Heinrich Himmler ist „Der Anständige“

Oktober 20, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die israelische Filmemacherin Vanesssa Lapa

und Sounddesigner Tomer Eliav über ihre Filmdoku

Bild: © Filmladen Filmverleih

Bild: © Filmladen Filmverleih

Am 24. Oktober startet in den heimischen Kinos die Filmdoku „Der Anständige“. Im Februar 2014 wurden private Briefe von Heinrich Himmler, dem „Architekten der Endlösung“, veröffentlicht, die sich jahrzehntelang in jüdischem Privatbesitz befunden hatten: 276 Briefe von Heinrich Himmler an seine Frau Marga, 1927–1945, 135 Fotografien, Gudrun Himmlers persönliches Tagebuch, Gudruns Babybuch, geschrieben von Heinrich und Marga, Gudruns Poesiealbum, Marga Himmlers Tagebuch, 2 Postkarten von Himmler an Gudrun, 1 Brief von Gudrun an Marga, Marga Himmlers Parteiausweis mit Himmlers Unterschrift, Margas und Heinrichs Haushaltsbuch, Margas Kochbuch mit Heinrichs Lieblingsgerichten, Margas und Heinrichs Buch mit Listen von Weihnachtsgeschenken der Himmlers 1935–1944, Schulzeugnis und Hitlerjugend-Urkunde von Himmlers Pflegesohn. Plötzlich hatte man ein Konvolut privater Dokumente zur Verfügung, das es in vergleichbarem Umfang von keinem anderen Angehörigen der NS-Führung gibt. „Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein und gütig“, schreibt Himmler ins Poesiealbum seiner Tochter. Wie kann ein Mensch nach seinen eigenen Grundsätzen ein Held und nach den Grundsätzen der Welt ein Massenmörder sein? Die israelische Regisseurin Vanessa Lapa hat – auf der Grundlage des Himmler-Nachlasses und weiteren Archivmaterials (151 Quellen aus 53 Archiven in 13 verschiedenen Ländern) – einen Dokumentarfilm über einen Menschen gemacht, der beruflich und privat mit sich im Reinen war.

Wie die Dokumente aus Himmlers Safe in seinem Haus in Gmund am Tegernsee mehr als 60 Jahre später nach Israel gelangten, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich erstand sie der in Tel Aviv lebende Maler Haim Rosenthal direkt von dem US-amerikanischen Soldaten, der sie im bayerischen Wohnhaus Himmlers fand.  Nachdem die Echtheit der Dokumente durch Experten des Deutschen Bundesarchivs einwandfrei bewiesen wurde, liegen sie nun in einem Safe in Tel Aviv. Auf der Basis dieser privaten Schriften und Bilder rekonstruiert „Der Anständige“ Heinrich Himmlers Leben aus seiner eigenen Perspektive: Der Film beschreibt einen zunächst gewöhnlich anmutenden Menschen, der sich im Verlauf seines Lebens unaufhaltsam radikalisiert und sich schließlich zum Erreichen seiner Ziele skrupelloser und brutalster Unmenschlichkeiten bedient. „Der Anständige“ ist eine filmische Dekonstruktion von Biographie, Geschichte und Moral und hinterfragt so das Konzept einer kohärenten Historizität.
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Durch das untypische Porträt eines der widersprüchlichsten Köpfe des Nationalsozialismus betrachtet der Film die Beziehungen zwischen Individuum, sozialem Verhalten und politischer Ideologie von einem völlig neuen Standpunkt. Der Großteil der Filmdialoge und Kommentare basiert auf sorgfältig ausgewählten Exzerpten der Äußerungen Himmlers und seiner Familie aus den Jahren 1900-1945. Sie werden durch die Stimmen von Schauspielern und filmischem und fotografischem Archivmaterial zum Leben erweckt. Privat- und Amateuraufnahmen des Alltags in den 1920er, 30er und 40er Jahren (in zum Teil bislang unveröffentlichtem 8mm-, 9mm-Pathé- und 16mm-Filmmaterial) spiegeln die spezifische Atmosphäre der jeweiligen Zeit wider. So verschmelzen private Momente mit der Außenwelt und stellen das Leben so dar, wie es die Deutschen erfahren haben müssen, als der Zweite Weltkrieg in ihren Alltag eindrang. „Der Anständige“ ist kein historischer Dokumentarfilm, sondern eine filmische Biographie, die Geschichte als Werkzeug einsetzt, um die schrecklichen öffentlichen und politischen Konsequenzen der persönlichen Entwicklung eines einzelnen Mannes darzustellen. Er ist eine dramatische, nicht-fiktionale Geschichte von historischen Ausmaßen.
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Es sprechen Tobias Moretti, Sophie Rois, Florentin Groll, Lotte Ledl, Pauline Knof, Antonia Moretti, Lenz Moretti, Markus Riexinger, Alexander Riemann, Thomas Zerck, Martin Lalis, Florian Wandel und Tom Zahner.

