Salzburger Festspiele: Buhlschaft Verena Altenberger

Juli 10, 2021 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Egal, ob Jedermann und Buhle Frau oder Mann sind“

Verena Altenberger. Bild: © SF/Anne Zeuner

Nein, das Stichwort „Haare“ nerve sie nicht, erklärt Verena Altenberger. Vor Kurzem hat sie sich für die Rolle einer Krebskranken eine Glatze rasiert. „Ich mag die Debatte“, sagt sie. „Denn es ist einfach völlig egal, wie die Haare der Darstellerin der Buhlschaft aussehen.“ Ihr erster Instinkt sei gewesen, das Leid dieser Frau darstellen zu wollen, die Abhängigkeit vom Jedermann zu zeigen und sie aus den Fesseln zu befreien.

Wie sie „das Emanzipatorische“ der Rolle betonen will, wird Salzburgs „Neue“ an der Seite von Jedermann Lars Eidinger, mit dem sie schon in David Schalkos Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ vor der Kamera stand, ab Beginn der Salzburger Festspiele am 17. Juli auf dem Domplatz zeigen. Verena Altenberger im Gespräch:

Wie fühlt man sich, wenn man den Anruf bekommt, dass man die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen sein soll?

Verena Altenberger: Ich konnte es erstmal gar nicht glauben und musste ein paar Mal bei meinem Agenten nachfragen, ob er sich nicht verhört habe, und ob er sich wirklich sicher sei …

Sie geben mit dieser Rolle Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen – und das als Salzburgerin. Haben Sie sofort zugesagt?

Altenberger (lacht): Ja.

In Theaterkreisen heißt es, die Buhlschaft sei die größte kleinste Rolle – sie besteht „nur“ aus 30 Sätzen. Was macht den Reiz dieser Figur für Sie aus?

Altenberger: Mir ist das herzlich egal, ob eine Rolle stundenlang an der Rampe monologisiert, ob sie zwei Minuten auf einem Bildschirm auftaucht oder einen epochalen Kinofilm trägt. Durch intensive Vorbereitung und durch Einfühlen werde ich zur Expertin für eine Rolle, sie wird mein absoluter Mittelpunkt. Und als diesen trage ich sie in ihre Welt, in die Inszenierung, in der sie zu leben anfängt und mehr oder weniger Raum einnimmt. Die Buhlschaft zu spielen und damit auch den magischen Festspielsommer in Salzburg direkt in dessen Epizentrum zu erleben, ist ein Kindheitstraum von mir. Und der geht jetzt in Erfüllung – das macht einen großen Teil des Reizes für mich aus.

Meist wird die Buhlschaft hauptsächlich mit Sinnlichkeit, Verführung und Erotik assoziiert. Was assoziieren Sie mit der Rolle?

Altenberger: Mich interessiert das emanzipatorische Erwachen dieser jungen Frau. Ich meine, da ist eine Frau, die ihren Partner liebt, oder zumindest das empfindet, was sie als Liebe bezeichnet. Und dann merkt diese Frau – Hoppla! – meine Liebe reicht anscheinend nicht bis in die Unendlichkeit. Ist es dann Liebe? Und wenn es nicht die reine und wahre Liebe ist, zu der der Mensch fähig ist – wodurch wird sie getrübt? Wo bestehen Machtverhältnisse zwischen den Partnern? Und sind es womöglich diese Machtgefälle, die eine Liebe auf Augenhöhe unmöglich machen? Mich interessiert auch, wie es – nachdem der Bruch stattgefunden hat – für die junge Frau weitergeht: Hat sie die Chance sich jetzt neu zu erfinden, sich überhaupt zu finden, unabhängig von einem Mann, als eigenständiges Individuum; was möchte sie jetzt? Leidet sie nun Qualen ohne ihren Mann oder wird sie jetzt Vorstandschefin oder passiert beides gleichzeitig?

