DARUM online – Ausgang: Offen

Mai 21, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Tod ist definitiv eine Wienerin

Victoria Halper und Brigitte Zolles. Bild: DARUM

Das junge Wiener Performancekollektiv DARUM, bereits mit seiner ersten Produktion „Ungebetene Gäste“ für den Nestroy-Spezialpreis 2019 nominiert (Interview: www.mottingers-meinung.at/?p=32445), hat sich für seine aktuelle Arbeit „Ausgang: Offen“ #Corona-bedingt auf das Medium Film verlegt. Ursprünglich als begehbare Installation in verlassenen Büroräumlich- keiten geplant, führt einen die

Kamera nun via www.nachtkritik.de durch den Gebäudekomplex am Kempelenpark. Hinter zehn Türen lauert das Lieblingsthema des DARUM-Leading-Teams Laura Andreß, Victoria Halper und Kai Krösche – der Tod, und als Vorstufe dazu: das Sterben. Derart totentanzt der Betrachter durch dustere Kabinette, die Koproduktion mit WUK performing arts, heißt es eingangs, sei auch am besten in einem ebensolchen abgedunkelten anzusehen. Ein – und sei er noch so virtueller – Spaziergang ist das nicht für eine, die vor einer Woche fast maukas gegangen wär‘. Hoffnung, Verlust, Ohnmacht steht auf den Schildern zu den Pforten der Wahrnehmung, die sich öffnen werden.

Dahinter ein Universum der Vergänglichkeiten, aus dem statt dem eigenen das Kameraauge die (Selbst-) darstellerinnen und -darsteller zu kaum auszuhaltender Intimität zoomt. Von wegen scheene Leich, Fruchtbarkeitssymbol Feldhase aus Untersuchungsraum eins wird schon in Besprechungszimmer zwei seine Löffel abgegeben haben, inmitten eines Vanitas-Stillleben auf einst reich gedeckter, jetzt verwüsteter Tafel, zwischen medizinischen Befunden tonlose Zeichen der Verwesung, Essenreste, verdorrte Rosen, das einzig Lebendige – Maden bis zum Magenheben.

Der Tod ist definitiv eine Wienerin. Nicht nur, weil einen Victoria Halper als eine Art Sensenfrau am Einlass abholt, die meisten der Begegnungen sind weiblich. Zwischen Monitoren und MR-Bildern erzählt Dr. Sophie Zwölfer vom ambivalenten Verhältnis einer Ärztin zum Tod, ist doch der Kampf gegen diesen Feind ihr Dienstgeber – „du brauchst ihn, weil ohne ihn wärst du schließlich überflüssig“. Die meisten Patienten, sagt sie, hätten keine Angst vor dem ex und hopp Tod, sondern vor langem Siechtum und qualvollem Sterben, und sie unterscheidet Selbstmordpatienten, bei denen der Körper sein Leben nicht aufgeben will, von denen, deren Geist sich mit aller Kraft gegens Abtreten wehrt. Ein Arbeits-“alltag“, der genau das nie sein kann.

Sophie Zwölfer. Bild: DARUM

Jasmin Kreuzer. Bild: DARUM

Caroline S. Bild: DARUM

Emma Wiederhold. Bild: DARUM

Wie der von Jasmin Kreuzer, der Bestatterin und Sterbebegleiterin, die ihre Besucher im Sarg empfängt. „Die schauen nicht mehr, die Toten. Da ist nichts mehr hinter ihren Augen. Alles leer“, beantwortet sie die mutmaßlich auch live gestellte Frage, wie sie es mental und emotional verkraftet, die vielen Gesichter des Todes zu sehen. Das wahre Antlitz der Hinterbliebenen werde ihr offenbar, meint sie, und als sie Schminktipps für Verstorbene gibt, bekommt „Ausgang: Offen“ jene Skurrilität, die man an DARUM schon kennt und schätzt.

„Ausgang: Offen“ ist ein großartiger Tabubruch in einer Stadt, die wie keine zweite Euphemismen fürn Gwigwi hat, in der sich das Goldene Wienerherz einen Kasperl holt, in der, wer a Bankl reißt si d’Schleifn gibt, bevor er an Foahschein firn Anasiebzga löst. Der Zentralfriedhof, Jedermanns liebstes Freizeitparadies, von Wolfgang Ambros mit einer Hymne besungen, und unvergessen die deutsche TV-Doku, in der Roland Neuwirth „Ein echtes Wienerlied“ extremschrammelte, und der Untertitelung zum „… jetzt tuat eam ka Bah mehr weh …“ ein endlich von seinen Schmerzen erlöster Baum einfiel.