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Vanessa Lapa und Tomer Eliav im Gespräch:

MM: Die erstaunlichste Geschichte an Ihrem Projekt ist die Entdeckung des neuen Materials, Briefe, Tagebücher, etc. Wie sind Sie dazu gekommen?
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Vanessa Lapa: Die Sammlung lag für mehr als 40 Jahre unter dem Bett von Haim Rosenthal in Tel Aviv. 2006 überredete ihn sein Sohn, sie an einen Professor der Tel-Aviv-Universität zu übergeben, der sie auswerten sollte. Dieser Professor kannte nun  mich – ich sichtete das Material und sagte, ja, daraus mache ich eine Story. Wie Rosenthal damals tatsächlich an die Unterlagen gekommen ist, wird aber für immer ein Geheimnis bleiben.
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MM: Warum haben Sie sich ausgerechnet für Heinrich Himmler interessiert?
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Lapa: Habe ich nicht. Ich wollte auch keinen Film über das Dritte Reich machen, mich interessierte nur die Möglichkeit, diese privaten Zeilen eines durch und durch bösen Menschen zu studieren, darin hoffentlich Neues zu entdecken, zur Erklärung, was in den Köpfen der Naziobersten vorging. Also habe ich die Herausforderung angenommen.
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MM: Das Seltsamste für mich war die neckische Art, in der die Briefe zwischen ihm und seiner Frau Margarethe verfasst sind – und dann die Brutalität des mit der Endlösung Beauftragten. Man hat auf der einen Seite den liebenden Ehemann und Vater und auf der anderen Seite einen Massenmörder ohne Skrupel. Ich liebe beispielsweise die Stelle, an der ihm Margarethe schreibt: „Warum gehst du immer auf seine (Hitlers) Veranstaltungen, statt bei mir zu sein? Du weißt doch ohnedies, was er sagen wird.“ Und er: „Ja, mein Schatz, aber ich muss dort sein. ICH organisiere diese Veranstaltungen.“ Das ist zum Lachen – pardon.
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Lapa: Ja, gut so! Für mich ist er kein Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er ist kein so liebender Familienmensch. Er schreibt Margarethe in einem Brief, an erster Stelle stünde für ihn die Hingabe zum Vaterland, nicht die Familie. Er tat immer sadistische, perverse Dinge. Da Margarethe nach der Geburt der Tochter Gudrun keine Kinder mehr bekam, adoptierte er Gerhard. Später nahm er sich Hedwig Potthast als Geliebte und hatte mit ihr die Kinder Helge und Nanette-Dorothea. Er sah Hedwig als Zweitfrau. Wie ein Stammesfürst. Denn der Germane hat vier Kinder zu haben! Er war also privat nicht „normaler“ als in seinem „Berufsleben“. Etwa, wenn er sagt: „Alle haben den Drang sich zu vermehren. Alle brauchen Raum. Im Osten müssen wir siedeln.“ Er verlangte ja auch von seinen „nordischen“ SS-Leuten eine Ahnentafel bis 1750.
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MM: Hannah Arendt hat uns gelehrt, die Nazis nicht Monster zu nennen, sie nicht langer than life zu machen, sondern sie als Menschen wie du und ich zu sehen, als Beamte. Himmler nannte sie einen Spießer. Was meinen Sie dazu?
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Lapa: Ich gebe ihr Recht. Sie sind nur Menschen. Wie wir alle konnten sie Entscheidungen treffen – und sie entschieden sich für das Böse. Wo ich Hannah Arendt nicht Recht gebe, ist bei ihrer Formulierung von der Banalität des Bösen. Das Böse ist nicht banal. Viele Tyrannen, Diktatoren, Völkermörder sind hochintelligent. Goebbels und Konsorten wollten einfach Karriere machen, egal in welchem Regime. Es würde mich interessieren, ob Goebbels an Hitlers Ideen je geglaubt hat. Leider war er schlau genug, nicht diesbezüglich Schriftliches zu hinterlassen.
