Halloween-Tipps: Party machen in Gruselgebäuden

Oktober 26, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

The Murder House / The Mortuary / Das schaurige Haus

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

Nur wegen #Corona muss Halloween 2020 noch lange nicht ausfallen. Zwar ist vor Trick-or-Treat-Umzügen abzuraten, doch Party machen in Gruselbauten ist allemal möglich – wann sonst als an Samhain sollte man sich schon mit einer Maske schmücken? Zu den bekannten Kürbisköpfen wie Michael Myers, dem guten

alten Freddy, Leatherface oder Mörderpuppe Chucky gesellen sich dies Jahr ein paar neue Spukgestalten. Netflix bietet auf www.netflix.com/at/browse/genre/108663 Serien wie „Spuk in Bly Manor“, „Der Nebel“ und „Ratched“ (über die böse Oberschwester in „Einer flog über das Kuckucksnest“) teilweise kostenlos an. Dazu Horror-, Psycho- und Kinderfilme von „House at the End of the Street“ über „Haus der 1000 Leichen“ bis „Hotel Transilvanien“, und Haus, das ist auch das Stichwort für drei besondere Halloween-Tipps:

The Murder House

Das „American Horror Story“-Mörderhaus öffnet sich am Halloween-Wochenende für einen paranormalen Livestream, beginnend am 29. Oktober in der Abenddämmerung bis Sonnenuntergang am 1. November. Hausbesitzer Prof. Dr. Ernst von Schwarz und Gattin Angela Oakenfold veröffentlichen auf mottingers-meinung.at vorab eine Teilnehmerliste zur Veranstaltung im berüchtigten historischen Denkmal in Los Angeles:

Screenshot: The Murder House

Screenshot: The Murder House

Die allererste paranormale Untersuchung wird von Exorzisten-Bischof James Long durchgeführt, der in „Ghost Adventures“, „The Possessed“, „Gates Of Hell“, „Exorcism Live!“ und „Portals To Hell“ aufgetreten ist.  Die berühmte Hellseherin und weiße Hexe Patti Negri aus „Ghost Adventures“ wird die erste Séance des Hauses leiten. Michelle Belanger, Vampir-Spezialistin und gefeierte Autorin, die in „Paranormal State“, „Portals To Hell“ und „The Real Vampire Files“ zu sehen war, wird in die gespenstische Welt des Okkulten eintauchen. Zur Geisterjagd wie zur Séance sind die Zuschauer herzlich eingeladen.

Die renommierte Historikerin und Halloween-Expertin Lisa Morton nimmt einen mit auf eine Entdeckungsreise durch die Geschichte und Traditionen von All Hallows’ Eve. Die Tarot-kundige Sasha Graham wird die Rätsel des Kartensets lüften, und ein glücklicher Ticketbesitzer erhält eine virtuelle Lesung live on air. Energieheiler Satish Dholakia wird Ratschläge geben, wie man sich vor negativen Energien und unerwünschten bösen Entitäten schützen kann. Der Psychiater Dr. Waguih Ishak wird über die süchtig machende Natur des Grauens und die Pathologie der Angst sprechen. Hausbesitzer und Kardiologe Prof. Dr. Ernst von Schwarz vertieft sich in die Geschichte der mittelalterlichen Foltertechniken.

Der „Murder House“-Livestream wird mit 15 Kameras, die im gesamten 10.000 Quadratmeter großen Haus aufgestellt sind, das ganze Wochenende lang live übertragen. Über den Live-Stream hinaus sehen die Zuschauer das tägliche Programm. Während der Live-Stream mit Eintrittskarte für alle zugänglich ist, wird „The Murder House“ sein Innerstes für sechs glückliche – oder unglückliche – Fans öffnen. Je zwei von ihnen werden sich für je eine der drei Nächte im schrecklichen Keller wiederfinden, während sie live in die Welt gestreamt werden – und ein Arzt ihre Lebenszeichen und ihren psychologischen Zustand überwacht …

Ein Ticket zu 25$/knapp 22€ ermöglicht drei Tage lang 24 Stunden virtuellen Zugang zum Haus und allen Veranstaltungen. www.themurderhouse.com           Trailer: vimeo.com/469181741

The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte

Eine dunkle Erzählerstimme raunt Bedrohliches, die Kamera entschwebt durch einen Wald, vorbei an einem Schild mit der Aufschrift „Raven’s End“, ein Unwetter tobt, die Raben krächzen – und ein Bub hastet mit seinem Fahrrad durch Forst und Flur. Bis er zu einem abgelegenen Anwesen kommt, dem örtlichen Leichenschauhaus, das zugleich ein Krematorium ist.