Vorher. Bild: © Teresa Marenzi

Nachher. Bild: © SF/Anne Zeuner

Und …

Altenberger: Und natürlich assoziiere ich auch die Erotik und die Verführung mit der Buhle, aber ich lese sie womöglich etwas anders. Vorausgesetzt, wir denken ein Machtgefälle – der Mann ist etwas älter als sie, reicher, mehr angekommen in der Gesellschaft; sie fühlt sich ihm vielleicht auch intellektuell unterlegen – da bleibt der Frau die Verführung als jener Bereich, in dem sie dem Mann ebenbürtig ist, in dem sie es mit ihm aufnehmen kann, in dem sie ihn womöglich überragt.

Wenn Sie sich die bisherigen Buhlschaften anschauen, gibt es eine, die Sie besonders mögen, die Sie inspiriert?

Altenberger: Einige. Ich schaue mir auch gerade viele ältere Aufzeichnungen an, die ich nicht live sehen konnte, und bin gespannt, was ich noch alles entdecke.

Ihr Jedermann wird von Lars Eidinger gespielt, mit dem Sie ja bereits gedreht haben. Nun geht es vom Film gemeinsam auf die Bühne – wie groß war die Vorfreude?

Altenberger: Ich freute mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Lars! Er ist ein Kollege, der viel Energie gibt und der ganz offen auf das Spiel eingeht. Ich freute mich auf die Probenzeit – bei unserem gemeinsamen Dreh hatten wir natürlich viel weniger Zeit, um zusammen etwas zu erfinden, diesen gemeinsamen Proben-„Luxus“ gibt es nur am Theater – und darauf freute ich mich besonders.

Welche Inszenierungen vom Jedermann haben Sie gesehen?

Altenberger: Ich kann es Ihnen anhand der Buhlschaften, die ich gesehen habe, beantworten: Veronica Ferres, Marie Bäumer, Sophie von Kessel und Brigitte Hobmeier.

Mit Lars Eidinger. Bild: © SF/Anne Zeuner

Wie ist die Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Sturminger?

Altenberger: Eine, die sehr von gegenseitigem Interesse geprägt ist und die bestimmt einige Überraschungen bereithalten wird.

Sie werden auf dem Domplatz spielen. Ist das eine neue Erfahrung für Sie unter freiem Himmel zu spielen und muss man sich – auch stimmlich – besonders vorbereiten?

Altenberger: Ja, es ist das erste Mal, dass ich unter freiem Himmel spielen werde – ich bin gespannt auf die genauen Gegebenheiten und bereite mich natürlich entsprechend vor.

Was denken Sie, weshalb der Jedermann über ein Jahrhundert hinweg so erfolgreich aufgeführt wird? Ist es ein zeitgemäßes Stück?

Altenberger: Der Jedermann ist für mich ein Stück, das gerade in Salzburg mit der Stadt und ihren Menschen verwoben ist. Das Stück ist ein Teil der Salzburger DNA und insofern nicht wegzudenken. Und dass Kapitalismus nicht die Antwort ist, dass wir gehen, wie wir gekommen sind – wie könnte das nicht zeitgemäß sein? Um das Stück vollends in unsere heutige Zeit zu holen und noch universeller zu gestalten, müsste vielleicht noch gegendert werden. Ich meine keine Umbenennung des Titels, aber vielleicht ist es irgendwann – wie bei den anderen Rollen jetzt schon – egal, ob Jedermann und Buhle Frau oder Mann sind.

Verena Altenberger in Film und Fernsehen:

Verena Altenberger wuchs in Salzburg auf, absolvierte ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien und studierte Schauspiel an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Als Teil des Ensembles Junge Burg war sie in der Spielzeit 2010/11 am Wiener Burgtheater unter anderem in der Titelrolle in „Alice im Wunderland“, als Blanche Barrow in „Bonnie und Clyde“ sowie als Isolde Weißhand in „tricky love – tristan und isolde“ zu sehen. Im Kino machte Verena Altenberger 2016 in dem Thriller „Die Hölle“ von Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky erstmals auf sich aufmerksam. 2017 gelang ihr der Durchbruch in der Rolle als heroinabhängige Mutter im Drama „Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger, eine Rolle, für die sie zahlreiche internationale Auszeichnungen erhielt.