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MM: Sie haben keine Historiker, Himmler-Experten, Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Ihr Film besteht ausschließlich aus vorgelesenen O-Tönen. Warum war Ihnen das wichtig?
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Lapa: Weil das Originalmaterial so reichhaltig war, dass wir gar keine Zwischenerklärungen brauchten. Die Tatsache, dass wir den Film mit den Worten Himmlers und seiner Familie erzählen konnten, ohne Störung durch einen alles erklärenden Professor, war eine großartige Chance. Wir wurden in einigen Ländern dafür allerdings auch ausgeschimpft. Es gibt Leute, die hätten sich DEN Experten auf der Leinwand gewünscht. Das hätte aber eine Subjektivität eingebracht, die wir um jeden Preis vermeiden wollten. Ein Erzähler gibt die Richtung vor, in die die Geschichte laufen soll. Das braucht es nicht. Ich glaube nicht, dass einer, der den Film sieht, nicht versteht, was da los war.
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Eliav: Als wir feststellten, dass wir keine Stimme von außen brauchen, wurde das Projekt erst cineastisch. Himmler selbst führt durch den Film. Und das Publikum kann sich so seine eigene Meinung bilden, wir möchten es nicht beeinflussen. Ich suchte dazu Hintergundgeräusche aus den 20er-, 30er-, 40er-Jahren. Wenn auf den Bildern Pferde waren, sollte man Pferde hören. Wenn auf dem Bild eine Straßenbahn war, sollte man eine Straßenbahn hören. So viel zum Sound. Die andere Sache ist die mit der Restauration der Bilder. Wir haben 4000 Stunden lang Material gesichtet, Stellen so montiert, dass sie in einem Zusammenhang stehen, Kratzer und andere Schäden entfernt … Es war ein harter Job, aber er ist gelungen. Wir wollen, dass das Pubikum sich den Film nicht ansieht, sondern IM Film ist. Und der Schlüssel dazu ist der Sound. Er erleichtert den Zuschauern den Zugang zum Thema.
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MM: Sie haben Schauspieler gewählt, die die Schriften vortragen. Sie können nicht Deutsch, wie konnten Sie auswählen?
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Eliav: Felix Breisach, unser österreichischer Partner, hat das Casting gemacht. Vanessa versteht Deutsch, sie hatte also keine Barriere zur Sprache. Uns war es wichtig, einen Himmler zu finden, der eine Tochter hat, um diese Gefühle richtig rüberzubringen. So kamen wir zum großartigen Tobias Moretti. Wir haben aufs richtige Alter der Sprecher geachtet, den bayerischen Akzent. Tobias war vorbereitet, experimentierfreudig, es war fantastisch. Ich habe zwar die Worte nicht verstanden, aber den Tonfall; ich habe ihr Sprechen gefühlt – und dann gesagt: Bitte trauriger, lustiger, wütender … es klingt nicht richtig. Das war eine ganz neue Erfahrung beim Arbeiten.
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MM: Ihr Film ist schwarzweiß, nur der kurze Moment, in dem Sie die Bilder der KZ-Leichenberge zeigen, ist Farbmaterial. Kein Zufall, wie ich annehme?
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Lapa: Natürlich! Alles in diesem Film hat seinen Grund, der Wechsel zur Farbe war ein künstlerischer: Bis dahin sehen wir alles durch die Augen der Himmlers, plötzlich sehen WIR, die ganze Welt, die Gräueltaten, die verübt wurden. Diese Bilder gehören zu unser aller Gegenwart, nicht zur Vergangenheit, deshalb Farbe, wie heute üblich.
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MM: Es mag in diesem Zusammenhang wie eine seltsame Frage klingen, aber welcher Moment hat Sie am meisten schockiert? Für mich war es der, als Himmler die Menschen in Polen als Tiere bezeichnete.
