The Show Must Go On! Love Never Dies online

April 26, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine phänomenale Phantom-Fortsetzung

Ben Lewis und Anna O’Byrne. Bild: © Universal Pictures

Musical-Titan Andrew Lloyd Webber bietet dieser Tage seine berühmtesten Werke auf dem Youtube-Channel „The Show Must Go On!“ als kostenlosen Stream an. Zum Wochenende je ein neues; vergangenen Freitag war es „The Phantom of the Opera at the Royal Albert Hall“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=39433), nun folgte dessen Fortsetzung „Love Never Dies“ aus dem Jahr 2012 und dem Regent Theatre im australischen Melbourne, das noch bis inklusive Sonntagabend online ausgestrahlt wird.

Das Jahr ist 1907, der Ort Coney Island, wo das Phantom als mysteriöser Mister Y einen Vergnügungspark namens „Phantasma“ betreibt. Bei ihm sind Madame Giry und ihre Tochter Meg, zweitere nun zum Tingeltangelstar avanciert, und Andrew Lloyd Webber führt seinen Protagonisten mit „’Til I Hear You Sing“

ein, der genialische Untergrund-Komponist immer noch der musikalischen Avantgarde verpflichtet, doch ohne seine nach wie vor heißgeliebte Christine bar jeder Stimme dafür. Und apropos, Liebe & Stimme: Wirklich warm wird man anfangs nicht mit dem Phantom von Ben Lewis, Ramin-Karimloo-verwöhnt erscheint einem Lewis Tenor erst zu hoch bei zu wenig Timbre. Doch der erste Eindruck täuscht, Ben Lewis wächst, je dramatischer der Plot, desto mehr in die Rolle – sein Spiel und sein Gesang steigern sich zu einer emotionalen Intensität, die nicht nur eingefleischten „Phans“ die Freudentränen in die Augen treiben wird.

Optisch ist die Inszenierung von Simon Phillips, hier von Brett Sullivan auf Film gebannt, atemberaubend. Designerin Gabriela Tylesova hat einen großartig gothic-grotesken Jahrmarkt auf die Bühne gestellt, ein Theater-auf-dem-Theater, das sich wie Meg im „Bathing Beauty“-Song um immer neue Schichten entblättert, das Highlight ein spektakuläres Kuriositätenkabinett voll lebender Kreaturen, die in den Katakomben, nicht unter der hehren Pariser Oper, sondern des halbseidenen Brooklyner Amüsierviertels hausen.

Ben Lewis. Bild: © Universal Pictures

Das Phantasma des Mister Y. Bild: © Universal Pictures

Sharon Millerchip als Meg Giry. Bild: © Universal Pictures

Maria Mercedes als Madame Giry. Bild: © Universal Pictures

Anna O’Byrne und Ben Lewis. Bild: © Universal Pictures

Anna O’Byrne und Ben Lewis. Bild: © Universal Pictures

Mit hohem Tempo fährt die Kamera in diesen Monsterball der skurrilen Spukgestalten, Gaukler und Jongleure, mitten drin der große Bruder des Tschinellen-Affen, strotzt doch die ganze Produktion vor „Phantom“-Zitaten, vor allem auch musikalisch, die begnadeten Buffi Paul Tabone, Dean Vince und die kleinwüchsige Sängerin-Schauspielerin-Zirkusartistin Emma J. Hawkins als Conférencier-Trio – und die hinreißend das Tanzbein schwingende Sharon Millerchip als schwer ins Phantom verschautes und um dessen Aufmerksamkeit für ihre Kunst buhlendes „Ohlàlà -Girl“ Meg, Millerchip, die sich mit Lolita-Charme gegen die Kraft der Hauptstory ins Geschehen stemmt.

