Belvedere: Wotruba und das Wiener Biedermeier

Mai 8, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Skandalöse Betonklotz-Kirche mit Kultstatus

Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien-Mauer, Ansicht von Osten. Bild: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Architekturikone aus Betonblöcken: Die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit gilt heute als modernes Wahrzeichen Wiens. Der künstlerische Entwurf des seinerzeit heftig umstrittenen Kirchenbaus geht auf den Bildhauer Fritz Wotruba zurück. Nach Planung mit Architekt Fritz Gerhard Mayr wurde von 1974 bis 1976 einer der markantesten Sakralbauten Wiens realisiert. 45 Jahre nach der Einweihung widmet das Belvedere nun der sogenannten WotrubaKirche erstmals eine Ausstellung.

„Die Kirche ist ein Wahrzeichen, für viele hat sie Kultstatus. Über ihre Entstehung – ein Stück Nachkriegs– wie gleichermaßen Kunstgeschichte – ist bislang wenig bekannt. Die Ausstellung füllt hier eine Lücke und lässt das lieb gewonnene Bauwerk anders sehen und neu erleben“, so Stella Rollig, Belvedere-Generaldirektorin. Die Einweihung der Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit erfolgte am 24. Oktober 1976, mehr als ein Jahr nach Wotrubas Tod und nach 13-jähriger, schwieriger Entstehungsgeschichte. Ursprünglich hatte der Bildhauer 1965 den Auftrag erhalten, für den Orden der Karmelitinnen ein Kloster mit Kirche in Steinbach bei Wien zu entwerfen. 1966 entstanden die ersten plastischen und zeichnerischen Entwürfe Wotrubas. Das Klosterprojekt wurde nicht verwirklicht, das Modell der Klosterkirche jedoch diente als künstlerischer Entwurf für den Bau der Rektoratskirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit auf dem Georgenberg in Wien-Mauer.

Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, Innenansicht mit Blick Richtung Süden. Bild: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Wotruba in seinem Atelier bei der Arbeit an einem Tonmodell für das  Karmelitinnenkloster in Steinbach bei Wien, 1967. Belvedere, Wien, Nachlass Fritz Wotruba

Fritz Wotruba, Skizze zu einer Architektur, 1966. Bild: Harald Eisenberger / Belvedere, Wien

Modell der Kirche des Karmelitinnenklosters in Steinbach bei Wien, 1967. Bild: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Die Ausstellung „Wotruba. Himmelwärts. Die Kirche auf dem Georgenberg“ macht die Entstehung dieses bedeutenden Bauwerks aus 135 Betonkuben nachvollziehbar und bringt die archiskulpturale Formgebung mit dem Gesamtwerk Wotrubas in Zusammenschau. Der Dialog zwischen Skulptur und Architektur zeigt sich im gesamten bildhauerischen Werk des Künstlers. Entwurfszeichnungen, Kirchenmodelle und ergänzende plastische Arbeiten aus den 1960er-Jahren veranschaulichen dies. Erstmals sind nahezu alle plastischen Entwürfe für die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit in einer Ausstellung zu sehen.

Die Schau ist in mehrere Themenbereiche gegliedert. Einer davon beleuchtet die kontroversielle öffentliche Debatte zum Kirchenbauprojekt im Mai 1968, nachdem Wotrubas Entwürfe für das Karmelitinnenkloster in der Wiener Galerie nächst St. Stephan präsentiert wurden. Eine weitere Diskussion über die Kirche kam vor Kurzem auf: Auslöser waren ein 2019 errichteter Lift und die Erweiterung der im Inneren des Hügels liegenden Gemeinderäume mit einem neuen Zugang und einer Glasfront. Im Vordergrund stand nun das denkmalpflegerische Interesse am Erhalt des originalen Erscheinungsbildes des Architekturdenkmals, dessen Bedeutung mittlerweile unbestritten ist.

