Rabenhof: Jö Schau

April 25, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Genialische Hommage an Georg Danzer

Jö Schau: Oliver Welter, Christoph Krutzler und Lucy McEvil singen Georg Danzer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman & Co

Beim Intro von „Jö Schau“ ist bereits klar, dass hier nicht nach Vorschrift musiziert werden wird. „Der Nackerte im Hawelka“ wird nämlich als Viergesang intoniert, die ausführenden Akteure sind Lucy McEvil, Christoph Krutzler, Oliver Welter und Alf Peherstorfer, das Nestroypreis-Quartett für den André-Heller-Abend „Holodrio, lass mich Dein Drecksstück sein!“ im Rabenhof. Nun haben sie sich ebendort das Œuvre von Georg Danzer vorgenommen, und genialischer als mit dieser Hommage kann man den legendären Liedermacher gar nicht würdigen.

Oliver Welter hat als musikalisches Mastermind der Unternehmung die Songs neu arrangiert, Hausherr Thomas Gratzer wie schon bei „Holodrio“ die Regie übernommen – mit dem Ergebnis einer Aufführung, die das gestrige Premierenpublikum am Ende ausgiebig akklamierte.

„Jö Schau“ führt in die Wiener Vorstadt und zur dort beheimateten Halbwelt. Veronika Tupy stellt dafür ein Café-Beisl auf die Bühne, das definitiv schon bessere Tage erlebt hat, ein 70er-Jahre Setting samt Flipper und ausrangiertem Autodrom-Mobil, auf den Tischen die Zeugen der Nacht, Gösser, Stoli und Asbach.

In diesem Etablissement geben Lucy McEvil, Oliver Welter und Christoph Krutzler die Trottoirschwalbe in der Leoparden-Kombinesch, den Ledersakko-Strizzi und den Goldketterl-überm-Feinripp-Träger, Peherstorfer in bewährter Manier den Barpianisten. Die Gemütslage unter den Gestrandeten in dieser schäbigen Spelunke ist Langeweile, man wartet auf einen Kunden oder den Rausch, und weil beides nicht kommt, hebt man halt zur Singerei an. Das heißt, nicht nur.

Das Ensemble interpretiert diverse Danzer-Texte auch ohne Tonkunst, und tatsächlich, gesprochen erweist sich umso deutlicher, welch großer Poet der gegen seinen Willen mit dem Austropop-Mascherl Versehene war. Welters Werk-Auswahl beinhaltet sowohl die großen Hits als auch wiederzuentdeckende Kleinode, sie reicht von den Spaßliedern übers Schwermütige bis zu den gesellschaftskritischen Songs, und selbstverständlich hinüber ins Suderantische und Versaute. Die Darsteller machen aus Danzers mit Gaudenzdorfer Auskennertum geschaffenen Miniaturen allerhand Typen – solche zum Bemitleiden und solche zum Abgrausen. Mit Charme und Witz und Hang zum Kabarettistischen gestalten sie des Schöpfers Ang’soffene und Ang’speiste, Kniera und Tachinierer, Gfrastsackln und Auf-die-Goschn-Gefallene, seine alter egoistischen Hirnzermarterer und die Zyniker.

Lucy McEvil als Elfi mit Alf Peherstorfer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman & Co

Vorstadtcasanova Christoph Krutzler greift zur Gitarre. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman & Co

Lucy McEvil kann sogar ein „Geh in Oasch“ mit Sexappeal ausstatten und ergreifen, wenn sie über „Meine arme tote, aufgeschnittene Mutter“ sinniert, Oliver Welter darf zwischen „Ruaf mi net aun“ und dem „Legendären Wixxerblues“ sein Selbstmitleid verschmachten, mitunter dazu countrymäßig heulen wie ein Schlosshund, und gemeinsam mit Christoph Krutzler la Lucy im Dialog „San Sie ledig/Zieh dich aus“ als Möchtegernmacho bedrängen. Aus der „Elfi“ fertigen McEvil und Welter ein Duett, singt sie eben „du woast dreizehn joa“ und er „du woast anazwanzg und wunderscheh fia mi“, die „Ballade vom versteckten Tschurifetzen“, auf Hochdeutsch: ein Intimpflegetuch nach dem Geschlechtsverkehr, präsentiert McEvil mit Alf Peherstorfer als Rap.

