theaterfink: Auferstehung der hingerichteten Theresia K** oder Das Mordsweib vom Hunglbrunn

August 30, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Theresias Geist macht den Täter dingfest

Am Ufer des Liesingbachs liegt eine Frauenleiche: Matjaz Verdel, Walter Kukla und Sabine Perle. Bild: Joseph Vonblon

Keinen historischen Kriminalfall, sondern einen fiktiven in der Gegenwart handelnden zeigt theaterfink in seiner aktuellen Produktion. Nach dem vorjährigen Streifzug durch die Wiener Rechtsgeschichte mit dem „Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K**“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25243, es gibt neue Termine am 31. 8. sowie am 7. 14. und 21. 9.) spielt die Truppe rund um Prinzipalin Susita Fink und Dramaturgin Karin Sedlak bis

22. September die „Auferstehung der hingerichteten Theresia K** oder Das Mordsweib vom Hunglbrunn“. Gemordet wird diesmal in Atzgersdorf, Wien-Liesing, und das gleich in Serie. Nicht weniger als acht Frauen fallen dem Täter zum Opfer, wie es scheint haben sie sich zu Tode gelacht. Die einzige Auffälligkeit: Ihr Meuchler hat ihnen die Namen berühmter Frauenrechtlerinnen in die Haut geritzt. Den Stoff hat theaterfink anlässlich der Jubiläen 170 Jahre Kampf für Gleichberechtigung und 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich gewählt, und wiewohl das Stationentheater wie stets ein wunderbarer Mix aus Schau- und Puppenspiel ist, dient die Wanderung diesmal auch als Lehrstück in Sachen Emanzipation.

Während also das Publikum dem Akkordeonspiel von Heidelinde Gratzl von Tatort zu Tatort folgt, ermitteln Eva Billisch als Kriminalbeamtin Josefa Seisser und Walter Kukla als Gerichtsmediziner Leopold Breitenecker – dieser, tatsächlich existiert habend, bis 1981 eine Koryphäe auf seinem Gebiet – mit den Spurensicherern Sabine Perle, Susita Fink und Matjaz Verdel. Als Zuschauer ist man schnell einmal mitten drin im Geschehen, wird aufgefordert ein polizeiliches Absperrband zu halten oder wird als vermeintlicher Augenzeuge vernommen, und wird vom Breitenecker gescholten, weil man den Leichenfundort „kontaminiert“.

Eva Billisich mit Amalia Holst. Bild: Joseph Vonblon

Adelheid Popp kämpft für Frauenrechte. Bild: Joseph Vonblon

Wo theaterfink ist, ist Hallo. An vielen Fenstern und auf Balkonen lehnen die Leute und schauen zu, Zaungäste schließen sich dem Tross an, Billisich, Fink und Kukla sind jederzeit in der Lage zu improvisieren, drei glänzende Komödianten, drei Volksschauspieler, und gewohnt, auf Tuchfühlung mit dem Publikum auf dessen Zwischenrufe einzugehen. Bald wird klar, die Ermordeten waren alle frauenbewegt, darunter die Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift „Umschläge“, die Leiterin eines Lehrinstituts für Mädchen, denen die Eltern den Schulbesuch verweigern, die Leiterin eines Frauenhauses, eine Ehrenamtliche im Dienst von Alleinerzieherinnen in Not …

An jeder Station wird der jeweiligen Vorkämpferin für Emanzipation gedacht: Von Olympe de Gouges, die während der französischen Revolution eine Frauenrechtsdeklaration veröffentlichte und dafür auf der Guillotine landete, Amalia Holst, die erste deutsche Frau mit Doktortitel, Karoline von Perrin, die Pionierin der österreichischen Frauenbewegung, Adelheid Popp, hierzulande die erste Berufspolitikerin, bis zu Österreichs erster Frauenministerin Johanna Dohnal. Die Streitbaren werden mit Moritaten geehrt, diese das Kernstück der Aufführung, und treten schließlich höchstpersönlich, heißt: als Puppen von Nico Oest, auf.

Noch ein Opfer des Serienmörders: Eva Billisich, Walter Kukla, Sabine Perle. Bild: Joseph Vonblon

Das geht gut, bis in einem Frauenhals der Name der Theresia Kandl eingraviert ist. Das kann der Geist der Resi, dargestellt und getanzt von Karin Sedlak, natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und so eilt sie Frau Oberst Seisser zu Hilfe … Zwei Stunden dauert der Atzgersdorfer Rundgang, führt vom Kirchenplatz, vorbei an der Kandlkapelle in der Breitenfurter Straße – die Resi war ja eine gebürtige Atzgersdorferin – und entlang des Liesingbachs. Am Ende findet man sich in der „Gerichtsmedizin“ wieder, wo mit einem Schattenspiel der Fall geklärt wird. Die „Auferstehung der hingerichteten Theresia K**“ ist ein weiterer großartiger Abend von theaterfink. Einfach mitgehen und staunen!

Die wegen Gattenmords bei der Spinnerin am Kreuz 1809 als erste Frau gehängte Theresia Kandl soll übrigens heute noch Männer verfolgen, die Frauen Übles wollen. Ihr Skelett ist im Wiener Kriminalmuseum ausgestellt.

www.theaterfink.at/

  1. 8. 2018

theaterfink: Susita Fink und Karin Sedlak im Gespräch

Juni 3, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die ganze Stadt als Theaterbühne

Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K.: Susita Fink und ihre Resi. Bild: Alexander Zech Wienbibliothek Druckschriftensammlung Signatur C-3997518092_hoch (002)

Es wird wieder gemordet. Susita Fink und ihre Theatertruppe „theaterfink“ haben auch heuer wieder einen historischen Kriminalfall recheriert, der nun unter dem Titel „Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K.“ aufgeführt wird. Die Moritat beleuchtet das Leben der Theresia Kandl, die unglücklich verheiratet, ihren Ehemann mit der Hacke erschlug – und als einzige Frau in Wien bei der Spinnerin am Kreuz gehängt wurde. Es gibt Aufführungen in allen Bezirken, die mit der schönen Resi zu tun habe.

1. Bezirk: hier stand die Schranne, in der sie inhaftiert war; 5. Bezirk: der Wohnort; 13. Bezirk: hier wurde Theresia getraut; 23. Bezirk: der Ort ihrer Kindheit. Erwartet werden darf ein Streifzug durch die Wiener Kriminal-Geschichte mit Schauspiel, Puppenspiel und musikalischen Treibstoff beim Wandern. Es spielen Eva Billisich und Walter Kukla, das Duo Rittmannsberger Soyka sorgt für die Livemusik. Susita Fink und Dramaturgin Karin Sedlak im Gespräch über Glücksmomente mit dem Publikum und die Sorgen mit der Subventionierung:

MM: Was ist theaterfink?

Susita Fink: Ein politisches Straßentheater, das historische Kriminalfälle spielt, mit dem Hintergrund, Sozialgeschichte aufzurollen und Wiengeschichte aus einem kritischen Blickwinkel zu beäugen. So schön war die „gute alte Zeit“ nämlich nicht. Wir haben 2009 angefangen, mit Jura Soyfers „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“, wir haben gespielt, wo sich die Dinge ereignet hatten, am Donaukanal, im dritten Bezirk, in Geschäftslokalen, in denen Jura Soyfer als Schüler eingekauft hat und die es immer noch gibt – und so ist unsere Truppe entstanden.

MM: Die alsbald auf die Mörderstorys umgeschwenkt ist. Die Hauptakteure Ihrer Produktionen sind meistens Puppen.

Fink: Ja, weil ich mir damals schon gedacht habe, niemand stirbt besser als eine Puppe. Gabriele Müller-Klomfar hat mir Bücher gegeben, in denen historische Kriminalfälle aufgelistet waren, oft bedienen wir uns am „Wiener Pitaval“, einer Sammlung aufsehenerregender Kriminalfälle im „alten Wien“ zwischen 1805 und 1844 und ich dachte, das muss doch gut funktionieren, das ist doch in Wien aufg’legt, das muss Publikum anziehen – und das tut es auch.

MM: Wie funktioniert nun theaterfink?

Fink: Nicht als einfaches Straßentheater, wir spielen nicht an einem Platz, sondern wir wandern dramaturgisch durchdacht zu zehn bis elf Stationen, die mit dem Kriminalfall zu tun haben – auch am Tatort vorbei! Da sich Wien seit dem 19. Jahrhundert natürlich stark verändert hat, suchen wir auch nach einer, zu einzelnen Szenen passenden, authentischen, schöne Wiener Kulisse. Wir haben Musikbegleitung, das Publikum folgt, und an jeder Station entspinnt sich eine Szene. Statt Bühnenbildwechsel gibt es bei uns Schauplatzwechsel.

Eva Billisich und die schöne Resi. Bild: Susita Fink

Die „theaterfinken“ fahren diesmal auch nobel Kutsche: Eva Billisisch, Walter Kukla und die Resi. Bild: Susita Fink

MM: Ich habe im vergangenen Jahr nicht nur beobachtet, dass Sie nicht nur so viel Publikum haben, 80 Zuschauer pro Abend, dass Leute nicht  mitwandern können, sondern, dass sich an den Stationen Menschen dem Zug noch angeschlossen haben. Es gibt also tatsächliches Interesse.

Fink: Ja, beides passiert natürlich: Dass wir Publikum abweisen müssen, aber dass andererseits zufällige Passanten oder Leute aus Wirtshäusern, vor denen wir spielen, rauskommen und mitgehen. Eigentlich war dies ja auch die Grundidee, es so aufzuziehen, wie das Gemeindebautheater von Didi Macher und Ulf Bierbaumer. Ich habe dieses Theater als Kind geliebt, wenn die Dario Fo gespielt haben, war ich mit meinen Eltern dort. Meine Idee war also wirklich politisches Straßentheater für alle zu machen, ein g’scheites, gut recherchiertes, lustiges Theater, das die Bevölkerung nichts kostet. Aber das funktioniert nicht, weil die Subventionsgeber kein Interesse daran haben.

MM: Bevor wir zum Negativen kommen, noch was Positives: „Von Grosskopfade und Sacklpicka III“ behandelt nach Georg Reznicek und Peter Ritter von Bohr endlich ein Mordsweib.

