Bücher für den Herbst

Oktober 21, 2015 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Literaturtipps zum Nachlesen

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www.publiss.com/morawa#!/issue/4929/page/1

Wien, 21. 10. 2015

BUCH WIEN 14

November 5, 2014 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein Fest für alle Lesefreunde

Bild: © LCM Fotostudio Richard Schuster

Bild: © LCM Fotostudio Richard Schuster

Aktuelle Neuerscheinungen, Literatur aus Südosteuropa und den Donauländern, bekannte Autorinnen und Autoren live auf der Bühne: die BUCH WIEN 14 von 10. bis 16. November bietet ein umfangreiches Programm. Mit einem spektakulären Fest startet die BUCH WIEN 14 Internationale Buchmesse am 12. November in der Messe Wien, Halle D: der „Langen Nacht der Bücher“. Erstmals wird sie auch an einem Abend (20-23 Uhr) geöffnet sein. An den Ständen der knapp 300 Aussteller sind die Neuerscheinungen des Herbstes zu entdecken. Auch das Rahmenprogramm kann sich sehen lassen: Moderator Florian Scheuba erwartet prominente Gäste. Neben Daniel Glattauer und Dolores Schmidinger stellt der US-Thriller-Autor Don Winslow seinen aktuellen Roman „Missing. New York“ vor. Auszüge werden von Markus Hering in Deutsch gelesen. Weitere Highlights des Abends: Ein Bücherquiz mit Wolf Haas lockt mit tollen Preisen und Trendköchin Martina Lessing lädt zu einer Kochshow.
Die diesjährigen Stargäste der internationalen Literaturszene sind neben Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, Mircea Cartarescu, Olga Grjasnowa, Meir Shalev, Najem Wali, Bernhard Schlink, Saskia Hennig von Lange und die Erich-Fried-Preisträgerin 2014, Judith Hermann. Aus Österreich werden Marlene Streeruwitz, Heinrich Steinfest, der mit „Der Allesforscher“ auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, Daniel Glattauer, Franzobel, Franz Schuh, Constantin Göttfert, Saskia Jungnikl, Nadine Kegele, Susanne Scholl, Theodora Bauer, Gertraud Klemm u.v.a. ihre neuen Bücher vorstellen.

Das Sachbuchprogramm spannt einen historischen Bogen von 1814 bis heute: Sowohl das 200-Jahres-Jubiläum des Wiener Kongresses als auch der Erste Weltkrieg finden ihren Niederschlag im Programm. Wie bereits in den beiden vergangenen Jahren wird die „Donau Lounge“ das BUCH WIENProgramm mit 40 Gästen aus elf Donauländern, darunter Juri Andruchowytsch, Jurij Wynnytschuk, Konstantin Iliev und Ivan Sandor, bereichern und will zu mehr Dialog über den Donauraum beitragen. Tipp: Bundespräsident Heinz Fischer stellt am 14. November mit Sabine Gruša und Erhard Busek „Der 16. Fragebogen“ und „Beneš als Österreicher“, die ersten beiden Bände der Werkausgabe von Jiri Gruša, einem der bedeutendsten Schriftsteller Tschechiens und Mitunterzeichner der Charta 77, vor. Die Werkausgabe soll zehn Bände umfassen und 2018 abgeschlossen sein. Inhaltlich und flächenmäßig erweitert, präsentiert sich die Lebensart-Bühne neu im hinteren Bereich der Halle D. Hier zelebriert die BUCH WIEN die schönen Seiten des Lebens: Kochen, Genießen und Gesund Leben. Daneben finden wieder zahlreiche Diskussionen und Gespräche statt, die sich mit internationaler Politik und den Folgen der Globalisierung beschäftigen.
Natürlich gibt es auch heuer neben der Internationalen Buchmesse (13.16. November) eine Lesefestwoche, die bereits am 10. November beginnt.

www.buchwien.at

Wien, 5. 11. 2014

Buch Wien 13

November 14, 2013 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein Fest für Freunde guter Literatur