2020 stand Verena Altenberger erneut in der Regie von Adrian Goiginger vor der Kamera: „Märzengrund“ soll Ende 2021 in die Kinos kommen. Abgedreht sind zudem die Coming-Of-Age Tragikomödie „Hannes“ von Hans Steinbichler, das österreichische Drama „Me, We“ von David Clay Diaz mit Kinostart am 23. Juli (Rezension demnächst auf www.mottingers-meinung.at) sowie die deutsche Komödie „Generation Beziehungsunfähig“ von Helena Hufnagel.  Als Altenpflegerin Magda feierte Verena Altenberger in der RTL Comedy-Serie „Magda macht das schon“ im Fernsehen Quotenerfolge. Seit Anfang 2021 ist sie in der vierten und finalen Staffel zu sehen. Seit März ist Verena Altenberger zudem als Sozialpädagogin Rebecca in der Magenta TV Streaming-Serie „Wild Republic“ zu erleben.

Lars Eidinger im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=46992

Das Jedermann-Ensemble im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=46988

www.salzburgerfestspiele.at           www.verena-altenberger.com

10. 7. 2021

Die neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger im Gespräch

Juni 24, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin kompromissbereit, aber auch sehr stur“

Miriam Fussenegger. Bild: © Salzburger Festspiele / katsey

Miriam Fussenegger ist die neue Salzburger Buhlschaft. Bild: © Salzburger Festspiele / katsey

Am 23. Juli hat bei den Salzburger Festspielen eine neue Buhlschaft Premiere: Miriam Fussenegger übernimmt die größte kleine Rolle der Welt. Die 25-jährige Linzerin tritt damit die Nachfolge von Brigitte Hobmeier an, die seit 2013 drei Festspielsommer lang die Geliebte des reichen Mannes auf dem Domplatz verkörperte. „Jedermann“-Darsteller Cornelius Obonya bleibt der Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes bis auf Weiteres treu.

Fussenegger, Berufswunsch: Rockstar an der E-Gitarre, bevor sie Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars wurde, ist bei den Festspielen bereits bekannt: Vergangenes Jahr spielte sie die Lucy Brown in „Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper“. Vor der Kamera stand sie unter anderem für den Landkrimi „Der Tote am Teich“ und im Historienfilm „Maximilian“.

Sie habe, so Fussenegger, nicht sofort zugesagt, als ihr die Rolle der Buhlschaft angeboten worden sei. „Im ersten Moment war ich geschockt, geschmeichelt, aufgeregt und ziemlich perplex – alles auf einmal. Und mir war klar: das muss ich erst einmal sickern lassen“, sagt sie. „Ich wollte mir erst einmal darüber klar werden, ob ich mich dieser Verantwortung überhaupt gewachsen fühle. Ich bin eine Grüblerin. Ich will nicht vollkommen blauäugig in eine Sache hineingehen. Wenn man allerdings diese Gedanken ein bisschen zur Seite schiebt, bleibt eine große Freude über das Angebot. Ich könnte hüpfen und schreien. Es ist ein Abenteuer und eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen will.“

An ihrer Interpretation der Buhlschaft, meint Fussenegger, werde man etwas „Kindliches“ erkennen, „einen Lolita-Beigeschmack, wenn man so will. Ich verkörpere ein anderes Frauenbild und bin auf einem anderen Erfahrungsstand. Man muss das Ganze noch etwas ausloten, aber ich denke vielleicht könnte meine Buhlschaft etwas unbedarfter und purer sein. Ich finde es wirklich toll von Sven-Eric Bechtolf, dass er jemanden auf diese Rolle besetzt, der so jung und unbekannt ist wie ich. Das ist verwegen und ich hoffe, der Mut zum Risiko wird belohnt“.