Aber, apropos: So viel musikalisches „Haaallo!“ um den Gevatter auch gemacht wird, so sehr wird seine Realität an die Ränder von jedes einzelnen Wirklichkeit gedrängt, Hospitium kommt heutzutage von Hospiz, und in dieses Sicht- und Spürbarmachen des Unausweichlichen stößt DARUM mit seinem experimentellen Hybrid zwischen Film und intensiver 1:1-Performance vor. Auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit reanimierten Personen, unheilbar Kranken, Sterbenden, Angehörigen und solchen, die beruflich mit Sterbenden und Toten zu tun haben, – und die zum Großteil als sie selbst auftreten -, holen Halper, Andreß und Krösche das tief in den Seelen Vergrabene hervor ins Bewusstsein.

Franz Hammerbacher. Bild: DARUM

Ihre Produktion im Assoziationsspielraum zwischen Thomas Bo Nilsson und Romeo Castellucci versteht das Performance-Trio als „ein Angebot, dem Unbegreiflichen mit einer Ahnung zu begegnen und dem Tod aus unmittelbarer Entfernung und sicherer Nähe ins Auge zu blicken“. Ein solches „Signa“-l ist auch der Raum „Verlust“, aus dem man schreckliches Weinen hört, doch einem der tröstende Eintritt verboten wird. Im Krankenzimmer „Die Ohnmacht“ liegt Robert N. als im Wortsinn Maschinenmensch.

„Die Rückkehr“ bezieht sich auf Autor Franz Hammerbachers Nahtoderfahrung nach einem Autounfall auf dem Prager Autobahnring. Ein beunruhigender Ausblick in eine vielfarbige Finsternis, die den Betroffenen mit dem Gefühl des Kontrollverlusts zurückgelassen hat. „Aufprall, Stille, Schmerz, Sirenen, Stille“, so schildert er’s – und den „Lass‘ los“-Sog, der ihn seither zum Kopfschütteln seiner Freunde nicht mehr loslässt. Denn am Ende des Tunnels für Hammerbacher kein Licht …

Die 84-jährige Caroline S. ist per Laptop und unter Bildstörungen aus „dem Heim“ zugeschaltet, und berichtet, wie einen der Sudden Death in Geldnöte bringen kann, die elfjährige Emma Wiederhold, und das ist von allen Erlebnissen am schwersten zu ertragen, erzählt vom Ultraschalltermin, bei dem der Tod ihres noch ungeborenen Bruders festgestellt wurde, von seiner dennoch „Geburt“ und einem ersten/letzten In-den-Armen-Halten, „als würde er schlafen“, der längst bei Schlafes Bruder weilt.

„Ich gestehe es, ich wollte tot sein. Aber nach einiger Zeit habe ich auf einmal einen Finger bewegt. Und ich habe mir gedacht: Wenn ich das kann, kann ich alles andere auch“, sagt Brigitte Zolles, die an der schweren Lungenkrankheit COPD leidet und die sich dennoch und im Wissen um ihre baldige Endlichkeit vorgenommen hat, das Leben zu genießen. „Der Weg“, eine Spritztour mit Victoria Halper am Steuer, ist eine kurze Liebeserklärung an das Leben. „Jede Minute genießen, einfach glücklich sein und atmen“, gibt einem Frau Zolles als Rat mit auf ebendiesen. Dann dreht sich die Kamera – und Schock. So viel makabrer Haunted-House-Horror-Humor muss sein! Was bleibt sind blühende Kirschbäume und ein Polaroid.

www.darum.at           Trailer: www.youtube.com/watch?v=bDI7TY92O20&feature=youtu.be

Weitere Streamingtermine: 27. und 30. Mai, ab 20.30 Uhr auf www.wuk.at

21. 5. 2020

Akademietheater: Heisenberg

Dezember 22, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Unschärferelation im Zwischenmenschlichen

Ein Heisenberg-Teilchen ins Auge bekommen? Caroline Peters als Georgie Burns schaut Burghart Klaußner als Alex Priest tief in ebendieses. Bild: © Sebastian Hoppe

Mit 20. Jänner wird die bis dato als Gastspiel des Düsseldorfer Schauspielhauses dargebotene Produktion „Heisenberg“ fix ins Repertoire des Burgtheaters übernommen, und sich die Inszenierung mit Caroline Peters und Burghart Klaußner am Akademietheater anzusehen, sollte ebenso fix unter den diesjährigen Neujahrsvorsätzen aufgenommen werden. Denn der Abend ist schlichtweg fabelhaft. Regisseurin Lore Stefanek macht bei der

deutschsprachigen Erstaufführung aus dem Zwei-Personen-Stück von Simon Stephens eine Screwball Comedy – der Beziehungsschmäh von den Gegensätzen, die sich anziehen, dabei wohltemperiert, fein ziseliert, so dass die beiden Schauspielstars besten Boulevard bieten, wortwitzig, situationskomisch, schrullig, liebenswert von der ersten bis zur letzten der 90 Minuten, ohne dem Antagonistenpaar aber seine leise Melancholie zu nehmen. Die Story ist bekannt, es ist die von den Öffis, in denen einem plötzlich ein Unbekannter ein Ohr abkaut. Bei Stephens ist das Georgie Burns, die am Londoner Bahnhof St. Pancras den ihr völlig fremden Alex Priest auf den Nacken küsst. Ein Versehen, eine Verwechslung beteuert sie sofort verschämt.