Danzers Stücke eignen sich perfekt fürs Schauspielen, eine Disziplin, in der Christoph Krutzler zur Hochform aufläuft, der im ebenfalls gemeinsam mit Welter vorgetragenen Mix von „I verlass di/I wünsch da vü Glück“ und der Zeile „laß die mutter sche griaßen / und der nachbarin ihr’n hund“ eine neue Dimension weinerlicher Tragikomik anpeilt. Als so großmäuliger wie minderbegabter Mime macht er aus „Ich bin da Mörda“ ein Kabinettstück, als „Vorstadtcasanova“ greift er zur Klampfn, um die Damen zu Gitarrenklängen „übas glanda“ zu biagn. Es rührt ans Herz, Danzers Dialekt- und Kraftausdrücke, seine Wienerismen zu hören, die mittlerweile so akut vom Aussterben bedroht sind.

Mittendrin wird’s – wiewohl die Lieder alle zu Beginn der 1980er-Jahre entstanden sind – politisch, brisant, hochaktuell. Lucy McEvil singt  „Ruhe vor dem Sturm“, Christoph Krutzler über „Die Freiheit“, die im Zoo als seltene Art ausgestellt worden, hinter Gittern aber spurlos verschwunden ist. Dem Song hat Oliver Welter einen afrikanischen Rhythmus unterlegt, während er, als „Der alte Wessely“ von Hitler schwärmt, der „mid der gaunzn ausländischn bruat“ aufgeräumt hätte, sein Klavierspiel ins Atonale gleiten lässt. Schließlich „Ihr habt die Macht“: „euch geht es nicht um unser wohl / das lässt euch völlig kalt / und hinter eurem lächeln steckt / die fratze der gewalt / das recht, das ihr euch anmaßt / heißt nicht gerechtigkeit / gesetze panzern eure welt / doch nicht für alle zeit / noch täuscht ihr viele / doch ihr seid von einigen durchschaut / und irgendwann da kommt der tag / wo euch kein mensch mehr traut / ihr haltet uns in finsternis / doch wir entzünden licht / ihr habt die macht / noch habt ihr sie – / unsre liebe / habt ihr / nicht“.

Geh in Oasch: Lucy McEvil, Oliver Welter, Christoph Krutzler und Alf Peherstorfer. Bild: © Rabenhof / Sophie Menegaldo Newman & Co

Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer natürlich „Lass mi amoi no d’Sunn aufgehn’n segn“ am Schluss und Standing Ovations danach, außer, dass man gern noch den „Frauenmörder Wurm“ oder die „Alte Drecksau“ oder übers Haschisch im Schokoladenei gehört hätte … oder … oder … oder? Verehrter Herr Danzer, meine Verehrung, habedere, werte Rabenhof-Truppe.

Video: www.youtube.com/watch?v=ajScO1D7hBw&feature=youtu.be

www.rabenhoftheater.com

  1. 4. 2019

Albertina: Rubens bis Makart. Rudolf von Alt

Februar 13, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum 300-Jahr-Jubiläum: Die Sammlungen Liechtenstein

Peter Paul Rubens: Venus vor dem Spiegel, um 1614/15. © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Anlässlich des dreihundertjährigen Gründungsjubiläums des Fürstentums Liechtenstein präsentiert die Albertina ab 15. Februar unter dem Titel „Von Rubens bis Makart“ eine umfassende Auswahl der herausragendsten Werke der Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein. Gleichzeitig widmet das Haus unter dem Titel „Rudolf von Alt und seine Zeit“ dem Wiener Aquarell als einem wesentlichen Kernbestand der Fürstlichen Sammlungen eine Jubiläumsausstellung.

Weit mehr als einhundert der bedeutendsten Gemälde und Skulpturen aus der erlesenen Kollektion eines der traditionsreichsten Häuser Europas spannen einen beeindruckenden Bogen von der italienischen Frührenaissance über das Zeitalter des Barocks bis zum Wiener Biedermeier und dem Historismus der Makart-Ära. Ikonische Werke wie Anticos erst jüngst für die Fürstlichen Sammlungen erworbene Büste des Marc Aurel, die lebensgroßen Bronzeplastiken des Adrian de Fries oder Peter Paul Rubens’ berühmte „Venus vor dem Spiegel“ stehen dabei im Mittelpunkt der Schau.

