Volksoper: Der Kongress tanzt

Februar 21, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Vom Film- zum vorprogrammierten Bühnenhit

Fritz von Friedl, Wolfgang Gratschmaier, Nicolaus Hagg, Thomas Sigwald, Boris Eder, Ildiko Babos und Regula Rosin Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien,

Fritz von Friedl, Wolfgang Gratschmaier, Nicolaus Hagg, Thomas Sigwald, Boris Eder, Ildiko Babos und Regula Rosin. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Na also, endlich. Europahauptstadt. Nicht, dass dadurch die Weltpolitik besser würde, aber der Veltliner … Wien und der Wein. Und das Weib natürlich. Und die Walzerseligkeit. Und die Heurigenstimmung. Tourismusverbände aller Länder, vereinigt euch! An der Volksoper hatte „Der Kongress tanzt“ Premiere.

Das war einmal ein Film von Erik Charell mit Lilian Harvey und Willy Fritsch. 1931 in die Kinos gebracht, 1937 verboten. Die Handlung trägt sich zur Zeit des Wiener Kongresses zu. Metternich will bei seinen Verhandlungen möglichst keine Gegenstimme und daher Alexander von Russland ausschalten. Der, ein bekannter Steiger, sollte relativ einfach in ein amouröses Abenteuer zu verwickeln sein, und deswegen den Abstimmungen fern bleiben. Und so kommt dem Fürsten die junge Handschuhmacherin Christel gelegen, die aus Werbezwecken jedem Staatsgast ein Blumensträußchen zuwirft – und den Zaren damit auf den Kopf trifft. Als sich die „Bombe“ als Bouquet entpuppt, entwickelt sich eine Romanze, sehr zum Ärger von Geheimsekretär Pepi, der in die schöne Ladenbesitzerin bis über beide Ohren verliebt ist. Ausgerechnet er soll aber nun den Zaren immer weiter in die „Weibergeschichte“ verstricken. Doch der hat einen Doppelgänger mit nach Wien gebracht und schafft es daher, Staatsgeschäfte und Liebesangelegenheiten parallel zu erledigen …

Die unsterblichen Melodien dieser Leinwandoperette stammen aus der Feder von Werner Richard Heymann: „Schön ist das Leben“, „Das muss ein Stück vom Himmel sein“, „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“. „Sie kennen mich nicht, aber sie haben schon viel von mir gehört“, war später Heymanns Auftrittssatz, sein Gag bei Konzerten. Der gebürtige Königsberger, wesentlichster Komponist der Comedian Harmonists, auch Mitarbeiter und dann Nachfolger von Max Reinhardt an dessen Bühne „Schall und Rauch“, war ein glühender Europäer. So sehr, dass er, 1933 von den Nazis mit Berufsverbot belegt und ins Exil gejagt, nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrte. Obwohl er in den USA beachtliche Erfolge hatte, unter anderem die Musik für die Ernst-Lubitsch-Filme „Ninotschka“ und „Sein oder Nichtsein“ schrieb und mehrmals für den Oscar nominiert war. Volksoperndirektor Robert Meyer und Komponist und Arrangeur Christian Kolonovits haben Heymanns Schatz nun für das Haus am Gürtel geborgen. Der Film- ist ein vorprogrammierter Bühnenhit. Mit allem, was der Gast aus dem In- und Ausland zu schätzen weiß.

Dies ist allem voran Kolonovits zu danken. Er hat die Musik sozusagen aus dem Film abgeschrieben. Denn es gibt von „Der Kongress tanzt“ weder Partitur noch Orchesterstimmen, nur ein paar Klavierauszüge und einige Skizzen haben das Dritte Reich überlebt. Kolonovits schaffte es durch liebevolles Hinhören das Flair der 1930er-Jahre wieder aufleben zu lassen – inklusive des charakteristischen Kratzens alter Schellack-Platten. Er dirigiert seine „Originalklang-Operette“ selbst, und das wunderbar wandlungsfähige Volksopernorchester, das schon mehrmals unter Beweis gestellt hat, wie schwungvoll es swingen kann, wird in seinen Händen zur Big Band. Allein schon sein Sound ist diesen Feel-Good-Abend wert.

Inszeniert hat Robert Meyer mit viel Spaß an der Sache und zart eingesetzten Zeitbezügen. Etwa, wenn sich sein Metternich als geistiger Großvater der NSA zeigt, oder Fritz von Friedl als Bürgermeister ein Original ist, dass dem echten rein zufällig ein bisschen ähnelt. Auch, dass Wien anno 1814 nur ums Eck von Brüssel 2016 liegt, zeigt er ganz klar. Viel – musikalisches – Muskelspiel, aber dürftig in den politischen Beschlüssen. „Der Kongress gleicht einem Jahrmarkt in einer kleinen Stadt, wo jeder sein Vieh hintreibt, es zu verkaufen und zu vertauschen“, notierte der preußische Generalfeldmarschall Blücher damals. Um den schnellen Filmschnitten gerecht zu werden, gleiten die Szenen, begleitet von Spieluhrmusik, die Darsteller wie deren Figuren aufgestellt, auf der Drehbühne vorbei. Das ist eine schöne Idee, doch wird die Handlung, bevor sie richtig Fahrt aufnimmt, von diesem steten Wechsel ein wenig ausgebremst. Das ist schade. Unterm Strich aber hat Robert Meyer, der als Metternich selbstironisch über sein Los als „Führungspersönlichkeit“ klagt, für sein Haus einmal mehr ein perfektes Ensemblestück ausgesucht. Jeder kommt hier zu seinem großen Auftritt.