Im Kontext internationaler Vergleiche skulpturaler Architektur – von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart, von Le Corbusier bis Günther Domenig – tritt die Einzigartigkeit von Wotrubas künstlerischem Bau deutlich hervor. Archiskulpturale Arbeiten von Richard Serra, Max Bill, Aurélie Nemours und Hans Hollein zeigen Verbindungen des Bildhauers mit anderen Künstlerinnen und Künstlern durch seine Beschäftigung mit Figur, Architektur und Raum. Ungebrochen ist die Anziehungskraft, die das außergewöhnliche Werk moderner Bildhauerarchitektur auf zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler ausübt. Exemplarisch dafür werden Thomas Draschans Experimentalfilm zur Wotruba-Kirche aus dem Jahr 2014 und Evy Jokhovas transdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Architektur des Sakralbaus von 2016 bis 2017 gezeigt. Aglaia Konrads filmische Betrachtung Wotruba Wien befindet sich seit 2018 in der Sammlung des Belvedere.

Friedrich von Amerling, Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav, 1837. Bild: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Peter Fendi, Mädchen vor dem Lotteriegewölbe, 1829. Belvedere, Wien

Ferdinand Georg Waldmüller, Der Abschied der Patin (Nach der Firmung), 1859. Belvedere, Wien, Leihgabe des Vereins der Freunde der Öster. Galerie Belvedere

Bessere Zeiten? Waldmüller und das Wiener Biedermeier

Biedermeier – viel zitiertes und oft diskutiertes Wort dieser Tage: Macht sich ein bürgerlich-idyllischer Lebensstil in der Gesellschaft breit? Was ist Biedermeier eigentlich? Ist ein Blick auf diese Epoche ein Blick auf bessere Zeiten? Die neue Sonderausstellung im Oberen Belvedere „Bessere Zeiten? Waldmüller und das Wiener Biedermeier“ erzählt ab 12. Mai von der Zeit der Metternich’schen Restauration, der Stärkung des Bürgertums und seinem gleichzeitigen Rückzug aus der Sphäre politischer Verantwortung ins Private.

Die Habsburgermonarchie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Französische Revolution und Napoleon haben sie in ihren Grundfesten erschüttert – durch Repression versucht sie die alte Stärke wiederzuerlangen Das Bürgertum gewinnt ein neues, bis dahin ungekanntes Selbstbewusstsein. Im Zentrum steht die Familie, das sprichwörtliche häusliche Glück. Gleichzeitig ziehen sich deren Protagonistinnen und Protagonisten aus dem politischen Leben zurück. Dies war das Ausgangsszenario für eine neue Stilrichtung: das Wiener Biedermeier. Die scheinbare Idylle des Privaten wurde zum herrschenden Ideal. Darstellungen häuslichen Lebens kehrten zunehmend in die Kunst ein. Die Salonkultur hatte Hochkonjunktur.

In der bildenden Kunst wurden in dieser Zeit Familienporträts, Einblicke in die beschauliche Heimeligkeit oder Blumenbilder beliebt. Die heimatliche Landschaft als Ort der Identifikation wurde zum gefragten Motiv. Dennoch blieb die Kunst auch in dieser Zeit nicht gänzlich unkritisch: Darstellungen von vermeintlich beschaulichen oder anrührenden Szenen kippen bei genauerer Betrachtung in ihr Gegenteil. Armut, und gesellschaftliche Ausgrenzung sind die „versteckten“ Themen der Biedermeiermalerei. Kurator Rolf H. Johannsen widmet sich in dieser Ausstellung Sein und Schein einer für Wien und seine Kunstgeschichte prägenden Epoche. Mit Werken von Ferdinand Georg Waldmüller, Friedrich von Amerling, Rosalia Amon, Josef Danhauser, Thomas Ender, Peter Fendi, Pauline Koudelka-Schmerling, Carl Schindler, Franz Steinfeld und Adalbert Stifter.

www.belvedere.at

8. 5. 2021

Jüdisches Museum Wien: Die bessere Hälfte

November 4, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Arbeiten jüdischer Künstlerinnen bis 1938

Broncia Koller-Pinell: Marietta, 1907. Bild: Sammlung Eisenberger, Wien © Vera Eisenberger KG, Wien