Die eine veritable Promenade durch fünf Jahrhunderte Kunstgeschichte ermöglicht. Seit mehr als 400 Jahren ist die kontinuierliche und leidenschaftliche Sammeltätigkeit der Fürsten dokumentiert: Geprägt von oft schillernden Persönlichkeiten und ihren individuellen künstlerischen Vorlieben formte sich so eine private Kollektion, die bis heute ihresgleichen sucht. Als Ort, an dem die Fürstliche Familie bis 1938 einen ständigen Wohnsitz unterhielt, hat Wien eine exzeptionelle Bedeutung: Unter Fürst Johann Adam Andreas I., auf den auch die Erwerbung zahlreicher Hauptwerke des flämischen Barocks zurückgeht, wurde die Sammlung ab 1705 in der zweiten Beletage des neuen liechtensteinischen Stadtpalais in der Bankgasse präsentiert. Im Jahr 1810 machte Fürst Johann I. von Liechtenstein seine Meisterwerke im Gartenpalais in der Rossau erstmals der Wiener Öffentlichkeit zugänglich. Während des Zweiten Weltkriegs verlegte die Familie ihren Wohnsitz und damit auch die Sammlungen nach Liechtenstein.

Quentin Massys, der Ältere: Die Steuereintreiber, späte 1520er-Jahre. © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Friedrich von Amerling: Porträt der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein im Alter von zwei Jahren, 1836. © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Die Ausstellung zeigt die größten Schätze der liechtensteinischen Sammlungen und führt so exemplarisch ihren überragenden Reichtum vor Augen. Im Unterschied zur permanenten Präsentation in den beiden Wiener Palais, in denen die Werke mehr oder weniger in ihrem angestammten Kontext erlebbar sind, liegt eine der zentralen Absichten dieser Ausstellung in der neuen Kontextualisierung: Der reduzierte Rahmen der Albertina und ihrer modernen Räumlichkeiten ermöglicht einen frischen Blick auf die gezeigten Hauptwerke. Vorrangiges Ziel war dabei weniger eine kunsthistorisch stringente als vielmehr eine von ästhetischen Gesichtspunkten bestimmte Form der Präsentation. Durch alternative Gruppierungen oder gezielte Isolation erzählen die Gemälde und Skulpturen nun gänzlich andere Geschichten.

Rudolf von Alt und seine Zeit

Rudolf von Alt: Das Treppenhaus des k.k. Hof-Operntheaters, 1873. © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Der zweite Teil der Jubiläumsausstellung widmet sich dem Wiener Aquarell vom Biedermeier bis zum Realismus. Nahezu 100 der schönsten Aquarelle repräsentieren nicht nur die kenntnisreiche fürstliche Sammelleidenschaft, sondern geben zugleich einen gültigen Überblick über die Aquarellkunst dieser Ära.

Der spontane Umgang mit Licht und Kolorit spielt in dieser Wasserfarbenmalerei eine zentrale Rolle und vermittelt eine Intensität und Präsenz, die in anderen Medien kaum erreicht werden kann. So spiegelt sich etwa die schillernde Pracht adeliger Wohnkultur in den repräsentationsbewussten Interieurs der liechtensteinischen Palais in Wien, die Rudolf von Alt über Jahrzehnte hinweg im Auftrag der Familie anfertigte. Auch außerhalb der Stadt unterhielt die Fürstliche Familie zahlreiche Besitztümer: Alts unvergleichlich lebendige Impressionen der Schlösser Eisgrub und Feldsberg mit ihrem jeweiligen Umland sind heute wertvolle Erinnerungen an eine vergangene Welt voller Schönheit und Opulenz.

Einen maßgeblichen Bereich dieser außerordentlich facettenreichen Epoche österreichischen Kunstschaffens stellt das Wiener Porträt dar: Moritz Michael Daffingers repräsentative Bildnisse der Liechtenstein und anderer Mitglieder der Wiener Gesellschaft beeindrucken ebenso wie Peter Fendis schnelle Momentaufnahmen der Fürstlichen Familie. Als exemplarischer Überblick nur der qualitätsvollsten Blätter illustriert die Ausstellung der Albertina somit die außerordentliche Vielfalt der grafischen Sammlung einer Fürstlichen Familie, die sich als Patronin der Künste auch im täglichen Leben stets mit Aquarellen und ihren Schöpfern umgab.

www.albertina.at

13. 2. 2019

Belvedere: Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938

Januar 21, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Unterdrückt, unterschätzt, kaum wahrgenommen

Helene Funke: Akt in den Spiegel blickend, 1908-1910 © Belvedere, Wien. Bild: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

