Bronski & Grünberg: The Big Bronski Christmas Show

Dezember 15, 2019 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Swingen, schwofen, Eggnog schlürfen

Die Gastgeber Julia Edtmeier und Jakob Semotan. Bild: © Philine Hofmann

Auf dem Wunschzettel ans Christkind steht seit gestern zuoberst, das Bronski & Grünberg möge diesen famosen Abend bitte auf Schallplatte pressen und als Geschenkidee anbieten. Ging sicher weg wie warme Weihnachtskekse! Mitten im Antiidyllmonat Advent bietet das Progressiv-Boulevardtheater ums Eck von der Porzellan- gasse nämlich den besten Grinch-Killer ever – „The Big Bronski Christmas Show“, eine Lametta-behängte, Eggnog-durchtränkte Extravaganza à la Hausmarke, bei deren Genuss sich die Stressstimmung sofort in beste Laune verwandelt: It’s Beginning to Look a Lot Like Christmas!

Der Johnny-Mathis-Song nur einer der etlichen, die zu Gehör gebracht werden, gesungen von Perry Como bis Bing Crosby, und deren weltberühmte TV-Xmas-Specials der Sechziger- jahre sind die Art Budenzauber, den nun die Bronskisten veranstalten. Die Bescherung anrichten Julia Edtmeier und Jakob Semotan als Hosts, und wie die beiden mit Big-Band-Gesten durch ihre Bad-Santa-Jokes tänzeln, ist man tatsächlich anHappy Holidays with Frank and

Bing“ oder die alljährliche „Perry Como’s Christmas“ erinnert, die übrigens 1976 sogar „In Austria“ stattfand. Und apropos tänzeln, Julia Edtmeier erweist sich nicht nur als talentierte Sängerin, sondern legt zusammen mit Semotans Volksopernkollegen Peter Lesiak auch eine Astaire’sche Steppnummer hin, dass dem Parkett ganz heiß wird. Von Ruth Brauer-Kvam ist die regieliche Zusammensetzung der Big American Christmas Party; weder Kosten noch Mühen wurden gescheut, um mit Kunstschnee, Glitzer und einem fast echten Pferdeschlitten eine Wahnsinnsshow zu präsentieren. Christian Frank begleitet die Special Guests auf dem Piano, und zu den Season’s Greetings angetreten sind:

Karoline Kucera und Florian Carove als Duettpartnerinnen Judy Garland und – Carove – Silberblick-Barbra-Streisand, die stimmgewaltigen Diven bald im Ellenbogen-Infight ums höchste C, so viel Satire muss im Bronski & Grünberg sein, auch wenn the one and only Tania Golden ihren „Simple Wish“ ins Mikrophon röhrt – „I wanna be rich, famous and powerful“, a Song by David Friedman, because you know, jews are writing the best christmas songs, auch wenn Kyrre Kvam im Pinguinpullover „Have Yourself A Merry Little Christmas“ mit einem als Trauerlied dargebotenen „Me, Myself & I“ mixt – der Egomanenhit als einsamer Abgesang. Äußerst amüsant auch der Auftritt der Schwestern Caroline und Eva Maria Frank, die bei ihrem Adventsingen mit Verve eine, weil darin versehentlich einen Diamantring versenkt habend, Bowleschüssel leeren.

Rat-packing Semotan kann derweil vorne Rampensau und sich hinten mit Punsch zuschütten, Edtmeier im Minutentakt die atemberaubend schönen Vintageabendkleider wechseln, in den Werbepausen werden per Röhrenfernseher Zigaretten angepriesen. „Baby, It’s Cold Outside“ wird nicht nur gegendert, sondern auch als ménage à trois geträllert, Semotan und Edtmeier verhaften via Sketch den Schlittenfalschparker vom Nordpol, das besinnliche „White Christmas“ fehlt ebenso wenig auf der Setlist wie das sexy „Santa Baby“ – und am Schluss ist endlich Sing Along angesagt. What a night, what a show! Dont‘ miss it!

www.bronski-gruenberg.at

  1. 12. 2019

The Big Sick

November 15, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Viel mehr als nur eine Multi-Kulti Love Story

Kumail (Kumail Nanjiani) schlägt sich mehr schlecht als recht als Stand-up-Comedian durch. © 2017 Comatose Inc., Bild: Nicole Rivelli

Es kommt nicht oft vor, dass eine Liebeskomödie so gehyped wird wie „The Big Sick“. Nach der Weltpremiere beim Sundance Film Festival standen die Kritiker vor Freude Kopf, in Locarno gab’s den Publikumspreis, von Rotten Tomatoes 98 Prozent, und der Siegeszug geht weiter. Es scheint, als wäre Hauptdarsteller Kumail Nanjiani, der mit seiner Frau Emily V. Gordon ihr Kennenlernen zu Papier brachte, ein Wurf gelungen.

