Das MAK öffnet am 1. Juni: Show Off und Otto Prutscher

April 29, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Neu kommt die Pop-Up-Schau „Creative Climate Care“

Andreas Kronthaler for Viv. Westwood, Advertising Campaign, FW 18/19. © Juergen Teller

Das MAK nimmt den Museumsbetrieb mit 1. Juni wieder auf. Am Pfingstmontag werden sämtliche aktuellen Sonderausstellungen, allen voran die Großausstellungen „Show Off. Austrian Fashion Design“ und „Bugholz, Vielschichtig. Thonet und das moderne Möbeldesign“, wieder geöffnet. Am 16. Juni folgt die neue Ausstellung „Raimund Abraham. Angles and Angels. Zeichnungen Modelle Prototypen“. Außerdem wird das gesamte MAK Design Lab

inklusive des Projekts „Helmut Lang Archiv: Eine Intervention von Helmut Lang“ wieder zugänglich sein. Ebenfalls Mitte Juni startet ein Zyklus von Pop-up-Ausstellungen zum Thema „Creative Climate Care“. Die Schau „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ muss aufgrund verlorener Produktionszeiten ins nächste Jahr, 21. April bis 3. Oktober 2021, verschoben werden.

Mit dem neuen Zyklus „Creative Climate Care“ will das MAK mit Blick auf die vielen Dimensionen der Krise ein besonderes Signal setzen: In Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien entwickeln junge Kreative Pop-up-Ausstellungen zum Thema Klimawandel und Klimaschutz. Im MAK Forum stellen sie ab 16. Juni die Frage: Was können wir aus der Corona-Krise für die Zukunft lernen? und laden die Besucherinnen und Besucher ein, mit ihren Ideen zu dieser stetig wachsenden Ausstellung beizutragen.

Show Off. Austrian Fashion Design: Mode von Gernreich bis Kronthaler und Kutoglu

Ab 1. Juni wird das MAK wieder zur Bühne für die herausragendsten zeitgenössischen Modepositionen designed/ made in Austria. Als erste umfassende Großausstellung ihrer Art lädt „Show Off. Austrian Fashion Design“ auf multiplen Ebenen zur Auseinandersetzung mit österreichischer Mode im internationalen Kontext. Gast-Kuratorin Ulrike Tschabitzer-Handler inszeniert gemeinsam mit Gast-Co-Kurator Andreas Bergbaur und Brigitte Winkler als wissenschaftlicher Beraterin eine außergewöhnliche Fashion-Zeitreise in spektakulärem Setting:

Raumgreifende Installationen von Architekt Gregor Eichinger bilden den Rahmen für einen Parcours durch die österreichische Modeavantgarde von den 1980er-Jahren bis heute. Herzstück der Schau ist eine überdimensionale, sechseinhalb Meter hohe, leichte und offen strukturierte Skulptur im zentralen Raum der MAK-Ausstellungshalle. Begehbar auf mehreren Ebenen, erlaubt sie eine unmittelbare Begegnung mit etwa 250 Modeobjekten: Bekleidung, Schuhe, Taschen sowie Schmuck-Accessoires von etwa 60 Designerinnen und Designern. Die transparente Architektur lässt 360°-Einblicke auf die Exponate zu.

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, 2019. Makeup Enzio Costa. Model Sieme, Visagemodelszürich. © Laura Knipsael

Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, Advertising Campaign, FW 17/18. © Juergen Teller

Gewagte Kettenkreation: AND_I, Triangle dress, RAW SS 20, 2019. © Felix Vratny

Revolutionäre Entwürfe von zwei der prägendsten Modeikonen bilden das Entrée zu diesem Zentrum der Ausstellung: Rudi Gernreich, Amerikaner österreichischer Herkunft, dessen Entwürfe aus Los Angeles Ende der 1970er-Jahre den weltweiten Zugang zur Mode revolutionierten, und Helmut Lang, in New York lebender Mode-Star und Künstler mit österreichischen Wurzeln, stehen als Vorbilder für das Potenzial der heimischen Modeszene.

