OsterKlang 2014

April 9, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Von der Johannes-Passion bis zu Messiah

2689675763_e88384cd33Das achtzehnte OsterKlang-Festival spannt in der Zeit von 13. bis 20. April seinen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion bis hin zu Werken Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, französischer Barockmusik von François Couperin und Marc-Antoine Charpentier sowie Ludwig van Beethovens Missa Solemnis. Den szenischen Kern des Festivalprogramms bilden die Mozart-Oper La clemenza di Tito in der Kammeroper und G. F. Händels Oratorium Messiah in einer szenischen Fassung und Inszenierung von Claus Guth im Theater an der Wien. Erstmals wird das Festival am 13. April in Kooperation mit den Wiener Symphonikern im Großen Saal des Wiener Konzerthauses eröffnet. Auch in den Jahren 2015-16 wird diese Kooperation mit den Wiener Symphonikern weitergeführt. Im Zentrum der kommenden Eröffnungskonzerte stehen wichtige sakrale Werke von J. S. Bach.

Die Spielorte während der Osterwoche sind das Theater an der Wien, die Kammeroper, das Wiener Konzerthaus, die Minoritenkirche und der Musikverein. Neben den renommierten SängerInnen wie Bernarda Fink, Klara Ek, Johannes Chum, Hanno Müller-Brachmann, Johan Botha, Bejun Mehta, Florian Boesch und Maria Bengtsson bestreitet das Junge Ensemble des Theater an der Wien die Mozart-Oper La clemenza di Tito in der Kammeroper. Dirigenten wie Giovanni Antonini, Christophe Rousset, Simone Young, Rubén Dubrovsky und Martin Haselböck sowie die Wiener Symphoniker, das französische Originalklangensemble Les Talens Lyriques und das Orchester Wiener Akademie präsentieren ein auserlesenes Konzert- und Opernprogramm. Eröffnet wird der 18. OsterKlang am Palmsonntag, den 13. April  mit der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Giovanni Antonini musizieren die Wiener Symphoniker. Als Solisten sind Johannes Chum als Evangelist und Hanno Müller-Brachmann als Jesus sowie Klara Ek und Bernarda Fink zu hören. Es singt der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Die Johannes-Passion ist die früheste, heute noch vollständig erhaltene Passion Bachs. Sie wurde am 7. April, dem Karfreitag des Jahres 1724, in der Nicolaikirche in Leipzig uraufgeführt, wo Bach derzeit als Thomaskantor tätig war. In dieser Passion schildert Bach die Ereignisse um das Leiden Jesu – von seiner Gefangennahme bis zur Grablegung – in ergreifend schlichter Klarheit und direkter Dramatik. Die Passionshandlung und die kontemplativen Chorpartien greifen direkt ineinander, sodass die Passion Christi direkt und eindringlich nachvollzogen werden kann.

Mozarts spätes Meisterwerk La clemenza di Tito ist zweifelsohne ein der Aufklärung verpflichtetes Plädoyer für Aufrichtigkeit und Gnade, das uns bewegende Einblicke in die Einsamkeit eröffnet, der ein Regent bei seinen Entscheidungen ausgesetzt ist, im Sinne des Fürstenspiegels zeigt es aber genauso die Gefahren von Willkür, Unberechenbarkeit und Selbststilisierung, die unter dem Deckmantel der Milde besonders gefährlich erscheinen müssen. Die Opera seria in zwei Akten (1791) gelangt am 13. April  in einer Neuproduktion des Theater an der Wien in der Kammeroper unter der musikalischen Leitung von Rubén Dubrovsky mit seinem Ensemble Bach Consort Wien zur Premiere. Die Mitglieder des Jungen Ensembles des Theater an der Wien bilden das Sängerensemble, allen voran Andrew Owens als Tito Vespasiano, Çiğdem Soyarslan als Vitellia und Gaia Petrone als Sesto. Für die Inszenierung zeichnet der italienische Regisseur Alberto Triola verantwortlich.