Doch ist dem tatsächlich so?, lauert die exaltierte Amerikanerin dem 33 Jahre älteren, irisch-stämmigen Fleischhauer schließlich alsbald in seinem Laden auf. Mit einer neuen Lebensgeschichte als zuvor, nämlich der, nicht sexy Servierkraft in einem Islingtoner Nobelrestaurant, sondern schmucklose Sekretärin an einer Volksschule zu sein. Es bleibt im Laufe der Begegnungen dem Publikum überlassen, zu entscheiden, was an Georgie Dichtung und Wahrheit ist, und genau diese Verunsicherung ob des nie vorhersehbaren Verhaltens dieser Frau bringt wieder Leben in den festgefahrenen Alltag des Mannes, ihr unstetes Wesen wird für ihn zur befreienden Unordnung. Dass Peters und Klaußner das fabelhaft verkörpern, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Sie als Biografien-Erfinderin und Plaudertasche bewältigt bravourös den Balanceakt auf dem schmalen Grat zum Overacting. Er gibt den lakonischen Stoiker, porträtiert mit hängenden Schultern und ebensolchen Mundwinkeln allerdings einen, der Emotionen aus seinem Dasein zu verbannen trachtet – und doch von ihnen überrannt wird.

Nicht zufällig greift sich Klaußner immer wieder ans Herz, eine wunderbar doppeldeutige Geste für Alex‘ Überforderung, seine Herausforderung durch Georgie. Hinreißend ist das, wenn Sprachspieler Stephens seine Charaktere sagen lässt „Finden Sie mich anstrengend, aber liebenswert?“ oder „Ich fühle nicht, ich denke!“, worauf Georgie Alex „intellektualisiert“ nennt. Die Peters spielt mit Verve eine flirrende Nervensäge, deren Hände genauso aufdringlich durch den Raum flattern wie ihre Sprüche, wenn sie ihn mit einem bemerkenswerten Mix aus mitfühlend-oberflächlich auffordert, sich ihr endlich zu öffnen, und trotz dieser verrückten Volten spiegelt ihre Georgie stets eine abgrundtiefe Einsamkeit, in den Augen ihre Sehnsucht nach Nähe und Halt, im Dick-Auftragen ihre Dünnhäutigkeit.

Der Fleischhauer ist misstrauisch. Bild: © Sebastian Hoppe

Georgie sucht Alex und seinen Laden. Bild: © Sebastian Hoppe

Erschöpfung nach dem ersten Mal. Bild: © Sebastian Hoppe

Doch noch ein Happy End. Bild: © Sebastian Hoppe

Werner Heisenberg übrigens, der titelgebende, war Quantenphysiker und Nobelpreisträger, und postulierte als seine wichtigste These die Unschärferelation, mit der er, kurz gesagt, der Welt ihre Berechenbarkeit absprach, da nie exakt bestimmt werden könne, an welchem Ort und dort mit welchem Impuls sich ein Teilchen aufhalte, ja, dass diese Teilchen sich unter Beobachtung sogar anders verhielten, als ohne Observation. Den Verweis auf die abstrakte Dimension seines Textes hat Stephens Georgie in den Mund gelegt, es geht in diesen Zeilen um ihren nach New Jersey abgehauenen Sohn Jason und 15.000 Pfund, um die sie Alex erleichtern will – hier also der Hintergedanke zum vielleicht gar nicht zufälligen Stationsschmatzer.

Und so, wie ein naturwissenschaftliches Experiment den Gegenstand seiner Untersuchung beeinflusst, so werden aus Georgie und Alex zwei Bühnenquanten, die über die Unschärferelation im Zwischenmenschlichen verhandeln – bei gegenseitiger Anpassung des vom jeweils anderen betrachteten und bewerteten Benehmens. So abstrakt diese Heisenberg-Idee, so abstrakt das Setting von Janina Audick, ein Laufsteg, der Fleischhauerei, Tanzsaal, Schlafzimmer sein kann, vorne eine überdimensionale Digitaluhr, hinten eine Steilwand, und hinter dieser Sinnsprüche wie Goethes „Es hört doch jeder nur, was er versteht“. Auf dieser schmalen Spielstätte gestattet Lore Stefanek ab und an auch etwas Slapstick.

