Die Vereinigten Bühnen Wien im Live-Onlinekonzert

Mai 1, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Stars singen Hits von „Cats“ bis „Elisabeth“

Carin Filipčić, Oedo Kuipers, Milica Jovanović, Thomas Borchert, Maya Hakvoort, Lukas Perman, Drew Sarich, Mark Seibert und Dominik Hees. Bild: Bild: © Fidelio

Am 3. Mai präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den dritten der hochkarätigen Musik- abende live aus dem Großen Sendesaal des RadioKultur- hauses. Nach dem fulminanten Auftakt mit Operngrößen wie Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und Juan Diego Flórez und der Fortsetzung mit der Volksoper laden nun die Stars der Vereinigten Bühnen Wien auf eine Reise durch die Welt der Musicals.

Den Abend eröffnet Lukas Perman, der auch durch denselben führt, mit der Nummer „A bisserl für’s Hirn“ aus „Mozart!“. Carin Filipčić, die erst kürzlich noch als Grizabella in „Cats“ auf der Bühne stand und im Live-Konzert den Welthit „Erinnerung“ zum Besten geben wird, singt mit „Gold von den Sternen“ außerdem eine der wohl beliebtesten Balladen des Musicals „Mozart!“. Per Videogruß meldet sich Oedo Kuipers mit der bewegenden „Mozart!“-Melodie „Warum kannst du mich nicht lieben?“. Stimmgewalt braucht es für den Titelsong „Rebecca“ aus dem gleichnamigen Musical – dargeboten von Musical-Ikone Maya Hakvoort, die auch in ihrer Paraderolle als Kaiserin in „Elisabeth“ mit den Liedern „Ich gehör’ nur mir“ und „Nichts!“ glänzen wird. Drew Sarich präsentiert aus derselben Produktion in der Rolle des Luigi Lucheni „Kitsch!“ sowie in der Partie des Tods „Der letzte Tanz“.

Gänsehaut-Momente aus dem internationalen Musical-Erfolg „Tanz der Vampire“ garantieren „Die unstillbare Gier“ des Grafen von Krolock – ebenfalls gesungen von Drew Sarich – und die romantische Ballade „Für Sarah“, dargeboten von Lukas Perman. Aus dem VBW-Musical „Schikaneder“ präsentieren Milica Jovanović und Dominik Hees die Hymne des Musicals „Träum groß“. Mark Seibert schickt einen musikalischen Gruß mit der Nummer „Letzter Vorhang“. Jovanović und Hees singen außerdem „Liebe endet nie“ aus „Der Besuch der alten Dame“ und aus „Don Camillo und Peppone“ das Duett „Du und ich auf einer Insel“. Und auch Musical-Star Thomas Borchert sendet mit „36 Häuser“ in der Rolle des Don Camillo eine musikalische Videobotschaft. Zum Finale darf man sich auf die beliebtesten Hits aus „I am from Austria“ freuen – dargeboten von Lukas Perman und Carin Filipčić. Außerdem gibt es internationale Grüße aus Korea, Japan und Paris.

Konzert-Conférencier Lukas Perman und Iréna Flury in „I am from Austria“. Bild: Deen van Meer/VBW

The one and only „Elisabeth“ Maya Hakvoort. Bild: © Schloss Schönbrunn, Wien. Moritz Schell/VBW

Dominik Hees als rebellischer „Cats“-Rockstar Rum Tum Tugger. Bild: Deen van Meer/VBW

Milica Jovanovic und Mark Seibert als Eleonore und Emanuel „Schikaneder“. Bild: Rafaela Proell/VBW

Anschließend an das Live-Konzert bringt ORF III eine Aufzeichnung von „I am from Austria“. Gezeigt wird die Original-Inszenierung von Andreas Gergen, die 2017 ihre Weltpremiere im Raimund Theater hatte. Die Autoren Titus Hoffmann und VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck kreierten aus mehr als 20 Hits von Rainhard Fendrich, darunter „Macho Macho“, „Es lebe der Sport“, „Strada del Sole“ und natürlich „I am from Austria“, ein fröhlich-freches Stück voller Romantik, Überraschungen und Situationskomik. In den Hauptrollen sind Iréna Flury, Lukas Perman, Elisabeth Engstler, Andreas Steppan, Dolores Schmidinger und Martin Bermoser zu sehen.

Für September ist dann „Miss Saigon“ mit Newcomerin Vanessa Heinz und VBW-„Mozart“ Oedo Kuipers als große Wiedereröffnungs-Premiere im Raimund Theater geplant. Trailer: www.youtube.com/watch?v=YLA-byCZT4A

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1. 5. 2020

„Evita“ kehrt nach Wien zurück: Premiere im Ronacher

Dezember 2, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas Borchert und Drew Sarich als Perón und Che

EV_DINA4_Solo_300dpiAndrew Lloyd Webbers und Tim Rices Welterfolg „Evita“ wird wieder in Wien zu sehen sein: Am 9. März ist Premiere im Ronacher. Damit kehrt das berühmte Musical nach 35 Jahren erstmals wieder in der Fassung von Michael Kunze an den Ort zurück, an dem die deutschsprachige Erstaufführung stattfand. Am Mittwoch präsentierte Vereinigte-Bühnen-Intendant Christian Struppeck die Pläne für die Produktion: „Ich bin außerordentlich stolz, den berühmten Hollywood-Regisseur Vincent Patterson für die Regie und Choreographie unserer neuen Fassung gewonnen zu haben, der schon die preisgekrönte Verfilmung mit Weltstar Madonna in der Titelrolle choreographiert hatte. Und natürlich freut es mich ebenso, dass wir mit unseren Stars Katharine Mehrling, Drew Sarich und Thomas Borchert eine hochkarätige Besetzung gewinnen konnten.“