Fink: Richtig. Und wieder spielen Eva Billisich und Walter Kukla, die Musik sollte wieder Ernst Molden komponieren. Wir wollten diesmal nicht nur den Kriminalfall wiedergeben, sondern auch etwas über die Mädchenerziehung und das Frauenbild anno 18. Jahrhundert aussagen. Die Geschichte der Emanzipation, der Frauenrechte und von Frauen im Rechtssystem von der Seite einer Täterin aufrollen. Dass wir annähernd Gleichberechtigung haben, ist ja auch bei uns noch nicht so lange her, doch vieles muss noch erkämpft werden. Frauen machen zum Beispiel heute immer noch den Großteil der unbezahlten, beziehungsweise schlecht bezahlten Care-Arbeit. Das Konzept dazu wurde von den Fördergebern nicht unterstützt, jetzt gibt es eine Kurzversion, die sich rein mit den historischen Fakten beschäftigt.

MM: Worum geht’s?

Karin Sedlak: Um Theresia Teppich, 1785 in Atzgersdorf bei Wien geboren, Mutter eines unehelichen Kindes und ergo in weiterer Folge mit dem Greißler Matthias Kandl verheiratet. Alsbald lief in der Ehe einiges schief, weshalb sie zur Hacke griff und den Gatten erschlug. Die „Resi“ war die einzige Frau, die bei der Spinnerin am Kreuz öffentlich gehängt wurde. Leider existieren von ihrem Fall keine vollständigen Akten mehr, sondern lediglich Memorabilien im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Darin wird festgehalten, sie war eine sehr attraktive Person, „von ziemlich großer, schlanker Leibesstatur, hat ein längliches sauberes Gesicht, gespitzte Nase, blaue Augen und blonde rückwärts in einen Chignon geschlungene Haare.“ Wienerisch würde man sagen, sie war ein „fesches Pupperl“, daher wird sie bei uns von einer Puppe dargestellt. Einer lebensgroßen, blonden Puppe, die Nico Oest gefertigt hat. In der Wienbibliothek haben wir sogar den Originaldruck einer Abschiedsmoritat gefunden, in der Theresia Kandls Leben musikalisch zusammengefasst wird. Sie wird bei unserer Theaterwanderung nicht nur zu hören sein, sondern ist auch das Gerüst für unsere Handlung.

So geht’s zu, wenn auf der Straße Theater gespielt wird. Bild: Susita Fink

Und dann wird natürlich gewandert. Bild: : Joseph Vonblon

MM: Wenn man Ihnen so zuhört: Sie arbeiten historisch höchst korrekt, Sie  recherchieren lange und ausführlich.

Sedlak: Für unser Projekt war eine lange Zeit der umfassenden Recherche in vielen unterschiedlichen Quellen nötig. Ausgehend vom historischen Recherchematerial erzählen wir  die Geschichte  der „schönen Greißlerin von Hungelbrunn“ mit dem Schwerpunkt auf Sozialgeschichte, der Lage der Frauen und der Geschlechterverhältnisse, sowie der damaligen der Gerichts- und Hinrichtungspraxis. Sogar digitalisierte Taufprotokolle der Protagonisten, Verlassenschaftsakten und historische Augenzeugenberichte haben wir finden können!  All diese Niederschriften sind in Kurrentschrift abgefasst –  was, wie jede persönliche Handschrift, oft viel Mühe im Entziffern verlangt! Wir haben in Bezirksmuseen recherchiert,  haben alte Stadtpläne auf die Lage der  historischen und heutigen Örtlichkeiten überprüft und um die damalige Erziehung der Mädchen zu erforschen, haben wir stapelweise betreffende Schriften des 18./19. Jahrhunderts studiert und exzerpiert.

Fink: Was uns an diesem Fall außerdem interessiert, ist nicht nur die Tat, sondern die feministische Frage, ob Resi in ihrer Zeit als Frau andere Möglichkeiten gehabt hätte, als den Kandl zu heiraten. Wir wollten uns diesmal nicht nur mit den historischen Akten beschäftigen, sondern eine Brücke zur Situation der Frauen dieser Tage schlagen. Das ist jetzt mal an der Finanzierung gescheitert, aber die Basis Kultur hat uns ermöglicht, die Kurzversion zu machen. Karin hat ja so viel historisches Material ausgegraben, dass es schade gewesen wäre, das jetzt liegen zu lassen. Ich habe daraus für das Festival der Bezirke eine Montage aus Erzählung und Szenen konzipiert, die aus recherchierten Zitaten besteht. Das Ganze wird sehr ins Komische gezogen, diese Texte, wie Mädchen sein sollen und wie sie erzogen werden sollen. Bei manchen Stellen bleibt einem allerdings das Lachen im Hals stecken, weil es heute immer noch Menschen gibt, die denken, dass Frauen so und nicht anders sein sollen. Die Musikstücke sind alte Wiener Tänze, gespielt vom Duo Rittmannsberger Soyka.

MM: Das „Abschiedslied der zum Tode verurteilten Theresia K.“ wird nun vier Mal im Rahmen des Festival „Wir sind Wien“ gezeigt.

Fink: Genau. Und zwar – Bezirksnummer ist gleich Datum. Die Treffpunkte sind die Bezugspunkte in den einzelnen Bezirken. Am Hohen Markt, im ersten Bezirk stand die Schranne, in der Resi inhaftiert war. In der Wiedner Hauptstraße, im fünften Bezirk, im damaligen Vorort Hungelbrunn, geschah der Mord. Am Hietzinger Platzl im 13. Bezirk hat sie den Kandl in der Kirche Maria Hietzing geheiratet. Im 23. Bezirk ist sie geboren und aufgewachsen, da treffen wir uns am Kirchenplatz in Atzgersdorf. Der Text ist je nach Ort adaptiert und erzählt in Vor- und Rückblenden- ihre Geschichte.

MM: Ein immenser Aufwand für vier Mal.

Fink: Ja, noch dazu, wenn man bedenkt, dass wir unterwegs einen Publikumsdienst haben, Beleuchter, Fahrzeuge auf der Wegstrecke, in denen Kostüme und Requisiten für uns verstaut sind und Puppe und Kostüm extra gefertigt wurden. theaterfink funktioniert überhaupt nur, weil Künstlerinnen und Künstler von der Sache so überzeugt sind, dass sie, wenn wir übers Finanzielle sprechen, sagen: „Das ist eine tolle Sache, gib mir, was du geben kannst.“. So darf’s nicht sein, so stellen wir nie Kostenwahrheit her und alle arbeiten für einen Hungerlohn. Karin und ich arbeiten ohnedies auch in anderen Projekten als Brotberuf, um uns unsere Kunst leisten zu können! Aber es arbeiten bei theaterfink nur Profis. Normalerweise haben wir im August/September immer eine längere Spielserie, doch ich habe drei Mal um Förderungen eingereicht, ein viertes Mal tu ich es noch, aber ich wurde immer abgelehnt.

MM: Mit welcher Begründung?

Fink: (sie lacht). Dabei hätte ich gerade das mit dem Licht heuer gern verstärkt eingebaut, denn eine Hinrichtungsszene, zu der wir wunderbare historische Tagebucheintragungen haben, das schreit geradezu nach Schattentheater.

Susita Fink hat sich für ihre Truppe vom Straßentheater der Didi Macher inspirieren lassen. Bild: Susita Fink

MM: Wie passt das zusammen, dass eine Theatertruppe mit einer Kurzversion zu einem Stadt-Wien-Festival eingeladen wird, man ihr aber darüberhinaus die lange Nase dreht? Schätzt man sie nun wert oder nicht?

Fink: Ich habe keine Ahnung, ich habe das auch jedes Mal gesagt, aber ich habe von der Stadt Wien schon so viele ablehnende Begründungen gehört . Dabei schätzen uns die Bezirke, die Bezirksvorsteher freuen sich in der Regel sehr, wenn wir kommen, und auch die Gastronomie. Wir machen ja in Lokalen halt und enden schließlich in einem Wirtshaus. Die rufen schon im Winter an und fragen: Kommt ihr im Sommer wieder?

MM: Kann ich bestätigen. Ich gehe immer noch ins „Ramasuri“… „Regiemangel“ war ja auch mitunter ein Kritikpunkt.

Fink: Erstens ist das eine Kostenfrage und zweitens eine strikte Regie, wie im Theaterraum, das geht nicht. Wir haben ein durchdachtes Konzept, wir haben Schau- und Puppenspieler, die absolut stück- und textsicher sind, aber sie müssen improvisieren können. Was glauben Sie, wie oft uns aus einem offenen Fenster schon was zugerufen wurde? Darauf muss man reagieren können, das macht den Charme unserer Aufführungen aus. Und es ist auch äußerst lustig.

MM: Was würden Sie brauchen?

Fink: 200.000 Euro für 40 Vorstellungen, die wir locker bespielen könnten. Es sind bei jeder Aufführung sowohl Künstlerinnen als auch für die Logistik und die Beleuchtung mindestens 12 Leute im Einsatz. Da gibt es viel Vorbereitungszeit und Organisation. Das muss gerecht bezahlt werden und darunter bekommt man kaum einen Profi wie Ernst Molden, der für uns immer wieder Moritaten schreibt. Walther Soyka, der uns seit der ersten Produktion musikalisch begleitet, ist ja auch kein Unbekannter. Das Meiste ist bei uns im Wahrheit Eigenleistung, das Ganze ist für mich und meine drei Kinder in Wahrheit existenzbedrohend.

MM: Und nun der positive Schlusssatz: Die Hoffnung stirbt zuletzt?

Fink: Kommen Sie, schauen Sie. Wir zeigen ein historisches Stück, sehr lustig. Ich glaube nämlich, dass man sich das Lachen nicht verderben lassen darf. Im Lachen liegt die wahre politische Kraft.

www.theaterfink.at

Theaterfink: Da Einedrahra in der Leopoldstadt!

August 12, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wanderung durch eine Wiener Kriminalgeschichte

Walter Kukla mit Peter von Bohr, Walther Soyka, Eva Billisich mit Kommisär Felsenthal und Susita Fink mit Frau Bohr. Bild: Joseph Vonblon

Walter Kukla mit Peter von Bohr, Walther Soyka, Eva Billisich mit Kommisär Felsenthal und Susita Fink mit Frau Bohr. Bild: Joseph Vonblon

Dass einem der Hauptdarsteller die Hand küsst, das ist schon was, selbst, wenn er nur ein Latexschädel in einem alten Gehrock ist. Küsst und danach abstaubt, weil Peter Ritter von Bohr, das war ein großer Abstauber. Die Truppe Theaterfink erzählt als zweiten Teil ihres Zyklus‘ „Von Grosskopfade und Sacklpicka“ seine Geschichte, ein spannendes Stück Wiener Kriminalgeschichte: „Da Einedrahra in der Leopoldstadt!“.