Etwa, wenn Peters Klaußner wie einen Fisch an imaginierter Angel einholt, oder er seinen Musikgeschmack der vergangenen 50 Jahre swingt, rockt, rhythm ’n‘ bluest, rappt … ein Kabinettstück von Klaußner im Gene-Vincent-T-Shirt, sein Brummbär Alex, der sich zunehmend behaglich fühlt. Der schönste und für diese Arbeit bezeichnendste Moment, liegt in der Love-Story, die sich logischerweise anbahnt, erst die elegische Erschöpfung nach dem ersten Mal – nach langer Zeit wieder, dann ein lautstark vorgetäuschter Orgasmus für die rundum lauschenden Nachbarn. Es ist diese Art Tragikömodie, die „Heisenberg“ ausmacht, und Stefaneks Entscheidung, schnickschnacklos auf ihre Darsteller zu fokussieren, holt einen hautnah an Peters und Klaußner heran.

Die Frage, wie exakt man einen anderen Menschen bestimmen kann, wie genau beobachten, ohne ihn aus den Augen zu verlieren, ohne ihn in seinen Möglichkeiten einzuschränken, beantwortet Georgie, als Alex zum Schluss doch noch sein Innerstes preisgeben will, ihn unterbrechend mit den grandiosen Liebesworten: „Das genügt mir, mehr brauche ich nicht, mehr muss ich nicht wissen.“ Denn der scheint’s so unbewegliche Alex kommt am Ende zu einer überraschenden Entscheidung, und das bedeutet, dass es für Georgie und ihn zumindest auf unbestimmte Zeit ein relativ unscharfes Happy End geben wird.

www.burgtheater.at

  1. 12. 2019

Bronski & Grünberg: The Big Bronski Christmas Show

Dezember 15, 2019 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Swingen, schwofen, Eggnog schlürfen

Die Gastgeber Julia Edtmeier und Jakob Semotan. Bild: © Philine Hofmann

Auf dem Wunschzettel ans Christkind steht seit gestern zuoberst, das Bronski & Grünberg möge diesen famosen Abend bitte auf Schallplatte pressen und als Geschenkidee anbieten. Ging sicher weg wie warme Weihnachtskekse! Mitten im Antiidyllmonat Advent bietet das Progressiv-Boulevardtheater ums Eck von der Porzellan- gasse nämlich den besten Grinch-Killer ever – „The Big Bronski Christmas Show“, eine Lametta-behängte, Eggnog-durchtränkte Extravaganza à la Hausmarke, bei deren Genuss sich die Stressstimmung sofort in beste Laune verwandelt: It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas!

Der Johnny-Mathis-Song nur einer der etlichen, die zu Gehör gebracht werden, gesungen von Perry Como bis Bing Crosby, und deren weltberühmte TV-Xmas-Specials der Sechziger- jahre sind die Art Budenzauber, den nun die Bronskisten veranstalten. Die Bescherung anrichten Julia Edtmeier und Jakob Semotan als Hosts, und wie die beiden mit Big-Band-Gesten durch ihre Bad-Santa-Jokes tänzeln, ist man tatsächlich anHappy Holidays with Frank and

Bing“ oder die alljährliche „Perry Como’s Christmas“ erinnert, die übrigens 1976 sogar „In Austria“ stattfand. Und apropos tänzeln, Julia Edtmeier erweist sich nicht nur als talentierte Sängerin, sondern legt zusammen mit Semotans Volksopernkollegen Peter Lesiak auch eine Astaire’sche Steppnummer hin, dass dem Parkett ganz heiß wird. Von Ruth Brauer-Kvam ist die regieliche Zusammensetzung der Big American Christmas Party; weder Kosten noch Mühen wurden gescheut, um mit Kunstschnee, Glitzer und einem fast echten Pferdeschlitten eine Wahnsinnsshow zu präsentieren. Christian Frank begleitet die Special Guests auf dem Piano, und zu den Season’s Greetings angetreten sind:

Karoline Kucera und Florian Carove als Duettpartnerinnen Judy Garland und – Carove – Silberblick-Barbra-Streisand, die stimmgewaltigen Diven bald im Ellenbogen-Infight ums höchste C, so viel Satire muss im Bronski & Grünberg sein, auch wenn the one and only Tania Golden ihren „Simple Wish“ ins Mikrophon röhrt – „I wanna be rich, famous and powerful“, a Song by David Friedman, because you know, jews are writing the best christmas songs, auch wenn Kyrre Kvam im Pinguinpullover „Have Yourself A Merry Little Christmas“ mit einem als Trauerlied dargebotenen „Me, Myself & I“ mixt – der Egomanenhit als einsamer Abgesang. Äußerst amüsant auch der Auftritt der Schwestern Caroline und Eva Maria Frank, die bei ihrem Adventsingen mit Verve eine, weil darin versehentlich einen Diamantring versenkt habend, Bowleschüssel leeren.

