Albertina: Arnulf Rainer. Eine Hommage

September 24, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Große Schau zum 80. Geburtstag

Die Albertina zeigt eine Auswahl an Schlüsselwerken. Arnulf Rainer: Face Farces: Farbstreifen, 1972. Albertina, Wien © Arnulf Rainer

Arnulf Rainer zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Am 8. Dezember feiert er seinen 90. Geburtstag – diesen Anlass greift die Albertina auf, um ihn ab 27. September mit einer Hommage aus den reichen Beständen der eigenen Sammlung zu ehren. Präsentiert wird eine Auswahl an Schlüsselwerken und richtungsweisenden Werkgruppen. Sie veranschaulichen als zentrale Positionen die prinzipiell dialektische Grundhaltung des Künstlers.

In sowie zwischen seinen Bildern entsteht eine intensive Zwiesprache zu Themen malerischer Qualitäten und grafischer Linienstrukturen, eröffnen sich künstlerische Dialoge über ein Ausloten von Fläche und Raum, Farbe und reduziertem Schwarz-Weiß, zwischen Fülle und Leere, Ruhe und Bewegung, Stille und Aufregung, zwischen Abstraktion und Figuration. Die impulsiven, abstrakten Zeichnungen treffen auf mit Farben und Flächen experimentierende Werke.

Einen Schwerpunkt der Schau bilden die Übermalungen beziehungsweise die Zumalungen, die der Künstler ab Mitte der 1950er-Jahre gestaltet und mit denen er international identifiziert wird. Arnulf Rainer wollte damit zunächst eine tief empfundene Leere füllen. Die Kreuzform, die das Vertikale und das Horizontale vereint, wird die für ihn typische und kennzeichnende Malfläche. Diese Form transportiert zahlreiche inhaltliche Bedeutungen wie Tod, Mysterium und Transitorik.

Einen weiteren Schwerpunkt der Präsentation bilden Arbeiten ab den Jahren 1968/69, in denen Rainer seine Gesichtsmimik ins Zentrum seines künstlerischen Interesses stellt. In öffentlich zugänglichen Fotoautomatenkabinen verzerrt er sein Gesicht zu Grimassen. Diese Fotos werden zum Ausgangspunkt genommen und in einem nächsten Schritt vergrößert, über- und bearbeitet. Es entstehen die „Face Farces“ und „Body Poses“, die mit einem Fotografen im Atelier inszeniert werden. Sie stellen Rainers performativen Beitrag zur Aktionskunst dar und zeigen seinen völlig eigenständigen Umgang mit dem Medium Fotografie.

Arnulf Rainer: Schlaf, 1973-74. Albertina, Wien © Arnulf Rainer

Arnulf Rainer: Schranken, 1974-75. Albertina, Wien © Arnulf Rainer

Als dialektische Antwort auf die Zumalungen entstehen ab Ende der 1990er-Jahre die farbigen, transparent irisierenden Schleierbilder. Frei auf den leeren, jeweiligen Malgrund aufgetragen, entwickeln sich komplexe Licht- und Farbräume. Wie kaum ein anderer hat Arnulf Rainer in seiner kompromisslosen Suche nach Ausdrucksmitteln von Anfang an radikal neue Verfahrensweisen entwickelt. Rainer zählt damit seit den 1960er-Jahren weltweit zu den einflussreichsten Künstlern der Nachkriegszeit, mit Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz, Maria Lassnig und Bruce Nauman oder Yves Klein.

Die Ausstellung spannt den Bogen von bedeutenden Werken aus Rainers Frühzeit, über die Fotoarbeiten und -überarbeitungen der Sechziger- und Siebzigerjahre zu den Kreuzen und Schleierbildern der Achtziger- und Neunzigerjahre bis hin zu jüngsten Werken der Gegenwart. Mit der Präsentation in der Albertina wird einmal mehr die überragende Bedeutung von Arnulf Rainer für die Kunstgeschichte nach 1945, weit über die Landesgrenzen Österreichs hinaus, unterstrichen.

www.albertina.at

24. 9. 2019

Lentos Kunstmuseum: Lassnig – Rainer. Das Frühwerk

Februar 1, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Werden zweier großer Künstlerpersönlichkeiten

Ein Leben lang verbunden: Maria Lassnig und Arnulf Rainer während einer Ausstellungseröffnung in Wien, 1999. Bild: Heimo Rosanelli

Maria Lassnig und Arnulf Rainer zählen zu den erfolgreichsten Künstlern Österreichs. Lassnig würde heuer ihr 100. Lebensjahr begehen, Rainer feiert im Dezember seinen 90. Geburtstag. Die beiden lernten einander 1948 in Klagenfurt kennen. Ihre gemeinsam verbrachten Jahre prägten ihr künstlerisches Werk grundlegend. Die Ausstellung „Lassnig – Rainer. Das Frühwerk“ im Lentos Kunstmuseum Linz zeigt ab 1. Februar etwa 120 Werke aus den Jahren von 1948 bis 1960.

