MAK: Tadashi Kawamata gestaltet die Asien-Sammlung

Mai 4, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ein neuer Blick auf die fernöstlichen Schönheiten

Fragmente eines Frieses, Prozession von 87 himmlischen Wesen, Wandmalerei, China, Yuan-Dynastie (1260–1368). Bild: © MAK/Georg Mayer

Fragmente eines Frieses, Prozession von 87 himmlischen Wesen, Wandmalerei, China, Yuan-Dynastie (1260–1368). Bild: © MAK/Georg Mayer

Kawamoto Masukichi (1831–1907), Zierplatte Der Fuji, Japan, Seto, Meiji-Periode (1868–1912), um 1872. Bild: © MAK

Kawamoto Masukichi (1831–1907), Zierplatte Der Fuji, Japan, Seto, Meiji-Periode (1868–1912), um 1872. Bild: © MAK

Globus, China, Qing-Dynastie (1644–1911), um 1800. Bild: © MAK/Georg Mayer

Globus, China, Qing-Dynastie (1644–1911), um 1800. Bild: © MAK/Georg Mayer

„Ich glaube nicht an das Permanente, an das Ewige, daran, dass alles so bleiben muss, wie es ist. Eine Ausstellung muss ‚beweglich‘ bleiben, man muss die Objekte immer wieder austauschen“, das ist die Überzeugung von Tadashi Kawamata, der 2014 mit der künstlerischen Neukonzeption der MAK-Schausammlung „Asien. China – Japan – Korea“ betraut wurde. Das Ergebnis einer Arbeit ist ab 11. Mai im MAK zu sehen.

Der renommierte japanische Künstler „befreite“ die Kunstwerke aus der Vitrine und eröffnet so einen völlig neuen Blick auf die Objekte. Unmittelbar beim Eintritt in den Schausaal wird der Blick nun auf vier Malereien aus dem 13. bis 14. Jahrhundert gelenkt, die gemeinsam mit Keramiken und Lackarbeiten von der Tang- bis zur Yuan- Zeit präsentiert werden. Das dichte Arrangement zeigt auf, wie die Tradition der „Drei Farben/sancai“ disziplinenübergreifend bis ins 14. Jahrhundert hineinwirkte.

Der chinesische Begriff „sancai“ bezeichnet mehrfarbige Glasuren, wobei die Farben Grün, Braun-Orange und Beige vorherrschen. Oft kommt Kobaltblau als vierte Farbe dazu. Diese einfache farbige Gestaltung von Keramiken wurde während der Tang-Zeit entwickelt, die Bleiglasuren machen die Tonstücke haltbarer und wasserundurchlässig. „Sancai“-Keramiken wurden schon in der Tang-Zeit nach Zentral- und Westasien exportiert und beeinflussten Technik und Gestaltung der Keramiken in islamischen Ländern und in der Folge auch die spätmittelalterliche Keramik in Europa.

Im Zentrum des Raumes richtet sich die Aufmerksamkeit auf chinesische Objekte aus der Ming- und Qing-Periode, die neben einer großformatigen Seidenmalerei im tibetischen Stil präsentiert werden. Die Malerei entstand für die Gast-Residenz des 6. Panchen Lama Lozang Palden Yeshe in Chengde, der kaiserlichen Sommerresidenz. Der Qianlong-Kaiser lud den Panchen Lama zu seinem 70. Geburtstag in die Residenzstadt ein und beauftragte aus diesem Anlass die Hofwerkstätten mit der Anfertigung großformatiger Gemälde. Wie auch in den kunstgewerblichen Objekten dieser Zeit ist in den Malereien ein Stilmix aus chinesischen und europäischen Elementen erkennbar.

Im Fokus der dritten Objektgruppe stehen Arbeiten, die zu den „Gründungsobjekten“ der 25 000 Werke umfassenden Asien-Sammlung des MAK gehören. Gezeigt werden die Objekte, mit denen Japan an der Wiener Weltausstellung 1873 teilnahm. Sie gingen im Anschluss daran in die MAK-Sammlung über und haben aus westlicher Sicht das künstlerische und ästhetische Bild von Ostasien nachhaltig geprägt. Ein großformatiges Stillleben von Watanabe Kai zeigt den Scheideweg in der Kunst Japans nach dem Ende des Feudalstaates des Tokugawa-Shogunats. Die Entscheidung zwischen Tradition und Hinwendung zur westlichen Kunst war noch offen, in diesem Bild „schweben“ räumlich gemalte Früchte vor neutral goldenem Hintergrund.

