Theater in der Josefstadt: Auslöschung

Februar 26, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Fulminantes Solo für vier Schauspieler

Wolfgang Michael und Udo Samel Bild: Sepp Gallauer

Wolfgang Michael und Udo Samel
Bild: Sepp Gallauer

Der Vorhang geht erst gar nicht auf. Rot und schwer lastet er auf der Bühne und bewegt sich später nur, um den Blick auf eine Holzhölle freizugeben: Baumstämme eines Stammbaumschattenreiches mit Fluchtlinie im Nirgendwo. Man kann seinem Erbe nicht entkommen, sagt Thomas Bernhard, sagt das hierfür von Hansjörg Hartung erfundene Bild. Franz-Josef Murau, der dem Publikum seine Geschichte erzählt, ist zu diesem Zeitpunkt längst tot, aber das erklärt sich nicht, das ist überflüssig. Weil sich ohnedies erschließt, dass die vier Männer, die er sind, ein Geist, besser: eines Widerspruchsgeistes sind, und das Gespenst ihrer Vergangenheit jagen. Oliver Reese, Chef des Schauspiel Frankfurt und designierter Leiter des Berliner Ensemble, hat am Theater in der Josefstadt Thomas Berhards „Auslöschung“ inszeniert.

„Auslöschung“ ist das letzte befindlichkeitsverliebte Bernhard-Bulletin, die Zerfallsschrift eines monomanischen Monologprotagonisten, eben jener Murau, nunmehr Professor in Rom, früher Familiengefangener im verhassten oberösterreichischen Wolfsegg, wo ihn das Nationalsozialistischkatholische und die dumpfe Dummheit seiner Umgebung fast zu Grunde gehen ließen. Ein Umstand, ein Zustand, den er mit einem ins Uferlose mäandernden Erzählfluss einzudämmen sucht. Ein sich selbst bemitleidendes Leiden, lebenslänglich, dem erst intellektuelles Ersatzdenken eine lindernde Existenz verschaffte. Nun aber Autounfall, Telegramm, Begräbnis, Testament und deshalb Heimkehr. Reese hat den Bernhard’schen Tonfall gut getroffen. Besser als andere, die sich an anderer Stelle um die dramaturgische Destillation dessen bemühten, das sich nach Leibeskräften dem Theatralen zu entziehen sucht. Es scheint, denkt man, seit Längerem eine Art Romanuraufführungserkrankung unter Regisseuren zu geben, doch Reese hat Erfahrung. In Frankfurt hat er alle fünf autobiografischen Bernhard-Bücher in einen Theaterabend gepackt. Was von den dortigen Zuschauern heftig akklamiert wurde. Nun ist ihm mit seiner szenischen Einrichtung von „Auslöschung“ in Wien naturgemäß selbiges gelungen.

Reese wendet einen Theatertrick an. Er teilt den Murau auf vier Spieler, heißt: auf vier Stimmen in einem Kopf: ich denke – wie ich denke – was ich denke – während ich es denke. Wolfgang Michael, Christian Nickel, Udo Samel und Martin Zauner üben sich als Pars pro toto im Parallelselbstgespräch; der Mensch wird während dieses Solos für vier Schauspieler ein Abbild seiner Imagination. Reese hat seinen superlativischen Suderanten sehr schön den Bernhard’schen Schalk in den Nacken gesetzt, mit ihnen der Erregung am Zerfall, der Lust an dieser Erregung und der Auflehnung im Aufschreiben nachgefühlt. Die familiär zugefügten Deformationen sind ja immer die schlimmsten, und so ist dieser Murau ein weiterer hassverschwenderischer Herrenhausvertriebener des literarischen Wiederholungstäters, den die Darsteller je nach körpereigener Betriebstemperatur zwischen Verzweiflungsvirtuosen, Mißmutsmanieristen und Verdrossenheitskomiker anlegen. Wie es hier steht, ist es schon falsch, weil zu einschränkend, zu beschreiben, Nickel verkörpere das lebenslang Liebe suchende, verletzte Kind, Samel den im Genussverbotscharakter versteckten Epikueer und Zauner die Art Zyniker, die Thomas Bernhard als vorletzten österreichischen Volksdichter ausweist. Mit Wolfgang Michael jedenfalls zieht der Wahnsinn in die Figur ein.

