt die Absicht nach anfänglicher Skepsis, kommt Georgy bei den Damen doch bestens an. Bald brummt das Geschäft – bis sich die Love Machine ernsthaft verliebt. Ein eher unpraktischer Gemütszustand in diesem Berufsfeld …

Noch sind Georgy und Gitti auf der Suche nach einer Geschäftsidee: Thomas Stipsits und Julia Edtmeier. Bild: © Allegro Film/Philipp Brozsek

Fahrlehrerin Jadwiga wird Georgys große Liebe: Claudia Kottal und Thomas Stipsits. Bild: © Allegro Film/Felipe Kolm

Leicht hätte ein Stoff wie dieser zur Sexklamotte, zum Klamaukfilm werden können, doch Regisseur Schmied und sein Hauptdarsteller meistern bravourös die Gratwanderung zwischen gefühlvoll, kess und komisch. Für diesen Mix ist Thomas Stipsits eine Idealbesetzung. Mit Charme und Schmäh und dem ihm eigenen verschmitzten Lächeln gibt er den Womanizer mit dem wehmütigen Blick und dem Waschbärbauch. Wobei vor allem zweiterer Georgy auf die Kundinnen supersympathisch wirken lässt, sind etliche der einsamen Herzen doch in der Altersgruppe Fiftysomething, und sich der Attraktivität ihrer äußeren Erscheinung alles andere als sicher.

Gleich der erste Job scheint diesbezüglich in Peinlichkeit zu versinken, doch Georgy rettet die Situation mit dem Vorschlag, fürs Erste einmal miteinander zu reden. Klar, dass es zu mehr kommt, Stipsits lässt sich in seiner Rolle auf eine Reihe intimer Szenen ein, die kaum eine Spielart von Sex auslassen, und immer ist das Gezeigte stilvoll. Auch, wenn Oralverkehr mit Barbara Schöneberger natürlich zum Lachen ist. Der deutsche TV-Star ist nur eine der kongenialen Darstellerinnen rund um Stipsits‘ Georgy. Auch Lilian Klebow, Adele Neuhauser oder Julia Jelinek gehören zu dessen Klientel.

Mit seiner Ehefrau Katharina Straßer hat Stipsits außerdem eine köstliche Szene. Ihre Figur will Georgys Können geburtsanregend einsetzen – die Straßer dabei tatsächlich hochschwanger mit Töchterchen Lieselotte. Die grandiose Julia Edtmeier, bekannt als Teil der künstlerischen Leitung im Bronski & Grünberg (www.mottingers-meinung.at/?p=27524), ist als Georgys Schwester Gitti zu sehen, erst Waxingspezialistin im Beautysalon der Ulrike Beimpold, bis sie hauptberuflich zur – was Arbeitsaufträge betrifft unbarmherzigen und Leistung einfordernden – Zuhälterin wird.

Georgy wird optisch optimiert: Claudia Schwarz, Thomas Stipsits, Julia Edtmeier, Agnes Hausmann und Philipp Doboczky. Bild: © Allegro Film/Philipp Brozsek

Durch das Ableben seines Bandleaders lernt Georgy dessen Schwester, die Fahrlehrerin Jadwiga, kennen – und ist vom ersten Augenblick an für sie entflammt. Claudia Kottal gestaltet diese seltsam verkorkste junge Frau ganz fabelhaft, zwischen einer Schroffheit und einer Verletzlichkeit, deren Ursache sich erst später herausstellen wird. Georgy jedenfalls muss sich nun entscheiden, ob er weiter Callboy sein oder seine Liebesangelegenheit vorantreiben will.

Glaubt er. Denn einer, von dem jede Frau genau das bekommt, was sie im Moment höchsten Glücks braucht, hat natürlich auch der ausgerechnet in Sexfragen komplizierten Jadwiga etwas zu bieten … „Love Machine“ ist Kinovergnügen pur, mit einem hinreißenden Cast an großartigen Schauspielerinnen und einem Thomas Stipsits, der sich kein Blatt vor den … nimmt. Anschauen!