Überzeugen kann man sich davon ab 17. November in den heimischen Kinos. Dabei beginnt „The Big Sick“ wie das Abziehbild jeder romantic comedy, die man jemals gesehen hat, die Charaktere klassische Archetypen, die Handlung eh-schon-wissen. Und dann kommt es auf einmal ganz anders …

Kumail Nanjiani spielt sich selbst, den zur damaligen Zeit mäßig erfolgreichen Stand-up-Comedian (später machte er mit der Startup-Comedy „Silicon Valley“ Karriere) und Taxifahrer Kumail. Einen US-Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln, der eher orientierungslos durchs Leben driftet. Nach einem Auftritt lernt er in der Bar Emily, gespielt von Zoe Kazan, kennen, man landet gleich im Bett, Beziehung kommt erst später. Doch der Haken an der Sache ist, Kumail bringt es nicht übers Herz, seinen liebenswert nervtötenden und natürlich schwer traditionellen Eltern von seiner „weißen“ Freundin zu erzählen. Ein Cousin hat nämlich eine, und ein Baby namens Da-ve, wer nennt sein Kind schon Da-ve?, und ist nun für die Familie gestorben. Während Kumail sein Gewissen und vor allem Emily plagen, unternimmt die Mutter (Zenobia Shroff) in Endlosschleife hinreißend peinliche Versuche, ihn zu verkuppeln, an ihrer Seite Anupam Kher als stylischster Vater aller Zeiten.

Was sich wie eine weitere Version von Multi-Kulti-„My Big Fat Pakistani Wedding“ anlässt, ist aber nur der erste Akt, die erste halbe Stunde, bis sich vor die -komödie ein Tragi- schiebt. Denn der Plot nimmt eine ungeahnte Wendung, die der bisherigen Fluffigkeit einen ernsteren Ton verschreibt. Man trennt sich, no na. Doch dann erkrankt Emily schwer an einem Lungeninfekt, der Virus bringt ihr Herz fast zum Stillstehen. Kumail rast ins Krankenhaus, wo ihre Eltern kein Interesse am Ex-Lover ihrer Tochter haben. Kumail muss sich beweisen und entscheiden, wie er sein Leben leben will …

Im Krankenhaus: Beth (Holly Hunter) und Terry (Ray Romano) wollen nichts von Kumail wissen. Bild: © 2017 Comatose Inc.

Kumails Mutter (Zenobia Shroff) schleppt Heiratskandidatinnen an. © 2017 Comatose Inc., Bild: Nicole Rivelli

Bis es mit der Handlung so weit ist, hat das sympathische Protagonistenpaar die Zuschauer schon fest im Griff. Allein die Tatsache, dass hier die wahre Geschichte eines Ehepaars von ihm selbst erzählt wird, reicht aus, dass den beiden die Herzen zufliegen. Zoe Kazan gestaltet die Emily schön hibbelig, sie ist eine Stadtneurotikerin im besten Wortsinn, flutscht nervös hin und her, als wäre sie von Woody Allen erfunden worden, bis ihre Krankheit sie niederstreckt. Kumail Nanjiani ist ein ungemein charismatischer Schauspieler. Ein einziger grinsender Blick von ihm genügt, um ihn und seinen beharrlichen, freundlichen Charakter zu mögen. Warmherzig sind etwa die Szenen, in denen sie mit ihm an seiner One-Man-Theatershow über seine pakistanische Herkunft bastelt, und seinen halbwissenschaftlichen „Diavortrag“ zu einem unterhaltsamen Abend tunt.

Die Gags sind trocken, die Dialoge witzig, die Story ist herzlich, Mentalitäten werden ausgelotet, ohne plakativ zu werden – das Ganze zündet fantastisch. Als sich Kumail seinem Bruder anvertraut, wäre dem lieber, der Jüngere wäre Scheckfälscher oder hätte Fahrerflucht begangen. Man wird mitten im Lokal laut, der Nebentisch mokiert sich, darauf folgt der US-groteske Dialog: „Entschuldigung!“ – „Wir hassen Terroristen!“ Schön auch, wie Emilys Vater zu Kumail über 9/11 sagt: „Ich wollte schon immer mit einem von euch darüber reden.“

Bald aber führt man ehrlichere Gespräche, von beiden Seiten ehrlicher, als Kumail mit seinen eigenen Eltern. Behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen fängt die Kamera in diesen Momenten Blicke und gestische Andeutungen zwischen dem ungleichen Trio ein. Und langsam schälen sich komplexe Menschen mit ein paar Macken und auch ziemlichen Problemen aus den Figuren. Aus einer anfänglichen Schutzhaltung vor allem der Mutter entwickelt sich eine Freundschaft.

Zwischen Kumail und Emily (Zoe Kazan) funkt es. © 2017 Comatose Inc., Bild: Sarah Shatz

Herausragend gelingt diese Darstellung von Zoes Eltern, gespielt von Holly Hunter, als Tigermutter wie immer acting over the top, und Ray Romano als desillusioniertem Lehrer und Fremdgeher in einer späten Midlife Krisis. Großartig auch die hart, aber herzliche Comedy-Club-Clique Matty Cardarople als Stu, Rebecca Naomi Jones als Jessie und Kurt Braunohler als Loser Chris. Der Groove dieses Überraschungshits aus den Händen von Regisseur Michael Showalter stimmt.

