Das brut geht online: Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien. Artist-Talk & Filmscreening

November 17, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Nur mal kurz ganz Wien retten

Die Rabtaldirndln: Vier steirische Actionheldinnen retten in der Bundeshauptstadt, was an der noch zu retten ist. Screenshot: Trailer „Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“

James wer? Ethan wie? Die einzigen, die Wien vor den Machenschaften von vier Bösewichtinnen retten können, sind doch eindeutig die Rabtaldirndln! Das hat die performative Viererformation schon erfolgreich mit Graz getan, wo’s darum ging, das Herz der Grünen Mark vorm Dasein als Disney-Waterpark samt ganzjährigem Aufsteirern zu bewahren. Nun setzen sie ihre Superheldinnenkräfte für die Bundeshauptstadt ein.

Deren erster Bezirk erst warm abgetragen, dann geflutet werden soll, auf dass ein „Dubai an der Donau“ entstünde, eine Oligarchinnen-Insel der Seligen mit dem Burgtheater als Indoorsportpalast und Albertina-Ambiente für die Luxusappartements … Noch Anfang Oktober haben Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier ihre Koproduktion mit brut Wien live am Schwendermarkt gezeigt, das nervenzerfetzende Action-Movie-Spektakel getarnt als Filmdreh in und um die VHS Rudolfsheim-Fünfhaus mit dem Publikum als Komparsinnen und Komparsen. Doch die seit „Live and please die“ Spionagefall-erfahren Frauen erlebten mit „#Corona never dies“ sozusagen ihr „Octoberpussy“ – weshalb sie nun zum Online-Artist-Talk & Filmscreening von „Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“ luden, der Film nach wie vor zu sehen auf brut-wien.at.

Mit famosem Humor arbeitet sich das Frauenkollektiv am Bond-Mythos samt dessen Klischees von Männlichkeit ab. Die muss nicht unbedingt gleich „toxisch“ sein, wie eine Diskussionsteilnehmerin im „Wie konntet ihr nur?“-Tonfall nicht aufhört zu fragen. Nein, sagen die Rabtaldirndln, this is a Women’s World, und Frauen treten im Gegensatz zum Loner Spy als Kollektiv an, aber: Die Rabtaldirndln seien als Kunstfiguren ebenso gewaltbereite, die ethisch außerhalb jeder Grenze agieren – und in diesem speziellen Setting neben ihren Superheldinnenrollen außerdem als Schurkinnen eingesetzt.

Helene hält die Cue Cards hoch. Bild: © Franzi Kreis

War Room. Screenshot: „Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“

Control Room. Screenshot: „Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“

Action Room. Bild: © Franzi Kreis

Und so landet man via Video ebendort, beim Making-of, für das kein Geringerer als toxic-dreams-Mastermind Yosi Wanunu als Regisseur fungiert, und Gerda Saiko als Outside Eye, der Parcours voll aberwitziger Ideen gestaltet von Ausstatter Georg Klüver-Pfandtner. „Wir tun jetzt so, als würdet ihr glauben, dass wir einen Film drehen“, empfiehlt Gudrun Maier dem Publikum, und dieser Selbstbetrug wird nun hundert Minuten lang durchgezogen. Die Handlung, teilweise durchspickt mit Original-Floskeln, ist eine soziale Dystopie über Turbokapitalismus und Demokratieversagen, Kagran eine Sondermülldeponie, auf der Flüchtlingskinder nach Seltenen Erden graben, die Lobau Malaria-verseucht, der Fluss gefährdet von suizidalen Reichsbrücken-Befahrern.

Einzig der erste Bezirk ist eine Schutzzone, vor der bewaffnete Sicherheitskräfte Ausweise und Bankomatkarten kontrollieren. Welch ein Uschi-Stenzel-Traum! 184 Minikameras, versteckt in – no na – Armbanduhren, Blumenkästen und einem Dirndl-Schneidezahn drohnen durch die totale Paranoia, jene dunkelwindige Atmosphäre, in der Assistent Director Helene die Cue Cards für die Komparserie im doppelten Wortsinn hochhält. Derart versteckt sich im spaßigen Spiel die Dirndl-typische Gesellschaftskritik, nach Landflucht und Pflegenotstand ist’s nun die über Gentrifizierung und Kommerzialisierung; die Frage, die sie diesmal stellen, so die Performerinnen im Talk, ist: Wem gehört die Innere Stadt und ihre Kultur?

