Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe

August 17, 2016 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine längst fällige literarische Wiederentdeckung

buch1„Keine Gefühle zeigen. Nicht weinen. Lass niemanden an dich ran“, so beschrieb Lucia Berlin ihren Schreibstil in einem Brief an ihren Dichterfreund August Kleinzahler. Dass nun der Arche Verlag die Geschichten der 2004 verstorbenen amerikanischen Erzählerin, dreißig ihrer Shortstories, veröffentlicht hat, darf als eine der literarischen Sensationen der Saison gewertet werden. Lucia Berlin, das ist keine Wieder-, sondern vielmehr eine Neuentdeckung einer viel zu lange unter Wert geschlagenen Autorin. Mittlerweile wird sie mit Raymond Carver, Richard Yates oder William Faulkner verglichen.

Berlins Geschichten sind gnadenlos, rücksichtslos gegenüber ihren Figuren und ihren Lesern; zartbesaitete werden weinen, wenn Neugeborene sterben und Frauen an den Rand der Existenz getrieben werden, an dem ihre Männer schon dahinvegetieren. Die meist zehn, fünfzehn Seiten langen Texte, „Makadam“ kommt gar mit einer Seite aus, bieten weder Auf- noch Erlösung. Berlin weiß um die Schrecken des Lebens, es ist ein Wunder, wie sie über Widerliches, Widerwärtiges so warmherzig schreiben kann, doch sie kann offenbar das Absurde in der Verzweiflung sehen und darüber lachen.

Es ist ein Lachen, „das vom Schmerz in jeder Freude wusste und sich darüber lustig machte“, wie sie in „Tigerbisse“ über die Südstaatenschönheit Bella Lynn berichtet. Berlin ist eine Zeugin, eine Chronistin des allzu Menschlichen. Ihre Ich-Erzählerinnen sind Sekretärinnen in Notaufnahmen, mexikanische Migrantinnen, missbrauchte Mädchen, Sprechstundenhilfen in Entzugskliniken, Drogensüchtige, Alkoholikerinnen … Berlin nennt sie ihre Nicht-Ichs und die Frage, ist, ob man ihr auf den Leim geht, wenn man Autobiografisches aus ihren Geschichten herausliest oder wenn nicht. Ein Körnchen Wahrheit ist jedenfalls, dass Berlin an all diesen Orten war, erst als Erkrankte, später als Mitarbeiterin. „Ich mag die Tatsache, dass in der Notaufnahme alles reparabel ist – oder nichts“, schreibt sie im „Notaufnahme-Notizbuch, 1977“. Und wie eine Therapeutin, die weiß, dass Kranken mit Mitleid nicht geholfen ist, denn wem wäre schon geholfen, wenn noch einer leidet, spornt Berlin ihre Charaktere mit liebevoller Härte an.

Die schnelle Prosa hat die jeweilige Alltagssprache der von ihr porträtierten Frauen, verknappter Slang steht neben kultivierten Stimmen, als sichere der Wechsel im Tonfall den Figuren ihr angestammtes Terrain. „Ihre Erzählungen fauchen“, nannte es The New York Times Book Review. Tatsächlich sind die Texte teilweise wie gesprochen, weshalb Berlin auch auf Satzzeichen wenig wert legt. Ein Beistrich?, den hörte man doch sowieso nicht. Zur Meisterschaft vollendet sie ihren Stil in „Mijito“, indem sie eine minderjährige mexikanische Mutter und eine US-Krankenschwester aus deren unterschiedlichen Perspektiven sprechen lässt. Die Angst und Naivität der einen, die gesetzlich vorgeschriebene Ohnmacht der anderen, das beiderseitige Missverstehen, der schlampige Umgang mit „Zugewanderten“, das alles macht einen so wütend, dass es einem den Atem nimmt. Auf der Strecke bleibt das Unschuldige, das Verletzlichste, das Baby.

Dann wieder ist Berlin unverblümt sexistisch. Sie pflegt einen weiblichen Machismo, wenn sich eine ihrer Protagonistinnen den in einigen Geschichten wiederkehrenden Taucher César nimmt. In „Leid“ – und Berlin betreute die ihre wirklich bis zu deren Ableben – führt sie ihn für eine Liebesnacht ihrer an Krebs sterbenden Schwester zu. In „Eine Liebesaffäre“ schützt die Ich-Erzählerin eine fremdgehende Kollegin so intensiv, dass deren Ehemann sie für die Geliebte seiner Frau hält. Dass es da einen anderen Mann geben könnte, auf die Idee kommt er gar nicht. So viel auch zu Berlins sonderlichem Sinn für Humor.

