Kunstforum: Flying High. Künstlerinnen der Art Brut

Februar 13, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Werk, das sich seinen Platz erst erobern muss

Aloïse Corbaz: Brevario Grimani, um 1950 (Ausschnitt). abcd / Bruno Decharme collection. Bild: © César Decharme

Mit „Flying High“ zeigt das Kunstforum Wien ab 15. Februar die erste Ausstellung, die sich weltumspannend den weiblichen Positionen der Art Brut von 1860 bis in die Gegenwart widmet. Die Ausstellung ist in jeder Hinsicht ein Höhenflug: Sie versammelt 316 Werke von 93 Künstlerinnen aus 21 Ländern, die die inhaltliche und ästhetische Vorstellung, was Kunst ist, sprengen. Die Ausstellung nimmt den von Jean Dubuffet 1945 definierten Begriff „Art Brut“ für jene ursprüngliche, nichtakademische Kunst außerhalb des kulturellen Mainstreams als Ausgangspunkt.

In der Vielfalt und Heterogenität der präsentierten Werke wird deutlich, dass der Art-Brut-Begriff heute längst über Arbeiten aus Psychiatrien hinausgeht und auch die Produktion von „mediumistischen“,  von einem Geist geführten Künstlerinnen, „Einzelgängerinnen“ und Künstlerinnen mit Behinderungen umfasst. Diese Erweiterung ist nicht zuletzt durch den radikalen Wandel der Institution Psychiatrie – von ehemals geschlossenen Anstalten über offenere Strukturen bis zu deren Auflösung – begründet.

Zeitgenössische Art Brut entsteht heute vielfach in Ateliers oder in von den Künstlerinnen selbst geschaffenen Strukturen. Die Chronologie der Ausstellung beginnt mit Highlights aus den historischen Sammlungen der Psychiater Walter Morgenthaler und Hans Prinzhorn. Beide sammelten und förderten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Kunst aus Psychiatrien und publizierten darüber. Der Hauptraum des Kunstforum Wien zeigt Meisterinnenwerke aus der Sammlung von Jean Dubuffet  aus der Collection de l’Art Brut, Lausanne, die Dubuffet zwischen 1945 und 1976 zusammentrug. Eine repräsentative Auswahl von Werken aus der Sammlung L’Aracine schließt den Überblick über jene Sammlungen ab, die Entstehung und Geschichte der Art Brut entscheidend prägten. Darüber hinaus zeigt die Schau eine Vielzahl von Werken aus bedeutenden internationalen und österreichischen Privatsammlungen.

Julia Krause-Harder: Nanotyrannus, 2013. Courtesy Atelier Goldstein. Bild: © Uwe Dettmar

Judith Scott: Ohne Titel, o. J. abcd / Bruno Decharme collection © Creative Growth Art Center. Bild: © César Decharme

Die Geschichte weiblicher Art-Brut-Künstler spiegelt die Emanzipationsgeschichte von Frauen auf einer prekären Ebene wider: Diese sind bis heute „Außenseiterinnen der Außenseiter“. Die Art Brut hat nach wie vor keinen gleichberechtigten Platz neben der „Hochkunst“ gefunden. Da Frauen sowohl innerhalb der Art Brut als auch jenseits der feministischen Kunst ihren Platz erst erobern müssen, ist eine Präsentation ihrer Werke hoch an der Zeit. Die Ausstellung nun verdeutlicht, dass ästhetische Gesichtspunkte gegenüber diagnostischen Kriterien und Biografie sowie der Exzentrität der Autorinnen mehr und mehr an Relevanz gewinnen. Durch die Arbeiten von unterschiedlichsten Künstlerinnen entsteht ein vielstimmiges Panorama gestalterischer Ausdruckskräfte: Worin unterscheiden sich jene individuelle Mythologien, die Art Brut begründen, je nachdem, ob sie von Künstlerinnen oder Künstlern geschaffen wurde? Erzählen die Arbeiten von Frauen tatsächlich andere Geschichten als Männer? Wie werden Differenzen in den Produktionsweisen, Medien und Ikonografien sichtbar?