Mit seinem Spielfilmdebüt „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“, seit Freitag in den Kinos zu sehen oder z.B. via Amazon zu streamen, hält Drehbuchautor und Regisseur Ryan Spindell an jener Gruselatmosphäre und seinem Sinn für morbiden Spaß fest, die man von seinen schwarzhumorigen Kurzfilmen kennt. Wie in diesen mixt er auch hier Horror-, Fantasy- und Comedy-Elemente. „The Mortuary“ ist als Anthologie konzipiert, die Episoden sind mit einer Rahmenhandlung verknüpft – und fürs Finale hat Spindell seinen 22-Minüter „The Babysitter Murders“ aus dem Jahr 2015 wieder aufgegriffen.

The Mortuary: Clancy Brown. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

The Mortuary. Bild: Polyfilm Verleih

Vor allem aber beschert einem „The Mortuary“ ein Wiedersehen mit spooky Highlander Clancy Brown. Denn wer in Raven’s End stirbt, landet auf dem Tisch des von ihm grandios verkörperten Leichenbestatters from Hell Montgomery Dark. Bei ihm sind die Verstorbenen in besten Händen. Als sich eines Tages die furchtlose Sam, Leinwandentdeckung Caitlin Fisher, um die freie Assistentenstelle bewirbt, ist er beeindruckt von ihrer Faszination fürs Makabre – und auf ihren Wunsch hin beginnt er Geschichten über seltsame Todesfälle zu erzählen. Und so geht es von einem kurzen Kammerspiel, das in den 1950er-Jahren angesiedelt ist und einer Diebin im Badezimmer des gerade Bestohlenen eine höchst unangenehme, Cthulhu-artige Überraschung beschert, zu einem drastischen Stück Body-Horror, das in ein Sixties-College führt.

Wo einem arroganten Aufreißer-Studenten eine tödliche Lektion in Sachen Safer Sex erteilt wird – Stichwort: Wo kommen die Babys her? Ja, genau … Von Szene zu Szene steigert Spindell die Subtilität seines Horrors, auf nicht wenig Blut folgen ungeahnte Absurditäten, auf eine düstere Geschichte in den 1970er-Jahren über einen verzweifelten Ehemann, der in einem mörderisch moralischem Dilemma steckt, und wie perfide, man identifiziert sich tatsächlich mit ihm, nicht mit dem Opfer, folgt schließlich jene „Halloween“-Variation um eine junge Frau in einem nächtlichen Haus und eine grausame Mordserie in einem US-Vorort der 1980er. Ryan Spindell bedient sich des episodischen Horrorgenres wie „Der grauenvolle Mr. X“ und „Die Todeskarten des Dr. Schreck“, und Clancy Brown steht großen Vorbildern wie Vincent Price, Peter Cushing oder Christopher Lee in nichts nach.

Spindells volle Aufmerksamkeit gilt aber der Sam von Caitlin Fisher, der er nicht den weiblichen Stereotyp von Hysterie, Kreischen, hilf- und vor allem kopflosem Wegrennen, sondern die Rolle einer intelligenten, so gar nicht unschuldigen Frau auf den Leib geschrieben hat. Dieser gehört das trick- und twistreiche Ende: ein entschlossener Babysitter, Verfolgungsjagden durchs Haus, Gegner, die sich bis zum Letzten bekämpfen und alles als Waffe hernehmen, das zur Hand ist, ein gestresster Tunnelblick, verzerrte Stimmen – und die feministische Erkenntnis, das nichts zwingend so sein muss, wie es auf den ersten Blick scheint … www.trapdoorpictures.com/the-mortuary-collection-main          Trailer:www.youtube.com/watch?v=f9T3ld_juyo           www.youtube.com/watch?v=iZHg9xcK83s

Das schaurige Haus

Für weniger starke Nerven und als Gruselspaß für die ganze Familie empfiehlt sich das Spielfilmdebüt „Das schaurige Haus“ von Daniel Geronimo Prochaska, Sohn des mit „Das finstere Tal“ oder „In 3 Tagen bist du tot“ genre-affinen Filmemachers Andreas Prochaska. Der Mystery-Film, ab Freitag im Kino, der auf dem gleich- namigen Jugendroman der deutschen Autorin Martina Wildner basiert, erzählt vom 16-jährigen Hendrik aus Hannover, der mit Mutter und kleinem Bruder Eddi nach Bad Eisenkappel/Železna Kapla in Kärnten übersiedelt.

Schon kurz nach der Ankunft mehren sich die seltsamen Geschehnisse im eher Bruchbude als Bauernhaus zu nennendem neuem Heim. Eddi beginnt mit Schlafwandeln, Hendrik plagen Albträume, ein Foto der Vorgängerfamilie hängt, wie oft auch weggeräumt, am nächsten Morgen wieder an seinem Platz an der Wand, in die Eddi plötzlich slowenische Wörter ritzt, die geheimnisumwitterte Nachbarin steht betend am Fenster, und – eh klar – hinterm Hof liegt ein verwitterter Friedhof.