Da platzt ins Beinah-Idyll die Nachricht, Christine Daaé, nunmehr verheiratete Vicomtesse de Chagny und eine der berühmtesten Operndiven der Welt, komme nach New York, um für Oscar Hammerstein das neuerrichtete Manhattan Opera Hause zu eröffnen. Eine Zeitungsnotiz, die den Zorn der düsteren Schutzpatronin Madame Giry erregt, Maria Mercedes ganz Schmerzensfrau mit Kranzfrisur-Dornenkrone, die beim rächenden Gott schwört, zu viel für das von ihr vor Mob und Flammen gerettete Phantom geopfert zu haben, um den Mann noch einmal den Krallen der Teufelin Christine zu überlassen.

Wunderbar wundersam singt Maria Mercedes ihren Part, und wunderbar ist auch, dass Webber nicht auf einen Schurken fokussiert. Wer die wahre schwarze Krähe in „Love Never Dies“ ist, wird im Laufe der Handlung noch enttarnt … Alldieweil steigt Christine im Hafen vom Schiff, Anna O’Byrne mit Simon Gleeson als Raoul und dem hochtalentierten Jack Lyall als Sohn Gustave. Raoul ist mit den Jahren nicht sympathischer geworden, sondern ein besitzergreifender Spieler, selbstgerecht und dem Whiskey zugeneigt, der Christines Gage an den internationalen Roulette-Tischen verliert.

Zu Donnerschlägen und „Angel of Music“-Anklängen entführt ebendieser seine ehemalige Muse, halb zog er sie, halb sank sie hin, in seine Arme nämlich, Christine scheint längst bereut zu haben, dass sie gutes Aussehen vor Genie den Vorzug gab. Es folgt mit „Beneath a Moonless Sky“ logischerweise ein Liebesduett, und da das Phantom endlich seine Gummilippen losgeworden und zum Kuss bereit ist, macht man sich nach einer Stunde Spielzeit ernsthafte Happy-End-Hoffnungen.

Paul Tabone und Dean Vince. Bild: © Universal Pictures

Ben Lewis mit Jack Lyall als Gustave. Bild: © Universal Pictures

Emma J. Hawkins als Fleck. Bild: © Universal Pictures

„Love Never Dies“, im Ronacher nur einmal 2012 und konzertant aufgeführt, hätte zweifellos auch in Wien das Zeug zum Klassenschlager. Mit um nichts weniger potenziellen Hits gesegnet als Teil I, besticht das Musical durch seinen sophisticated Style, der anspruchsvolle, opernhafte Arien mit bewährten Rock-Elementen des weiland „Jesus Christ Superstar“-Schöpfers verbindet, Hochdramatisches mit Unterhaltsamem, und möchte man sagen, das „Phantom“ parodiere die Kriegserklärung der Neuen Musik ans Klassische, so wird wohl diesmal der Zwist U gegen E ausgetragen.

Auch die Charaktere schillern in mehr Schattierungen als im Gut-vs-Böse-Original. Anna O’Byrnes Chistine hat das Leben das Mädchenhafte zwar nicht aus dem Antlitz, jedoch aus der Seele getrieben, ihre Existenz an der Seite Raouls ist gekennzeichnet als ständiger Balanceakt, seine Gereiztheit nicht herauszufordern. Dass O’Byrne zu ihren alabastrigen Good Lucks auch einen glockenhellen, in der Höhe sicheren Sopran mitbringt, ist ein weiteres Positivum.

Das Ereignis der Aufführung ist aber Simon Gleeson, dessen Raoul gewaltige Wandel durchläuft, vom Widerling zum Selbstzweifler, der in „Why Does She Love Me?“ von seiner eigenen Unzulänglichkeit gepeinigt wird, in Akt zwei dann ein typisch männlicher Minderwertigkeitskomplexler, der zum Man-summt-ihn-noch-tagelang-Ohrwurm „Devil Take the Hindmost“ mit dem als „Zirkusfreak“ verspotteten Phantom eine Wette um Christines Gunst eingeht – bis er zum Ende und in der Erkenntnis, dass die beiden mehr verbindet, schließlich bereit ist, sie für den Rivalen freizugeben. Das alles von Gleeson mit einer Leidenschaft und Subtilität verkörpert und gesungen, die seine unglückliche ménage à trois mit Christine und dem Phantom erst mit Elektrizität auflädt.

