Wiener Festwochen: Missing People

Juni 15, 2019 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Augen auf die Armut richten

Bild: © Nurith Wagner-Strauss

Im barocken Prunksaal ist die Party offensichtlich längst gelaufen. Aus dem Ruder gelaufen. Auf den roten Teppichen sind Flecken, die Gläser auf den Stehtischen schmutzig, an den Tellern kleben Essensreste, in manchem Brotstück hat ein Gast eine Zigarette ausgedämpft. Nun sind die Gäste fort – und niemand hat ihnen hinterhergeräumt. Nur ein Haufen Kleider, Taschen, ein paar Einkaufswagen zeugen von ihrer eben noch Anwesenheit.

Dies die Ausgangssituation von Béla Tarrs „Missing People“. Der ungarische Meisterregisseur, dessen „Sátántangó“ als eines der wichtigsten Werke der Kinogeschichte gilt, und der 2011 mitA Torinói ló“ seinen Rückzug vom Filmemachen erklärte, weil er mit dessen künstlerischen Mitteln alles gesagt hätte, kehrt nach langer Schaffenspause mit einer Uraufführung, einem Auftragswerk der Wiener Festwochen, zurück. Dass der streitbare Moralist sein letztes Wort doch noch nicht gesprochen hat, ist Ungarns Premier Viktor Orbán geschuldet, der ein Gesetz initiierte, dass Obdachlosen das Nächtigen auf der Straße verbietet, ohne freilich diesen Menschen einen alternativen Schlafplatz anzubieten. Sie sollen einfach nur aus der Sichtbarkeit, aus dem öffentlichen Raum der Städte vertrieben werden.

Bild: © Béla Tarr/Fred Kelemen

Bild: © Béla Tarr/Fred Kelemen

Genau diesen Raum stellt Béla Tarr in seinem jüngsten Projekt, mit dem er sich erstmals an der Schnittstelle von Film, Installation und Performance bewegt, aus. Und zwar am Drehort selbst, der einstigen Winterreithalle im MuseumsQuartier, wo er das Publikum mit einer schmerzhaft dringlichen Kompromisslosigkeit veranlasst, die Augen auf die Armut mitten unter uns zu richten. Auf Stufen entlang der Wände sitzend, folgt man der Kamera von – wie stets bei Tarr-Werken – Fred Kelemen, der erst in ungewohnt leuchtenden Farben den Gelagemüll umrundet, bevor zum Tarr-typischen Schwarzweiß die ersten Gesichter erscheinen. Von großer Leinwand, die sich durch zwei weitere zu einer Art Triptychon erweitern kann, blicken im Wortsinn die, denn es sonst so ergeht, auf die Zuschauer herab.

Tarr hat viel Zeit mit seinen Protagonisten verbracht. Hat sie an ihren Aufenthaltsorten besucht, Misstrauen besänftigt, ihren täglichen Daseinskampf begleitet, versucht zu verstehen, wie es mit jedem einzelnen so gekommen ist. Eine Erfahrung, erzählt er in Gesprächen, die sein künstlerisches Selbstverständnis tief berührte. Selbstverständlich sind seine Bilder stilisiert, doch gerade dies stattet seine Akteure mit einer großen Würde aus, die Szenen, in denen sie ihren Alltagsverrichtungen nachgehen, wirken derart beinah gravitätisch, die Gesten hoheitsvoll, die Mimik majestätisch. Angeführt von einem Rollstuhlfahrer schreiten sie schließlich, nebelumwabert, in die Halle. Wie archaiische Krieger, denn tatsächlich lässt einen ihr Erscheinen auch an Tarrs „Macbeth“-Interpretation denken, während die Kamera Antlitz nach Antlitz erkennbar macht.