Im Kanon der Kunstgeschichte werden sie bis heute kaum genannt. Die Künstlerinnen, die zur Zeit der Wiener Moderne und der Ersten Republik in Österreich mit ihren Werken einen wesentlichen Beitrag zum Kunstgeschehen geleistet haben, wie etwa Elena Luksch-Makowsky, Broncia Koller-Pinell, Helene Funke oder Erika Giovanna Klien. Im Unteren Belvedere ist diesen Frauen nun ab 25. Jänner die längst überfällige Präsentation „Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“ gewidmet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Frauen, die Künstlerinnen werden wollten, massiv benachteiligt. Sie durften nicht an der Akademie studieren und hatten nur eingeschränkten Zugang zu Künstlervereinigungen. Damit reduzierten sich für sie auch die Ausstellungsmöglichkeiten. Trotz dieser Hürden gelang es einigen von ihnen, erfolgreich eine Karriere aufzubauen. Sie waren in der damaligen Kunstszene aktiv und stellten in der Secession, im Hagenbund, im Salon Pisko und in der Galerie Miethke aus.

Obwohl in den vergangenen Jahren Leben und Werk mancher der damals renommierten Künstlerinnen erforscht und in Retrospektiven aufgerollt worden sind, werden ihre Arbeiten bis heute in ihrer Bedeutung unterschätzt und kaum wahrgenommen. Ziel der Ausstellung im Belvedere ist, den Blick auf die Wiener Moderne und die Zwischenkriegszeit zu erweitern. Im Mittelpunkt stehen Künstlerinnen, die viel zur Kunst dieser Zeit beigetragen haben. Zum Teil werden wiederentdeckte Werke gezeigt, die erstmals präsentiert werden. Vor allem würdigt die Schau jedoch die Beiträge der heute großteils vergessenen Künstlerinnen zu den Kunstrichtungen Stimmungsimpressionismus, Secessionismus, Expressionismus, Kinetismus oder Neue Sachlichkeit.

Elena Luksch-Makowsky: Ver Sacrum. Selbstbildnis mit Sohn Peter, 1901. Bild: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

Helene von Taussig: Weiblicher Akt auf blauem Stuhl, 1920 /30. Bild: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu sehen sind Werke von Ilse Bernheimer, Maria Cyrenius, Friedl Dicker, Marie Egner, Louise Fraenkel-Hahn, Helene Funke, Greta Freist, Margarete Hamerschlag, Fanny Harlfinger-Zakucka, Hermine Heller-Ostersetzer, Johanna Kampmann-Freund, Elisabeth Karlinsky, Erika Giovanna Klien, Broncia Koller-Pinell, Frida Konstantin Lohwag, Elza Kövesházi-Kalmár, Leontine von Littrow, Elena Luksch-Makowsky, Mariette Lydis, Emilie Mediz-Pelikan, Teresa Feodorowna Ries, Mileva Roller, Frieda Salvendy, Emma Schlangenhausen, Anny Schröder-Ehrenfest, Lilly Steiner, Helene Taussig, Ilse Twardowski-Conrat, My Ullmann, Olga Wisinger-Florian, Grete Wolf Krakauer oder Franziska Zach.

www.belvedere.at

21. 1. 2019

Leopold Museum: Klimt, Waldmüller, Verborgene Schätze

Dezember 6, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei neue Ausstellungen zum Reopening

Otto von Thoren: Skizze zum Seebad bei Trouville, um 1880. Bild: © Leopold Museum, Wien

Nach einem Monat Umbauphase eröffnet das Leopold Museum heute mit drei neuen Ausstellungen. Zu sehen ist Wege ins Freie. Von Waldmüller bis Schindler. Der ästhetische Rahmen der Gattung Landschaftsmalerei war im 19. Jahrhundert überaus breit. Wurde die freie Natur in der Romantik als bedrohliche Kulisse oder entrückter Sehnsuchtsort auf die Leinwand gebannt.

So konnte sie in der Biedermeierzeit als lichtdurchflutete Bühne des ländlichen Alltags fungieren. Die Bildanekdoten von Ferdinand Georg Waldmüller und Friedrich Gauermann bestechen dabei durch überrealistische Helldunkel-Kontraste, welche die dargestellten Szenerien gleichsam zu einer Parallelnatur erhoben. Einen anderen Weg ging ab 1860 jene jüngere Generation, deren Spiritus Movens und Zentralfigur der „österreichische Corot“ Emil Jakob Schindler war. Unter Verwendung dezenter Farbtöne huldigte dieser KünsterInnenkreis den unspektakulären, von lyrischen Stimmungen durchwehten Landschaftsstrichen.