Welch ein Theater-Film-Experiment im, darauf wird wert gelegt, Olivier-Assayas-Stil. In einer geheimen Mission stürmt das #Corona-Masken-vermummte Komparserie-Publikum die als Headquarter auserkorene VHS, um dort vom War Room in den Control Room in den Action Room geleitet zu werden. In ersterem wird man top secret darüber informiert, wie sich die Bürgermeisterin in die Hände eines kriminellen Konsortiums begab, in zweiterem hat man als Geheimdiensthacker endlich die ebenfalls mit besonderen Begabungen ausgestattete Kanaille auf dem Schirm, eine Feuerteufelin, eine Cyborg, eine Banshee und eine niederträchtige Wassernixe.

In Bond-Pose: Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Gudrun Maier und Bea Dermond. Screenshot: „Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“

Im dritten folgen spektakuläre Verfolgungsjagden auf dem Snowboard vor hochalpiner Kulisse auf solche mittels Paraglider auf Motoryacht und Edelkarosse, augenzwinkernde Zitate aus Pappendeckel und Faschingsseide. Und während das Publikum mit Windmachen und Knöpfe-Drücken beschäftigt ist, wird Agentin X der berüchtigte, von den anderen als antifeministisch, von ihr aber als weibliche Selbstermächtigung gelesene „Buchtel-Satz“ aus dem Skript gestrichen, verschwimmt Fakt mit Fiktion, wenn Agentin Y Dreh mit Diskurs

verbindet und mit den Zuschauerinnen und Zuschauern in einen Dialog ums Wiener Wohnen, hohe Mieten und das Klima in der Stadt tritt. Die schönsten Sequenzen, leider, fanden bereits im Verborgenen statt. Das Bad in einem Martiniglas vor vierzig Bond-Boys, die Sexszene … Dafür darf die Komparserie aus roter Wolle ein Lasernetz spannen, durch das eifrig gerobbt wird, gilt es doch die Bombe zu entschärfen. Welchen Draht durchschneiden – rot oder grün? Die Frage hat sich in Wien erledigt. Doch auf die, was man als Statistin, als Statist in dieser Stadt tun kann, ist die Antwort ein eindeutiges: „Und: Action!“ der Rabtaldirndln.

„Die Stadt der Rabtaldirndln: Wien“ ist höchst amüsanter Nonsens mit ganz viel Hintersinn, bei dem nicht nur ein Kinogenre, sondern selbstverständlich eine Geisteshaltung in ihre Bestandteile gesprengt wird. Die Lockdown-Pause will das Performancekollektiv für ein „Die Stadt der …“-Comicheft nutzen, das im Frühjahr 2021 erscheinen soll, danach warten aufs Format Einladungen in andere europäische Städte. Schlusssatz Yosi Wanunu beim Online-Artist-Talk: Er hoffe, dass die #Corona-Lehre eine „Culture-Diet“ sei, „und die Kulturverantwortlichen nicht länger die Big Events und die Festivals abfeiern, sondern endlich die vorhandenen, das ganze Jahr über arbeitenden Künstlerinnen und Künstler entsprechend fördern“.

brut-wien.at           dierabtaldirndln.wordpress.com

Trailer: vimeo.com/452533536           Film: vimeo.com/479300245

  1. 11. 2020

Barbara Sukowa und Martine Chevallier in „Wir beide“

Oktober 28, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Recht auf späte Liebe

Martine Chevallier und Barbara Sukowa. Bild: © Paprika Films

Nach außen hin ist alles klar, und Nina nur die Nachbarin von nebenan. Tatsächlich aber ist Nina für Madeleine die große Liebe. Schon seit Jahren führen die Frauen eine geheime Beziehung und träumen davon, ein neues Leben in Rom zu beginnen. Wo man einander einst kennenlernte, die Französin und die Deutsche, beide sind sie jenseits der Siebzig, und es soll keine Rolle mehr spielen, was die Leute denken.