Das ist mehr als Straßentheater, vielmehr eine wundersame Wanderung über elf Stationen, authentische Schauplätze, an denen der Betrüger sein Unwesen trieb und nun wieder treibt, vom Alexander-Poch-Platz bis in die Praterstraße. Mehr als eine Verquickung von Schauspiel und Puppenspiel, vielmehr ein saftiges Stück Volkstheater, das sich als freches Instrument zum politischen Aufbegehren versteht. Dazu von Ernst Molden erdachte Moritaten – da muss man im mehrfachen Wortsinn mitgehen.

Die Figur Peter Ritter von Bohr ist zu gut, um erfunden worden zu sein. 1773 in Luxemburg geboren, kam der Künstler und Erfinder durch Wechselgeschäfte mit Napoleons Truppen zu einem ansehnlichen Vermögen, das sich danach allerdings wie von selbst vermehrte. Eine der Erfindungen Bohrs war ein Gerät zur Erstellung von Sicherheitsmerkmalen beim Druck von Banknoten. Bohr kaufte bald halb Wien auf, hatte Geschäftspartner bis in allerhöchste Kreise, Metternich war einer seiner Schuldner, der gute Kaiser Franz lobte seine Unternehmungen, er war 1819 Mitbegründer der Ersten Österreichischen Spar-Casse mit Sitz Alexander-Poch-Platz – und flog 1845 durch Ermittlungen des Kommissär Felsenthal als Geldfälscher im großen Stile auf. Nach seiner Verurteilung beriet er die Nationalbank punkto fälschungssicherer Banknoten. Wer nun aktuelle Bezüge zu heute mutmaßt oder unerwünschte Ähnlichkeiten sieht, der hypoventiliert. Jedenfalls, historisch 1906 wurde Bohrs Haus in der Tivoligasse, das „Banknotenhäusel“, abgerissen – und bei den Arbeiten fand man ein männliches, mumifiziertes Skelett in einem Fass. Wer das war? Und von wem ermordet – von Bohr? Man weiß es nicht.

Genau hier fängt „Da Einedrahra in der Leopoldstadt!“ an. Nach einer Idee von Gabriele Müller-Klomfar und Susita Fink, hat die Fink einen g’scheiten, akribisch recherchierten Text geschrieben, den Frau Prinzipalin auch selbst in Szene setzte. Das ist nicht nur eine Hetz‘, sondern was fürs Hirn, was man da alles an Geschichte und G’schichtln erfährt. Und die Leute marschieren mit, zwei Hunde auch, fotografieren, schauen aus den Fenstern ihrer Wohnungen auf die Gassn, wobei sich ein besonders keifertes Waschweib später als Mitakteurin entpuppt, kommen aus Cafés und Beisln und weichen hurtig den ohne Rücksicht auf Verluste agierenden Darstellern aus. Spektakel müssen sein. Und das darob höchst amüsierte Publikum mittendrin.

Einige honorige Herren der Wiener Gesellschaft. Bild: Joseph Vonblon

Honorige Herren der Wiener Gesellschaft. Bild: Joseph Vonblon

Der Kommissär am Buckl der Künstler. Bild: Joseph Vonblon

Der Kommissär am Buckl des Künstlers. Bild: Joseph Vonblon

Eva Billisich spielt die arbeitslose Pathologin Edith, die von ihrer ehemaligen Studienkollegin, nun pragmatisierte Bundesdenkmalamtsbeamtin, Hanni (Claudia Hisberger) gebeten wird, sich die störende Leich‘ anzuschauen. Heißt: in einem gefakten Gutachten zu bescheinigen, dass es sich bei ihr nicht um einen historisch relevanten Fund handelt. Da prallen sie aufeinander, die beiden Welten der Linksgedrehten mit dem Flachmann und der Gutsituierten mit dem Aktenmapperl, und es kommt der großartigen Billisch zu, die Moritaten vom Geld und wie ihm die Menschen hinterherkräun zu singen. Wie eine finanzgeile Fledermaus plustert sie sich dazu vor dem Johannes-von-Gott-Denkmal auf, und der Ordensgründer der Barmherzigen Brüder scheint ihr recht zu geben. „Die Stadt wächst und mit ihr das Konto einiger weniger.“

Im Kriminalmuseum, passenderweise, stellt sich der Schurke persönlich vor – „Der Armen sind viele und es kann ein lukratives Geschäft sein, in die Wohltätigkeit zu investieren“ -, und ein Spiel auf zwei Zeitebenen beginnt. Ediths Schnodern vs Bohrs elegant altertümlicher Ausdrucksweise. Und seiner Galanterien gegenüber den Damen. Das ist sehr charmant. Während die beiden Freundinnen Fundstücke vom Tatort untersuchen, beginnt parallel eine Zeitreise in den Vormärz, wo sich die Schlinge um Bohr immer enger zieht. Walter Kukla haucht der beinah menschengroßen Puppe Leben ein. Den ihn verfolgenden Kommissär Felsenthal muss Knopfharmonikaspieler Walther Soyka auf dem Buckl ertragen. Hinter Fotowänden melden sich honorige Herren der Wiener Gesellschaft, die besten Köpfe, ja selbst das gekrönte Haupt und sein Kanzler, zu Wort.

Georg Mittendrein ist als GenI.a.D. Agent Schwarzhappl mit von der Partie, aber mittlerweile sind die Zuschauer sowieso alle in den Spitzelstatus erhoben. In Gruppen aufgeteilt wird man vor Bohrs Wohnhaus, Jägerzeile Nr. 520, auszuschwärmen und es zu umstellen haben. Habt acht!, die Fink scheucht Unentschlossene auf ihre Positionen. Die schönste Puppe ist die von ihr bewegte Frau Bohr, Mathilde Gräfin Christalnigg, grasser geht’s nicht, die die Nerven verlieren und ihren Mann verraten wird. Es kommt ergo zum Showdown beim Nestroydenkmal, wo Bohr sein sentimentales Schlusslied vom unverstandenen Wohltäter singen darf. Es gibt zu sehen, wer im Fass ist, und zu erfahren, warum Hanni die Leich‘ unbedingt wieder verschwinden lassen will.

Die Moral von der Geschicht‘ ist nämlich: Die Reichen haben alle eine im Keller. Oder wie die Billisch sagt: „Die Großkopfaden glauben, Geld steht ihnen zu.“ Das ist, im Falle dieser Inszenierung, so lustig, weil es wahr ist. Mitwandern, mitwundern! Dieser Streifzug durch die Welt der gewieften Finanz-Einedrahra ist sehenswert.

Vorstellungen bis 16. August. Am 1. September übersiedelt Peter Ritter von Bohr an seine zweite Wirkungsstätte in den 23. Bezirk: „A Einedrahra kommt nach Liesing!“

www.theaterfink.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=AEunfKJFDh8

Wien, 12. 8. 2016

Drachengasse: Zwei Frauen und eine Leiche

Oktober 29, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eva Billisich führt Regie

Bild: © Margot Lehmann

Bild: © Margot Lehmann

Am 4. November hat im Theater Drachengasse Bar & Co „Zwei Frauen und eine Leiche“ von der brasilianischen Autorin Patrícia Melo Premiere. Eine Produktion der SAG’MAS-Theatergruppe. Ein Stück über Liebe, Freundschaft, Eifersucht, Tod und absurde Überlebensstrategien: Ana ist tablettensüchtig. Beatriz funktioniert nur, wenn sie Arbeitsaufträge unter Zeitdruck zu erledigen hat. Jede tut so, als ob. Jede hat ihre eigene Strategie für das Leben. Doch dieses gerät aus den Fugen, als der Geliebte der einen und Ehemann der anderen ermordet wird. Zwei Frauen und eine Leiche beginnt wie ein klassischer Krimi. Doch MörderInnen spielen hier keine Rolle. Vielmehr entwickelt sich die scheinbar leichte, verrückte Komödie zu einer fesselnden Charakterstudie zweier Frauen und ihrer vielschichtigen Beziehung. Regie führt Eva Billisich; es spielen Michaela Kis und Angela Nagy. Zu sehen bis 9. November.

www.sagmas-theatergruppe.at

Trailer: http://youtu.be/TfLRASVLbDs

Novemberprogramm in der Drachengasse:

28. Oktober – 30. November, Di-Sa um 20 Uhr
Oder nicht sein von Joshua Sobol

Bar&Co, 8. und 22. November um 22.30 Uhr
The English Lovers present: The Late Night Theater Jam

Bar&Co, 10. Novemberum 20 Uhr
Musikschiene: Timmel & Steiner: DAS AUCH NOCH!

Bar&Co, 11. November um 20 Uhr
Improkrimi – Mord is back in town
und bedroht die gebrechliche Einrichtung der Welt

Bar&Co, 15., 21., 22. November um 20 Uhr
Das wars dann wohl!
Die Damen Sowinetz, Tiesel und Duchateau nehmen Abschied von der Liebe!

Bar&Co, 16., 17., 19., 20. November um 20 Uhr
Empfänger unbekannt von Kressmann Taylor

Szenische Lesung im Andenken an die Novemberpogrome 1938

Bar&Co, 25. – 30. November um 20 Uhr
Lohengrin
Ein Theaterstück nach Wagners Ope
r für 5 Personen

www.drachengasse.at

Wien, 29. 10. 2013

Udo Samel im Festspielhaus St. Pölten

Oktober 9, 2013 in Buch, Bühne, Film, Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Und weitere Oktober-Tipps über Talestri, A Harlot’s Progress bis Impulstanz und Blätterwirbel

C(H)ŒURS und Kuba: der Oktober im Festspielhaus St. Pölten

Udo Samel Bild. Festspielhaus St. Pölten

Udo Samel
Bild. Festspielhaus St. Pölten

Schon knapp vor der Saisoneröffnung mit „Angelin Preljocaj: Les Nuits“ am 27. September tut sich im Festspielhaus St.Pölten einiges. Am 22. September ging der Besuch der Hofesh Shechter Company, die im Rahmen ihrer Residency vergangene Woche im Festspielhaus zu Gast war, mit einer exklusiven Preview ihrer neuen Produktion „Sun“ zu Ende.  Zudem wurden in Kooperation von Festspielhaus und Stadt St. Pölten die Twins in der St. Pöltner Innenstadt positioniert. 12 der neuen Sitzmöbel aus der Familie der Enzis von PPAG architects werden zukünftig den Weg vom St.Pöltner Hauptbahnhof in den Kulturbezirk weisen. Acht weitere Twins in einer Edition aus rotem Samt laden zudem direkt im Festspielhaus St. Pölten zum Verweilen ein.