Was ist Schuld? Was bedeutet Liebe? Was heißt Tod? Was heißt Erlösung? Diese Fragen, die Menschen aller Religionen miteinander verbinden, thematisiert Claus Guths Inszenierung des Oratoriums Messiah. Händel zeichnet mit seiner Musik ein emotionales Gemälde der menschlichen Ängste und Hoffnungen, aber auch der Erlösungsgewissheit, welche oftmals einzig in seinem berühmten Chor Hallelujah verortet wurde.Nach vier Jahren kehrt die erfolgreiche Produktion in außerordentlicher Besetzung und in einer Neueinstudierung unter der musikalischen Leitung von Christophe Rousset ans Theater an der Wien zurück. Als Solisten sind Maria Bengtsson, Ingela Bohlin, Paul Lorenger, Bejun Mehta, Florian Boesch, Charles Workman und Nadia Kichler zu erleben. Es singt der Arnold Schoenberg Chor. Die Premiere ist am 14. April, die Vorstellungen am 17. und 19. April finden im Rahmen des OsterKlang-Festivals statt. Am 15. April  steht mit den Leçons de ténèbres (Lesungen der Dunkelheit) eine spezifische Gattung des französischen Barock auf dem Programm des Festivals in der Minoritenkirche. Leçons de ténèbres sind liturgische Gesänge, die für die Nachtoffizien der Karwoche komponiert wurden. Besonders die kontemplativen und elegischen Melismen der Singstimmen spiegeln die schmerzliche Passions- und Sterbensgeschichte Jesu Christi wieder. Diese spezifische Gattung des französischen Barock erfuhr im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt und war lange Zeit nahezu völlig vergessen. Dieser besondere Abend wird mit Werken von Marc-Antoine Charpentier und François Couperin gestaltet. Christophe Rousset, am Cembalo und an der Orgel, musiziert mit den Sopranistinnen Amel Brahim-Djelloul und Judith van Wanroij, begleitet vom Gambisten François Joubert-Caillet.

„Von Herzen – Möge es wieder – zu Herzen gehen!“ Mit diesen Worten widmete Ludwig van Beethoven seine feierliche Messe, die Missa Solemnis, seinem Freund und Schüler Erzherzog Rudolph. Am 16. April 2014 gelangt dieses expressive Werk unter der musikalischen Leitung von Martin Haselböck im Theater an der Wien zur Aufführung. Gesangssolisten sind Malin Hartelius, Caitlin Hulcup, Daniel Behle und Stefan Cerny. Es musiziert das Orchester Wiener Akademie und singt der Philharmonische Chor Brünn. Am Karfreitag, den 18. April, stehen unter dem Titel Crucifixus sakrale russische Chöre von Pawel Tschesnokow, Dimitri Bortnjanski und Sergei Rachmaninow auf dem Programm in der Minoritenkirche. Den Abschluss und gleichzeitig den Höhepunkt der vorösterlichen Fastenzeit bildet die Karwoche. Besonders ab Gründonnerstag begehen Christen aller Konfessionen und überall auf der Welt das Triduum Sacrum, die heiligen drei Tage vom Leiden, Sterben und der Grabesruhe Jesu Christi. In ihrem Zentrum steht das „Crucifixus est“, jener zentrale Opfertod, der mit der Auferstehung am Ostersonntag den Christen die Erlösungshoffnung gibt.Der Dreifaltigkeitschor des Alexander Newski Männerklosters St. Petersburg bietet in seinem Konzert einen Einblick in die Fastenliturgie der russisch-orthodoxen Kirche.