Das nutzen Anita Götz und Michael Havlicek ganz vorzüglich. Als Christel und Pepi sind die Sopranistin und der Bariton sowohl komödiantisch als auch gesanglich ein Traumpaar. Sie, die freche Resche mit leichter Bissgurn-Veranlagung, er, der Stotterer in Liebesdingen, ein Pantoffelheld schon vor der Heirat. In viel zu riesiger rosa Robe, ein textiles Sinnbild für: diese Welt ist nicht die ihre, wartet sie in der Hofburg auf den Zaren, der am Ende doch abreisen wird. Worauf sie sich nicht – siehe Film – sofort ihrem Pepi in die Arme wirft, sondern erst einmal, weil ja jetzt als Adelspantscherl berühmt, im Laden das große Geschäft macht. Das ist Emanzipation für beide Geschlechter, weil auch ein Pepi hat nicht alles nötig. Havlicek spielt das sehr charmant, er hat als Pepi durchaus Herzensbrecher-Potential. Boris Eder brilliert in der Doppelrolle als Zar Alexander und dessen Double Uralsky. Eder kann sowohl den weltgewandeten Verführer als auch den einwandfreien Dodl überzeugend über die Rampe bringen, und ist stimmlich sowieso glänzend. Seinem kurzsichtigen Uralsky, dem Thomas Sigwald als Adjutant Bibikoff die Brille wegnimmt, was zusätzlich für dessen Verwirrung und ergo Tumult sorgt, hätte man einen Slapstick mehr sehr gerne gegönnt. Mit Agnes Palmisano besingt eine waschechte Dudlerin Wiens alkoholische Qualitäten. Nicolaus Hagg jammert als Finanzminister gekonnt über die Kosten.

Zusätzliche Heymann-Lieder peppen die Aufführung auf. Wie für die Zusammenstellung einer Revue haben Kolonovits und Meyer gut gewählt, was zur Handlung passt. Zar-Eder darf auch noch „Hoppla, jetzt komm‘ ich“ aus dem Film „Der Sieger“ anstimmen. Für Regula Rosin als Fürstin wurde mit „Die älteren Jahrgänge“ aus „Professor Unrat“ ein gesanglich-kabarettistisches Kabinettstückchen gefunden. Wolfgang Gratschmaier, Marco Di Sapia, Axel Herrig, Bernd Birkhahn, Franz Suhrada und Gernot Kranner wissen als gekrönte und gewählte Häupter „Einmal schafft’s jeder“ – aus „Ein blonder Traum“. Und Robert Meyer hat für sich den „Alraune“-Tango „Heut‘ gefall‘ ich mir“ reserviert. Noch nie war Metternich so sexy.

Zum großen Schlussapplaus gab’s als Da Capo Christels „Das gibt’s nur einmal“. Als es am 8. Mai 1945 in Berlin keinen Strom, daher auch kein Radio gab, wussten die Menschen vielerorts nichts davon, dass die Wehrmacht die Waffen niedergelegt hatte. Da spielte beim Bahnhof Zoo ein russischer Lautsprecherwagen die Melodie – und die Berliner wagten sich aus ihren Verstecken. So etwas muss man erst einmal schreiben: Ein Lied, mit dem das Kämpfen endet und der Friede beginnt. An der Volksoper jetzt wieder zu hören. Ein Evergreen als zart eingesetzter Zeitbezug. Jeder Frühling hat nur einen Mai …

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Wien, 21. 2. 2016

Volksoper: Don Giovanni

November 15, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Achim Freyer verwurstet den Wüstling

Josef Wagner (Don Giovanni), Andreas Mitschke (Komtur) Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Machen Sie eine typische Handbewegung: Josef Wagner als Don Giovanni mit „Komtur“ Andreas Mitschke. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper bricht Achim Freyer mit alten Gewohnheiten. Seh- wie Hör-. Seine Inszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ wurde ergo mit beinah ebenso vielen Buhs wie Bravos bedacht. Freyer holt den Frauenhelden aus der ewigen Finsternis diverser Bühnenbilder ans Lichte. Er zeigt seine mit viel Liebe zu Details ausgestattete weiße Comicschöpfung mit Kirche, Hotel, Leuchtturm. Ein Schaumstoffstädtchen für die Schaumschläger, die zwischen Schicksalswürfel und Schweinskopf ihre Posen proben. Sie wurden als Weißclowns in diese Welt geknobelt. Und mitten drin, gekennzeichnet von Gottes rachsüchtiger red right hand, der Verführer, den sein Anonymousgesicht sowohl als Spaß- als auch als Protestbewegten ausgibt. Gegen das Spießertum. Wir sind Legion. Dieser Don Giovanni ist kein Einzeltäter mehr, er ist ein Prinzip, ein Lebens- und Lustprinzip.

