Burgtheater: Die Bakchen

September 13, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Aufmarsch von rechts außen

Der Chor der Bakchen marschiert durch Ulrich Rasches Maschinentheater; vorne: Markus Meyer als Chorführer. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Nahe am Abgrund marschieren, nein: eigentlich schleichen, sie im Gleichschritt über sechs den Raum durchmessende Laufbänder, dreieinhalb Stunden in ständiger Bewegung, in angeschrägter Hoch- und Tieflage geht‘s mal steil hinauf, mal abschüssig hinab, doch sind statt des Rhythmus‘ aufstampfender Kampfstiefel im Stakkato hervorgestoßene Sätze zu hören – von Protagonisten wie Chor, schwarzgewandet allesamt.

Nicht mehr als Schemen sind sie, im schwefeligen Gegenlicht, im Infight mit der Macht der Maschine, die ganze Aufführung ein körperlicher Akt … Die Neuerfindung des Burgtheaters hat gestern Abend begonnen. Ulrich Rasche bescherte dem Publikum zum Auftakt der Direktion Martin Kušej eine Inszenierung der Extraklasse. Seit etwa einem Jahrzehnt feiert der Regisseur und Bühnenbildner mit seinem monumentalen Maschinentheater Triumphe, zelebriert bildgewaltig und textkonzentriert die Sinnlichkeit des Abstrakten, und erzählt des Themas nimmermüde von der Selbstentfremdung des Menschen im Wechselfall von exzessivem Individualismus und gewissenloser Konformität.

In Wien nun ließ Rasche die hypnotische Sogwirkung seiner Arbeiten sich via „Die Bakchen“ entfalten, Euripides‘ letztem Meisterwerk, geschrieben nach 30 Jahren Krieg mit Sparta und kurz vor der Niederlage Athens, uraufgeführt posthum, 405 v. Chr. bei den Tragödienwettbewerben der Polis, und deren Siegerstück. Diverses wurde über das Drama schon gedeutelt, in dem Dionysos in seiner Geburtsstadt Theben einfällt, um sich an deren Bewohnern zu rächen, weil diese die Göttlichkeit des Sohns von Zeus und König Kadmos‘ Tochter Semele nicht anerkennen. Lang stand bei den Theatermacherinnen und -machern der Schutzherr der Ekstase hoch im Kurs, doch scheint’s sind dieser Zeiten die ethischen Anliegen andere.

Rasche hat auf die Ambiguität der verstörenden Vorlage gepfiffen. Er blendet Problematiken, die sich durch die Gegenüberstellung von Ratio und Raserei stellen, blendet die Frage, ob tatsächlich der Rigorose oder der Wilde Despot ist, aus. Seine Sympathien gelten, sein Brennglasblick konsequent auf die Gegenwart gerichtet, eindeutig Thebens Herrscher Pentheus, für Rasche ein Verteidiger demokratischer Errungenschaften, dem zur Verdeutlichung seiner politischen Haltung eine Perikles-Rede und ein Fragment des Kritias in den Mund gelegen wurden, und der den dionysischen Ausschreitungen mit den Mitteln des Rechtsstaats den Garaus machen will. Er ist der Gegenpol zum grausamen, gewalttätigen Gott, der in dieser Aufführung ganz klar Anthroporrhaistes, der Menschenzerschmetterer, und nicht Lysios, der Sorgenbrecher, ist.

Franz Pätzold brilliert als wütender Gott Dionysos. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Martin Schwab als Kadmos, Felix Rech als Pentheus und Hans Dieter Knebel als Teiresias. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Auftritt der famose, mit Gänsehautstimme gesegnete Franz Pätzold als Dionysos, um seine bösen Absichten kundzutun, ein Hass sprühender, manipulativer, wenn man‘s so lesen will: „rechtspopulistischer“ Demagoge, der seine Anhängerschar, die fanatische Armee der Bakchen, Motto: Gehorsam sein anstatt sich eigene Gedanken machen, zu Mord, Totschlag, Gräueltat anführt. Und wie diese ihren totalitären Anspruch auf Land und Leute skandieren: „Wir holen uns unser Land zurück. Diese Stadt gehört uns. Wie haben kein Recht zu scheitern“, später: „Wir werden immer mehr. Unsere Erregung steigert sich zur Raserei!“

