Albertina: Van Gogh, Cézanne, Matisse, Hodler. Die Sammlung Hahnloser

Februar 16, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Meisterwerke der schweizerischen Moderne

Vincent van Gogh: Le Café de nuit à Arles, 1888. Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Die Albertina widmet ihre Frühjahrsausstellung mit der ab 22. Februar zu sehenden Schau „Van Gogh, Cézanne, Matisse, Hodler – Die Sammlung Hahnloser“ einer der bedeutendsten Privatsammlungen der französischen Moderne. Die Sammlung Hahnloser entstand zwischen 1905 und 1936 im engen freundschaftlichen Austausch zwischen dem Sammlerpaar Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler und ihren Künstlerfreunden, darunter Pierre Bonnard, Ferdinand

Hodler, Henri Matisse und Félix Vallotton. Später wurden auch deren Vorläufer wie Cézanne, Renoir, Toulouse-Lautrec oder Van Gogh Teil der Sammlung. Heute umfasst die immense Sammlung einzigartige Werkgruppen – Gemälde, Plastiken und Arbeiten auf Papier – der schweizerischen und französischen Moderne, darunter so prominente Werke wie Bonnards „Spiegeleffekt (Die Wanne)“ aus dem Jahr 1909, Cézannes „Porträt eines Künstlers“  von 1877/78, Van Goghs 1888-„Sämann“, Vallottons „Die Weiße und die Schwarze“ aus dem Jahr 1913 oder Maillols Skulptur „Pomona“. Ein Großteil der Sammlung befindet sich im Besitz der Nachkommen und der Hahnloser Jaeggli Stiftung sowie dank der Schenkungen in den Kunstmuseen von Winterthur und Bern.

Félix Vallotton: Le chapeau violet, 1907. Dauerleihgabe an Hahnloser Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Henri Manguin: Les Enfants Hans et Lisa Hahnloser, 1910. Dauerleihgabe an Hahnloser Jaeggli Stift., Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Ferdinand Hodler: Blumenpflückendes Mädchen, 1887. Hahnloser Jaeggli Stiftung, Villa Flora, Winterthur. Bild: Reto Pedrini, Zürich

Sammeln war für Arthur und Hedy Hahnloser eine sinnstiftende Lebensaufgabe, an der sie ihr Umfeld aktiv beteiligten. Ihre Sammlung, die sie in der Villa Flora in Winterthur als Gesamtkunstwerk inszenierten, verstanden sie als „Lehrmuseum“. Sie motivierten Verwandte und Freunde, Werke ihrer favorisierten Künstler zu erwerben oder verhalfen diesen durch Schenkungen an Privatsammler und Schweizer Kunstmuseen zu Bekanntheit. Dieses „Prinzip Hahnloser“ hat die Schweizer Museumssammlungen und ihre Ankaufspolitik enorm bereichert; oft stehen die Schenkungen am Beginn umfangreicher Sammlungen der Modernen Kunst.

Mit etwa 120 Werken präsentiert die Ausstellung in der Albertina einen Überblick dieser international einzigartigen Sammlung der Moderne, und beleuchtet durch Leihgaben aus dem Kunstmuseum Bern oder dem Kunstmuseum Winterthur auch ihren kulturpolitisch vorbildhaften Aspekt.

www.albertina.at

16. 2. 2020

Albertina: Degas, Cézanne, Seurat

Januar 29, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Archiv der Träume aus dem Musée d‘Orsay

Pierre-Auguste Renoir: Drei Badende am Ufer, Studie für Die Großen Badenden, 1882-1885 Bild: © Musée d´Orsay, Paris, Dist. RMN-Grand Palais, Jean-Gilles Berizzi © Bildrecht, Wien 2014

Pierre-Auguste Renoir: Drei Badende am Ufer, Studie für Die Großen Badenden, 1882-1885
Bild: © Musée d´Orsay, Paris, Dist. RMN-Grand Palais, Jean-Gilles Berizzi © Bildrecht, Wien 2014

Vom 30. Jänner an öffnet das Musée d’Orsay seine Tresore und verleiht die grafischen Kostbarkeiten seiner Sammlung erstmalig an ein Museum außerhalb Frankreichs. 130 Werke sind in der großen Schau französischer Kunst des 19. Jahrhunderts zu sehen. Delikate Pastelle von Edgar Degas, Georges Seurat und Odilon Redon, malerische Gouachen von Honoré Daumier und Gustave Moreau, feine Aquarelle von Paul Cézanne sowie Arbeiten von in ihrer Zeit hoch geschätzten Salonkünstlern bilden ein weites Panorama französischer Zeichenkunst ab: Der politisch orientierte Realismus ist mit seinen prominentesten Protagonisten vertreten: Honoré Daumier verzerrt gesellschaftliche Konflikte der Zeit in den Gerichtssälen ins Karikaturhafte während Gustave Courbet und Ernest Meissonier Barrikadenkämpfe und bedeutende politische Wendepunkte auf Skizzenblättern dokumentieren.