Freyer nimmt sehr ernst, dass Mozart den „Don Giovanni“ in seinem Werkverzeichnis als Opera buffa beschrieb, die ständige Anwesenheit von Bühnenarbeitern und zirzensische Einlagen geben das Spiel als Spiel aus. Freyer nähert sich dem Abend leichtfüßig, zeigt eine Art Commedia dell’arte mit Archetypen. Was nicht heißt, dass nicht die schlimmsten Dinge passieren. Sex und Gewalt. Die Décadence demaskiert sich mittels Maskerade. Der Theatermacher hat dazu mit dem Ensemble einen Zyklus an Gesten einstudiert, der die Figuren ausweisen soll. Machen Sie eine typische Handbewegung. Das ist bei Don Giovanni etwa eine fließende, die sich vom Streicheln eines Instruments – einer Geige – zum wiederkehrenden Gruß wiederholt, bei Zerlina ein Rascheln mit dem Rock. Manchmal sind die Regungen falsch, weil der Schelm nicht immer denkt, wie er gerade tut. Ein manieristisches Gehabe, das beweist, dass hier jeder für sich und gegen die anderen ist. Täuscht die, die selber euch täuschen!

Zum Babylon trägt eine Sprachverwirrung bei. Weil Hausherr Robert Meyer und Achim Freyer sich wohl nicht einigen konnten, wird Italienisch und Deutsch gesungen. Allerdings erschließt sich nicht wirklich logisch, was wann warum. Denn auch die Contadini singen italienisch, die hohen Herrschaften mitunter deutsch. Klar verdeutlicht sich die Intention lediglich bei Giovannis und Leporellos Beiseitereden, wenn per Rezitativ das Einvernehmen mit dem Publikum gesucht wird. Es scheint mehr so, dass, wenn Freyer ein Parla! melodischer schien als der Kehlkopfbrecher Sprich! eben ersteres zum Einsatz kam. Das hat so oder so Methode. Gespielt wird die Prager Fassung, erweitert um Da Pontes Wiener Arien für Elvira und Ottavio. Der niederländische Dirigent Jac van Steen agiert am Pult luftig und zart, er unterstützt die Sänger mit sorgfältiger, sachter Hand.

Ihnen, den Solisten, gehört die höchste Hochachtung. Sie stellen sich nicht nur bravourös der schwierigen Zweisprachigkeit und sind in dieser erfreulich wortdeutlich, sie gehen auch mit den Ein- und Verhüllungen souverän um und haben Freyers verordneten Gestenkanon im kleinen Finger. Sie leisten Präzisionsschwerstarbeit und vollbringen eine gesamtkunstwerkliche Leistung. Josef Wagner verführt als Titelantiheld mit seiner schön timbrierten, ebenmäßig geführten Stimme. Er ist einer, der Frauen zum Schweben bringt, er weiß den Witz zu singen, ebenso wie Mischa Schelomianski, der als Leporello ein genüßlicher Vernascher von Wein und Weib an der Tafel seines Herrn ist. Ein gelungener Gag, wie bei der Registerarie die ganze Kunstgeschichte stark gekürzt abläuft; diesem Don Giovanni ging selbst Mona Lisa ins Netz.

Wie die beiden Herren bestechen stimmlich auch Esther Lee als stachelhaarige Donna Elvira – die Sopranistin sprang kurzfristig für die erkrankte Caroline Melzer ein – und Kristiane Kaiser als Donna Anna. Ihre Präsenz ist so prägnant, dass man in einer Szene tatsächlich verpasst, auf welchem Wege sich die Statue von der Bühne stiehlt. Was spannend, weil mitunter peinsam ist. Andreas Mitschke verleiht dem Komtur mit großem Volumen in der Tiefe Haltung. Anita Götz ist eine bauernschlaue, glockenhelle Zerlina, Ben Connor als Masetto ein dumper Kraftlackel. Jörg Schneider holt sich als Don Ottavio für seinen höhensicheren, von der Wärme der Liebe schmelzenden Tenor den größten Applaus ab.