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Lapa: Das ist interessant, dass Sie das sagen, weil die meisten deutschsprachigen Journalisten diese Zeilen nennen. Für mich war es der Fakt, dass er immer er ist. Ich kenne den Charakter, ich kenne seine Logik, ich kenne seinen Schreib- und Sprechstil, ich kenne sein Ende – und trotzdem he’s blowing me out of my mind, wenn er diese sadistische Idee der Endlösung umsetzt. Andere „Herrscher“ waren ja bei Hinrichtung nicht zugegegen. Warum sich die Scheußlichkeit optisch antun, auch wenn man sie selbst verordnet hat? „König Heinrich“ (Himmler, ein Spitzname seiner Wewelsburg-Freunde, Anm.) schoß gern bei Exekutionen, er peitschte gern aus. Er ging als erstes gegen Homosexuelle vor, bevor er „diese Judengeschichte“ anging, ließ die Vergasungswagen bauen, ließ sich vom „Erfolg“ der Zwangsterilisationen an Frauen berichten … SEINER Frau schreibt er dann: „Mir geht es bei viel Arbeit sehr gut und schlafe sehr gut.“ Jedesmal, wenn ich den Film sehe, bin ich geschockt, wie er Liebe und Hingabe zu seiner Heimat so pervertieren konnte. Ein verdrehter Geist! A twisted mind!
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MM: So ein Film verfolgt einen bis in die Albträume.
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Lapa: Ja. Es war schwierig abzuschalten. Ich bin froh, dass wir es hinter uns haben.
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MM: Haben Sie jemals versucht, mit Gudrun zu sprechen? Einmal schrieb sie: „Heute haben wir das Konzentrationslager in Dachau besucht. Wir schauten uns so viel an, wie wir konnten. Wir sahen die Gartenarbeiten. Wir sahen die Birnbäume. […] Wir sahen all die Bilder, die Häftlinge gemalt haben. Wunderbar.“ Gudrun engagierte sich gerade auch in den letzten Jahren immer noch intensiv für NS-Täter. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit war der Verein „Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte“. Jahrzehntelang unterstützte sie maßgeblich die Organisation, ohne jedoch dazu konkrete Aussagen zu tätigen. „Ich sage nichts zur Stillen Hilfe“, lautete auf Anfrage stets ihre lakonische Auskunft, „sonst wäre es ja auch keine stille Hilfe. In der heutigen Zeit ist es besser, ruhig zu sein.“ Ihr Engagement zeigte sich besonders deutlich im Fall Anton Malloth. Malloth, der 40 Jahre in Meran unbehelligt gelebt hatte, wurde 1988 von Italien an Deutschland ausgeliefert und für seine Taten als Aufseher in der Kleinen Festung Theresienstadt nach einem langjährigen Ermittlungsverfahren im Jahr 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt. Gudrun verhalf ihm im Auftrag der „Stillen Hilfe“ zu einem Zimmer in einem Seniorenheim mit gehobenem Niveau in der Nähe Münchens, das auf einem Grundstück liegt, das zur NS-Zeit dem „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, gehört hatte. Als publik wurde, dass der Seniorenheimaufenthalt Malloths zum großen Teil von der deutschen  Sozialhilfe finanziert wurde, kam in der Öffentlichkeit Kritik auf – auch an der Beteiligung der Himmler-Tochter.
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Lapa: Vom ersten Tag an, an dem ich die Dokumente hatte, wollte ich mit ihr reden. Ich wollte ihr ihr Babytagebuch geben, habe um ein Interview angefragt, aber sie sagte zu allem Nein. Ich wollte ihr eine DVD des Films nach Hause schicken – das wollte sie auch nicht. Aber ich habe mit Katrin Himmler zusammengearbeitet, Heinrich war ihr Großonkel, einer Historikerin, die zeitgleich aus dem selben Material das Buch „Himmler privat. Briefe eines Massenmörders“ zusammenstellte. Es ist im Piper Verlag erschienen. Sie hat schon ein Buch über die Himmler-Brüder geschrieben, ist also im Familienthema total bewandert. Ich habe sie kontaktiert und wir haben uns über unseren jeweiligen Recherchestand ausgetauscht.