Die Schau geht diesen Fragen nach und reflektiert die direkte und ursprüngliche, oft auch subversive Ausdruckskraft und Qualität der von Frauen geschaffenen Art Brut. Die Unterschiede und auch mögliche Gemeinsamkeiten im Ausdruck von Künstlerinnen und Künstlern der Art Brut anhand von Gegenüberstellungen zu visualisieren, wird Thema einer anderen Ausstellung sein. Wie überall gilt auch im Feld der Kunst: Nur was wahrgenommen werden kann, existiert auch.

www.kunstforumwien.at

13. 2. 2019

brut Wien: Das Programm der Saison 2016/17

September 13, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Grenzverletzungen und andere Streifzüge durch die Stadt

Showcase Beat Le Mot: Nazisupermenschen sind euch allen überlegen. Bild: © Gerolf Mosemann

Showcase Beat Le Mot: Nazisupermenschen sind euch allen überlegen. Bild: © Gerolf Mosemann

Dienstagvormittag stellte Kira Kirsch das Spielzeitprogramm von brut Wien vor: Mit einer durchschnittlichen Auslastung von etwa 90 % zieht sie eine positive Bilanz über die vergangene und ihre erste Spielzeit als künstlerische Leiterin des Hauses; an 225 Spieltagen kamen insgesamt an die 16.000 Besucher. Ab 25. September geht’s nun mit einem dichten, abwechslungsreichen zweiwöchigen Eröffnungsprogramm in die neue Saison.

Es eröffnet die Wiener Gruppe toxic dreams mit der Uraufführung der schwarzen Beziehungskomödie Thomas B or Not, die im Kosmos von Off- und Staatstheater angesiedelt ist. Zum Social Muscle Club laden die Wiener Künstler Laia Fabre und Thomas Kasebacher (notfoundyet) und Stefanie Sourial ein. Düster-orchestrale Melodien gibt es vom Wiener Black Palms Orchestra rund um Christian Fuchs, der live auf der Bühne im brut von zahlreichen lokalen Musikern unterstützt wird, darunter Ankathie Koi (Fijuka), Anna Attar (Monsterheart) und Oliver  Welter (Naked Lunch). Mit Spannung erwartet werden darf die Österreichische Erstaufführung von Nazisupermenschen sind euch allen überlegen am 7. Oktober. Das Performancekollektiv Showcase Beat Le Mot arbeitet seit 1997 mit brachialem Humor und fröhlich-sarkastischen Grenzverletzungen an der radikalen Aufarbeitung historischer Themen und Geschichten. Ihr aktuelles Projekt beschäftigt sich mit zeitreisenden Nazisupermenschen und entfacht ein humorvolles Spiel mit dem politisch Unkorrekten.

Prominent besetzt ist das erste brut+ Projekt der Saison mit dem bekannten Performancekollektiv Rimini Protokoll. Ab 28. September führt Hausbesuch Europa (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=21388) in die Räume von Wiener Privatwohnungen. Jede Aufführung findet in einem anderen Zuhause statt und involviert dort 15 Gäste in ein Gesellschaftsspiel, das um die Frage kreist, wie viel Europa in  uns allen steckt. Den öffentlichen Raum besiedelt das österreichisch-deutsche Performance- und Fernsehkollektiv irreality.tv. Ab 10. Oktober bauen die Künstler am Kriemhildplatz im 15. Bezirk für mehrere Wochen ein Filmset auf und interpretieren gemeinsam mit Menschen vor Ort sehr frei Motive aus Wagners Ring für die partizipative Stadt-Fernsehserie Der Ring des Nibelungenviertels.

Ein besonderes Highlight ist die Uraufführung von Doris Uhlichs neuestem Stück Ravemachine am 20. Oktober, einer Zusammenarbeit mit dem Choreografen und Tänzer Michael Turinsky,  in der körperliche, musikalische und mechanische Energien aufeinanderprallen. In Kooperation mit WUK performing arts findet zudem der Workshop Every Body Electric für Menschen mit Behinderungen statt, dessen Ergebnisse am 22. Oktober mit einem Remix von Ravemachine und anschließender Rave-Party im WUK gezeigt werden.