Cornelius Obonya habe sie auch schon kennengelernt, freut sich Fussenegger, „und er ist unglaublich nett und entspannt. Es beruhigt mich, einen so sympathischen Jedermann an meiner Seite zu wissen. Ich hatte mich bereits mit ihm getroffen, um ein paar Textzeilen auszuprobieren und zu sehen, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Er ist mir sofort auf Augenhöhe begegnet und es hat wunderbar gepasst“. Dass sie in eine bereits seit Jahren existierende Inszenierung einsteigt, bereitet der Schauspielerin kein Kopfzerbrechen: „Natürlich gibt es schon fertige Strukturen, aber ich habe den Ehrgeiz, diese Strukturen mit meinem eigenen Esprit zu füllen. Ich bin durchaus kompromissbereit … aber auch stur!“

Cornelius Obonya (Jedermann), Ensemble. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Cornelius Obonya brilliert auch weiterhin als Jedermann. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Christoph Franken (Teufel), Ensemble. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Aber natürlich hat der Teufel seine Finger im Spiel: Christoph Franken. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Das Regieteam des „Jedermann“ kennt Fussenegger bereits aus der „Dreigroschenoper“-Produktion. Nun freut sie sich auf den Domplatz, dessen Stimmung sie im Vorjahr aus Zuschauerin selbst erfahren hat: „In dem Moment, in dem die Jedermann-Rufe von überallher kommen und die Glocken läuten, hatte ich solche Gänsehaut. Es ist als würde sich die Stadt gegen den Jedermann verschwören. In diesem Moment habe ich verstanden, warum der Jedermann über so viele Jahrzehnte so erfolgreich ist“. Für die kommenden drei Saisonen nun einmal mit ihr …

Das Programm der Salzburger Festspiele 2016: www.mottingers-meinung.at/?p=15877

www.salzburgerfestspiele.at

Salzburger Festspiele: “Jedermann”

Wien, 24. 6. 2016

Die neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger im Gespräch

Januar 29, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin kompromissbereit, aber auch sehr stur“

Miriam Fussenegger Bild: © Salzburger Festspiele / Katsey

Miriam Fussenegger
Bild: © Salzburger Festspiele / Katsey

Die Salzburger Festspiele präsentierten am Freitag ihre neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger übernimmt ab diesem Sommer die größte kleine Rolle der Welt. Die 25-jährige Linzerin tritt damit die Nachfolge von Brigitte Hobmeier an, die seit 2013 drei Festspielsommer lang die Geliebte des reichen Mannes auf dem Domplatz verkörperte. „Jedermann“-Darsteller Cornelius Obonya bleibt der Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes bis auf Weiteres treu.

Fussenegger, Berufswunsch: Rockstar an der E-Gitarre, bevor sie Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars wurde, ist bei den Festspielen bereits bekannt: Vergangenes Jahr spielte sie die Lucy Brown in „Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper“. Vor der Kamera stand sie unter anderem für den Landkrimi „Der Tote am Teich“ und im Historienfilm „Maximilian“.

Sie habe, so Fussenegger, nicht sofort zugesagt, als ihr die Rolle der Buhlschaft angeboten worden sei. „Im ersten Moment war ich geschockt, geschmeichelt, aufgeregt und ziemlich perplex – alles auf einmal. Und mir war klar: das muss ich erst einmal sickern lassen“, sagt sie. „Ich wollte mir erst einmal darüber klar werden, ob ich mich dieser Verantwortung überhaupt gewachsen fühle. Ich bin eine Grüblerin. Ich will nicht vollkommen blauäugig in eine Sache hineingehen. Wenn man allerdings diese Gedanken ein bisschen zur Seite schiebt, bleibt eine große Freude über das Angebot. Ich könnte hüpfen und schreien. Es ist ein Abenteuer und eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen will.“

An ihrer Interpretation der Buhlschaft, meint Fussenegger, werde man etwas „Kindliches“ erkennen, „einen Lolita-Beigeschmack, wenn man so will. Ich verkörpere ein anderes Frauenbild und bin auf einem anderen Erfahrungsstand. Man muss das Ganze noch etwas ausloten, aber ich denke vielleicht könnte meine Buhlschaft etwas unbedarfter und purer sein. Ich finde es wirklich toll von Sven-Eric Bechtolf, dass er jemanden auf diese Rolle besetzt, der so jung und unbekannt ist wie ich. Das ist verwegen und ich hoffe, der Mut zum Risiko wird belohnt“.