Doch Madeleine kann sich nicht überwinden, ihrer Familie die Wahrheit übers „Wir beide“, so der Titel des Films, der am 16. Oktober im Kino anläuft, zu sagen. Für ihre erwachsenen Kinder ist sie die aufopferungsvolle Witwe und Groß-/Mutter, und Nina, die eigentlich längst bei Madeleine wohnt, bleibt bei deren Auftauchen nur das leise Retourschleichen in ihr eigenes, logischerweise ziemlich leeres Apartment. Da schlägt das Schicksal zu. Madeleine erleidet einen Schlaganfall, Nina findet die Geliebte bewusstlos in der Küche – über die nun plötzlich andere verfügen: die Tochter, die Ärzte, eine kurzerhand engagierte 24-Stunden-Pflegekraft. Nur Nina ist von Madeleines Leben ausgeschlossen …

Wie schön und klar und unprätentiös Comédie-Française-Schauspielerin Martine Chevallier und Filmstar Barbara Sukowa dies Paar spielen! Die Enttäuschung, die Entschuldigung, in Sukowas Gesicht dieses „Bitte offenbare dich für deine Frau!“, die Angst vor Enttarnung, die Angst vorm Verlust. Der junge italienische Regisseur und Drehbuchautor Filippo Meneghetti hat aus dem Stoff, den er im Wohnhaus eines Freundes so ähnlich beobachtete, ein sutiles Psychodrama für Herz und Hirn gemacht.

Erste Szene: Zwei Mädchen spielen an einem Parkweg unter Bäumen Verstecken, und schon ist das eine verschwunden, hat sich in Nichts aufgelöst, und das andere zweifelt an seinen Sinnen ebenso wie der Zuschauer. Später wird sich dies Ereignis als Ninas Albtraum erweisen, und dieser unheimliche, ästhetisch wie vom Arthouse-Horror inspirierte Beginn prägt fortan die Dramaturgie von „Wir beide“. Kameramann Aurélien Marra gestaltet dazu die passenden Bilder, größte Nähe bei völliger Distanz, etwa wenn Nina durch den Türspion über den Gang hinüber zu Madeleines Wohnung linst, Licht fällt durchs Oberlicht, was passiert dort drüben? Oder auch, wenn deren Tochter, César-Preisträgerin 2019 Léa Drucker als Anne komplettiert das Damentrio, der Mutter verbissen die Haare föhnt.

Léa Drucker und Martine Chevallier. Bild: © Paprika Films

Martine Chevallier. Bild: © Paprika Films

Martine Chevallier und Léa Drucker. Bild: © Paprika Films

Barbara Sukowa. Bild: © Paprika Films

Zuerst aber sieht man die Sukowa und die Chevallier via Badezimmerspiegel Zärtlichkeiten tauschen, kochen, zu Betty Curtis‘ „Chariot“-Version tanzen, berührend ist das, intim, niemals voyeuristisch. Die Charaktere entfalten sich, Madeleine ist eine stille, zaghafte Frau, deren Wohnung auf die Geschichte ihrer Ehe und die Bürde familiärer Bindungen verweist, die zupackende Nina eine energische Kämpfernatur, deren provokant provisorische Nichteinrichtung regelrecht darauf pocht, endlich Richtung Rom aufzubrechen. Der von Marra ausführlich gefilmte Gang ist gleichsam Verbindungsschnur wie Demarkationslinie.

Barbara Sukowa zeigt in diesem Kammerspiel ums Recht auf die späte, hier lesbische Liebe ihre ganze große Schauspielkunst, ihr Spiel dabei so intensiv wie zurückgenommen. Sukowa gleicht einem brodelnden Vulkan, um dessen baldigen Ausbruch man fürchten muss. Wie sie allein im gemeinsamen Bett liegt und ungesehene Tränen weint, wie sie einsam unter Bäumen auf der Parkbank sitzt, da ist mit Verzögerung der Albtraum wieder, wie Meneghetti generell vieles erst im Nachhinein entschlüsselt. Welch Szene, als die Kinder in Madeleines Wohnung kommen, um ein paar Sachen zusammenzupacken, Nina verbirgt sich schnell, da sind zwei Zahnbürsten? Sie nehmen beide mit.

Martine Chevallier und Barbara Sukowa. Bild: © Paprika Films

Sorgen, Warten, Hoffen, Harren, Schlaflos-Sein, Meneghetti ergreift bedingungslos Partei für sein Liebespaar, dafür baut er seinen grandiosen Darstellerinnen eine Bühne – Kinder verlangen von den Eltern irgendwann, sie ziehen zu lassen, warum gilt das nicht vice versa, ist die Frage, die er aufwirft, und die danach, was man eigentlich tatsächlich vom Nächsten, vom Nachbarn weiß. Und apropos: Welch ein Plädoyer für Partnerschaft jenseits aller Fragen nach Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion.