Großflächige Prints von 34 Modefotografinnen und -fotografen lenken flankierend dazu den Blick auf die visuelle Ausdruckskultur von Mode. Viele der vertretenen Lichtbildner, darunter Elfie Semotan, Andreas H. Bitesnich, Jakob Lena Knebl, Lukas Gansterer oder Erwin Wurm, arbeiten im internationalen Kontext und haben dazu beigetragen, österreichisches Modedesign international zu verankern. Teilnehmende Designerinnen, Designer und Labels sind unter anderem Andreas Kronthaler, Atil Kutoglu, Lena Hoschek, Michel Mayer, Petar Petrov, Demian, Ludwig Reiter, Macchu Picchu, Marina Hoermanseder, Maximilian Rittler, Peter Pilotto, Thomas Kirchgrabner, Ute Ploier und Wendy&Jim … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=37994

Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne: Das Œuvre des Dianabad-Designers

Otto Prutscher: Interieur des Café Ronacher, Schottenring, Wien I., Wien, 1913. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher in einem Sessel von Josef Zotti, 1913. Bild: Karl Ehn. © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher: Detail des Warmwasserbeckenraums im Dianabad, Wien, 1913/14. Bild: © Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Siebzig Jahre nach seinem Tod und zwanzig Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Wien beleuchtet das MAK das Werk von Otto Prutscher neu. Die Ausstellung „Ootto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“ verdeutlicht ab 1. Juni erneut die mannigfachen Rollen, die Prutscher als Architekt und Designer, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen – von der Secession bis zur Wiener Werkstätte und dem Werkbund – für die Entwicklung der Wiener Moderne spielte. Ausgewählte Beispiele aus seinem komplexen Œuvre dokumentieren seine jahrzehntelange einflussreiche Rolle als Entwerfer und Berater für die bedeutendsten Kunstgewerbefirmen seiner Zeit.

Trotz seiner Schaffenskraft und Vielseitigkeit wurde das Werk des großen Kunstgewerblers und Architekten bis dato nicht entsprechend gewürdigt. Prutschers Vermächtnis umfasst unter anderem mehr als 50 Bauwerke, Villen, Wohnhäuser, Portale, etwa 50 Ausstellungen, die er künstlerisch und organisatorisch gestaltete oder mitgestaltete, circa 170 Einrichtungen, mehr als 300 Entwürfe von Einrichtungen sowie mehr als 200 Einzelmöbel und Garnituren. Eine großzügige Schenkung von 139 Entwürfen, Objekten in Silber, Glas und Keramik sowie Möbeln durch die Sammlerin Hermi Schedlmayer nimmt das MAK zum Anlass für diese Personale … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36287

MAK: „Sitzen 69“ Revisited: Tischlersessel vs. Designklassiker

Josef Frank: Armlehnsessel, Wien, 1933. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Wolfgang J. Haipl: Sessel, Wien, 1963. Bild: © MAK/Georg Mayer

Franz Schuster: Armlehnsessel, Nr. 1652, Wien, 1952. Bild: © MAK/Nathan Murrell

Bunte, poppige Möbel und Design-Ikonen wie den Panton Chair von Werner Panton oder den Fauteuil Galaxy von Walter Pichler stellt das MAK ebenfalls wieder ab 1. Juni in der Ausstellung „Sitzen 69“ Revisited traditionellen hochwertigen „Tischlersesseln“ gegenüber. 1969 präsentierte das Österreichische Museum für angewandte Kunst in der Möbelausstellung „Sitzen 69“ gediegene „Tischlersessel“ aus Skandinavien, Italien, Deutschland und Österreich. Sitzgelegenheiten, die heute für die Epoche charakteristisch sind, fehlten damals allerdings.