Auch im Oktober bietet das Festspielhaus St. Pölten ein spannendes Programm. Alain Platel präsentiert am 12. Oktober die Österreich-Premiere der Tanz und Musiktheater-Produktion „C(H)ŒURS“, im Kleinen Saal startet am 24. Oktober die neue Kammermusik-Reihe und das Orquesta Buena Vista Social Club entführt am 26. Oktober in die Welt kubanischer Rhythmen. Alain Platel: C(H)ŒURS, Österreich-Premiere
12. Okt 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal Im Verdi- und Wagner-Jahr zeigt das Festspielhaus St. Pölten Alain Platels Produktion „C(H)ŒURS“, die er mit seiner Compagnie les ballets C de la B sowie dem Chor des Teatro Real Madrid erarbeitete, und die auf einzigartige Weise zeitgenössischen Tanz mit berühmten Chorpartien Verdis und Wagners verbindet. In Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich ist das Stück erstmalig in Österreich zu sehen. Die großen Chöre stehen im Mittelpunkt des Abends: Sie sind Ausdruck der emotionalen und revolutionären Kraft, die eine Gemeinschaft entwickeln kann. Die Spannung zwischen Individuum und Masse interessiert Alain Platel in diesem Stück ebenso wie die Frage, welche Energien freigesetzt werden, wenn Menschen in einem Kollektiv gemeinsam für eine Sache kämpfen.

Tonkünstler Kammermusik . Samel: „Tiefer Sehnsucht heil’ges Bangen…“
Do 24. Okt 2013, 19.30 Uhr, Kleiner Saal  Mit der neuen Künstlerischen Leiterin Brigitte Fürle und dem Rückbau der Box in den Kleinen Saal (vormals Haydn-Saal) kehrt die Kammermusik zurück ins Festspielhaus.
Den Anfang macht der Schubert-Abend „Tiefer Sehnsucht heil’ges Bangen…“ am 24. Oktober, bei dem SolistInnen aus den Reihen des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich auf den Burgschauspieler Udo Samel treffen.  Auf dem Programm stehen Franz Schuberts berühmte Streichquartette „Rosamunde“ und „Der Tod und das Mädchen“. Udo Samel, der Schubert bereits 1986 in Fritz Lehners Filmtriologie „Mit meinen heißen Tränen“ verkörperte, liest aus Briefen, Tagebüchern und Gedichten des Komponisten.

Portuondo . Ochoa: Orquesta Buena Vista Social Club
Sa 26. Okt 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
Es klingt wie im Märchen: Ein gewitzter Produzent holt eine Gruppe kubanischer MusikerInnen jenseits der Achtzig buchstäblich aus der Pension zurück auf die Bühne, woraufhin die vitalen SeniorInnen die Herzen eines weltweiten Publikums im Sturm erobern. Der Name „Buena Vista Social Club“ ist inzwischen längst zur Legende geworden. Nun tourt die 13-köpfige Combo in verjüngter Form als „Orquesta Buena Vista Social Club“, dem neben unverwüstlichen Veteranen wie dem Gitarristen Eliades Ochoa auch Musiker der aktuellen kubanischen Szene angehören. Dabei darf eine Person nicht fehlen: Buena Vista-Grande Dame Omara Portuondo prägt mit ihrer sinnlichen Stimme seit über 50 Jahren den Sound der Zuckerrohrinsel. Mit einem Feuerwerk aus Son, Cha-Cha-Cha, Bolero und Jazz wird sie das klingende Kuba in seiner ganzen Vielfalt zum Leben erwecken.

www.festspielhaus.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=8cebNX-ueIg&feature=c4-overview-vl&list=PLvwRFOpgcPPSqNc9Tsv__DooczuXvQdHz

Kosmos Theater: Wiederaufnahme wegen grossen Erfolgs: Talestri Regina delle amazzoni

Politisch wegweisend und musikalisch auf höchstem Niveau gibt die Geschichte der Amazonenkönigin Talestri Aufschluss über Walpurgis´ aufklärerisches Denken, ihren Herrschaftsanspruch und die Hoffnung auf Überwindung des Geschlechterkampfes. Erstmals seit der Uraufführung 1763 gelangte das Juwel der Barockzeit im Frühjahr 2013 szenisch zur Aufführung und wird nun wegen des überwältigenden Erfolgs wieder aufgenommen. Talestri, die Königin der Amazonen, hat sich in den Prinzen der Skyther, Oronte, verliebt und damit den l‘odio antico, das Gesetz ihres Volkes, gebrochen. Oronte, der sich unerlaubter Weise als Frau verkleidet in das Reich der Amazonen eingeschlichen hatte, droht die Hinrichtung. Als Königin muss Talestri die Todesstrafe über den geliebten Freund verhängen und findet sich plötzlich mitten in einem Konflikt: Soll sie sich für die Menschlichkeit entscheiden oder an den alten Regeln des Geschlechterkampfes festhalten? Sie sucht Unterstützung bei der Hohepriesterin Tomiri, die jedoch bestimmt: „Non è regina chi non serve al dover“ (Die Königin hat der Pflicht zu dienen!).

Der Eindringling soll sterben, die gesellschaftliche Ordnung erhalten bleiben. Die Königin bejaht das Todesurteil, jedoch soll Tomiri das Messer führen. Als diese erfährt, dass Oronte ihr Sohn ist, hofft Talestri, sie werde von der Hinrichtung lassen. Jedoch scheint für Tomiri Pflicht über allem zu stehen. Im letzten Moment wendet sich das Blatt, Tomiri lässt Platz für Menschlichkeit, Oronte darf leben. Im euphorischen Glückstaumel feiern die Figuren den Sieg über den Geschlechterkampf: „Non mai soggette, ma de‘vicini amiche saremo in avvenir“ (Niemals werden wir mehr FeindInnen, sondern in Zukunft immer benachbarte FreundInnen sein!“). Ist aber die Idee von der Versöhnung der Geschlechter mehr als nur ein naiver Wunsch? Oder etwa lediglich ein Arrangement, das Risse kaschiert?

www.kosmostheater.at

Der Kirschgarten im Stadttheater Klagenfurt

Komödie in vier Akten von Anton Tschechow

Übersetzt und bearbeitet von Thomas Brasch

Premiere 10. Oktober 2013, 19.30 Uhr

Regie Dominique Schnizer, Bühnen und Kostüme Christin Treunert, Dramaturgie Sylvia Brandl

mit Agnes Hausmann, Irene Kugler, Sandra Lipp, Seraphine Rastl, Katharina Schmölzer /

Maximilian Achatz, Magne-Håvard Brekke, Arthur Fischer, Franz Friedrich, Claudio Gatzke,

Jonas Riemer, Sebastian Urzendowsky, Helmut Zhuber

Einführungsmatinee mit Intendant Florian Scholz, 29. September 2013, 11 Uhr, Bühne

Die Familie der Ranjewskaja, die den schönsten Grundbesitz des Gouvernements besitzt, ist vollkommen bankrott. Sie und ihr Bruder haben jahrelang Gelder verschwendet und Schulden angehäuft. Zurückgekehrt aus Paris, muss sich die Gutsherrin der Zwangsversteigerung des Besitzes stellen. Die einzige Lösung scheint die Abholzung des Kirschgartens zu sein, der gerade in voller Blüte steht. Dann könne man auf dem Grundstück Ferienhäuschen errichten und sie vermieten. Gibt es eine andere Möglichkeit, wieder zu Geld zu kommen, oder ist der Abschied vom Garten unausweichlich? Anton Tschechow (1860-1904) bezeichnete seine Werke als Komödien, wobei sich der humoristische Aspekt seiner Dramenfiguren aus dem Widerspruch von Anspruch und Wirklichkeit, Sehnsüchten und Realität ergibt. Als eines seiner ausgereiftesten und vielschichtigsten Dramen ist Der Kirschgarten, ein ebenso melancholischer wie komischer Abgesang auf die Gesellschaft, die Russland vor der Revolution dominierte. Tschechows letztes Bühnenwerk kommt in Klagenfurt in der Regie von Dominique Schnizer zur Aufführung. In den Hauptrollen sind neben Mitgliedern des Ensembles und namhaften Gästen u.a. Irene Kugler als Ranjewskaja, sowie Magne-Håvard Brekke in der Rolle von Lopachin zu sehen.

www.stadttheater-klagenfurt.at/de

„STEIG EI IN MEI BLUATBAHN“: Die neue CD von und mit EVA BILLISICH & DIE DERRISCHE KAPELLN

14. Oktober 2013 Konzert & CD-Präsentation in der KULISSE. Neue Wiener Lieder der Schauspielerin Eva Billisich (Muttertag, Hinterholz 8, Qualtingers Wien) über Jugendsünden, unverdaute Momente, abgelegte Herzen und vü zvü Gfüh.: live on stage und auch brandneu auf CD. Schwarz im Humor, Thermophor für die Seele, prickelnd auf der Dialekthaut und Schmaus für die Ohren. Ihr zur Seite stehen wieder zwei außerordentliche Herren, Chorveteranen mit Leib, Seele und wilden Talenten: Herr Peter: akribischer Ottakringer Kaulquappenzüchter und Mandola – Virtuose sowie Herr Andreas: hemmungsloser Mistelbacher Freistilringer und Weltmeister im Holz- und Blechblasen. Dank an Heli Deinboek für Kompositionen und an André Heller für die Freigabe von Wean du bist a Taschenfeitl. Auch an Frau Irmi von der Kondi beim Proberaum, die die Musikanten immer mit Mehlspeisen vom Vortag verwöhnt. Der Proberaum ist gut situiert im Parkhaus vom Franzl-Bahnhof und gleich beim Eingang pickt ein Plakat mit der Aufschrift: Park and Entertain! Also bittschön: einparken, die Hochsprach – Westn ausziehen und einsteigen in die Wiener Bluatbahn, Schräglagen und Tiefgänge inbegriffen! Die musikalische Bandbreite reicht von Blues über Rock bis zum Gstanzl, genussvoll durchmischt mit Wienerlied – Elementen und einer Portion Wiener Schmäh, der so locker drauf sitzt wie der Milchschaum auf der Melange.

WEITERE LIVE – TERMINE Herbst 2013:

Konzert: „Lasterlieder“

11. 10. 2013 (20.00 Uhr) THEATER IN DER INNENSTADT / Linz

A-4020 Linz; Museumstraße 7a (Hofgebäude), www.theater-innenstadt.at
Karten: Tel. 0732 / 91 80 91 oder E-Mail: office@theater-innenstadt.at.