Unter der Leitung der Dirigentin Simone Young präsentieren die Wiener Symphoniker am Ostersonntag traditionellerweise ihren Frühling in Wien und schließen mit diesem Konzert das Festival OsterKlang Wien. Im Musikverein erwartet das Publikum ein typisch wienerisches Programm mit Werken von Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Otto Nicolai, Richard Wagner, Johann Strauss (Sohn), Franz von Suppé, Franz Léhar und Richard Heuberger. Mit Johan Botha, einem der begehrtesten Tenöre unserer Zeit, wird diese österliche „Soirée de Vienne“ zu einem feierlichen Finale des Festivals.

www.theater-wien.at

Wien, 9. 4. 2014

Drachengasse: Schmoizhodan-Passion

April 7, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Dornenweg im Dialekt

Grafik: Bahar Naghibi

Grafik: Bahar Naghibi

Es gibt zwei Anekdoten, die mit dieser Geschichte überhaupt nichts zu tun haben. Die eine ist der Sturm der Entrüstung den einst Wolferl Ambros‘ „Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh!“ auslöste. Der andere hat mit Roland Neuwirth und einer Doku über den Zentralfriedhof zu tun – weil wir Wiener doch so bekannt morbide sind. Neuwirth sang. Wann i unt‘ lieg, „tuat ma längst ka Ba mehr weh.“ Das bei Eingeborenensprache wie üblich eingeblendete Insert übersetzte: „Tut mir längst kein Baum mehr weh.“ Haaalooo!

Nun als zum Wesentlichen: Traditon! Schon Palmkatzerl gekauft? Mit bemalten Eiern und Kükennestern geschmückt? Am Sonntag ist Palmsonntag. Und dann geht sie los, die Karwoche. Da hat der Wiener einen Pflichttermin. Na, ned Osterklang, Johannespassion oder Messiah. Do gemma eh a scho no hin. Aber: Ab 12. April spüln’s in der Drachengasse wieder die „Schmoizhodan-Passon“. Also die Markus-Passion in Wolfgang Teuschls Heiliger Schrift. Mit Otto Lechner als Judas, Christian Steiner als Jesus und Alfred Schedl als Evangelist. In Nebenrollen: der Wiener Kammerlchor. Dass der (no dazur protestantische) Sachse Johann Sebastian Bach (also, wann schon Christ, dann brachial-barock-katholisch!) vom passionierten Wiener-Leid nix verstehen hat können ist klar, aber man kann ihm punkto Martyrium ja auf die Sprünge helfen. Wenn der Jesus G’stanzln singt. Oder zum Letzten Abendmahl „Es wird der Wein sein – und wir werdn nimma sein“.

Das Felsengrab sind ein paar alte Bierkisten. Und eines müssen alle zugeben: Nicht jeder ist nachm Wein am dritten Tage wieder auferstanden. Und wenn, dann wie! Eine Empfehlung für Jünger, die ihrem Jesus auch bei seinem biblisch verbrieften Humor nachfolgen.

www.drachengasse.at

Wien, 7. 4. 2014

Sommerspiele Melk: „Monte Christo“

Juni 21, 2013 in Bühne, Klassik

Das Unmögliche möglich gemacht

Denis Petkovic Bild: www.photo-graphic-art.at

Denis Petkovic
Bild: www.photo-graphic-art.at

Alexander Hauer, Intendant und Regisseur der Sommerspiele Melk, war ja noch nie ein Mann, der große Aufgaben scheute. Jahr für Jahr ackert er sich durch die Weltliteratur, kein mindestens 1500-Seiten-Schmöker, den er nicht auf die Bühne stellen würde. Und das stets mit größtem künstlerischen Feingefühl. Hauer macht das Außergewöhnliche möglich. Und dieses Jahr sogar das Unmögliche. Denn noch wenige Tage vor der Premiere stand seine Wachauarena 2,80 Meter unter Wasser; hunderte helfende Hände entfernten nach dessen Abfließen die Massen an Donauschlamm; die Künstler probten derweil in der zweiten Spielstätte, der kleinen „Tischlerei“. Und – Glück im Unglück? – die durch die Enge der Situation erzwungene Intimität tat dieser Inszenierung von „Monte Christo“ mehr als gut. Denn Autorin Susanne Felicitas Wolf, die die Bühnenfassung von Alexandre Dumas‘ „Abenteuerroman schrieb, legte an der Geschichte, die jeder in- und auswendig zu kennen glaubt, völlig neue Seiten frei. Sie befreite den Stoff von allem, was nach Mantel-und-Degen riecht, ließ die Figuren stattdessen mit der Feder fechten. Mit Diagolen, die weniger messerscharf, als schmerzhafte Nadelstiche unter die Nägel sind. Mit psychologischer Kriegsführung wird hier die Intrige, der vermeintliche Hochverrat Edmond Dantès‘ eingefädelt. Als der im Château d’If in Klarfolie gefesselt, wie in einen Kokon eingesponnen wird, bis ihm die Luft wegbleibt, schießt einem kurz durch den Kopf: Guantanamo. Interessant auch, wie sich bei Wolf von Monte Christo über seine Widersacher Danglars, de Villefort bis Fernando in ihren Taten und Untaten alle auf den einen Gott berufen … Und Stift Melk als Hintergrundkulisse …