Achim Freyer erschafft Sehnsuchtsbilder einer Höllenfahrt, an deren Ende sich das Inferno als ein von Menschen geschaffenes erweisen wird. Vom Battiti! zum Pentiti! wird Giovannis Weg pechschwarz und schwärzer, ein Schattengang, der sich im Wortsinn auf die anderen abschminkt. Drei nachtfarbene Fischer und ein Totengräber-Tod begleiten die Handlung, auf dem Friedhof werden sich Fisch und Kreuz symbolisch vereinen. Spätestens an dieser Stelle beweist sich Freyers Arbeit als Inszenierung mit Hand und Fuß, denn der Freigeist Giovanni wird von den gesellschaftlichen Kleingeistern, denen er’s angetan hat, in Stücke gerissen. Und verwurstet bis auf die blutigen Eingeweide. Leporello muss lügen und eine Story von einem steinernen Gast erfinden. Spätestens da stürmten Teile des Publikums gegen die Bilder. Dabei war’s doch ein lieto fine für alle. Ab ging’s nämlich ins Ristorante, wo Würstel à la Giovanni aufgetischt wurden. Von denen sich Achim Freyer das erste nahm. Ziemlich grotesk das alles … großartig!

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Wien, 15. 11. 2015

stadtTheater Walfischgasse: Zweifel

Januar 15, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Diese „Sister“ agiert beinhart

Anita Ammersfeld, Alexander Rossi, Johanna Withalm Bild: Sepp Gallauer

Anita Ammersfeld, Alexander Rossi, Johanna Withalm
Bild: Sepp Gallauer

Für ihre letzte Rolle am stadtTheater Walfischgasse wählte Intendantin Anita Ammersfeld eine, in der sie brilliert, wie in keiner tragischen  am eigenen Haus bisher. Sie zieht alle Register ihres schauspielerischen Könnens, ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung, verkörpert eine Figur, über die man sich ärgern kann, aber auch lachen – und vor allem Verständnis haben muss. Eingeschnürt, wie sie ist, ins Korsett der katholischen Kirche. Klug ausgesucht!

Gegeben wird „Zweifel“ von John Patrick Shanley. Pulitzer-Preis-, Drama-Desk-Award- und Tony-ausgezeichnet. Verfilmt mit Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman. Der Inhalt: St. Nicholas in der Bronx, New York. Der charismatische Pater Brendan Flynn versucht die strengen Sitten einer katholischen Schule auf den Kopf zu stellen, die mit eiserner Hand von Direktorin Schwester Lukas (Ammersfeld) geführt wird. Doch der Wind des politisch liberalen Wandels weht durch die Gemeinde und so nimmt die Schule ihren ersten schwarzen Schüler auf. Aber dann berichtet die naive Schwester James der autoritären Direktorin, dass Pater Flynn dem neuen Schüler zu viel private Aufmerksamkeit widmet. Messwein ist im Spiel. Und ein Knabenunterhemdchen. Unverzüglich sieht sich Schwester Lukas zum Handeln gezwungen – mit verheerenden Folgen. Das Stück ruft unweigerlich die Missbrauchsfälle in Erinnerung, die die katholische Kirche in den letzten Jahren erschütterten …

Schwester Lukas ist keine „Sister Act“. Sie urteilt streng, agiert beinhart, betet ihre Regeln wie den Rosenkranz. Zufriedenheit ist das Laster Einfältiger. Zu denen gehört in ihren Augen Lehrerin Schwester James (Johanna Withalm), die den Glauben an das Gute im Menschen noch verinnerlicht hat. Lehrer, rügt sie sie, hätten von Gott Herz UND Verstand bekommen. Ersteres hat warm zu bleiben, Zweiterer muss kühl sein. So sehr unterdrückt die Direktorin ihre Gefühle, bewahrt sie stets Haltung, dass sie die anderer (möglicherweise?) missdeutet. Dabei  ist sie trotzdem mit trockenem Humor ausgestattet. Anita Ammersfeld spielt das fabelhaft und weiß den Publikumsjubel auf ihrer Seite.

Regisseurin Christine Wipplinger inszeniert das so straight, so auf „Minustemperatur“, so versteinert, wie die Gesellschaft, die sich im „steineren“ Bühnenbild von Walter Vogelweider bewegt. Ausschließlich wird hier um den heißen Brei herumgeredet. Wobei Shanleys Anliegen durchaus klar werden: „Zweifel“ erzählt vom äußerst schmalen Grat zwischen Überzeugung und Ungewissheit und von der veränderten Wahrnehmung unter den Vorzeichen eines Verdachts. Es hält die Schuldfrage über das Ende hinaus geschickt in der Schwebe und deutet die moralischen Abgründe auf beiden Seiten der Frontlinie an. Jeder Dialog dynamisiert die Handlung, doch keiner davon lässt für den Zuschauer eine letztgültige Schlussfolgerung, was richtig und was falsch ist, zu. Die „Wahrheit“ wird nicht einmal auf dem Nachhauseweg zu finden sein. Zu sehr kann man Fürs und Widers abwägen.