Der Titel des Buches stammt von der Shortstory „Nach Hause finden“, einer von Berlins letzten. Eine alte Frau, das tragbare Sauerstoffgerät neben sich, sitzt auf der Veranda ihres Hauses. Das heißt: diesmal auf der vorderen, obwohl sie normalerweise die hintere bevorzugt. Da sieht sie zum ersten Mal die vielen Vögel in einem Baum, die kommen, sich versammeln, um gemeinsam wegzufliegen. Dorthin, wo es wärmer, schöner, besser ist. „Was habe ich sonst noch verpasst? Wie oft war ich in meinem Leben gewissermaßen auf der hinteren Veranda statt auf der vorderen? Was hat man mir gesagt, ohne dass ich es hörte? Welche Liebe mag es gegeben haben, die ich nicht spürte?“ Und wieder rührt Berlin an eine persönliche Schmerzgrenze, überschreitet sie, nur um zu zeigen, wie schutzlos Leben ist, steckt den Finger in die Wunde der Selbsterkenntnis und lässt nicht zu, dass diese herzblutende Stelle je vernarben könnte. Das muss man als Leser aushalten, wenn man ihre Geschichten lesen will. Und man kann sich keinen vorstellen, der das nicht möchte.

Über die Autorin:
Lucia Berlin wurde 1936 in Alaska geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie nach Chile, wo Berlin im Alter von zehn Jahren an einer Skoliose erkrankte. Ihre Kindheit zwischen einer depressiv-aggressiven Mutter, einem als Bergbauingenieur permanent abwesenden Vater und einem Großvater, der sich an den weiblichen Wesen der Familie vergriff, war der blanke Wahnsinn. Berlin war dreimal verheiratet und Mutter von vier Söhnen, die sie allein großzog. Sie arbeitete als Lehrerin, Sprechstundenhilfe, Putzfrau, Sekretärin, verlor ihre Jobs aber immer wieder schnell, weil sie ein Leben lang mit ihrer Alkoholsucht kämpfte. Und ein Leben lang begleitete Berlin auch die Sorge, sie könnte werden „wie sie“ – ihre Mutter. Die Erzählungen, entstanden in den 1960er- bis 1980er-Jahren, wurden in Zeitschriften und später in drei Erzählungsbänden veröffentlicht. Von 1994 bis 2000 war Berlin Dozentin an der Universität von Boulder in Colorado. Sie starb 2004 im kalifornischen Marina del Rey.

Arche Verlag, Lucia Berlin: „Was ich sonst noch verpasst habe“, Roman, 384 Seiten. Aus dem Amerikanischen von Antje Rávic Strubel.

www.arche-verlag.com

www.luciaberlin.com

Wien, 16. 8. 2016

Wiener Festwochen: Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt

Mai 30, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Ecce homo in extremen Bildern

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Wie sie da als gutgelaunte Truppe auf die Bühne stürmen, weiß man schon, das nimmt kein schönes Ende. Sie stellen sich vor, ihre Wurzeln reichen von Bergkarabach bis Bagdad, oder ihre Familien sind einst aus Syrien nach Jugoslawien eingewandert. Tito war ja ein großer Freund Hafiz al-Assads. Sie sind europäische Muslime, dieser Kontinent ist ihr Kontinent, und wie sie gehört auch der Islam hierher.

Sie haben Oliver Frljić kennengelernt, bei H & M oder im Kaffeehaus, und nun werden sie im Schauspielhaus Wien erst geschlagen, dann erschossen oder auf IS-Art geköpft. „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ heißt diese Arbeit, die Frljić im Rahmen der Wiener Festwochen zur Uraufführung brachte und für die er erstmals die Schauspielensembles des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka, er ist Intendant des Hauses, und des Mladinsko Theaters im slowenischen Ljubljana zusammenführt.

Frljićs unbequeme und politisch provozierende Arbeiten werden immer wieder zensuriert, er selbst sogar mit dem Tode bedroht (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=19920). Auch „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ wird manchen ein Stein des Anstoßes sein, befasst sich der 1976 in Bosnien geborene und nach Kroatien geflüchtete Theatermacher doch darin einmal mehr mit dem „christlichen Abendland“ und seinem Umgang mit Muslimen, mit neu erstarkenden faschistischen Strömungen, aktuell mit den Flüchtlingen und den unheiligen Verquickungen von Politik und Wirtschaft. Wie er sich an Europas Geschichte abarbeitet, so wohl auch an seiner eigenen. Denn den Terror, den er aus vermeintlich entlegenen Ecken der Erde zeigt, verbindet er inhaltlich mit dem gegen bosnische Muslime in den Lagern Ex-Jugoslawiens. Und nichts, was Frljić mit theatralen Mitteln darstellen könnte, ist so schockierend wie die in Den Haag eingegangenen Berichte von kastrierten, geschändeten, bis zur Zeugungsunfähigkeit gefolterten Frauen und Männern.