Sowohl die idyllische Umgebung der Donaumetropole als auch Westfrankreich, Italien, Dalmatien, die Niederlande und Ungarn waren Ziele ihrer ausgedehnten Malausflüge. Synergetische Effekte ergaben sich aus der Auseinandersetzung mit der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon, der Haager Schule, der Münchner Schule sowie der holländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Malerinnen und Maler des österreichischen Stimmungsrealismus fanden dabei zu individuellen, teils höchst eigenwilligen Lösungen. In der Ausstellung „Wege ins Freie“ werden Werke von Rudolf Ribarz, Robert Russ, Eugen Jettel, Otto von Thoren, Anton Romako und August von Pettenkofen gezeigt. Ein besonderes Augenmerk gilt Tina Blau-Lang, die sich als herausragende Landschaftsmalerin in einem männlich dominerten Metier behaupten konnte und sich als Kunstlehrerin verdient machte. Wechselbeziehungen zwischen den Kunstmetropolen Wien und Paris sowie das Verhältnis mancher Maler zum jungen Medium Fotografie werden ebenso berücksichtigt.

Klimt – Moser – Gerstl präsentiert ausgewählte Werke der Hauptvertreter des Wiener Jugendstils Gustav Klimt und Koloman Moser sowie des wegweisenden Frühexpressionisten Richard Gerstl. Gustav Klimts Schaffen markiert den Anfang der modernen Kunst in Österreich. Zwei Jahrzehnte bevor Klimt als streitbarer Kämpfer gegen die Kunst des Historismus auftrat, war er selbst Teil dieser auf klassische Traditionen sich berufenden kulturellen Epoche. Ein künstlerischer Paradigmenwechsel und die Ausbildung eines individuellen Stils setzten bei Klimt Mitte der 1890er-Jahre ein, als er erste Entwürfe zu den Fakultätsbildern für die Universitätsaula anfertigte. Mit seinem ornamental-dekorativen Stil wurde er nicht nur zum bedeutendsten Vertreter der Secession, sondern auch ein begehrter Porträtist für die Damen des wohlhabenden Wiener Großbürgertums. Ab der Jahrhundertwende entstanden zudem elegische Landschaftsbilder, die seinen Ruhm zusätzlich steigerten. In dem Gemälde Tod und Leben aus der Sammlung des Leopold Museum setzt sich Klimt auf unbewusst traumhafte Weise eindrücklich mit dem Naturkreislauf von Entstehen und Vergehen auseinander.

Gustav Klimt: Ausschnitt aus Tod und Leben. Bild: © Leopold Museum

Michael Powolny: Hermenvase, um 1906. Bild: © Leopold Museum, Wien, Inv. 4601

Koloman Moser wurde einer der prägendsten Gestalten der Secession. Als „Tausendkünstler“ (Hermann Bahr) bezeichnet, lieferte er zahlreiche Illustrationsbeiträge für die Zeitschrift Ver Sacrum, zeichnete als Ausstellungsgestalter für viele Secessionsausstellungen verantwortlich, war Professor an der Kunstgewerbeschule, Mitbegründer (mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer) und vielbeschäftigter Entwerfer der Wiener Werkstätte, Bühnenbildner und nicht zuletzt Maler von Landschaften und symbolistischen Figurendarstellungen. Richard Gerstl, von dem das Leopold Museum Dank des Sammlers Rudolf Leopold die umfangreichste Sammlung besitzt, widersetzte sich sowohl stilistisch wie auch inhaltlich dem Programm der Wiener Secession. Entgegen aller Traditionen schuf er ein radikal unkonventionelles, wenngleich schmales OEuvre, das auf stilistischen Experimenten aufbaute und ihn als Wegbereiter des österreichischen Expressionismus kennzeichnet.