Eine Gegenüberstellung von Porzellanen aus Japan und Europa wird mit dem Sichtfenster geschaffen, das die Räumlichkeiten der Schausammlung Asien und der 1993 von Donald Judd gestalteten Schausammlung Barock-Rokoko-Klassizismus verbindet. Es dient als Vitrine für japanische Porzellane im Kakiemon-Stil aus dem 17. und 18. Jahrhundert und aus der Wiener Porzellanmanufaktur und gibt den Blick auf das Dubsky-Zimmer frei.

Zum Künstler:

Tadashi Kawamata, geboren 1953 in Mikasa, Japan, er lebt und arbeitet in Tokio und Paris, erweckte bereits mit 28 Jahren im Zuge seiner Teilnahme an der 55. Biennale di Venezia Aufmerksamkeit, als er den japanischen Pavillon mithilfe einer Holzkonstruktion in die Giardini erweiterte. Er ist regelmäßig bei internationalen Ausstellungen vertreten, wie etwa 1987 und 1992 bei der documenta in Kassel. Kawamata war künstlerischer Leiter der Yokohama Triennale 2005, der größten zeitgenössischen Kunstausstellung Japans. Seit 2005 lehrt er an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris.

www.mak.at

Wien, 4. 5. 2016

MAK – Schausammlung Asien neu eröffnet

Februar 24, 2014 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der japanische Künstler Tadashi Kawamata

gestaltete den neuen Schausaal

Die Asien-Sammlung des MAK zählt zu den bedeutendsten Sammlungen von Kunst und Kunstgewerbe aus dem asiatischen Raum. Sie entstand im Laufe der 150-jährigen Museumsgeschichte aus öffentlichen und privaten Kollektionen und bietet einen umfassenden Einblick in die Kunstgeschichte Asiens. Die neue Präsentation durch Tadashi Kawamata im Erdgeschoß des Museums eröffnet nun neue Perspektiven. „In Tadashi Kawamata fand das MAK den idealen Künstler für die Neukonzeption der Schausammlung. Seine Installation

Beim Lesen, Tuschemalerei (sumi-e), Japan, Edo-Periode (1603–1868), 19. Jahrhundert Bild: © MAK

Beim Lesen, Tuschemalerei (sumi-e), Japan, Edo-Periode (1603–1868), 19. Jahrhundert
Bild: © MAK

Yusuke Nakahara’s Cosmology anlässlich des Echigo Tsumari Art Triennale 2012 in Japan, die eine umfangreiche Bibliothek eines Kunstkritikers neu interpretierte, überzeugte uns, ihn einzuladen, mit der Asien-Sammlung  zu arbeiten“, so deren Kustode Johannes Wieninger. Kawamatas Ideen für die MAK-Schausammlung Asien sind vom Gedanken der permanenten Veränderung sowie dem Spiel von Licht und Schatten getragen. Die Exponate werden in großen, gerüstartigen Vitrinenblöcken präsentiert, wobei das „Erzählen durch Objekte“ und die Verknüpfung dieser Erzählungen untereinander eine Vielfalt von Betrachtungsmöglichkeiten ergeben. Kawamata wird die Sammlung mit seiner Installation „umfangen und umarmen“. Auf den ersten Blick chaotisch anmutend, wird diese nur scheinbar in Kontrast zu den Sammlungsobjekten stehen. Tadashi Kawamata setzt die Kunstwerke einem Kontext aus, der die Betrachtung wie den Betrachtenden in Bewegung hält, denn, so der Künstler, „meine Projekte sind nie fertig, es erscheint mir ganz natürlich, dass etwas nie fertig wird.“

Zur MAK-Schausammlung Asien erschien im Prestel Verlag der „MAK/GUIDE ASIEN. China – Japan – Korea“, herausgegeben von Christoph Thun-Hohenstein und Johannes Wieninger, Texte von Christoph Thun-Hohenstein und Johannes Wieninger sowie ein Interview mit Tadashi Kawamata..