Rat-packing Semotan kann derweil vorne Rampensau und sich hinten mit Punsch zuschütten, Edtmeier im Minutentakt die atemberaubend schönen Vintageabendkleider wechseln, in den Werbepausen werden per Röhrenfernseher Zigaretten angepriesen. „Baby, It’s Cold Outside“ wird nicht nur gegendert, sondern auch als ménage à trois geträllert, Semotan und Edtmeier verhaften via Sketch den Schlittenfalschparker vom Nordpol, das besinnliche „White Christmas“ fehlt ebenso wenig auf der Setlist wie das sexy „Santa Baby“ – und am Schluss ist endlich Sing Along angesagt. What a night, what a show! Dont‘ miss it!

www.bronski-gruenberg.at

  1. 12. 2019

Kasino des Burgtheaters: Theblondproject

Oktober 6, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Im Aufzug mit der Avatarin

Gesine Danckwart und Caroline Peters erklären dem anwesenden Publikum den Ablauf des Abends. Bild: Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

Als Rod Stewart sein Album „Blondes Have More Fun“ veröffentlichte, war er mehr als 40 Jahre von der gestrigen Uraufführung entfernt, und nein, als Angehörige dieser – wenn auch mittlerweile im Friseursalon aufgepeppten – Spezies kann man nicht sagen, dass man an „Theblondproject“ besonders viel Spaß gehabt hätte. Theatermacherin Gesine Danckwart und Schauspielerin Caroline Peters haben die immerhin vom deutschen Fonds Doppelpass geförderte Produktion der Danckwart’

schen Formation Chez Company und des Burgtheaters gemeinsam entwickelt und getextet, und fungieren nun im Kasino desselben auch als Performerinnen. Dass der Abend allerdings ab der initialen Phase nicht zündet, mag an der eigenen Erwartungshaltung gelegen sein, wurde doch via Burgtheater-Webseite vollmundig verkündet, die Akteurinnen würden sich anhand der klischeebehaftesten Haarfarbe von allen mit Rollenbildern, Identitätsmustern, Machtstrukturen, heißt: eben den üblichen Mythen ums Blondsein, beschäftigen. Davon bleibt ein von Peters zugegeben virtuos vorgetragener Blondinenwitz und bereits anfangs die Ansage, die eine, Danckwart, sei immer schon Feministin gewesen, während die andere, Peters, damit bis dato wenig zu tun hatte, hätte sich ihrer Selbstverwirklichung doch nie ein Mann in den Weg gestellt.

Was bei einer Mitarbeiterin in einem Apparat, der vom Literaturkanon bis zur Bühnentätigkeit männlich dominiert ist, an sich schon verwundert, auch eingedenk der Tatsache, dass die zwei großen Wiener Theater von Frauen- zurück in Männerhände gegeben wurden. Staunende Sprachlosigkeit befällt einen aber erst, als das Künstlerinnenduo sich dem Gendering verweigert, und für sich selbst in seinen Aufgaben das Maskulinum wählt – Autor, Regisseur, Schauspieler. Ist das ein Witz in dieser Welt weißer Hetero-Herren?

An einer Station steuern die Zuschauer die Avatarin … Bild: Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

… und die reagiert sofort auf deren Wünsche. Bild: Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

„Theblondproject“ will sich als Indikator des neuen Kušej’schen Burgtheaters verstanden wissen, wobei vor allem im Kasino stattfinden soll, was weibliche Avantgarde, Diskurs darüber – mit einem Wort: emanizipationsbewegt ist. Bewegt wird aber erstmal nur das Publikum, eingeladen zu einem Parcours durch die Hinterbühnenräume des Kasinos, wo an Bildern, Filmen, Erlebnissen allerhand passiert. Chefmaskenbildner Peter Spörl referiert über Haare, daneben Perücken und Spiegel, um das Gehörte gleich auszuprobieren. Komparsinnen und Komparsen unterhalten mit Anekdoten über berühmte Blondinen, an Musik erklingt der Plastikblondsong „Barbie Girl“ von Aqua und Emilia Mitikus „Big Big World“.

Herzstück der Installation sind Video-Interviews mit Frauen, Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler, Theaterwissenschaftlerin Monika Meister und anderen aus der vielzitierten „Mitte der Gesellschaft“ stammenden Macherinnen. Das innovative Highlight des Ganzen ist denn freilich nicht Inhaltliches, sondern ein Stück Technik, Thekla Kaischauri als mit Stirnkamera ausgestattete „Avatarin“, deren Live-Aufnahmen in den Saal übertragen, und deren Aktionen von den Zuschauerinnen und Zuschauern gesteuert werden können. So muss sie mal Klavierspielen, mal raus auf den regennassen Schwarzenbergplatz, mit einem selber zum Schluss im Aufzug hinunter Richtung Eingangsbereich fahren.