Denn der großartige Alexander Rossi, der unkonventionelle Priester und Lehrer Vater Flynn, bleibt ein undurchschaubarer Januskopf. Hält salbungsvolle Predigten, gibt sich allein im Kirchengarten seinen Wutausbrüchen hin, gibt für den schwarzen Schüler Donald, der vom eigenen Vater verprügelt wird, eine Art Ersatzvater, tauscht mit Schwester Lukas verbale Ohrfeigen aus. Dies die besten Szenen: der Machtkampf zwischen Direktorin und Lehrer, zwischen Priester und Nonne – in einer Funktion er ihr, in der anderen sie ihm unterstellt -, da wird sogar ausgefochten, wer in Besprechungen auf welchem Sessel sitzt. Rachelle Nkou wird als Donalds Mutter vorgeladen. Wütend spielt Nkou diese Mrs. Miller. Man möge sie doch bitte in all das nicht hineinziehen. Für ihren Sohn ist ihr lieber der „Klassenaufstieg“, die gute Schule, gefolgt vom besseren College, als die Frage, ob es da „Annäherungsversuche“ gegeben hätte. Auch das eine starke, aus der Warte der Figur fast verständliche, Aussage.

Schwester Lukas siegt, Vater Flynn wird versetzt. Ohne tatsächliche Beweise. Die „Zweifel“ bleiben also. Nur nicht daran, dass dies ein außergewöhnlicher Abend ist. Und der Wiener Theaterspielplan ohne das stadtTheater um eine spannende Spielstätte ärmer sein wird.

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Wien, 15. 1. 2015

Volksoper: Gräfin Mariza

März 23, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Robert Meyer hat wieder einen Hit gelandet

Carsten Süss (Graf Tassilo), Helga Papouschek (Fürstin Božena), Robert Meyer (Penižek) Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Carsten Süss (Graf Tassilo), Helga Papouschek (Fürstin Božena), Robert Meyer (Penižek)
Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper

Es war ein Triumph. Für alle Beteiligten. Thomas Enzinger schuf eine beschwingte, intelligente, sympathische Inszenierung, die sein Lieblingsbühnenbildner Toto in traumhaft fantastische Kulissen versetzte. Alexander Rumpf, Hausdebütant, weil seit Saisonbeginn eigentlich Chefdirigent am Tiroler Landestheater, gelang ein kraftvolles Dirigat, zwischen melancholisch und kunterbuntermunter, das der Evergreen-Schleuder sehr entgegen kam. Die Darsteller waren sängerisch und schauspielerisch in Höchstform. Das Ballett (Choreografie: Bohdana Szivacz) tänzelte zwischen Folklore, Roaring Twenties und „modern dance“ mit Heugabeln und Mistkübeln. So macht man „Gräfin Mariza“ anno 2014! Nämlich auch mit einem Beitrag im Programmheft, „Ein halbes Jahrtausend Sklaverei. Die ‚Hauszigeuner‘ in Osteuropa“, dazu angetan, die Roma-Romantik zu relativieren.

Emmerich Kálmáns Erfolgsoperette aus dem Jahr 1924 ist eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise: Der verarmte Graf Tassilo hat sich als Verwalter bei der von Verehrern umschwärmten Gräfin Mariza verdingt. Die aufkeimende Liebe wird mit dem Auftauchen von Tassilos Schwester Lisa, die für seine Geliebte gehalten wird, gestört. Dann findet Mariza noch einen Brief, der sie glauben lässt, Tassilo sei nur hinter ihrem Vermögen her. Lisa ist ebenfalls unglücklich, weil sie den Schein-Verlobten der Gräfin, Baron Koloman Zsupán, liebt. Zum Glück entpuppt sich der als Hochstapler. Ein Schauspieler! Als alle auseinander gehen, tritt Lisas und Tassilos Tante Božena auf und sorgt für ein allgemeines Happy End. Sogar für sich selbst. Mit dem alten Fürst Populescu ist sie nämlich schon seit … – na, das sagt man nicht – Jahren verlobt … In „Gräfin Mariza“ folgt Hit auf Hit: Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien; Sag ja, mein Lieb, sag ja; Ich möchte träumen von dir, mein Puzika; Komm mit nach Varasdin; Komm, Zigan, komm, Zigan, spiel mir was vor; Auch ich war einst ein feiner Csárdáskavalier …