Das Quartett erweist sich als hochgradig geeignet für Bernhards hochmusikalische Übertreibungskunst. Seiner fulminanten Bühnenpräsenz ist es zu danken, dass der Abend Schauspiel statt Vortragsstück geworden ist. Aus Muraus Kopf evozieren sie weitere Dustergestalten, Samel und Nickel verzücken als tödlich schwesterliches Dirndl-Duett Caecilia und Amalia, Samel zeigt sich auch noch als Nestbeschmutzer-Onkel Georg, Nickel als Mutters erzbischöflicher Ex-Liebhaber und Muraus Möglichkeitsvater SpadoloniZauner schlurft als einer von Muraus „feinnervigen“ Gärtnern über die Bühne. Sie alle sind von Reese wie aus den Schilderungen Muraus herausgeschält. Reese erweist sich als sehr exakter Regisseur, der seine Schauspieler präzise zu führen weiß, seine detailverliebten Einfälle statten deren Kanon aus.

Reese interessiert sich mehr für die Wolfsegger Familienaufstellung denn für die Bernhard’sche Perpetuum-mobile-Staatsschelte, als deren Opus summum „Auslöschung“ gelten darf. Er lässt die Zustandsbeschreibung eines immer noch an der offenen Gruft seiner Vergangenheit und dabei schon am Grenzzaun seiner Zukunft stehenden Landes fast zur Gänze aus. Dieser das Österreichertum als die Todesstrafe unter den Nationalitäten auslassende Blick, dieser des politischen Querulantentums entkleidete Zugang, ist ein hierzulande ungewohnter zum Werk des heuer 85 Jahre alt geworden wärenen Autors. Wo doch seine skandalumwehten Pauschalurteile naturgemäß als ewig gültige gelten müssen! Sozialdemokratische Parteiführer und katholische Kirchenfürsten im Schweigen übers Menschenunrecht vereint. An jedem Morgen, in den hinein wir aufwachen, müssten wir uns ja für dieses heutige Österreich zutode schämen. Vielleicht hat Oliver Reese ja erkannt, dass das ohne Martin Humer ohnedies nur noch der halbe Spaß gewesen wäre …

www.josefstadt.org

Wien, 26. 2. 2016

Theater in der Josefstadt: Wolfgang Michael im Gespräch

Theater in der Josefstadt: Wolfgang Michael im Gespräch

Februar 19, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Tröpfelfolter in Thomas Bernhards „Auslöschung“

Vier Mal Murau: Wolfgang Michael, Martin Zauner, Christian Nickel und Udo Samel Bild: Jan Frankl

Vier Mal Murau: Wolfgang Michael, Martin Zauner, Christian Nickel und Udo Samel. Bild: Jan Frankl

Oliver Reese, Chef des Schauspiel Frankfurt und designierter Nachfolger von Claus Peymann am Berliner Ensemble, inszeniert am Theater in der Josefstadt Thomas Bernhards Roman „Auslöschung“ in eigener Bühnenfassung. Er hat sich dazu mit Wolfgang Michael einen seiner Lieblingsschauspieler mit nach Wien gebracht. Michael wird einer von vier Franz-Josef Muraus sein, die ihre Gedanken miteinander und mit dem Publikum teilen. „Auslöschung“, Bernhards letztes großes Prosawerk, gilt als dessen bedeutendster Roman.