Derart bekundet Rasche sein Bestreben das griechische Theater als Vehikel für Äußerungen zur aktuellen Lage der Nation zu nutzen, ohne groß zu verschleiern, auf wen diese abzielen. Euripides wird zur Schablone für Rasches gesellschaftspolitisches Statement. Sein Schattenspiel in Slow Motion begleitet Minimalmusic von Nico van Wersch, dargeboten von einem Streichquintett, Tenor und Bariton und der großartigen Schlagwerkerin Katelyn King, die mit ihrer Batterie an Trommeln und Pauken nicht nur den Rhythmus fürs Geschehen vorgibt, sondern mit ihrem Sound eine archaisch anmutende Atmosphäre schafft.

Ihr Taktschlagen besiegelt sozusagen den Untergang der Zivilisation. Pätzolds charismatischem Dionysos entgegen stellt sich aber Pentheus, dargestellt von Felix Rech, um nichts weniger „lärmend“ als sein Widerpart, ein starker Machthaber, der nicht an einen Führer, sondern an Verfassung und Gesetze, freie Bürger und den Schutz für Unterdrückte glaubt. Wie Raubtiere lässt Rasche Rech und Pätzold nebeneinander her gleiten, ohne, dass sie einander auch nur einmal eines Blickes würdigen. Pentheus lässt den in Menschengestalt erschienenen Gott verhaften, was dem freilich kein Hindernis ist, die Thebanerinnen – und bei Rasche auch – Thebaner in seinen Bann zu ziehen und auf den Berg Kithairon zu locken. Unter den frisch rekrutierten Bakchen ist auch Pentheus‘ Mutter Agaue, Kadmos zweite Tochter, was Dionysos und Pentheus de facto zu Cousins macht.

Den gemeinsamen Großvater Kadmos gestaltet der Doyen der Produktion, Martin Schwab, wie einen modernen Altpolitiker. Schwabs Kadmos hat genug Wissen und Erfahrung, um die Vorgänge rund um Dionysos zu durchschauen, doch rät er aus opportunistischen Gründen dazu, sich ihnen nicht entgegenzustellen, sondern sie für die eigenen Zwecke einzusetzen. Er selbst erhofft sich durch die Verwandtschaft zum numinosen Enkel einiges: Ruhm und Ehre für die Sippe. Wie Schwab seinen alten Freund Teiresias, Hans Dieter Knebel als Hüter der Religion, dazu anstiftet, ihm zu zeigen, wie man tanzt, wollen sich die beiden Greise doch mit den Bakchen im Wald vergnügen, wie er einen kleinen Hüftschwung probiert, da menschelt es plötzlich an diesem ansonsten durchchoreografierten Abend.

Zu spät kommt über Agaue die Erkenntnis: Katja Bürkle, hinten: Martin Schwab als Kadmos. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Markus Meyer macht den Chorführer und hat als solcher auch einige Solostellen. Bild: Andreas Pohlmann / Burgtheater

Dionysos lockt alldieweil Pentheus auf den Berg, vorgeblich, damit er die Bakchen-Briganten in ihrem kollektiven Rausch beobachten kann, doch er wird entdeckt und von der wütenden Meute in Stücke gerissen. Pätzold zitiert darüber im Hacksprech Nietzsches Zarathustra: “Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: – ihr – habt – noch – Chaos – in – euch!“ Die Masse hat über die Macht gesiegt. Zum Ende erklärt Kadmos seiner Tochter Agaue in quälerisch langsamer Behutsamkeit, dass der Kopf, den sie in der schwarzblutigen Hand hält, nicht der eines Berglöwen ist.

Sondern der ihres Sohnes, den ihr Toben tötete. Da entfährt Schwab ein so tiefer, grässlicher Klagelaut aus der Brust, dass es einen schaudern macht. Nach der ihren Gipfelpunkt erreicht habenden Gewalt-Orgie ist dies der unerwartete Antiklimax der Aufführung: Katja Bürkle überzeugt als Schmerzensmutter aus eigenem Verschulden, sie ist die gramgebeugte Menschin, die Verliererin im Kräftemessen der Männer, und wie die Bürkle das spielt, von Erstaunen zu Erkenntnis zu Entsetzen, beinhaltet mehr Emotionspsychologie, als die alten Griechen je zugelassen hätten.