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Giovanni Segantini und Jean-François Millet hingegen hüllen monumental anmutende Bauern und Fischer in mystisches Licht, frieren die Posen der Arbeiter ein und ästhetisieren so ihre repetitiven Gesten. Diese sozial motivierten Werke finden ihren Platz neben Arbeiten des malerischen Impressionismus und bilden einen provokanten Kontrast zu den sonnendurchfluteten Landschaften aus dem Süden Frankreichs von Paul Cézanne und den leichten, atmosphärischen Markt-Darstellungen von Eugène Boudin. Beide Künstler setzen auf die
Leuchtkraft des hellen Papiers, das sie stellenweise durchscheinen lassen und bauen ihre Motive mit versierter Leichtigkeit durch nahezu geometrische Flächen auf. Licht spielt auch bei Edgar Degas eine tragende Rolle: aus verborgenem Winkel betrachtete Tänzerinnen werden von ihm bei privaten Übungen und in intimen Szenen dargestellt. Degas widmet sich, wie Aristide Maillol, ebenso dem klassischen Genre des Aktes, ergänzt ihn mit anscheinend profanen Tätigkeiten des Alltags und entwickelt so eine moderne Venus oder Göttin. Alexandre Cabanel und Pierre-Auguste Renoir zeigen, dass die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts trotz aller modernen Bestrebungen auch an den Traditionen der academie française festhielt:
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Cabanel’s „Geburt der Venus“ zelebriert das klassische Schönheitsideal so wie die Regeln und den Geschmack des Salons und repräsentiert den Höhepunkt des Klassizismus nach Ingres oder Raffael. Die Meisterwerke von Edward Burne-Jones, Jean Léon Gérome und Frantisek Kupka haben narrative Züge und setzen literarische Figuren in Szene. Ihnen gegenüber stehen Zeichnungen, die als Buchillustrationen geschaffen wurden. Dazu gehören Jean-Paul Laurens‘ Grisaillen zu Goethes „Faust“, ein Entwurf des Präraffaeliten William Holman Hunt zu John Keats‘ „Basilikumtopf“ und schließlich Maurice Denis‘ Zeichnungen zu den „Fioretti“ des heiligen Franz von Assisi.  Odilon Redon schafft geheimnisvolle, rätselhafte Darstellungen, indem er die Technik der Kohlezeichnung belebt: Seine „Noirs“ setzen eine suggestive, spirituelle Welt in Szene und gesellen sich so zu den nicht minder dunklen, aber pointillistischen Kreidezeichnungen von Georges Seurat. Seine mit schwarzer Conté-Kreide geschaffenen Zeichnungen werden nicht durch Linien definiert, sondern durch den Kontrast zwischen den subtilen Nuancen des schwarzen Zeichenmittels und der Weiße des Papiers. So entstehen diesige und geheimnisvolle Silhouetten. Felicien Rops und Gustave Moreau lassen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken: Ihre Werke zeigen Monster und Chimären, erfinden Salomé, Medea und Medusa neu und illustrieren somit die Vorstellungen, die um die femme fatale der Jahrhundertwende kreisen.
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Durch das anscheinend undurchschaubare Labyrinth von Stilen, Themen und Motiven, die im 19. Jahrhundert neben einander herrschen, führt der ehemalige Direktor des Musée National d’Art Moderne im Centre Pompidou, Werner Spies. Er hat die Schau für die Albertina zusammengestellt.

www.albertina.at

Wien, 29. 1. 2015

Kunsthalle Krems: Meisterwerke der Sammlung Klüser

März 7, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol

Auguste Rodin: Tänzerin, undatiert © Sammlung Klüser, München, 2014 Bild: Mario Gastinger

Auguste Rodin: Tänzerin, undatiert
© Sammlung Klüser, München, 2014
Bild: Mario Gastinger

Ab 16. März zeigt die Kunsthalle Krems unter dem Titel „Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol“ Meisterwerke aus der Sammlung Klüser. Der Ausstellungstitel steht sinnbildlich für die Genese der Sammlung Klüser: Ursprünglich eine Kollektion zeitgenössischen Kunst mit einer zunehmenden Anzahl an Werken der klassischen Moderne, erweiterte sich die Perspektive der Sammlung seit den 1990er-Jahren auch auf Zeichnungen der Renaissance bis zur Romantik. Die Zusammenschau der Arbeiten eröffnet so ein eindrückliches Panorama der Zeichenkunst, das den Brückenschlag zwischen historischen und aktuellen Werken sucht.