Doris Uhlich: Ravemachine mit Michael Turinsky. Bild: © Theresa Rauter

Doris Uhlich: Ravemachine mit Michael Turinsky. Bild: © Theresa Rauter

Theater im Bahnhof: Aufräumen. Drei Frauen finden die Hose von Johanna Dohnal. Bild: © Johannes Gellner

Theater im Bahnhof: Aufräumen. Drei Frauen finden die Hose von Johanna Dohnal. Bild: © Johannes Gellner

Mit Sicherheit und Überwachung in öffentlichen und privaten Räumen beschäftigt sich die Wiener Gruppe Fourdummies. Gemeinsam mit dem Publikum begeben sich die Künstler am Nationalfeiertag auf einen Streifzug, um die Inszenierung und die Repräsentation von Sicherheit zu untersuchen. Das Ergebnis der Recherche, Safe Vienna! Save Vienna!, kommt im Frühjahr im brut zur Premiere. Mit Rollenstereotypen setzen sich zwei starke Frauenpositionen aus der Steiermark auseinander, die in Räumen im 5. und im 6. Bezirk gezeigt werden. Mit Female History folgen die Rabtaldirndln einem selbstauferlegten Bildungsauftrag und erzählen ab 7. November in einer performativen Vortragsreihe von der Selbstermächtigung unkonventioneller Frauenfiguren.

Die Frauen des Theaters im Bahnhof wagen ab 21. November mit dem preisgekrönten Stück Aufräumen eine humorvolle Bestandsaufnahme zum Thema Feminismus in Österreich und nehmen die Geschichte der ehemaligen SPÖ-Frauenministerin Johanna Dohnal zum Ausgangspunkt. Die erfolgreiche Interviewserie Zu Gast im brut – Ein Talkshowkonzentrat setzt das TiB schon ab 19. November fort. Anlässlich der Vienna Art Week gibt es ein Spezial zum Thema „Schönheit“. Pro Abend wird vier Gästen in intimen Zwiegesprächen von der Interviewerin Pia Hierzegger auf den Zahn gefühlt.

Erfahrungen mit dem Staatsterror im Iran, Widerstand und Flucht beschäftigt die Wiener Künstler Gin Müller, Gorji Marzban und Jan Machacek in ihrem neuen Stück Fantomas Monster, das am 16. Dezember Premiere hat. Anfang 2017 verwandelt das Wiener Künstlerduo hoelb/hoeb den Saal im brut in einen Resonanzraum für die Themen Verlust und Trauer. Das installative Performanceprojekt Lost_Inn. staging grief involviert das Publikum in Gespräche mit Experten, Seelsorgern und Ethikern über die Beschaffenheit von Trauerräumen und -ritualen. Weitere Uraufführungen im Jänner und Februar sind noch in Planung.  Der Küchenstammtisch Bring your own booze findet wie gewohnt montags statt, der erste  der Saison am 10. Oktober.

Die finanzielle Situation für 2016 schließt an jene der vergangenen Jahre an. Das Jahresbudget beträgt etwa 1.8 Millionen Euro, daran tragen den größten Anteil die Stadt Wien, ein EU-Projekt und die Eigeneinnahmen. Ein Antrag beim Bund wurde erneut abgelehnt, ein Gesprächstermin hat diesen Status quo bestätigt. Für das Budgetjahr 2017 geht man im brut daher von ähnlichen Zahlen wie 2016 aus. Das brut wird selbst ein EU-Projekt beantragen und ist Partner in zwei weiteren EU-Anträgen. Ein weiterer Bundantrag ist ebenfalls in Planung. In den kommenden beiden Saisonen wird das Künstlerhaus bekanntlich generalsaniert. Als Letztstand der Gespräche mit dem Vermieter Künstlerhaus wurde versichert, dass trotz Baugeschehen um und am brut ein nahezu störungsfreier Betrieb während der kommenden Spielzeit möglich sein wird.

brut-wien.at

Wien, 13. 9. 2016

Rimini Protokoll sucht Gastgeber in Wien

August 10, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Für das Projekt „Hausbesuch Europa“