Bevor es gilt, sich aus der Bunten-Abend-Atmosphäre zu verabschieden, monologisiert Caroline Peters noch dreißig Minuten lang, kommt dabei vom Hundertsten ins Tausendste, von der strawberryblonden Rita Hayworth über die Hitchcock-blonde Tippi Hedren zur wasserstoffblonden Marilyn Monroe, diese als Smiley auf der Spielfläche versinnbildlicht, und apropos, Sex-: von Bikini zu Atoll zu Atombombe.  Bombshellblond und in „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“-Aufmachung womansplaint Peters, was das Zeug hält, flachst, sie sei im Laufe der Veranstaltung noch (flachs)-blonder geworden, schäkert mit Souffleuse Monika Brusenbauch, weil’s doch nur ein Scherz ist, wenn sie sich aus deren Einsagebuch die vergessenen Formulierungen holt.

Keep on Smiley: Caroline Peters als Bombshell Blonde in „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“-Aufmachung. Bild: Marcella Ruiz Cruz / Burgtheater

Da geht das Auditorium dankbar mit, doch hat’s anschließend Gesine Danckwart schwer, die, in Fell gehüllt, den mutmaßlich maßgeblichen Satz der Vorführung sagt: „Ich sehe mich einfach nicht.“ Und ist das der Fall, kann ich auch nicht gesehen werden. Da legt sich der Frauen- solidaritätsschalter doch noch um, auch wenn dieses Selbst- bespiegelungsprojekt – „Spiegel“ im Sinne von: zwar glänzender, aber letztlich zweidimensionaler Oberfläche

– nichts zu Selbstreflexion, schon gar nicht Selbstfindung beigetragen hat. Immerhin ein Erfreuliches: Auf den zu Beginn ausgeteilten Fragebögen geben am Ende 87 Prozent der diese Ausfüllenden an, den Begriff „Feminismus“ nicht zum Schimpfen zu verwenden. „Befragen“ ist auch das Stichwort, das „Theblondproject“ für sich erkoren hat, Danckwart und Peters wollen das mit sich, einander und anderen weiter tun. Im Frühjahr 2012 soll es dann ein zweites Projekt an der Deutschen Oper Berlin geben.

www.burgtheater.at           www.theblondproject.net

  1. 10. 2019

Neue Oper Wien: Angels in America

September 27, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Himmlisch, brillant und hochaktuell

Der Engel steigt herab in Prior Walters Krankenhauszimmer: Caroline Melzer. Bild: Armin Bardel

Als Tony Kushner sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Theaterstück „Angels in America“ schrieb, hatte es in den USA gerade die George-Bush-Stunde geschlagen, es war die Zeit von Operation Desert Shield und den damit verbunden präsidentischen Lügen, und auch, wenn erst Sohn W. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partner per entsprechendem Verfassungszusatz unterbinden wollte, so war das amerikanische Klima in den 1990er-Jahren alles andere als freundlich für die LGBT-Community.

Die Neue Oper Wien brachte nun gestern im Wiener MuseumsQuartier Péter Eötvös‘ auf Kushners Gay Fantasia on National Themes“ basierende Oper zur österreichischen Erstaufführung. Wie die Vorlage ist das musiktheatralische Werk, für das Mari Mezei das Libretto verfasste, gesellschaftspolitisch klugen Inhalts, wenn Eötvös auch statt der im Stück festgemachten Sozialkritik mehr an den Schicksalen der Protagonisten interessiert ist, deren Los, wie in Kushners Zwischen-Himmel-und-Erde-Text, in Halluzinationen, Visionen, Traumwelten widergespiegelt wird.