In dieser Zeit werden die Weichen für das Kunstschaffen von Maria Lassnig und Arnulf Rainer gestellt. Die verschiedenen Stilrichtungen, die sie in kurzer Zeit durchliefen, lassen sich grob mit den Begriffen Surrealismus, Informel und geometrische Abstraktion umreißen. 1945 flüchtet Arnulf Rainer vor den russischen Besatzungssoldaten aus Baden auf einem Fahrrad nach Kärnten zu Verwandten. Im Jahr 1947 besucht er eine Ausstellung in Klagenfurt, in der er Lassnigs heftig diskutiertes Gemälde „Akt Guttenbrunner“ sieht. Im April 1948 kommt es zu einem ersten Treffen mit Lassnig in ihrem Atelier in Klagenfurt. Der Beginn einer Beziehung mit der ein intensiver künstlerischer und intellektueller Austausch verbunden war . Maria Lassnig hatte, als sie Arnulf Rainer kennenlernte, bereits ihr Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste absolviert. Ihr Atelier am Heiligengeistplatz war Treffpunkt von Künstlern und Literaten wie Arnold Clementschitsch, Michael Guttenbrunner, Max Hölzer oder Arnold Wande.

Maria Lassnig: Porträt Arnulf Rainer, 1948-1949. © Maria Lassnig Stiftung

Arnulf Rainer: Selbstbildnis in den Februartagen, 1948. Courtesy Landessammlungen Niederösterreich, Bild: Christoph Fuchs, © Atelier Arnulf Rainer

In ihren frühen Zeichnungen suchte Lassnig bereits nach einer Möglichkeit, die Wahrnehmungen ihres Körpers unmittelbar darzustellen. Sie erachtete ihn als eine Realität, die mehr in ihrem Besitz war als ihre Außenwelt. Ab 1947 entstanden erste „Körpergefühlszeichnungen“, die sie „Introspektive Erlebnisse“ nannte. Arnulf Rainer arbeitete in den späten 1940er-Jahren an surrealistischen Porträts und Unterwasserszenarien. 1950 kam es zur Gründung eines Künstlerkollektivs, der sogenannten „Hundgruppe“. Sie zählte neben Lassnig und Rainer Arik Brauer, Ernst Fuchs, Wolfgang Kudrnofsky, Peppino Wieternik, Anton Krejcar und Maria Luise Löblich als Mitglieder. Die beteiligten Künstler und Künstlerinnen fanden den Art Club und seine kleinbürgerliche Bohemien-Szene als zu traditionell. Die Eröffnung ihrer einzigen Ausstellung im März 1951 wurde zum Skandal, da Arnulf Rainer das Publikum beschimpfte. Mit diesem provokanten Auftritt nahm er den Wiener Aktionismus vorweg.

Mit Lichtpausen von surrealistischen Zeichnungen reisen Lassnig undRainer 1951 nach Paris. Sie treffen sich unter anderem mit dem Kopf der Surrealistengruppe André Breton und mit dem Schriftsteller Paul Celan. In Paris konnten sie mehr über automatistische Bildtechniken erfahren. Maria Lassnig war in Paris vor allem von Yves Tanguys „Knochenmonumenten“ beeindruckt. Arnulf Rainer lernte über Paul Celan die für sein künstlerisches Schaffen bedeutsame „Lehre vom Zerfall“ von E. M. Cioran kennen. Während einer weiteren Parisreise entdeckten sie die Ausstellung „Véhémences confrontées“ in der Galerie La Dragonne. Die dort ausgestellten Kunstwerke von Jackson Pollock, Willem de Kooning, Jean-Paul Riopelle, Georges Mathieu, Sam Francis, Mark Tobey, Camille Bryen und Hans Hartung waren bereits der abstrakt-informellen Kunstrichtung zuzuordnen und beeindruckten Lassnig und Rainer nachhaltig.