Rimini Protokoll: Hausbesuch Europa. Bild: © Pigi Psimenou

Rimini Protokoll: Hausbesuch Europa. Bild: © Pigi Psimenou

Die Performancegruppe Rimini Protokoll sucht Wienerinnen und Wiener, die bereit sind, ihre Wohnung für eine zweistündige Aufführung von „Hausbesuch Europa“ für 15 Gäste zu öffnen. Nach Amsterdam, Bergen, Lissabon, Berlin, Prag, und vielen weiteren Städten tourt das Projekt im Herbst auch durch Wiener Wohnungen und baut so ein dezentrales Netzwerk auf, das sich von Haustür zu Haustür über den Kontinent erstreckt.

Für die Aufführungen werden im Zeitraum vom 28. September bis 9. Oktober Privatwohnungen benötigt. Sie sollten einen großen Tisch mit 15 Sitzplätzen und einen Backofen oder ein Backrohr zur Verfügung stellen können. Die gesamte weitere Organisation übernimmt brut Wien. Interessenten melden sich unter organisation@brut-wien.at. Auf der Webseite brut-wien.at findet sich ein Anmeldeformular, das ausgefüllt mit Angaben zur Wohnung und einem Foto der Wohnung mitzuschicken ist.

Das Team bringt Kekse, Tee und Kaffee mit, natürlich die notwendige Technik, und, so nicht genug Sitzgelegenheiten vorhanden sind, auch Klappstühle. Die Adresse der Wohnung wird nicht öffentlich bekanntgegeben, erst nach dem Bezahlen der Tickets bekommen die jeweiligen Theatergäste den Ort der Veranstaltung genannt.

Bild: © Pigi Psimenou

Bild: © Pigi Psimenou

Bild: © Pigi Psimenou

Bild: © Pigi Psimenou

Zum Projekt:

„Hausbesuch Europa“ ist eine Aufführung, die sich im Handgepäck transportieren lässt und die einem so nahe kommt, wie es die großen Ideen sonst selten tun. Was ist Europa? Ist es eine geografische Grenze, eine kulturelle Identität, ein Staatenverbund? Europa, so wird immer wieder konstatiert, ist am ehesten eine sich ständig wandelnde Idee – zu theoretisch, als dass sie vom Einzelnen als Lebenswirklichkeit erfahren werden könnte. Rimini Protokoll kontrastiert diese abstrakte europäische Idee mit der Individualität einer Privatwohnung. In einem Wohnzimmer werden 15 Menschen Teil eines Gesellschaftsspiels, das persönliche Geschichten und die Mechanismen des politischen Europa miteinander verzahnt. Was sich erst noch anfühlt, wie eine politische Sitzung, nimmt bald eine andere Wendung: Karten werden ausgebreitet, Probleme werden diskutiert und gemeinsam Entscheidungen getroffen. Für die Dauer einer Aufführung wird Europa als sozialer Raum erfahrbar.

Mehr Infos: www.homevisiteurope.org     www.rimini-protokoll.de

Trailer: vimeo.com/131524136

Wien, 10. 8. 2016

Am 1. Mai tagt das Kapitalismustribunal

April 26, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Haus Bartleby macht brut Wien zum Gerichtshof

Die Initiatoren des Kapitalismustribunals: Hendrik Sodenkamp, Alix Faßmann mit dem Hund "Anwalt" und Anselm Lenz. Bild: © Batty Ndiaye/Passagen Verlag

Die Initiatoren des Kapitalismustribunals: Hendrik Sodenkamp, Alix Faßmann mit dem Hund „Anwalt“ und Anselm Lenz. Bild: © Batty Ndiaye/Passagen Verlag

Vom 1. bis 12. Mai wird das brut Wien in den Gerichtshof „Das Kapitalismustribunal“ umgewidmet, in dem gegen die Gebaren und Produktionsweisen des europäischen Kapitalismus Anklage erhoben wird. Im Laufe des vergangenen Jahres wurden mehr als 250 Anklagen auf capitalismtribunal.org eingereicht. Anklageberechtigt ist jeder Mensch. Die Urteilsfindung wird im November im Werk X stattfinden.