Verborgene Schätze II rückt zentrale Werke der Sammlung des Leopold Museum ins Scheinwerferlicht, die aufgrund ihres prekären Erhaltungszustandes lange nicht ausgestellt werden konnten. Die Ausstellung gibt spannende Einblicke in den Facettenreichtum der Sammlung. Präsentiert werden Gemälde von Tina Blau, Koloman Moser und Anton Kolig, Grafiken von Lovis Corinth, Bertold Löffler und Maria Likarz-Strauss sowie wichtige kunsthandwerkliche Objekte und Möbel von Dagobert Peche, Josef Hoffmann und Otto Wagner. Zugleich reflektiert die Schau eine der zentralen Aufgaben des Museums, die neben der Erforschung, Vermittlung und Präsentation von Kunstwerken gerade in deren Bewahrung für unser kulturelles Gedächtnis besteht. Seit der ersten von Direktor Hans-Peter Wipplinger initiierten Präsentation des Projekts „Verborgene Schätze“ im Jahr 2016 konnten zahlreiche PatInnen gewonnen werden, die durch ihr großzügiges finanzielles Engagement dazu beigetragen haben, diese Schätze in Zukunft der Öffentlichkeit wieder dauerhaft zugänglich zu machen.

Der Vergleich zwischen Objekten, deren Restaurierung bereits abgeschlossen wurde und jenen „Schätzen“, die noch gehoben werden müssen, gibt Einblick in das breite Spektrum an konservatorischen bzw. restauratorischen Möglichkeiten von heute. Diese reichen von Maßnahmen im Sinne einer grundlegenden Substanzsicherung über solche, die sich auf das optische Erscheinungsbild oder die Präsentation des Kunstwerks beziehen bis hin zu präventiven Methoden.

www.leopoldmuseum.org

6. 12. 2018

Karikaturmuseum Krems: Ironimus 90. Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018

Februar 28, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Bislang Unveröffentlichtes aus dem „Unruhestand“

Ironimus, Zehn Impressionen, 1958 © Ironimus Archiv

Ab 3. März zeigt das Karikaturmuseum Krems die Schau „Ironimus 90. Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018“. Die Ausstellung zum 90. Geburtstag des Karikaturisten und der Zeichnerlegende zeigt neue, bislang unveröffentlichte Cartoons aus dem „Unruhestand“. Die humorvollen Zeichnungen der Jubiläumsausstellung geben einen besonderen Einblick in das Schaffen von Ironimus.

Mit mehr als 12.000 Karikaturen, über 30 Büchern und rund 100 Ausstellungen blickt Ironimus auf eine beispiellose Karriere zurück. Seine ORF-Sendungen „Die Karikatur der Woche“ und „Der Jahresrückblick in der Karikatur“ erreichten ein Millionenpublikum. Unter seinem bürgerlichen Namen wurde Gustav Peichl als Architekt bekannt, zum Beispiel durch den Bau der ORF-Landesstudios in Graz, Dornbirn, Eisenstadt, Salzburg, Innsbruck, St. Pölten und Linz, den Neubau des Städel Museums, der Bundeskunsthalle in Bonn und des Karikaturmuseum Krems. Aus diesem Anlass präsentiert das Karikaturmuseum Krems zu seinem 90. Geburtstag eine Jubiläumsausstellung mit seinen besten, nicht politischen Zeichnungen. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Ironimus‘ Sohn, dem Kurator und Galeristen Markus Peichl kuratiert, dadurch erhält der Besucher einen sehr feinfühligen Blick in das Schaffen seines Vaters.

Ironimus , Metamorphosen, Nr. 32, 2016 © Ironimus Archiv

Ironimus, Metamorphosen, Nr. 10, 2015 © Ironimus Archiv

Mehr als 60 Jahre lang hat Ironimus mit spitzer Feder das politische Zeitgeschehen aufs Korn genommen, ehe er sich Ende 2014 zur Ruhe setzte. Der zeitliche Bogen der Arbeiten spannt sich von 1948 bis 2018 und präsentiert das zeichnerisch-humoristische Repertoire des Cartoonisten. Wie der Titel schon verrät, stehen nicht die (tages-)politischen Zeichnungen im Vordergrund. Feinsinnige Cartoons und hintergründige Beobachtungen, die mit der Doppelbödigkeit des Lebens und der Kunst spielen, sind in der Schau ein zentrales Thema. Sie führen die Absurdität der kleinen, alltäglichen Momente vor Augen.

Witzige, bisweilen absurde Situationen wechseln sich mit intelligenten Kurzgeschichten ab, unerwartete Perspektiven treffen neue ungewöhnliche Bild-Metamorphosen. Allesamt haben die Originale eine klare Formulierung und die unverkennbare Handschrift von Ironimus. Politisch aufgeladen finden sich viele dieser Bildideen in den Editorial Cartoons des Künstlers wieder. Genau diese Kombination und die Einzigartigkeit Ironimus‘ sind weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und geschätzt.

www.karikaturmuseum.at

28. 2. 2018