ARTE am Valentinstag: Fünfmal „Romeo und Julia“

Februar 14, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Zeffirelli über Gounod bis John Cranko

Das TV-Highlight um 20.15 Uhr: Baz Luhrmanns „Romeo und Julia“ mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes. Bild: ARTE G.E.I.E. © Merrick Morton

Den diesjährigen Valentinstag stellt ARTE ganz ins Zeichen des berühmtesten Liebespaars der Welt. In nicht weniger als fünf Adaptionen sind Shakespeares „Romeo und Julia“ zu sehen. Um 14 Uhr geht es los mit Franco Zeffirellis Film aus dem Jahr 1968. Zeffirelli erschuf für seine “Romeo und Julia”-Version eine detailgetreu ausgestattete Renaissancewelt. Er drehte an Originalschauplätzen in Italien und besetzte die Titelrollen erstmals – wie in der Shakespeare’schen Vorlage –

mit Schauspielern im Teenager-Alter. Neben vielen anderen Preisen erhielt der Film zwei Oscars: Danilo Donati wurde für seine prächtigen Kostüme ausgezeichnet und Pasqualino De Santis für die beste Kamera. Die sehnsuchtsvolle und ergreifende Musik Nino Rotas, bevorzugter Komponist von Federico Fellini, wurde für den Golden Globe und den BAFTA nominiert. Mit Leonard Whiting als Romeo, Olivia Hussey als Julia und einem blutjungen, umwerfenden Michael York als Tybalt.

Um 17.40 Uhr folgt „Opera in Love“: In der Arena von Verona präsentieren Plácido Domingo, Sonya Yoncheva und Vittorio Grigolo einen Abend mit den schönsten Liebesarien und -duetten von Puccini und Gounod. Die Sopranistin und der Tenor spielen in historischen Kostümen Szenen aus „Romeo und Julia“ nach, Plácido Domingo dirigiert. Sonya Yoncheva führt in einer „Probenpause“ durch Verona und begibt sich auf die Spur der von ihr gesungenen Julia. Sie besucht die Casa di Giulietta – das Haus der Julia mit dem weltberühmten Balkon. Dort soll die Familie der Julia Capulet gelebt haben, die mit Romeos Familie, den Montagues, verfeindet war.

Das Highlight ist selbstverständlich um 20.15 Uhr Baz Luhrmanns modernisierte Variante aus dem Jahr 1996, mit Leonardo DiCaprio als Romeo, Claire Danes als Julia, Brian Dennehy als Montague, Pete Postlethwaite als Pater Laurence und Paul Rudd als Paris starbesetzt und mit vier BAFTA-Awards hochdekoriert. Baz Luhrmann verpasste dem klassischen Liebesdrama von William Shakespeare einen ganz neuen Anstrich – er siedelte es in der von Gewalt und Verbrechen beherrschten Millionenstadt Verona Beach an -, in der Ästhetik von Musik-Video-Clips und Hong-Kong-Actionfilmen. Herausgekommen ist ein betörendes, wildes Bild-und-Ton-Feuerwerk, mit ausgefallenen, farbenfrohen Kostümen, einem effektvoll eingesetzten Crossover-Soundtrack und rasant geschnittenen, opulenten Bildern.

Um 0.20 Uhr endet der Liebesmarathon mit John Crankos Ballett-Inszenierung von Prokofjews „Romeo und Julia“. Vor mehr als 50 Jahren kreierte Choreograph John Cranko seine legendäre Produktion, mit der er und seine Compagnie des Stuttgarter Balletts die Herzen des Publikums im Sturm eroberten. Noch heute gilt Crankos Arbeit mit der detailreichen und farbenfrohen Ausstattung Jürgen Roses, als eine der meistgespielten der Welt. Sie war der Auslöser des „Stuttgarter Ballettwunders“ mit umjubelten Vorstellungen in Europa, den USA, dem Nahen Osten und der damaligen Sowjetunion. Mit David Moore als Romeo und Elisa Badenes als Julia. Marcia Haydée, Crankos einstige Muse und Primaballerina, feiert als Julias Amme ihren 80. Geburtstag auf der Bühne.