Kartenpreis: Tisch € 23,- / Sitzplatz € 22,-

Konzerte „Steig ei in mei Bluatbahn“

26.10. 2013 (20.00 Uhr) SPINNEREI TRAUN / Oberösterreich

A-4050 Traun; Graumannplatz 1; www.spinnerei.at

„Storytellers mundartig“: Eva Billisich & die derrische Kapelln gemeinsam mit Birgit Denk und Willy Hackl

Karten: Tel. 07229/62032 oder www.spinnerei.at

Vorverkauf: Ö-Ticket und Spinnerei

Kartenpreis: VVK € 12,- / € 10,- ; AK € 15,- / € 13,-

7. 11. 2013 (20.00 Uhr) 9erBar Niederkreuzstetten / NÖ

A-2124 Kreuzstetten; Schloßstraße 6; www.9erbar.at

Karten: Tel. 02263 / 38 902 oder E-Mail: office@9erbar.at

Kartenpreis: siehe www.9erbar.at

8. 11. 2013 (20.00 Uhr) MACHBAR Klosterneuburg / NÖ

A-3400 Klosterneuburg, Wasserzeile 35; www.mach-bar.biz/index.html

Karten: Tel. 0699/13011190

Kartenpreis: siehe www.mach-bar.biz/index.html

22. 11. 2013 (19.30 Uhr) KULTURSZENE Kottingbrunn / NÖ

A-2542 Kottingbrunn, Schloss 1. Markowetz-Trakt; www.kulturszene.at

Karten: Tel. 02252-74 383 (auch Tonband)

oder E-Mail: office@kulturszene.at
Mo – Do: 9-12 Uhr; Di +  Do: 18-20 Uhr

Kartenpreise : Vorverkauf: € 16.- Abendkassa: € 18.- ermäßigt: € 14.-

23. 11. 2013 (20.00 Uhr/Einl. 19.30 Uhr) DIE BÜHNE Purkersdorf / NÖ

A-3002 Purkersdorf, Wiener Straße 12; www.die-buehne-purkersdorf.at/home.html
Karten: Tel. 02231 64853 und E-Mail: office@die-buehne-purkersdorf.at
VVK „Die Bühne“ € 19.- (Abholung an der Abendkassa ab 18.30)

29.11.2013 (20.00 Uhr) ALTES DEPOT Mistelbach / NÖ

A-2130 Mistelbach, Oserstraße 9; www.altesdepot.at

Karten Tel. 02572 3955 oder E-Mail: office@altesdepot.at

Vorverkauf im Alten Depot: So – Mi: 16h – 1h;  Do – Sa: 16h – 3h)

30.11.2013 Wien (21.00 Uhr) LOCAL / Wien

A-1190 Wien; Heiligenstädterstrasse 31/Stadtbahnbogen 217

Karten: Telefon 0699/13841818

Kartenpreis: € 15,- / Schüler, Studenten: € 10,-

Kein Vorverkauf

 Hörproben  unter: http://www.billisich.at/hoerprobe.html

 „A Schuach um di Sö is da Mensch.

Da Dialekt is sei Haut und die Hochsprach is nua a Westn“

TRACKLIST:

Prater  (Text: Billisich / Musik: Lederer)

Ein Abend im Wiener Wurschtlprater: tretens näher meine Damen, meine Herren tuans net erlahmen…schwindlig, feuchtfröhlich und laut.

Ka Erziehung (Text: Billisich / Musik: Billisich, Marnul)

We don’t need no education: eine Rückblende in die Schulzeit, auf einen frei genommenen Tag und eine kurze Erinnerung an Pink Floyd.

Das Allerbeste (Text: Billisich / Musik: Billisich, Bachhofner)

Für das Geburtstagskind. Akkordeon: Christian Clementa

Net mei Tag (Text: Billisich / Musik: Deinboek, Marnul)

Ein Tag wie jeder andere an der Front des Familienalltags.

Der Basilisk (Text: Billisich / Musik: Marnul)

Über den ewigen Nörgler und Besserwisser, der selbst nie in den Spiegel schaut.

Ka Zuastand (Text: Billisich / Musik: Billisich, Clementa)

Ein Lied über Eile, Stress und Ungeduld, wie man damit seinen Mitmenschen das Leben schwer macht und dann selbst zum Handkuss kommt.

Neine (Text: Billisich / Musik: Clementa, Bachhofner)

Eine herbe Erkenntnis morgens um neun von Angesicht zu Allibert, mit Kater und ohne Unterhose.

Leicht is goa nix (Text: Billsich / Musik: Billisich, Clementa)

Über Erinnerungen und wie sie uns auf vielfältige Weise einholen. Akkordeon: Christian Clementa

Fia wen (Text: Billisich / Musik: Deinboek, Marnul)

Vom Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte oder eine märchenhafte Verwechslungskomödie.

Steig ei in mei Bluatbahn (Text: Billisich / Musik: Billisich)

Wurde von Kollegen als Lied über Sex bzw. Drogenkonsum interpretiert.

Gemeint ist weder das eine noch das andere, aber schön, wenn es zu weiterreichenden Phantasien anregt… Percussion: Peter Rosmanith

Kinder (Text: Billisich / Musik: Marnul)

Über und für meine Kinder.

Zvü Gfüh (Text: Billisich / Musik: Billisich, Marnul)

Über Unbeständigkeit und Täuschungsmanöver im Liebesleben. Akkordeon: Christian Clementa

Lautlos (Text: Billisich / Musik: Marnul)

Ohne Worte.

Festln (Text: Billisich / Musik: Deinboek)

Feiern ohne Unterlass oder feiern lieber unterlassen?

Schlaflos (Text: Eva Billisich / Musik: Nicky Chinn, Mike Chapman)

Über ein am Tisch abgelegtes Herz und eine dreieckige Beziehung.

Cover auf stumblin in (Suzi Quatro und Chris Norman). Genehmigung: Universal

Wean, du bist a Taschenfeitl (Text: André Heller / Musik: Toni Stricker)

Ein Lied über Wien von den Herren Heller und Stricker. Genehmigung: André Heller

Akkordeon: Christian Clementa

BONUSTRACK

17. Margaretner Gstanzln (Text: Billisich / Musik: Billisich, Marnul)

Ein Loblied auf den fünften Wiener Gemeindebezirk. Akkordeon: Walther Soyka

(ab 22. September auch als Musikvideo)

www.billisich.at

www.kulisse.at

FESTIVAL KONTRASTE 2013. DARK AS LIGHT 10.-13. OKTOBER | WIEN, KREMS, MAUTERN, THEISS

Das Festival Kontraste lädt vom 11. bis 13. Oktober 2013 wieder zu ungewöhnlichen und neuartigen Hör- und Seherlebnissen nach Krems und Umgebung. Es präsentiert unter  dem  Thema „Dark As Light“ ein außergewöhnliches Programm aus Filmen, Konzerten, Installationen, Vorträgen sowie eine Publikation. Am 10. Oktober gibt es bereits einen einführenden Vortrag von Timothy Druckrey im Österreichischen Filmmuseum – Wien. >>Mehr Mit Dark As Light strebt Kontraste gen Himmel, richtet unseren Blick nach oben – aus der Dunkelheit ins Licht. Die vertikale Architektur und die langen schmalen Fenster des Klangraum Krems Minoritenkirche – dem Hauptveranstaltungsort von Kontraste – lenken unsere Aufmerksamkeit auf das, was über uns ist. Ein idealer Ort für die Premiere von Vertical Cinema. Zehn Teams von Avantgarde-FilmemacherInnen, MusikerInnen und bildenden KünstlerInnen wurden beauftragt, jeweils einen neuen Film in einem neuen, alle horizontalen Konventionen über Bord werfenden vertikalen Format zu produzieren. Nur live und vor Ort bei Kontraste kann man dies miterleben! Zwei Lectures von Timothey Druckrey in Wien (Filmmuseum) und Krems (Kino im Kesselhaus) sowie ein Kurzfilmprogramm im Kino im Kesselhaus bilden einen historischen und theoretischen Rahmen von Vertical Cinema. Aber auch die anderen Programmteile gehen in die „Vertikale“: von unten aus der Dunkelheit hinauf ins Licht. Bei der Veranstaltungsreihe Spire in der Pfarrkirche in Mautern wird die Kirchenorgel, die Königin der Instrumente, mit elektronischer Musik (u.a. von und mit Christian Fennesz, Burkhard Stangl) in Verbindung gebracht. Ein wahrlich transzendentes Hörerlebnis versprechen Catherine Christer Hennix & The Chora(s)san Time-Court Mirage. Der subtile mikrotonale Drone, der minutiös für das Forum Frohner adaptiert wurde, öffnet die Pforten in eine andere Zeit- und Raumdimension.Bei Morton Subotnick, einem Wegbereiter der elektronischen Musik, steht der analoge Synthesizer im Mittelpunkt, begleitet von Visuals des Videokünstlers Lillevan.Thomas Ankersmit performt am Serge Synthesizer, Computer und Saxophon zusammen mit dem Minimal-Komponisten Phill Niblock, dem Großmeister der wuchtigen Drones, der im Rahmen seines Gastspiels in Krems auch seinen 80. Geburtstag feiert und eine neue CD bei Touch veröffentlicht. Finnbogi Petursson einer der bekanntesten Künstler Islands ist derzeit – auf Einladung des Festivals Kontraste – Artist in Residence in Krems. Er wurde bekannt für seine  Arbeiten, in denen Klang, Licht, Skulptur, Architektur und Zeichnungen miteinander verschmelzen. Klang wird dazu als essentielles Element in kargen skulpturalen Installationen eingesetzt, was diesen eine meditative Qualität verleiht. Werke von Finnbogi Petursson wurden u.a. auch auf der Ars Electronica und TBA 21, dem Museum der Moderne/Salzburg  gezeigt. Petursson repräsentierte Island auf der Biennale in Venedig 2001. Im Auftrag von Kontraste. Dark As Light (10.-13.10.) bereitet Finnbogi Petursson seine neueste Installation OFF – 3HZ für den Kapitelsaal des Klangraum Krems im Minoritenkloster Stein vor, in der er mit Wasser, Schallwellen und Lichtreflexionen arbeitet. Wie schon in Reset 2011 (Wood Street Galleries, Pittsburgh – USA) befasst er sich auch in dieser ortsspezifischen, auf den Kapitelsaal zugeschnittenen Arbeit mit Bewusstseinszuständen und Hirnfrequenzen am Übergang von Tiefschlaf/Traumphasen und dem Erwachen. Im Moment des Wachwerdens, dieses Übergangs zum Bewusstsein, wenn das Gehirn mit einer Frequenz von ca. 3Hz in einen neuen Tag erwacht. Der Boden des Kapitelsaals wird mit einer wasserdichten Folie verkleidet, so dass ein ca. 10 cm. hohes Becken entsteht, das mit Wasser, das mittels Tinte eingefärbt wurde, geflutet und danach beschallt wird. Die Schallwellen übertragen sich auf die Wasseroberfläche und unter Wasser, werden von den Wänden zurückgeworfen, überscheiden sich, erzeugen psychedelische Muster, die sich wiederum in Lichtreflexionen auf die Wände des Raumes übertragen. Nach längerem Verweilen wird der Betrachter/Zuhörer in eine Art hypnotischen Zustand, eine Art Tagtraum versetzt.

http://vimeo.com/finnbogi/videos

www.finnbogi.com

11.10. SPIRE
(klassische und neue Kompositionen sowie Improvisationen für Orgel und elektronische Instrumente in der St. Stephan Kirche von Mautern) Mit MARCUS DAVIDSON (Orgel & Electronics), CHRISTIAN FENNESZ (Gitarre & Electronics), MIKE HARDING (Programmdesign), PHILIP JECK (Turntables & Sampler), CHARLES MATTHEWS (Orgel & Programmdesign), BURKHARD STANGL (Gitarre & Orgel).