Broncia Koller-Pinell: Marietta, 1907. Bild: Sammlung Eisenberger, Wien © Vera Eisenberger KG, Wien

Das Jüdische Museum Wien zeigt ab 4. November die Ausstellung „Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938“. Die Schau stellt 44 fast vergessene Künstlerinnen vor und zeichnet deren außergewöhnliche Wege nach, die vom Kampf um Anerkennung in einer männlich dominierten Kunstszene erzählen, aber auch von vielversprechenden Karrieren, die durch Vertreibung und Exil unterbrochen oder in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus für immer beendet wurden.

Wien um 1900 war auch eine Stadt der Frauen. Am Aufbruch in die Moderne waren viele Künstlerinnen beteiligt, die sich trotz der schlechten Bedingungen für Frauen im Kunstbetrieb durchsetzen konnten. Ein überdurchschnittlicher Anteil dieser Künstlerinnen kam aus assimilierten jüdischen Familien. Malerinnen wie Tina Blau, Broncia Koller-Pinell, Marie-Louise von Motesiczky oder die Keramikerinnen Vally Wieselthier und Susi Singer haben heute ihren Platz in der Kunstgeschichte. Doch viele andere sind – zu Unrecht – in Vergessenheit geraten, wie die Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries, die Malerinnen Grete Wolf-Krakauer und Helene Taussig oder die Malerin und Graphikerin Lili Réthi. Im vielbeschworenen Fin de Siècle war eine künstlerische Laufbahn für Frauen nahezu undenkbar. Als Salonièren oder Mäzeninnen waren vor allem Jüdinnen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert sehr präsent, von einer offiziellen künstlerischen Ausbildung waren sie, wie überhaupt aus dem akademischen Leben, allerdings ausgeschlossen. Ein Besuch der Kunstakademien war erst ab 1920 möglich, daher besuchten viele die eigens für Frauen errichteten Kunstschulen. Besonders in jüdischen Familien, in denen seit jeher die Bildung der Töchter ein Anliegen war, wurde Mädchen Gelegenheit zu einer künstlerischen Ausbildung geboten; manche erhielten sogar teuren Privatunterricht bei einem Künstler, und später ein eigenes Atelier eingerichtet.

Lili Réthi: Hochofen, um 1924. Jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr. 23754. Bild: JMW

Lili Réthi: Hochofen, um 1924. Jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr. 23754. Bild: JMW

Margarete Hamerschlag: Illustration zu Die Maske des Roten Todes, 1924. Bild: Jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr. 24373/1-5

Margarete Hamerschlag: Illustration zu Die Maske des Roten Todes, 1924. Bild: Jüdisches Museum Wien, Inv.-Nr. 24373/1-5

Da die Künstlervereinigungen zur Jahrhundertwende keine Künstlerinnen akzeptierten, gründeten die Frauen eigene, wie die seit 1910 bis heute bestehende Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs. Unterstützende Mitglieder fanden sich hierfür im Hochadel, aber auch unter den bekannten und einflussreichen jüdischen Familien Wiens, wie Bondi, Ephrussi, Gomperz, Gutmann, Rothschild, Schey, Wertheimstein … Alle diese Vereinigungen hatten zum Ziel, Standesvertretungen zu sein und durch die Organisation von Ausstellungen und anderen Veranstaltungen Ansehen und Einkommensmöglichkeiten ihrer Mitglieder zu verbessern. Tatsächlich stammte ein überproportionaler Teil der Wiener Künstlerinnen aus jüdischen Familien, darunter einige der bekanntesten und bedeutendsten Künstlerinnen der Epoche wie Tina Blau, Broncia Koller-Pinell oder Vally Wieselthier. Die meisten von ihnen kamen zwar mit einer vom galizischen Schtetl geprägten Familiengeschichte, aber aus einem bereits assimilierten Umfeld. Als eigenständige Künstlerinnen wurden selbst diese prominenten Vertreterinnen erst nach einiger Zeit wahrgenommen. Verallgemeinern lässt sich die breite Reihe an großartigen jüdischen Künstlerinnen jedenfalls definitiv nicht. Es ist eine sehr diverse Gruppe herausragender Frauen, deren künstlerische Ausdrucksform sich völlig unterschiedlich präsentiert und die Einzigartigkeit und Individualität der Persönlichkeiten hervorhebt.

