Die neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger im Gespräch

Juni 24, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin kompromissbereit, aber auch sehr stur“

Miriam Fussenegger. Bild: © Salzburger Festspiele / katsey

Miriam Fussenegger ist die neue Salzburger Buhlschaft. Bild: © Salzburger Festspiele / katsey

Am 23. Juli hat bei den Salzburger Festspielen eine neue Buhlschaft Premiere: Miriam Fussenegger übernimmt die größte kleine Rolle der Welt. Die 25-jährige Linzerin tritt damit die Nachfolge von Brigitte Hobmeier an, die seit 2013 drei Festspielsommer lang die Geliebte des reichen Mannes auf dem Domplatz verkörperte. „Jedermann“-Darsteller Cornelius Obonya bleibt der Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes bis auf Weiteres treu.

Fussenegger, Berufswunsch: Rockstar an der E-Gitarre, bevor sie Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars wurde, ist bei den Festspielen bereits bekannt: Vergangenes Jahr spielte sie die Lucy Brown in „Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper“. Vor der Kamera stand sie unter anderem für den Landkrimi „Der Tote am Teich“ und im Historienfilm „Maximilian“.

Sie habe, so Fussenegger, nicht sofort zugesagt, als ihr die Rolle der Buhlschaft angeboten worden sei. „Im ersten Moment war ich geschockt, geschmeichelt, aufgeregt und ziemlich perplex – alles auf einmal. Und mir war klar: das muss ich erst einmal sickern lassen“, sagt sie. „Ich wollte mir erst einmal darüber klar werden, ob ich mich dieser Verantwortung überhaupt gewachsen fühle. Ich bin eine Grüblerin. Ich will nicht vollkommen blauäugig in eine Sache hineingehen. Wenn man allerdings diese Gedanken ein bisschen zur Seite schiebt, bleibt eine große Freude über das Angebot. Ich könnte hüpfen und schreien. Es ist ein Abenteuer und eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen will.“

An ihrer Interpretation der Buhlschaft, meint Fussenegger, werde man etwas „Kindliches“ erkennen, „einen Lolita-Beigeschmack, wenn man so will. Ich verkörpere ein anderes Frauenbild und bin auf einem anderen Erfahrungsstand. Man muss das Ganze noch etwas ausloten, aber ich denke vielleicht könnte meine Buhlschaft etwas unbedarfter und purer sein. Ich finde es wirklich toll von Sven-Eric Bechtolf, dass er jemanden auf diese Rolle besetzt, der so jung und unbekannt ist wie ich. Das ist verwegen und ich hoffe, der Mut zum Risiko wird belohnt“.

Cornelius Obonya habe sie auch schon kennengelernt, freut sich Fussenegger, „und er ist unglaublich nett und entspannt. Es beruhigt mich, einen so sympathischen Jedermann an meiner Seite zu wissen. Ich hatte mich bereits mit ihm getroffen, um ein paar Textzeilen auszuprobieren und zu sehen, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Er ist mir sofort auf Augenhöhe begegnet und es hat wunderbar gepasst“. Dass sie in eine bereits seit Jahren existierende Inszenierung einsteigt, bereitet der Schauspielerin kein Kopfzerbrechen: „Natürlich gibt es schon fertige Strukturen, aber ich habe den Ehrgeiz, diese Strukturen mit meinem eigenen Esprit zu füllen. Ich bin durchaus kompromissbereit … aber auch stur!“

Cornelius Obonya (Jedermann), Ensemble. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Cornelius Obonya brilliert auch weiterhin als Jedermann. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Christoph Franken (Teufel), Ensemble. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Aber natürlich hat der Teufel seine Finger im Spiel: Christoph Franken. Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Das Regieteam des „Jedermann“ kennt Fussenegger bereits aus der „Dreigroschenoper“-Produktion. Nun freut sie sich auf den Domplatz, dessen Stimmung sie im Vorjahr aus Zuschauerin selbst erfahren hat: „In dem Moment, in dem die Jedermann-Rufe von überallher kommen und die Glocken läuten, hatte ich solche Gänsehaut. Es ist als würde sich die Stadt gegen den Jedermann verschwören. In diesem Moment habe ich verstanden, warum der Jedermann über so viele Jahrzehnte so erfolgreich ist“. Für die kommenden drei Saisonen nun einmal mit ihr …

