Salzburger Pfingstfestspiele 2016: Romeo und Julia

April 27, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Das größte Liebespaar der Welt ist Programm

Cecilia Bartoli. Bild: © Uli Weber / Decca

Cecilia Bartoli. Bild: © Uli Weber / Decca

Shakespeares Geschichte von „Romeo und Julia“ zieht sich ab 13. Mai als roter Faden durch das Programm der Salzburger Pfingstfestspiele, weiß deren künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli, die in dem Reigen eine wichtige Rolle einnehmen wird.  Den Anfang macht nämlich die „West Side Story“, die noch immer aktuelle Bearbeitung des „Romeo und Julia“-Stoffes mit der Musik von Leonard Bernstein und Gesangstexten von Stephen Sondheim.

Zum ersten Mal singt der Weltstar Bartoli die Maria, Norman Reinhardt ist ihr Tony, Philipp Wm. McKinley wird das Stück in Szene setzen. Der in Kasachstan geborene Bühnenbildner George Tsypin lässt in der Felsenreitschule New Yorks „West Side“ entstehen. Patrick Woodroffe, der schon mit Michael Jackson und den Rolling Stones gearbeitet hat, ist für das Light Design verantwortlich. Der vielfach ausgezeichnete britische Choreograph Liam Steel studiert die Tanzszenen ein.

Für heiße lateinamerikanische Rhythmen aus dem Orchestergraben wird das  Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela unter Gustavo Dudamel sorgen. Achtung: Sowohl die Premiere am 13. Mai als auch die Vorstellung am 15. Mai sind bereits ausverkauft.

Am Pfingstsamstag steht die konzertante Aufführung der Oper „Giulietta e Romeo“ von Nicola Antonio Zingarelli auf dem Programm. Dieses Juwel der neapolitanischen Schule war seit seiner Uraufführung 1796 bis in die späten 1820er-Jahre ein derartiger Publikumserfolg, dass es immer wieder, in immer neuen Fassungen aufgeführt wurde. Die Partitur der Originalversion bildet die Grundlage für die Aufführung bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Den Romeo singt einer der virtuosesten Countertenöre der heutigen Zeit, Franco Fagioli: Die Stimme des in Argentinien geborenen Sängers umfasst ganze drei Oktaven. Seine Giulietta ist die schwedische Mezzosopranistin Ann Hallenberg, die 2012 mit dem Echo-Klassik für die „Operneinspielung – Oper des 17./18. Jahrhunderts“ ausgezeichnet wurde.

Seit mehr als 50 Jahren wird das Ballett „Romeo und Julia“ in der Inszenierung von John Cranko erfolgreich auf den Bühnen der Welt gezeigt. 1962 wurde die vom damaligen Direktor des Stuttgarter Balletts kreierte Inszenierung uraufgeführt und bildete den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Compagnie. Sein Freund und Wegbegleiter Jürgen Rose stattet nicht nur diese Inszenierung aus, sondern wird im Salzburger Festspielsommer auch das Bühnenbild und die Kostüme in Samuel Becketts „Endspiel“ entwerfen. Bei den Salzburger Pfingstfestspielen wird das Ballett am 15. Mai im Großen Festspielhaus zu sehen sein.

Auch am Programm 2017 wird schon getüfelt: Markus Hinterhäuser, Cecilia Bartoli und Helga Rabl-Stadler. Bild: © Salzburger Festspiele / Julia Stix

Am Programm 2017 wird schon getüfelt: Markus Hinterhäuser, Cecilia Bartoli und Helga Rabl-Stadler. Bild: © Salzburger Festspiele / Julia Stix

Zum ersten Mal sind die Wiener Symphoniker zu Gast bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Sie spielen das Galakonzert am 16. Mai unter der Leitung von Marco Armiliato. Und zum ersten Mal singen auch Angela Gheorghiu und Juan Diego Flórez zusammen auf einer Bühne: „I Capuleti e i Montecchi“ von Vincenzo Bellini, der seine Tragedia lirica nach den gleichen Vorlagen wie Shakespeare schrieb. Knapp 40 Jahre nach ihm komponierte Charles Gounod seine Oper „Roméo et Juliette“. Es erklingen Arien und Duette aus beiden Opern. Eingeleitet wird das Programm durch Peter Tschaikowskis Orchesterfantasie „Romeo und Julia“.