Nicht einfach ist es, diesen standzuhalten, den umschatteten Augen, die schauen, als hätten sie alles gesehen. Ein paar wenige, sie ohnedies auch auf der Straße Performer, tun sich mit einer kleinen Einlage hervor. Ein alter Mann mit weißem Bart singt einen wehmütigen Schlager, unwiderstehlich, herzzerreißend, ein Profi. Ein anderer sprüht sich mit Goldglanz ein, bis man in ihm die lebende Statue aus der Fußgängerzone erkennt. Eine Frau fertigt eine Petit-Point-Stickerei an, als wär’s eine Erinnerung an ein früheres Leben. Auch ein Lachen lässt Béla Tarr zu. Es hilft aus der Befangenheit – sowohl dem Publikum als auch denen, die hier zu Darstellern ihrer selbst werden. Dieser wundersame Abend bringt beide dazu, sich den anderen zu öffnen.

Bild: © Nurith Wagner-Strauss

Bild: © Nurith Wagner-Strauss

Zum Ende der „Missing People“ hebt sich ein Vorhang zu einem weiteren Teil des Saals, an Heurigentischen gibt es nun Getränke, Akkordeonmusik und die Möglichkeit zur Begegnung. Mit Glück entsteht so eine gesellige Runde, in der man sich aus der eigenen Wohlstandsexistenz herauswagen und es unternehmen sollte, die existenzielle Not seines nächsten Menschen zu begreifen. Das hat, wie die ganze Aufführung, etwas Heiliges und Heilendes. Schön, dass es den diesjährigen Festwochen zu ihrem Finale gelingt, Demarkationslinien in Köpfen, Feindbilder des Fremden, Grenzziehungen zwischen „uns“ und „denen“, so grandios zu überwinden.

TIPP: Am 15. Juni können beide Vorstellungen von „Missing People“ von Béla Tarr (18 und 21 Uhr) gegen Vorlage einer aktuellen Ausgabe der Wiener Straßenzeitung Augustin bei freiem Eintritt besucht werden. Karten sind nach Verfügbarkeit an der Abendkasse im Foyer der Halle E+G im MuseumsQuartier erhältlich.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=3wicOihI8dM

www.festwochen.at

  1. 6. 2019

Schlüterwerke: Esperanza – eine Partisanenoper

Juni 6, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit den Widerstandskämpfern durch den Wald

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

Am 16. Juni wird in einem Wald bei Wien „Esperanza – eine Partisanenoper“ uraufgeführt, eine Produktion der Schlüterwerke in der Regie von Markus Kupferblum. Lydia Mischkulnig verfasste das hochdramatische Werk, das sich mit der österreichischen und europäischen Aufarbeitungskultur unrühmlicher historischer Ereignisse beschäftigt. Dabei ergeht sich ein gutmeinender Bürgermeister in eifrigem, wortgewaltigen und publikumswirksamen Gedenken, während die Realität ihn und seine Gemeinde auf dramatische und unausweichliche Weise einholt. Magdalena Zenz vertont dieses scharfsinnige und gleichsam komische Werk und lässt unterschiedliche Stile schonungslos aufeinanderprallen. Damit spiegelt sie die kulturelle Realität des heutigen Europas und lässt den Charakteren keine Möglichkeit, in ihre Idylle zu entkommen.

Das Publikum wird die Protagonistinnen und Protagonisten dieser Oper durch dick und dünn begleiten. Es singen und spielen: Ulla Pilz, Béla Bufe und Magdalena Zenz. Aufführungen gibt es bei Schönwetter bis 26. Juni. Treffpunkt: Haltestelle 38A, Parkplatz Cobenzl. Beginn ist um 20 Uhr. Eintritt: Das Publikum spendet nach dem sogenannten “Schlüterprinzip” so viel es sich leisten kann.

www.schlüterwerke.at

www.kupferblum.com

Mehr von Markus Kupferblum: Rezension „Eisemann – Der Tänzer, der vom Himmel fiel“ www.mottingers-meinung.at/?p=20531

Wien, 6. 6. 2016

Katharina Straßer, Wolf Bachofner und Bela Koreny: Wien für Anfänger

Februar 1, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein nicht ganz ernst gemeinter literarischer Liederabend