An anderer Stelle wiederum stellt Gleeson seinen Sinn für Sarkasmus unter Beweis, das Wiedersehensunfreudequartett „Dear Old Friend“ von Meg Giry, Madame Giry, Christine Daaé und Raoul ist diesbezüglich vom Feinsten. Den über allem schwebenden Reiz der auf Vintage getrimmten Show macht allerdings der Jubel und Trubel aus, der mit verschwenderischer Pracht längst vergangene Theatertage beschwört, ein Echo von Sentiment und Melodram, wie dereinst in der goldenen Musical-Ära eines Oscar Hammerstein II – seines Zeichens Enkel des oben erwähnten Opernimpresarios.

Simon Gleeson als Raoul. Bild: © Universal Pictures

O’Byrne, Mercedes, Gleeson. Bild: © Universal Pictures

Anna O’Byrne und Jack Lyall. Bild: © Universal Pictures

Simon Gleeson und Ben Lewis. Bild: © Universal Pictures

Simon Gleeson und Anna O’Byrne. Bild: © Universal Pictures

Anna O’Byrne. Bild: © Universal Pictures

„Love Never Dies“ treibt die Tragödie auf die Spitze. In einer Kakophonie aus Licht und Ton lassen Webber und Regisseur Phillips das Phantom und Gustave aufeinandertreffen, der Wunderknabe hat nicht nur gleich dem Phantom Musik im Kopf, die er sofort auf Klaviertasten übertragen muss, er sieht bei diesem auch „The Beauty Underneath“, allein dieses Duett ist das Anschauen wert!, sodass augenfällig wird, dass die zwei mehr als nur eine Seelenverwandtschaft verbindet. Wann auch immer Christine und das Phantom Sex gehabt haben sollen. Die singt nun unterm Pfauenfächer endlich das titelgebende „Love Never Dies“, euphorisiert von der Schönheit der Musik, in der sie, wie sie dem Phantom gesteht, ihre innere wiedergefunden habe.

Doch zum Grande Finale folgt Plot-Twist auf Plot-Twist, der Strudel von Verlagen und Eifersucht dreht sich immer schneller, rohe Gewalt bricht sich Bahn, erneut eine wilde Kamerafahrt durch „Phantasma“, spannend, wer diesmal als Man In The Mirror zurückbleiben wird, und wieder endet’s bei Nacht und Nebel mit Wahnsinn und Wasser. Und wenn sie nicht gestorben sind … schreibt Andrew Lloyd Webber vielleicht noch ein bittersüßes Sequel über der Musical-Welt liebsten Anti-Helden.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=SdPrrMsUH48

Die ganze Show: www.youtube.com/watch?v=eXP7ynpk1NY          www.youtube.com/channel/UCdmPjhKMaXNNeCr1FjuMvag           www.loveneverdies.com          www.andrewlloydwebber.com

  1. 4. 2020

Wiener Festwochen: Macbeth

Mai 26, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die schottischen Clanchefs als kongolesische Warlords

Die drei Hexen Bild:  Nicky Newman

Die drei Hexen
Bild: Nicky Newman

Es wird am Ende der diesjährigen Wiener Festwochen eine der besten Produktionen gewesen sein, die zu sehen waren: Brett Bailey und sein Third World Bunfight aus Kapstadt, die Wien schon mit Aufführungen wie „Big Dada“, „Orfeus“ oder der Performanceinstallation „Exhibit A“ beglückten, kommen diesmal klassisch. Verdi. Macbeth. Der belgische Komponist Fabrizio Cassol hat das Werk auf zwölf Musiker vom No Borders Orchestra eingerichtet; stimmlich tadellos sind Owen Metsileng als Macbeth, dessen sotto voce, seine gedämpfte Stimme, beeindruckend dunkel tönt, Nobulumko Mngxekeza als seine Lady mit starkem Sopran und Otto Maidi als Banquo; den Rest der Rollen bestreitet ein ebenfalls tadelloser Chor. Man singt italienisch.