Bild: HVB Richard Schuster

Bild: HVB Richard Schuster

Mehr als 300 Autorinnen und Autoren aus 10 Nationen, mehr als 400 Lesungen, Gespräche, Signierstunden und Podiumsdiskussionen an Veranstaltungsorten in ganz Wien und der Halle D der Messe Wien sowie ein umfangreiches Programm für Kinder und Jugendliche machen die BUCH WIEN 13 vom 21.–24. November in der Messe Wien Halle D und die Lesefestwoche vom 18.–24. November zum Highlight für alle Buchfreunde und jene, die es noch werden wollen.
„Das stetig steigende Interesse an der BUCH WIEN führt uns platzmäßig an die Grenzen unserer Kapazitäten“, freut sich der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, Gerald Schantin. „Wir haben den Anspruch, allen Ausstellern optimale Bedingungen zu bieten und damit dem stetig größer werdenden Publikum ein perfektes Messe-Erlebnis zu ermöglichen. Dies gelingt insbesondere mit den sieben Messebühnen, auf denen den Besuchern persönliche Begegnungen mit den Autoren geboten werden. Dieses Naheverhältnis von Schriftsteller und Publikum macht die BUCH WIEN zu einem besonderen Erlebnis. Auch für den Lesenachwuchs bieten wir ein spannendes Programm und leisten damit einen Beitrag zur Leseförderung. Kinder und Jugendliche für Literatur und für das Lesen zu begeistern ist einer der Eckpfeiler der Messe.“
Der Schriftsteller und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach eröffnet die Lesefestwoche mit einer Lesung aus und einer Diskussion über seinen neuen Roman „Tabu“ (18. November, 19 Uhr, Rathaus Wien, Stadtsenatssitzungssaal, mit Anmeldung). Die Eröffnungsrednerin, Georg-Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, spricht über „Die Zukunft des Lesens“ (20. November, 19 Uhr, Halle D Messe Wien, mit Einladung).

Literatur- und Sachprogramm

Die BUCH WIEN 13 präsentiert mit Per Olov Enquist, Leon de Winter, Viktor Jerofejew, Tanja Maljartschuk, Mahmud Doulatabadi, Jaroslav Rudiš und István Kemény internationale Literaturstars und deren neue Bücher. Stark vertreten sind in diesem Jahr auch Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum. Erwartet werden Brigitte Kronauer mit ihrem neuen Roman „Gewäsch und Gewimmel“, Clemens Meyer, Peter Stamm, Günter Brus, Andreas Schäfer und David Schalko, der seinen neuen Roman „Knoi“ vorstellen wird. Gerhard Roth, Peter Henisch und Austrofred, Christoph W. Bauer, Egyd Gstättner, Fabian Eder, Nadine Kegele u.v.a. sind ebenfalls live auf der Messe zu sehen.

Literatur aus Zentral- und Südosteuropa 

Autorinnen und Autoren aus Bulgarien, Bosnien, Kroatien, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, der Ukraine und Ungarn bereichern die Messe und die Lesefestwoche mit ihren Auftritten. Als Auftakt liest Jaroslav Rudiš aus seinem Roman „Die Stille in Prag“ (Österreichische Gesellschaft für Literatur, 19. November, 19 Uhr). Ebenfalls am 19. November tritt der Ungar István Kemény mit seinem preisgekrönten Roman „Liebe Unbekannte“ über eine Jugend in den ungarischen Vor-Wende-Jahren in der Alten Schmiede auf (Beginn: 19 Uhr). Kemény liest am 21. November um 11.15 Uhr im Literaturcafé auf der Messe und ist am selben Tag um 14 Uhr Gast auf der Donau Lounge. Der Rumäne Varujan Vosganian wird am 21. November um 14.45 Uhr auf der ORF-Bühne und um 16 Uhr auf der Donau Lounge sein „Buch des Flüsterns“ vorstellen, einen epochalen Roman über das Schicksal des armenischen Volkes. Um 19 Uhr präsentiert er ihn in einer Abendveranstaltung in der Urania. Viktor Jerofejew zählt zu den bedeutendsten Autoren Russlands. Am 21. November spricht er über „Die Akimuden“, seinen atemberaubenden Science-Fiction-Historien-Thriller (14.45 Uhr, FM4-Bühne). Am Abend kann man den Autor um 19 Uhr im Ost Klub live erleben. Aus Serbien reist der renommierte Autor Goran Petrović an. Er liest am 21. November um 15 Uhr auf der Donau Lounge und um 19 Uhr in der Bibliothek des Palais Fürstenberg aus seinem Kinoroman „Ein Sternenzelt aus Stuck“, der die Gesellschaft Serbiens liebevoll-ironisch in Szene setzt. Ivica Djikić hat mit „Ich träumte von Elefanten“ einen scharfsinnigen politischen Thriller über die traumatischen Ereignisse in Kroatien im 20. Jahrhundert verfasst (Donau Lounge, 22. November um 14 Uhr und Otto Wagner Schützenhaus, 22. November, 19 Uhr). Die Lyrikerin Fedia Filkova  aus Bulgarien ist zwei Mal auf der Messe anzutreffen: Am 22. November um 11.45 Uhr im Literaturcafé und am 23. November um 14 Uhr auf der Donau Lounge. Am 21. November trägt sie zudem um 19 Uhr im Haus Wittgenstein Gedichte aus ihrem Band „Nachtgras“ vor. Am 24. November spricht Tanja Maljartschuk  aus der Ukraine über ihr Buch „Biografie eines zufälligen Wunders“, ein Werk voll grausamer Komik, um 14 Uhr im Literaturcafé. Dort ist um 15 Uhr auch die tschechische Autorin Markéta Hejkalová mit „Der Zauberer aus Peking“ zu Gast.