Zum 50-Jahr-Jubiläum dieser Ausstellung greift das MAK das Thema nochmal auf und vergleicht die aus Holz und in Handarbeit von Tischlern gefertigten Sessel mit verspielten und verrückten Möbelobjekten, die zum Inbegriff der alternativen und utopischen Wohnkonzepte der 1960er-Jahre wurden. Mit etwa 45 Objekten bietet die Schau in der MAK-Schausammlung Historismus Jugendstil einen Einblick in die zeitgenössische Konsumgüterproduktion der 1960er-Jahre … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=36028

mak.at

29. 4. 2020

Kunsthalle Wien: Antarktika. Eine Ausstellung über Entfremdung

Oktober 21, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Gesellschaftliche Kälte, fotografiert und gefilmt

Jana Schulz: Golden Boys Igdir (Video Still), 2018. Bild: © die Künstlerin

„Die Gletscher der Antarktis rücken jährlich drei Millimeter auf uns zu“, notierte der Regisseur Michelangelo Antonio in den 1960er-Jahren. „Ausrechnen, wann sie ankommen. In einem Film vorhersehen, was dann passieren wird.“ Das von Antonioni in der Antarktis konzentrierte Bild der vergletscherten Gesellschaft, der Gefühle in Konventionen erstarren lassenden sozialen Kälte, prägt das europäische

Filmschaffen von der Nachkriegszeit bis in Teile der Gegenwart hinein. Auch die bildende Kunst als Barometer zeithistorischer Empfindung hat die Abkühlung einer kapitalistisch-konsumorientierten Welt immer wieder beschrieben. Ab 25. Oktober befasst sich die Schau „Antarktika. Eine Ausstellung über Entfremdung“ in der Kunsthalle Wien damit. In der Erfahrung von Entfremdung spiegeln sich gravierende gesellschaftliche Veränderungen – von der Säkularisierung über die Industrialisierung und Technisierung bis zur heutigen radikalen Individualisierung. Entfremdung zählt zu den prägnanten Signaturen der Moderne und beschreibt eine geradezu systemische Störung im Verhältnis des Menschen zu dem, was ihn umgibt, woran er glaubt, wonach er strebt. Auf eine einfache Formel gebracht, beschreibt Entfremdung einen paradoxen Zustand gleichzeitigen Beteiligt- und Unbeteiligtseins. Beziehungen, Institutionen, Arbeitsprozesse treten dem Subjekt plötzlich als etwas Fremdes entgegen, dem es sich selbst nicht mehr zurechnet.

Die Ausstellung „Antarktika“ denkt dieses gleichzeitige Beteiligt- und Unbeteiligtseins weiter und versammelt insbesondere jüngere Positionen der Gegenwartskunst. Diese beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Identität, Person und vorgegebener Rolle in der Moderne bis zu den „neuen Arbeitswelten“. Studien von Verhaltensformen der Kälte stehen dabei Werken gegenüber, in denen eine intensive Ich-Bezogenheit überhitzt wirkt. In der Auswahl der Werke wurde der Schwerpunkt auf Fotografie und Film gelegt Andrzej Steinbachs Fotoserie „Gesellschaft beginnt mit drei“ von 2017 zeigt zum Beispiel drei Personen in einem Raum, deren Kleidungsstücke und Accessoires immer wieder ausgetauscht werden. Die Modelle wechseln ihre Position, variieren ihre Gestik und ihren Habitus und lassen einen im Unklaren darüber, welche Konstellation ihrer tatsächlichen Beziehung untereinander entspricht. In prägnantem Schwarzweiß aufgenommen, erinnern Steinbachs Fotografien an avancierte Modekampagnen und daran, wie ehemals subkulturelle Chiffren in massentauglichen Lifestyle-Optionen übersetzt werden.