Tina Blau und Teresa Feodorowna Ries waren unter den ersten Frauen, die im Wien des späten 19. Jahrhunderts die Kunst zu ihrem Beruf erwählten. Die Landschaftsmalerin Tina Blau entwickelte in den 1860er- und frühen 1870er-Jahren als einzige Frau gemeinsam mit wenigen männlichen Kollegen die österreichische Variante der europaweit verbreiteten realistischen Stimmungslandschaft nach dem Vorbild der Schule von Barbizon – den Österreichischen Stimmungsimpressionismus. Auch die aus Russland stammende Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries ließ sich nicht entmutigen und schaffte es, sich einen Platz im, zu dieser Zeit ausschließlich von Männern dominierten, Feld der Bildhauerei zu erobern. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg spielten Künstlerinnen eine bedeutende Rolle in der 1903 von Josef Hoffmann und Kolo Moser mit der finanziellen Unterstützung des jüdischen Industriellen und Mäzens Fritz Wärndorfer gegründeten Wiener Werkstätte, in der sich angewandte und bildende Künste gleichberechtigt vereinen sollten. Die bedeutendsten Vertreterinnen wie Vally Wieselthier, Susi Singer-Schinnerl und Kitty Rix waren jüdischer Herkunft. Vally Wieselthier stellte 1928 ihre Keramiken sogar auf der International Exhibition of Ceramic Art des Metropolitan Museums aus; Susi Singer und Kitty Rix, gingen in ihren Arbeiten weit über die traditionelle Gebrauchskeramik hinaus und schufen außergewöhnliche Skulpturen.

Helene Taussig: Weiblicher Akt auf blauem Stuhl, um 1930/35. Bild: Belvedere, Wien, Inv.-Nr. Lg 1563

Helene Taussig: Weiblicher Akt auf blauem Stuhl, um 1930/35. Bild: Belvedere, Wien, Inv.-Nr. Lg 1563

Schon ab den 1920er-Jahren gingen viele jüdische Wiener Künstlerinnen ins Ausland oder lebten zumindest zeitweise dort: So ging die Malerin Lilly Steiner nach Paris, Vally Wieselthier in die USA, die Grafikerin Bertha Tarnay erst nach Berlin und dann nach England, und die Malerin Grete Wolf-Krakauer wanderte nach Palästina aus. Die Gründe dafür waren vielfältig: Die schlechte Wirtschaftslage in Österreich, das Bedürfnis, den künstlerischen Horizont zu erweitern, Zionismus, Abenteuerlust und die Freude an der neuen Ungebundenheit einer Bohème, der nun auch Künstlerinnen angehören durften, oder wie im Fall von Friedl Dicker politische Gründe. Sie war 1934 wegen ihrer kommunistischen Aktivitäten verhaftet worden und flüchtete nach ihrer Freilassung bereits 1936 vor der Verfolgung. Die mühsam erkämpfte Anerkennung währte nur kurz, denn die Lebenswege jüdischer Künstlerinnen wurden durch die Schoa gebrochen. Flucht und Vertreibung beendeten die Karrieren dieser Frauen jäh. Jene, die flüchten konnten, mussten alles hinter sich lassen und rangen im Exil um ihre Existenz, ganz zu schweigen von einem Neuanfang in der Kunstwelt.