Was Wunder, hat man als persönlichen Soundtrack zu diesem Film Jaques Brels „Ne me quitte pas“ im Ohr. Und wieder die Traumsequenz: Sukowa rettet das verlorengegangene Mädchen aus dem Wasser. Nina geht’s also an. Nämlich Pflegerin Muriel – Schauspielerin Muriel Benazeraf – zu beschwatzen, sich als Hilfe anzubieten. Muriel, die die aufdringliche, fremde Frau erst bedrohlich findet, ja, die Sukowa kann tragikomisch-schwarzen Humor, bevor sie zur ersten Eingeweihten wird. Während Nina noch mit ihrem „Geh‘ hinüber und sag‘ es ihnen!“ ringt, und Muriel von Anne höchst unhöflich behandelt wird – eine Minidrama sozialer Diskrepanzen, das Meneghetti hier aufwirft, und das ist Österreich, siehe #Corona-Alarm um rumänische Pflegerinnen, nicht anders ist.

Die Anne von Léa Drucker stattet Meneghetti mit der typischen Ambivalenz des Nicht-Wissen-Wollens aus. Nie hat sie sonderlich interessiert, was Mutter so treibt, jetzt findet sie Album um Album voller Urlaubsfotos von Madeleine und Nina. Das ist, als hätte sie sie „im Bett erwischt“, empört sie sich in einer Moral-Vorstellung. Und merkt gar nicht, dass sie ihre Mutter dem Leben geradezu entreißt, Martine Chevallier, die mit ihrem stummen Spiel besticht, den Blick ins Nirgendwo gerichtet und auf einmal wache Augen, wenn in der Diskussion rund um sie für Madeleine wichtige Themen angesprochen werden.

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, heißt es, und Nina wird am Schluss ein Husarenstück wagen, dessen Ende Meneghetti offen lässt – was an dieser Stelle das Beste ist, das seinen Protagonistinnen und dem Publikum passieren kann.

www.weltkino.de/filme/wir-beide

15. 10. 2020

Home-Stage – Das Online-Musical

Mai 20, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Gernot Kranners Antwort auf die #Corona-Krise

Bild: Home-Stage – Das Online-Musical

In Zeiten von #Corona suchte Sänger, Schauspieler und Regisseur Gernot Kranner Mitstreiter zur musikalischen Einfassung der Quarantäne-Isolation. Gesagt, getan – schon entstand „Home-Stage – Das Online-Musical“, dessen erste Episode nun zu sehen ist. Die Story: Sechs Darstellerinnen und Darsteller sollten einander bei den Finals einer Audition zu einem neuem Musical treffen.

Einer Uraufführung, über die bereits einiges spekuliert wurde, aber noch nichts Genaues bekannt ist. Doch dann kommt Corona und nichts ist mehr so wie vorher. Ab sofort gilt Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkung. Der Regisseur bekommt gegen seinen Willen von den Produzenten die Vorgabe, einen Online-Workshop, der einmal wöchentlich stattfindet, abzuhalten, um die Produktion zu retten. Voraussetzung für die sechs, irgendwann einmal auch in dem Stück auf einer Bühne zu stehen, ist also, dass man einander alle zwei Wochen via Video-Konferenz trifft und gemeinsam einen neuen Song einstudiert und einander besser kennen lernt.

Also lassen sich alle sechs darauf ein. Was ist schon dabei, sich einmal via Skype zu sehen und gemeinsam zu proben und ein wenig besser kennen zu lernen? Marie, Debbie, Joe, Cake, Sam und Timmy sind nach kurzer anfänglicher Unsicherheit aufgrund der vollkommen neuen Situation relativ schnell bereit, bei dem Experiment mitzumachen. Und dann ist da noch Joes kleiner Bruder Tonio, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ebenfalls einmal Musicaldarsteller zu werden, und der sich ziemlich selbstbewusst in das Geschehen einmischt.