Mal verursacht durch den Missbrauch, mal durch die Verabreichung von Medikamenten. Das Thema von „Angels in America“ ist AIDS. Und dass dieses nach wie vor hochaktuell ist, belegen die jüngsten Statistiken der AIDS Hilfe Wien: Weltweit leben 36,9 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, davon 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren. In Österreich liegt die Zahl der Infizierten und Erkrankten bei acht- bis neuntausend, und täglich kommen ein, zwei weitere Fälle dazu. Dass sich außerdem homophobe Angriffe wieder häufen, ist eine erschreckende Tatsache. In einer vor dem Sommer erhobenen Studie der Stadt Wien beispielsweise gaben 28 Prozent der Stadtbewohner mit queeren Lebensmodellen an, 2017 deshalb diskriminiert, lächerlich gemacht und beschimpft worden zu sein, ein Viertel davon war sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Über Eötvös‘ Arbeit sagt Neue-Oper-Wien-Intendant und Dirigent des Abends Walter Kobéra in seinem unbedingt empfehlenswerten Einführungsgespräch: „Das Werk kommt von Herzen. Möge es zu Herzen gehen.“ Und so geschieht es. Eötvös, der sich stets gern vom Lokalkolorit des verwendeten Dramas inspirieren lässt, seien‘s russische Töne bei den „Tri Sestri“ nach Tschechow oder französisch anmutende bei „Le Balcon“ nach Jean Genet, hat diesmal punkto Klangsprache auf die Melodien der großen Broadwaymusicals zurückgegriffen – erkennbar an der Besetzung des amadeus ensemble-wien mit zusätzlich zwei Schlagwerken, Hammondorgel, Gitarre und E-Gitarre, die bei der Begegnung von Louis und Joe eine Art „Doppelkonzert“ geben.

Prior Walter und sein Lover Luis Ironson: David Adam Moore und Franz Gürtelschmied. Bild: Armin Bardel

Krankenpfleger Belize kümmert sich um den „Propheten“ Prior: Tim Severloh und David Adam Moore. Bild: Armin Bardel

Eötvös‘ Komposition ist trotz der Schwere des Sujets erstaunlich zugänglich, leicht und melodiös. Fürs Zwischenmenschliche hat er ein leis‘-poetisches Vokabular erdacht, die Metaebene Himmel illustriert er auf atemberaubend sinnliche Weise. An den schönsten Stellen greift all dies ineinander. Der Inhalt, als solcher nicht leicht zu fassen, hier kurz zusammengefasst: Der Hauptcharakter Prior Walter erfährt, dass er an AIDS erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Auf Erden, heißt: in New York, bedeutet das für ihn, dass sich sein Lover Luis Ironson von ihm trennt, weil er vor dem qualvollen Sterben seines Partners fliehen will.

Vom Himmel herab steigt aber ein Engel, der Prior verkündet, „der Prophet“ zur Rettung der Menschheit zu sein, die er dazu bewegen soll, ihrem Fortschrittsglauben als der Wurzel allen Übels abzuschwören. Aus Salt Lake City ist das Mormonenehepaar Harper und Joseph „Joe“ Pitt neu in die Metropole am Hudson River gezogen. Die psychisch labile Harper ist der Großstadt nicht gewachsen und greift immer öfter zu Valium, da sieht sie in einer Vision Prior, der ihr offenbart, dass Joe schwul ist. Was dieser im Central Park, wo er Männerpaare bespannt, inzwischen selbst feststellt. Joe trifft Luis, die beiden gehen eine Beziehung ein, während im Spital Krankenpfleger Belize verzweifelt versucht, Prior klarzumachen:

Sein Engel war nur eine durchs Morphium ausgelöste Halluzination. Zwei real existiert habende Figuren gehören ebenfalls zum Personal: Roy Cohn, ein Staatsanwalt, der in der McCarthy-Ära zum berüchtigsten aller Kommunistenjäger aufstieg, und der in seiner Eigenbewertung als Präsidentenmacher als letztem Donald Trump das politische Handwerk beibrachte. Der ausgewiesene Schwulenhasser Cohn war selber homosexuell, 1984 wurde bei ihm AIDS diagnostiziert, doch bis zu seinem Tod zwei Jahre später gab er vor, an Leberkrebs zu leiden. In der Oper erscheint ihm knapp vor seinem Ende, um ihn zu verspotten, Ethel Rosenberg, in den 1950er-Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Julius wegen Spionage für die Sowjetunion angeklagt. Auf Cohns Betreiben wurde nicht nur er, sondern auch sie, bei der die Beweislage wesentlich dünner war, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Cohn gab 1986 zu, dass die Regierung die Beweise gegen die Rosenbergs „hergestellt“ habe …

Regisseur Matthias Oldag setzt in seiner Inszenierung ganz auf den vom Werk vorgegebenen Dauerdreh von Tragik zu Komik. Nicht ohne Witz ist etwa eine celestische Konferenz der Engel aller Kontinente, in der sie versuchen, mittels steinaltem Röhrenradio Nachrichten von der Erde zu empfangen, dabei angetan wie eben noch die Obdachlosen, die sich in der Bronx um ein Mülltonnenfeuer versammelten. Auftritt „Prophet“ Prior, der zwar nicht das nietzscheeske „Gott ist tot“ verkündet, aber immerhin dessen Davonschleichen vor den Sorgen seiner Geschöpfe. Priors Aufforderung, ihm bei Wiedererscheinen den Prozess zu machen, statt Gottes Gericht – Gott vor Gericht, hinterlässt in Anbetracht seines Zustands beim Zuschauer einen ziemlichen Kloß im Hals.