Thomas Stipsits im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=31440

lovemachine.derfilm.at

  1. 1. 2019

Love Machine: Thomas Stipsits im Gespräch

Januar 21, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Schreck der Frauen vor dem Sixpack

Thomas Stipsits: Von der Zwei-Mann-Combo ins Callboy-Business. Georgy Hillmaier stellt sich und seinen Körper der Damenwelt entgeltlich zur Verfügung. Bild: © Allegro Film/Felipe Kolm

Kein Job, keine Wohnung und nur noch 8% Handyakku? Kein Problem für Thomas Stipsits, der im Film „Love Machine“ den arbeitslosen Musiker Georgy Hillmaier spielt. Am Tiefpunkt von dessen Leben eröffnet sich für Georgy nämlich eine unerwartete Karrierechance. Als Callboy bringt er künftig zahlenden Kundinnen viel Freude – und das nicht in erster Linie wegen seines Luxuskörpers. Dass er sich schließlich allerdings verliebt, macht das Ganze nicht unkomplizierter …

Am 1. Februar startet die freche Komödie von Regisseur Andreas Schmied in den Kinos. Mit dabei: Claudia Kottal, Julia Edtmeier, Ulrike Beimpold, Barbara Schöneberger, Lilian Klebow, Adele Neuhauser, Julia Jelinek und Katharina Straßer. Thomas Stipsits im Gespräch:

MM: „Love Machine“ Georgy Hillmaier verfügt über eine sagenhafte Grundausstattung, ich habe überlegt, wie wir ein seriöses Gespräch führen wollen, ohne die wahrscheinlich längste Praline der Welt zu erwähnen, aber …

Thomas Stipsits: Ja, darauf kommen die Leute immer wieder zurück. Fragen Sie einfach, wie es Sie überkommt.

MM: Gut also, was hat Sie daran angesprochen, in diese Filmkomödie einzusteigen?

Stipsits: Ich fand zum einen die Idee lustig, zum anderen hat mir gefallen, dass Andreas Schmied diesen Film inszenieren würde, weil ich ihn als Regisseur sehr schätze und mit ihm sehr gut kann. Ich habe bei ihm noch nie vor der Kamera gearbeitet, aber wir haben schon gemeinsam geschrieben und ich sollte schon mit einer kleinen Rolle bei „Die Werkstürmer“ dabei sein. Aber dann hat mir Wolfgang Murnberger eine Hauptrolle in „Steirerblut“ angeboten, und Andreas hat gesagt: Mach das! Was „Love Machine“ betrifft, hatten wir sofort den Konsens, dass dieses interessante Thema keine Sexklamotte, kein Slapstick oder Klamauk werden darf. Die Gefahr ist bei so etwas sehr hoch, deshalb gab es im Vorfeld auch viele Gespräche und Proben, damit die Szenen wirklich Intelligenz und Sinnlichkeit besitzen.

MM: Georgy ist der Womanizer mit dem wehmütigen Blick. Ein ungefährlicher Durchschnittsmann, der zum Superliebhaber wird. Ist das eine Figurencharakterisierung, die Ihnen entgegenkommt?

Stipsits: Natürlich liegen mir solche Figuren, weil ich abseits der Bühne eher kein offensiver Mensch bin. Ich bin ein großer Diplomat, gehe Streitereien lieber aus dem Weg, und ich glaube, dass mir Georgy darin nicht unähnlich ist. Ich habe mir vor Beginn der Dreharbeiten „Willkommen Mr. Chance“ mit Peter Sellers angeschaut, darin spielt er einen Gärtner, der eine gewisse Bauernschläue besitzt und unter einer Käseglocke durchs Leben wandelt, ohne dass ihm etwas passiert. Georgy Hillmaier ist ein ähnlicher Typ. Er macht sich wenig Gedanken, er hat keinen Plan fürs Leben, alles passiert ihm. Letztlich auch diese Callboy-Sache.

MM: Mit der Georgy gerade reüssiert, weil er kein Chippendale ist.