12.10. Film-Weltpremiere VERTICAL CINEMA
(10 Uraufführungen von Filmen in vertikalem Format / In Koop. mit Sonic Acts und Österr. Filmmuseum). Werke von TINA FRANK (AT), BJÖRN KÄMMERER (DE/AT), MANUEL KNAPP (AT), JOHANN LURF (AT), JOOST REKVELD (NL), ROSA MENKMAN (NL), BILLY ROISZ (AT) & DIEB13 (AT), MAKINO TAKASHI (JP) & TELCOSYSTEMS (NL), ESTHER URLUS (NL), MARTIJN VAN BOVEN (NL) & GERT-JAN PRINS (NL). Begleitend dazu: TIMOTHY DRUCKREY: Zwei Vorträge mit Filmscreenings bieten einen theoretischen Hintergrund zu Vertical Cinema (Wien/Filmmuseum > 10.10. und Krems > 12.10.)

13.10. PHILL NIBLOCK & THOMAS ANKERSMIT / MORTON SUBOTNICK & LILLEVAN
(zwei Altmeister der elektronischen Musik und Minimal Music am Abschlussabend des Festival)

12.+13.10. Österreich-Premiere CATHERINE CHRISTER HENNIX & THE CHORA(S)SAN TIME-COURT MIRAGE

Mit CATHERINE CHRISTER HENNIX (US/SE) (Stimme, Sinuswellen, Computer, Electronics), HILARY JEFFERY (UK), (Posaune), ELENA KAKALIAGOU (GR/AT) (Englischhorn), FRANZ HAUTZINGER (AT) Microtonale Trompete), PAUL SCHWINGENSCHLÖGL (AT) (Flügelhorn, Trompete), ROBIN HAYWARD (UK) (Microtonale Tuba), STEFAN TIEDJE (DE) (Electronics).

13.10. FRANZ POMASSL: VOLUME (Installation, Exkursion zum Kraftwerk Theiß)

11.-13.10. FINNBOGI PETURSSON: OFF – 3HZ (Installation –Auftragsarbeit)

13.10. KURZFILMPROGRAMM „Film is…“  (Kino im Kesselhaus) Das aktuelle Programm des KINOS IM KESSELHAUS  entnehmen Sie bitte der Homepage. www.kinoimkesselhaus.at

12.10. und 13.10. 2013, Forum Frohner/Klangraum Krems Minoritenkirche: Catherine Christer Hennix & The Chora(s)san Time-Court Mirage laden am Samstag (12.10.) und Sonntag (13.10.) zu wahrlich transzendenten Hörerlebnissen. Die schwedische  Komponistin, Philosophin, Mathematikerin und bildende Künstlerin CC Hennix  arbeitete in den 1960-er und 1970er-Jahren u.a. mit La Monte Young und Pandit Pran Nath zusammen. Der subtile mikrotonale Drone, der minutiös für das Forum Frohner adaptiert wird, öffnet die Pforten in eine andere Zeit-, Raum- und Klangdimension (mit Hilary Jeffrey, Franz Hautzinger, Elena Kakaliagou, Paul Schwingenschlögl u.a.). Am Abschlussabend des Festivals (13.10.) sind dann zwei Altmeister der elektronischen Musik im Klangraum Krems Minoritenkirche zu Gast: Thomas Ankersmit performt am Serge Synthesizer, Computer und Saxophon zusammen mit dem Minimal-Komponisten Phill Niblock, dem Großmeister der wuchtigen Drones, der im Rahmen seines Gastspiels in Krems seinen 80. Geburtstag feiert. Danach steht bei Morton Subotnick der analoge Synthesizer im Mittelpunkt, begleitet von Visuals des Videokünstlers Lillevan.

Uraufführung VERTICAL CINEMA 12.10.2013, 21:00 Klangraum Krems Minoritenkirche

Zehn Teams von Avantgarde-FilmemacherInnen, MusikerInnen und bildenden KünstlerInnen wurden beauftragt, jeweils einen neuen Film in einem vertikalen Format zu produzieren, abgestimmt auf die Architektur des frühgotischen Klangraum Krems Minoritenkirche. Die Filme zeigen was Kino sein kann, wenn Konventionen wie die horizontale Orientierung über Bord geworfen werden. Vertical Cinema fügt sich somit in die Tradition des experimentellen Films, der von jeher eine Triebfeder für neue künstlerische Ausdrucksformen und Inhalte war. Die Premiere von Vertical Cinema präsentiert Werke von Tina Frank (AT), Björn Kämmerer (DE/AT), Manuel Knapp (AT), Johann Lurf (AT), Joost Rekveld (NL), Rosa Menkman (NL), Billy Roisz (AT) & d Dieter Kovačič (AT), Makino Takashi (JP) & Telcosystems (NL), Esther Urlus (NL), Martijn van Boven (NL) & Gert-Jan Prins (NL). Zwei Vorträge und Filmscreenings des renommierten New Yorker Autors, Kurators und Medienwissenschaftlers Timothy Druckrey in Wien (Österreichisches Filmmuseum am 10. Oktober) und Krems (Kino im Kesselhaus am  12. Oktober) sowie ein Filmprogramm im Kino im Kesselhaus (13. Oktober)  bilden einen historischen und theoretischen Rahmen zu Vertical Cinema. Außerdem erscheint eine von Kontraste herausgegebene  ausführliche Publikation zum Vertical Cinema mit Beiträgen u.a. von der kroatischen Autorin und Filmwissenschaftlerin  Mirna Belina, die mehrere Bücher zum Experimentalfilm edierte, und von Timothy Druckrey, sowie Beiträge zu allen uraufgeführten Filmen.

FREITAG, 11. OktOBER 2013 19:00 – 22:00, Pfarrkirche St. Stephan in Mautern

Live-Performance Spire

Mit Marcus Davidson (UK) Orgel & Electronics; Christian Fennesz (AT) Gitarre & Electronics; Mike Harding (UK) Programmdesign; Philip Jeck (UK) Turntables & Sampler; Charles Matthews (UK) Orgel & Programmdesign und Burkhard Stangl (AT) Gitarre & Orgel.

Programm

Charles Camilleri: Lento (aus „Sonata semplice“)

Johann Caspar Ferdinand Fischer: Prelude no.8, sechs Fugen und Finale (aus „Blumen Strauss“)

Marcus Davidson: The Passing

Johann Nepomuk David: aus Partita über BACH

Philip Jeck (solo)

Erik Satie: Prière pour le salut de mon âme

Leos Janacek: Organ solo from Glagolitic Mass

Christian Fennesz & Burkhard Stangl: „The Austrian Hour“

Arvo Pärt: Pari Intervallo

The Eternal Organ

Organ Massive

www.kontraste.at

Stadtsaal: Hakon Hirzenberger eine Produktion von STEUDLTENN Tirol – Nelson der Pinguin

13., 20. und 27.10; 3., 10., 17., 24.11. sowie 1., 8., 15.12. Beginn 16:00, ab 4 Jahren

Eine Reise von einem Pol zum anderen. Nelson der Pinguin, wohnhaft am Südpol, erfährt von der Existenz und Gefährlichkeit der Eisbären. Diese wohnen auf der anderen Seite der Erde am Nordpol und sind zudem vom Aussterben bedroht. Nelson begibt sich auf die Reise um die Eisbären kennenzulernen. Er trifft auf verschiedene Reisegefährten, wie die Raie Hermann, eine eifrige Kakerlake, die Hasendame Yasmin, die ihn zu Gabriel dem Eisbären begleiten. Eine außergewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Anfang.  Das Buch zum Stück „Nelson der Pinguin“ von Hakon Hirzenberger und Gerhard Kainzner ist im Buchhandel erhältlich. Besetzung: Autor, Inszenierung, Raum: Hakon Hirzenberger | Bühne: Gerhard Kainzner, Roland Ploner | Kostüme: Andrea Bernd | Licht: Erich Üiberlacker | Musik: Andy Baum |  Video: Bernd Kranebitter | DarstellerInnen: Karin Verdorfer/Sophie Berger, Bernadette Abendstein, Doris Hindinger, Alexander Jagsch, Schauspiel | 45 Min. | ab 4 Jahren.

www.steudltenn.com

www.stadtsaal.com

BLÄTTERWIRBEL 2013  LESEFEST – LITERATURWOCHE – KULINARISCHES
Sonntag, 13. Oktober bis Donnerstag, 31. Oktober 2013

BLÄTTERWIRBEL 2013 – die achte Ausgabe des umfassenden und facettenreichen Literaturfestivals – findet heuer von Sonntag, 13. Oktober bis Donnerstag, 31. Oktober 2013 im Landestheater Niederösterreich, im Stadtmuseum St. Pölten, im Cinema Paradiso und an weiteren Orten und Plätzen der niederösterreichischen Landeshauptstadt  St. Pölten statt. Das Festival startet am Sonntag 13. Oktober 2013 um 11 Uhr im Stadtmuseum St. Pölten mit einem Eröffnungsvortrag und einer Lesung von Alois Brandstetter. Das Landestheater Niederösterreich hat speziell für das Festival zwei Personalen zusammengestellt: Personale Marlene Streeruwitz mit Christian Metz, Elisabeth Orth u.a. (Donnerstag 24.10) und Personale Franz Schuh mit Christine und Rudolf Scholten, Maria Hofstätter u.a. (Dienstag 29.10). Weiters im Blätterwirbel: Niederösterreichische Landesbuchausstellung, Michael Köhlmeier, Vea Kaiser, Franz Josef Machatschek, Christoph Mauz, Antonio Fian, LitGes-Tagebuchtag, Christoph Wagner-Trenkwitz, kronprinz@rudolf.eu, LitArena 6,  Thomas Raab, Flohmarkt im Bücherbus, Literaturfilme für Kinder und vieles mehr…