Frljić hat ein Synonym für die Schieflage der Nationen erdacht. Er lässt Uroš Kaurin als dornengekrönten Christus von einem Erdölkanisterkreuz steigen und eine Muslima vergewaltigen. Die ganze Aufführung ist ein Ecce homo in extremen, suggestiven Bildern, siehe, der Mensch, in all seiner Erbarmungswürdigkeit und Brutalität. Gefangene in Guantanamo-Orange müssen ihren Wächtern etwas vorsteppen, an der mazedonischen Grenze spielen Flüchtlinge mit Piepsstimme Kasperletheater, ihre Finger formen ein Hakenkreuz. Eine Frau mit grünem Hidschāb zieht sich einen rotweißroten Wimpel aus der Vagina, er wird den Umstehenden zum Heil-Symbol. Ein erotisches Ballett beginnt, nackte, mit arabischer Schrift bemalte Körper, als beschriebe dieser bitterzarte Moment den Anfang allen Lebens, doch schon startet eine ohrenbetäubende Party und Luftballons im Schwarze-Banner-Design fliegen ins Publikum. „Wenn Sie jetzt eine Frage haben?“, fordert Jerko Marčić auf, aber der gesittete Zuschauer hält natürlich im Theater den Mund, so wie er’s gelernt hat – und hat sich damit schon ins Unrecht gesetzt. Man solle hier nicht Balkan-Wundertiere bestaunen, sondern lieber Leben retten, heißt es. Und die Assoziationskette reißt nicht ab.

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Nicht nur die Leute im Saal, auch Alvis Hermanis kriegt sein Fett weg. Wegen seines Ausspruchs zur deutschen Flüchtlingspolitik. „Unsere Gewalt und eure Gewalt“ ist eine Auftragsarbeit des HAU, des Berliner Theaters „Hebbel am Ufer“. Und Frljić, ja, er provoziert, wie jeder gute Revolutionär vertritt er laut und aufsässig seine Positionen, aber wann wurde ein leiser Mahner je gehört? Er zeigt bis zur Peinlichkeit plakatives Frontaltheater, führt Huntingtons Clash of Civilizations vor, dass es nur so klescht. Im heftig kritisierten Buch heißt es: „Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion, sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals.“ Frljić würde diesen Satz mutmaßlich unterschreiben, ein mutmaßlich gesteuerter Zwischenrufer im Schauspielhaus schreit: „Das wird hier alles einseitig dargestellt!“

Im Gespräch mit mottingers-meinung.at sagt Frljić: “ Wir sollten nicht vergessen, dass der Westen den radikalen Islam geschaffen hat (www.mottingers-meinung.at/?p=19920).“ Und, dass er keinen Wert auf ein Theater legt, das den Konsens sucht. In Leuchtlettern steht an der Bühnenrückwand: Die gegen den Faschismus sind, ohne gegen den Kapitalismus zu sein, wollen ihren Teil vom Kalb, ohne es zu schlachten.

Die Folie, auf die Frljić seinen Text projiziert, ist Peter Weiss‘ epochaler Roman-Essay „Die Ästhetik des Widerstands“. Tausend Seiten über die Möglichkeiten des antifaschistischen Widerstands aus der Sicht der Kunst, von Weiss selbst in die Nähe der Dante’schen Höllenkreise der Divina Commedia gerückt, von ersten Rezensenten in Unverständnis und einer verallgemeinernden Ablehnung alles „Roten“ angefeindet. Frljić lässt auf dem Höhepunkt seiner Hadeswanderung Matej Recer seinem Schauspielkollegen Blaž Šef Gewalt antun. Mit zwangseingeflößtem Schnaps und einem Schweinskopf, den er dem Muslim über das Gesicht stülpt. Auch das keine Erfindung, sondern lediglich eine Ausformulierung: Amnesty International und Human Rights Watch berichten immer wieder von Misshandlungen in Flüchtlingslagern. Wer hier leben will, muss auch so leben wie hier!
.
Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Bild: Wiener Festwochen © Alexi Pelekanos

Frljić hätte seine Arbeit auch „Unsere Werte und eure Werte“ nennen können, oder besser „Unser Land und unsere Regeln“. Sie ist jedenfalls eine unverzichtbare Analyse der Seinszustände dieser Welt, sie ist ein politisches Pamphlet gegen den demokratisch legitimierten Rechtsschwenk Europas, ein wilder Aufschrei gegen systemische Gewalt – und eine Schweigeminute. Für die Opfer in Paris und Brüssel, in Marea und Azaz.

160.000 Menschen laufen dort gerade um ihr Leben, nur damit an Europas Grenzen das Kasperletheater wieder beginnen kann. Wie zur Versöhnung folgt am Ende eine christlich-islamische Pietà. Aber auch ein Bibelwort. „Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein“, zitiert Dragica Potočnjak, dann lacht sie. Zynisch.