Schwerpunktthema Erster Weltkrieg

Heuer widmet die BUCH WIEN dem Thema „Erster Weltkrieg“, dessen Ausbruch sich 2014 zum 100. Mal jährt, einen besonderen Schwerpunkt. Zentrale Veranstaltung ist eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde: In Zusammenarbeit mit der Donau Lounge werden Gerhard Jelinek, Manfried Rauchensteiner, Andreas Oplatka, Mária Bátorová und Wolfram Dornik auf der ORF-Bühne über den Ersten Weltkrieg diskutieren. Weiters präsentiert Manfried Rauchensteiner sein neues Werk „Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie“, Gerhard Jelinek stellt sein Buch „Schöne Tage 1914. Vom Neujahrstag bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg“ vor. Auch der Direktor des Österreichischen Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, ist mit seinem neuen Buch „Die letzten Tage“ auf der Messe anzutreffen. Über seine neue Biographie „Franz Ferdinand – Der eigensinnige Thronfolger“ spricht der französische Historiker Jean-Paul Bled.

Stars und Bestsellerautoren

Die sieben Messebühnen bieten ein vielfältiges Programm mit den Autorinnen und Autoren und ihren Werken. Die Publikumsmagneten Elfriede Ott und Erika Pluhar, Gustav Peichl, Ruth Maria Kubitschek, Ida Seeböck mit Alfred Dorfer, Felix Dvorak, Angelika Kirchschlager und Christoph Wagner-Trenkwitz treten auf und signieren ihre Bücher. Die Kabarettisten Reinhard Nowak, Dirk Stermann, Florian Scheuba und Christoph Fälbl werden die Messebühnen mit Witz und Charme erobern. Auch der diesjährige „Jedermann“ der Salzburger Festspiele, Cornelius Obonya, wird erwartet.

Messebühnen

Die Lesungen, Buchpräsentationen, Diskussionen, Signierstunden u. v. m. finden auf sieben in das Ausstellungsgeschehen integrierten Bühnen statt: ORF-Bühne, Literaturcafé, Forum, Kinderbühne, FM4-Bühne, Donau Lounge, Gusto-Kochbühne

Öffnungszeiten der BUCH WIEN 13

Donnerstag, 21. November, 918 Uhr

Freitag, 22. November, 918 Uhr

Samstag, 23. November, 1018 Uhr

Sonntag, 24. November, 1017 Uhr

 

Alle  Informationen zur BUCH WIEN inkl. den Termine der Lesefestwoche finden Sie unter: www.buchwien.at

Unter den zahlreichen heimischen Verlagen sind unter anderem vertreten:

www.amalthea.at

www.hanser-literaturverlage.de/verlage/zsolnay-und-deuticke.html#anker_deuticke

www.echomedia-buch.at

www.drava.at

www.droschl.com

www.editionatelier.at

www.haymonverlag.at

www.milena-verlag.at

www.picus.at

www.residenzverlag.at

www.wieser-verlag.com

www.zsolnay.at

Wien, 14. 11. 2013

T. C. Boyle kommt nach Wien

August 28, 2013 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Eine STADT. Ein BUCH.

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Einmal im Jahr wird ein eigens hergestelltes Buch in einer Auflage von 100.000 Exemplaren gedruckt und in ganz Wien in Buchhandlungen, Büchereien, Volkshochschulen und bei vielen Partnern der Aktion wie Fernwärme, Wiener Städtische (Ringturm), ORF Wien u.v.m. gratis verteilt: Diesmal steigt die Aktion des echo medienhauses von 10.– 13. September. Gastautor 2013 ist US-Kultautor T.C. Boyle mit seinem Roman „América“, der erstmals 1995 erschienen ist (Originaltitel: The Tortilla Curtain, Übers.: Werner Richter). Die Covergestaltung des diesjährigen Aktionsbuches hat Tex Rubinowitz übernommen.