Die Regisseure Reinwald und Gernot Kranner. Bild: Home-Stage – Das Online-Musical

In jeder Folge wird vom Regisseur zu Beginn das Material für einen neuen Song verteilt, der Teil der Show werden soll. Ab Folge zwei ist auch immer ein Special Guest, ein Musicalstar aus dem deutschsprachigen Raum, mit dabei. Man darf also gespannt sein … Regie führt Gernot Kranner, Musik und Buch sind von Katrin Schweiger und Thomas Neuwerth, die Choreografie von Barbara Castka. Den „Home-Stage“-Regisseur singt und spielt Gernot-Bruder Reinwald Kranner, mit ihm im Cast: André Haedicke, Nick Körber, Chris Green, Sarife Afonso, Nicole Rushing, Philipp Fichtner und Jonas Tonnhofer. Die Sets sind die Privatwohnungen der Darstellenden, ihr Gärten und andere Locations in Freien, soweit das die jeweiligen Corona-Maßnahmen erlauben.

www.facebook.com/homestagedasonlinemusical           Trailer: youtu.be/jjzqZQeXabk

www.youtube.com/channel/UC7lBktcTnxm9DfM5yT3LX2g

20. 5. 2020

Ein Ärzteroman-Lesemarathon aus den Homeoffices

April 16, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTINGER

Kabarettisten fordern „Noch eine Chance für Bettina“

Bild: © Ronny Tekal

Nach der virtuellen Lesung von Albert Camus‘ „Die Pest“ mit den Rabenhof-Allstars (siehe: www.mottingers-meinung.at/?p=39026) folgt nun ein weiterer Klassiker der Weltliteratur – der im Jahr 1970 im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen ist. Für all jene, denen Camus zu schwer und die Pest zu schwarz ist, stellt Autorin Gitta von Bergen ihre Protagonistin Bettina ins Zentrum ihres kleinen Romans voll Liebe, Schmerz und – vielleicht– auch einem Happy End. Ronny Tekal und Norbert Peter aka die Medizinkabarettisten Peter&Tekal haben befreundete Kolleginnen und Kollegen zum Vortrag gebeten, und das Line-up der Mitwirkenden kann sich sehen lassen.

Mit dabei sind: Lukas Resetarits, Mike Supancic, Paul Pizzera, Klaus Eckel, Stefan Jürgens, Joesi Prokopetz, Ludwig Müller, Nadja Maleh, Fifi Pissecker, Angelika Niedetzky, Pepi Hopf, Günther Lainer, Werner Brix, Fredi Jirkal, Gerold Rudle, Monica Weinzettl, Sabine Petzl, Tini Kainrath, Omar Sarsam, Dieter Chmelar, Birgit und Nicole Radeschnig, Gerald Fleischhacker, Robert Blöchl von Blözinger, die Gebrüder Moped Martin Strecha und Franz Stanzl, Kernölamazone Caro Athanasiadis, Tricky Niki

Sedlak, Markus Hauptmann, Andy Woerz, Harry Lucas, Clinic-Clown-Gründer Roman Szeliga, Robert Mohor, Markus Richter, Uschi Nocchieri, Patricia Simpson, Norbert Peter, Ronny Tekal und Frau Kratochwill, Lydia Prenner-Kasper, Christoph Fälbl, Anja Kaller, Alex Kröll, Martin Kosch, Stefan Haider, Alexander Sedivy, Barbara Balldini und Guido Tartarotti.

Bild: © Ronny Tekal

Bild: © Ronny Tekal

Zu hören kostenlos ab 17. April, 17 Uhr. Dass sich ein gewisser Humor aus der Schere zwischen vortragender Ernsthaftigkeit und Inhalt ergibt, liegt in der Natur der Sache Groschenroman. Die Einblicke, die ein erster Trailer bietet, sind jedenfalls Weltklasse.

Trailer: youtu.be/6_Wo7STW8bg          Mehr Infos: www.facebook.com/petertekal               www.medizinkabarett.at

16. 4. 2020

Die Neue Oper Wien streamt Videos ihrer Produktionen

April 3, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Den Anfang macht Bernhard Langs „Der Reigen“

Das Graphic-Novel-Bühnenbild beschwört das Zwischenkriegswien: Walter Kobéra, amadeus ensemble, Anita Giovanna Rosati und Thomas Lichtenecker Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Auch die Neue Oper Wien hat nun einen Stream eingerichtet. Videos vergangener Produktionen finden sich ab sofort hier: neueoperwien.at/node/179/aktuell/video. Die Videos werden laufend ergänzt und bleiben voraussichtlich bis 30. Juni online. Den Anfang machen „Der Reigen“ von Bernhard Lang, Libretto von Michael Sturminger nach Arthur Schnitzler, Inszenierung von Alexandra Liedtke.