Enzinger lässt die Geschichte von einem alten Diener erzählen. Ein kleines Mädchen ist seine Zuhörerin zwischen zunächst wehmütig-weißverhängten Möbeln. Überhaupt greift der Regisseur gern zu Rückblenden. Wunderbar eine in Tassilos und Lisas Kinderzimmer mit zu Leben erwachenden Puppen und einem Plüscheisbären. Bezaubernd. Ein Regieeinfall schöner als der andere. In all dem Glanz glänzt Astrid Kessler, ebenfalls Hausdebütantin, sonst eher als Turandots Liù oder Brittens Governess in „The Turn of the Screw“ daheim, dabei Weltbürgerin mit Wiener Wurzeln – und wie man nun weiß: ganz offenbar mit Paprika im Blut. Ihren glockenhellen Sopran zu loben ist eine Sache, doch sie gestattet sich auch, ihre Rolle zu gestalten: Von der arroganten Schnöselin zur anscheinend Betrogenen zur bedingungslos Liebenden. Carsten Süss – nomen est omen – ist für sie der ideale Tassilo. Anmaßend auf Augenhöhe. Ein charmanter, stolzer Schmerzensmann, den man an den Perlen behängten Busen ziehen möchte. Und ein einwandfreier Tenor, der die schwere Kunst der leichten Muse aus dem Effeff beherrscht. Er lässt sich von Primas Gregory Rogers auf der Bühne begleiten. Anita Götz ist eine entzückend naive Lisa, die aber durchaus beweist, dass sie ihren eigenen Kopf hat – und dass es nach dem auch gehen soll. Köpfchen, eben. Und dann natürlich wieder dieser Boris Eder. Mit Verve und falschem Akzent stiehlt er als Koloman Zsupán (fast) allen anderen die Show. Welch ein Buffo! Ein patscherter Macho, aber von sich selbst überzeugt – und wie. Punkto Singen, Tanzen und -pardon!- Saufen kann ihm nur einer den Slivovic reichen: Toni Slama. Die Josefstadt-Leihgabe entfaltet völlig neue Talente. Zu sagen, er wäre als erst unsymphatischer, dann dank Alkohol immer leutselig werdender Fürst Populescu entfesselt, trifft die Sache nicht einmal halb.

Apropos, Boris Eder und fast die Show stehlen: Das Highlight folgt im dritten Akt. In Form von Hausherr Robert Meyer als Faktotum Penižek (bei der Erstaufführung 1925 die Hans-Moser-Rolle) und Grande Dame Helga Papouschek (sie war am Haus schon die Lisa) als Fürstin Božena Guddenstein zu Clumetz. Welch ein Kabinettstück, wenn die dank Botox und Beautydoktorkünsten mimiklose Dea ex Machina ihre Empfindungen ihrem frechen Kammerdiener aufträgt: Penižek, ärgere dich! Penižek, freu dich! Penižek, sei gerührt! Der Chef „rächt“ sich an der schrulligen Tante, indem er sich die Lacher abholt. Robert Meyer gibt die Zitatenschleuder von Shakespeare bis Nestroy. Da hat er wieder was für sich gefunden. Der entlarvte Schauspieler hat eine Burgruine geerbet und will daraus ein „Burgtheater“ machen. Der Seitenhieb – Meyer war von 1974 bis 2007 Schauspieler im Haus am Ring und auch Ensemblesprecher – musste wohl sein. An der Volksoper ist es einfacher: Das ist die ganze Welt noch Rot-Weiß-Grün.

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Wien, 23. 3. 2014

Anita Ammersfeld im Gespräch

März 13, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ganze Wahrheiten aus dem stadtTheater

ammersfeld 9808-Sepp GallauerstadtTheater-Prinzipalin Anita Ammersfeld steht derzeit in Alan Ayckbourns Komödie „Halbe Wahrheiten“ auf der eigenen Bühne. Eine Doppelbelastung, die sie gerne auf sich nimmt. Denn es gilt zu sparen, wie sie im Gespräch mit mottingers-meinung.at erzählt. Die öffentliche Hand ist eine feste Faust, dabei warten demnächst spannende Produktionen.

MM: Sie sind als Intendantin des stadtTheaters Walfischgasse voll ausgelastet, stehen nun aber doch wieder einmal auf der eigenen Bühne, in Alan Ayckbourns „Halbe Wahrheiten“. Der Rolle der Sheila konnten Sie wohl nicht widerstehen?

Anita Ammersfeld: Ja, sie ist deshalb so besonders, weil Sheila ein Geheimnis verbirgt. Und das gilt es zu vermitteln in der Rolle. Sie durchschaut nicht immer alles gleich genau, aber mehr und mehr. Sie macht das Geschehen für sich schlüssig erklärbar. Sie lügt von allen am wenigstens – auch, wenn sie vorgibt, ein Verhältnis zu  haben. Am Ende ist sie die Strippenzieherin.

MM: Sheila ist eine Salondame mit Selbstironie …

Ammersfeld: Das wäre eine Rolle für die Nicoletti, die Degischer, die Almassy gewesen. Dieses Rollenfach ist heute nicht mehr in dem Ausmaß, wie’s früher war, vorhanden. Ich glaube auch, dass man heute die Theaterform Komödie, Schauspiel, wo solche Rollen gefragt sind, ganz anders interpretiert. Heute werden derlei Figuren lieber als schrullige „Tanten“ gezeigt. Die Elegance hat man leider aufgegeben.

MM: Ist Ihnen an Sheila auch persönlich manches nahe?