Vielen der Künstlerinnen gelang die Flucht allerdings nicht. Sie wurden deportiert und ermordet, wie Friedl Dicker-Brandeis und viele andere, wodurch auch die Erinnerungen an so manche dieser Künstlerinnen verloren gingen. Vor dem so genannten „Anschluss“ im März 1938 spielte die jüdische Herkunft dieser Frauen keine Rolle.

www.jmw.at

Wien, 4. 11. 2016

„Bessere Hälften“ im Kunsthistorischen Museum

Juni 17, 2013 in Ausstellung, Film

(Kunst)Geschichten um Paare

Bild: Kunsthistorisches Museum Wien

Bild: Kunsthistorisches Museum Wien

Zu allen Zeiten beschäftigte sich die Kunst mit dem Thema „Paare“, wie sich bei einem Gang durch das Kunsthistorische Museum Wien leicht nachvollziehen lässt. Aus dieser großen Fülle an historischen Beispielen führt nun erstmalig eine repräsentative Auswahl die erstaunliche Vielfalt dieser Paarbilder in einem Überblick vor Augen. Achtzig Werke, die einen Zeitraum von über 4000 Jahre umspannen, zeigen dabei nicht nur Konstanten auf, sondern auch Unterschiede, was die Form, die Funktion und die Bestimmungsorte betrifft. Grabstatuen treffen so auf Gemälde, selten gezeigte Stücke auf weltberühmte Hauptwerke des Museums. Was die altägyptischen und antiken Bildwerke, die Medaillen, Tapisserien, Elfenbeine und die Meisterwerke von Rubens oder Cranach jedoch eint, ist das in ihnen zum Tragen kommende Bedürfnis ihrer Auftraggeber, Verbundenheit zu zeigen.

Der Titel „Bessere Hälften“ spielt zum einen auf die klassische Paarkonstellation an, dem Ehe- bzw. Liebesverhältnis zweier erwachsener Menschen. Sie finden sich seit der Antike auf der Mehrzahl der Paarbilder. Er weist aber auch auf ein charakteristisches Gestaltungsmerkmal zahlreicher Paardarstellungen hin, die als Diptychen, also als zusammenhängende Bildhälften, konzipiert sind. Herrscher, Adlige und Bürger haben besonders im Mittelalter und der Renaissance auf diesen spätantiken Bildtypus zurückgegriffen, um sich gemeinsam mit ihrem Partner zu verewigen. Neben den Bildern von Ehe- bzw. Liebespaaren bezieht die Ausstellung auch solche mit ein, die andere Konstellationen zeigen, wie etwa Geschwister, Freunde oder Maler mit ihren Modellen.

Weitere Paardarstellungen zeigen Geschichten von Zeus und seinen Liebschaften sowie von Adam und Eva; verschiedene Kunstwerke machen hier deutlich, wie gerade diese Paare der griechisch-römischen Mythologie und des Christentums die Phantasie der Menschen immer wieder beschäftigten. Die Ausstellung „Bessere Hälften“ ist die fünfte in der Reihe „Intermezzo“, mit der das Kunsthistorische Museum Wien ausgewählte Kunstwerke aus seinen verschiedenen Sammlungen zu einem Thema präsentiert und miteinander in einen spannenden Dialog setzt.

Filmtipp
zum Thema „Paare“

„Before Midnight“ im Votivkino

Ihre Dialoge über die Liebe und das Leben, über Gott und die Welt begannen vor 17 Jahren: In „Before Sunrise“ (1995) lernten sich der Amerikaner Jesse und die Französin Céline im Zug nach Wien kennen. Neun Jahre später kreuzten sich ihre Wege in „Before Sunset“ (2004) erneut. Die beiden verbrachten einen Tag in Paris zusammen, tauschten sich über ihre unglücklichen Beziehungen aus und entdeckten dabei ihre Gefühle füreinander aufs Neue. In „Before Midnight“ erfährt man nun, dass Jesse und Céline damals zusammen geblieben sind. Mit ihren Töchtern verbringen sie den Urlaub in Griechenland. Und noch immer ist die Welt der Gefühle ihr favorisiertes Thema. Mittlerweile aber steht die eigene Beziehung auf dem Prüfstand, denn der Alltagstrott hat seine Spuren hinterlassen.

Regie: Richard Linklater. Mit: Julie Delpy, Ethan Hawke, u. a. Trailer: www.before-midnight.at/

www.khm.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 17. 6. 2013