Die Bühne von Daniel Sommergruber dann: ein Gesamtkunstwerk, ein Gerüst aus unzähligen leeren Bilderrahmen, Schatten der Vergangenheit, das die Schauspieler wie Freeclimber erklettern, zwei Plattformen und eine aufklappbare Mittelrampe, auf denen Marseille, Paris, der Kerker … nebeneinander Platz finden. Dazu ein ausgeklügeltes Licht- (Dietrich Körner) und Sounddesign (Bernhard Sodek). Schon als Edmond als verliebter, hoffnungsfroher, junger Seemann seinen Feinden noch mit naiver Ehrlichkeit begegnet, lässt die – teilweise Live- Musik das nahende Unheil bereits ahnen.

Das Ensemble überzeugt mit intensivem Spiel. Gänsehaut selbst bei Sarahawindtemperaturen. Allen voran brilliert Denis Petkovic als Monte Christo. Nun ein freier, reicher Mann, der Liebe haben könnte, und den doch nur der Hass bewegt. Einer, der sich selbst als Racheengel Gottes bezeichnet, ein Gotteskrieger, ein Spinner, eine Spinne, die in ihrem Netz auf die Opfer wartet. Rote Handschuhe trägt Petkovic – von Nick Cave weiß man, dass auch der Teufel solche haben soll. Petkovic zeigt alle Facetten des Wahnsinns, der als Gift der Vergeltung durch seine Adern strömt. Und endet endlich in tiefster Verzweiflung. Er ist kein triumphierend abgehender Graf, sondern muss erkennen, dass sein „Feldzug“ auch Kollateralschäden verursacht. Den Tod Unschuldiger. Ergo: Keine Erleichterung, keine Erlösung. Im überaus stimmigen Schlussbild öffnet sich wieder die Gefängniszelle. Monte Christos Seele bleibt für immer darin gefangen. Eine starke schauspielerische Leitung. Ebenso großartig agieren – um nur ein paar zu nennen – Julian Loidl als verschlagener Bankier Danglars, Alexandra Maria Timmel als seine zur Zynikerin gewordene Frau, Giuseppe Rizzo als versprecherischer Staatsanwalt de Villefort, dem das Ganze den Verstand kostet. Und Christian Preuss, berührend als gutherziger Reeder Morrel und später als Abbé Faria. Für 2014 hat sich Hauer übrigens Fritz Langs „Metropolis“ vorgenommen …

Benefizkonzert: Michael Schade, ab kommendem Jahr Intendant der Barocktage Stift Melk, veranstaltet am 22. Juni, 17 Uhr, im Kolomanisaal des Stifts, ein Benefizkonzert für die Hochwasseropfer. Mit ihm interpretieren Florian Boesch, Nina Bernsteiner und Mitglieder des Concentus Musicus Wien Werke von Händel und Bach.

www.kultur-melk.at 

www.kultur-melk.at/sommerspiele/programm.php

www.mottingers-meinung.at/denis-petkovic-im-gesprach

www.barocktagemelk.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 20. 6. 2013