Bela Koreny, Katharina Straßer und Wolf Bachofner Bild: Rideo

Bela Koreny, Katharina Straßer und Wolf Bachofner
Bild: Rideo

Die Schauspieler Katharina Straßer und Wolf Bachofner haben beschlossen, gemeinsam mit dem Komponisten und Pianisten Bela Koreny in Liedern und Texten der Wiener Seele auf den Grund zu gehen. Wien ist anders. Sagt die Stadt Wien. Gut. Doch welch eine Stadt ist das, in der es zum guten Ton gehört „grantig“ zu sein? Vom Friedhof ins Kaffeehaus, von der Melange zum Spritzer, vom Riesenrad in den Kellertheater führt die Reise der drei Darsteller. Sie zeigen eine Welt voller Liebe, Genuss und natürlich Tod. Entstanden ist ein humorvoller Liederabend, mit dem Anspruch, dem Wiener sogar sich selbst näher zu bringen. Mit Musik und Texten von Georg Danzer, André Heller, Fritz Grünbaum, Gerhard Bronner, Georg Kreisler, Helmut Qualtinger und Marlene Dietrich.

Premiere ist am 8. Februar im Orpheum Wien. Termine gibt es derzeit bis 6. Mai von Wien bis Salzburg und Tirol, alle auf:

www.rideo.at

Wien, 1. 2. 2016

Wiener Festwochen: Titkaink/Unsere Geheimnisse

Mai 20, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Volksmusik und Pädophilie

István (Zoltán Friedenthal) und Stieftochter Timike (Éva Enyedi) Bild: Zsolt Puskel

István (Zoltán Friedenthal) und Stieftochter Timike (Éva Enyedi) Bild: Zsolt Puskel

Wer immer die Idee hatte, die Produktion „für Zuschauer ab 16 Jahren“ freizugeben, weil Kindesmissbrauch zu sehen sein wird, dem sollte man nicht die Ehre antun, mit einem Ui! zu reagieren. Von den meisten KritikerkollegInnen wurde dieser Aspekt sowieso als Nebendingsbums abgetan – und auch Autor und Regisseur Béla Pintér braucht ihn nur als Katalysator.

Da gibt es also István Balla Bán (Zoltán Friedenthal), im ungarischen Kommunismus höchst angesehener Volksmusikkomponist, der wie ein Krokodil durch den flachen Plattensee robben muss, weil er einen Steifen kriegt, wenn er seine siebenjährige Stieftochter im Badetrikot sieht. Pintér findet jede nur mögliche Ausrede für den Pädophilen, der Täter ist sein Opfer, der Arme, kann ja nicht anders, ist in höchster Not, ach, diese Lolitas. Timike (Éva Enyedi) wird aber weniger kindliche Lazivität angedichtet, als eine Art Stockholm-Syndrom. Sie will dem Stiefpapa halt eine Freude machen, wenn „sein Zwerg zum Riesen wird“ und ihr dann noch ins Gesicht spuckt. Lustig, lustig, tralalalala … Die Ehefrau hält ihren Mann für impotent, macht sich Sorgen, konsoldiert Ärzte, freut sich, als der mit entsprechendem Ergebnis von der Tochter träumt, über eine mögliche Chance, aber plumps fällt der Vati um. Die Mutti will er ja nicht. Dafür mixt er später dem Sohn eines Freundespaares etwas Einschläferndes in den Apfelsaft und zieht ihm die Hose runter. Wie gesagt: Für Béla Pintér ist das die Neben-neben-neben-Handlung.