Sein Protagonist ist durch einen Autounfall, bei dem seine Eltern und sein Bruder ums Leben gekommen sind, zum Erben des feudalen Familiensitzes Wolfsegg geworden. Murau lebt aber, vor der nationalsozialistischen Vergangenheit seiner Verwandten geflüchtet, seit Jahren als Privatgelehrter in Rom. Nun muss er zum Begräbnis zurück ins verhasste Österreich. Mit Michael spielen Udo Samel, Martin Zauner und Christian Nickel den Murau. Premiere ist am 25. Februar. Wolfgang Michael im Gespräch:

MM: Sie waren von 1999 bis 2009 am Burgtheater, um gleich in Josef Muraus Sprache zu fallen, also knapp nach „Waldheim-Österreich“. Nun die Rückkunft: Hat sich Wien in Ihrer Wahrnehmung verändert? Sind wir älter oder junger geworden?

Wolfgang Michael: Ich bin älter geworden, Wien ist jung. Ich mag die Stadt mittlerweile sehr, damals hatte ich oft das Gefühl von traditionell gepflegter Rückständigkeit, das gibt es jetzt gar nicht mehr. Ich renn‘ viel rum und sehe vieles, das mir neu und anders erscheint. Also entweder habe ich mich verändert – oder Wien. Ich denke selber sehr darüber nach.

MM: Sie sind „Debütant“ an der Josefstadt. Und das gleich mit Thomas Bernhards Opus Magnum …

Michael: Wiewohl ich mich mit Thomas Bernhard noch nie ausreichend beschäftigt hatte, meinen Sie? Ja, es war wohl so, dass Oliver Reese in Frankfurt zu mir sagte, pack‘ deine Sachen und komm‘ mit, und das habe ich getan.

MM: Ernst jetzt?

Michael: Thomas Bernhard ist für mich relativ neu. Ich habe früher sehr viel Prosa von ihm gelesen, „Verstörung“ und „Frost“ beispielsweise, dann lange nichts, jetzt ist das wie eine Wiederbegegnung. Mir fällt vor allem die Vielschichtigkeit seiner Typen auf, die an der Oberfläche sehr klar sind und sehr gefestigt erscheinen, aber tatsächlich sehr manisch sind – und vom inhaltlichen sehr eindeutig. Ich habe die „Auslöschung“ jetzt zum ersten Mal gelesen, und man schwankt so hin und her: Einerseits ist es saukomisch, andererseits steht dahinter eine tiefe Verzweiflung und eine tiefe Einsamkeit. Man hofft durch die Sprache auszubrechen, den Knick in der Figur Murau zu finden, aber man kommt durch sie nur immer tiefer in den Schlamassel hinein. Das ist das Schöne an Thomas Bernhard. Sein Trick sozusagen. Bei der ersten Leseprobe, sagte ich, der Roman ist wie chinesische Tröpfelfolter. Ständig kriegst du die Worte zwischen die Augen geknallt, und irgendwann treten dir die Augen so raus. Ich habe mit Murau große Sympathien, auf der anderen Seite denke ich mir: Halt‘ doch mal die Schnauze. Also man durchlebt schon viele Aggregatzustände, wenn man sich mit Bernhard befasst.

MM: Das sind die Fallen, die er ausgelegt hat. Die wirken bis heute.

Michael: Jaja, es heißt ja, dass man das alles nicht eins zu eins nehmen soll. Aber man weiß es nicht genau. Es ist sowohl Realität als auch Theatralität. Wenn man Interviews mit Thomas Bernhard sieht, habe ich das Gefühl, der Mann sagt nicht ein einziges Mal die Wahrheit. Nicht, weil er lügt, sondern weil ihm seine Geschichte als die bessere erscheint. Ich glaube, er hat immer alle verarscht. Sein Seelenzustand hat Bernhard offenbar dazu bewogen, auf diese kunstvolle Weise zu lügen. Ich denke, er war so einsam wie seine Figuren und hat sich ständig maskiert. Dazu kommt sein verschmitztes Lachen, seine Lust an der Erregung. Man wird nicht ganz fertig mit ihm. Der Mann ist wie eine Zwiebel, je mehr man schält, umso weniger kriegt man ihn zu fassen. Das macht letztendlich die Faszination aus.