Ingel Vaikla: Roosenberg (Video Still), 2017. Bild: Courtesy die Künstlerin

Buck Ellison: Untitled (Christmas Card #6), 2018, Private collection. Bild: Courtesy der Künstler

In „Crisis and Control“ aus dem Jahr 2013 hingegen steht die erodierte Grenze zwischen Arbeit und Freizeit im Zentrum. Zwischen Dokumentation und Performance angesiedelt, zeigt Burak Deliers Videoarbeit Büroarbeiter und Manager einer internationalen Firma in Istanbul, die Yogaübungen machen und dabei von ihrer individuellen Arbeitsbiografie erzählen. Die scheinbar absurde Situation der möglichst akkuraten Schilderung von Karriereoptionen oder Problemen am Arbeitsplatz, während die Personen komplizierte Stellungen einnehmen, ist dabei auf fast tragische Weise real:

Es handelt sich nämlich um tatsächliche Angestellte, die die Anforderungen ihres Jobs und den Wunsch nach effizienter Selbstoptimierung mit Yoga zu kompensieren suchen. Andere Werke  zeigen die gegenwärtige Konsumkultur: eine digital optimierte Normalität – aufwändig inszeniert und doch banal. Lediglich jegliche Makel wurden entfernt. Buck Ellisons Fotografien etwa erinnern an vorproduzierte, über Bildagenturen vertriebene Aufnahmen für Werbekampagnen.

Perfekt komponierte Bilder in satten Farben, die wissen, was optisch funktioniert, und eingängige Kategorien prägnant bedienen: „Lifestyle“, „Gemeinschaft“, „Erfolg“, ohne dass der verbessernde Eingriff in die Wirklichkeit allzu offensichtlich wird. Bei Ellison sieht entsprechend alles echt und gestellt zugleich aus, perfekt in seinem Streben nach zwischenmenschlicher Harmonie, und doch vermag der zur Schau gestellte Hedonismus die frei flottierende Tristesse nur auf der Oberfläche zu übertünchen.

www.kunsthallewien.at

21. 10. 2018

2017 steht im Zeichen von Maria Theresia

Oktober 13, 2016 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Große Schau in Wien und Niederösterreich

Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743), Maler: Jean-Étienne-Liotard. © Dauerleihgabe der Österreichische-Nationalbank, Bild: A. E. Koller

Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid (1743), Maler: Jean-Étienne-Liotard. © Dauerleihgabe der Österreichische-Nationalbank, Bild: A. E. Koller

Das Team der Kuratorinnen und Kuratoren gab gestern anlässlich des Namenstags der europäischen Regentin am 15. Oktober erste Einblicke in die Themen der Sonderausstellung „300 Jahre Maria Theresia: Strategin – Mutter – Reformerin“, die ab 15. März an vier Standorten in Wien und Niederösterreich zu sehen sein wird. Leben, Familie und politisches Werk Maria Theresias werden beleuchtet und ihr Mythos hinterfragt.

„Diese Ausstellung hat auch dank der guten Kooperation mit dem KHM-Museumsverband zwei große Stärken“, erklärt Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.: „Wir zeigen Geschichte mit Originalobjekten an ihren Originalschauplätzen. An vier Standorten können wir diese spannende europäische Persönlichkeit gleichzeitig in all ihren Facetten beleuchten. Bei Maria Theresia rechnen wir auch mit großem internationalem Interesse an der Schau“, gibt sich Sattlecker optimistisch.

„Das Leitsujet der Ausstellung ist ein Gemälde von Jean-Étienne Liotard“, erklärt Elfriede Iby. „Das Portrait Maria Theresias war das Ergebnis eines spontanen Zusammentreffens der Monarchin mit dem Künstler und legte den Grundstein für zahlreiche Aufträge der Regentin und des Hofadels.“ Elfriede Iby kuratiert gemeinsam mit Werner Telesko die Ausstellung im Hofmobiliendepot Ÿ- Möbel Museum Wien.

