Thomas Bayrle: Wenn etwas zu lang ist – mach es länger

Oktober 21, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

MAK: Kleine „Zellen“ als Statement zur großen Masse

Thomas Bayrle: $, 1980. Mit Miniaturautos. Privatsammlung. Bild: Wolfgang Günzel © Bildrecht, Wien, 2017

Überdimensional. Eine aus unzähligen iPhones bestehende „Superform“– „iPhone meets Japan“ – in der MAK-Säulenhalle ist die zentrale Arbeit und zugleich ab 25. Oktober der Auftakt der ersten in Österreich gezeigten institutionellen Einzelausstellung des deut-schen Zeichners, Grafikers, Malers und Bildhauers Thomas Bayrle, der am 7. November seinen 80. Geburtstag feiert. Unter dem Titel „Wenn etwas zu lang ist – mach es länger“, nach einem Zitat des Architekten Eero Saarinen, entwickelt Bayrle, der sich mit zeitaktuellen Medien auseinandersetzt, eine Erzählung zur Interaktion zwischen Kommunikationsdesign, Individuum und Gesellschaft.

Weben, Vernetzen, Wiederholungen und das Prinzip des Seriellen sind bestimmende Momente in Bayrles Œuvre. Mit grafischen, skulpturalen, malerischen, textilen wie installativen Arbeiten verwebt er mehrere Räume – MAK-Säulenhalle, Design Labor, Galerie und die Schausammlung Gegenwartskunst – zur Projektionsfläche für seine Interpretation von „Social Fabric“, soziale Verflechtungen, die er an die Kunst des Webens anlehnt. Vor seinem Studium der Gebrauchs- und Druckgrafik selbst zum Musterzeichner und Weber ausgebildet, überträgt er die Faszination für Maschinelles konsequent in seine künstlerische Produktion.
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Mit Metaphern des Färbens, Webens und Programmierens untersucht er die Ambivalenz von Kunst, Handwerk, Industrie und lässt kaleidoskopartige Formen – Ornamente der Masse – entstehen. Beeinflusst von Op-Art und Pop-Art, verband Bayrle  als einer der Ersten manuelle Techniken mit computergenerierter Kunst des digitalen Zeitalters. Themen für seine Grafiken, Fotografien, Collagen und Objekte bezieht er aus der Alltagskultur und politischen Kontexten. Seine legendären „Superformen“ – Collagen aus einer unendlichen Anzahl von Miniaturbildern – ergeben im Zusammenspiel ihrer Einzelteile einen Mikro- und Makrokosmos. Durch die Vervielfältigung von „Zellen“, Bildern und ornamentalen Formen analoger wie digitaler Dimension können seine Arbeiten als Statements zu Masse und Massenproduktion gelesen werden , so der Künstler.
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Thomas Bayrle: Kartoffelzähler, 1968. Courtesy of the artist. Bild: Wolfgang Günzel © Bildrecht, Wien, 2017

Thomas Bayrle: Eurocheque, 1973. Courtesy of the artist. Bild: Wolfgang Günzel © Bildrecht, Wien, 2017

Die Installation „iPhone meets Japankonzipierte Bayrle eigens für das MAK. Das begehbare Szenenbild in der zwischen Neorenaissance und Industriearchitektur angesiedelten Säulenhalle, dem Zentrum des Museums und der Ausstellung, reflektiert ein japanisches Shunga von Nishikawa Sukenobu, entstanden um 1720 aus der Asien-Sammlung des MAK. Die explizit erotischen Holzschnitte sind in Ostasien zum Mas-senphänomen avanciert. Bayrle übersetzt das Shunga in eine „Superform“ aus iPhones, die unter den Vorzeichen digitaler Vernetzung zwischen einem Paar, das sich dem flüchtigen Duftspiel hingibt, und architektonischen Elementen oszilliert. Die Betrachter finden sich in einer Bilderflut wieder oder werden aufgefordert, die Szene von der Galerie der Halle aus zu erfassen.

www.mak.at

21.10. 2017