T.C. Boyle über seinen Roman:  „Es war mein umstrittenster Roman, als er erschien, denn ich behandelte darin das heiße Eisen eines sozialpolitischen Themas – illegale Einwanderung in Südkalifornien – und viele Kritiker nahmen sich das Buch mit starken Vorurteilen vor. Ich musste eine Menge von Beschimpfungen, hinnehmen. Nachdem die Menschen im Laufe der letzten paar Jahre die Möglichkeit hatten, etwas tiefergründig über das Buch nachzudenken, haben sich die Wogen geglättet und ‚América‘ ist zu einem modernen Klassiker geworden. Es ist mein bei weitem populärster Titel, der sowohl in Highschools als auch in Universitäten im ganzen Land viel gelesen wird.“

Inhalt: Der Roman ist in der Umgebung von Los Angeles angesiedelt und erzählt in alternierenden Kapiteln einerseits von einem mexikanischen Einwandererpaar, andererseits vom wohlhabenden Ehepaar Moosbacher. Delaney Mossbacher schreibt für verschiedene Zeitschriften Artikel über seine Ausflüge in die Natur, seine Frau Kyra ist Immobilienmaklerin. Beide leben in Arroyo Blanco, einer reichen Siedlung, die sich zunehmend abschottet und sichert gegen die Mexikaner, aber auch gegen die ungezähmte Natur – doch sie müssen immer wieder lernen, dass wirklicher Schutz nicht möglich ist. Delaney kämpft anfangs gegen diese Entwicklung, die seiner liberalen Ideologie widerspricht, doch diese bröckelt schon zu Beginn, als er Candido anfährt, dem schwerverletzten Mexikaner 20$ gibt, um sich Scherereien zu ersparen. Candido und seine junge schwangere Frau América sind nach Kalifornien gekommen, um ein besseres Leben zu führen – sie träumen von einer eigenen Wohnung, einem Fernseher. Doch das Leben in den USA ist hart für Illegale – sie campen in einem Canon, stehen stundenlang vor Supermärkten, um vielleicht von Arbeit für ein paar Stunden zu finden, immer in der Gefahr von „La Migra“ aufgegriffen und abgeschoben zu werden.

Zur Person: Thomas Coraghessan Boyle wurde 1948 in Peekskill bei New York geboren und wuchs in ziemlich prekären familiären Verhältnissen auf – seine Eltern waren Alkoholiker. Nach anfänglichen schulischen Problemen und einigen Jahren als Hippie und Musiker studierte er schließlich Literatur an der University of Iowa, wo er bald Kurzgeschichten veröffentlichte. Bereits sein erster Roman „Warer Music“ (1982) wurde zu einem großen Erfolg. Inzwischen hat Boyle zahlreiche Kurzgeschichten und 14 Romane – darunter „Drop City“, „Riven Rock“, „Ein Freund der Erde“ und „Dr. Sex“ – geschrieben.

Ende August erschien sein neues Buch „San Miguel“ im Hanser Verlag.

Mehr Infos (inkl. Signierstunde): www.einestadteinbuch.at

www.tcboyle.com

Wien, 28. 8. 2013

Schlingensief: Sein letztes Buch

Februar 8, 2013 in Buch

Ein Bild aus der Kinodoku „Knistern der Zeit – Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso“ (li.) und das eben erschienene „Ich weiß, ich war’s“
14.10.2012,Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/3

Gott gewährte keine Spielzeitverlängerung

Posthum erschien Schlingensiefs Buch „Ich weiß, ich war’s“: Ein autobiografischer Rückblick.

Als er nach einer Premiere in München auf die Bühne kam, und das Publikum frenetisch jubelte, trampelte, und er sich artig verbeugte, dachte er: „Die applaudieren mir nicht, die verabschieden mich.“

Es gibt ein Buch von Christoph Schlingensief. Ein letztes. „Ich weiß, ich war’s“. Ein Band voller unvollendeter Gedanken, Selbstbefragungen, die er in seinen letzten Lebensmonaten auf Tonband sprach. Ohne auf den Beipackzettel zu achten.