Das Kapitalismustribunal tagt an sieben Verhandlungstagen von 12 bis 17 Uhr, die sich je einem Themenfeld widmen, etwa Arbeit im Kapitalismus, Eigentum im Kapitalismus oder der Rolle von EU, UN und der Nationen. Ab 19 Uhr finden Diskussionen unter dem Titel „Die Siebte Internationale“ statt.

Mitarbeiter beim Tribunal sind die New Yorker Ökonomin und Soziologin Saskia Sassen, Philosoph Srecko Horvat, der liberale Systemtheoretiker Louis Klein,  Agrarökonom Fetewei Tarekegn, Klimapolitologe Tadzio Müller und der Executive Director des Club of Rome, Alexander Stefes, Rechts- und Wirtschaftstheoretikerin Katharina Pistor, Sozialökonomin Lucy Redler und Rechtsphilosoph Alon Harel.

Ziel des Kapitalismustribunals ist eine faire Aufarbeitung der mutmaßlichen Verbrechen des Kapitalismus, um für die Zukunft zu lernen. Es wird über die derzeitige ökonomische Wirklichkeit verhandelt und geurteilt. Die Versammlung, also in diesem Fall das Publikum in Wien, spricht über wirkliche Handlungen, die jeder begangen haben könnte. Was natürlich Fragen nach dem eigenen Tun aufwirft. Das Tribunal geht von der Tatsache aus, dass immer mehr Menschen zunehmende Unfreiheit und Ungleichheit beobachten. Gleichzeitig zeigt sich ihnen das ökologische Desaster. Geltendes Recht und Rechtsempfinden klaffen auseinander. Hier bietet sich nun die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bildet und gemeinschaftliche Wege aus der Krise zu finden, statt die Welt durch die ihre Probleme simplizifierendblaue Brille zu sehen.

Das gesamtes Programm: www.bit.ly/Kapitalismustribunal
Klagen lesen: capitalismtribunal.org/de
Die Initiatoren Haus Bartleby.Zentrum für Karriereverweigerung: hausbartleby.org

brut-wien.at

Wien, 26. 4. 2016

Gerhild Steinbuch entdeckt den Weltraum

Januar 11, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Finsternis“: Uraufführung im brut

6285659015_b17b4bf8eb_bAb 15. Jänner zeigt das Kollektiv Freundliche Mitte – Gerhild Steinbuch, Philine Rinnert und Sebastian Straub – ihre jüngste Zusammenarbeit als Uraufführung im brut. „Finsternis“ handelt von einer Entdeckerreise in den Weltraum und in den Kongo und erzählt Geschichten über Pioniergeist und Eroberung. Drei Experten – eine für Raum, eine für Text und einer für Performance – treten in einen Wettstreit um die Herrschaft über eine Geschichte: Im Mai 1978 hebt die „Otrag 2“ von einer Startrampe im Südosten des Kongo ab. Die Rakete ist das Vorzeigeprodukt einer deutschen Firma, die einen Coup der afrikanischen Raumfahrt plant und das Testgebiet wie eine Kolonialmacht verwaltet. Aber nach dreißig Metern Höhe ist der große Traum Geschichte. Oder doch nicht?

In der neuen Arbeit von Rinnert, Steinbuch und Straub vermischt sich das Macht-Spiel und das Entdecken wird zum Einnehmen. Wer bestimmt, in welche Winkel des Weltraums man gemeinsam aufbricht? So entwickelt sich eine Reise ins finstere Herz der Performer, die die eigenen blinden Flecken erkundet – und sie vielleicht gemeinsam neu erzählt.

Über das Kollektiv: Freundliche Mitte wurde 2011 von der Bühnenbildnerin Philine Rinnert, dem Schauspieler Sebastian Straub und der Autorin Gerhild Steinbuch gegründet. Das Kollektiv aus Spiel, Raum und Text arbeitet bewusst ohne die Instanz Regie. Gemeinsame Arbeiten: „Am Schönsten ist das was bereits verschwunden ist“ (steirischer herbst, 2011), „Previously On“ (Garage X, 2014).

brut-wien.at

Wien, 11. 1. 2016