Nach Paris arbeitete Lassnig an informellen Monotypien und nannte ihre Werke „Amorphe Automatik“, „Meditationen“ und „Stumme Formen“. Rainer malte zunächst abstrakte Gemälde, die er „Mikrostrukturen“ und „Atomisationen“ nannte. Sein theoretischer Text „Malerei, um die Malerei zu verlassen“ beschreibt einen Weg der permanenten Reduktion, eine radikale Loslösung von überkommenen Traditionen. Daraus resultieren seine „Blindzeichnungen“, „Zentralisationen“, „Vertikalgestaltungen“ und „Auslöschungen“. Ab 1954 entstandene Überzeichnungen und Übermalungen waren eine Folge davon. Rainer und Lassnig kuratierten 1951 eine Ausstellung im Künstlerhaus Klagenfurt. In einem Manifest zu dieser Ausstellung fordert Lassnig: „Fort mit den ästhetischen Farbassoziationen“ und „Freiheit, die sich der Mensch, der Künstler wählt“. An dieser Ausstellung nehmen auch Friedrich Aduatz, Wolfgang Hollegha, Johanna Schidlo, Johann Fruhmann und Hans Bischoffshausen teil.

Maria Lassnig: Guttenbrunner als Akt / Aktstudie M. G., 1946. © Maria Lassnig Stiftung

Arnulf Rainer: Rainer – Lassnig – Übermalung, (Fotografien: 1949, Übermalung: ca. 2004). © Atelier Arnulf Rainer

In den folgenden Jahren gestalten Lassnig und Rainer „Flächenteilungen“ und „Proportionen“. Darin loten beide Künstler die Möglichkeiten geometrischer Kompositionen aus. Arnulf Rainer lernt in dieser Zeit den Wiener Domprediger Otto Mauer kennen, der seine Kunst ab 1955 in seiner Galerie St. Stephan, später nächst St. Stephan, unterstützt. Angeregt durch Bildhauer Fritz Wotruba, kehrt Maria Lassnig schrittweise zur Figuration zurück.

Aus ihren Körpergefühlsaquarellen entwickelt Lassnig nach und nach tachistische Körpergefühlsbilder. Für Lassnig sind die Wiener Jahre  schwierige Jahre, in denen sie besonders unter fehlender gesellschaftlicher Anerkennung leidet – erst 1960 wird sie ihre erste Einzelausstellung bei Otto Mauer erhalten. Rainer verlässt 1953 Wien und zieht nach Gainfarn bei Bad Vöslau. Damit ist das Ende des intensiven Austauschs mit Maria Lassnig vorgezeichnet. Lassnigs nächstes großes Abenteuer ist ihre Übersiedlung nach Paris, wo sie von 1961 bis 1968 lebt.

Von Arnulf Rainer gab es stets Bestrebungen gemeinsam auszustellen: „Ich habe Maria in den letzten Jahren nur noch gelegentlich gesehen. Ich bin zu ihren Ausstellungseröffnungen gegangen. Ich habe sie auch eingeladen, mit mir im Badener Rainer Museum auszustellen … Es hat leider nicht mehr geklappt.“

www.lentos.at

1. 2. 2019

Tag der offenen Tür im Arnulf-Rainer-Museum

Dezember 4, 2015 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Zum Geburtstag am 8. Dezember ist der Eintritt frei

Arnulf Rainer Bild: Christian Wind, (c) Arnulf Rainer Museum

Arnulf Rainer
Bild: Christian Wind, (c) Arnulf Rainer Museum

Bei ganztätig freiem Eintritt lädt das Arnulf-Rainer-Museum in Baden bei Wien am 8. Dezember ein, den 86. Geburtstag des großen österreichischen Malers mitzubegehen. Ab 10 Uhr gibt es stündlich Sonderführungen durch seine aktuelle Ausstellung „Pinselrausch“. Um 16 Uhr liest Schauspielerin Andrea Eckert aus Arnulf Rainers „Schriften. Selbstzeugnisse und Interviews“ und nimmt dabei das Publikum auf eine literarische Reise in die faszinierende Lebens- und Arbeitswelt des Ausnahmekünstlers mit.