Das schaurige Haus. Bild: Filmladen Filmverleih

Das schaurige Haus: Inge Maux. Bild: Filmladen Filmverleih

Als Eddi auch noch Slowenisch zu sprechen anfängt, die Augen in diesen Szenen pechschwarz angelaufen, ach, es gibt nichts Schöneres als unheimliche Kinder, als sich Hendrik mit Nerd Fritz anfreundet und in die fesche Ida verliebt, beschließen die Jugendlichen dem Spuk ein Ende zu bereiten. Die Story dahinter kennt Fritz: Einst wohnte im Haus eine aus Slowenien stammende Mutter, die ihre beiden Söhne ermordet haben soll, bevor sie sich das Leben nahm – und deren Geister wollen nun via der Körper von Hendrik und Eddi Rache nehmen.

Die Leinwand-Adaption von „Das schaurige Haus“ trieft gleich „The Mortuary“ vor Genreklischees, nur weiß man hier nicht mit so nonchalantem Augenzwinkern damit umzugehen. An der Goonies’schen Coming-of-Age-Abenteuer-Horror-Story: „Outcast mit nervigem Sidekick meets Teenagerromanze“ erfreuen, neben den jugendlichen Darstellern León Orlandianyi und Benno Rosskopf als Gebrüder Hendrik und Eddi, Marii Weichsler als toughe Ina und dem wundersamen Lars Bitterlich als Fritz, Inge Maux als seltsame Nomen-est-omen-Nachbarin Frau Seelos, die sich mit Salzringen gegen jenseitige Mächte schützt, und last, but not least Michael Pink als Immobilienmakler Röckl.

Der Friesacher in perfektem Karntnerisch, der das Sinistre seiner Figur erst gar nicht verbirgt. Bei ihm laufen die Fäden denn auch zusammen, in einem Schluss, der sehr nach „Landkrimi“ schmeckt (der noch nicht ausgestrahlte Kärntnerische, betitelt „Waidmannsheil“, ist übrigens tatsächlich von Daniel Geronimo Prohaska). Die Zuschauer wird das am Filmvergnügen nicht hindern, doch sei’s gesagt: Der Teufel steckt im Detail. Und so verärgert, im Buch geht es um eine norddeutsche Familie, die ins Allgäu zieht, warum ein slowenisches Gespensterkind „Ralf“ heißen muss, wo doch ein Radin oder Rajko möglich gewesen wäre, oder wie ein Paar aus dem bäuerlichen Milieu sich eine „Haushälterin“ einstellen sollte, wo’s eine Wirtschafterin sein müsste.

Dass Daniel Geronimo Prohaska für seine Deix‘ischen Dorfbewohner den Humor fürs Culture Clashen gepachtet hat, ist der große Pluspunkt des Films. Im wirklichen Leben, mit einer amerikanischen Freundin, die drüben natürlich Deutsch-Deutsch lernte, folgender Szene selbst beigewohnt: Hendrik/US-Freundin geht in die Greißlerei und verlangt sechs Brötchen. In Floridsdorf, Greißlerin: Brötchen is bei mir wos mit an Ei und an Gurkerl. Im Film, Greißlerin: Ah, wos? Ah so, Semmeln!

Das schaurige Haus: www.dasschaurigehaus.at           Trailer: www.youtube.com/watch?v=IdrDBKfeTgw

26. 10. 2020

The Timekeepers

März 25, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Dan Clancys KZ-Drama in österreichischer Erstaufführung

Eric Lomas, James Sbano Bild: Hannah Neuhuber

Eric Lomas, James Sbano
Bild: Hannah Neuhuber

Ein jüdischer Häftling hat die Aufgabe im KZ Sachsenhausen Uhren zu reparieren. Als ihm ein homosexueller Mithäftling als Assistent zugeteilt wird, entwickelt sich eine angespannte Situation. Die beiden Gefangenen Benjamin (einst der beste Uhrmacher Berlins) und Hans (ein redseliger Homosexueller) scheinen am Beginn wenig gemeinsam zu haben. Im Laufe des Geschehens überwinden die beiden Häftlinge ihre Vorurteile aber durch ihre Liebe zur Oper und aus der anfänglichen gegenseitigen Abhängigkeit entwickeln sich Verständnis, Vertrauen und schließlich Freundschaft …

Das Stück wurde im Zuge des Open Minds Projekts 2013 der Open House Theatre Company vom Publikum ausgewählt. Premiere: 25. März im KIP – Theater im Cafè Prückel. In englischer Sprache.

In der Hauptrolle ist Broadway Star James Sbano (Nr. 1793) zu erleben, der seine Laufbahn in der Uraufführung von „Jesus Christ Superstar“ am Broadway begann und unter anderem auch schon in Wien als Chagal in der Welt-Uraufführung von Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ zu sehen war. Mit ihm spielen Eric Lomas (als Nr. 9355) und Alan Burgon (Capo). Regie & Bühne: Robert G. Neumayr.

www.openhousetheatre.at

www.kip.co.at

Wien, 25. 3. 2014