Ammersfeld: Ich bringe einiges für die Sheila mit. Regisseurin Carolin Pienkos hat das auch bemerkt und oft betont. Ich musste nicht an der Figur viel machen, sondern an der Interpretation. Das hat Carolin Pienkos mit mir auch gemacht. Sie ist eine sehr genaue Arbeiterin, sie schaut sehr genau hin und lenkt auch sehr genau. Ich spiele selten selber, ich schüttle mir das nicht aus dem Ärmel. Ich kann nicht sagen: Ich muss schnell Bürokram erledigen, ich finde, die Kollegen haben ein Recht, dass ich ihnen bei den Proben voll und ganz zur Verfügung stehe, bei der Sache bin.

 MM: Im stadtTheater kristallisiert sich allmählich ein Kern …

Ammersfeld: … ein harter Kern heraus.

 MM: Carolin Pienkos gehört dazu, Cornelius Obonya, Rupert Henning, Oliver Bayer, Fritz Egger … Das ist ja schon ein „Ensemble“.

Ammersfeld: Wenn das so leicht wäre! Es ist schwierig, weil wir eben kein fixes Ensemble haben. Es geht darum, die richtigen Leute in den richtigen Konstellationen zusammen zu bringen. Wir arbeiten Richtung anspruchsvolles Kammerspiel, mit kleiner Besetzung. Umso wichtiger ist, dass die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt. Und gleichzeitig geht’s darum, jene Künstler zu verpflichten, die fürs Haus interessant sind. Da führt man lange vorher schon Gespräche, weil die Besten natürlich auch bestens beschäftigt sind. Wenn eine Produktion ausfällt, können wir nicht einfach eine andere einschieben, weil eben kein Ensemble da ist, das einspringen könnte.

 MM: Sie holen sich auch Kollegen, die in ganz anderen Biotopen zuhause sind: Barbara Horvath vom Schauspielhaus Wien spielt in „Drei Mal Leben“, Hubsi Kramar in „Halbe Wahrheiten“ …

Ammersfeld: Sie hierher zu bringen, ist spannend. Diese Künstler haben eine ganz andere Zugangsweise zum Beruf. Das letztendlich zum Funktionieren zu bringen, sie sich einmal in einem anderen Biotop erproben zu lassen, ist spannend und aufregend. Ich glaube, dass unser Publikum die Vielschichtigkeit, die wir auf die Beine stellen, schätzt. Hubsi ist ein wunderbarer Kollege, einer, der für mich die richtige Haltung und Lebenseinstellung hat, selbst Theatermacher ist, ein Bühnenmensch ist. Ich bin froh und glücklich, mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Wir verstehen uns großartig, auch in seinen Ideologien. Er ist ein hochanständiger, völlig unkorrupter Mensch, geradeheraus bis zur Schmerzhaftigkeit. Und er schadet sich damit mitunter auch und es ist ihm wurscht. Das ist eine Haltung, die ich unglaublich bewundere. Wir sind sehr unterschiedlich: Die Lady und der Linke. Aber wir verstehen uns prächtig.

 MM: Wo nehmen Sie die Energie her?

Ammersfeld: Das frage ich mich manchmal auch. Ich habe die Sieben-Tage-Woche bei 14- bis 16-Stunden-Tagen. Wenn ich nicht im Theater bin, arbeite ich daheim am Schreibtisch.

MM: Einem Ondit zufolge greifen Sie in Inszenierungen ein, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Ammersfeld: Das haben Sie gehört? Das stimmt auch. Das ist eine Sache, mit der jeder, der mit mir arbeitet, rechnen muss. Aber es ist immer zum Besten der Produktion. Ich bin in vieler Hinsicht ein Bauchmensch, ich habe sensible Sensoren für Dinge und ich weiß mittlerweile auch genau, was hier am Haus verlangt wird und funktioniert und was nicht. Ich würde es als fahrlässig erachten, wenn ich darüber hinweggehen würde, wenn etwas möglicherweise in eine falsche Richtung ausufert – was aber mittlerweile höchst selten passiert. Denn am Ende des Tages bin ich für Auslastungszahlen und Einnahmen verantwortlich.

 MM: Das stimmt.

Ammersfeld: Wir müssen hier sehr genau rechnen. Und ich trage die Gesamtverantwortung. Es geht letzten Endes alles auf meinem Rücken aus, sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge, die es mitunter auch gibt. Man sollte versuchen so wenig Fehler wie möglich zu machen, so wenig falsche Entscheidungen wie möglich zu treffen. Ich kann mir nicht nur den Lorbeer umhängen, ich muss auch den Karren aus der Scheiße ziehen. Und es war schon oft genug Feuer am Dach, obwohl wir sehr zusammenhalten, eine Familie sind. Aber keine Demokratie; einer – ich – muss Flagge und Rückgrat zeigen. Ich betrachte Theater als moralische Instanz, wir haben einen Auftrag. Den nehme ich voller Begeisterung auf mich. Mit so viel Kompromissen, wie sich nicht verhindern lassen.