Patterson war bei der Präsentation des Casts nicht anwesend, bekam von Evita-Darstellerin Katharine Mehrling allerdings seltsame Blumen gestreut: „Wenn er mit einer Person spricht, dann kriecht er fast in sie hinein.“ Die deutsche Schauspielerin und Sängerin hat mit dem Musical ihre persönliche Wien-Premiere, die anspruchsvolle Titelrolle aber schon gesungen. „Man muss diese Figur verstehen, um sie lieben zu können“, unterstrich sie ihren Bezug zur argentinischen Diktatorengattin und Ikone. Ihr sei lieber, wenn ein Charakter nicht platt, sondern mehrdimensional und durchaus kritisch zu betrachten sei. Und bei Evita gehe es genau um diese Janusköpfigkeit zwischen Heiligenschein und Grausamkeit. Mehrling zur Seite stehen zwei hiesige Publikumslieblinge: Thomas Borchert als Präsident Juan Perón – derzeit ist er als Vater Leopold in „Mozart!“ zu sehen – und Wahl-Wiener Drew Sarich als Frauenheld und Revolutionär Che. „Che ist eine herrliche Rolle“, schwärmt er. „Nicht nur, weil er der einzige ist, der mit dem Publikum spricht und es auf seine Seite zieht. Er ist charismatisch, charmant und sexy. Er und Evita sind wie zwei wilde Tiere, darauf aus, sich gegenseitig zu zerfleischen. Was will man von einer Rolle mehr?“

Bei diesem Cast denkt Christian Struppeck bereits jetzt laut über eine Verlängerung nach: Sie sei möglich, wenn die Auslastungszahlen stimmen.

www.musicalvienna.at

Wien, 2. 12. 2015

Interview mit Luk Perceval

Februar 8, 2013 in Bühne

Luk Perceval nennt das Werk von Wolfgang Borchert einen „Herzensschrei“.
10.01.2012, von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/8

Luk Perceval über „Draußen vor der Tür“

„Uns wird mit dem Wort ,Krise‘ Angst gemacht“, so Luk Perceval, der „Draußen vor der Tür“ im Landestheater NÖ zeigt.

Das Stück, rezensierte Die Welt höchst angetan, „ist praktisch für Luk Perceval geschrieben worden.“ Ein Kompliment, dass den Regisseur naturgemäß freut: „Manchmal ist man einfach füreinander bestimmt.“

Der flämische Theatermacher inszenierte Wolfgang Borcherts Kriegsheimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“ im April am Hamburger Thalia Theater und zeigt es nun (12./13. 1.) als Gastspiel am Landestheater Niederösterreich in St. Pölten. 1947, in acht Tagen, schrieb Borchert die Geschichte seines Antihelden Beckmann, der in Stalingrad zum Kriegsgefangenen wurde, nach seiner Heimkehr keinen Platz im Leben mehr findet – fremder Mann im Ehebett, fremde Leute im Elternhaus – und ergo aus diesem scheidet.

Einen „Herzschrei“ nennt Perceval Borcherts Werk. Der Autor erlebte die Uraufführung seines seltsamen Mix aus Realismus, Allegorie und Traum (es kommen Gott, Tod und Mutter Elbe vor) nicht mehr. Er starb am Tag davor. Mit 26 Jahren. Die mehrfache Inhaftierung durch die Nazis wegen „Wehrkraftzersetzung“ hatte seine Gesundheit zerstört.

Ein Gedicht

„Draußen vor der Tür“, erzählt Perceval, sei das erste Theaterstück gewesen, das er je gelesen habe. Er fand das Buch mit 17 in einer Antwerpener Bibliothek.

Nun, 37 Jahre später, beim Wiederlesen, beim Auf-die-Bühne-Heben, entdeckte er darin „ein Gedicht“. Und machte sich genüsslich daran, dessen Verse durcheinander zu wirbeln. Sein Beckmann stand nicht mehr in Russland an der Front, sondern war „auf Friedensmission“ in Afghanistan. „So nennen Politiker und Medien den Einsatz dort doch“, ereifert sich Perceval. „Und verschleiern per Wortwahl, dass es immer noch deutsche Kriegsheimkehrer, schwer traumatisierte, zerstörte Existenzen gibt.“

Seinen Beckmann spielt Felix Knopp, hauptberuflich Sänger der Band „My Darkest Star“. Deren Musik in Hardrock-Lautstärke bestimmt den Abend. Borcherts durchaus pathetischer Text lässt sich schöner singen als sprechen. Mit Knopp agieren Barbara Nüsse – „in allen autoritären Rollen“ –, Burgstar Michaels Vater Peter Maertens und acht Darsteller vom Thalia-Behindertentheater-Projekt „Eisenhans“.

Vor Borchert inszenierte Perceval Hans Falladas „Kleiner Mann – was nun?“. Als nächstes ist eine Dramatisierung von dessen neu aufgelegtem Widerstandsroman „Jeder stirbt für sich allein“ dran.

Solidarität

Was ihn an dieser Literatur aus den 40er-Jahren interessiert? „Wie die Autoren die Hilflosigkeit des Einzelnen im Getriebe der Geschichte beschreiben“, so Perceval. „Das hat viel mit uns zu tun. Uns wird ständig mit dem Wort ,Krise‘ Angst gemacht. Ratingagenturen bestimmen über Sein oder Nichtsein. Dagegen muss man sich solidarisieren, muss Mittel suchen, damit das sozial gesinnte Europa nicht abgebaut wird.“

Am Theater, sagt er, wird er die Lösung nicht finden. Aber er kann doch die Frage danach stellen.