Dies Wechselbad der Gefühle hat Bühnen- und Kostümbildner Nikolaus Webern für den schnellen Szenenwechsel ausgestattet. Wenige, von den Darstellern bewegte Versatzstücke definieren die diversen Schauplätze, oft sind mehrere zugleich auf der Bühne, vorne Harper allein am Schminktisch, hinten Cohns Büro, in dem er seinen Adlatus Joe herumkommandiert. Auch die Trennungen von Joe und Harper sowie Prior und Luis laufen parallel, dazu ringsum Projektionen – Hochhaussilhouette, Bow Brigde, Star-Spangled Banner und Live-Videos, die die Solistinnen und Solisten überlebensgroß an die Wand werfen. Auf dem Bühnenboden liegt Schnee (oder liegen da doch Engelsfedern?).

Luis und Joseph Pitt kommen sich im Central Park näher: Franz Gürtelschmied und Wolfgang Resch. Bild: Armin Bardel

Die auf sein Geheiß auf dem elektrischen Stuhl hingerichtete Ethel Rosenberg sucht Roy Cohn heim: Sophie Rennert und Karl Huml. Bild: Armin Bardel

Eötvös und Librettistin Mezei haben die in sich verwobene, ihrer Entwirrung harrende Handlung in einen feinen Humor gekleidet, haben daraus ein Spiel mit Geschlechtern und ihren Rollenbildern gemacht, in dem das Ensemble durchwegs brilliert. Caroline Melzer, derzeit an der Volksoper auch als „Gräfin Mariza“ zu erleben, schwebt als weißer, später schwarzer Engel aus den Lüften herab, und trägt mit ihrem wunderschönen Sopran am ehesten das vor, was man „Eötvös pur“ zu nennen vermag – eine Partie, extravagant klingend und extrem fordernd. David Adam Moore weiß seinen lyrischen Bariton gekonnt zu führen, und ist nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch auf der Höhe, ob er sich „der Seuche“ nun leidend hingibt oder aufbegehrend entgegenstellt – oder sich vom Engel zum Orgasmus singen lässt.

Alle weiteren Solistinnen und Solisten sind in jeweils mehreren Rollen zu sehen: So ist etwa Sophie Rennert stark, wenn sie als Harper Pitt begreifen muss, dass Joe in ihr nur seinen „besten Kumpel“ sieht, und dessen als Eheretterin angereister Mutter Hannah gesteht, dass ihr Joes Penis fehlt. Inna Savchenko gestaltet diese Hannah mit perfekt großem Stimmumfang und in der Darstellung eindrucksvoll zurückgenommen, während sie anzunehmen trachtet, was sie bisher abgelehnt hat. Bariton Wolfgang Resch ist als verkrampfter Joe hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Lust, da trifft er Franz Gürtelschmieds Luis, den der als lasziven Verführer gibt, dem es ein Leichtes ist „Klemmschwester“ Joe auf seine Seite des Sex‘ zu ziehen.

Überzeugend ist auch Countertenor Tim Severloh in seiner Rolle als Krankenpfleger Belize, eine ehemalige Drag Queen, die den Glitzerfummel gegens OP-Grün tauschte, und nun Prior und Roy betreut. Wie Severlohs Belize als Reaktion auf die Narreteien ihrer Patienten die Stimme bis zum Schrillpunkt in höchste Höhen schraubt, ist bemerkenswert. Karl Huml schließlich ist als Roy Cohn zu sehen, sein kräftiger Bassbariton wie maßgeschneidert für die Figur des windigen Anwalts, arrogant und zynisch selbst noch in maßloser Angst – in die ihn neben der Diagnose AIDS auch Ethel Rosenberg versetzt, noch einmal gilt es die Leistung von Sophie Renner hervorzuheben, die ihm samt Elektroden-Kopfriemen auf der Leinwand erscheint – unheimlich vor sich hin summend und vor Schadenfreude irre grinsend.

Für Prior steht vor dem Hingang die Hoffnung. Auf mehr Leben, zumindest darauf keinen Tod mehr im Geheimen sterben zu müssen. Er hat sich von den fortschrittsgegnerischen Engeln abgewandt, sein Prophetenbuch abgegeben, kann er doch der Modernität und mithin der Wissenschaft, die seither einiges in der HIV/AIDS-Forschung erreicht hat, nicht abschwören. Er will nun als Mensch sein Leid annehmen. Das macht ihn mehr zur Messiasgestalt als jede Predigt. Und das Ensemble verteilt Red Ribbons ans Publikum, das diesem und dem anwesenden Komponisten mit riesigem Jubel für diese rundum geglückte und beglückende Produktion dankte.

www.neueoperwien.at

  1. 9. 2019