Jüdisches Museum: Ringstraße

März 26, 2015 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein jüdischer Boulevard

palais_todesco_0Das Museum Dorotheergasse zeigt die Ausstellung „Ringstraße. Ein jüdischer Boulevard“. Als nach der Schleifung der Wiener Stadtmauern rund um die Wiener Innenstadt ein Prachtboulevard entstand, wurde dieser zur ersten Adresse des Adels und des Großbürgertums. Unter den Bauherren der prächtigen Palais‘ entlang der Ringstraße waren auch zahlreiche jüdische Unternehmer und Bankiers, die zum wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerjahre beitrugen und als Kunstsammler und Mäzene in Erscheinung traten. Die Kehrseite der glanzvollen Ringstraßenfassaden waren soziale Probleme und eine zunehmende politische Radikalisierung, die im Zuge der massiven ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts auftraten.
Besonders das Kleinbürgertum war als klassischer Modernisierungsverlierer empfänglich für den politisch geschürten Antisemitismus, der sich gleichermaßen der Stereotype des „armen, zerlumpten Ostjuden“, des „sozialistischen, jüdischen Aufwieglers“ oder des „kapitalistischen Wiener Börsejuden“ bediente. Glanz- und Schattenseiten der Ringstraßenära, der gesellschaftliche Aufstieg einer kleinen jüdischen Elite und der alltägliche Überlebenskampf der breiten jüdischen Massen, die politische Instrumentalisierung des Antisemitismus und ihre Folgen sind Thema der Ausstellung im Jüdischen Museum Wien.

www.jmw.at

Wien, 26. 3. 2015

Harald Serafin spielt Max von Mayerling

April 10, 2013 in Tipps

„Sunset Boulevard“ am Stadttheater Klagenfurt

Sunset Boulevard - Harald Serafin, Ensemble Bild: (c) Aljosa Rebolj

Sunset Boulevard – Harald Serafin, Ensemble
Bild: (c) Aljosa Rebolj

Für ihn muss es halt immer ein See sein. Wenn nicht mehr der Neusiedler-, dann eben der Wörthersee. Bis 23. Mai ist „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin am Stadttheater Klagenfurt in der Rolle des Max von Mayerling zu sehen. Keine Sorge, er ist nicht in Uniform und das ist kein k.u.k.-Stück. Vielmehr brachte der neue Intendant Florian Scholz Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical „Sunset Boulevard“ als österreichische Erstaufführung nach Kärnten. Max ist der Butler der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond, die im Tonfilm nicht mehr Fuß fassen kann, doch unerschütterlich an ein Comeback glaubt. Pleitier und Drehbuchautor Joe Gilles will sie zumindest zu einem solchen überreden. Es folgen: Affäre und Mord im Affekt. Ganz großes Kino! Aus dem Jahr 1950 von Billy Wilder mit Gloria Swanson, William Holden und Erich von Stroheim (als Max). Wilder gibt die nicht nur Hollywood betreffenden Themen Erfolgsdruck, Jugendwahn und unsichere Arbeitsverhältnisse beziehungsweise schnelles Karriereende als zeitlos vor. Und weil das Schillernde oft nur Illusion ist, war das Stoff natürlich wie geschaffen für Webbers große Musicalballaden.

Am Stadttheater Klagenfurt spielt Musical-Diva Susan Rigvava-Dumas (Wer erinnert sich nicht mehr an ihren spooky Auftritt als Haushälterin Ms. Denvers in der Vereinigten-Bühnen-Wien-Produktion von „Rebecca“?) die Nora Desmond, David Arnsperger den Joe Gillis. Musikalische Leitung: Mitsugu Hoshino, Regie: Patrick Schlösser. Die deutsche Übersetzung ist von Michael Kunze.

www.stadttheater-klagenfurt.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 4. 2013