Stipsits: Genau. Ich denke, dass sich Frauen mehr schrecken, wenn einer mit Sixpack bei der Tür reinkommt. Trotzdem war es mir wichtig, als er die erste Kundin trifft, dass es beiden ein bissl peinlich ist. Er schlägt ihr vor, nur zu reden, und das meint er auch ernst. Er ist ein Seelenstreichler, und er bewertet nichts großartig, Frauen können ihren seelischen Müll bei ihm abladen, und er wird das nicht aburteilen.

MM: Als Mitglied dieser Gruppe, haben mich diese ganzen Fiftysomething-Frauen sehr berührt. Es ist tatsächlich nicht leicht, in diesem Alter noch einen g’scheiten Mann zu finden.

Stipsits: Das ist schön, wenn Sie so etwas sagen. Zwischen Georgy und seinen Kundinnen geht es nämlich schon um eine gewisse Art von Zuneigung, und auch wenn sie erkauft wird, will Georgy den Frauen nicht dieses Gefühl geben. Er schätzt seine Kundinnen wert, und er wächst an den Begegnungen selber menschlich, er ist anfangs viel oberflächlicher, bevor er sich auf diese „Heldenreise“ begibt. Ulrike Beimpold, die im Film auch mitspielt, hat gesagt, dass Georgy über den Sex zur Liebe findet.

MM: Sind Rollen wie Georgy Hillmaier solche, die Sie suchen? Mit Ihrem Gschau könnten Sie doch gut einmal einen Verbrecher spielen.

Stipsits: Das wäre sicher reizbar, einmal einen unsympathischen Charakter zu spielen. Es wird mir nachgesagt, dass mich nicht alle, aber manche, sehr sympathisch finden. Auf der Bühne, im Film. Und dafür kann ich halt nichts, das ist mir irgendwie angeboren.

Mit Barbara Schöneberger. Bild: © Allegro Film/Felipe Kolm

Mit Katharina Straßer. Bild: © Allegro Film/Felipe Kolm

MM: Sie waren in „Love Machine“ fast der einzige Mann am Set. Wie war’s mit so vielen Frauen?

Stipsits: Grundsätzlich einmal: schön. Gerade im Film gibt es viele Frauen, die hinter der Kamera arbeiten. Ich möchte mich jetzt wirklich nicht blöd einschleimen, aber Frauen am Set bringen eine gewisse Ruhe rein. Sie sind nicht so schnell aggressiv, sie sind Teamplayer, nicht auf dem Egotrip. Sie haben das große Ganze im Auge, sie schauen, dass sich jeder wohlfühlt, und versuchen, das Team in Harmonie zusammenzuhalten. Natürlich kommen in Gesprächen unter Frauen Themen auf, wo ich denke, das ist nicht meins, aber da muss ich ja nicht mitreden.

MM: Im Film gibt es themenbezogen viele intime Szenen, sei’s allein, sei’s zu zweit. Sie geben in diesen sehr viel von sich her. Wie schwierig ist das?

Stipsits: Das werde ich auch im privaten Bereich oft gefragt, und ich kann nur sagen, da haben sich die Proben, die Andreas Schmied angeregt hat, wieder einmal bezahlt gemacht, um die erste Scheu voreinander zu nehmen. Viele der Darstellerinnen kannte ich schon privat, Adele Neuhauser, Julia Jelinek, Claudia Kottal, aber herauszufinden, wie sich eine Sexszene anfühlt, das ist noch einmal etwas anderes. Andreas sagte uns: Macht, wie ihr euch wohlfühlt, ich bestehe auf nichts, es muss nur als Ganzes richtig rüberkommen. Eine Sexszene vor der Kamera, mit Leidenschaft auf Knopfdruck, hat nichts Prickelndes, und bei „Love Machine“ gab es keinen Moment, in dem jemand sagte, er fühlt sich jetzt ungut. Ich bin ja oft nackt im Film, aber ich hatte nie ein Schamgefühl, weil ich in diesem Team sicher aufgehoben war.