Arnulf Rainer ist berühmt für seine düsteren Übermalungen. Doch das wollte er anfangs gar nicht. «Ich wollte spezifische Themen malen. Aber dabei ist mir nur Schwarz, Schwarz, Schwarz eingefallen», sagte er einmal. Dass ihm im Laufe der Jahrzehnte dann doch etwas mehr einfiel, zeigt „Pinselrausch“. Die Kuratoren Rudi Fuchs und Marteen Bertheux zeichnen in der Schau die Entwicklung der künstlerischen Handschrift Arnulf Rainers nach. So werden den Hand- und Fußmalereien der späten 1970-Jahre eine Reihe wegweisender Zeichnungen und eine große Auswahl sehr junger Werke gegenübergestellt. Alle Extreme der künstlerischen Ausdrucksweise zeigen sich in dieser jahrzehntelangen Entwicklung: von der Stille bis zum ohrenbetäubenden Lärm, dem burlesken Wischen gegenüber vorsichtiger Bedachtsamkeit. Die Formen sind oft dünn, streifig, sie erinnern an Schlangen und Spinnennetze, verschlungen und verwoben. Eine vierzig Jahre währende Freundschaft verbindet Rudi Fuchs mit Arnulf Rainer. „Die Bilder machen deutlich, dass es etwas aktives, Physisches ist, sie zu malen, hektisch, rasend,  manchmal jedoch auch ausgeführt in einem Zustand mystischer Ergebenheit; doch am Ende versiegt die tätige Kraft, und das Bild bleibt, wie es ist, allein, sich selbst überlassen“, sagt Fuchs.
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Wien, 4. 12. 2015

Arnulf Rainer Museum: Rainer Universalis

Oktober 21, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Hommage zum 85. Geburtstag

2Mit der Ausstellung „Rainer Universalis“ feiert das Arnulf Rainer Museum zwei Jubiläen: Arnulf Rainers 85. Geburtstag, sowie das fünfjährige Bestehen des Arnulf Rainer Museums im Frauenbad Baden. Eine konzentrierte Auswahl an Schlüsselwerken aus bisherigen Ausstellungen des Museums wird erstmals einer großen Zahl an übermalten Büchern, Arnulf Rainers erklärten Lieblingen seines Oeuvres, gegenüber gestellt. Verantwortlich für die Konzeption der Ausstellung ist Prof. Helmut Friedel, ehemaliger Direktor des Lenbachhauses München und Kurator der großen Retrospektive Arnulf Rainers der Albertina Wien.

Anhand von über 60 Werken ­­– beginnend bei den Zentralgestaltungen, Kreuzzentralisationen, Proportionsstudien und monochromen Übermalungen der 50er Jahre; den großen Zyklen der Face Farces, Körpersprache, Frauensprache, monumentale Kreuze, sowie expressiven Hand- und Fingermalereien der 60er und 70er Jahre; den Mitte der 1980er Jahre entstandenen, farbintensiven Gemäldeserien der Botanika und Schlangen; den kontemplativen Kosmos- und Schleierbildern der 90er Jahre, bis hin zu den späten Hommagen an die Kunst der Vergangenheit – bietet die Ausstellung einen umfassenden Einblick in das malerische Schaffen Arnulf Rainers. Korrespondierend zu den Gemälden präsentiert Rainer „Universalis“ erstmals eine Auswahl von über 30 überarbeiteten Büchern Arnulf Rainers. In der andauernden Beschäftigung mit antiquarischen Werken des 18. und 19. Jahrhunderts erschafft sich Rainer wie in einer bewussten Reaktion auf die universal schaffenden Künstler der Renaissance als homo secundus deus sein Universum. Nach einem strengen Ordnungsprinzip lässt er Motiv- und Themenkreise gleich den einzelnen Kapiteln einer Schöpfungsgeschichte aufeinander Folgen.

Mehrere hundert Bücher hat Rainer bisher überarbeitet, oder deren Bildmaterial als Grundlage für Bildzyklen verwendet. Thematisch reichen diese überarbeiteten, historischen Bände im weitesten Sinn von Kunstbüchern, über bewusst romantische, der Erbauungsliteratur zuzurechnenden Bildbände, bis hin zu naturwissenschaftlichen Publikationen über Anatomie, Anthropologie, Zoologie, Botanik und Paläontologie, deren Bildteile mit hochqualitativen Radierungen, Stichen und Lithografien illustriert sind. „Wenn ich auch in der Welt der Antiquare manchmal als barbarischer Zerstörer gelte, so möchte ich auch hier wieder zum wiederholten Male versichern, daß diese Überarbeitungen alter Buchgraphik aus einem Liebesimpetus der Verschmelzung und Verheiratung erfolgt.“

Die einzigartige Architektur des Museums im historischen Frauenbad erlaubt es, die ausgestellten Arbeiten gemäß den Werkgruppen räumlich aufzubereiten und die stilistische wie emotionale Wandelbarkeit im Schaffen dieses großen Künstlers zu demonstrieren. Die kunsthistorische Bedeutung des 1929 in Baden geborenen Arnulf Rainers ist unwiderruflich. Er gilt als Begründer des Informel in Österreich; die in den 50er Jahren entwickelten Übermalungen machen ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und im internationalen Kollegenkreis berühmt. Seine intensive Suche nach neuen Wegen der Malerei und die stetige Weiterentwicklung seiner künstlerischen Strategien, begleitet von performativen Arbeiten und umfangreichen Schriften, lassen Arnulf Rainer zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart werden. Das Arnulf Rainer Museum vereint das architektonische Juwel des klar gegliederten Frauenbades, basierend auf einem 1821 ausgeführten Entwurf von Charles de Moreau, einem der führenden Architekten des französischen Klassizismus, mit zeitgemäßer Ausstellungsdidaktik und Museumstechnologie auf höchstem Niveau.