„The Big Sick“ ist einer der ungewöhnlichsten, bewegendsten und bezauberndsten Liebesfilme seit Langem. Erfrischend unkitschig für eine US-Produktion, und trotzdem zum Tränen Lachen und auch ein paar Weinen. Im Nachspann der True Story gibt‘s noch die echten Hochzeitsfotos.

www.TheBigSick-Film.de

  1. 11. 2017

Karikaturmuseum Krems: Gerhard Haderers „Think Big!“

Februar 18, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Kleingedruckte des Lebens lesen

Gerhard Haderer, Vorweihnachtliche Herbergsuche auf Lampedusa, 2012. Copyright: Gerhard Haderer, 2016, Landessammlungen Niederösterreich. Bild: Christoph Fuchs

Gerhard Haderer, Vorweihnachtliche Herbergsuche auf Lampedusa, 2012. Copyright: Gerhard Haderer, 2016, Landessammlungen Niederösterreich. Bild: Christoph Fuchs

Das Karikaturmuseum Krems präsentiert ab 28. Februar den Star-Karikaturisten Gerhard Haderer. „Think Big!“ – Haderers bislang umfangreichste Ausstellung ist Programm und beweist, dass Satire weit über gezeichnete Cartoons und Kabarett hinausgeht. Neben Haderers pointierten und treffsicheren Cartoons zu gesellschaftspolitischen, kulturellen und zwischenmenschlichen Themen oder seiner Kritik am religiösen Bodenpersonal werden in der Ausstellung erstmals seine großformatigen Ölgemälde präsentiert – Satire in malerischer Anmutung und Opulenz, ganz in der Manier der Alten Meister.

Seit mehr als 30 Jahren stochert Gerhard Haderer in den Innereien der Welt, reißt Tabus nieder und bringt zeichnerisch auf den Punkt, was viele denken, aber nicht auszusprechen wagen: den alltäglichen Wahnsinn. Sein „Think Big!“ macht mobil gegen Verschwendungssucht, Umweltzerstörung und Größenwahn. Es ist eine Aufforderung gegen die Gutgläubigkeit und für das Lesen von „Kleingedrucktem“ im Leben. Die meisterhaften Arbeiten sind klare Aussagen gegen Menschenhatz und politische Gedankenlosigkeit.

Kuratiert von Direktor Gottfried Gusenbauer beleuchtet die opulente und hochkarätige Werkschau mit etwa 140 Original-Cartoons, sechs großformatigen Ölgemälden, vielen weiteren Skizzen, Vorstudien, Büchern, Trickfilmen und Videos die Vielseitigkeit des Künstlers und präsentiert eine Chronik zur Zeit mit all ihren Höhepunkten, Widrigkeiten und Skandalen.

www.karikaturmuseum.at

www.scherzundschund.at

Wien, 18. 2. 2016

Nerds sind oft Genies

Februar 8, 2013 in Film

Dr. Sheldon Cooper (Jim Parsons) litt kurz unter einem Katzentick.
29.12.2012, Von Michaela Mottinger http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527

Die linke Sofaecke ist fix vergeben
In „The Big Bang Theory“ haben vier junge Physikgenies den ur Knall.
er „Star Wars“ nicht von „Star Trek“ unterscheiden kann. Nicht weiß, was „nuq-neH“ heißt (Klingonengruß, wörtlich: „Was willst du?“). Die Heisenberg’sche Unschärferelation nicht kennt oder glaubt, Leibniz ist ein Butterkeks, sollte bei Girlie-Kram oder Skifahren bleiben (deswegen entfällt übrigens „The Big Bang Theory“ auf ORFeins derzeit oft, grrrrr!)Er würde den Diskussionen von Leonard, Sheldon, Howard und Raj ohnedies nicht folgen können. Und außerdem bleiben wir Nerds lieber unter uns. Oder wie Dr. Sheldon Cooper (IQ 187 und nicht verrückt, seine Mutter hat ihn testen lassen) sagen würde: „Ich vergesse oft, dass andere Menschen ihre Grenzen haben. Das ist zu traurig.“

Nicht alltäglich

Die wunderbare Warner Bros.-Serie, die in den USA bereits in der sechsten Staffel läuft, erzählt die Geschichte dreier hochbegabter Physiker und eines Raumfahrtingenieurs und ihres von der Normalo-Welt ziemlich abgehobenen Alltags. Was den Geeks nämlich fehlt, ist gesunder Menschenverstand.

Für den ist Nachbarin Penny, angehender Schauspielstar, aber derzeit noch Kellnerin, zuständig. Penny und Leonard führen eine Art On-Off-Beziehung.

Absolutes Highlight ist und bleibt aber Sheldon, der Mr.-Spock-Clon ohne Führerschein, der seine Mitbewohner nicht nur mit dem Spleen zum Wahnsinn treibt, dass er die linke Sofaecke stets für sich beansprucht.

Durchblicker-TV, für das es nur ein Wort gibt: Bazinga!

Zu sehen täglich 18.50, ORFeins, 10.40,15.10, ProSieben.