MM: Und konkret? Wie ist es mit Barbara Schöneberger im Schoß?

Stipsits: Sehr lustig. Sie ist wirklich grandios, ich kannte sie nicht, aber sie ist genau so, wie ich es mir gedacht habe, jemand, der gute Laune am Set verbreitet, und das ist auch immer wieder schön, dass diese ganz Großen total nett sind. Sie hatte einen eigenen Maskenbildner mit, der auch unfassbar witzig war, der auch sofort unseren Schmäh mitgemacht hat. Wir haben viel gelacht. Barbara musste Oralverkehr-Geräusche machen, und fragt den Tonmann, ob das Okay war, und er sagt im Vorbeigehen so nebenbei: Das Lutschen war gut. Das führt natürlich schon zu Heiterkeit.

MM: Sie haben mit Katharina Straßer eine Geburtsszene. Sind da private Erfahrungen eingeflossen?

Stipsits: Bei uns war’s viel konzentrierter und viel ruhiger. (Er lacht.) Aber natürlich ist es so, wenn man den fertigen Film sieht, und man weiß, da war die Tochter im Bauch von der Kathi …

MM: Der Schwangerschaftsbauch ist echt?

Stipsits: Jaja, Andreas wollte unbedingt, dass Kathi mitspielt, dann kam dieses Ereignis dazu, und so hat er für sie extra diese Szene geschrieben. Wir haben die zwei Wochen vor dem eigentlichen Drehstart aufgenommen, damit es sich mit dem Mutterschutz ausgeht.

MM: Da wir beim Thema sind: Sie sind seit September zum zweiten Mal Vater, nach Emil eine Lieselotte. Wieviel Humor braucht man als Eltern?

Stipsits: Viel. Sie ist sehr brav, das muss man sagen. Emil kostet uns schon Nerven. Lieselotte findet meine – Kathi nennt das – „Show“ noch lustig, der Emil nicht mehr so, der ist schon ein anspruchsvolles Publikum, da muss man das Programm sehr oft wechseln, damit man den bei Laune hält. Wenn’s ihm fad ist, steht er mittendrin auf und geht und ich bleib über mit meiner Performance. Das ist die ärgste Art zu sagen: Das gefällt mir überhaupt nicht. Aber Kathi und ich sagen im Spaß immer: Aber man kriegt ja so viel zurück.

Mit Julia Jelinek und Adele Neuhauser. Bild: © Allegro Film/Philipp Brozsek

Die große Liebe: Claudia Kottal als Fahrlehrerin Jadwiga. Bild: © Allegro Film/Felipe Kolm

MM: Sie haben Ihre Karriere als Kabarettist begonnen. Wieso der Schritt zum Schauspieler?

Stipsits: Das war immer ein geheimer Wunsch.

MM: Und woher das Talent?

Stipsits: Das ist eine gute Frage. Vielleicht, weil wir eine lustige Familie sind, mein Vater, meine Mutter und mein Bruder. Natürlich habe ich mich am Anfang gefragt: Kann ich das wirklich oder unterliege ich meiner eigenen Selbstüberschätzung? Ich bin sozialisiert worden mit dem österreichischen Kabarettfilm, „Indien“, „Hinterholz 8“, „Muttertag“, und damals dachte ich schon, das wär’s, einmal in einem Film mitzuspielen. Ich hatte das große Glück, auf Kolleginnen und Kollegen zu treffen, erfahrene Leute, die mir Tipps mitgegeben haben. Marion Mitterhammer, mit der ich „Wie man leben soll“ gemacht habe, war zum Beispiel so eine.

MM: Aber als größtenteils Solokünstler, wie einfach sind Sie in Film- oder Fernsehprojekten zu führen? Ich habe oftmals den Eindruck, Sätze, die Sie da sprechen, sind original von Ihnen.