Video: www.youtube.com/watch?v=54cE_2PT37E

www.festwochen.at

Mehr Rezensionen von den Wiener Festwochen:

Три сестры / Drei Schwestern: www.mottingers-meinung.at/?p=20364

Идеальный муж / Ein idealer Gatte: www.mottingers-meinung.at/?p=20289

Dugne / Nachtasyl: www.mottingers-meinung.at/?p=20221

Der Auftrag: www.mottingers-meinung.at/?p=20189

Látszatélet / Scheinleben: www.mottingers-meinung.at/?p=20141

Città del Vaticano: www.mottingers-meinung.at/?p=20120

Die Passagierin: www.mottingers-meinung.at/?p=20085

Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen: www.mottingers-meinung.at/?p=19870

Wien, 30. 5. 2016

Willy Vlautin: Die Freien

April 4, 2016 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Leben und Sterben im amerikanischen Albtraum

65f019bf90In „Meine verlorene Stadt“ schreibt F. Scott Fitzgerald: In einem amerikanischen Leben gibt es keinen zweiten Akt. Ein Glück, haben die USA wenigstens das Happy End erfunden. Und das nutzt Willy Vlautin weidlich aus. Denn für alle seine Figuren in „Die Freien“, bis auf eine, geht’s gut aus. Die Menschen finden eine neue Liebe oder bekommen ihre Kinder zurück oder kriegen zumindest einen besseren Job. Selbst für den, der sterben wird, ist der Tod das gütigere Aus. Das ist ein schönes Märchen, die Armen sind bei Vlautin die besseren Menschen, die, die selbst nichts haben, lassen sich vom Schicksal der anderen rühren und helfen nach Kräften, und das ist so liebevoll geschildert, dass man überlesen möchte, wie stereotyp es wirkt. Vlautin möchte glauben, dass der Mensch im Innersten edel ist, und man sollte ihm in diesem Glauben folgen. Sein Roman ist so bittersüß wie die Folkrocksongs, denen sich der Autor hauptberuflich verschrieben hat, geschrieben schon fast wie ein Drehbuch, also, wenn die Story keiner verfilmt, dann … ist Donald Trump US-Präsident geworden und hat’s persönlich verboten.

Dabei ist „Die Freien“ keine Feel-good-Lektüre, das Buch ist im Gegenteil kaum zum Aushalten. Und wenn die Leute darin nicht so nett zueinander wären, schon gar nicht. Vlautin erzählt die USA von unten. Seine Protagonisten sind die working poor, die zwei, drei Jobs machen und trotzdem auf keinen grünen Zweig kommen. Er zeigt die Verlierer des american dream und die Vereinigten Staaten als gnadenlos kaltes, als grausames Land, in dem die Gestrauchelten und Gefallenen von keiner Gemeinschaft aufgefangen werden. Im land of the free konnte sich selbst Barack Obama seine Ideen von sozialer Gerechtigkeit rexen, und man kann beim Lesen, bei dem es einen schon so erschöpft, dass man sich fragt, wie die Menschen dieses 24-Stunden-Arbeitsleben aushalten, nicht anders, als Österreichs (noch) als Insel der seligen sozialstaatlichen Errungenschaften zu gedenken. Erstaunlich, wie keine der Figuren gegen ihr Schicksal aufbegehrt, das eigene Elend wird stoisch ertragen, man gibt sich am Versagen der Gesellschaft selbst die Schuld. „Ich habe alle enttäuscht“, sagt etwa Freddie angesichts seiner ausweglosen Situation. Sein Vergehen? Er hat sich hoch verschuldet, weil seine Krankenversicherung die Operationskosten für seine körperbehindert zur Welt gekommene Tochter nicht trägt. Welch eine barrikadensturmbefreite Mentalität, dieses only the strong survive und der Rest hat’s ohnedies nicht verdient.

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

„Du schnallst einfach nicht, dass wir einmal das größte Land der Welt gewesen sind. Das größte Land aller Zeiten. Jetzt ist es bloß noch ein Dreck und Menschen wie du haben es zerstört“, heißt es an einer Stelle. Die ist allerdings aus einem Komaalbtraum. Leroy, schwerstversehrt aus dem Irak zurückgekehrt, träumt ihn.