Markus Meyer ist ein ausgezeichneter Chorführer, dem ein paar Solostellen überantwortet wurden, der aber auch in der Gruppe dank seiner besonderen Ausstrahlung jederzeit zu erkennen ist. Und während die Figur mit dem absoluten Machtanspruch, Dionysos, weiter zieht und die Zuschauer gleichsam durch die Zeitgeschichte führt, versuchen die Restthebaner, im Bewusstsein, wie steinig dieser Weg sein wird, zu einer geordneten Gesellschaft zurückzukehren. „Die Bakchen“ präsentiert Ulrich Rasche als „Ritualhandlung“, als im Wortsinn „schwarze Messe“. Hervorragend gelungen sind bei dieser Einstiegsproduktion des neuen Burgtheater-Teams außerdem die martialischen, viel Haut zeigenden Kostüme von Sara Schwartz und die – um den Einsatz einer Livekamera erweiterten – Videos von Sophie Lux.

Rasche indes hat es geschafft, bewährte und neue Ensemblemitglieder des Hauses nahtlos zusammenzufügen, alle miteinander Ausnahmeschauspieler, was Präzision und Präsenz betrifft, allesamt imstande gemeinsam mit der Laufbandhydraulik in höhere Sphären abzuheben – und dass Pätzold und Rech einander vom Typ, von der Körpersprache und der Stimmführung her ähnlich sind, ist ein zusätzlich prickelndes Moment. Man darf’s ruhig sagen: Diese „Bakchen“ sind ein Gesamtkunstwerk, anhand dessen Rasche gekonnt den Widerstreit zweier Weltsichten, den Kampf demokratischer vs. antidemokratischer Kräfte durchdekliniert. Auf welcher Seite Kušejs Burgtheater steht, ist logisch, auch, dass das Haus sich in dieser Stadt, in diesem Land politisch einmischen wird. Der Applaus dafür war laut und lang.

www.burgtheater.at

  1. 9. 2019

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Mai 6, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Wo sich kein Herz zum Herzen findet

Wer sich einen Lover kauft, will die Ware vor Gebrauch natürlich kontrollieren: Vincent (Eugen Bauder) beglückt gleich Julia (Eva Löbau). Bild: © x-verleih

Es gibt ihn wirklich, diesen Anger-Room, wo man zwecks Aggressionsabbau Möbel kurz und klein schlagen darf. Familienvater Robert geht dorthin, weil er sich unbedingt mit jemandem prügeln muss. Oder besser gesagt: mit etwas, das nicht zurückschlägt, Sperrholzinventar. So wütend macht ihn seine Frau Maschjonka, die Bioübermutti, die kein gutes an seinen ohnedies schon gelichteten Haaren lässt.

Doch zum Glück gibt’s ja Ecki, den ehemaligen Lehrer, der in einer abgefuckten Fabrikshalle seine Zerstörszenarien zum freundlichen Gebrauch aufbaut. Ecki, das ist eines der traurigeren Schicksale, von der Schule geflogen wegen angeblicher sexueller Belästigung einer Schutzbefohlenen, kann er zur Causa gar nichts sagen. Weil keiner wissen soll, dass Ecki schwul ist. Er seinerseits ahnt nicht, dass das Mädchen, das ihn angezeigt hat, die Tochter von – Robert ist. Weshalb das Herausfinden dieser Wahrheit am Ende weniger mit Wohl und mehr mit Wehe zu tun haben wird …

So funktioniert der Episodenfilm „Einsamkeit und Sex und Mitleid“, den Regisseur Lars Montag nach dem Bestsellerroman von Helmut Krausser gedreht hat, und der seit gestern in den heimischen Kinos läuft. Dreizehn Figuren bringt Kinodebütant Montag vor die Kamera; sie sind Supermarktfilialleiter, Polizist, Flüchtlingshelferin, Sektenmitglied, Callboy, Künstlerin, Ärztin oder Teenager in höchsten Pubertätsnöten. Denn allen geht es nur um eines: die angeblich schönste Sache der Welt irgendwie geregelt und erledigt zu bekommen. Montag gewährt einen tiefen und schwer satirischen Einblick in Einfamilienhausantiidyllen. Er zeigt Bigotterie und Alltagsrassismus, entlarvt Moralapostel und Selbstbetrüger – und das mitunter mit schwarzem, beißendem Spott und nicht selten, weil’s ja das Thema ist, unterhalb der Gürtellinie.