 MM: Das stadtTheater ist auf einem guten Weg. Sie haben mit „Drei Mal Leben“, „Mord mit kleinen Fehlern“, „C(r)ash“, „Der Vorname“, „Halbe Wahrheiten“ … Erfolgsproduktionen eingefahren. Soll das der Weg sein? Unterhaltung mit Haltung?

Ammersfeld: Das war von Anfang an mein Anspruch. Wir wollen kleine Stücke auf hohem Niveau zeigen. Auch ein Krimi ist Unterhaltung. Ein Theaterabend soll etwas in den Köpfen der Zuschauer hinterlassen, soll zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Er soll die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung befeuern – und kleine Stücke können das oft sehr gut. Das geht auch bei uns gar nicht anders. Wir haben keine Senkbühne, keine Drehbühne, keine Seitbühne. Wir haben keine Bühnentiefe, keinen Schnürboden, wir haben fast keine Verwandlungsmöglichkeit – und da wird Kreativität – nicht aus dem Vollen schöpfen zu können, ohne, dass das Niveau auf der Strecke bleibt – in lichte Höhen geschraubt. DAS ist Theater.

MM: Motto: Not macht erfinderisch?

Ammersfeld: Unbedingt. Wir müssen mit 2500 Euro pro Bühnenbild auskommen. Da ernte ich oft verzweifelte Blicke, aber unser Budget erlaubt uns einfach nicht mehr. Ich kann nicht mehr Geld ausgeben, als ich habe. Und siehe da: Es ist sich immer noch ausgegangen. Meine Theaterleute müssen den moralischen Anspruch auch an sich selbst stellen, denn es würde mir beispielsweise nie einfallen, mir eine Schauspielergage zu zahlen, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich habe ein Gehalt als Theaterleiterin, das muss reichen.

MM: Reizwort Förderungen?

Ammersfeld: Wir sind nach wie vor sehr gering gefördert, die Summe macht nicht einmal ein Sechstel unseres Budgets aus. Den Rest müssen wir selbst stemmen, selbst erwirtschaften. Wir wurden erst gar nicht gefördert, dann sehr geringfügig. In zweiten Jahr haben wir 50.000 Euro Baukostenzuschuss bekommen, dann waren’s 100.000, jetzt sind’s 300.000 Euro. Das ist auch keine Subvention, das ist eine Förderung. Wir haben pro Saison 40.000 Zuschauer, das heißt jeder Sitzplatz ist nicht 7,20 Euro gefördert. (Bei den Bundestheater: 110 Euro, bei den Vereinigten Bühnen Graz 123 Euro, Anm.) Wir sind vom Kontrollamt geprüft worden und haben eine römisch 1A bekommen. Die sagten, wir sind vorbildlich, obwohl Häuser unserer Größenordnung mit einem Vierfachen gefördert werden. Das haben wir halt nicht. Das Kontrollamt hat unsere Transparenz in allen Bereichen gelobt. Ich musste mir diese kaufmännischen Dinge ja auch aneignen, erarbeiten, als ich das Theater übernommen habe, und wurde punkto Knowhow sehr von meinem Mann Erwin Javor unterstützt.

MM: Kränkt, ärgert, frustiert, ist Ihnen wurscht, dass manche Journalisten und die Nestroy-Jury Berührungsängste mit dem stadtTheater haben?

Ammersfeld: Das kann  ich mir nicht erklären, achte auch ehrlich gesagt nicht allzu sehr darauf. Ich fühle mich von den Printmedien durchaus gut behandelt, allen voran von Werner Rosenberger und mottingers-meinung.at. Andere kommen, um uns zu verreißen, da ist mir lieber, sie kommen gar nicht. Ich mache hier meinen Job so gut ich kann. Also kann ich mich nicht ärgern. Was den Nestroy-Preis betrifft: Das ist nicht mein Hauptbegehren, dazu mache ich nicht Theater. Gut Ding braucht Weile. Also mal sehen 😉

MM: Was kommt nächste Spielzeit?

Ammersfeld: Wir werden im Oktober „Der Beweis“ von David Auburn herausbringen. Ein Krimi im Mathematikermilieu. Im Jänner wollen wir „Zweifel“ von John Patrick Shanley machen. Da geht’s um vermeintlichen Missbrauch in der Kirche. Ein spannendes relevantes Gesellschaftsstück. Da ist die Theaterdirektorin Ammersfeld mit der Schauspielerin Ammersfeld gerade in Diskussionen, ob sie mitspielen wird. Das habe ich mir mit mir noch nicht ausgemacht, ob ich mich selbst finanziell über den Tisch ziehe. (Sie lacht.)

MM: Ein Wunsch?

Ammersfeld: Es soll mit dem Rückenwind, der uns immer wieder Erfolg beschert, weitergehen.

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Wien, 13. 3. 2014