Da hat sein eingedelltes Gehirn den letzten lichten Moment schon gehabt, in dem er jenen Selbstmordversuch unternimmt, der ihn in die Betäubtheit zurückgeworfen hat. Der Science-Fiction-Fan entwirft in der Ohnmacht eine gar nicht so dystopische Welt, in der ein Test die „Denkenden“ von den perfekten Soldaten scheidet. Erstere werden weil Staatsfeinde von einer Bürgerwehr, die sich „Die Freien“ nennt, zur Strecke gebracht. Searching, seek and destroy. Das ist nicht so Trivialliteratur, wie es hier steht, sondern eine brutale, endgültige Geschichte, in der Leroy seine gewesene und aktuelle Realität, seine Schmerzen und seine durch Medikamente ausgelöste Euphorie, mit seinem Kopfkino mischt. Am Ende, bei seiner Erlösung, wird beides in einem langen Liebesgespräch verschmelzen, in dem der tatsächlich Hinüberschlafende seine Verlobte Jeanette in ein von seiner Pflege befreites Leben entlassen, doch der in der Illusion Sterbende seine Fluchtgefährtin Jeanette in einer ungewissen Zukunft zurücklassen wird. Wer da nicht weint, hat kein Herz. Auch wenn nichts an Vlautins Sätzen weinerlich ist.

Leroys Krankenhausbett ist der Treffpunkt der anderen Protagonisten. Freddie war der Nachtdienst in seiner Behindertenwohngemeinschaft und kommt seinen Schützling zwischen dieser Aufgabe und seinem Tagesjob in einem Farbengeschäft besuchen. Sein Haus steht zum Verkauf, seine Frau hat ihn verlassen, doch er kämpft und kämpft. Für seine beiden Mädchen. Pauline ist Krankenschwester auf der Station und versorgt neben dieser aufreibenden Tätigkeit noch ihren manisch-depressiven Vater und eine minderjährige Drogensüchtige. Sie ist die gute Seele des Ganzen, der leicht übergewichtige – denn ihr Essen besteht aus Zeitmangel und Geldnot meist aus der „Kotztüte zum Mitnehmen“, heißt: Fast Food – Silberstreifen am Horizont, in Liebesdingen schwer beziehungsgestört, aber mit ausgeprägtem Helfersyndrom. Über ihr Verhältnis zu ihrem Vater heißt es: „Ein Leben lang hasste sie ihn und gleichzeitig tat er ihr leid. Am Ende erfüllte sie ein Verantwortungsgefühl, dem sie nicht entkommen konnte. Ein unbestimmtes Pflichtgefühl, das sie nicht ganz verstand.“ Auch die junge, sexuell missbrauchte und Heroin abhängig gemachte Jo will sie um jeden Preis retten, das Straßenkind, die Rotzgöre, und gibt für diese neuerliche Aussichtlosigkeit mitmenschlich alles.

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

Vlautin gibt seinen einfachen Menschen eine einfache, unsentimentale und unprätentiöse Sprache. Wobei nie simpel ist, was sie sagen. Viele von ihnen sind ironiebegabt. Wie Leroys Mutter Darla, die ihrem Sohn die Sci-Fi vorliest, die ihr selber wenig sagt: Über einen fernen Planeten ziehen halbnackte Nomadinnen, glücklich, wenn sie nicht Opfer jener Aliens werden, deren einzige Nahrung sie sind.

„Und sie waschen einander ständig. Schon fünfmal in noch nicht einmal drei Kapiteln. Und sie sind alle wunderschön und küssen einander andauernd.“ – Pauline: „Das hat bestimmt ein fetter alter Sack geschrieben.“ – Darla lacht: „Stimmt genau. Ich habe nachgesehen. Aber das macht es wenigstens komisch.“ Darla kennt die Kehrseite der Medal of Honor. In einer der stärksten Szenen wirft sie Leroys Ex-Arbeitgeber, der ihn zum Hurrapatriotismus und in die Arme der Armee getrieben hat, und einen Militärkaplan aus dem Krankenzimmer. „Wissen Sie, zuerst, als wir in Afghanistan einmarschiert sind und dann im Irak, war ich begeistert. Ich habe das verfolgt wie ein Sportereignis, eine Abenteuergeschichte … Und dann ist Leroy in die Wohngruppe gekommen … Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt Freddie. Ein Erweckungserlebnis, das etlichen US-Bürgern wohl versagt geblieben ist. Gottsuchenden, wie Freddies Chef Pat, die in die hausgemachte Verblendung rennen. Knapp vor 11/8 sollten die USA sich ihrer Mitverantwortlichkeit an der aktuellen Weltmisere bewusst werden.