Das Programm der Salzburger Festspiele 2016: www.mottingers-meinung.at/?p=15877

www.salzburgerfestspiele.at

Salzburger Festspiele: “Jedermann”

Wien, 24. 6. 2016

Die neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger im Gespräch

Januar 29, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin kompromissbereit, aber auch sehr stur“

Miriam Fussenegger Bild: © Salzburger Festspiele / Katsey

Miriam Fussenegger
Bild: © Salzburger Festspiele / Katsey

Die Salzburger Festspiele präsentierten am Freitag ihre neue Buhlschaft: Miriam Fussenegger übernimmt ab diesem Sommer die größte kleine Rolle der Welt. Die 25-jährige Linzerin tritt damit die Nachfolge von Brigitte Hobmeier an, die seit 2013 drei Festspielsommer lang die Geliebte des reichen Mannes auf dem Domplatz verkörperte. „Jedermann“-Darsteller Cornelius Obonya bleibt der Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes bis auf Weiteres treu.

Fussenegger, Berufswunsch: Rockstar an der E-Gitarre, bevor sie Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars wurde, ist bei den Festspielen bereits bekannt: Vergangenes Jahr spielte sie die Lucy Brown in „Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper“. Vor der Kamera stand sie unter anderem für den Landkrimi „Der Tote am Teich“ und im Historienfilm „Maximilian“.

Sie habe, so Fussenegger, nicht sofort zugesagt, als ihr die Rolle der Buhlschaft angeboten worden sei. „Im ersten Moment war ich geschockt, geschmeichelt, aufgeregt und ziemlich perplex – alles auf einmal. Und mir war klar: das muss ich erst einmal sickern lassen“, sagt sie. „Ich wollte mir erst einmal darüber klar werden, ob ich mich dieser Verantwortung überhaupt gewachsen fühle. Ich bin eine Grüblerin. Ich will nicht vollkommen blauäugig in eine Sache hineingehen. Wenn man allerdings diese Gedanken ein bisschen zur Seite schiebt, bleibt eine große Freude über das Angebot. Ich könnte hüpfen und schreien. Es ist ein Abenteuer und eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen will.“

An ihrer Interpretation der Buhlschaft, meint Fussenegger, werde man etwas „Kindliches“ erkennen, „einen Lolita-Beigeschmack, wenn man so will. Ich verkörpere ein anderes Frauenbild und bin auf einem anderen Erfahrungsstand. Man muss das Ganze noch etwas ausloten, aber ich denke vielleicht könnte meine Buhlschaft etwas unbedarfter und purer sein. Ich finde es wirklich toll von Sven-Eric Bechtolf, dass er jemanden auf diese Rolle besetzt, der so jung und unbekannt ist wie ich. Das ist verwegen und ich hoffe, der Mut zum Risiko wird belohnt“.

Cornelius Obonya habe sie auch schon kennengelernt, freut sich Fussenegger, „und er ist unglaublich nett und entspannt. Es beruhigt mich, einen so sympathischen Jedermann an meiner Seite zu wissen. Ich hatte mich bereits mit ihm getroffen, um ein paar Textzeilen auszuprobieren und zu sehen, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Er ist mir sofort auf Augenhöhe begegnet und es hat wunderbar gepasst“. Dass sie in eine bereits seit Jahren existierende Inszenierung einsteigt, bereitet der Schauspielerin kein Kopfzerbrechen: „Natürlich gibt es schon fertige Strukturen, aber ich habe den Ehrgeiz, diese Strukturen mit meinem eigenen Esprit zu füllen. Ich bin durchaus kompromissbereit… aber auch stur!“