DAS PROGRAMM DES BLÄTTERWIRBELS 2013 IM ÜBERBLICK:

Bei der Eröffnungsveranstaltung des Blätterwirbels am Sonntag, 13.10. im Stadtmuseum St. Pölten bringt Alois Brandstetter Gedanken zur Entwicklung der Literatur und des Buches und liest aus seinem neuen Werk Kummer ade!, einem Roman über einen humoristischen Kriminalfall, bei freiem Eintritt! Am Dienstag, 15.10. gibt es eine Autorenlesung in der Stadtbücherei St. Pölten mit Thomas Raab, der in seinem sechsten Fall, Der Metzger kommt ins Paradies, Willibald Adrian Metzger nach Jesolo, Caorle und Bibione, also an die Hausmeisterstrände und zur Mafia  schickt -kauzige Figuren, bissige Dialoge und jeder Menge tiefschwarzer Humor. Eintritt frei!  Im Bücherbus am Rathausplatz finden SchnäppchenjägerInnen tausende Bücher zu  Flohmarkt-preisen. Eine wahre Fundgrube für alle BuchliebhaberInnen. (Donnerstag 17.10.  bis Samstag 19.10.) Der Machatschek präsentiert: Original Wiener Liederatur – Lesen mit allen Sinnen. Ein Roman, eine CD, ein Kunstwerk. Eine Buch-Musik-Performance, wie es sie noch nie gegeben hat. In ihrem Debütroman Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam entfaltet Vea Kaiser mit großer Verve und unwiderstehlichem Witz die Welt eines abgeschiedenen Bergdorfes und erzählt die Geschichte einer Familie, die über Generationen hinweg auf kuriose Weise der Wissenschaft verfallen ist. (Montag 21. und  Dienstag 22.10., Stadtmuseum St. Pölten, Eintritt frei!) Am Montag, 21.10. liest im Cinema Paradiso Michael Köhlmeier aus seinem Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer, mit dem ihm ein außergewöhnlicher Schelmenroman über die Nachtseiten unserer Gesellschaft gelang. Marlene Streeruwitz ist die erste Personale im Landestheater Niederösterreich gewidmet. Christian Metz,Germanist und profunder Streeruwitz-Kenner, wird das umfassende Werk der engagierten Schriftstellerin, Dramatikerin, Regisseurin, Essayistin und Journalistin in einem ausführlichen Gespräch mit der Autorin vorstellen. Die Kammerschauspielerin Elisabeth Orth,Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, wird gemeinsam mit Ensemblemitgliedern des Landestheaters Niederösterreich aus den Arbeiten von Marlene Streeruwitz lesen. (Donnerstag, 24.10., Landestheater Niederösterreich) Das Monodrama kronprinz@rudolf.eu von Wilhelm Pellert mit Reinhard Hauser, das das Schicksal eines hochbegabten Kindes, dessen Vater mit seinen Amtsgeschäften und dessen
Mutter nur mit sich selbst beschäftigt ist, zeigt, gibt es am Freitag, 25.10. im Stadtmuseum bei freiem Eintritt zu sehen. Der Herr Karl, der zeitlose Klassiker ist die gnadenlose Darstellung eines Mitläufers, Schlawiners, Egoisten, Opportunisten, Zynikers, Kleinbürgers und Kleinbetrügers in einer Person. Schriftsteller und Interpret Christoph Mauz wird aus dem legendären Werk von Carl Merz und Helmut Qualtinger lesen. (Samstag, 26.10., Rendl-Keller) Die Grundform von Antonio Fians Literatur, zu der er immer wieder zurückkehrt, sind
die Dramolette, die regelmäßig, zumeist im Standard, erscheinen und den Irrwitz des Alltags, der Politik und der Kultur in Fians unvergleichlichem Tonfall kenntlich machen. In den mehr als 80 Dramoletten von Man kann nicht alles wissen lotet er erneut die vielen Facetten des österreichischen Wesens bzw. Unwesens aus. (Sonntag, 27.10., Stadtmuseum St. Pölten, Eintritt frei!) Franz Schuh, Philosoph, Germanist und Historiker, bekannt vor allem durch seine pointierten Essays in renommierten Publikationen wie Die Zeit, Datum oder durch seine Radiosendung Magazin des Glücks in Ö1, wird uns von Christine und Rudolf Scholten in der zweiten Personale im Gespräch und in Lesungen vorgestellt. Maria Hofstätter, zuletzt in der Serie Braunschlag sowie im Kino in Ulrich Seidls „Paradies-Trilogie“ zu sehen, wird zusammen mit Ensemblemitgliedern des Landestheaters Niederösterreich aus dem  Werk Franz Schuhs lesen. (Dienstag, 29. 10., Landestheater Niederösterreich) Alljährlich veranstaltet die Literarische Gesellschaft anlässlich des Tagebuchtages eine Präsentation -heuer unter dem Titel TEXTGENESE TAG FÜR TAG oder: Und täglich grüßt das Murmeltier. Es gibt Musik und Wein, Brot und Gespräch und eine Lesung von Klaus Ebner. Textbegeleitung mit Musik von und mit Yasmine Peruz und Kurt Obermair. Durch den Abend führt Eva Riebler. (Mittwoch, 30.10., Buchhandlung Schubert) Der Residenz Verlag lädt anlässlich des 200. Geburtstages Guiseppe Verdis zu einem
launigen Abend mit Christoph Wagner-Trenkwitz: Wenn sie auch schlecht singen, das macht nichts. Versuche über Verdi. Christoph Wagner-Trenkwitz, beleuchtet Verdis schöpferische Entwicklung als Komponist, Librettist, Bühnenbildner und Politiker. Und weil Verdi nicht nur als Meister der Töne Geschichte schrieb, sondern auch mit Worten verzauberte, trägt Christoph Wagner-Trenkwitz zudem seine schönsten Zitate und Briefe vor. (Donnerstag, 31.10., Landestheater Niederösterreich Theaterwerkstatt, Eintritt frei! Mit Otfried Preußler ist einer der großen Kinderbuchautoren in diesem Jahr verstorben. Das Cinema Paradiso zeigt vier Verfilmungen seiner Bücher: Das kleine Gespenst, Die dumme Augustine, Die kleine Hexe und den Klassiker: Der Räuber Hotzenplotz.

www.cinema-paradiso.at

www.landestheater.net

www.stadtmuseum-stpoelten.at

www.blaetterwirbel.at

Theater an der Wien: A Harlot´s Progress: Uraufführung: 13. Oktober 2013

Mehr als sechzig Jahre nach der Uraufführung von Strawinskis The Rake’s Progress verwendet der junge englische Komponist Iain Bell William Hogarths andere berühmte Kupferstichfolge A Harlot’s Progress (1732) als Inspirationsquelle für sein Auftragswerk für das Theater an der Wien. Das Libretto schuf der Schriftsteller Peter Ackroyd, der international vor allem durch seine historischen Romane und Schilderungen englischer Geschichte bekannt ist. Das Werk beschwört Hogarths London, den umtriebigen Lärm der Straßen und Märkte, aber auch die dunklen Orte, das Gefängnis, billige Hurenabsteigen, Krankheit und Tod herauf.

Jung und naiv auf der Suche nach einem besseren Leben, trifft Moll Hackabout in London ein. Kaum der Kutsche entstiegen, gerät sie in die Fänge der Kupplerin Needham. Zunächst wird Moll von einem reichen Mann ausgehalten, sie lebt in sündigem Luxus. Dann aber verliebt sie sich in den Dieb James Dalton. Mit ihm sinkt sie immer tiefer, wird zur billigen Hure und landet im Gefängnis. Weil sie ein Kind bekommt, darf sie das Gefängnis wieder verlassen, aber es ist zu spät: Dalton ist inzwischen tot, und sie stirbt in völliger Armut an Syphilis. Bei ihrer Leichenfeier treffen die Begleiter ihres Abstiegs wieder zusammen und resümieren – größtenteils zynisch – Molls Schicksal. Die alte Needham will sich Molls Tochter annehmen und sie ausbilden.

Iain Bell ist fasziniert von den Möglichkeiten der Singstimme, er hat bislang hauptsächlich Liederzyklen geschaffen, A Harlot’s Progress ist seine erste Oper. Mit einem Orchester von 60 MusikerInnen, einem 40-köpfigen
Chor und sechs SolistInnen schließt das Werk melodisch bewusst an die britische Operntradition des 20. Jahrhunderts an. Der Chor kommentiert das Geschehen vertiefend wie im antiken griechischen Theater, Orchesterzwischenspiele veranschaulichen die nicht szenisch dargestellten Stationen vom Niedergang der Hauptfigur.

Aus persönlichen Gründen legt der britische Dirigent Donald Runnicles die musikalische Leitung für die Uraufführung der Oper „A Harlot’s Progress“, die am 13. Oktober 2013 zur Premiere gelangt, zurück.
Der finnische Dirigent Mikko Franck wird das Dirigat der Oper des britischen Komponisten Iain Bell, einem Auftragswerk des Theater an der Wien, übernehmen.

Intendant Roland Geyer: „Donald Runnicles hat mich aufgrund von dringenden familiären Gründen gebeten ihn aus seiner Dirigat-Verpflichtung für die Uraufführung zu entbinden, weil er sich im Herbst um seine Tochter in der Berlin kümmern muss.
Mikko Franck galt Anfang der 2000er Jahre als DAS skandinavische Dirigier-Wunderkind, der sich in den letzten fünf Jahren als Operndirigent ausschließlich in Helsinki als GMD der Finnischen Nationaloper gewidmet hat. Erst seit heuer dirigiert er auch wieder an anderen Häusern. Er ist mit seinen 34 Jahren einer der weltbesten und opernerfahrensten Dirigenten seiner Generation.
Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Mikko Franck und sehe einer spannenden Entwicklung auf dem Dirigentensektor des Theater an der Wien entgegen, die in den nächsten Jahren einige Newcomer bringen wird.“

Zu Mikko Franck:
Der 1979 geborene Mikko Franck, der zunächst Violine studierte, stammt aus der legendären Dirigentenschmiede von Jorma Panula an der Sibelius Akademie von Helsinki. Von 2002 bis 2007 war er musikalischer Leiter des Orchestre national de Belgique. 2006 übernahm er die Stelle des Generalmusikdirektors an der Finnischen Nationaloper, seit Januar 2008 ist er dort künstlerischer Direktor. 2015 übernimmt Mikko Franck als musikalischer Leiter das Orchestre Philharmonique de Radio France.
Mikko Franck verfügt über ein breit gefächertes Opern- und Konzert-Repertoire.
In den letzten Jahren hat er u. a. mit den Berliner , Münchner , New Yorker und Londoner Philharmonikern sowie mit dem Israel und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra gearbeitet. Im Juli 2007 dirigierte er Tosca und L’elisir d’amore am Royal Opera House Covent Garden. Sein Debüt an der Metropolitan Opera New York gab er im Dezember 2011. Seine Einspielung von Sibelius’ En Saga und Lemminkäinen Suite mit dem Schwedischen Radio Sinfonie Orchester erhielt 2001 eine Grammy-Nominierung und wurde mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet.