Robert macht sich für Janine zum Model: Rainer Bock und Katja Bürkle. Bild: © x-verleih

Und geht danach zwecks Aggressionsabbau Möbel zertrümmern: Rainer Bock. Bild: © x-verleih

Die Lebenslügengeschichten seiner Großstadtneurotiker verzahnen sich wie die Bilder eines Kaleidoskops, mehr und mehr. In bester „Short Cuts“-Manier dröselt sich erst allmählich auf, wer mit, und vor allem wer gegen wen, und als am Ende ein Kind vom Spielplatz verschwindet, kippt die Tragikomödie kurz ins ganz Tragische, lässt sie einem für einen Moment das Lachen im Hals stecken bleiben, bevor sie sich besinnt, dass sie eigentlich eine irrwitzige Groteske über Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs ist.

Kraussers Charaktere sind pointierte, scharf gezeichnete Miniaturen, die er aber in keiner noch so skurrilen Situation der Lächerlichkeit preisgibt. Diese Qualität zeichnet nun auch den Film aus, der bei aller Ulknudeligkeit mitten ins Herz trifft. Dass die Übung gelingt, ist auch dem großartigen Cast zu verdanken: Bernhard Schütz als Ecki; Jan Henrik Stahlberg und Friederike Kempter als Faschopärchen in Polizeiuniform; Rainer Bock und die wie immer wunderbare Maria Hofstätter als gefrustetes Ehepaar Pfennig; Lilly Wiedemann als deren Tochter Swentja – die Ecki-Verpfeiferin liebt den Muslim Mahmud (Hussein Eliraqui).

Katja Bürkle als Künstlerin und Datingportalopfer Janine; Peter Schneider als Uwe, der sich online als „Brandbeschleuniger XL“ registriert hat und als solcher Janine trifft, während seine Frau Julia (Eva Löbau) sich einen Toyboy einkauft; der wiederum, Eugen Bauder als Vincent, bildet mit Vivian (Lara Mandoki) ein Prostituiertenpärchen, das sich sehr strenge Beziehungsregeln zur friktionsfreien Ausübung des Berufs auferlegt; und dann ist da noch  Johannes (den Wahnsinn im Blick: Aaron Hilmer), der Jesus liebt, und Swentja, die ihn aber natürlich nicht erhört – und so geht Johannes zu Vivian …

Das Prostituiertenpärchen bereitet sich auf einen besonderen Einsatz vor: Vivian (Lara Mandoki) und Vincent (Eugen Bauder). Bild: © x-verleih

In einer raffinierten Melange aus klassischem Erzählkino mit surrealistischen Spotlights, werden all diese Schicksale nur hingeflüstert – von einem Erzählerpaar im Off. Eine Sie und ein Er beschreiben in ruhigem Tonfall das Zündeln am Partnersuchpulverfass. Grausam sind die Gewissheiten über Zwänge und Zwangssituationen, von denen sie berichten: Dass Mädchen immer nur die „bösen Buben“ haben wollen, um mit denen dann recht unglücklich zu werden.

Dass ein „verschissenes Leben“ nicht in einem Kaufglücksrausch repariert werden kann. Man erfährt von den Tücken eines Roboter-Staubsaugers, und warum sich Sex im Stehen nicht für ein 3D-Scanner-Bild eignet. In all diesen Liebesirrungen und -wirrungen ist der einzige Weise weit und breit ein koranfester Hosenmatz. Yamen Masoud spielt ihn mit der Souveränität eines alten Showbiz-Hasen hinreißend.