Das Regieteam des „Jedermann“ kennt Fussenegger bereits aus der „Dreigroschenoper“-Produktion. Nun freut sie sich auf den Domplatz, dessen Stimmung sie im Vorjahr aus Zuschauerin selbst erfahren hat: „In dem Moment, in dem die Jedermann-Rufe von überallher kommen und die Glocken läuten, hatte ich solche Gänsehaut. Es ist als würde sich die Stadt gegen den Jedermann verschwören. In diesem Moment habe ich verstanden, warum der Jedermann über so viele Jahrzehnte so erfolgreich ist“. Für die kommenden drei Saisonen nun einmal mit ihr …

Das Programm der Salzburger Festspiele 2016 und Rezension „Jedermann“:

www.mottingers-meinung.at/?p=15877

www.salzburgerfestspiele.at

Wien, 29. 1. 2016

„Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier als Bäuerin

August 29, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

ZDF-Familiendrama „Unheil in den Bergen“

Bild: ZDF/Jacqueline Krause-Burberg

Bild: ZDF/Jacqueline Krause-Burberg

Ein Streit um einen Alpenwald droht eine ganze Familie zu zerstören. In dem ZDF-Familiendrama „Unheil in den Bergen“ am Montag, 2. September, 20.15 Uhr, spielt die neue Salzburger „Buhlschaft“ Brigitte Hobmeier eine moderne junge Bäuerin und Mutter, die gegen die Abholzung der Wälder und das Machtstreben ihres Schwiegervaters (Günther Maria Halmer) kämpft. In weiteren Rollen sind Marcus Mittermeier, Tim Bergmann, Samuel Jung, Gundi Ellert-Baumbauer und Christian Hoening zu sehen. Regie bei diesem „Fernsehfilm der Woche“ führte Dirk Regel nach dem Drehbuch von Claudia Kaufmann.

Theresa (Brigitte Hobmeier) lebt mit ihrem Mann Toni (Tim Bergmann) und dem gemeinsamen Sohn auf einem einsamen Almbauernhof. Seit jeher kämpft Toni für die nachhaltige Bewirtschaftung seines Waldstücks, sehr zum Missfallen seines Vaters Max (Günther Maria Halmer), Besitzer des lokalen Sägewerks, der seinem Sohn den wertvollen Grund gerne abkaufen würde. Dieser lehnt vehement ab – trotz finanzieller Schwierigkeiten und der Vorwürfe seiner Frau. Nach einem Streit mit Theresa verlässt Toni wütend den Hof und kehrt nicht zurück. In der Nacht seines Verschwindens wütet ein heftiges Unwetter, bei dem die Brücke zwischen Max‘ und Tonis Waldgrundstück zerstört wird. Der junge Mann bleibt verschwunden. Hat er seine Familie verlassen, oder wurde er von der Schlammlawine fortgerissen?

Max versucht, Theresas geschwächte Position auszunutzen, um an das Waldstück zu kommen. Sogar seinen Geschäftsführer Georg (Marcus Mittermeier), der schon immer Gefühle für die junge Frau hatte, setzt er auf sie an. Doch Theresa wehrt sich: Um ihren Schwiegervater am Abtransport der gefällten Bäume zu hindern, zündet sie eines Nachts die neu aufgebaute Brücke an. Max lässt eine neue provisorische errichten. Dabei riskiert er wegen der bevorstehenden Schneeschmelze eine Überschwemmung mit verheerenden Folgen …

www.zdf.de

www.mottingers-meinung.at/die-neue-buhlschaft/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/

Wien, 29. 8. 2013

Festspielsommer in Salzburg

Februar 8, 2013 in Bühne

Der Hirsch ist nur Requisite, die wahren Opfertiere sind die Bienen: „Verführerin“ Brigitte Hobmeier und ein lustiger, listenreicher Stefan Kurt, Hinten: „Godfather“ André Jung
24.08.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/4

Salzburg: Gesamtkunstwerk mit Sex und Gewalt

15 Minuten tosender Applaus bei der Uraufführung von Händl Klaus’ „Meine Bienen. Eine Schneise“ in Salzburg.

Am Anfang war das Wort. Das nahm der Tiroler Dramatiker Händl Klaus, drechselte daraus kunstvolle Sätze – nur um sie durch seinen Sprachhäcksler zu jagen, der sie in einzelne Silben schredderte.