www.arte.tv

Trailer: www.arte.tv/de/videos/092923-000-A           Trailer/Ballett: www.arte.tv/de/videos/080539-000-A

14. 2. 2021

ARTE: Lucarne Spätvorstellung / Online-Kinofestival

Dezember 4, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Punks, blinde Passagierinnen und ein Broken Land

Eine deutsche Jugend. © ARTE

Der ARTE-Sendeplatz „Lucarne – Die Spätvorstellung“ bietet montags gegen Mitternacht Filme „outside the box“: Originelle, oft widerspenstige Werke, die neue Wege gehen; ausgefallene, kreative Dokumentarfilme mit ganz eigenen filmischen Handschriften. Alle denkbaren, dokumentarischen Ausdrucksformen sind hier erlaubt, auch experimentelle

oder fiktionalisierte Umsetzungen. Die „Lucarne“ ist einer der letzten Orte großer künstlerischer Freiheit. Ab dem 7. Dezember präsentiert ARTE nun drei lange Nächte mit einer besonderen Auswahl an Filmen zur Thematik „No Limits“, im Sinne von „No rules“, oder wie man seine eigenen Regeln aufstellt. Wenn die Gesellschaft zu viele Zwänge auferlegt, brechen Individuen aus. In ihren Träumen und Vorstellungen, in regelbrechenden Aktionen, bis hin zum Widerstand.

Drei Erstausstrahlungen sind die Highlights dieser Nächte: In „Headshot – Russisch Roulette“ am 7. Dezember von Lola Quivoron und Antonia Buresi befreit sich eine desillusionierte Jugend von ihrem Frust durch improvisiertes Theater und Tanz. Die schwererziehbaren „Punks“, 14. Dezember; Regie: Maasja Ooms, sind noch einmal dem Gefängnis entkommen, und in einer speziellen Wohngruppe versucht man sie auf den richtigen Weg zu bringen. Die drei jungen Frauen aus „This Train I Ride“, 21. Dezember, von Arno Bitschy reisen als blinde Passagierinnen durch die USA. Sechs Lucarne-Klassiker, darunter „Eine deutsche Jugend“ von Jean-Gabriel Périot und „Der Kapitalismus des Traums“ von Sophie Bruneau, beide am 15. Dezember, sind ebenfalls Teil des Programms.

This Train I Ride. © ARTE

Headshot – Russisch Roulette. © ARTE

Tipp 1: Mauern gegen Migration: Dieses Konzept findet nicht nur in Europa Anwendung, sondern auch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Mitten durch die karge Wüste führt der Grenzzaun, der die beiden Staaten trennt. Hier lebt eine kleine US-Community im Schatten des Zauns, der den sogenannten illegalen Einwanderern den Zutritt zu ihrem Land verwehren soll. „Broken Land“ von Stéphanie Barbey und  Luc Peter ist eine Doku über Paranoia, Angst und Eingesperrtsein. Als visuelle und politische Metapher zeigt er, wie sich Migration auf die Entwicklung der Demokratien der westlichen Welt auswirkt. Zu sehen am 8. Dezember.

Tipp 2: Der Dschungel von Calais – die provisorische Zeltstadt in der Nähe dieser französischen Stadt ist der Drehort der beiden Filmemacher Nicolas Klotz und Elisabeth Perceval. Ihr Film „Wohin, Flüchtling?“ zeigt die Räumung des Flüchtlingslagers an der französisch-englischen Grenze und erzählt insbesondere die Lebensgeschichten und Leidenswege der jungen Bewohner des Dschungels. Ohne jeglichen Kommentar dokumentieren die Aufnahmen das notdürftige Dasein der Geflüchteten auf der ehemaligen Mülldeponie nahe Calais zwischen Ärmelkanal, Autobahn und menschenleeren Stränden. Zu sehen am 22. Dezember.

Alle Filme stehen nach der TV-Ausstrahlung mindestens sechs Monate in der ARTE Mediathek zur Verfügung. Eine Reihe weiterer Filme sind darüber hinaus exklusiv online abrufbar. Mehr unter: arte.tv/lucarne.