MM: Zumindest in Österreich ist Thomas Bernhard vom Skandal- zum Staatsdichter aufgestiegen. Der Mann, der über die nationale Befindlichkeit die gültigen Wahrheiten gesagt hat. Glauben Sie, er rotiert im Grab?

Michael (er lacht): Ich weiß nicht, nee, er würde auch darüber ein bösartiges Buch oder Stück machen. Er hat das, was mit ihm nun passiert, seine Rezeption, ja auch immer beschrieben, er hat das immer gesagt: Ganz Österreich ist zu einem skrupellosen Geschäft geworden, es wird nur noch um alles gefeilt und um alles betrogen. Wenn er rotieren würde, wäre das nur eine weitere Bestätigung für das, was er immer gedacht hat: Die Kulturpolitik schluckt sowieso alles, und macht es sich zu eigen und macht es dadurch ungefährlich. In Deutschland ist Thomas Bernhard ja kein Nationalheld wie in Österreich. Da wird mit ihm sachlicher umgegangen. Inszenierungen lassen naturgemäß die „Österreich-Beschimpfung“ weg und konzentrieren sich auf die Figurenkonstellationen. Dadurch kommen andere Facetten dieses Werks zum Vorschein – das ist eine Bernhard-Beschäftigung die anders ist als hierzulande und mal guttut. Ich muss allerdings sagen, dass Thomas Bernhard in Deutschland weniger gespielt wird.

MM: Oliver Reese, ein großer Bernhard-Auskenner, der in Frankfurt schon alle autobiografischen Romane in einem Theaterabend zusammengefasst hat, hat die Bühnenfassung von „Auslöschung“ erstellt. Was wurde aus dem Konvolut gefiltert?

Michael: Der Roman hat zwei Teile, „Das Telegramm“, in dem Murau vom Unfalltod seiner Eltern und seines Bruders erfährt, und „Das Testament“, wo er zur Beerdigung fährt. Der Roman hat 600 Seiten, unsere Fassung 50. Wir haben also was weggelassen. Der Abend wird sehr fragmentarisch, aber der rote Faden ist der Tod der Eltern und die Auseinandersetzung mit den Gefühlen, die Murau deswegen hat, und seine Nicht-Bewältigung der NS-Vergangenheit seiner Familie. Wir versuchen vor allem dieser endlos mäandernden Sprache gerecht zu werden. Da der Stoff ja ein Roman ist, ergeben sich keine Dialoge. Das Ganze ist monologisch, und schon ist es falsch, wenn ich es sage, eigentlich ist es eine Reflexion.

MM: Vorgetragen von vier Schauspielern. Mit Ihnen sind auch noch Udo Samel, Christian Nickel und Martin Zauner „Muraus“. Sind Sie wie vier Farben, vier Temperamente eines Charakters?

Michael: Sie meinen, wegen unserer Physiognomien? Ja, das könnte schon sein. Es ist aber nicht so, dass der eine immer sauer ist und der andere immer melancholisch. So einfach wird es nicht. Wir reden zueinander, aber nicht miteinander. Er andere denkt laut über das, was der eine sagt … Pause … Ich hoffe, dass wir dann spielen können, was ich jetzt nicht ausdrücken kann.

MM: Klingt wie eine von Dantes Vorhöllen.

Michael: Eher schon nach einem Überwechseln in den siebenten Kreis. Wir haben zusammen jedenfalls viel Spaß auf den Proben. Udo kannte ich ja schon von der Burg und wir haben auch einmal „Verbrechen und Strafe“ bei den Salzburger Festspielen zusammen gemacht, die anderen beiden habe ich jetzt kennen gelernt – und wir verstehen uns gut. Bisher. Mal gucken. Wir bewegen uns noch in einem Ahnungsbereich. (Er lacht.) Das Ganze ist eine Merkwürdigkeit. Man kann noch so viel Absicht hinter das setzen, was man tut, es kommt unter Umständen beim Zuschauer ganz anders an. Die Reaktion des Publikums ist immer eine geheimnisvolle.

MM: Der Satz ist schon wie original Bernhard. Das Publikum wird mutmaßlich stellenweise lachen. Murau nennt sich ja einen „Altersnarren“.