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MM: Was Sie in ihrem Film nicht behandeln, ist die Beziehung des Reichsführer-SS mit dem „Führer“. Es war ein gespaltenes. Erst war Himmler Hitlers Liebkind, aber nicht einmal wichtig genug, um bei der Wannseekonferenz dabei zu sein, dann ging er ihm zunehmend auf die Nerven. Himmler war einer der ersten, der nicht mehr an den „Endsieg“ glaubte, er verhandelte mit den Alliierten, bot ihnen Juden zum Austausch für seine Freiheit an, wollte gleichzeitig einen Sitz in der Regierung Dönitz, Hitler erließ einen Haftbefehl gegen ihn, Himmler dachte, er könne sich in einem Flüchtlingszug verstecken – und wurde von den Briten verhaftet. Das alles kommt nicht vor.
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Lapa: Aber nicht, weil ich es nicht wollte, sondern weil es dazu kein Originalmaterial gibt. Deshalb zeige ich nur ein Foto von Himmler nach seinem Suizid durch eine Zyankalikapsel. Ich habe mehr als 50.000 Euro für Rechercheure in aller Welt ausgegeben, damit sie etwas finden. Nichts! Nicht einmal etwas von einem seiner Mitarbeiter. Oder der Familie. Also habe ich darauf verzichtet. Dass Hitler im Bild nicht so oft vorkommt, war eine Entscheidung, welchen Film ich machen wollte: einen über die Familie. Sieht man Hitler, schauen alle nur auf ihn.
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MM: Welche Filme machen Sie sonst?
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Lapa: Ich habe meine Produktionsfirma Realworks 2005 gegründet, habe ein kurze Polit-Doku gemacht – und dann gleich mit der Arbeit an dem Himmler-Projekt begonnen. Ich war also noch nicht wirklich künstlerisch tätig.
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Eliav: Nun haben wir festgestellt, dass wir in Israel die einzigen sind, die die Technologie haben, mit der man altes Filmmaterial restaurieren kann. Das ist – auf  Wunsch unzähliger Archive – jetzt unsere Hauptarbeit. Zurzeit arbeiten zehn Leute 24 Stunden lang in zwei Schichten. Und wir werden wahrscheinlich mehr Mitarbeiter brauchen. Dieses historische Material zu konservieren, zu retten, ist mir ein persönliches Anliegen. Jeden Tag verschwindet Filmgeschichte. Wir bleiben also beim Dokumentarischen.
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MM: Darf ich als letzte Frage zum Himmler-Film die stellen, ob sie persönlich in die Historie involviert sind?
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Lapa: Meine Familie hat eine Holocaust-Geschichte, meine Großeltern sind Überlebende, mein Großvater hat eine Nummer, seine ganze Familie war in Auschwitz. Aber darüber habe ich und würde ich nie einen Film machen. Das ist Familie. Die andere Story hat mich „gefunden“. Und mich hat wirklich nur der Aspekt interessiert, Himmler in eigenen Worten erzählen zu lassen. Den Standpunkt der Nazis zu schildern. Und damit ist es wieder gut. Ich werde nicht bis ans Ende meiner Tage Drittes-Reich-Filme machen.
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MM: Der Film endet mit einem Verhör Margarethe Himmlers durch die Alliierten. Sie sagt, sie habe von nichts gewusst. Eine von vielen.
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TIPP:

Der ORF, der als einziger Fernsehsender an das Projekt geglaubt hat, hat das weltweite TV-Erstausstrahlungsrecht und zeigt den Film im Rahmen eines Themenabends am Freitag,  14. November: Nach einem kurzen themenaffinen Intro präsentiert ORF 2 die etwa 90-minütige Produktion um 21.20 Uhr. In „Universum History“ folgt dann um 23.10 Uhr die Dokumentation „Hitlers Todesbrigaden“ von Andreas Novak und Tom Matzek, die die Rolle von Hitlers Waffen-SS beleuchtet, deren oberster Leiter Heinrich Himmler war. „Der Anständige“ ist eine Produktion von Realworks Ltd. (Vanessa Lapa, Tel Aviv) in Koproduktion mit Felix Breisach Medienwerkstatt GmbH (Wien), dem ORF und dem israelischen Sender yes.

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www.filmladen.at

Wien, 20. 1o. 2014Elias