Wohin, Flüchtling? © ARTE

Broken Land. © ARTE

ARTEKino Festival online

Bereit zum Streamen ist das europäisches Online-Filmfestival: artekinofestival.com. In seiner fünften Ausgabe präsentiert das „ARTEKino Festival“ erneut eine Auswahl von zehn europäischen Filmen junger Regisseurinnen und Regisseuren, die in zehn Sprachen in 45 europäischen Ländern kostenfrei online abgerufen werden können. Die Langfilme erzählen von zehn Ländern, zehn Kulturen in  zehn Sprachen und sind Ausdruck der Vielfalt eines vereinten und gleichzeitig facettenreichen Europas. Fiktionale und auch dokumentarische Filme von mehrheitlich Regisseurinnen, stehen für den Dialog und die Begegnung und den grenzüberschreitenden Perspektivwechsel.

Zu sehen sind: „Cat In The Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich; „Full Contact“ von David Verbeek Kroatien, Niederlande; „Ivana The Terrible“ von Ivana Mladenovic Serbien, Rumänien, „Lessons Of Love“ von Chiara Campara, Italien; „Love Me Tender“ von Klaudia Reynicke, Schweiz, „Motherland“ von Tomas Vengris Litauen, Lettland, Deutschland, Griechenland; „Negative Numbers“ von Uta Beria Georgien, Frankreich, Italien; „Sébastien Tellier: Many Lifes“ von François Valenza,Frankreich, „Son Of Sofia“ von Elina Psykou Griechenland, Frankreich, Bulgarien und „Zentralflughafen THF“ von Karim Aïnouz Deutschland, Frankreich, Brasilien.

arte.tv/lucarne           artekinofestival.com

4. 12. 2020

Das ZDF zeigt Kleines Fernsehspiel „Formentera“

Mai 13, 2013 in Film

Lebens- und Beziehungskrise im Inselparadies

SENDER: ZDF TITEL: Formentera UNTERTITEL: Das kleine Fernsehspiel

Ben (Thure Lindhardt) und Nina (Sabine Timoteo)
Bild: ZDF/Titus Kreyenberg

Formentera“ heißt der zweite Langfilm von Nachwuchsfilmerin Ann-Kristin Reyels, den das ZDF am 13. Mai, 0.05 Uhr, ausstrahlt. Er erzählt eine Geschichte, die viele junge Paare mit Kindern nachvollziehen können. Sie fragt nach den Träumen, die in der Routine des Großstadtalltags verblassen. Wohin ist die Zukunft entschwunden, die einst so klar schien? Was wurde aus den Plänen, ein ganz anderes Leben zu führen und nicht so zu werden wie die eigenen Eltern?

Für Nina und Ben scheint es wie im Paradies. Sie sind zum ersten Mal ohne ihre dreijährige Tochter im Urlaub. Nachdem sie das Kind bei Ninas Eltern gelassen haben, reisen sie von Berlin aus mit dem Vorsatz los, sich selbst und ihrer Beziehung etwas Gutes zu tun. Auf der Insel Formentera sind sie frei von jeglichen Verpflichtungen, die der Alltag sonst mit sich bringt. Diese Freiheit führt aber auch dazu, dass sie anfangen, alles in Frage zu stellen, woran sie einmal geglaubt haben. Als eine schöne, junge Frau, die Ben attraktiv findet, nach einer wilden, nächtlichen Strandparty vermisst wird, scheint Ninas und Bens Weg zurück in die Normalität unmöglich.

Nach ihrem mehrfach preisgekrönten Debüt „Jagdhunde“ ist „Formentera“ die zweite Zusammenarbeit von Regisseurin und Co-Autorin Ann-Kristin Reyels mit der ZDF-Talent-Redaktion Das kleine Fernsehspiel. In den Hauptrollen spielen die auch international erfahrenen Sabine Timoteo und Thure Lindhardt. „Formentera“ ist eine Koproduktion der Redaktion ZDF/Das kleine Fernsehspiel mit una:film in Zusammenarbeit mit Arte.

www.zdf.de

www.twitter.com/ZDF_DKF

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 5. 2013