Stipsits: Das stimmt, weil ich bis jetzt immer mit Leuten arbeiten konnte, wo das absolut erwünscht war. Am Anfang habe ich gefragt, ob ich etwas so oder so sagen darf, das mache ich jetzt nicht mehr. Ich sag’s einfach, ich mache mir die Sätze mundgerecht. Es gibt eben Dialoge, bei denen man sich denkt: So redet niemand. Da ist es schon mein Bestreben, etwas zu finden, das zwar dasselbe heißt, aber anders formuliert ist.

MM: Sie haben für Ihre Kabarettprogramme Figuren kreiert, die mittlerweile legendär geworden sind. Man denke nur an Unteroffizier Steinschleifer. Wie erschaffen Sie die?

Stipsits: Im konkreten Fall stammt die Idee von meinem Papa, weil der so jemanden in seiner Ausbildung hatte. Ein sehr netter Kerl, der aufgrund seines S-Fehlers immer ausgelacht wurde. Ansonsten bin ich jemand der Leute beobachtet, in der Straßenbahn oder wo immer ich bin. Das Kabarett lebt ja von der Beobachtung, weniger von der Übertreibung. Oder ich treffe jemanden, von dem ich mir denke, der könnte was für die Bühne sein.

MM: Wie in Ihrem Buch „Das Glück hat einen Vogel“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26349), Kurzgeschichten nach Vornamen von A bis Z, drunter auch diverse Familienmitglieder. Mögen die das?

Stipsits: Teilweise. (Er lacht.) Sie sehen das alle mit einem Augenzwinkern. Bei der Familie sitzt man halt an der Quelle, und es ist immer leichter über Dinge zu schreiben oder zu reden, von denen man Ahnung hat, als man saugt sich irgendetwas aus den Fingern. Die Geschichten im Buch sind teils wahr, teils Fiktion, aber keine ist quasi ganz erfunden.

MM: Nun hätten Sie mit Lieselotte ein neues L.

Stipsits: Ja, ich mache aber lieber ein neues Buch. Einen Stinatz-Krimi mit einer Art Columbo-Kommissar.

MM: Apropos, Stinatz: Sie touren derzeit mit den „Stinatzer Delikatessen“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=28317), die zwei Drittel Best-of, ein Drittel neu sind. Wann kommt ganz neu?

Stipsits: Die „Delikatessen“ waren als Übergangsprogramm gedacht. Jetzt ist aber die Nachfrage so groß, was mich sehr freut, dass sie sicher noch bis 2020 laufen werden. Ich habe zwar schon Ideen fürs neue Programm, aber ich mache mir da keinen Stress. Ich habe neue Nummern, von denen ich weiß, sie funktionieren, und dabei belasse ich es einmal. Das gilt auch fürs Auftreten mit Manuel Rubey. Wir haben Ende des Jahres 2018 mit „Gott & Söhne“ aufgehört, und die Pause, die wir jetzt einlegen ist rein künstlerischer Natur. Privat verstehen wir uns bestens, aber um uns künstlerisch nicht zu wiederholen, macht jetzt jeder einmal sein Ding, und danach treffen wir uns wieder mit neu gefülltem Rucksack. Heißt: Stipsits & Rubey wird auf alle Fälle weitergehen.

MM: Sie arbeiten auch an einem Griechenland-Projekt, Ihr Lieblingsland.

Stipsits: Ein Kinofilm, eine Aussteigerkomödie mit bewusst starken Alexis-Sorbas-Motiven, die ich gemeinsam mit Harald Sicheritz und Georg Weissgram geschrieben habe, und in der wir der Frage nachgehen, warum es gerade über Griechenland diese „Irgendwann bleib‘ i dann dort“-Gedanken gibt. Ein Teil ist schon finanziert, auf einen „Topf“ warten wir noch. Wenn alles klappt, werden wir im Mai, Juni drehen. Mit Kathi. Das wird dann Family-Urlaub und Dreh in einem.

MM: Um nun noch einmal auf die Einstiegsfrage nach der Grundausstattung zurückzukommen …

Stipsits: Dazu muss ich schweigen!

Die Filmkritik: www.mottingers-meinung.at/?p=31598

lovemachine.derfilm.at          www.stipsits.com

21. 1. 2019