Nun aber Bailey. Er verlegt die Handlung vom schottischen Hochmoor in die Demokratische Republik Kongo. Und bald wundert man sich: War sie dort nicht schon immer angelegt? Warlords bestimmen das Geschehen. Eine Million Hutu flüchtet aus Ruanda über die Grenze. Da erscheinen dem Macbeth die drei Hexen, heißt: weißgesichtige „Businessmen“, vermummt wie der Ku-Klux-Klan, mit ihren (Un-)heilsversprechen. „Invest in Africa“ wird später auf der großen Vidiwall stehen. Denn die bösen Geister wollen Coltan, Gold und Kupfer. Eines der ärmsten Länder der Welt ist reich an Bodenschätzen. Macbeths Preis der Macht sind die Handys, Laptops und Spielkonsolen der Ersten Welt. Kinder – „Negerpuppen“, leblos, tot, die von den Hexen achtlos weggeworfen werden, schlachten die „alten (zwei, drei, um Gottes willen: gar vier?) Jahre alten Geräte aus. (Der Laptop auf dem diese Zeilen entstehen ist übrigens zehn Jahre alt und die Wartungsfirma hat seinen Sarg schon bestellt. Doch noch ist Leben in dem alten Mann!)

Bald nicht mehr so in König Duncan. Ein Blauhelm filmt das Begräbnis, auf seiner Kopfbedeckung steht „Monusco“. Die friedenssichernde Einheit der UNO filmt greift nicht ins Stück ein, dafür, dass sie den Schutz der Zivilbevölkerung vor Rebellen im Kongo nicht gewährleistet, ist die UNO in den letzten Jahren wiederholt kritisiert worden. Bailey macht Politik. Wie stets. Für ihn gibt es keinen Maulkorb. Und über die Vidiwall regnen die Dollarzeichen. Und die Handaufhalter. Von Mord zu Mord – Banquo, dessen Brut laut Prophezeiung herrschen wird, Macduff – da wird gleich ein ganzes Dorf geopfert – wird die Lady mondäner, machthungriger, aber auch verwirrter. Die Übertitelübersetzungen sind jetzt bei „Fuck“ und „Echt irre!“ und „Bullshit“ angelangt. Der König ist verängstigt. Zu viel Blut fließt. Großartig, wie Bailey Nachrichtenmeldungen via Leinwand übermittelt. „Global Witness“ berichtet von abertausenden Toten, Massenfluchten, Massenvergewaltigungen. Berggorillas werden im Nationalpark Virunga Opfer von Wilderern. Die Macheten liegen bereit. Bailey projeziert Fotos von Leichen, Kindersoldaten, Verhungernden. Noch nie ging einem Verdis Schöngesang so unter die Haut.

Doch, man weiß es ja: Der Wald rückt näher. Und der nicht von einem Weib Geborene.  Und die Botschaft bleibt bestehen: Die Saat ist gesät, Nachtmahr entsteht. Mit bisher 5,4 Millionen Toten tobt in der Demokratischen Republik Kongo einer der schlimmsten Bürgerkriege unserer Zeit.

Für Brett Bailey und sein Team gab’s minutenlang Standing Ovations.

www.festwochen.at

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-2014

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-geschichten-aus-dem-wiener-wald/

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-bluthaus/

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-titkainkunsere-geheimnisse/

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-stavangera-pulp-people/

26. 5. 2014

Theater Brett: Das Schicksal der Anderen

März 11, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Uraufführung nach dem Bestseller

„Mellettem elférsz” von Krisztián Grecsó

Bild: © Collegium Hungaricum Wien/ Theater Brett

Bild: © Collegium Hungaricum Wien/ Theater Brett

Am 18. März hat im Theater Brett „Das Schicksal der Anderen“ nach dem Roman des ungarischen Autors Krisztián Grecsó Premiere. Regie führt András Léner; es spielen Nika Brettschneider, Lukas Johne, Jakub Kavin, Sophie Resch, Agnieszka Salamon und Martin Vischer.