Stars von Michael Schade bis Klaus Maria Brandauer

März 23, 2013 in Klassik

Das Wiener OsterKlang-Festival in der Karwoche

Das siebzehnte OsterKlang-Festival spannt in der Zeit von 23. bis 31. März  seinen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe bis hin zu Werken von Georg Friedrich Händel, Benjamin Britten, György Kurtág, Max Bruch und der einzigartigen Oper von Ludwig van Beethoven: Fidelio. Den szenischen Kern des Festivalprogramms bilden die zwei Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten in der Kammeroper und L. v. Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien. Die Spielorte während der Osterwoche sind das Theater an der Wien, die Kammeroper, die Minoritenkirche, die Hofburgkapelle und der Musikverein. Neben den renommierten SängerInnen wie u. a. Michael Schade, Juliane Banse und Lawrence Zazzo wird sich das Junge Ensemble des Theater an der Wien im Rahmen des Eröffnungskonzertes in der Hofburgkapelle vorstellen. Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Fabio Luisi, Paul Goodwin und Martin Haselböck sowie der Concentus Musicus Wien, die Wiener Symphoniker, das kammerorchesterbasel, die Wiener Akademie und das Ensemble Prisma Wien präsentieren ein auserlesenes Konzert-und Opernprogramm. Klaus Maria Brandauer liest am Karfreitag Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, musikalisch umrahmt von Franz Bartolomey. Im Fokus der ausgewählten Werke des Festivals stehen die Sehnsucht nach Freiheit, Fragen über Glaube und Hoffnung, Tod und Verlust, als auch die Zuversicht auf Erlösung.

Osterklang 2013/Fidelio Michael Schade, Juliane Banse Bild: Herwig Brammer

Osterklang 2013/Fidelio
Michael Schade, Juliane Banse
Bild: Herwig Brammer

Das Programm:

Eröffnet wird der 17. OsterKlang am Palmsamstag, den 23. März  mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Erwin Ortner wird das Wiener Osterfestival erstmals in der Hofburgkapelle eröffnet. Als Solisten sind sechs junge SängerInnen aus dem Jungen Ensemble des Theater an der Wien (JET) zu erleben. Es
musiziert das Ensemble Prisma Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Die Urfassung von Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio wurde 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt. Unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt gelang nun die Fassung aus 1814 zur Aufführung an der Wien. Die Premiere dieser Neuproduktion in einer Inszenierung von Herbert Föttinger, der sich erstmals einer Opernregie widmet, war bereits am 17. März. Die Vorstellungen am 24., 26. und 28. März finden im Rahmen des OsterKlang-Programms statt. Als Leonore gibt Juliane Banse ihr Rollendebüt, Florestan wird von Michael Schade gegeben – Martin Gantner ist als Don Pizarro, Lars Woldt als Rocco und Anna Prohaska als Marzelline zu erleben. Es spielt der Concentus Musicus Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Georg Friedrich Händels Serenata in drei Teilen Acis and Galatea wird am 25. März unter der musikalischen Leitung von Paul Goodwin zur konzertanten Aufführung im Theater an der Wien gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen der Seenymphe Galatea und dem Schäfer Akis entstammt der griechischen Mythologie und Händels Acis-Stoff basiert ebenfalls darauf. Bei diesem selten gespielten Werk handelt es sich um eine pasticcio-artige Mischform in englischer und italienischer Sprache, die Händel selbst als Serenata bezeichnet hat. Das kammerorchesterbasel begleitet die Solisten Carolyn Sampson, Nuria Rial, Lawrence Zazzo, Hilary Summers und Andrew Foster-Williams.

Am 25., 27. und 29. März stehen die zwei einaktigen Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten auf dem Programm des Festivals. Beide Kirchenparabeln thematisieren den Verlust, den Menschen erleiden und die Gnade, die darüber hinweghelfen kann. Diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien wird musikalisch
von Walter Kobéra geleitet, für die Inszenierung zeichnet Carlos Wagner verantwortlich. Aufführungsort ist die Kammeroper am Fleischmarkt, die seit September 2012 vom Theater an der Wien bespielt wird. Solisten sind u. a. Peter Edelmann, Gernot Heinrich, Sebastian Huppmann und Alexander Kaimbacher. Es musiziert das amadeus ensemble-wien und singt der Wiener Kammerchor.