www.mak.at

Wien, 24. 2. 2014

Aus dem Museum für Völkerkunde wird das Weltmuseum

April 17, 2013 in Ausstellung

Getanzte Schöpfung – Asien zwischen den Welten

Es ist eine Kindheitserinnerung: Düster-dunkle Säle. Geheimnisvolles in staubigen Vitrinen. Ein bisschen Gruseln an der Hand des Vaters. Das wird nun alles anders. Frischer Wind weht durchs Völkerkundemuseum, das am 17. April offiziell zum Weltmuseum Wien umbenannt wurde. Um dies kundzutun trat eine halbe Armada an: Kulturministerin Claudia Schmied, Generaldirektorin Sabine Haag, Direktor Steven Engelsman und Burghauptmann Reinhold Sahl präsentieren das Konzept zur Neupositionierung des Hauses. Grundstimmung: Mit der inhaltlichen Neuausrichtung sei ein weiteres zentrales kulturpolitisches Investitionsprojekt in dieser Stadt realisiert worden. Eine „interaktive Herangehensweise an historische und zeitgenössische Besonderheiten“ wurde beschworen. In den Niederlanden, von wo Hausherr Steven Engelsman ja kommt (oder in Großbritannien oder in Deutschland oder in …), ist dieses Mitmach-Workshop-Besucher-schrauben-an-allem-herum-Konzept nicht mehr so ganz neu. Für Österreich: eine Sensation seit Sabine Haag.

Tanzmasken „Black and White“, Thailand Leihnahme Pichet Klunchun, 2011 © KHM mit MVK und ÖTM

Tanzmasken „Black and White“, Thailand
Leihnahme Pichet Klunchun, 2011
© KHM mit MVK und ÖTM

Funktionieren soll das alles erstmals bei der Ausstellung „Getanzte Schöpfung – Asien zwischen den Welten“, die ebenfalls am 17. April eröffnet wurde und bis 30. September zu sehen ist. Ein Rahmenprogramm aus Spezialführungen, Tanzworkshops, Vorträgen, Filmvorführungen, Events und einer Performance-Reihe in Kooperation mit dem ImPulsTanz Festival, die von dem aus Singapur stammenden Choreographen Ong Keng Sen moderiert wird (www.ethno-museum.ac.at/de/ausstellungen), soll die Präsentation der 500 Exponate – Marmorfiguren des indischen Gottes Krishna, burmesische Holzfiguren, Kagura-Masken aus Japan, koreanische Fächer, Tanzkostüme aus Burma oder thailändische Tanzmasken – aufpeppen. Ein Beispiel: Jeden Mittwochabend und Sonntagvormittag finden  kurze Tanzperformances statt. An fast allen Samstagnachmittagen werden zusätzlich Tanzworkshops angeboten: Von Tango (April) und dem japanischen AIKO (Mai) über balinesische und javanische Tänze (Juni) bis hin zu Urban Dance (Juli).

Die Ausstellung selbst beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten des asiatischen Tanzes. In Asien ist der Tanz ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens. In vielen Tempeln gibt es Darstellungen von tanzendenGottheiten und die Bedeutung des Shiva Nataraja, der die Welt durch seine Tanzbewegungen schuf, ist allgemein bekannt. Einer Legende zufolge entstand in Indien bereits um 200 v. Chr. ein erstes Buch über die Tanzkunst. Es trägt den Titel „Natya Sastra“ und wurde vom Brahmanen Bharata Muni verfasst, der dabei einer göttlichen Eingebung folgte. Der Tanz  wird als Opfergabe an die Götter verstanden.

Wer könnte jedoch den Tanz besser verkörpern als die Tänzer und die Choreographen selbst? Ganz bewusst wurde daher eine Ausstellung „mit ihnen“ und nicht „über sie“ konzipiert. Zu diesem Zweck wurden sechs zeitgenössische asiatische Künstler ausgewählt, um als Ko-Kuratoren mitzuarbeiten: Bulan Trisna Djelantik (Bali), Didik Nini Thowok (Java), Matsune Michikazu (Japan), Hiah Park (Korea), Terence Lewis (Indien) und Pichet Klunchun (Thailand, siehe Bild). Sie repräsentieren sechs unterschiedliche Aspekte des traditionellen asiatischen Tanzes und dienen zugleich aber auch als herausragende Beispiele für das asiatische Kunstschaffen. In der Ausstellung werden neben Gegenständen aus ihrem persönlichen Besitz, wie etwa Kostümen und Requisiten, auch von ihnen ausgewählte Museumsobjekte zu sehen sein.

www.weltmuseumwien.at

www.youtube.com/weltmuseumwien

www.khm.at

www.impulstanz.com

Von Rudolf Mottinger

Wien, 17. 4. 2013