Zur Oper „A Harlot’s Progress“:
Das Libretto zu der Oper in sechs Szenen nach der gleichnamigen Bilderfolge von William Hogarth schrieb der renommierte englische Schriftsteller Peter Ackroyd. Es musizieren die Wiener Symphoniker und es singt der Arnold Schoenberg Chor. Der deutsche Regisseur Jens-Daniel Herzog, Intendant der Oper Dortmund, wird die Uraufführung inszenieren. Diana Damrau singt die tragische Partie der naiven Moll, die dem Charme des Diebes James, gesungen von Bariton Nathan Gunn, verfällt. Als Kupplerin tritt die schottische Sopranistin Marie McLaughlin auf.

Der Kaiser von Atlantis oder Die Todverweigerung: 17.10.

Mahler-Lieder
Rheinlegendchen
Wo die schönen Trompeten blasen
Das irdische Leben
aus Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn (1892-98)

Gustav Mahler: Der fahrende Geselle (1884)
in der Bearbeitung von Arnold Schönberg (1919)

Der Kaiser von Atlantis oder die Todverweigerung
Spiel in einem Akt (1946)

Im November 1941 wandelten die Nationalsozialisten die Garnisonsstadt und -festung Theresienstadt in ein Konzentrationslager um, das sie euphemistisch als „Ghetto“ bezeichneten. Theresienstadt sollte einerseits als Zwischenlager für die jüdische Bevölkerung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ vor dem Abtransport in die Vernichtungslager dienen, gleichzeitig aber auch als „Vorzeigelager“ die Skepsis ausländischer Beobachter beschwichtigen. Kulturelle Aktivitäten der Häftlinge wurden daher ermutigt. Der Komponist Viktor Ullmann wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und fungierte dann als „Direktor für musikalische Freizeitgestaltung“. Der renommierte Schönberg-Schüler schuf 1943 gemeinsam mit dem Dichter und Maler Peter Kien die Kammeroper für
sieben Sänger und dreizehn Instrumentalisten Der Kaiser von Atlantis, die ursprünglich den Untertitel Der Tod dankt ab trug.
Der Kaiser von Atlantis herrscht als Tyrann. Selbst dem Tod gibt er Befehle, bis dieser die Arbeit verweigert und niemand mehr stirbt. Ohne den Tod fällt Atlantis ins Chaos. Schließlich willigt der Tod ein, seine Funktion wieder zu erfüllen, wenn der Kaiser sein erstes Opfer wird. Trotz bereits begonnener Proben kam es nicht mehr zu einer Aufführung der offensichtlich auf Hitler und den Wahn der Nationalsozialisten Bezug nehmenden Oper. Viktor Ullmann wurde am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er in der Gaskammer ermordet wurde.

www.theater-wien.at

ImPulsTanz: „Zwischenspiel“ im Herbst

Der 30. Jubiläumssommer des ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival war heiß, ein großer Erfolg und lässt nun auch den Herbst nicht kalt. In Kooperation mit ImPulsTanz bringt die Tanz Company Gervasi im Oktober ihr neues Stück „SOLO WITH GUESTS (Part two)“ im Wiener Odeon Theater zur Aufführung.

In Einzel- und Gruppenchoreografien beleuchtet der Choreograf und Tänzer Elio Gervasi – der selbst auf der Bühne steht – gemeinsam mit sieben weiteren TänzerInnen, jene Momente höchster Spannung, in denen sich mühevoll entwickelte Ordnungsmuster chaotisch zueinander verhalten. Die These lautet: „Das Chaos ist der Ursprung allen Seins. In unserer Welt bewegen wir uns ausschließlich in Form von Chaos, die Ordnung stellt nur einen Ausnahmezustand dar.“ Nur wenn wir innehalten, so der Choreograf weiter, „wird uns bewusst, dass wir im Chaos leben, und alles scheint so zu sein, wie wir es nicht haben möchten“. Zwischen Ordnung und Chaos oszillierend, folgen die Körper der TänzerInnen Bewegungsstrukturen, die das Publikum auf Entdeckungsreise schickt und es den Augen der BetrachterInnen selbst überlässt, wo eine Ordnung endet und wo Chaos einsetzt.

„SOLO WITH GUESTS (Part two)“
11. & 12. Oktober 2013 | 20.00 Uhr | Odeon
(Taborstraße 10, 1020 Wien)

www.odeon-theater.at

www.impulstanz.com

ZENSUR! DIE DREI VON DER TANKSTELLE

Regie: Mathias Spohr 10. -13. Oktober 2013 im Brick-5, Fünfhausgasse 5, 1150 Wien
Die Schlüterwerke präsentieren im Herbst 2013 anlässlich des Gedenkens an die Reichspogrome im November 1938 eine Reihe von Produktionen, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auseinandersetzen. Im Oktober wird es zwei „Capriccios“ geben. Zunächst ein Gastspiel des Bolivianischen Theaters „Tariy Teatro“ mit dem Titel „Sterne ohne Himmel“. Es ist der poetische Monolog einer Frau, die von ihrem Großvater erzählt, der von den Nazis in Steinhof ermordet wurde. Danach spielen sie „ZENSUR! Die Drei von der Tankstelle“ unter der Leitung des Schweizer Regisseurs Mathias Spohr. Es ist eine Live-Synchronisation des Films gleichen Titels aus dem Jahr 1930, bei der auf die Tatsache eingegangen wird, dass dieser Film 1937 von den Nazis verboten wurde. Obwohl er der erfolgreichste Tonfilm seiner Zeit war und auch Heinz Rühmann mitwirkte, der ein persönlicher Freund von Joseph Goebbels war, konnte die Zensur und das Verbot des Films nicht abgewendet werden. Mit diesem Projekt wollen sie eine sinnliche Erfahrung der Zensur vermitteln -in ihrer
ganzen Brutalität und Vehemenz. Ende November kommt die New Yorker Opernproduktion „Der Kaiser von Atlantis“ nach Wien. Es spielt das Klangforum Wien. Zum ersten Mal steht die Sporthalle der Maria Theresien-Kaserne, die unter Dollfuß geplant und unter den Nazis errichtet wurde, für eine öffentliche Veranstaltung zur Verfügung.  Diese Produktion wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm begleitet.

Inhalt: Der Film „Die Drei von der Tankstelle“ von Wilhelm Thiele aus dem Jahr 1930 ist ein zentrales Werk des deutschen Filmschaffens vor dem zweiten Weltkrieg. Er war einer der ersten und gleichzeitig erfolgreichsten deutschen Tonfilme. Ein Jahr zuvor hatten sich viele Kinobesitzer verschuldet, um mitten in der Wirtschaftskrise ihre Kinos von Stumm-auf Tonfilm umzustellen. Zwar wurden dadurch zahlreiche Musiker der Stummfilmorchester arbeitslos, aber für die Tonfilmkinos rentierte sich dieser Aufwand bald. „Die Drei von der Tankstelle“ gilt auch als erster Musical-Film der deutschen Filmgeschichte. Die Lieder wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ des Komponisten Werner Richard Heymann wurden weit über diesen Film hinaus bekannt und zu großen Hits.
1937 wurde er von der nationalsozialistischen Zensurbehörde verboten, da in diesem Film Juden mitwirkten. Unter anderem haben die Comedian Harmonists einen Gastauftritt, die zu dieser Zeit trotz ihres überragenden internationalen Erfolgs aus demselben Grund ebenfalls verboten wurden. Eine der Hauptrollen in diesem Film spielt der deutsche Paradekomiker Heinz Rühmann. Trotz seiner enormen
Popularität und seiner engen persönlichen Freundschaft zum Reichspropagandaminister Joseph Goebbels konnte er ein Verbot dieses Films offenbar nicht verhindern. Mit der Produktion „ZENSUR! Die Drei von der Tankstelle“, die sie anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht vom 9.11.1938 zeigen, drehen sie die erfolgreiche Umstellung von Stummfilm auf Tonfilm wieder um: Wie zu Zeiten des Stummfilms wird der Film ohne Ton vorgeführt und unter der Leitung des Schweizer Regisseurs Mathias Spohr live mit Dialogen, Geräuschen und Musik ergänzt. Mit diesem Projekt wollen wir dem Publikum, das sich als „Foley Artisten“ mit der Tongebung der Filmgeräusche an unserer Aufführung beteiligen kann, ein sinnliches Erleben der Zensur und ihrer Gewalttätigkeit ermöglichen und die Katastrophe der Verhinderung spürbar machen. Im Anschluss an die Vorstellung am Samstag, 12.10. wird es ein Publikumsgespräch geben. Regisseur Mathias Spohr sucht nach neuen, unkonventionellen Formen des musikalischen Theaters und experimentiert mit der Brüchigkeit der Interpretationen. Eintritt: „Pay as you can“ an der Abendkassa

www.schlüterwerke.at

Die Schlüterwerke sind eine Produktionsstätte für zeitgenössische Projekte darstellender Kunst unter Einbeziehung sämtlicher denkbarer künstlerischer Ausdrucksformen mit dem Ziel, eine aktuelle Musiktheatersprache zu entwickeln. Mit vielen wunderbaren KünstlerInnen der unterschiedlichsten Sparten begannen wir im Februar 2013 ein neues Musiktheaterensemble aufzubauen, mit dem wir langfristig
kontinuierlich arbeiten wollen. Wir nennen uns „Schlüterwerke“ nach dem Roman „Drei Männer im Schnee – das lebenslängliche Kind“ von Erich Kästner. Der Name „Schlüterwerke“ soll suggerieren, dass wir täglich arbeiten wollen, um niederschwellige, lebendige und spannende Musiktheaterproduktionen zu verwirklichen.
Markus Kupferblum

www.kupferblum.com

Wien, 9. 10. 2013