Cornelius Obonya habe sie auch schon kennengelernt, freut sich Fussenegger, „und er ist unglaublich nett und entspannt. Es beruhigt mich, einen so sympathischen Jedermann an meiner Seite zu wissen. Ich hatte mich bereits mit ihm getroffen, um ein paar Textzeilen auszuprobieren und zu sehen, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Er ist mir sofort auf Augenhöhe begegnet und es hat wunderbar gepasst“. Dass sie in eine bereits seit Jahren existierende Inszenierung einsteigt, bereitet der Schauspielerin kein Kopfzerbrechen: „Natürlich gibt es schon fertige Strukturen, aber ich habe den Ehrgeiz, diese Strukturen mit meinem eigenen Esprit zu füllen. Ich bin durchaus kompromissbereit… aber auch stur!“

Das Regieteam des „Jedermann“ kennt Fussenegger bereits aus der „Dreigroschenoper“-Produktion. Nun freut sie sich auf den Domplatz, dessen Stimmung sie im Vorjahr aus Zuschauerin selbst erfahren hat: „In dem Moment, in dem die Jedermann-Rufe von überallher kommen und die Glocken läuten, hatte ich solche Gänsehaut. Es ist als würde sich die Stadt gegen den Jedermann verschwören. In diesem Moment habe ich verstanden, warum der Jedermann über so viele Jahrzehnte so erfolgreich ist“. Für die kommenden drei Saisonen nun einmal mit ihr …

Das Programm der Salzburger Festspiele 2016 und Rezension „Jedermann“:

www.mottingers-meinung.at/?p=15877

www.salzburgerfestspiele.at

Wien, 29. 1. 2016

„Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier als Bäuerin

August 29, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

ZDF-Familiendrama „Unheil in den Bergen“

Bild: ZDF/Jacqueline Krause-Burberg

Bild: ZDF/Jacqueline Krause-Burberg

Ein Streit um einen Alpenwald droht eine ganze Familie zu zerstören. In dem ZDF-Familiendrama „Unheil in den Bergen“ am Montag, 2. September, 20.15 Uhr, spielt die neue Salzburger „Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier eine moderne junge Bäuerin und Mutter, die gegen die Abholzung der Wälder und das Machtstreben ihres Schwiegervaters (Günther Maria Halmer) kämpft. In weiteren Rollen sind Marcus Mittermeier, Tim Bergmann, Samuel Jung, Gundi Ellert-Baumbauer und Christian Hoening zu sehen. Regie bei diesem „Fernsehfilm der Woche“ führte Dirk Regel nach dem Drehbuch von Claudia Kaufmann.

Theresa (Brigitte Hobmeier) lebt mit ihrem Mann Toni (Tim Bergmann) und dem gemeinsamen Sohn auf einem einsamen Almbauernhof. Seit jeher kämpft Toni für die nachhaltige Bewirtschaftung seines Waldstücks, sehr zum Missfallen seines Vaters Max (Günther Maria Halmer), Besitzer des lokalen Sägewerks, der seinem Sohn den wertvollen Grund gerne abkaufen würde. Dieser lehnt vehement ab – trotz finanzieller Schwierigkeiten und der Vorwürfe seiner Frau. Nach einem Streit mit Theresa verlässt Toni wütend den Hof und kehrt nicht zurück. In der Nacht seines Verschwindens wütet ein heftiges Unwetter, bei dem die Brücke zwischen Max‘ und Tonis Waldgrundstück zerstört wird. Der junge Mann bleibt verschwunden. Hat er seine Familie verlassen, oder wurde er von der Schlammlawine fortgerissen?

Max versucht, Theresas geschwächte Position auszunutzen, um an das Waldstück zu kommen. Sogar seinen Geschäftsführer Georg (Marcus Mittermeier), der schon immer Gefühle für die junge Frau hatte, setzt er auf sie an. Doch Theresa wehrt sich: Um ihren Schwiegervater am Abtransport der gefällten Bäume zu hindern, zündet sie eines Nachts die neu aufgebaute Brücke an. Max lässt eine neue provisorische errichten. Dabei riskiert er wegen der bevorstehenden Schneeschmelze eine Überschwemmung mit verheerenden Folgen …

www.zdf.de

www.mottingers-meinung.at/die-neue-buhlschaft/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/