Sowie Šimon Vosečeks „Biedermann und die Brandstifter“ nach Max Frisch in der Regie von Béatrice Lachaussée. Für 22. Juni ist die österreichische Erstaufführung von „Prosperina“ in der Wiener Kammeroper geplant. Wolfgang Rihm hat sich des Goethe-Stoffes angenommen und ein Kleinod geschaffen, das 2009 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt wurde. Rihms Partitur ist herausragend, vom ersten Takt an strömen raumgreifend die für den Komponisten typischen Klänge und tragen so den Kampf der Dauergefangenen in der Unterwelt um eine menschenwürdige Existenz aus: Ein vokaler Befreiungsschlag einer tragischen Persönlichkeit. Die Prosperina singt und spielt Rebecca Nelsen, die Inszenierung ist von Rebecca Greenstein, am Pult wie stets: NOW-Intendant Walter Kobéra.

Barbara Pöltl und Marco Di Sapia. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Alexander Kaimbacher. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Thomas Lichtenecker und Alexander Kaimbacher. Bild: © Armin Bardel

Kritik: Der Reigen

Schneller Sex im Wartesaal der Liebe

L-I-E-B-E schreibt eine Gestalt zu Anfang auf die fünf schwarzen Wartesaalsessel. Am Ende wird das Ensemble auf ihnen Platz nehmen, angeschlagen, ausgelaugt, aber ausharrend, ob dies Glück in Großbuchstaben nicht doch noch um die Ecke lugt. Die Verheißung aber trügt, im Wartesaal der Liebe gibt es für sie nichts als schnellen Sex. So ist das eben bei Arthur Schnitzler – und nun in Bernhard Langs musiktheatralischem Werk „Der Reigen“, das die Neue Oper Wien zur österreichischen Erstaufführung brachte.

Nach der Premiere bei den Bregenzer Festspielen ist die Produktion seit gestern im Rahmen von Wien Modern im MuseumsQuartier zu sehen. Und siehe: Die in allen Klangfarben schillernde Komposition samt dem wohltuend originaltexttreuen Libretto von Michael Sturminger, die fantasievolle, schlüssig heutige Inszenierung von Alexandra Liedtke im formidablen Graphic-Novel-Bühnenbild von Falko Herold und Florian Schaaf, das von Walter Kobéra exzellent geführte amadeus ensemble-wien – mit der sich als Teil des Orchesters ausweisenden Klangdesignerin Christina Bauer – und die makellose Leistung der Solistinnen und Solisten, machen aus dem Abend ein weiteres Glanzstück auf der diesbezüglich langen Liste der NOW.

Eines, das sich wie selbstverständlich getraut, ohne die Gedankenstriche der Schnitzler’schen Szenenfolge zu verfahren. Heißt, dass es in der Halle E ganz schön zur Sache geht. Eine Fellatio im Stiegenhaus, ein „Vorhängeschloss“ in der Waschküche, Telefonanie, hier wird sich nicht geschont, stattdessen von Höhepunkt zu Höhepunkt gesungen, und von Hotelsex bis Treppenaffäre greift Lang des Autors Idee des Immergleichen in den für ihn typischen Loops auf. „Die Zeit meiner Jugend, die Zeit meiner Jugend“, beschwört der Ehemann beim Sich-Vergnügen mit dem Schulmädchen eine mutmaßlich inexistente Erinnerung herauf, dieses wie die anderen expressiven Bilder mit musikalischen Zitaten aus der „Reigen“-Skandal-Zeit untermalt.

Eine Art Motto pro einzelner Begegnung und derart mal ein impressionistisches Flimmern à la Débussy, mal eine kräftige Prise Alban Berg, dazu Jazz, Swing, ein wenig Gershwin, etwas Bernstein, sogar Rap, und die Protagonisten auch imstande diese Poystilistik zu bedienen. Wobei sich zur gesanglichen die darstellerische Herausforderung gesellt, je zwei komplett konträre Charaktere zu verkörpern … weiter auf: www.mottingers-meinung.at/?p=36070

neueoperwien.at           neueoperwien.at/node/179/aktuell/video

Der Reigen: www.youtube.com/watch?time_continue=16&v=AC3IkVfRXj4&feature=emb_logo

Biedermann und die Brandstifter: www.youtube.com/watch?time_continue=1297&v=0ZNm59fr7zY&feature=emb_logo

3. 4. 2020