Martin Haselböck und seine Wiener Akademie sind ein wichtiger Bestandteil des OsterKlang-Festivals. Dieses Jahr sind der Dirigent und sein renommiertes Orchester am 27. März mit der Aufführung des Oratoriums Solomon von Georg Friedrich Händel im Theater an der Wien vertreten. Das dreiaktige Werk verbindet keine durchgehende Handlung, vielmehr zeigt jeder Akt ein anderes facettenreiches Bild des Königs Solomon. Als Solomon ist Franco Fagioli und als seine Gemahlin Kirsten Blaise zu hören. Die Königin von Saba wird von Bernarda Bobro gegeben und James Oxley ist der Priester Zadok. Es singt der Chorus sine nomine.

Am Karfreitag, den 29. März, steht mit dem Titel „Ich möchte Glauben lernen“ ein sehr außergewöhnlicher Abend in der Minoritenkirche auf dem Festivalprogramm. Klaus Maria Brandauer liest Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die während seiner Haft entstanden sind. Bonhoeffers leidenschaftlicher
Protest gegen die Nationalsozialisten, seine aktive Rolle im Widerstand gegen Hitler, seine Texte und sein Märtyrertod finden weit über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung. Musikalisch umrahmt wird dieser Abend mit Werken von Johann Sebastian Bach, György Kurtág und Max Bruch für Violoncello-Solo, interpretiert von Franz Bartolomey.

In der Minoritenkirche wird am Karsamstag, den 30. März, eine rekonstruierte Fassung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach zu hören sein. Die jüngste „Bachsche“ Passionsvertonung nach dem Evangelium des Markus ist wenig im Konzertleben präsent. Da lediglich der Text dieser Passion überliefert ist und die Musik als verschollen gilt, muss
jedes Ensemble auf eine bestehende Rekonstruktion zurückgreifen, oder wie in dieser OsterKlang-Aufführung eine „Neufassung“ erarbeiten. Die Gesamtleitung dieses Projekts, insbesondere hinsichtlich der Rekonstruktion, liegt in den Händen von Rudolf Leopold. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Platzgummer musiziert das Ensemble Il
Concerto Viennese und das Ensemble Vokal Origen. Als Evangelist ist Daniel Johannsen und als Jesus Matthias Helm zu hören.

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Fabio Luisi präsentieren die Wiener Symphoniker am Ostersonntag traditionellerweise ihren Frühling in Wien und schließen mit diesem Konzert das Festival OsterKlang Wien. Im Musikverein erwartet das Publikum ein stimmungsvolles Potpourri aus Werken der „Großen Drei“ der italienischen Oper: Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gioachino Rossini, ergänzt mit der Symphonischen Dichtung Feste Romane von Ottorino Respighi.

www.theater-wien.at

www.osterklang.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 3. 2013

MuTh zu Bach

März 18, 2013 in Klassik

Arien mit Bibiana Nwobilo

Bibiana Nwobilo  Bild: Daniel Kundi

Bibiana Nwobilo
Bild: Daniel Kundi

Am 21. März lädt das Wiener Konzerthaus MuTh zu einem Abend des Zuhörens. Die eindringlich nachdenkliche Musik Bachs auf sich wirken lassen. In die schlichten, licht und heiter wirkenden Klänge Arvo Pärts Silentium versinken. Bibiana Nwobilo singt Bach-Arien aus den großen Passionen. Die Sopranistin war zuletzt unter Nikolaus Harnoncourt in der Titelrolle von „Porgy and Bess“ zu hören. Die Junge Philharmonie Wien stellt Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester einem gleich-besetzten Werk Arvo Pärts gegenüber. Ein Abend des Entschwebens. „MuTh zu Bach“ endet mit „Welt, ade, ich will nach dem Himmel zu.“

 www.muth.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 18. 3. 2013