Wien, 29. 8. 2013

Festspielsommer in Salzburg

Februar 8, 2013 in Bühne

Der Hirsch ist nur Requisite, die wahren Opfertiere sind die Bienen: „Verführerin“ Brigitte Hobmeier und ein lustiger, listenreicher Stefan Kurt, Hinten: „Godfather“ André Jung
24.08.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/4

Salzburg: Gesamtkunstwerk mit Sex und Gewalt

15 Minuten tosender Applaus bei der Uraufführung von Händl Klaus’ „Meine Bienen. Eine Schneise“ in Salzburg.

Am Anfang war das Wort. Das nahm der Tiroler Dramatiker Händl Klaus, drechselte daraus kunstvolle Sätze – nur um sie durch seinen Sprachhäcksler zu jagen, der sie in einzelne Silben schredderte.

Diese teilte er auf vier Figuren, die sie als eine Art Sprechgesang wiedergeben sollten. Und zwar zur Musik der Musicbanda-Franui-Komponisten Andreas Schett und Markus Kraler. Unter Zuhilfenahme von Alban Bergs „Jugendliedern“.

Inhalt von „Meine Bienen. Eine Schneise“, einem Auftragswerk der Salzburger Festspiele: Alleinerziehende Mutter zieht mit verhaltensoriginellem, aber schön singendem Sohn (weil der Wiltener Sängerknabe David) an den Waldrand. Es brennt. Bäume und Bienenstöcke werden ein Raub der Flammen, die absichtlich gelegt wurden. Auftritt: ein ermittelnder Inspektor und der Imker. Verdächtig: sind mit ihren rußigen Händen alle.

Lösung: gibt es keine.

 

Archaische Kraft

Klingt akademisch. War bei der Uraufführung am Landestheater aber von archaischer Kraft. Ein Gesamtkunstwerk aus Text, Schauspiel, Musik und Bildern. Ein heidnisches Ritual um Sex und Gewalt. Defintiv der Höhepunkt des diesjährigen Salzburger Schauspielprogramms.

Im Sog der drei großartigen Darsteller Brigitte Hobmeier (Mutter), Stefan Kurt (Inspektor) und André Jung (Imker) liest sich die Story nämlich so: Junger Krieger/Gott entwindet durchaus williges Naturwesen dem alten Krieger/Gott. Der ist längst ein Feind seiner Völker, will seine Völker nicht mehr pflegen – und stiftet den Knaben an, sein Zerstörungswerk zu vollenden.

Erlösung gibt es keine.

Tanz um den Tatort

Regisseur Nicolas Liautard, der gemeinsam mit Giulio Lichtner auch das Bühnenbild ersann, inszeniert das Drama unter Aufgebot aller Mittel. Auch derer der Komik. Etwa, wenn Kurt verzweifelt tänzelnd versucht, seinen „Tatort“ vor diversen Drübertramplern zu schützen. Oder die Hobmeier seinen Spurensicherungskoffer auspackt, wie ein Kind ein Weihnachtsgeschenk. Sie, die als kommende Buhlschaft gehandelt wird, ist das Herzstück. Eine Lügnerin und Verführerin, eine Hexe mit dem Gesicht einer Heiligen, das „Weib“ an sich.

Trunken macht sie den alten Imker, um den Neuen zu umgarnen. Als Jung auftritt (und wer könnte besser „auftreten“ als Jung?), begleitet ihn ein Lichterzauber, der eines Odin würdig wäre. Liautard hat dafür als Hintergrund eine milchige Wand geschaffen, die Durchblick ebenso nur vorgaukelt, wie der Rest des Ganzen.

Gesumm und Gesang

Bleibt die zehnköpfige Franui-Truppe zu würdigen. Die mit Berg und Bienengesumm, mit Gesang, Hackbrett, Harfe und picksüßem Hölzl, von Volksliedklängen über Beinah-romantischer-Oper bis Klezmersound alles gibt.

Ein so anspruchsvoll artifizieller wie lustvoller Abend.

Bravo an alle Beteiligten, Dank an Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf, der diese Konstellation zusammengeführt hat.