Familienporträt um 1754, Maler: von Martin van Meytens. © Sammlung Bundesmobilienverwaltung, Bild: Fritz Simak

Familienporträt um 1754, Maler: von Martin van Meytens. © Sammlung Bundesmobilienverwaltung, Bild: Fritz Simak

Unter dem Titel „Familie und Vermächtnis“ ist hier nicht nur das mariatheresianische Rokoko am Beispiel von Schloß Schönbrunn ein Thema. „Wir beschäftigen uns mit der großen Familie von Maria Theresia, ihrer Heiratspolitik, aber auch mit ihrem Vermächtnis“, ergänzt Werner Telesko. „Wenn man sich mit dem Mythos der europäischen Regentin auseinandersetzt, ist die Bildpolitik ein ganz zentrales Thema.“

Die Kaiserliche Wagenburg Wien steht unter dem Motto „Frauenpower und Lebensfreude“. „Wir stellen Maria Theresias Lebensfreude, ihre ebenso opulenten wie publikumswirksamen Feste und ihre aus heutiger Sicht so besonders faszinierende Selbstdarstellung im Spannungsfeld zwischen weiblicher Identität und ‚männlicher‘ Herrschermacht vor“, berichtet Monica Kurzel-Runtscheiner, Direktorin der Kaiserlichen Wagenburg Wien. „Denn zu reiten, zu tanzen oder mit der Kutsche zu fahren war damals zugleich Vergnügen und Statement.“

Schloss Hof: Spielzimmertisch. Bild: Fritz Simak

Schloss Hof: Spielzimmertisch. Bild: Fritz Simak

Schloss Niederweiden: Wildküche. Bild: skb

Schloss Niederweiden: Wildküche. Bild: skb

Auf Schloss Hof und Schloss Niederweiden im niederösterreichischen Marchfeld sind „Bündnisse und Feindschaften“ sowie „Modernisierung und Reformen“ die Schlagworte. „Als Politikerin ist Maria Theresia durchaus ambivalent“, bilanziert Karl Vocelka: „Kriege, Leid und Intoleranz prägten ihre Regierungszeit ebenso wie nachhaltig wirksame Reformen und eine zukunftsweisende Modernisierung des Staates“, so der Kurator der beiden Standorte.

www.mariatheresia2017.at

Wien, 13. 10. 2016

Die große Kaiser Franz Joseph-Ausstellung

März 15, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Eine Audienz ganz anderer Art

Ausstellung in der Wagenburg Bild: Kunsthistorisches Museum Wien

Ausstellung in der Wagenburg
Bild: Kunsthistorisches Museum Wien

Am 16. März startet die große Sonderausstellung „Franz Joseph 1830-1916 – Zum 100. Todestag des Kaisers“ an vier Standorten in Wien und Niederösterreich. Dienstag Vormittag wurde ein Programm präsentiert, das einen facettenreichen und durchaus kritischen Blick auf das Leben und das politische Werk des Langzeitmonarchen werfen will. Das nähere Kennenlernen der Person Franz Joseph soll nämlich keinesfalls zu einer Verklärung führen, sondern vielmehr zu einem besseren geschichtlichen Verständnis. Neben den historischen Originalschauplätzen Schloß Schönbrunn, Kaiserliche Wagenburg Wien und Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien geht mit Schloss Niederweiden ein neuer Ausstellungsstandort in Betrieb.

„Ich denke, es ist uns gelungen, sowohl einen umfassenden Überblick über die Person Franz Josephs zu geben, als auch die politischen Auswirkungen seines teilweise ambivalenten Handelns darzustellen“, sagt Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. „Es würde mich besonders freuen, mit dieser Ausstellung bei unseren Besucherinnen und Besuchern das Interesse für diese letzte Phase der Habsburger Monarchie zu wecken.“