Denn István besucht immerhin eine Psychiaterin. Doch die wird abgehört. Und nun hat ihn der kommunistische Parteiapparat in den Klauen. Nachdem ihm der Kossuth-Preis verliehen worden ist (und ihm der zuständige Funktionär schwule Avancen macht; an dieser Stelle: Wer hat jemals von einem Fall gehört, in dem Schwule pädophil waren? Welche unheilvollen Vorurteile werden da wieder vermischt?), rückt man raus mit der Wahrheit. Er soll das Paar bespitzeln, dessen Sohn er noch missbrauchen wird. Er, Imre (Béla Pintér), schreibt für das oppositionelle Blatt „Eiserner Vorhang“, sie, Bea (Zsófia Szamosi) ist die lupenreinste Kommunistin jenseits der Erzsébet híd. Imre landet im Zuchthaus, István sticht sich den Schwanz ab. Einen Preis hat er noch gestiftet: Den bekommt Imres Sohn, den die Begegnungen mit István immerhin zum Volksmusikliebhaber gemacht haben (er gibt der Stiefgeliebten des Vaters, also Bea, nicht einmal die Hand, sagt nur: „Mein Vater wäre heute 61 …“) Und: Da Timike Vorsitzende der Stiftung ist, wird man ihr die Gelder streichen.

Das erfährt man in einem zynischen kurzen Epilog: Die Situation in Ungarn heute ist unter Premier Viktor Orbán nicht viel besser geworden ist. Die Spitzel und Opportunisten von einst sind wieder an der Macht, die Unterdrückung hat nur andere Formen angenommen. Bitterböse ist das Fazit dieses Stücks, das meist in einem Tanzhaus spielt, und gespielt wird, wie von einer Laientruppe aus der hintersten Provinz. Von der Pußta will ich träumen, wenn der Cardaz klingt. Ungarland, Ungarland, Ich hab‘ dir meine Herz verschrieben. Ich bin dein, Donaustrand … Ope-rette sich, wer kann.

www.festwochen.at

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-2014

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-geschichten-aus-dem-wiener-wald/

www.mottingers-meinung.at/wiener-festwochen-bluthaus/

Wien, 20. 5. 2014

Wean hean 2014

April 22, 2014 in Klassik

VON RUDOLF MOTTINGER

Na, des kann wos wean!

Johannes Silberschneider Bild: © Gerd Neuhold

Johannes Silberschneider
Bild: © Gerd Neuhold

15 Jahre wean hean – das Wienerliedfestival und 20 Jahre Wiener Volksliedwerk im Bockkeller! Vom 24. April bis 17. Mai 2014 feiert und befeuert wean hean deshalb mit zehn außergewöhnlichen Konzertereignissen das Wienerlied in seiner Vielfarbigkeit und seinen vielschichtigen Dimensionen. Spannende Themenabende werden eigens ausgetüftelt, Uraufführungen und neue Szenerien initiiert sowie gleichsam vertraute wie noch nie dagewesene musikalische Wege beschritten. Auf das geschätzte Publikum wartet ein imponierendes Jubiläumsprogramm mit markanten Künstlern und Künstlerinnen, mit bestechenden Interpreten und Interpretinnen. Die musikalischen Wogen tragen uns an ausgewählte Schauplätze in Wien, zwischen Zentrum und lauschigem Stadtrand.

Die erste wean hean Welle führt uns nach Ottakring, zur „Wiege“ des Wienerliedes. „In Ottakring draußt“, in den Gefilden des Liebhartstals und Gallitzinbergs, wird am 24. April eine musikalische Auslese der Wienermusik-Hautevolee wie Roland Neuwirth, Kurt Girk, Karl Hodina, Rudi Koschelu sowie Federspiel, Rutka.Steurer u.a. das Festival eröffnen. Schon um 1900 war diese Gegend ein beliebtes Ausflugsziel. So besaßen die Gebrüder Gammer hier ein Gasthaus, das inmitten eines weitläufigen Gartens lag, der an die 2000 Personen fasste und von 100-jährigen Bäumen beschattet wurde. 1906 ließen sie ein zweites, einstöckiges Gasthaus erbauen: den Bockkeller, der 2014 im Brennpunkt des wean hean Festivals steht. Hier befindet sich der einzigartige Spiegelsaal, der Veranstaltungsort des Wiener Volksliedwerks. Die weiteren Schauplätze der Eröffnung wie das Schutzhaus Waidäcker und der Heurige 10er Marie liegen nur einen Steinwurf von hier entfernt.