Diese teilte er auf vier Figuren, die sie als eine Art Sprechgesang wiedergeben sollten. Und zwar zur Musik der Musicbanda-Franui-Komponisten Andreas Schett und Markus Kraler. Unter Zuhilfenahme von Alban Bergs „Jugendliedern“.

Inhalt von „Meine Bienen. Eine Schneise“, einem Auftragswerk der Salzburger Festspiele: Alleinerziehende Mutter zieht mit verhaltensoriginellem, aber schön singendem Sohn (weil der Wiltener Sängerknabe David) an den Waldrand. Es brennt. Bäume und Bienenstöcke werden ein Raub der Flammen, die absichtlich gelegt wurden. Auftritt: ein ermittelnder Inspektor und der Imker. Verdächtig: sind mit ihren rußigen Händen alle.

Lösung: gibt es keine.

 

Archaische Kraft

Klingt akademisch. War bei der Uraufführung am Landestheater aber von archaischer Kraft. Ein Gesamtkunstwerk aus Text, Schauspiel, Musik und Bildern. Ein heidnisches Ritual um Sex und Gewalt. Defintiv der Höhepunkt des diesjährigen Salzburger Schauspielprogramms.

Im Sog der drei großartigen Darsteller Brigitte Hobmeier (Mutter), Stefan Kurt (Inspektor) und André Jung (Imker) liest sich die Story nämlich so: Junger Krieger/Gott entwindet durchaus williges Naturwesen dem alten Krieger/Gott. Der ist längst ein Feind seiner Völker, will seine Völker nicht mehr pflegen – und stiftet den Knaben an, sein Zerstörungswerk zu vollenden.

Erlösung gibt es keine.

Tanz um den Tatort

Regisseur Nicolas Liautard, der gemeinsam mit Giulio Lichtner auch das Bühnenbild ersann, inszeniert das Drama unter Aufgebot aller Mittel. Auch derer der Komik. Etwa, wenn Kurt verzweifelt tänzelnd versucht, seinen „Tatort“ vor diversen Drübertramplern zu schützen. Oder die Hobmeier seinen Spurensicherungskoffer auspackt, wie ein Kind ein Weihnachtsgeschenk. Sie, die als kommende Buhlschaft gehandelt wird, ist das Herzstück. Eine Lügnerin und Verführerin, eine Hexe mit dem Gesicht einer Heiligen, das „Weib“ an sich.

Trunken macht sie den alten Imker, um den Neuen zu umgarnen. Als Jung auftritt (und wer könnte besser „auftreten“ als Jung?), begleitet ihn ein Lichterzauber, der eines Odin würdig wäre. Liautard hat dafür als Hintergrund eine milchige Wand geschaffen, die Durchblick ebenso nur vorgaukelt, wie der Rest des Ganzen.

Gesumm und Gesang

Bleibt die zehnköpfige Franui-Truppe zu würdigen. Die mit Berg und Bienengesumm, mit Gesang, Hackbrett, Harfe und picksüßem Hölzl, von Volksliedklängen über Beinah-romantischer-Oper bis Klezmersound alles gibt.

Ein so anspruchsvoll artifizieller wie lustvoller Abend.

Bravo an alle Beteiligten, Dank an Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf, der diese Konstellation zusammengeführt hat.

Die neue Buhlschaft

Februar 8, 2013 in Bühne

11.11.2012, 12:07, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/2

 „Hexe mit dem Gesicht einer Heiligen“

Buhlschaft Brigitte Hobmeier gibt ab kommendem Sommer in Salzburg „Jedermanns“ Gespielin.

Das müsse sie sich dann noch erklären lassen, sagt Brigitte Hobmeier. Und meint den Nimbus, die Bedeutung, die Aufregung. Die Buhlschaft. In Salzburg. Die wichtigste kleine Rolle der Welt. In Österreich – eh klar. In München – naja.