Herausragende Meister der Spätrenaissance und des Barocks von Parmigianino oder Giovanni Battista Tiepolo, über Anthonys van Dyck und Rembrandt Harmenszoon van Rijn bis zu Jean-Honoré Fragonard bilden den Ausgangspunkt der Schau. Von dort spannt sich der Bogen zu deutschen und französischen Werken des 19. Jahrhunderts. Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge sowie Carl Gustav Carus sind ebenso darunter wie Eugène Delacroix, Théodore Géricault oder Victor-Marie Hugo. Die Klassische Moderne wird unter anderem vertreten von den Künstlern Paul Cézanne, Henri Matisse, Constantin Brancusi und Alberto Giacometti. Der Kunst nach 1945 wird mit bedeutenden Werkblöcken von Joseph Beuys, Blinky Palermo sowie Andy Warhol ein besonderer Schwerpunkt eingeräumt. Zeichnungen von Cy Twombly sowie Tony Cragg, Olaf Metzel und Jorinde Voigt bilden den Übergang zur jüngsten Gegenwart.

Immer schon war die Zeichnung seismographisches Medium, um Grundkonstruktionen der Gesellschaft in den Spuren der gesetzten Linien freizulegen. Im Laufe der Jahrhunderte ebenso wie im Gang durch die Ausstellung enthüllt sie sich als intime Form der Weltdeutung, als Experimentierfeld für Ideen ebenso wie als Medium der Transformation, das Sichtbares wie Nichtsichtbares, Konstrukt wie Realität auf Papier zu bannen vermag. Bereits die Künstler der frühen Neuzeit schätzten an der Zeichnung die Möglichkeit, das Denken mit dem Arbeitsprozess kurzzuschließen und so die direkte Überführung von Ideen in Sichtbarkeit zu vollziehen. Noch Joseph Beuys sprach von ihr als „Verlängerung des Gedankens“. Einer auf Papier festgehaltenen „Ideensammlung“ gleich, bieten die rund 250 Arbeiten aus der deutschen Privatsammlung von Bernd und Verena Klüser außergewöhnliche Einblicke in die Zeichenkunst vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Unmittelbarkeit und Spontaneität machen die Faszination der Zeichnung aus. Wie kein anderes Medium ermöglicht sie es, individuelle Bildfindungen zu erproben und künstlerische Ideen in oft experimentellen Zugängen umzusetzen.

www.kunsthalle.at

Wien, 7. 3. 2014

Von William Turner bis zum Fantasyfilm

März 21, 2013 in Ausstellung

 Das Leopold Museum ist schwer bewölkt

Ab 22. 3. zeigt das Leopold Museum die Ausstellung „Wolken. Bilder zwischen Himmel und Erde“: Ausgewählte Meisterwerke von unterschiedlichen Künstlern, die, vom frühen 19. Jahrhundert bis heute, Wolkenbilder in den Mittelpunkt Ihres Interesses rückten. In zwölf Kapiteln beleuchtet die Schau die unterschiedlichen Darstellungsweisen von Wolken während der vergangenen zwei Jahrhunderte. Die Palette der Themen reicht  von der „Erfindung der Wolken“ über den Himmel der Impressionisten und der Wolke als Ornament bis zur Klangwolke. Für das 20. und 21. Jahrhundert stehen besonders die Kapitel „Metamorphose“, Industriewolke und die „Schönheit des Unheimlichen“, etwa in den oft merkwürdig ansprechenden Fotografien von Atompilzen oder Naturkatastrophen.

Leopold Museum

RENÉ MAGRITTE
(1898-1967)
Sommer, 1931
Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm
Geschenk von Max Janlet, Musée d‘Ixelles, Brussels © VBK, Vienna 2012

Zu sehen sind unter anderem Werke von Caspar David Friedrich, John Constable, William Turner, Claude Monet, Alfred Sisley, Paul Cézanne, Ferdinand Hodler, Gustav Klimt, Egon Schiele, Emil Nolde, Heinrich Kühn, René Magritte, Alfred Stieglitz, Edward Steichen, Gerhard Richter, James Rosenquist, Anselm Kiefer und Olafur Eliasson. Wolken von diesen Künstlern sind von hohem ästhetischen Reiz. Sie mutieren zu poetischen Metaphern oder zu Zeichenvon Gefahr – sie übermitteln Botschaften. Sind Naturidyll, „Abendrot“, regendurchzogener Himmel oder abgasverseuchte Luft.

Naturalisten, Impressionisten, Expressionisten, Realisten … sie alle interpretierten die Himmelsgebilde auf ihre Weise. Surrealist René Magritte liebte wiederum das Spiel der Überraschung und Verfremdung und zeigte dies besonders häufig an Hand von Wolkenmotiven. Auch in der Fotografie bildeten Wolkendarstellungen eine große künstlerische wie technische Herausforderung, wie die suggestiven Lichtbilder des französischen Fotografen Gustave Le Gray zeigen. Und schließlich spielen Wolken auch im Film eine wichtige Rolle. Regisseure und Kameraleute liebten seit jeher den Effekt von Wolken, die den Protagonisten die Sicht rauben und Unbehagen verursachen.Passagen vom frühen Stummfilm bis zu Fantasyfilmen belegen das.

www.leopoldmuseum.org

Von Rudolf Mottinger

Wien, 21. 3. 2013