Die Lesung „Ein zartes Ding“ von Ben Power eröffnet schließlich eine neue Sichtweise auf die unsterblich Liebenden. Es zeigt ein Ehepaar, das dem Ende eines langen Lebens entgegengeht und ist aus den Texten des Stückes collagiert. Es lesen Hans-Michael Rehberg und Ilse Ritter am 14. Mai im Salzburger Landestheater. Und wer immer schon wie in Verona tafeln wollte, sollte das Galadinner am 14. Mai nicht verpassen. Serviert werden sinnliche Kreationen nach den Rezepten des italienischen Sternekochs Stefano Baiocco. Das Dinner ist angelehnt an das 16. Jahrhundert, in dem man den leiblichen Genüssen stets zu feiner Tafelmusik frönte.

www.salzburgerfestspiele.at

Wien, 27. 4. 2016

Salzburger Pfingstfestspiele

Mai 14, 2013 in Tipps

Cecilia Bartolis Thema ist „das Opfer“

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Cecilia Bartoli und John Osborn
Bild: © Hans Jörg Michel

Von 17. bis 20. Mai finden die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele statt. Die beherrschende Thematik im neuen Programm ist der Begriff des „Opfers“. Besonderes Interesse hat Cecilia Bartoli, die Künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, an der Doppeldeutigkeit, die sichtbar wird, wenn man das deutsche Wort „Opfer“ übersetzt: „So bedeutet es zum Beispiel im Englischen ebenso ,sacrifice‘ wie ,victim‘. Doch ist der Unterschied in Tat und Wahrheit nicht in den meisten Fällen einer der Perspektive? Schließlich gibt es kein Opfer ohne Geopfertes, ohne Opfergabe – die Frage ist nur, auf welcher Seite man sich wiederfindet“, so die Bartoli. Die Begriffe umfassen die unterschiedlichen Aspekte von Opferung, Opfersein und Hingabe und spiegeln sich in den verschiedenartigen Veranstaltungen der Pfingstfestspiele wider. Unter dem Übertitel LiebesOPFER singt Bartoli selbst die Titelheldin in der Oper „Norma von Vincenzo Bellini, die erstmals szenisch auf historischen Instrumenten und in einer neuen kritischen Edition von Riccardo Minasi und Maurizio Biondi in Salzburg aufgeführt wird. Giovanni Antonini übernimmt die musikalische Leitung. Moshe Leiser und Patrice Caurier werden die Oper inszenieren. Mit ihrer Stückauswahl wollte Cecilia Bartoli den grundlegenden Konflikt zwischen Pflicht und Herzenswünschen einer jeden Person zum Thema machen. Die Hauptfigur befindet sich genau in diesem Zwiespalt und entscheidet sich letztlich für die Selbstopferung auf dem Scheiterhaufen. Mit Bartoli auf der Bühne: Rebeca Olvera, John Osborn, Michele Pertusi, Liliana Nikiteanu und Reinaldo Macias.

In sechs weiteren Programmen unter den Titeln MusikalischesOPFER, FrühlingsOPFER, BiblischesOPFER, PolitischesOPFER, ReligiösesOPFER und VersöhnungsOPFER sind als Mitwirkende unter anderem András Schiff, Valery Gergiev mit dem Ballett, Chor und Orchester des Mariinski-Theaters aus St. Petersburg, Diego Fasolis, Franco Fagioli, Javier Camarena, Roberta Invernizzi, I Barocchisti, Vadim Repin, Ildar Abdrazakov, das Hagen Quartett und Alfred Brendel, René Pape, den Wiener Singverein, Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra zu erleben. Zum ersten Mal wird bei den Salzburger Pfingstfestspielen ein zweites Werk szenisch aufgeführt: Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du printemps“ ist genau 100 Jahre nach seiner skandalträchtigen Uraufführung in der rekonstruierten Originalfassung von Vaslav Nijinskys Choreografie und in der archaischen, von fauvistischen Farbkombinationen beherrschten Ausstattung von Nicholas Roerich, vereint mit weiteren Meisterwerken aus dem Erbe der Ballets Russes mit Künstlern des Mariinski-Theaters, St. Petersburg, zu erleben.

Begleitend zeigt DAS KINO den Film „Offret“ (Opfer) von Andrei Tarkowski, dessen Filmstills die Bildsprache des Pfingstprogrammes prägen. In der Rauchmühle wird als VisuellesOPFER zudem eine multimediale Ausstellung des Philharmonia Orchestra und Esa-Pekka Salonen präsentiert.

www.salzburgerfestspiele.at

www.salzburgerfestspiele.at/spielplan-pfingsten

http://salzburgerfestspiele.at/Portals/0/Pfingsten_2013_Programm_Web.pdf

Von Michaela Mottinger

Wien, 14. 5. 2013