Michael: Das ist es, den Humor darf man bei Bernhard nicht zu kurz kommen lassen. Was mich persönlich interessiert und auch belustigt, ist dieses Rumhämmern auf einer Nuss, weil man irgendetwas rausschlagen will, und man findet es trotzdem nicht. Also, der ständig fehlschlagende Versuche Realität zu fassen. Das finde ich spannend. Da ist Bernhard auch ein Geistesverwandter von Kleist, der mit einer unglaublichen Genauigkeit versucht hat, den realen Moment zu fassen und zu beschreiben. Immer in dem Bewusstsein, dass das der Sprache nie gelingen kann. Das sehe ich bei Bernhard auch, das macht für mich die komische Verzweiflung aus. So ein Satz wie, „Die Aussicht, die in Gläsern gehortete, von meiner Mutter und meinen Schwestern beschriftete Marmelade in den nächsten Jahrzehnten aufessen zu müssen, hat sich in mir schon sehr früh als permanenter Hass gegen alles Eingekochte und insbesondere gegen Marmelade festgesetzt“, ist saukomisch. Wer hat schon ein Problem mit Marmelade? Aber die Tatsache, dass Murau ein Problem mit Marmelade hat, macht ihn aus. Er ist ein trauriger Clown. Das zeigen solche Formulierungen. Murau zerfleischt sich und wir lachen darüber.

MM: Sind Sie gerne Komödiant? Sie spielen in Frankfurt aktuell auch Yasmina Rezas „Kunst“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ den Narren.

Michael: Ja, ich bin zwischendurch ganz gern mal komisch. Allerdings in der Art komisch, dass es einem ein bisschen im Hals stecken bleibt. Aber ich mache da keine knallharten Differenzierungen. Nichts ist komischer als das Unglück, sagt Beckett, für mich übrigens auch ein Bernhard-Geistesverwandter. Ich suche, wie man so schön sagt, die Komödie in der Tragödie und umgekehrt. Das eine ist im anderen und das andere im einen. Bernhard ist der beste Beweis dafür. Der Sprachwahn seiner Figuren ist ihr Schutz davor, an der Tragödie irre zu werden. Sie treten die Flucht in die Formulierung an. Diese verzweifelte Vielschichtigkeit des Murau ist das, was mich an einer Rolle generell anspricht. Dieses Ambivalente, das man nie weiß, kann man ihm glauben oder nicht, das interessiert mich schon sehr.

MM: Im Roman enträtselt sich am Ende, dass Murau längst tot ist. Hat er sich umgebracht?

Michael: Das denke ich nicht, denn seine Lust ist groß. Die Lust an der Zerstörung, die Lust am eigenen Zerfall. Den will er doch zelebrieren bis zur Neige und ihm nicht vorschnell ein Ende setzen. Es gibt eine Kurzgeschichte von Graham Greene, „The Destructors“, da heißt es: Destruction, after all, is a form of creation. Auch das ist Murau. Er hat ein Sprachkunstwerk geschaffen als Manifestation seiner Existenz. Mit dieser Kreation kann also seine Destruktion beginnen. „Ich habe mich geistig und körperlich verkommen lassen, ich bin ein durch und durch verkommener Mensch geworden“, sagt er einmal. Er erstickt sich in Selbstbetrachtung. Das ist für ihn Selbstbehauptung und Selbstrettung. So einer bringt sich nicht um.

MM: Bevor es noch manischer wird, eine Schlussfrage: Sie folgen Oliver Reese seit einiger Zeit. Er ist designierter Intendant des Berliner Ensembles, werden Sie ihm auch dahin folgen?

Michael: Die Pläne gibt es. Ich komme ja aus Berlin, ich war an der Schaubühne, ich würde gerne wieder in die Stadt zurück. Wahrscheinlich bin ich in Berlin am ehesten zu Hause, obwohl: am meisten daheim bin ich derzeit im ICE.

www.josefstadt.org

Wien, 19. 2. 2016