„Mensch & Herrscher“ ist das Thema der Sonderausstellung im Schloß Schönbrunn. Mit den Berglzimmern, den Weißgoldzimmern und dem Kronprinzenappartement werden Bereiche des Schlosses zugänglich gemacht, die sonst nicht zu sehen sind. Mit teils sehr persönlichen Objekten werden Franz Josephs dynastische Herkunft, Kindheit, Ehe, Kinder und Enkelkinder, wichtige politische Ereignisse, Schicksalsschläge, aber auch seine vielzitierten Affären beleuchtet. Die Kaiserliche Wagenburg Wien beleuchtet das Image des Monarchen im Spannungsfeld von „Repräsentation & Bescheidenheit“. Einerseits musste Franz Josephs Herrscherbild den imperialen Ansprüchen eines Großreichs genügen, andererseits pflegte er persönlich einen sehr spartanischen und anspruchslosen Lebensstil. Die Hochzeit 1854, seine Krönung in Ungarn 1867 und seine feierliche Bestattung 1916 sind wichtige Themen des Standorts. „Die Kaiserliche Wagenburg Wien ist zentraler Schauplatz der Ausstellung und der KHM-Museumsverband wichtigster Leihgeber der Schau“, erklärt KHM-Generaldirektorin Sabine Haag die Kooperation. „Die Ausstellung in der Kaiserlichen Wagenburg Wien zeigt eindrucksvolle Kutschen wie den berühmten Leichenwagen des Wiener Hofes, prachtvolle Galauniformen aus dem Besitz des Kaisers und festliche Pferdegeschirre wie ein erstmals ausgestelltes achtteiliges Zuggeschirr mit opulenten feuervergoldeten Beschlägen.“

Der Historiker Karl Vocelka spannt als Kurator an den Standorten Schloß Schönbrunn, Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien und Schloss Niederweiden den Themenbogen rund um Franz Joseph von „Mensch & Herrscher“ über „Fest & Alltag“ bis hin zu „Jagd & Freizeit“. Im Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien liegt der Fokus auf „Fest & Alltag“ des Kaisers. Einer feierlich gedeckten Tafel steht hier ein Bild des Kaisers in seinem „Bonjourl“ gegenüber, einem aus einem Uniformmantel geschneiderten Morgenrock, in dem er Akten bearbeitete. Der Standort zeigt viele Objekte aus seinen wenigen privaten Momenten. Bild- und Tondokumente präsentieren den ersten Kaiser in Film und Phonographie. Das architektonische Kleinod Schloss Niederweiden holt mit dem Thema „Jagd & Freizeit“ Bad Ischl ins niederösterreichische Marchfeld. Hier wird nicht nur die beeindruckende Strecke Franz Josephs mit teils kuriosen Objekten gelegt. Auch die Passion für das Jagen anderer berühmter Habsburger sowie die Bedeutung der Jagd für den Adel werden hier gezeigt. Eine originalgetreu eingerichtete Wildküche wartet mit Kochworkshops auf die Gäste. Weitere Highlights des umfangreichen Rahmenprogramms sind Kammerstücke und szenische Lesungen.

Mehr zur Ausstellung: www.mottingers-meinung.at/?p=16188

www.franzjoseph2016.at

Wien, 15. 3. 2016

mumok: Das Ausstellungsprogramm 2016

Januar 20, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Otto Muehl meets Oskar Kokoschka

Otto Muehl: Materialaktion Nr. 8, Stillleben – Aktion mit einem weiblichen Kopf und einem Schweinekopf, 1964 Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben / acquired in 2003 © Bildrecht Wien, 2016 Bild: mumok

Otto Muehl: Materialaktion Nr. 8, Stillleben – Aktion mit einem weiblichen Kopf und einem Schweinekopf, 1964
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, erworben / acquired in 2003 © Bildrecht Wien, 2016. Bild: mumok

„2016 beginnt das mumok sein Ausstellungsjahr mit einem neuen Blick auf den Wiener Aktionismus und setzt ihn in Bezug zu seinen nicht minder radikalen Vorläufern zu Beginn des 20. Jahrhunderts“, so Karola Kraus, die am 20. Jänner bei einer Pressekonferenz ihr diesjähriges Programm präsentierte.