Seit 2009 zeigt das durch das Wiener Architekturbüro Lottersberger-Messner-Dumpelnik technisch und ästhetisch perfekt adaptierte Arnulf Rainer Museum jährlich zwei Ausstellungen. Dessen wesentliche Aufgabe besteht darin, die Entwicklung des Künstlers Arnulf Rainer mittels Ausstellungen und Publikationen zu dokumentieren, zu analysieren und sichtbar zu machen, sowie Querverbindungen zu seinen Zeitgenossen darzustellen. Durch die Initiative und maßgebliche Förderung des Landes Niederösterreich in Zusammenarbeit mit der Stadt Baden ist es gelungen, dem Jahrhundertkünstler eine Institution zu widmen, die dessen vielschichtiges Oeuvre in monographischen wie thematischen Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich macht.

www.arnulf-rainer-museum.at

Wien, 21. 10. 2014

Albertina: Arnulf Rainer

August 27, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Retrospektive zum 85. Geburtstag

Arnulf Rainer: Müde Pose I, 1975 Öl auf Fotografie auf Holz Bild: Albertina, Wien

Arnulf Rainer: Müde Pose I, 1975
Öl auf Fotografie auf Holz
Bild: Albertina, Wien

Ab 3. September zeigt die Albertina Arbeiten von Arnulf Rainer. Seine in den 1950er Jahren entwickelten Überarbeitungen machten den 1929 in Baden bei Wien geborenen Künstler Arnulf Rainer weltweit bekannt. Die Albertina würdigt den international renommierten Künstler anlässlich seines 85. Geburtstages mit einer umfassenden Retrospektive, in der wesentliche Stationen seines komplexen Schaffens mit Schlüsselwerken präsentiert werden. Nach anfänglicher Hinwendung zum Surrealismus näherte sich Rainer Tachismus und Informel an. Seit Beginn der 1950er Jahre übermalt er eigene und fremde Bilder sowie Fotos. Hierbei sind besonders Fotoübermalungen von Selbstportraits bekannt geworden, die als Face Farces bezeichnet werden. Seine ersten Übermalungen von fremden Bildern beging er aus Materialmangel. 1958 bis 1963 stellten ihm Sam Francis, George Mathieu, Emilio Vedova, Victor Vasarely  und viele andere Künstler Arbeiten zum Übermalen zur Verfügung.

Ab Mitte der 70er Jahre wandte er sich einer gestischen Fuß- und Fingermalerei zu. Zur selben Zeit entstanden, inspiriert von anderen Künstlern, zahlreiche Serien von „Kunst über Kunst“: Rainer überarbeitete Fotos nach Gustave Doré, Zanetti, Leonardo da Vinci, Franz Xaver Messerschmidt und anderen. Der Hiroshima-Zyklus, eine Serie von Zeichnungen und Fotos der zerstörten Stadt, wurde ab 1982 in siebzehn europäischen Städten gezeigt. In seinem Spätwerk beschäftigt sich Rainer intensiv mit der Fotografie, zuerst um Vorlagen für seine Überarbeitungen zu haben, später wurden sie dann nicht mehr übermalt und sind eigenständige Arbeiten.

Rainers intensive Suche nach neuen künstlerischen Wegen wie auch seine faszinierenden Strategien und experimentelle Vorgehensweise  machen ihn zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart.

Rahmenprogramm zur Ausstellung:

 17.09., 18.30 Uhr: Andrea Eckert liest aus den Schriften von Arnulf Rainer;

22.10., 18.30 Uhr: Peter Sloterdijk Festvortrag;

25.10., 11.00 Uhr: Künstlergespräch. Arnulf Rainer im Gespräch mit Klaus Albrecht Schröder;

12.11., 18.30 Uhr: Arnulf Rainer. Performances und Posen. Filmdokumentation;

 Jeweils im Musensaal der Albertina. Anmeldung!

www.albertina.at

Wien, 27. 8. 2014