Die Ausstellung „Franz is here! Franz Ferdinands Reise um die Erde“ veranlasst wean hean in Zusammenarbeit mit dem Weltmuseum Wien einen Blick auf das Tagebuch der Weltreise 1892/93 des 1914 ermordeten Thronfolgers zu werfen und seine musikalischen Vorlieben zum Klingen zu bringen. In der Säulenhalle des Weltmuseums stehen am 28. April Unterhaltungs- und Salonmusik, alpenländische Lieder und Jodler, Schlager sowie österreichische Traditionsmärsche jener Zeit im Fokus. Die Neuen Wiener Concert Schrammeln, Stippich & Stippich und Soyka & Stirner garantieren einen abenteuerlustigen Abend, dessen Erlebnisreichtum durch Lesungen von Chris Pichler ergänzt wird.

Im Rahmen einer Personalie stellt wean hean eine nuancierte und talentierte Frau in den Mittelpunkt: Julia Lacherstorfer. Diejunge Geigerin, Bratschistin, Sängerin und Komponistin hat in den letzten Jahren mit ihrer außergewöhnlichen, erfrischenden Kreativität im Bereich zeitgenössischer traditioneller Volksmusik und Crossover Aufsehen erregt. Ihr Können verwirklicht sie in den Formationen Ramsch & Rosen, Alma und Neuschnee. Jede Gruppe steht musikalisch großartig für sich. Am 30. April werden sie alle gemeinsam im Theater Akzent auftreten. Ramsch & Rosen präsentieren zudem an diesem Abend ihre erste CD „Bellver“ (Lotus Records).

Am 3. und 4. Mai lässt wean hean 20 Jahre Wiener Volksliedwerk im Bockkeller mit einem Auftragswerk an das Kabinetttheater hochleben. Unter der Regie von Thomas Reichert wird unter dem Titel „Versammlung unter Engeln“ eine ganz besondere Geschichte über das Haus und sein vergangenes wie gegenwärtiges Eigenleben erzählt. Das Team des Kabinetttheaters inszeniert sein unvergleichliches, auf die Bockkellerbühne zugeschnittenes Puppenspiel. Das Ensemble Zum fidelen Bock, das sind Anna Clare Hauf, Markus Kraler und Nikolai Tunkowitsch, zaubert dazu eine eigene musikalische Szenenfolge. Margret Kreidl hat zu einem „bewegten“ historischen Foto das Minidrama „Ollas Eibüdung“ verfasst, Texte von Friedrich Achleitner, Gustav Ernst, Tanja Ghetta, Ernst Jandl und Julia Reichert sind Teil der minidramatischen Aufführung.

Wie prominent das Wienerlied auftreten kann, führen Meistersinger und Meistersingerinnen am 7. Mai im Rathauskeller vor. Lassen Sie sich überraschen, welche Prominente aus Medien, Kultur und Politik neben den Genreroutiniers Agnes Palmisano, Roland Sulzer, Daniel Fuchsberger, Walter & Tommy Hojsa sowie den Schrammelknödeln im Rahmen der Benefizveranstaltung zugunsten der Wiener Tafel dem Publikum ihre ganz persönlichen Wienerliedinterpretationen präsentieren. Dabei sind unter anderem Johannes Silberschneider, Thomas Stipsits, Miguel Herz-Kestranek und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Tags darauf am 8. Mai im Porgy & Bess:„Das kann was wean“. Das Klangkombinat Kalksburg sortiert und arrangiert das Wienerlied nach jazzigen Gesichtspunkten neu und wird dabei wohl jegliche angestammte Ordnung über Bord werfen. Mit dabei: alles, was einschlägig Musik macht – von A wie Aichinger bis Z wie Zrost:Oskar Aichinger, Thomas Berghammer, Heinz Ditsch, Hannes Enzlberger, Christian Gonsior, Clemens Hofer, Paul Skrepek, Wolfgang V. Wizlsperger und Martin Zrost.