Doch dies das einzige Politstatement, das sich Vlautin erlaubt. Mehr muss er an Offensichtlichem auch nicht leisten. Er behandelt die Themen zur Zeit in den Gesprächen seiner Figuren. Die Kriegstreiberei als Kind des wirtschaftlichen Niedergangs der Nation, und wie die Migrantenfeindlichkeit ihre Ursache auch in der Angst um den Arbeitsplatz und vor der Altersarmut hat, all das wird bei Plaudereien hingesagt. Unkommentiert. Das ist gewagt. Das fordert auf zum selbstständig Denken. Interessant auch, dass der Autor an seinen Figuren alles beschreibt, außer der Hautfarbe. Vlautin, der Schutzpatron der Underdogs, wie ihn Schriftstellerkollege T. C. Boyle nennt, der Karohemdenträger mit dem Sensorium fürs Abgründige, rettet seine Protagonisten wie gesagt knapp vor der Klippe. Sogar für ein Kaninchen wird alles super. Er hat ein Patentrezept für die Probleme der Menschen und deren Bewältigung. Das geht eigentlich ganz leicht. „Ich weiß, wir sind alle müde“, sagte Freddie. „Aber wenn man müde ist, muss man vor allem weiter nett sein. Freundlich sein, das darf man nicht vergessen. Und das wollen wir jetzt machen, verstanden?“

Über den Autor:
Willy Vlautin, geboren 1967 in Reno, Nevada, ist Sänger und Songschreiber der Folkrockband Richmond Fontaine. Seine Romane „Motel Life“, „Northline“ und „Lean on Pete“ wurden zu internationalen Erfolgen, „Motel Life“ wurde mit Emile Hirsch, Dakota Fanning und Stephen Dorff in den Hauptrollen verfilmt. Willy Vlautin lebt in Portland, Oregon. Mit Richmond Fontaine tourt er immer wieder um die Welt.

Berlin Verlag, Willy Vlautin: „Die Freien“, Roman, 320 Seiten. Aus dem amerikanischen Englisch von Robin Detje.

www.berlinverlag.de

willyvlautin.com

Wien, 4. 4. 2016

Alexander Ilitschewski: Matisse

Januar 8, 2016 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein schonungsloses Porträt der russischen Wendezeit

matisseAuf den Straßen des winterlichen Moskau geraten die ständig mehr werdenden Obdachlosen in kleinen Fehden um das Terrain mit Straßenkindern aneinander und suchen sich für die kalten Nächte ihre Schlafplätze in den Treppenabsätzen der Häuser. Die Bewohner achten längst nicht mehr auf sie, und steigen über sie hinweg.

In einem dieser Häuser lebt der feinsinnige, mit außergewöhnlichen Sinnesfähigkeiten ausgestattete Physiker Koroljow. Aufgewachsen in verschiedenen Kinderheimen der alten Sowjetunion, findet er sich in den Wirren der Umbruchszeit Anfang der 1990er Jahre in der Hauptstadt nur schwer zurecht. Weil er selbst seine Kindheit im Internat und seine Jugend im Studentenwohnheim verbracht hat, und dort die „Unbehaustheit im Laufe seines Lebens heftig zu spüren bekommen hat“, vertreibt er die Obdachlosen nicht.

Während all seine Freunde und Kollegen das Land verlassen oder umkommen, bleibt der Naturwissenschaftler in der chaotischen Stadt zurück, schlägt sich mit abwegigen Jobs durch, lernt die beiden Obdachlosen Nadja und Wadja kennen und führt schließlich selbst das Leben eines Obdachlosen. Alle materiellen Sicherheiten ablehnend, begibt sich Koroljow – Verehrer der Bilder Henri Matisses, Pilger und heiliger Narr – auf Reisen, und sucht auf dem Land, in der russischen Weite, Tiefe und Heil.

Alexander Ilitschewski, einer der bedeutendsten russischen Gegenwartsautoren, entwirft in seinem Roman „Matisse“ ein schonungsloses Porträt der russischen Wendezeit, wo bittere Armut parallel zu extremen Reichtum existiert, und alle bestehenden Werte durch neue abgelöst werden. Denn mit der Auflösung des alten Systems sind auch vertraute Denkmuster und Welterklärungen obsolet geworden. An ihre Stelle tritt eine tiefe Verunsicherung. Wie wird die Zukunft aussehen? Wo steht der Einzelne in der Gesellschaft?

Und so ist die Obdachlosigkeit, die im Roman eine so wichtige Rolle spielt, mehr als nur ein Fehlen eines „ständigen Dachs über dem Kopf“, sondern eine allgemeine Befindlichkeit: „Trotz der völligen Sicherheit, trotz der totalen Abwesenheit äußerer Bedrohung, trotz der endgültigen Unmöglichkeit des Weltuntergangs, der die ältere Generation auf Trab gehalten und der jetzt futsch war, hatte sich überall Angst ausgebreitet. Nackt stand die tägliche Angst in den Augen der Menschen, rundum erstarrte die Angst zu Sülze, sie zitterte wie eine wabbelige, zähe, luftleere Masse. Die Menschen – schon abgestumpft gegen die Verelendung, gegen die qualvolle alltägliche Vergeblichkeit – fürchteten sich, man wusste nicht wovor, aber sie taten es heftig und voller Unruhe. Es regierte das Angsterhaltungsgesetz. Sie fürchteten keine entfernten Instanzen, keine abstrakten Machtstrukturen, sondern den konkreten Alltag, konkrete Verkehrspolizisten, konkrete Niedertracht, konkrete Demütigungen und Übergriffe.“