Unnötig zu sagen, dass sich hier kein Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang, alle singen „Ich bin alles, was ich habe auf der Welt“. Es gilt den Songtext von Peter Maffay konsequent auf „Ich“ weiterzudenken. Ich allein kann mich verstehen, ich darf nie mehr von mir gehen … Ist das nicht allemal schöner, als sich in Liebesidiotie durchs Dasein zu marotten? Was für ein Film!

www.einsamkeitundsexundmitleid.x-verleih.de

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Wien, 6. 5. 2017

Landestheater NÖ: Spielzeit 2013/14

Mai 15, 2013 in Bühne

Mit Gerti Drassl, Markus Hering, Michou Friesz,

Dörte Lyssewski und Martin Wuttke

GertiDrassl Bild: (c) Yasmina Haddad

GertiDrassl
Bild: (c) Yasmina Haddad

Am 15. Mai präsentierte Intendantin Bettina Hering das Programm ihrer zweiten Spielzeit am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten. Zu erwarten: spannendes, bewegendes, kritisches, unterhaltsames und anregendes Sprechtheater. Die Eröffnungspremiere „Hexenjagd“ von Arthur Miller gibt programmatisch die Richtung vor: Wie unterschiedlich sind jeweils in ihrer Zeit die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und welche politischen und soziologischen Erscheinungen generieren sie, also kurz gesagt: Welche Gesellschaft gebiert welche Ungeheuer?

In Regiearbeiten von Róbert Alföldi, Babett Arens, Alexander Charim, Cilli Drexel, Bettina Hering, Daniela Kranz, Irmgard Lübke, Barbara Nowotny, Katrin Plötner, Markus Schleinzer und Caroline Welzl werden neben dem Ensemble Babett Arens, Gerti Drassl, Michou Friesz, Florentin Groll, Alexandra Henkel, Markus Hering, Benno Ifland, Johanna Elisabeth Rehm, Johannes Schmidt, Susi Stach und Dominik Warta als Gäste in Eigenproduktionen zu sehen sein. Sven Philipp, Moritz Vierboom und Johanna Wolff begleiten das Haus einen Teil der Spielzeit. In Gastspielen von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, dem Schauspielhaus Zürich und dem Hamburger St. Pauli Theater sind in Arbeiten von Martin Wuttke, Karin Henkel und Wilfried Minks unter anderem Margarita Broich, Carolin Conrad, Burghart Klaußner, Lena Schwarz und Martin Wuttke zu sehen. Dörte Lyssewski und Markus Meyer, Katja Bürkle und Martin Wuttke sind mit eigens für das Landestheater Niederösterreich zusammengestellten Leseabenden zu Gast.

Das Programm im Detail:

„Hexenjagd“ von Arthur Miller ist die Eröffnungspremiere am 4. Oktober. Basierend auf den Hexenprozessen von Salem im 17. Jahrhundert, lässt es sich problemlos auf heutige Gesellschaftssysteme übertragen, die Denunziation fördern und Systemabhängigkeiten vorantreiben. In der Regie von Cilli Drexel werden neben unserem Ensemble u.a. die Burgschauspielerin Alexandra Henkel und Markus Hering, zurzeit am Residenztheater in München, zu sehen sein. Johann Nestroys „Einen Jux will er sich machen“, die Koproduktion mit der Bühne Baden mit Dominik Warta als Weinberl, in der Regie von Bettina Hering und mit viel Musik, landet am 11. Oktober in St. Pölten.

Thematisch  verknüpft mit Arthur Millers Hexenjagd ist „Die Wildente“  von Henrik Ibsen. Als Kämpfer gegen die vorherrschende Scheinmoral hat Ibsen mit diesem hochpsychologischen Stück die Frage aufgeworfen, was denn die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts für Ungeheuer hervorgebracht hat. Gerti Drassl, Benno Ifland und Johannes Schmidt werden das Ensemble verstärken, Daniela Kranz wird inszenieren. (Ab 7. Dezember). In der Uraufführung „Tagfinsternis“ TAGFINSTERNIS von Julya Rabinowich untersucht der Regisseur Markus Schleinzer, dessen Debütfilm „Michael“ viel Aufsehen erregt hat, den Umgang der heutigen österreichischen Gesellschaft mit ihren AsylwerberInnen. Die aufwühlende Geschichte um eine Familie zwischen Tradition und Assimilierung, die auf ihren Bescheid wartet, wird uns alle noch lange beschäftigen. (Ab 17. Jänner, Theaterwerkstatt)