Wiederum einen Tag später, am 9. Mai, kehrt wean hean zurück in den Bockkeller, diesmal um das Wienerlied ins zeitgenössische Gewand im Zuschnitt Kurt Schwertsiks zu hüllen und ein Klangkleid für Stimme und Streichquartett zu kreieren. Christa Schwertsik wird gemeinsam mit dem Koehne Quartett das Bühnenweihespiel „Hans im Glück“ (op.96) von Karl Ferdinand Kratzlnach der Musik Kurt Schwertsiks aufführen. Weitere Rarität des Abends: Die Uraufführung einiger Wienerlieder steht am Programm!

Wer kennt nicht die Schlager „Veronika der Lenz ist da“, „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Ich hab mir für Grinzing einen Dienstmann engagiert“ oder „Was macht der Maier am Himalaya“? Wer jedoch weiß darum, wer diese genialen Schlager geschrieben hat? Nach dem erfolgreichen Hermann Leopoldi Programm steht nun der 12. Mai ganz im Zeichen des großartigen Schlagerschöpfers Fritz Rotter. Einem österreichischen Krimi wie „Schnell ermittelt“ gleich, steigt unter der künstlerischen Leitung von Bela Koreny im Wiener Konzerthaus die Spannung mit jedem weiteren Künstlerauftritt: Ursula Strauss, Wolf Bachofner und Katharina Straßer. Ebenfalls mit dabei: Der für Musikfragen im Volkstheater unverzichtbare Patrick Lammer.

Ebenfalls um leichte Muse, allerdings in schwerer Zeit, geht es in einer Kooperationsveranstaltung mit der Wienbibliothek im Rathaus zu Wiener Musik im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1914 wurde der Krieg als gemeinsame, gute Sache ausgerufen, so, als wäre er die einzig mögliche Haltung eines aufrechten Menschen. Auch Kabarett und Operette rückten nahezu geschlossen ein. An der Front und dahinter feierten sie die Kämpfe mythisch, feindselig und sentimental oder mobilisierten einfach das eigene Genre für die Propaganda. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr kamen Musiker und Textdichter als denkende Individuen wieder zu sich und die Themen und Töne der Lieder gewannen an Wirklichkeit und Vielfalt. Entlang bekannter, unbekannter, neuer und neu bearbeiteter Lieder fühlt der Abend den wechselnden Emotionen, Gesinnungen und Irrungen dieser Jahre nach.

Gemeinsam mit Hannes Löschel, Wolfgang Vincenz Wizlsperger, Theresa Eipeldauer und Thomas Berghammer leuchten die beiden Historiker Christoph Lind und Georg Traska Aspekte der Wiener Musik im „Großen Krieg“ aus. So heißt es am 15. Mai anlässlich der Finissage der Ausstellung „Wohin der Krieg führt. Wien im Ersten Weltkrieg 1914-1918“ im Festsaal des Rathauses: „Rosa, wir fahr’n nach Lodz!“

Zum Ausklang des Festivals im Schutzhaus Ameisbach werden musikalische Streiflichter auf Ödön von Horváths legendäre Bühnenstücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „Kasimir und Karoline“ und deren Bezüge zum Volkssängertum geworfen. Die Verbindungen zwischen Wien und Bayern, zwischen der Wiener und der Bayerischen Volkssängertradition sind geradezu frappant! Die musikalischen Protagonisten des Abends, der bayerische Volksschauspieler Harald Helfrich, die Salonmusik Karl Edelmann sowie Stippich & Stippich, werden diese Beziehung mit Liedern von Ludwig Gruber, Carl Lorens, Walzern von Johann Strauss u.v.m. augenscheinlich machen. Das werte Publikum ist zum Mitsingen eingeladen!

http://www.weanhean.at

Wien, 22. 4. 2014