Zu den Gewinnern der Wende zählt Koroljow nicht. „Er war sein Leben lang Opfer und Frucht großer und kleiner Irrtümer, er sah die Welt rundum verzerrt durch eine dicke Linse der Fantasie.“ Doch Fantasie ist im neuen Russland nicht gefragt, höchstens bei Gaunern, die immer neue Wege finden, um mit den abstrusesten Geschäften zu Geld zu kommen – und am Ende doch wieder alles zu verlieren. Der 1970 geborene Autor zeichnet in mitunter apokalyptischen Bildern, eine zerstörte, orientierungslose Gesellschaft, in der Freidenker wie Koroljow keinen Platz haben. Statt seine Doktorarbeit zu beenden, erkundet er lieber den Park eines nahen Anwesens, selbstvergessen, ähnlich einem Insektenforscher, der sich in das Muster eines Schmetterlingsflügels vertieft. „Er war der Ansicht, dass die Menschen die Zeit immerzu antrieben, dass sie sie störten.“

Schließlich verliert der Träumer seine Wohnung, schlendert durch Moskau, schläft in verfallenen Fähranlagehütten und philosophiert über alles und nichts – die Zeit, den Raum, die Welt, den Tod. Er schlägt sich als Maschineneinrichter am Fließband, Reklameplakatekleber, später als Warenkoordinator eines dubiosen Kleinhandelsunternehmens durch. Der Kontakt zu seinen Mitmenschen und Freunden bricht ab. Er beginnt zu malen, seine Liebe zu den Bildern von Henri Matisse bleibt. Bis er schließlich unter der Erde, im weitläufigen Areal der alten Metro landet. Das unterirdische Moskau übt eine besondere Faszination auf ihn aus, Tagträume suchen ihn heim, bis er an der Oberfläche wieder den Frühling begrüßt, Wadja und Nadja erneut trifft und sich ihnen anschließt. Er möchte raus aus Moskau, in den Süden und dann vielleicht nach Israel. Fortan ziehen sie gemeinsam durchs Land. Sie nehmen ihr Schicksal an und leben ihr Leben, ohne dass sich jemand für sie interessiert. Sie begegnen in verschiedenen Stationen einem Land im Umbruch und Menschen, die in ihrer kleinen Welt dem Schicksal trotzen und weitermachen. „Nur krank werden durfte man nicht. Krankheit verdammte einen zum Tod; die Straße duldet keine Kranken – man wird verlassen, vergessen.“

Alexander Ilitschewski gilt nicht zu Unrecht als ein großer Erzähler. In seiner poetischer Sprache konfrontiert er den Leser mit immer neuen Eindrücken, Träumen, Wahrheiten und verwebt sie zu einem außergewöhnlichen Entwicklungsroman. Am Ende trennen sich die Wege der drei Suchenden. Koroljow muss weiter. „Er hatte sich geschworen, von nun an nie mehr auf sie zu warten, und stürzt weiter – voran, der sich zum Horizont neigenden Sonne nach. Der Sonne nach, die vor die Zukunft gespannt war.“

Über den Autor:
Geboren 1970 in Aserbaidschan, studierte Ilitschewski Mathematik und Theoretische Physik an der Lomonossow-Universität in Moskau, wo er nach Abschluss des Studiums auch als Dozent tätig war. Es folgten langjährige wissenschaftliche Arbeitsaufenthalte in Israel und Kalifornien, erst 1998 kehrte er nach Russland zurück. Seit den neunziger Jahren veröffentlichte er Zeitungsartikel, Essays und Romane, die mit zahlreichen Preisen, unter anderem mit dem Russischen Booker-Preis für den Roman „Matisse“ (2006) ausgezeichnet wurden. Seit 2013 lebt Ilitschewski in Jerusalem. Am 11. Jänner 2016 erschien sein Roman „Die Perser“ bei Suhrkamp.