Von den Gestaden der Isar kommt die neue „Jedermann“-Gespielin nämlich an die Salzach. Ab kommendem Sommer wird sie auf dem Domplatz dem reichen Mann den Weisel geben, bevor sich sein Spiel dem Sterben nähert. Salzburg-Erfahrung hat das Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele bereits heuer gesammelt. In Händl Klaus’ musiktheatralischem Werk „Meine Bienen. Eine Schneise“ verkörperte sie eine Art Waldwesen, das ihre Mitspieler André Jung und Stefan Kurt ins Verderben lockte.

Das „Weib“ an sich

Als „Herzstück der Inszenierung“ lobte sie die KURIER-Kritik: „Eine Lügnerin und Verführerin, eine Hexe mit dem Gesicht einer Heiligen, das ,Weib“ an sich.“ Welche Definition wäre passender für eine Buhlschaft?

Society, Stieglbräu, Paparazzi-Schnappschüsse, das alles hat die Hobmeier also schon beobachtet. Aus dem Augenwinkel. Nun steht sie im Fokus des Interesses. Was sie sich damit eingehandelt hat, darüber denkt sie gerade nach. Bedenkzeit hatte sie sich ausgebeten, als Salzburgs Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf fragte, ob sie seine erste Buhlschaft sein wolle. Hat es mit Familie und dem sechsjährigen Sohn besprochen – und dann zugesagt.

„Im ersten Augenblick ist man voller Freude und voller Dank über die Ehre, dass man da auserkoren wird. Und im nächsten Augenblick kommen die Fragen: Oh mein Gott, was heißt das eigentlich? Was bedeutet das? In welche Reihe reiht man sich ein“, so Hobmeier zur APA.

„Im ersten Augenblick ist man voller Freude, im nächsten Augenblick kommen die Fragen.“ Brigitte Hobmeier Schauspielerin Die Reihe ist tatsächlich nicht nur lang, sondern auch illuster. 30 Buhlschaften bevölkerten seit 1920 den Domplatz. Die meisten nur für ein, zwei Jahre; die berühmtesten: Judith Holzmeister, Christiane Hörbiger, Senta Berger, Elisabeth Trissenaar, Maddalena Crippa. Langzeit-„Jedermann“ Peter Simonischek (2002–2009) verschließ gleich vier Damen: Veronica Ferres, Nina Hoss, Marie Bäumer und Sophie von Kessel. 2010 trat das Traumpaar Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr an.

Hobmeiers „Jedermann“ wird Cornelius Obonya sein. Die Regie übernimmt das „Tiger Lillies“ erfahrene Duo Julian Crouch und Brian Mertes. „Wir haben miteinander gesprochen, es war aber eher so ein Kennenlernen“, sagt Hobmeier. „Sie wollen, glaube ich, sehr stark zurück auf die ursprüngliche Moritat.“ Die in den Händen der beiden – siehe die Erfolgsproduktion „Shockheaded Peter“ – sicher etwas Schräg-Schrilles abbekommen wird.

Münchner Superstar

Damit hat die Hobmeier durchaus ihre Erfahrungen. In Österreich ein eher unbeschriebenes Blatt, ist die Schauspielerin in Deutschland ein Theatersuperstar. Sie war Teil von Peter Steins monumentalem „Faust“-Projekt, spielte in Thomas Ostermeiers Bühnenfassung von Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“, ist an den Münchner Kammerspielen derzeit als „Susn“ in Achternbuschs gleichnamigen Stück, als Kaiserin Elisabeth in Ivo van Hoves Visconti-Bearbeitung von „Ludwig II.“ zu sehen. Und in Fassbinders „Satansbraten“ – eine Inszenierung, die die Nestroy-Jury als eine der besten deutschsprachigen Aufführungen nominierte.

„Ein Wahnsinnsweib“, schreibt das deutsche Feuilleton über sie. Verwurzelt in einem Ort namens Ismaning. Schwer katholisch erzogen. Der Vater war Heizungsinstallateur, die Mutter hat eine Reinigung. Das Hinterzimmer der Bäckerei der Großeltern war ihr Spielplatz. Und jetzt: Spielt sie halt vor dem Dom.