Das Wiener Theater Brett wird in Koproduktion mit dem Balassi Institut–Collegium Hungaricum Wien der Schauplatz einer einzigartigen österreichisch-ungarischen Produktion. Der preisgekrönte Bestseller-Roman des jungen Autors Krisztián Grecsó kommt als Theaterstück in deutscher Sprache unter der Regie von András Léner in hochkarätiger Besetzung erstmals auf die Bühne. Der Hauptdarsteller wird niemand geringerer als Martin Vischer sein,der zuvor im Wiener Schauspielhaus als Princip brillierte und 2014 von Joachim Lottmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Jahrhundertbegabung gepriesen wurde. Die aufwändige Produktion ist eines der Highlights dieses Jahres im Theater Brett, das heuer bereits sein 30-jähriges Bestehen feiert. Das Theaterstück wirkt wie ein vertracktes Märchen von parallelen Lebensgeschichten, basierend auf dem Familienroman von Krisztián Grecsó. Mellettem elférsz.
Dem Werk liegt die Idee zugrunde, dass neben Genen und Bräuchen auch unsere Geschichten und Schicksale weitervererbt werden. Die Taten vergangener Generationen, ihre Fehler und Verdienste, können bis in die Gegenwart nachwirken. Der Protagonist des Theaterstücks lebt im Budapest der Gegenwart. Er wird durch das schmerzhafte Ende einer Beziehung, das Auffinden des Tagebuches seiner Großmutter und durch einen Brief, der das Familienlegendar hinterfragt, zu seinem Weg der Identitätssuche veranlasst. Das Leben und die Geschichte dieses jungen Mannes, der sich selbst sucht, wahrnimmt, deutet, entfalten sich parallel dazu, wie er langsam an immer mehr oftmals geheime, wahre Geschichten der Familie gelangt. Alles, was der Protagonist erlebt und erfährt, sehen wir in parallel ablaufenden Geschichten erzählt, die das generationenübergreifende Leben auf einem Bauernhof und in einer Fabrik in den 1930er, 1960er und 1970er Jahren beleuchten. So erfahren wir etwa von einer sich vertiefenden Freundschaft zwischen zwei Männern im Umfeld einer Hanffabrik. (Später tritt einer von ihnen in einen Kirchenorden ein. Seine Geschichte wird zu einer Art Umkehrung der Jonas-Geschichte.) In den 1950er Jahren verliebt sich ein Bauarbeiter hoffnungslos in ein Mädchen aus dem Bürgerstand. Es entwickelt sich ein stürmisches Liebesdreieck, das von einer alten Dame aus der heutigen Zeit nacherzählt wird. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund liefern die großen Zäsuren des 20. Jahrhunderts: der Zweite Weltkrieg, die Revolution von ’56 und die Wende 1989/90. Die Geschichten, in denen es stets um Liebe, Träume und die Beziehung zwischen Mann und Frau geht, spielen sich vor dem Hintergrund dieses sich wandelnden Osteuropas ab.
Der junge ungarische Autor Krisztián Grecsó begann seine literarische Karriere mit Gedichten, feierteseinen ersten großen Erfolg im Jahre 2001 aber mit seinem skandalösen Novellenband Pletykaanyu (übersetzt: Tratschtante). Seitdem erhielt er zahlreiche Preise und seine debütierende Bühnenarbeit Cigányok (übersetzt: ZigeunerInnen) wird seit vier Jahren mit großem Erfolg im József-Katona-Theater (Budapest) gespielt. Sein letzter Roman, Mellettem elférsz (2012), war monatelang der Spitzenreiter der ungarischen Bestsellerlisten und gleichzeitig auch der Roman des Jahres. In der turbulenten Welt des 20. Jahrhunderts begleitet uns der Autor auf eine Reise durch das Karpatenbecken und darüber hinaus, von Rumänien und Siebenbürgen bis nach Österreich und zu den Alpen. Von der Welt der Dienerschicht in den 1930er Jahren gelangen wir über die Budapester Arbeiterschicht der 1950er Jahre bis zu den Ruinenkneipen der Gegenwart.
Dem Stück gelingt es, das alles nicht bloß aufzuzählen und aufzulisten, sondern genussvoll bei den einzelnen Geschichten zu verweilen: Ehen zerfallen, Liebesgeschichten werden neu entfacht. In seiner Regiearbeit beschäftigt sich András Léner oft mit jenen Fragen, die für alle aktuell und wichtig sind: die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der Familie, den Wurzeln und der Geschichte. Die zwei jungen HauptdarstellerInnen des Stücks, die österreichische Sophie Resch und der schweizerisch-ungarische MartinVischer, sind dem Wiener Publikum aus vielen Kurzfilmen, Theater- und Performanceaufführungen bekannt.