Der Klassiker „Weh dem, der lügt!“ von Franz Grillparzer wird ab 25. Jänner in der Regie von Alexander Charim und mit Florentin Groll als Bischof beim Aufeinandertreffen zweier verschiedener Völker und ihrer Verhaltensweisen den Humor nicht zu kurz kommen lassen. „Geschwister“  von Klaus Mann, ein spannendes Zeitzeugnis der 20er Jahre, inszeniert von Irmgard Lübke (ab 8. März, Theaterwerkstatt), ist genauso wie das in der Antike angesiedelte Drama HORACE von Pierre Corneille, in der Regie von Katrin Plötner, (ab 24. April, Theaterwerkstatt) eine Wiederentdeckung. Die Dramatisierung des ungarischen Romans „Die Ruhe“ von Attila Bartis unter dem Titel „Meine Mutter, Kleopatra“als deutschsprachige Erstaufführung runden das Programm ab.Der bekannte Regisseur Róbert Alföldi war bis zum Spielzeitende 2012/13 erfolgreicher Intendant des Ungarischen Nationaltheaters, bis auch er ein Opfer der momentan herrschenden politischen Verhältnisse wurde. Wir sind sehr froh, dass er im Landestheater diesen brillanten Stoff umsetzen kann, der Ungarn zur Zeit der Wende, fokussiert auf eine klaustrophobische Familienkonstellation, zeigt. Als Gäste spielen ab 29. März  Michou Friesz, Susi Stach und Moritz Vierboom in dieser Produktion.

Zwei vom Landestheater Niederösterreich initiierte Lesungen gibt es in prominenter Besetzung: Die Burgschauspieler Dörte Lyssewski und Markus Meyer lesen aus Ovids „Heroides“, den fiktiven Beschwerdebriefen der Heldinnen der Antike (am 2. November) und Katja Bürkle von den Münchner Kammerspielen und Martin Wuttke werden aus dem Briefwechsel von Bertolt Brecht und seiner Frau Helene Weigel lesen. (Am 16. Jänner). „Der eingebildete Kranke nach Molière von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin kommt als Gastspiel in der Regie von und mit Martin Wuttke am 29. und 30. November ins Landestheater. Das Schauspielhaus Zürich gastiert am 14. und 15. Februar mit „Amphitryon und sein Doppelgänger“  nach Heinrich von Kleist in einer Inszenierung der gefeierten Karin Henkel, deren Arbeiten seit vielen Jahren nicht mehr in Österreich zu sehen waren. Das Hamburger St. Pauli Theater kommt am 9. und 10. Mai mit  Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“  in der Regie von Wilfried Minks mit Burghart Klaußner, der für diese außerordentliche Darstellung den Theaterpreis Der Faust gewonnen hat und Margarita Broich, die ganz neu in die „Tatort“-Riege einsteigt.

Open House am  20. und  21. SEPTEMBER

Das Landestheater Niederösterreich öffnet vier Wochen bevor die Spielzeit startet an zwei Tagen seine Türen zum Open House und lädt am Freitag, 20. September  zu einem Programm für Jugendliche und Erwachsene ein. Abenteuerlustige Jugendliche haben so zum Beispiel die Möglichkeit im Theater zu übernachten. Am Samstag, 21. September geht es am Vormittag und frühen Nachmittag mit unserem beliebten Kostüm- und Requisitenflohmarkt sowie mit Attraktionen für unsere jüngsten BesucherInnen weiter. Es gibt Familienführungen, Kinderschminken, Basteln, Bilderbuchkino, Lesungen und vieles mehr.

 Abos: Neu sind, neben dem JUGEND-ABO 14+, die Kooperationen mit Grafenegg und dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich. Hier gibt es unter dem Titel ABO LANDESTHEATER & GRAFENEGG und ABO LANDESTHEATER & TONKÜNSTLER je ein attraktives Abo-Angebot mit Musik und Schauspiel. Ebenfalls neu:  Am 19. August 2013 eröffnen das Landestheater Niederösterreich, das Festspielhaus St. Pölten und die Bühne im Hof ein neues gemeinsames Kartenverkaufslokal am Rathausplatz 19, St. Pölten.

www.landestheater.net

Von Michaela Mottinger

Wien, 15. 5. 2013