Den Auftakt macht eine Doppeleröffnung am 4. März: In der Ausstellung „Körper, Psyche und Tabu. Wiener Aktionismus und die frühe Wiener Moderne“ stehen den Aktionen von Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler Arbeiten wichtiger Vorgänger, von Gustav Klimt über Richard Gerstl, Oskar Kokoschka und Koloman Moser bis zu Anton Romako, Max Oppenheimer und Egon Schiele, gegenüber. Parallel dazu treffen auf der Ebene -2 die Künstlerinnen Eloise Hawser und Kathi Hofer aufeinander. Beide werfen mit der gemeinsamen Ausstellung „Hawser / Hofer“ einen kritischen Blick auf den Nostalgiebegriff und übersetzen ihn in die Gegenwart.

Ab 4. Juni stellt die Ausstellung „Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter“ das ungebrochene Interesse an zeitgenössischer Malerei und die stete Expansion digitaler Technologien in einen überraschenden historischen Zusammenhang: Sie zeichnet nach, wie sich bereits seit dem Beginn des Informationszeitalters die fortschrittlichsten Ansätze der Malerei in produktiver Reibung mit der Massenkultur und ihren Medien entwickeln. Vom Aufkommen des Fernsehens bis zur sogenannten Internetrevolution ist es der Malerei stets gelungen, jene Mechanismen zu integrieren, die ihren Tod zu bedeuten schienen. Mit mehr als 200 Kunstwerken von mehr als 100 Künstler erzählt „Painting 2.0“ die Geschichte der Malerei von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. In der ersten institutionellen Einzelausstellung des Künstlerduos Pakui Hardware in Österreich mutiert das mumok zeitgleich zu einem Brutkasten für noch unbekannte (Hybrid-)Wesen der Zukunft. Inspirationsquellen sind Science-Fiction-Filme der 1970er-Jahre. Auch ausgehend von der synthetischen Biologie, entwirft Pakui Hardware ein Szenario möglicher neuer Lebewesen und Lebensweisen.

Ab Sommer beleuchtet das mumok in seiner neuen Sammlungspräsentation „Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne“ den nachhaltigen Einfluss von Werner Hofmann, Gründungsdirektor des Museums des 20. Jahrhunderts, und von Viktor Matejka, dem ersten Nachkriegskulturstadtrat Wiens, auf die Öffnung des Landes für die moderne und zeitgenössische Kunst. Auf Einladung des mumok erarbeiten Gertraud und Dieter Bogner gemeinsam mit Kurator Rainer Fuchs, aus dem Fundus schöpfend, den sie dem Haus seit 2007 überlassen haben, eine Neupräsentation, die die großteils abstrakten und konzeptuellen Werke in den Mittelpunkt rückt. Sie ist ab 25. November unter dem Titel „Konstruktion_Reflexion. Werke aus der Sammlung Gertraud und Dieter Bogner“ zu sehen. Ebenfalls am 25. November startet die bisher umfangreichste Retrospektive des slowakischen Künstlers Július Koller. Sie umfasst sein gesamtes Schaffen seit den frühen 1960er-Jahren. Für dieses Unterfangen haben die drei Kuratoren Daniel Grúň, Kathrin Rhomberg und Georg Schöllhammer die mit dem Werk eng verwobenen Archivalien erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet, wodurch die enorme Dimension seines Œuvre erkennbar wird.

Erstmalig wird 2016 der „Kapsch Contemporary Art Prize“ im Rahmen der Kapsch Contemporary Art Challenge ausgelobt. Er richtet sich an junge Künstler mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Österreich. Zum Abschluss des Jahres präsentiert das Haus ab 14. Oktober die oder den ersten Preisträger.

www.mumok.at

Wien, 20. 1. 2016