Wien, 11. 3. 2014

Open House Theatre: The Picture of Dorian Gray

Januar 28, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Oscar Wilde zu Gast im Theater Brett

Bild: Hannah Neuhuber

Bild: Hannah Neuhuber

Wiens neue englischsprachige Theatergruppe, die Open House Theatre Company, präsentiert ab 15. Februar einen Höhepunkt aus dem Schaffen Oscar Wildes, für die Bühne adaptiert von Alan Burgon: „The Picture of Dorian Gray“. Gespielt wird im Theater Brett. Dorian Gray ist ein naiver junger Mann. Als ihm sein Freund Lord Henry die junge Schauspielerin Sybil Vane vorstellt, verliert er sich in einem Leben aus Extravaganz und Egomanie. Während Dorian scheinbar ewig jung und schön bleibt, altert das Portrait des jungen Lebemanns auf mysteriöse Weise und zeigt die Abgründe seiner Handlungen auf. Wildes skandalöser Bestseller erschien 1891 und läutete den Anfang vom Ende des berühmten Schriftstellers ein. Die düstere Opulenz des spätviktorianischen London trifft auf eine zeitgenössische Interpretation dieser Geschichte, heute vielleicht aktueller denn je – im Angesicht des allgemeinen Strebens nach ewiger Jugend und Schönheit. Zu sehen bis 8. März. Es spielen: Tom Middler (Dorian Gray), Eric Lomas (Lord Henry Wotton), Robert G. Neumayr (Basil Hallward) und Julia C. Thorne (Sybil Vane). Regie & Bühne: Alan Burgon.

Open House Theatre Company: 

Nachdem das International Theatre Vienna nach 37-jährigem Bestehen im Juni 2012 geschlossen wurde, haben sich Eric Lomas, Alan Burgon, Paul Elsbacher und Julia Thorne zur Gründung eines neuen englischsprachigen Theaters für Wien entschlossen: Der Open House Theatre Company, mit der Zielsetzung englischsprachiges Theater in höchster Qualtität sowohl für Erwachsense als auch für Kinder und Jugendliche zu produzieren, das Publikum im Rahmen von Workshops und Seminaren näher an das Medium Theater heranzuführen und dem künstlerischen Nachwuchs einen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Neben den vier Hauptproduktionen stehen auch in der zweiten Saison wieder ein interaktives Stück speziell für Kinder, „Jack and the Beanstalk“, sowie das Open Minds Projekt auf dem Spielplan, bei dem das Publikum aus insgesamt sechs Stück wählen kann, wovon eines in der Spielzeit 2014/2015 produziert wird. Wie in der letzten Spielzeit, beendet Open House seine Saison mit der Sommertheater-Produktion „Shakespeare in the Park“, wo dieses Mal die romantischen Gärten von Schloss Pötzleinsdorf der Schauplatz von „Romeo & Julia“ werden – an alternierenden Abenden in englischer und deutscher Sprache mit derselben Besetzung. Außerdem wird es eine deutschsprachige Fassung des Stückes speziell für Kinder geben.

www.openhousetheatre.at

Wien, 28. 1. 2014