Matthes & Seitz Berlin, Alexander Ilitschewski: „Matisse“, Roman, 427 Seiten. Aus dem Russischen von Valerie Engler und Friederike Meltendorf.

www.matthes-seitz-berlin.de

Wien, 8. 1. 2016

Landestheater Niederösterreich: Wolf Bachofner spielt in „Minna von Barnhelm“

Dezember 5, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Maxim Gorki Theater kommt mit Sibylle Berg

Wolf Bachofner, Pascal Groß  Bild: Robin Weigelt

Wolf Bachofner, Pascal Groß
Bild: Robin Weigelt

Minna von Barnhelm, Premiere am 5. 12.:

Die Komödie um das beherzte Fräulein Minna von Barnhelm (Lisa Wiedenmüller) beginnt mit der unehrenhaften Entlassung ihres Verlobten Major von Tellheim. Der verdienstvolle Major hatte am Ende des Siebenjährigen Krieges bei der Eintreibung von Kriegskontributionen besondere Milde walten lassen und wird nun der Bestechlichkeit verdächtigt. Zutiefst beschämt, mittellos und körperlich versehrt bricht Tellheim jeglichen Kontakt zu seiner Verlobten ab. Er quartiert sich mit seinem Diener Just in einem entlegenen Landgasthof ein, um auf Nachricht von der Militärverwaltung zu warten. Doch Minna macht sich mit ihrer Kammerzofe Franziska auf die Suche nach Tellheim. Die beiden reisen durch das kriegszerstörte Land und erreichen bald selbigen Gasthof. Als Minna entdeckt, dass Tellheim bereits ihren Verlobungsring versetzt hat, weil er aus lauter Ehrgefühl sogar die finanzielle Hilfe seines Freundes Paul Werner ausschlägt, beginnt sie ihr Spiel …

Der tiefe Fall eines strahlenden Helden: Nur durch Minnas liebevolle Intrige gelingt Major von Tellheim die Rückkehr in die Normalität des Friedens. Gotthold Ephraim Lessing, der große Menschenfreund und Erneuerer des deutschen Theaters, entwarf seine bühnenwirksame Komödie 1763 am Ende des Siebenjährigen Krieges. Ihm gelang damit eine Gattungsnovität, ein Lustspiel als aktuelles Zeitstück (Botho Strauß). Die leichte Form der Verhandlung eines schwerwiegenden Problems gilt als literarische Wegmarke ebenso wie die lebensnahe Zeichnung der Figuren, in deren Zentrum eine ganz und gar moderne Frauenfigur steht.

Die junge Regisseurin Katrin Plötner, die sich u. a. mit Arbeiten am Münchner Residenztheater und am Theater Regensburg vorgestellt hat und in der letzten Spielzeit am Landestheater Niederösterreich Horace inszenierte, führt Regie. Für die Ausstattung zeichnen der Bühnenbildner Martin Miotk und die Kostümbildnerin Eugenia Leis verantwortlich. Für Tellheim und seinen treuen Freund Werner konnten Lars Wellings, der u. a. am Residenztheater München und am Staatstheater Wiesbaden engagiert war, und der bekannte TV- und Theaterschauspieler Wolf Bachofner gewonnen werden.

Maxim Gorki Theaters, Berlin: „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ von Sibylle Berg, 10. 12.

Abends, eine junge Frau allein in ihrer Wohnung. Freundinnen kontaktieren sie per Skype und per Chat, Kurznachrichten treffen ein, die Mutter ruft an. Einige Stockwerke tiefer im Keller: ein gefesselter und geknebelter Mann …

Von den Medien und der Werbeindustrie produzierte Frauenbilder, der Imperativ eines erfolgreichen Lebensentwurfs und eigene Ängste und Sehnsüchte schlagen sich in den Leben der jungen Frauen nieder: nächtliche Prügeltouren durch die Stadt, Körperkult und Fitnesswahn, Shoppingexzesse zwischen den BWL-Vorlesungen und der Vertrieb von selbstsynthetisierten Drogen über das Internet. Daneben stehen Fragen, wie die Frauen leben wollen und wo sie die Ursachen für ihre Orientierungslosigkeit suchen. Es entsteht die wütende, beißend-komische Bestandsaufnahme einer jungen Frau, die sich selbst und andere Frauen in ihren Reaktionen auf die Welt befragt.

Die Schriftstellerin Sibylle Berg wurde in Weimar geboren und lebt in Zürich. In ihren Kolumnen, Romanen und Theaterstücken erzählt sie schonungslos vom Unglück, in das sich die Menschen stürzen. Für ihre Werke wurde sie u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2012 ihr Roman Vielen Dank für das Leben und 2013 Wie halte ich das nur alles aus? Fragen Sie Frau Sibylle.

Regie führt Sebastian Nübling. Er studierte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und lehrte dort als Dozent. 2002 wurde er mit seiner Basler Inszenierung von Henrik Ibsens John Gabriel Borkman zum ersten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen und von der Zeitschrift Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt. Seine Stücke werden regelmäßig bei renommierten Festivals gezeigt. Seit der Spielzeit 13/14 ist Sebastian Nübling Hausregisseur am Maxim Gorki Theater.

Es spielen: Nora Abdel-Maksoud, Suna Gürler, Rahel Jankowski und Cynthia Micas.

www.landestheater.net 

Wien, 5. 12. 2014