Schlingensiefs Frau Aino Laberenz hat diese Aufzeichnungen als Erinnerung konserviert. Das Buch ist eine einzige Liebeserklärung. Und eigentlich nicht zum Aushalten. Nicht zum Derlesen. Eine unredigierte Transkription von Schlingensiefs Sprachfülle, eine Assoziationskette mit Leerstellen. So viel Gier auszuufern, so wenig Lust, etwas zu erklären. Und die Bitte an Gott um eine „Spielzeitverlängerung“.

Schlingensief, der Film- und Theaterregisseur, der Aktionskünstler, der auf der Messerschneide Realität und Fiktion ausbalancierte, der „Bürgerschreck“ den die Bourgeoisie bald als ihren Liebling fest umklammerte, starb 2010 an Krebs. Mit 49.

Wie sehr er sich über dieses „Hofnarr des Hochkulturbetriebs“-Image gekränkt fühlte, auch davon liest man im Buch. Zwischen den Zeilen. Zwischen den herrlichen Geschichten und den grandiosen Anekdoten, die Schlingensief zu erzählen hat. Er hat’s immer ehrlich gemeint mit der Kunst. War verwundert, verärgert, wenn’s andere nicht taten.

 

Österreich-Aktionen

Etwa als er die Partei „Chance 2000“ gründete und Deutschlands sechs Millionen Arbeitslose an den, das heißt: in den Wolfgangsee, rief, um durch die Erhöhung des Wasserstands Bundeskanzler Helmut Kohls Villa zu fluten. Gekommen sind aber nur 600 Protestschwimmer.

Oder als er bei den Wiener Festwochen 2000 einen „Ausländer raus!“-Container neben die Staatsoper stellte und die ersten beiden Tage gar nichts passierte. Wiener Passanten sind gut im achtlos vorübergehen …

„Am schlimmsten traf das natürlich meine Eltern“, heißt’s im Buch. „Die saßen da die ganzen Jahre in Oberhausen rum und bekamen eigentlich nur mit, dass ihr Sohn merkwürdige Sachen macht.“ All die Söhne der Nachbarn waren was geworden. Arzt oder Anwalt. Und er, der Apothekersohn?

Dreht Kettensägenfilme und veranstaltet Blutexzesse auf Bühnen. Wird in Bayreuth, „wo der regierende Wahnsinn größer ist als mein eigener“, mitten in der Arbeit zu Parsifal gefragt: „Ist das Ihr Ernst, Herr Schlingensief?“

Hat ein Pantscherl mit Tilda Swinton – er konnte kaum Englisch, sie kein Wort Deutsch, aber „wir haben sowieso nur geweint und geknutscht, immer abwechselnd.“ Quatscht in Venedig Wim Wenders Vater, einen Oberhausener Chirurgen wegen eines Termins beim Sohn an (er fand nie statt).

Inszeniert am Burgtheater Jelineks „Bambiland“, „Mea Culpa“ und “ Via Intolleranza II“. Gründet die Church of Fear. Und schreit beim Biofleischhauer eine ihm zu lang gustierende Kundin an, ob sie denn nicht sehe, dass er vor Schmerzen kaum noch stehen könne. „120 Gramm Rindfleisch, bitte.“

(Freuden-?)tränen

Wie ein sterbender Elefant, erzählt er, hätte er sich in die Einsamkeit zurückziehen wollen. Und dann von seiner Hochzeit mit Aino auf einer Insel in einem See. Und von den (Freuden-?)tränen, deren Fließen er so dringend verhindern wollte und es doch nicht konnte.

Schlingensiefs letztes großes Projekt, das Operndorf in Burkina Faso, stellen nun seine Frau und Freunde fertig. Ein Film darüber hatte diese Woche am Akademietheater Premiere.

1975, da war Schlingensief 15 Jahre alt, sollte er einen Aufsatz zum Thema „Was will ich werden?“ schreiben. Er schrieb: Regisseur!

Beurteilung des Lehrers: „Bei allem Verständnis für deine jugendlichen Berufsträume erscheinen mir deine Vorstellungen und Erwartungen doch teilweise etwas naiv und unrealistisch … So kann die Gesamtleistung noch als befriedigend bezeichnet werden.“

Gut, dass Schlingensief nie auf Lehrer hörte. Sein Schlusswort: „Ich bin nicht der geworden, der ich sein wollte. Weil, ich gar nicht wusste, wer ich mal sein könnte.“